Schlagwort-Archive: Liebe

Im Besteckkasten

Ein flatterndes Insekt hätte
es sein können
oder ein spazierendes
das mich kitzelte

im Nacken
Ein Fühler
Paar womöglich
das fühlte

Vielleicht eine Spinne
die den Faden verlor
weil sie müde war
nachdem sie ihren Partner verflüssigt hatte

Nein, es waren
Wimpern, die ein Blinzeln bewegte
Ein Zwinkern vielleicht
Schon halb im Traum

Ein Augenblick
Ein Wimpernschlag
Ein Moment
der nächsten

Nähe
Das Bett als Besteckkasten
Ein Fach in der Schublade
der Gemeinsamkeit

Das Auge im Rücken
Der Tausendfüßer
der über einen Löffel läuft
Das leise Lachen eines Käfers 

das nebelfeucht & warm
auf der Haut eine Spur
hinterlässt
Was hinter mir liegt

bist du
Was neben mir liegt
bist du
Was vor mir liegt

ist die leere Seite
des Bettes sowie die Zukunft 
Ich brauche mich
nur umzudrehen


Niemand ist

 

Niemand ist ich
Außer mir
Nicht einmal
Die sind
Wie ich
Können ich sein

Was ich kann
Oder nicht kann
Kann nur ich
So wie ich
Es kann
Oder nicht kann

Meinen Schmerz
Meine Freude
Empfinde nur ich
So wie ich
So ähnlich kann mir niemand sein
Dass er es könnte

Wenn ich versage
Versage ich einzigartig
Wer’s mir nachmacht
Macht es anders
Ich muss nichts können
Denn ich bin da

Ganz da
Ganz hier
Ganz ich
Gäbe es einen Sinn
Zu existieren
Dies wäre er

Niemand ist du
Nur du
Die sind
Wie du
Sind es nicht
Was wäre die Welt ohne dich

Sie wäre völlig anders
Selbst wenn es niemand merkte
Außer mir (vielleicht)
Mehr soll man sich nicht wünschen
Nur ich sein Du sein
Hier & Da

Sein


Dank 

Man war höflich
zueinander & wusste
sich gegenseitig zu schätzen.

»Danke fürs Saugen«, sagte sie
zu ihm. Er stellte das Gerät
zurück ins Kabuff.

Nahezu staubfrei war das
Schlafzimmer. Sie gingen zu Bett.
Später sagte er zu ihr: »Danke

fürs Saugen.« Das Gerät wurde
verstaut. Dann lachten sie beide
& schlummerten ein.


Die Zellteilung der Gefangenen

Gefangen im Leben
Gefangen in der Welt

Die Zellteilung der Gefangenen:
das Zusammen

Sein

Geteiltes Leben
Geteilte Welt

Liebe

Vermehrung

sonst
Nichts


Der winzige Tubaspieler

 

Ein winziger Tubaspieler
Lebte unter unserem Bett

Hin & wieder
Probierte er sein Instrument

Das winzig war wie er
& doch klang wie ein großes

Nur 1 oder 2 Töne zumeist
Ließ er hören – niemals

Eine Melodie
Und obwohl wir es wußten

Sagten wir immer
Wenn wir ihn probieren hörten:

»Wer war das?«
»Ich

war’s nicht.« »Ich
auch nicht.«

»Ach ja, der
Tubaspieler!« Gelächter

Es war schön
Dass wir 3

So vertraut
Miteinander waren.


Die Macht der Gewöhnung 

Sie sagte »Wenn
du stirbst, lasse ich dich
einfach da liegen –

& lege mich
zu dir.«
»Das ist«,

sagte ich, »schön. So
romantisch. Aber irgendwann werde ich
anfangen zu stinken.«

»Das macht nichts«,
sagte sie.
Daran bin ich gewöhnt.«


Verschweigen Versprechen Versagen

Furchtbar
Laut war das Verschweigen
Und ein Versprechen wurde leise

Gebrochen
Die Lüge ist ein Versagen
Der Wirklichkeit

Am Ende
Geht jeder
Noch ein bisschen einsamer

Getrennt
Durch ein Gespinst
Von Unwahrheiten

Wer hatte verschwiegen?
Wer hatte versprochen?
Ein Mensch

Wie ich & Du wie
Alle Furchtbar Gebrochen
& am Ende ge

trennt
Durch ein Versagen
Der Wirklichkeit


Gelächter im Licht

Eine frühlingsbunte Wiese
Verkehrslärm fernab
Flatterflügel & Gesumm
Mir fiel ein: Hätte Rubens eine Biene gemalt
wäre sie eine Hummel

Pollen schneiten durch den Sonnenglast
Alles wucherte & roch
nach sich
selbst Die Geliebte
im heißen Höschen
neben mir Die Luft
fieberte & schwitzte
als wäre es Hoch
sommer Vögel stellten sich vor
aber wir verstanden sie
nicht Mag
sein dass Menschen da waren
aber ich
sah sie
nicht Selbst
der Horizont war horizontal
sonst nichts
Es
war die Zeit der rechtwinkligen Phantasien
Alles schien
jung Sogar
mein Inneres Eine Hose
so kurz wie das Leben
so knapp wie ein Sieg

»Übrigens« sagte die Frau (wie ich
ihre Stimme liebe
) »Sex
sucht ist heilbar«
»Ich weiß« sagte ich Ich
schaute hinab
auf ihre Sandalen
(Riemen & Zehen
in Bewegung) »Ich
weiß« wieder
holte ich »aber
wer will das schon« Lachen 
Gelächter

Gelächter
im Licht


Schon wieder Liebe 

– – und dann hatte sie meinen Schlaf
nicht stören wollen
& hatte die Spülung
nicht betätigt, weil sich das Klo gleich
nebenan befand, und später, als sie
wusste, dass ich erwacht war, vergaß sie
zu spülen, weil sie in meinen Armen
lag, und als ich
aufstand, um zu pissen, sah ich:
Kacke, 2 nette kleine
Würstchen im Flachspüler, mit
aufgeweichtem Papier drumherum. Fast
wie ein Geschenk. Ein Brauch
aus der Vorgeschichte.
Wie rücksichtsvoll sie war!
Das ist Liebe, dachte ich.
Und ich betätigte die Spülung für sie 
bevor ich mich setzte.
Ich wusste, es
würde ihr furchtbar peinlich sein,
und ich atmete
flach – – 


Auf der Brücke

 

»Was hast du«
fragte sie »geträumt?«
»Wann?« fragte er
»Letzte Nacht« sagte sie
»Ich weiß nicht
Was – ich weiß
nur Wovon« »Wovon
hast du geträumt?«
Sie standen auf
einer Brücke Die Frau
am Geländer Der Mann
etwas abseits Er
hatte Angst vor der
Tiefe Sie
schaute hinab in den Ab
Grund Wind
bewegte Wipfel
Er betrachtete sie wie sie
beobachte wie die Bäume
bewegt wurden von dem
der ihre Haare bewegte
»Vom Alkohol« sagte er
»und vom Verlassen & Verlassenwerden
vom Rauchen – von dem
was ich aufgegeben habe & von dem
was ich bekommen habe
stattdessen« »Klingt«
sagte sie »traurig«
»Gar nicht – ich
habe viel gelacht
im Traum« »Habe ich
nicht gehört«
»Seltsam« sagte er
obwohl es nicht seltsam war
sondern selbstverständlich
Dann sagten sie
wieder nichts
wie zuvor
verloren
in ihren Gedanken
die so oft dem Anderen
galten


In meiner Nähe

 

Ich war allein
in meinem Traum

Nichts & Niemand
umgaben mich

Kein Wort kann es
beschreiben, denn jedes

Wort ist zu viel für Nichts
Und Niemand setzt Jemanden voraus

Einsamkeit ohne Worte
war in meinem Traum

Keine Begriffe
an denen man sich festhalten konnte

Doch es erschreckte mich
nicht, denn ich schien

es gewohnt zu sein von Alters her
Ich träumte eine Wirklichkeit

in der Träume nicht existierten
Und das All war ein kahles Zimmer

in dem ich allein war
Isoliert von Allem

Von Allem, was ohnehin nicht existierte
Plötzlich aber –

hörte ich jemanden
atmen…..

ruhig & regelmäßig
in meiner Nähe

Dabei hatte ich gedacht
meine Nähe gäbe es gar nicht

Ich bekam Angst
so wie Andere ein Geschenk bekommen

Und Bewußtsein bekam ich
Das der Angst ähnelte

Als ich erwachte
war auch dort der Atem

als hätte ich ihn mitgenommen
aus meinem Traum

Ruhig & regelmäßig
atmete es in meiner Nähe

Denn meine Nähe existierte
Und Jemand lag darin

Lag darin wie selbstverständlich
& so als ob

Selbstverständlichkeit in meinem Leben
vorgesehen wäre

Auch sie erwachte
Sie berührte mich in der Finsternis mit ihrer Hand

Nur kurz, um sich meiner Nähe (vielleicht
sogar meiner Existenz) zu vergewissern

Ein leises Kichern der Zufriedenheit –
Dann schlief sie wieder ein

Ich blieb noch eine Weile wach
weil ich das Bewußtsein nicht verlieren wollte

Und weil ich es hören wollte:
Das Atmen

in meiner Nähe


Unfassbar

Der Mond hing tief
Dicht über der Straße
Unfassbar

In der einbrechenden Nacht
Obwohl ich so lange Arme habe
Die Hände am Steuer

Swingte es im Radio
Dann war das Stück
Zu Ende. Jemand sprach.

Nannte den Interpreten
Den Titel & das Erscheinungsjahr.
1989. Ich dachte an jenes Jahr

& die einzige Frau
In meinem Kopf. Damals
Hatte mich dieser Job

Ereilt. Der erste
Lohn. Mit 29! Unfassbar
Wie man durchs Leben kommt.

Anders als man denkt
Wenn man denkt
Und wenn man nicht denkt

Kommt es auch
Anders. Ich
Stellte sie mir vor. Wie sie hätte

Getanzt haben können
1989. Zu dieser Musik, die jetzt
zu Ende

gegangen war. Swing! (Auch heute noch
Schaukelt sie für ihr Leben
Gern.) Es tanzt

Mit unsicheren Schritten. Über die
Es nicht nachdenkt. Leicht
Könnte es fallen; gerade

Erst hat es Gehen gelernt –
Das tanzende Mädchen
Wild in meinem Kopf. Das tanzende Mädchen

Das ich nicht gekannt hatte. Das
Tanzende Mädchen, das ich
Kennenlernen würde, verborgen

In einer Frau, die schaukelt. In der einzigen
Frau in meinem Kopf. Ich musste
Lächeln bei diesem Gedanken

Spiel. Und schaltete
Das Radio aus. Die Nachrichten
Von 2016, ich wollte sie

Nicht hören. Unterwegs. Noch immer
Derselbe Job wie damals. Und
Die Tänzerin wartete zu Hause

Auf mich! Es war wirklich
Unfassbar. Unfassbar
Wie man durchs Leben kommt.

Und der Mond hing so tief. Dichter
überm Horizont. Und meine Arme
Hatten exakt die richtige Länge

Für Umarmungen. Und die Krater könnten
ein Lächeln
Bilden

Wie in einem alten Gesicht.
Es ist Alles eine Frage
Der Interpretation.


Alktraum

»Den Titel hab ich
schon«, sagte ich. Ich
schaute nach oben.

Vor lauter
Bewölkung sah man
die Wolken nicht. Der Tag

war dunkel. »Na immer
hin«, sagte der Mann
neben mir. Er saß

auf derselben Bank wie
ich, und das war
kein Zufall. Er trug

einen seltsamen Mantel. Zuweilen
sah es aus, als habe er Flügel. Wahr
scheinlich war er aber nur

kaputt. Der Mann hatte ein Gesicht
wie ein Pferd. Ein Pferd, das
ein Gesicht wie ein Mensch hatte. (Er

gibt das einen Sinn? Ich hoffe schon. Aber
wenn nicht – ist es auch
egal. Man hat sich ja längst

daran gewöhnt, dass kaum
etwas einen Sinn ergibt.) Jeden
falls war es lang, dieses

Gesicht, und ein Gebiss dominierte
darin. »Und wie
lautet er?« fragte der Mann.

»Wie der Alkohol wieder in mein Leben trat
& sich dafür rächte, dass ich versucht hatte
ihn daraus zu verbannen.«

Er sagte: »Das ist ein verdammt
langer Titel.« »Es ist ja auch eine
verdammt lange Geschichte«, sagte

ich. »Was geschieht
darin?« wollte er wissen. Ich gab
eine verschwommene Antwort…..

Wie der Alkohol
in Gestalt einer Frau
durch meine Tür trat.

Jung & schön
& zerstörerisch. Selbst
zerstörerisch im

Besonderen. Und wie
ich mich verliebte. Und nicht
aufhören konnte

zu lieben. »Verstehe«,
sagte er. Tat er
das? Ich hatte meine

Zweifel. »Eine Allegorie«, sagte
er. »Wie der Alk … wieder Alk … ein
Alktraum … Alkegorie …« Wusst’ich’s

doch! Nichts
verstand er. Und wenn er schon
Nichts verstand, wer

konnte es dann verstehen? Er schien
die Wörter abzuschmecken, zu
probieren. Flüsternd. Zähne

bleckend. »Allehohl … Alleholgorie …« Vertieft
in Gedanken,
die ihm nicht

gehörten. Es waren meine
Gedanken. Vielleicht gehörte
ihm nicht einmal

dieser seltsame Mantel. Mit den vermeintlichen
Flügeln. Und wir beide wussten,
dass wir uns nicht mehr erinnern konnten

wann wir uns kennengelernt hatten. Und wie.
Wir sprachen nicht
darüber. Niemals. Da

saßen wir. Im Freien. (Im Freien – das klingt
wie ein bitterer Scherz.) Menschen
gingen vorüber. Alle Menschen

sind vorübergehend. Wir
schauten sie kaum an. Die Sonne
schien. Hinter den Wolken.

Daran erinnerte ich mich. Immer
wieder. Wie verführerisch
Sie aussieht, wie

Liebenswert. So jung
& traurig. Und wie
Sie durch den Rahmen

Der Tür tritt. Meiner
Tür. Und mein Haus
Zu einem anderen

Macht. Und hier ging eine Frau
vorbei, die jeder hässlich
genannt hätte, und

ihre Frisur glich einem übervölkerten
Schlangennest. »Woran denkst du?«
fragte ich

den Mann mit dem Gesicht
eines Pferdes, das aus
sah wie ein Mensch. »An meine

Mutter«, sagte er. Er betrachtete einen Stein. Er
gab das einen Sinn? Wir mochten es
hoffen. Aber sicher

waren wir nicht. Das Haus
roch nach Wein; nach Blut, das in schmalen Wunden gerann. Die Luft schmeckte nach geweinten

Tränen. Leere füllte die Flaschen. Mit Nichts. Und ich
konnte nicht aufhören
zu lieben. Der Mann

sagte: »Wollen wir etwas trinken gehen? Ich muss deine Gedanken ertränken. Damit mir etwas einfällt. Für dich.« Auf seinem Lächeln

hätte man Klavier spielen können.
»Nein«, sagte ich, »ich
trinke nicht.« Schon

Lange
Nicht
Mehr und

Noch
Immer
Nicht


Der Schatten der Tigerspinne

Niemals vor & niemals nach
diesem Tag sah ich eine wie
Sie in dieser Gegend.

Sie warf ihren Schatten
auf den roten Vorhang; der
Vorhang verfärbte das Sonnenlicht, und

der Schatten war größer als
Sie selbst. Schwarz zitterte
er, und rot

durchflutet war der Raum.
Ich war nicht mehr allein & verließ
das Sofa, um zu sehen, wer

den Schatten warf. Ich zog
den Vorhang beiseite, und
das Licht blendete uns.

»Seltsam«, sagte ich,  »solche
habe ich zuletzt in meiner Kindheit
gesehen, und damals war ich ganz

woanders.« Die junge Frau
lächelte. Ich sprach nur, um
– wie man so sagt – das Eis

zu brechen, doch da war
gar kein Eis. Nur die nachgiebige
Schüchternheit der ersten Begegnung.

Von innen betrachteten wir
das Netz & die schwarzgelbe Zeichnung
der Spinne dort draußen

im Winkel des Fensters. Wo mochte
sie herkommen, und wohin
war sie verschwunden

am nächsten Morgen, als wir
nur noch das verlassene Netz
vorfanden? Niemals

vor & niemals nach
diesem Tag sah ich eine
wie Sie in dieser Gegend. Sie war

wie ein allzu bemühtes, doch allzu
einfaches Bild in einem allzu
einfachen Gedicht.

Aber sie war einfach
da. Wie die Erinnerung
an meine Kindheit. Wie

das Netz & ihr Schatten. Sie
war da. Wie die Wirklichkeit. Und wie
die Frau, in die ich mich verliebte.

Siehe auch


Dieser Platz

Niemand kannte diesen Platz.
Und auch mir war er fremd.
Wie ein Ort

Aus

Einem
Vergessenen
Traum.

Das Ziel,
Welches man nicht erreichte,
Weil das Erwachen zu früh kam –

Der Traum zu schnell verging.

Niemand kannte diesen Platz.
Seine Existenz
War zweifelhaft.

Dieser Platz in meinem Leben,
den Du jetzt ein
nimmst.


Über Es

(für S.)

Ich schreibe
über mein Leben

Aber mein Leben
will nicht, dass

Ich
Über Es

Schreibe

S
will im Verborgenen

Leben

So                     vergehen
Wir

Still
& unbemerkt

Bis
Wir

Sterben


Geblendet von der Dunkelheit

Das Licht der Nacht
Tischlampe fiel
Auf die Lider

der Schlafenden                        (Dies könnte ein Plural sein, doch
                                                                    Sie ist einzig & allein.)
Wie tief Sie
Schlief wie tief
Sie atmete

Der Mann im schwarzen An
Zug kam von der Nacht
Schicht

Nach Hause

Sein Blick fiel
Wie das Licht der Nacht
Tischlampe auf

das Gesicht

Der Schlafenden
Die er liebte wie das Licht
Der Nacht

Wie tief
Sie schlief wie
Tief Sie atmete                                      (Sie könnte die Lampe sein, oder
                                                               die Nacht. Doch Sie ist Sie.)
Er beugte sich hinab
Zu Ihr
& machte die Lampe

Aus

Ein leiser Laut des Erschreckens
Aus Ihrem Mund
& die Decke zog

Sie über ihre
Geschlossenen Augen
Als sei Sie

Geblendet von der Dunkelheit

So wie er
Geblendet war
Von Ihr                                                 (Nicht die Lampe, nicht
                                                               die Nacht. Nur Sie.
Geblendet                                                   Wahr.)
Von Ihr
& Ihrer

Dunkelheit


Tief unter der Oberfläche

Er wusste,
sie hatte Angst
nur eine Oberfläche
zu sein für ihn.

»Arsch, Titten, Beine«,
hatte sie gesagt.

Er dachte: ›Irgendwann
wird sie Alles begreifen.
Die Wahrheit, das Einzigartige –
die Tiefe.‹

Sie saßen auf der Terrasse.
Es war fast schon dunkel.
Sie spielte
auf der Gitarre, und sie

beide beobachteten die Fledermäuse,
die wie hektische Schatten über den Hinter
Grund der Dämmerung
flatterten. ›Hoffentlich‹,

dachte er,
›wird es nicht
zu spät
sein.‹


Auf jenen Fotos

Ich
Ich habe
Ich habe mich
Ich habe mich noch
Ich habe mich noch nie

Ich habe mich noch nie so

So

Lächeln
Gesehen

Wie auf jenen Fotos
Auf denen Du

Du

Neben mir

Bist

In keinem Spiegel
In keinem Fenster
In keiner Wasser

Oberfläche

Die Spiegel kannten mich nicht
Die Fenster gehörten zu fremden Häusern
Das Wasser war Veränderung

Nie
Nie habe
Nie habe ich
Nie habe ich mich
Nie habe ich mich so

So gesehen

Lächelnd wie der gebogene Schatten
In einer Wolke
Eingefangen & festgehalten
Bevor der Wind sie zerreißt

Für immer

Nie


Glanz

Wenn
Meine Augen glänzen
Weiß

Jeder
Dass ich in Deine Richtung
Schaue.


Zahnpasta im Waschbecken

 

Da stand sie
also vor meinem Wasch
Becken halbnackt & fing
an sich
die Zähne zu putzen
Ein Klümpchen Zahnpasta
rutschte von der Bürste
& landete Weiß auf Weiß
im Becken Mit dem Mittelfinger
nahm sie es auf
& tat es
zurück auf die Borsten
Putzte weiter Sie
wusste dies
war das Becken
in das der Ein
Same der ich war
häufig wichste Sehnsucht
die an die Kacheln klatscht
lautete
das Geflügelte Wort zwischen uns
Wir hatten gelacht
darüber
Versunken
in ihren Anblick lauschte
ich dem Geräusch in ihrem
Mund Ihrem Mund der weiß
umrandet war & gelacht hatte
Sie mochte es selber
wie ihre Titten wippten wippten
bei jeder Bewegung
ihres Armes Ich
dachte an ihren Mund & wie
still & weiß umrandet er gewesen
war von der Sehn
Sucht Die Sonne
war auf
gegangen & machte die Lampen
nutzlos Wieder war
eine Nacht Vergangenheit & am Ende
spuckte sie
in das Becken


Tiefe

»Nicht so tief« sagte sie
leise. Was meinte

sie nur? Die Ge
fühle? Die Ge
danken? War

es eine Feststellung oder
eine Bitte? Sie war

enger geworden, hatte sich zusammen
gezogen. Die untergehende
Sonne ließ ihren Schein

durch das Hotelzimmerfenster fallen.
Er fiel auf

ihren Rücken. Rötlich. Bäuchlings
lag sie auf dem Bett. Das Zimmer
war billig. Güter

Züge fuhren in der Nähe
vorbei. Ich schaute hinab. Weiche

doch feste Backen. Jung
Mädchen
haft.

»Okay« sagte ich
leise. Was

meinte sie
nur? Die Gefühle? Die Ge
danken? Ich

zog mich ein wenig
zurück. Beziehungsweise ihn. Sie

hatte sich zusammen
gezogen nach
dem Höhepunkt. Alles

schien enger
geworden zu sein. Die Sonne

ging immer noch
unter. Bald würde sie
fort sein. Woanders

scheinen. In der Tiefe
der Nacht. Es blieb

das leise Rauschen
der Güter
Züge.


Liebesroman

Sie lächelte ihn an.
Sie schenkte ihm Etwas.
Sie küsste ihn.

Sie lächelte nicht.
Sie schenkte ihm Nichts.
Sie küsste ihn nicht

mehr.


Schwarzgrau

 

Er lag auf ihrer Seite
des Bettes. Als
hätte er es vermocht

die Leere zu füllen,
die er fühlte.
Verflogen

waren alle vertrautfremden Gerüche; nur
ein langes Schwarzes Haar lag
da. Neben

dem Grauen, das ihm gehört
hatte. Wie aus Zu
Fall lagen sie neben

einander – die
Verlorenen. Entwurzelten.
Gefallenen. Er fiel

in Schlaf. Glitt
in einen Traum, an
den er sich nie mehr würde

erinnern können.
In den Traum des Anderen,
der er gewesen war

an ihrer Seite.


Konzentration

 

»Kannst du kommen?«
Dabei waren sie
beide ganz da.

Sie konzentrierten sich
zu sehr. Sie
sich auf ihn. Er
sich auf sie. Sie

konzentrierten sich der
art auf das Vergnügen
& den Genuss des jeweils

Anderen. »Kannst du so kommen?«
fragte sie – als ihr Mund
wieder schwanzlos war (seltsames Tier).
»Ich weiß nicht«, sagte er. Es

war – als spräche er
mit ihren Schamlippen (seltsamer Mund). »Ich
jedenfalls nicht«, sagte sie

& kletterte von seinem Gesicht. Langsam
schluckte ihr Unterleib
seine Erregung. Und er
beobachtete das Auf

& Ab ihres Rückens. Während sie
sich auf die linke Arschbacke schlug. Er liebte
das Geräusch. Sie warf

einen Blick auf die verdunkelte
Terrassentür neben ihnen, in deren Glas
sie sich spiegelten. Er betrachtete
sie, wie sie

sich & ihn betrachtete – 2 Menschen zu
viert mit ihren Spiegelungen. Spiegelungen, die
sich aufeinander

konzentrierten. Man konnte sie
durchschauen. Als wären sie nicht
ganz da. Hinter der Reflexion war
die Jalousie. Hinter der Jalousie –

die Nacht. Unsichtbar.
Kannst du bleiben? dachte er. Dachte ich
als unsere Blicke sich trafen

im Glas.


Die innere Zeit

Ich vergesse oft
wie jung du bist

& oft vergesse ich
wie alt auch schon

Als wäre die Zeit nicht
messbar, die hinter dir liegt

Wie alt bist du
wirklich?

Wie ist die Zeit
in dir

vergangen? In
Jedem vergeht sie

doch
anders.

Sag mir
wie spät es ist

in deinem
Innersten

Nie vergesse ich
wie ich vergehe

Als wäre ich selber
die Zeit

auf der Flucht
& du würdest sein

der einzige Augenblick
an den ich

mich erinnere
am Ende

wenn es
zu spät ist


Der Traum von Fremdheit

Ich träumte
von ihr. Sie war ganz
anders als in Wirklichkeit.

Andere Haarfarbe. Andere
Frisur. Andere Figur. Anderes
Gesicht. Andere Augen. Andere

Stimme. An den
Geruch der Geträumten erinnere ich
mich nicht.

Nichts
an ihr fand ich
hübsch. Und

sie hätte mir fremd sein müssen.
Doch ich liebte sie
im Traum.

Ich spürte, sie
hatte Dein Wesen. Dein
Innerstes.

Ich träumte
von Deiner Fremdheit
in dieser Welt. Und

ich liebte sie.


Verschwinden

ich werde

in einen Spiegel schauen

& nicht mehr zu sehen

sein

nur dich
werde ich
sehen

du stehst
hinter mir

ich werde durch
schaubar
sein

die verzehrende Liebe

sie wird mich gefressen
haben

wenn schon
verschwinden

dann so.

mit der Spiegelung des Lächelns

auf deinen Lippen.


Verwirung

 

Du

bist
das

Wir

in
meinem

Ich


Zwischen den Zügen

 

Zwischen den Atem
Zügen ihres Schlafes
flüsterte er immer

wieder: bleib …
bleib … bleib … Verlass mich
nicht
… Er dachte

an Suggestion, dachte
an Hypnose, doch
er glaubte

nicht an sie. Sie
schlief unter ihrer Decke; ein
Traum bewegte ihre Füße ….

Er wachte
& dachte bewegungslos an
die Zukunft, die

nähere, die fernere. In
der Dunkelheit. Und
nach dem Erwachen

fuhr sie fort. Wie man
fortfährt nach einer Pause
im Dialog. Fort

fährt zu atmen. Fort
fährt in einem
Zug. Fort.

Und sein Traum
bewegte ihre
Füße.


herz er greif end

für Sie : Sina : ganz nah : an meiner Seite 

 

mein Gott ist sie
dünn dachte ich so
zerbrechlich dachte ich
nachdem ich meine
Tür geöffnet hatte sie
lächelte unsicher
soll ich
meine Schuhe gleich
hier aus
ziehen fragte sie wenn
du magst sagte ich
und dann bekam sie
ihre Schnürsenkel nicht gleich
auf & wurde
nervös
nur die Ruhe
sagte ich ich bin genau
so nervös wie du wir
kannten uns nur
schriftlich
bisher doch schon
seit Jahren
und dann saßen wir
auf meinem alten Sofa und kaum
war sie da da fragte
sie auch schon
darf ich
wieder
kommen
und ich sagte du darfst nicht
nur du sollst
und sie lächelte & legte
eins ihrer Beine auf eins
meiner Beine und das Wort
das mir bei ihrem Anblick immer
wieder durch den Kopf
ging war

herz
er
greif
end

und das tat sie
schließlich auch nicht
verlieben sagte sie irgend
wann doch
sie sagte es so
liebenswürdig mit diesem Blick aus
großen Mädchen
Augen die leicht
traurig schienen und über
haupt war es längst zu
spät
& geschehen


Schöne Scheisse!

Das Logo der Bäckerei erinnerte
uns an einen dampfenden Scheiss
Haufen, und über dem Kuchen,

der am schönsten war,
kreisten die meisten
Fliegen. So

entschied ich mich
für einen anderen,
der mir & den Fliegen

weniger gefiel. Die
junge Frau, die noch
jünger aus

sah als sie war, bestellte
für uns, und dann
saßen wir in einer Ecke

auf einer recht
winkligen Bank an einem Tisch;
tranken unseren Kaffee, aßen

unseren Kuchen, sie
einen anderen als ich, aber
einen, den die Fliegen

auch nicht mochten, und
ein Knie in einer schwarzen
Strumpfhose berührte

mein Knie, während wir uns
um- & ansahen, und wieder
um & wieder an….. Und

ein kleiner Junge lief
in die Spielecke &
spielte ich weiß

nicht was. Durch
die weit entfernte Fensterfront
sah ich den Schrift

Zug eines Augenoptikers
auf der anderen Straßenseite;
eigentlich brauchte

ich eine neue Brille, aber so
lange dieser Blick auf mir
ruhte & diese kinder

großen Augen mir so nahe
waren, konnte ich genug
erkennen. An

einem anderen Tisch
saß eine Frau meines
Alters & schaute her

über; sie schien
zu rätseln: Junges Mädchen,
alter Kerl …. & wie

die sich ansehen ….
Ja, wie eigentlich? Das
wussten nur wir. Das

Lächeln war
ein gemütlicher Raum,
in dem wir zusammen

saßen als würden
wir dort niemals mehr
herauskommen. Ich

mochte die Lampen
& die Möbel der
Bäckerei, und

wir lachten
über das Logo
& sämtliche Backen.

Sie in ihrem schwarzen
Minikleid & ich
in meinem Alter. Der kleine

Junge verlor die Lust
am Spielen & lief zurück
zu seinen Eltern.

»Aber der Kaffee ist gut hier«,
sagte sie, und ich war ihrer
Meinung. Doch

der Kuchen war mir
zu mächtig, und sie war längst fertig
mit ihrem. »Wer

hat sich nur dieses Logo aus
gedacht?« sagte ich
& schaute

auf ihren Mund. »Passt
zu den Fliegen«,
sagte sie, und bei

nahe hätte ich mich
verschluckt. Wo wäre ich
dann gewesen? Für

solche Augen
Blicke braucht man
keine Brille. Schöne

Scheisse, dachte ich, dich
hat’s vielleicht er
wischt!


Vom Dichterleben zum Dich erleben

 

 

Es ist
als hätte ich Alles
bisher nur er

lebt
um darüber schreiben
zu können

Menschen nur
gefühlt aus eben diesem Ab
Grund

Jetzt endlich
fehlen mir die Worte
ohne dass ich sie

vermisse
wie Dich
wenn Deine Nähe

in der Ferne scheint
wie der Mond
am Ende des Tunnels

in der Nacht
Es ist als würde
ich Dich er

leben
um darüber schweigen
zu können

Endlich