Milchreis mit Zimt

In der Regalgasse
kam sie auf mich zu
mit ihrem Einkaufswagen

»Ich hab zweimal Milchreis mit Zimt
für dich«, sagte sie.
Ȁh, danke - - ich glaub,
ich mag den im Moment gar nicht mehr.«
»Ah – okay ---«
»Nach dem letzten Mal ging’s mir so komisch.....«
»Aha....«
»Ja. Hm. Vielleicht bringst du ihn doch besser wieder zurück.«
»Ja; klar; mach ich.«

Das wird jetzt niemand verstehen,
der nicht weiß, wie sie, und nur sie, 
etwas sagen kann – aber
es hätte mir doch beinahe
das pumpende Hohlorgan zerrissen;
und ich musste hinterher
zur Kühlung

Sie stellte die Schälchen zurück
Deren Inhalt ich vielleicht lieber hätte herunterwürgen sollen
um ihr eine Freude zu machen
& um mich selber besser zu fühlen
in aller Übelkeit

Da nahm ich sie von hinten
in die Arme - »Vielen Dank nochmal,
dass du daran gedacht hast.«

Es fielen noch weitere Worte im Supermarkt,
und gelächelt wurde außerdem. 

Und so wird nun auch Milchreis zum Symbol werden
Zur stehenden Redewendung
Zum Insider
Zur Anspielung

in dieser Beziehung.

Und natürlich hat das alles nichts mit Literatur zu tun.
Denn es wird behauptet, die solle 
Gefühle erzeugen – und nicht schildern.
Aber wenn etwas etwas soll
will ich etwas anderes wollen.

Und sagen: Seht her!
So kann es sein.
Es kommt vor
dass sich die Richtigen treffen.
Das sagt Euch der Pessimist,
der an gar nichts glaubt.

Übrigens war vermutlich alles ganz anders. 
Plötzlich hatte ich das kleine Mädchen gesehen & gehört... 
Das Mädchen, das ich nur von Photos kenne 
(& in ihren Augen sehe)
Und es hatte mich gerührt 
Gerührt bis an die Schmerzgrenze —

An der Kasse
war dann noch die Flüssigseife nicht richtig ausgezeichnet
und die Kassiererin konnte so kurz vor Schluss
niemanden mehr erreichen
& in ihrer Liste konnte sie den Preis nicht finden –
drum ließen wir die Seife also auch noch zurück.

Aber das ist ja eigentlich schon wieder eine andere Geschichte.
Die bestimmt ebenfalls irgendeinen Symbolwert hat.


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