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Klingt wie erfunden

 

Über mir bewegte sich
ein dicker, haariger Arsch.
Neben mir stand
ein Penis in Wartestellung. 
Am Fußende bückte sich
ein alter Transvestit
& streichelte mir die Eier
während meine Geliebte auf mir ritt.
In ihrem Mund zuckte
der nicht ganz so dicke Schwanz, der
zu dem dicken Arsch gehörte.

Speichel troff auf meinen Oberkörper. 
Zuschauer schauten zu. Hinter uns
stöhnte eine Frau,
die auf einem anderen Bett gefickt wurde;
ich konnte sie nicht sehen,
aber es klatschte
unmissverständlich……

Es klingt
wie erfunden.
Zuviel Sexus, zuviel Erections,
Ejaculations, Exhibitions, And General Tales
of Ordinary Madness. Mit einem Hauch
Les Particules élémentaires.

Erinnerung ist Literatur.
Von der man nicht weiß,
wer sie verfasst hat.

            War
         das ich?
   War das wirklich
     mein Erlebnis?

Schmutz, Schund & Hohe Kunst,
ein bisschen Philosophie und
hin & wieder ein Bestseller.

Hauptsache,
die Unterlagen sind abwaschbar.

Ich schaute nach oben.
Der Mond ist aufgegangen … O
heiliges Decamerone & Satyricon!
Wenigstens trägt er ein Kondom …
hoffentlich mit Kirschgeschmack …
sie mag doch Kirschen …
Was für ein Arsch!

Irgendwann saß man wieder
an der Bar. Vor dem
bunten Cocktailglas –
& sollte smalltalken. Alkohol
frei war der Cocktail; schließlich
war man trocken. Seit Jahren. Weggesperrt
die Sucht. Eine Frau
schob ihr
Kleid aus Kunst
Leder hoch
& zeigte uns ihren Intimschmuck;
sie zog daran, bis mir die Schamlippen wehtaten,
die ich nicht mal habe. Ihr Mann (ich
denke, das war er) starrte
auf die Beine meiner Freundin. Kein Rock
war kürzer als ihrer. Sie sog
am Strohhalm. Rechts von mir
wollte einer ein Gespräch anknüpfen.
Ich wendete mich ab.
»Das war ganz schön
unhöflich«, sagte sie später.
»Ich war doch nicht zum Reden dort«,

sagte ich. 120 Tage später.
Es können auch Minuten gewesen
sein. In der Umkleide
kleidete der Transvestit sich um.
Sein Gesicht erinnerte mich
an einen Altrocker aus der DDR.
Der Rock rutschte zu Boden,
keiner war kürzer als ihrer,
sie zog die
Alltagshose an.
Einer von den Puhdys hat mir das Skrotum gekrault,
dachte ich.

Erfahrung, die klingt
wie Erfindung, findet man
interessant

& zweifelhaft. Zu schön
um wahr zu sein.

Zu wahr
um schön zu sein?
Ist so

das Leben?
Die Wirklichkeit

ist meistens zu schnell
& das Leben noch schneller

vorbei

Als wir gingen
sagte die Geliebte »Tschüss«
zu dem geschminkten Herrn
mit den zärtlichen Fingern. Ich sagte
nichts. Wirklich, es ist
wahr: sie ist einfach
höflicher als ich.

Netter sowieso.


Dank 

Man war höflich
zueinander & wusste
sich gegenseitig zu schätzen.

»Danke fürs Saugen«, sagte sie
zu ihm. Er stellte das Gerät
zurück ins Kabuff.

Nahezu staubfrei war das
Schlafzimmer. Sie gingen zu Bett.
Später sagte er zu ihr: »Danke

fürs Saugen.« Das Gerät wurde
verstaut. Dann lachten sie beide
& schlummerten ein.


Vechelde

Wir fuhren,
von Bargfeld kommend, auf dem Wege
nach Hause, an Vechelde vorbei.

»Ach«, sagte sie,
neben mir aufm Beifahrersitz,
»hier ist das.«

»Ja«, sagte ich, »ist
ne ganz schöne Strecke.«
(Schön im Sinne von weit

Sprache schafft so etwas.)
In Vechelde gab es einen Swingerclub,
den wir noch nicht kannten.

Eine Zeitlang hatte ich gedacht,
Rolf Dieter Brinkmann sei dort geboren worden
(also – in Vechelde; den Club gab es

1940 vermutlich noch nicht), aber
nein – das war ja in Vechta gewesen!
(Sprache schafft so etwas.)

Eigentlich hatten wir uns
diesen Club schon lange mal anschauen wollen, aber –
na ja, kennt man einen……

& letztendlich wird fast Alles
zur Routine, und die meisten Menschen
will man doch gar nicht

nackt sehen. Geschweige denn
anfassen! Die Klimaanlage
im Auto war auch schon lange kaputt

(seit damals – als mir bei 140 km/h
ein Reh in den Kühler gesprungen war),
also schwitzten wir ohnehin schon genug.

Bei Swingerclub denke ich immer
an Houellebecq, aber das
gehört hier ja auch nicht her. Ich

verliere mich wohl
gerade. Entschuldigung,
auch am Schreibtisch isses heiß.

Aber es soll bald
ein Gewitter geben. Wir
fuhren also weiter. Vorbei.

Vorbei & weiter. Ließen
allerlei hinter uns.
Ich dachte: Arno & Alice

hätten vielleicht auch mal
innen Swingerclub
gehen sollen. Da

musste ich fürchterlich
lachen. Aber natürlich
nur innerlich.


Gelächter im Licht

Eine frühlingsbunte Wiese
Verkehrslärm fernab
Flatterflügel & Gesumm
Mir fiel ein: Hätte Rubens eine Biene gemalt
wäre sie eine Hummel

Pollen schneiten durch den Sonnenglast
Alles wucherte & roch
nach sich
selbst Die Geliebte
im heißen Höschen
neben mir Die Luft
fieberte & schwitzte
als wäre es Hoch
sommer Vögel stellten sich vor
aber wir verstanden sie
nicht Mag
sein dass Menschen da waren
aber ich
sah sie
nicht Selbst
der Horizont war horizontal
sonst nichts
Es
war die Zeit der rechtwinkligen Phantasien
Alles schien
jung Sogar
mein Inneres Eine Hose
so kurz wie das Leben
so knapp wie ein Sieg

»Übrigens« sagte die Frau (wie ich
ihre Stimme liebe
) »Sex
sucht ist heilbar«
»Ich weiß« sagte ich Ich
schaute hinab
auf ihre Sandalen
(Riemen & Zehen
in Bewegung) »Ich
weiß« wieder
holte ich »aber
wer will das schon« Lachen 
Gelächter

Gelächter
im Licht


Buñuel & die Peitsche

Aus einem Kellerfenster klatschte der Klang
einer Peitsche. Wie die Sonne
brandete & blendete, sengte & brannte…. Ich musste
an Buñuel denken, denn wir waren in einem fremden Garten.
In dem Garten stand ein Pavillon, offen
& einsehbar, in dem Pavillon
ein Bett, auf dem Bett waren
wir, nackt & verschlungen, ineinander
gesteckt, zusammengesteckt, in Bewegung,
die Bewegung, die man Sex nennt…. In einiger Entfernung
saßen fremde Menschen, manche nackt, manche
in Wäsche, die reizen sollte. Tische & Bänke
aus Holz. Die Fremden
aßen Grillgut. Einige schauten
uns zu dabei. »Hast du
ne Tablette genommen?« fragte die Geliebte
als ihr Mund wieder leer war.
»Ja«, sagte ich, »eine halbe.« (Also ein
Dreieck. So viele Eindrücke
& Ablenkungen, und man ist ja nicht mehr
der Jüngste….) Auch die Musik war
in die Jahre gekommen. Nevergreens.
Und wieder die Peitsche! Niemand
schwamm im Pool. Ich dachte: Komischer
Film – diese Realität. Die Menschen schauten
zu viele Pornos. Auch ich
hatte schon zu viele gesehen – Menschen
sowohl wie Pornos. Ein dicker Mann
biss in eine Bratwurst, als wäre sie
ein Symbol. Dabei schaute er
herüber. Charmelos. Indiskret. War dies die Bourgeoisie? Und was
hatten wir hier zu suchen? Hier,
wo es Nichts zu finden gab. »Ganz schön
surreal«, sagte sie. Das Begehren & der Neid
der Anderen streichelte meine Psyche; die geschundene,
verquere. »Ja«, sagte ich – & konnte mich nicht erinnern,
jemals etwas Ähnliches geträumt zu haben. Der
Gynäkologenstuhl im Keller war belegt gewesen. Was
schade war. Wie hässlich mir die Menschen erschienen,
aber die Blumen waren schön, und die Bienen trugen
ihre flauschigen Sträflingsanzüge. Die Gespräche
der Besonnten waren auch nur ein Summen
im Grund, der Vorder- & Hinter- zugleich
sein konnte. Alles eine Frage
der Position. (Apropos: wer den schönsten
Po besaß, war hier keine Frage!) Das Märchen
von Amor & Psyche – den Goldenen Esel
könnte ich auch mal wieder lesen. Wie kam ich
jetzt da drauf? »Wollen wir
reingehen?« fragte sie. Niemand hier war
so jung wie sie, und ich
erst recht nicht. »Ja«, sagte ich, und dann ging es vorwärts
durchs modisch rasierte Fleisch – hin
zur Treppe, die von außen in den Keller führte.
Eine ehemalige Raupe schmetterte mit bunten Flügeln
vor uns her. Drehte dann ab. Überall Symbole.
Blicke folgten uns. Und mit den Blicken einige Körper.
Abwärts. Die Peitsche war verstummt. Die Menschen haben
keine Dreiecke mehr zwischen den Beinen. Ich
streichelte das Haar der Geliebten. Man konnte fühlen,
dass es schön war – & täuschte sich nicht. Wie dunkel
es hier war! Nach all
der Sonne. Doch sie konnten sehen,
was wir taten.

(Man muss nicht
Alles mal erlebt haben. Aber auch nicht
Nichts. Wir haben
dies erlebt, und es war
nicht Alles, aber auch nicht
alles Nichts. Und nun
musste es nicht mehr
geträumt werden.)


Zahnpasta im Waschbecken

 

Da stand sie
also vor meinem Wasch
Becken halbnackt & fing
an sich
die Zähne zu putzen
Ein Klümpchen Zahnpasta
rutschte von der Bürste
& landete Weiß auf Weiß
im Becken Mit dem Mittelfinger
nahm sie es auf
& tat es
zurück auf die Borsten
Putzte weiter Sie
wusste dies
war das Becken
in das der Ein
Same der ich war
häufig wichste Sehnsucht
die an die Kacheln klatscht
lautete
das Geflügelte Wort zwischen uns
Wir hatten gelacht
darüber
Versunken
in ihren Anblick lauschte
ich dem Geräusch in ihrem
Mund Ihrem Mund der weiß
umrandet war & gelacht hatte
Sie mochte es selber
wie ihre Titten wippten wippten
bei jeder Bewegung
ihres Armes Ich
dachte an ihren Mund & wie
still & weiß umrandet er gewesen
war von der Sehn
Sucht Die Sonne
war auf
gegangen & machte die Lampen
nutzlos Wieder war
eine Nacht Vergangenheit & am Ende
spuckte sie
in das Becken


Tiefe

»Nicht so tief« sagte sie
leise. Was meinte

sie nur? Die Ge
fühle? Die Ge
danken? War

es eine Feststellung oder
eine Bitte? Sie war

enger geworden, hatte sich zusammen
gezogen. Die untergehende
Sonne ließ ihren Schein

durch das Hotelzimmerfenster fallen.
Er fiel auf

ihren Rücken. Rötlich. Bäuchlings
lag sie auf dem Bett. Das Zimmer
war billig. Güter

Züge fuhren in der Nähe
vorbei. Ich schaute hinab. Weiche

doch feste Backen. Jung
Mädchen
haft.

»Okay« sagte ich
leise. Was

meinte sie
nur? Die Gefühle? Die Ge
danken? Ich

zog mich ein wenig
zurück. Beziehungsweise ihn. Sie

hatte sich zusammen
gezogen nach
dem Höhepunkt. Alles

schien enger
geworden zu sein. Die Sonne

ging immer noch
unter. Bald würde sie
fort sein. Woanders

scheinen. In der Tiefe
der Nacht. Es blieb

das leise Rauschen
der Güter
Züge.


Konzentration

 

»Kannst du kommen?«
Dabei waren sie
beide ganz da.

Sie konzentrierten sich
zu sehr. Sie
sich auf ihn. Er
sich auf sie. Sie

konzentrierten sich der
art auf das Vergnügen
& den Genuss des jeweils

Anderen. »Kannst du so kommen?«
fragte sie – als ihr Mund
wieder schwanzlos war (seltsames Tier).
»Ich weiß nicht«, sagte er. Es

war – als spräche er
mit ihren Schamlippen (seltsamer Mund). »Ich
jedenfalls nicht«, sagte sie

& kletterte von seinem Gesicht. Langsam
schluckte ihr Unterleib
seine Erregung. Und er
beobachtete das Auf

& Ab ihres Rückens. Während sie
sich auf die linke Arschbacke schlug. Er liebte
das Geräusch. Sie warf

einen Blick auf die verdunkelte
Terrassentür neben ihnen, in deren Glas
sie sich spiegelten. Er betrachtete
sie, wie sie

sich & ihn betrachtete – 2 Menschen zu
viert mit ihren Spiegelungen. Spiegelungen, die
sich aufeinander

konzentrierten. Man konnte sie
durchschauen. Als wären sie nicht
ganz da. Hinter der Reflexion war
die Jalousie. Hinter der Jalousie –

die Nacht. Unsichtbar.
Kannst du bleiben? dachte er. Dachte ich
als unsere Blicke sich trafen

im Glas.


Eiskalt

 

Eis
kalt
waren ihre Haare

als sie
auf meinen Bauch herab
fielen so schnell

also verliert
das Sperma seine
Temperatur

da draußen
ein feuchtes Lächeln
verzauberte mich Bläschen

die keine Sprechblasen waren
glitzerndes Schweigen
zwischen geöffneten Lippen

ich lachte
& lachte
& lachte Sie

sagte: »Komisch
wie du lachst
wenn du kommst.« Schön

wie sie gelächelt hatte
als sie gekommen war
mich zu besuchen

Sie fuhr
sich durch die Haare
die aneinander

klebten Sie & ich
dachte ich als ich
dieses Lächeln

küsste sobald sie ginge
würde es nichts
mehr zu lachen geben

doch
so weit war es
noch nicht

wie dieser Weg der
zwischen uns lag
wenn sie bei

sich war
wo ein Anderer wohnte
mit ihr Würde ich

darüber nachdenken
bedeutete es Schmerz also
lasse ich’s Eis

kalt glitten ihre Haare
über meinen Bauch
Sie lächelte

als ich kam
& lachte
lachte

& dachte: so
könnte es weiter
gehen wenn sie bliebe


Der Totenkopf auf der Schnalle

 

B
suchte eine Frau. Fuhr um
die 200 Kilometer, obgleich die Strecke bloß 108 Kilo
Meter betrug. Verfahren über Verfahren. Bau
Stelle über Baustelle. Um
Leitungen. Keine Navigations
Hilfe. Kam
an im Dunkeln. Kurz vor
Mitternacht. Klingelte unten. Sprach
in die Gegensprechanlage. Hörte
ein Summen. Öffnete die Tür. Stieg
die Treppe hinauf. Und ich

erinnere mich kaum
an die Begrüßung. Gab ich
ihr die Hand? Auf
Regung, Überraschung & leichtes
Erschrecken löschten die Erinnerung.
Ich hatte sie mir ganz anders
vorgestellt. Ihre Selbst
Beschreibung hatte gelautet:
groß, dick, unattraktiv. Ich
hatte ihr geschrieben: Jetzt stelle ich dich
mir als Walkuh vor. Und in Wirklichkeit
wird sich herausstellen, dass du ein Gold
Fisch bist
. –
Ich bin eine Walkuh, hatte sie
zurück geschrieben. Das

gefiel mir. Die Couch
war ausgezogen. Ich setzte mich
darauf. Die Frau setzte sich neben mich.
»Du musst aber nicht die ganze Nacht
bleiben«, sagte sie, »wenn du meinst, dass
es nicht geht – dass es nicht
passt.« »Ich weiß«, sagte ich, »schon
okay.« Da waren Menschen
in der Bildröhre. Sie alle waren
schlanker als in Wirklichkeit,
denn das Format war falsch
eingestellt: 16 zu 9 unangepasst
in dem alten 4zu3Gerät. Es war
wie eine erfundene Symbolik. Doch
ich muss nichts erfinden. Verzerrte Wahr
Nehmung. Ich fragte mich,
ob sich das nicht ändern ließe. Aber ich sagte

nichts. Was mir durch den Kopf ging
stolperte, flog auf die Fresse, stand wieder auf,
stolperte erneut & kroch über den Boden. So viele Kilo
Meter für Nichts? Blöd
Sinn! Engstirnigkeit! Äußerlichkeiten! Zeit
einen weiteren, breiteren Horizont zu B
kommen! Schluss
mit den festen
Vorstellungen
der Vergangenheit!
Ich
küsste sie. Sie
hatte sehr weiche Lippen. Wie gut
sie sich anfühlten! Wie gut sich
Vieles anfühlte. Es gab so Viel
zu begreifen. »Oh«, sagte sie, »Pfeffer
Minz?« »Fisherman’s«, sagte ich. Sie
sagte: »Fisherman’s sind toll
beim Blasen; machen einen eisigen
Schwanz.« »Verdammt«, sagte ich, »ich
hab die im Auto gelassen.«
Lachen.
»Ich hatte heute übrigens
Knoblauch am Essen«, sagte sie. Ich
sagte: »Ich liebe

Knoblauch.
Aber heute habe ich extra keinen gegessen.«
Ihre Haut roch nach Creme. Das störte
mich ein wenig – weil es mich an die Hand
Cremes meiner Mutter erinnerte. Die Wände waren leer.
Ich sah keine Bilder. Auf einem Schrank
einige Bücher. Ich ließ meinen Blick
über alles hinweg
sehen. Und im Fernsehen machten sie
lange Gesichter. Sie schaltete den Ton
aus. Schließlich sagte sie: »Du musst mir helfen.
Ich bekomme deinen Gürtel nicht auf.«
Es war ein Trick dabei. Ich hatte mich gewöhnt
an diesen Gürtel. Auf der Schnalle
war ein Totenkopf. Ab
gebildet. Aber das bedeutet
Nichts. Ich blieb über
Nacht.


Rhetorik – oder: Was ich vorhatte

»Was hast du vor?«
Immer wieder kamen diese Worte
aus ihr. Im Ton

Fall des Rausches. Selbst
Vergessen. »Was
hast du vor?« Ich

hatte 4 Finger
in ihr, und meine Zunge
bewegte ihren Kitzler. So

konnte ich nicht
antworten. Aber es war
ja Alles nur

rhetorisch. Selbst
das »Oh Gott!« war
nicht so gemeint. Und

»Tiefer!« ging es
doch kaum. Ich liebe
die Wörter. »Was

hast du vor?« Nichts
Besonderes. Ich wollte sie
fühlen

lassen. Selber fühlen. Und
Alles vergessen. Und vergessen
lassen. Nichts Besonderes in der

Tat. Doch
Alles worauf
es an

kommt in den Augen
Blicken in denen man
keine Antworten er

wartet. Keine Antwort
braucht. Weil sie über
flüssig ist.


Irgendwas mit Star Trek

Ein verwittertes gelbes Flugzeug stand auf dem Gelände.
Einmotorig. Über die linke Tragfläche hinweg kletterten wir
Kinder in sein Inneres. Wir waren zu zweit, und
mehr hätten auch nicht in die Maschine gepasst. Obwohl….
Eine gestreifte Spinne hing zwischen den Instrumenten;
sie konnte nicht fliegen, aber Fliegen flogen in ihr Netz
durch die Löcher der gesplitterten Scheiben. Ich behielt sie
im Auge, diese Spinne. Etwas ängstlich. Etwas angeekelt. Aber
nicht einmal sie konnte mich vom Sitz des Piloten vertreiben.
Es roch nach Metall, es roch nach Rost & Vergangenheit.
Wir waren am Boden. Wir blieben am Boden. Alle Zeiger standen
auf 0. Und nur unsere Fantasie
konnte den Propeller noch in Rotation versetzen.
Die beflügelte, beflügelnde Fantasie der Kinder. Es muss
wenige Jahre vor der ersten Mondlandung gewesen sein.
Es gab noch keine Flaggen dort oben, keine Fußspuren.
Nichts, was Reflexionen & Projektionen hätte stören können.
Der rothaarige Junge, der hinter mir saß, war erst vor kurzem
nach Deutschland & in meine Schulklasse gekommen; sein Vater,
ein amerikanischer Offizier, war hier stationiert. Flaggen
flatterten vor dem Gebäude, in dem sie wohnten. Unsere Eltern
unterhielten sich darin. Der Junge erzählte mir von Amerika,
das ich nur aus Filmen & Fernsehserien kannte. Auch den Mond
kannte ich nur aus Filmen & Fernsehserien. Wir wussten nicht, wo
das Flugzeug gewesen war. Also konnte es überall gewesen sein. Über
All. Das gefiel uns. Und ich kannte niemanden sonst, der aus einem
so fernen Land kam wie der Junge mit den roten Haaren. Ich drückte
Knöpfe, die längst keine Funktion mehr hatten – & die Zeit flog
dahin. Am Boden. In unseren Köpfen. In die Zukunft.

Irgendwann erzählte er mir von seiner liebsten
Fernsehserie. Die Handlung drehte sich um Außerirdische, drehte
sich um ein Raumschiff & um fremde Welten. All
es war so weit entfernt – wie Alles Andere, das ich nicht kannte. Und er
zeigte mir Fotos von einem Mann mit seltsamen Ohren & seltsamen Augen
brauen. Faszinierend, dachte ich. Oder so etwas Ähnliches mag ich
gedacht haben. Einige Jahre später kam die Serie
nach Deutschland. Im selben Jahr als das Apollo-Programm eingestellt wurde.
Wir wohnten längst woanders. Ich ging
auf eine andere Schule. Die alten Kontakte waren ab
gebrochen. Und ich erinnerte mich – als ich die erste Folge sah…..
Das Flugzeug, die Spinne, die Flaggen, die Erzählungen….. Ich
mochte die kurzen Uniformen der weiblichen Besatzungsmitglieder.
Schon damals. Es war alles anders als ich es mir vorgestellt hatte.
Wie so oft. Aber es gefiel mir. Was nicht so oft der Fall war.
Den Ton einiger Folgen nahm ich mit dem Kassettenrecorder auf, und
nachts im Bett in meinem dunklen Zimmer hörte ich diesen Ton
zu meinen eigenen Bildern. Immer wieder. Science Fiction. Schon
der Kassettenrekorder hatte etwas davon. Verglichen mit unserem alten
Bandgerät. Ich drückte Knöpfe – & die Zeit flog dahin. Im Bett. In
meinem Kopf. In die Zukunft. Und sonstwohin.

Und 42 Jahre später bin ich gelandet. Auf dem Boden. In einer
Wohnung, die nicht die meine, in einem Raum, der mir nicht mehr
fremd ist. Zwischen gespreizten Schenkeln. Gespreizt
wie Tragflächen. Und die einzige Licht
Quelle ist ein eingeschalteter Fernseher hinter mir. Ein
charmant-gealtertes Röhrengerät. Gealtert bin ich auch. Doch
weniger charmant. Bekannte Namen erklingen
in der Nacht. Kirk. Pille. Spock. Uhura. Ein Film vom Ende
der 70er. Wiederum eine andere Zeit. Propellernde Zungen. Ein gewaltiger
Mond ist aufgegangen. Der damals noch nicht existierte. Bemannter Raum
Flug. Peterchens Arschfahrt. Auch so’ne Kindheitserinnerung. Es riecht
nach Lust. Nach Jugend & Gegenwart. Im Geflacker des Films
sehe ich wie ein Gesicht sich verändert. Ein Mund sich öffnet. Im Rausch.
Und noch mehr. Öffnet sich. Und jemand ruft:
»Alarm, Alarm! Ein Eindringling! Alles auf Gefechtsstation!«
Und ein anderer ruft: »Scotty, bitte kommen!« – dabei heiße ich gar nicht so.
Gelächter säuft ab. Und erstickt in Körpersäften. Und sie flüsterschreit:
»Oh Gott, oh Gott!«, aber auch das ist nicht mein Name.
Science Fiction. Mit wenig Science. Immer wieder. Und es ist immer dieselbe Zeit,
die fliegt. In unseren Köpfen. Die Zeiger stehen nicht. Es
scheint nur so. Es sei denn, es ist etwas kaputt. Alles
auf 0. Wir waren zu
zweit. Im Cockpit. Und doch nicht
allein. Und niemand weiß wie
& wann die Spinne gestorben ist.


Der Albtraum nach dem Kindergeburtstag

 

6

Kerzen waren heruntergebrannt
bevor ich erschien bei Einbruch
der Nacht. Jetzt brannten
andere.

 

3

Luftballons hingen drinnen vorm Fenster.
Jalousien & Hosen waren herunter
gelassen. Die Balkontür stand
einen Spaltbreit offen, auf ihrer Glasscheibe
eine bunte Zeichnung von Kinderhand.

Von der Schlafcouch aus betrachtete ich die Luft
Schlangen, die von der Decke
hingen, während ein Frauenkopf sich

auf

&

ab

bewegte zwischen meinen Beinen.

Traum
gleich war unsere

1.
Begegnung

Mitt
Sommer
Nacht.

Fremde Gerüche
Fremde Geräusche
eine mir fremde Wohnung

& irgend
Etwas Vertraut
es im Gelächter.

Wäsche trocknete
auf dem Balkon im Mondlicht –
& wurde nass woanders.

Als das Wachs am Ende war, erschien
die Dunkelheit. Ich kniete
auf dem Boden & trank
zwischen geöffneten Schenkeln

schluckte
& schluckte

die Lust, die immer lauter wurde

Selbst
Vergessen

 

Und plötzlich:
eine Kinderstimme –
»Mama, was ist
mit dir?«

Ich hielt inne.

Der Schatten eines kleinen Mädchens stand im Zimmer.
Wie ein Erwachen.
»Alles in Ordnung«, sagte die Frau, »ich hatte nur einen
Albtraum.«

Ich verhielt mich
ruhig. Bewegte mich nicht. Hielt mich
für versteckt in der Dunkelheit. Zwischen
den Schenkeln. Für unsichtbar vielleicht –
wie ein Kind, das die Augen schließt.

»Komm«, sagte die Frau, »ich bring dich wieder zurück
ins Bett.«

»Wer ist –
der Andere?« fragte das Mädchen.

Kurze Pause.
»Das ist mein Besuch.«

Vielleicht war es der Mond,
der durch den Spalt oder das bemalte Glas der Balkontür
meinen nackten Arsch beleuchtet hatte.
Ich schwieg. Die Frau stand auf & nahm
das Kind bei der Hand. Silhouetten verließen das Zimmer. Allein
gelassen legte ich mich auf die Couch.
Lauschte leisen Stimmen. Zwischen den Gerüchen. Dann
hörte ich Musik. Kinderlieder von nebenan. Was
für eine seltsame Formulierung, dachte ich: ›Der Andere‹!

Die Frau kam zurück. Legte sich neben mich. Der Schreck
war uns nicht in sämtliche Glieder gefahren. Leises Gelächter.
Und auch die Lieder waren so leise, dass ich sie nicht erkennen konnte.
Zwischendurch wieder Stimmen aus
dem Kinderzimmer. »Ein Märchen«, sagte die Frau. »Zum
Einschlafen.« Die CD war ein Geburtstagsgeschenk.
»Ja«, sagte ich, »die habe ich als Kind auch immer gern gehört.«
Und wir malten uns aus, was das Kind aus uns machen
würde in seiner Phantasie….. Zu
Was ich werden würde in seiner Erinnerung….. Ich
war

ein Anderer. Aber vor allem war

ich

ein Albtraum. Das gefiel mir. Und

die Frau träumte. Träumte mich. Träumte
mich weiter. Immer weiter. Immer wieder. Immer anders. In
dieser Nacht. Und sie presste sich den Handrücken auf den Mund
dabei. Um das Kind nicht erneut zu wecken.

Und ich fragte mich, ob ich nicht
ähnliche Erinnerungen hatte wie dieses
kleine Mädchen sie haben würde.

Doch ich fand
keine Antwort.

Das Märchen ging

zu Ende. Und
als der Morgen dämmerte, fuhr der
Albtraum nach Hause. Und
er schlief ein. Und er
träumte

 

6

Kerzen waren heruntergebrannt
bevor er erschien bei Ein
Bruch der Nacht. Jetzt brannte

ein Anderer

 

3

Schlangen hingen von der Decke &

 

1
Ballon bewegte sich
im Mondlicht

auf

&

ab


Der Händedruck

»Sind das wirklich 5 Finger?« fragte sie.
»Ja«, sagte ich.
»Oh mein Gott!«
Dann drückte sie mir die Hand.

Ganz fest. Es war unsere
erste Begegnung.
Die Kerzen gingen aus, es
wurde dunkel.

Und im ersten Tageslicht bewegte ich die Finger
dicht vor ihrem Gesicht. »Ich werde nie wieder
Gitarre spielen können«, sagte ich.

Wir lachten.


Running Gag

 

»Hab ich schon erwähnt, dass ich
feucht bin?« Ich hatte nicht mit
gezählt, wie oft, es war ihr Running Gag, ihr laufen
der Witz, es lief, es lief groß
artig unartig, überall raus, selbst ihre Stimme
klang feucht, am Anfang, und im Hintergrund machte es:
Quatsch Quatsch Quatsch & kwitsch kwitsch
kwitsch
, Stunden über Stunden, Überstunden,
wir quatschten, sie quatschte, es quatschte, fließende Sehn
Sucht, Seen & Sucht, und: »Wie heißt nochmal
die Phobie, trocken zu werden?« »Keine
Ahnung«, sagte ich. »Nein, ich bin sicher,
die heißt anders.« Gelächter. Viel Gelächter.
Immer wieder. Quietschen vor Vergnügen.
Ich konnte hören, wenn sie ihre Beine bewegte,
sie öffnete, sie schloss, glitsch glitsch glitsch,
der Expressionismus der Fotze, »Wie ein Kirsch
Kern«, sagte sie, zwischen ihren Lippen, und ihr Hals
war trockengestöhnt. »Was war das für ein Geräusch
da bei dir im Hintergrund?« »Ach das«, sagte ich,
»da hat Alexander Graham Bell sich im Grabe umgedreht;
mit hochrotem Kopf.« »Ich wette, bei dir ist ein ganz anderer
Kopf hoch & rot.« Wir erkannten den Un

Ernst der Lage. Selbst
Erkenntnis & Befriedigung.
Nicht

Aus

zu denken, man würde Alles mit Ernst verderben.
»Wie läuft’s?« »Lachenweise aufs Laken.«
Auf ein Neues. Das nicht neu ist. Immer wieder. Und doch.
Irgendwie. Als suchte man. Immer wieder. Vertrautes
Neues. Neues Vertrautes. »Hab ich schon erwähnt,
dass ich feucht bin?« Es klang auch wie ein Witz –
witz witz witz, wisperte der Kitzler itzt,
wildbefingert….. Und ein Schmatzen: »Heute
schmecke ich nach Vanille – mit einem Hauch
von Zitrone.« (Nille Nille Nille, spukspuckte es durch meinen Kopf.
Und warum alles in 3er-Gruppen? Vielleicht weil sie 3
Finger in sich hatte?) »Ich würde gerne mal nach Zimt schmecken«,
sagte sie. Da bekam der Begriff ›Zimtziege‹ doch gleich ein anderes
Aroma. Und Zicke reimt sich, schleimt sich sowieso. Und Zimt
gab es auf dem Milchreis meiner Kindheit. Und Milchreis ist
weiß & zäh – und – man findet ja kein Ende, wenn die Asso
ziationen erstmal angefangen haben. Und dann erst, wenn Wir
uns assoziieren…… »Dass jetzt bloß keiner anklopft.«
»Dann geh ich nicht ran.« »Na, du gehst aber ran.«
Ach, und wie es klopfte! In allen Gefäßen floss das Blut.
tudumm tudumm tudumm! Besäuselungen statt Beschreibungen.
»Und dann….. & dann…… & dann……. machen wir, können wir,
werden wir…..« Und dann erwähnte sie etwas, das nur
mit langem Schwanz geht. »So’n Pech«, sagte ich. Und wieder
Lachen. »Man kann ja nicht überall überdurchschnittlich sein.«
Hahaha. Und sie hielt die Sprechmuschel, Säuselmuschel, Quatsch
muschel in Muschinähe, und dann klang das Schmatzen wieder
ganz anders, und es erinnerte mich an einen Zwerg, einen
Zwerg, der irgendeine Frucht genüsslich isst, während
sie im Hintergrund Rauschkulissen hechelte. Ein Kirschen ver
schlingender Zwerg, der vollmundig schweigt. Und ich merkte
mir seine Geschwindigkeit beim Verzehr. Für später. Für dann. Und dann.
Und dann. Und dann, als ich wieder an ihrem Ohr war, er
zählte ich ihr von dem Zwerg. Wie mir ihr Lachen gefiel!
»Soso, während ich mich fingere, hast du also einen Zwerg
im Kopf.« »Nein, ich hatte ihn in der Hand. In meinem Kopf habe ich
nur Dich.« »Hab ich schon erwähnt, dass ich feucht bin?«
Die Nacht floss in Strömen. In Träumen & Fantasien. 3 Wünsche
haben wir. Frei! »Pass auf«, sagte sie, »und dann sehen wir uns & finden uns
scheisse.« »Pass auf«, sagte ich, »lass die Scheisse weg –
& schon ….. passt’s. Vielleicht.« Und wie die Nacht verging
in uns – ein Fließen & Fliegen der Zeit – & wie die
Vögel mit mir telefonierten – als der Tag anbrach
vor ihrem offenen Fenster – zwitsch zwitsch zwitsch! – All
es war offen – & über
haupt: Habe ich schon erwähnt, dass sie feucht war?


In unserer Einsamkeit

Was hatte ich bloß gesagt?

»Du brauchst nicht nur Sex«, sagte sie, »Du
brauchst Nähe.« »Nähe«, sagte ich, »ist
die Hauptsache. Immer.«

Mein Ständer brach
in Tränen aus

vor Lachen.
Es gab halt
kein Halten mehr.

Wir hatten Alle
so recht – wir

Einsamen
in unserer Einsamkeit.

Das ist die Leere.


Nacktfotos, von Fremden geschossen

Auch das
ein faszinierender Gedanke:

man erfreut sich
an den Nacktfotos der Geliebten
Nacktfotos aus fremder Vergangenheit –
& weiß doch: da war kein
Selbstauslöser

im Spiel

Ein Anderer
Geliebter

hat die Fotos geschossen

man kann es

spüren
schmecken
hören
sehen

Und die Fantasie ist dabei

anwesend beim Shooting
in der Vergangenheit

Und derjenige, der Geliebter war,
bereitete den Boden für den nächsten
Geliebten – in der Zukunft

& hat Anteil
an der Erregung des gegenwärtigen

Niemals
werden sie sich kennenlernen.

Hat er es sich träumen lassen? Dieser
vergangene, dieser Verflossene – als
er auf den Auslöser drückte?

Ja
wirklich:

faszinierend
verzwickt
erregend

dieser Ge
danke


Film: orale Bekreuzigung

Ich filmte sie
mit meinen Augen

Blende: auf
Verblendung ein
gestellt

Schärfe: gestochen
scharf

im Fokus: die Frau

Sie kommt zurück
aus dem Bad
zurück ins Schlafzimmer
die Klospülung rauscht
im Hintergrund
Die Frau: nackt im Licht der Kerzen
im Licht der bunten Lampe im Bücherregal
Die Decke liegt am Boden
Ich liege entspannt & ausgebreitet
da
Sie kommt
ins feuchte Bett
5 Küsse gibt sie mir
in rascher Folge:
Schwanz, Bauchnabel, beide Brustwarzen, Mund
Ich grinse
denke irgendwas wie: orale Bekreuzigung
Sünde! Sünde! hahaha
& dann liegt sie neben mir
entspannt
Es läuft
Musik
Wir schauen an die Decke

Und irgendwann
ein paar Songs später:

ich richte mich auf
um sie zu küssen
von oben herab
& ihre Augen schwimmen
»Was ist?«
»Ich werde nie das sein, was du brauchst
& was du dir wünscht.«
»Nicht doch – so’n Quatsch, das bist du
doch schon jetzt.«
»Nein,
lass es
dir gesagt
sein.«

Rückblende:
eine Nachricht von ihr
aus der Zeit als ich sie nur auf Fotos gesehen hatte,
auf Fotos, die ein Anderer ‚geschossen’ hatte –
›Warnung: ich mache es immer wieder selber kaputt.
Weil ich bin. Wie ich bin. Übel.‹

Ich hatte sie aus
geblendet. Diese Warnung.
Und das war gut
so.

Was würde man alles verpassen,
wenn man sich um Warnungen kümmern würde!

Orale Bekreuzigungen
zum Beispiel.

Oder sie: [Replay:]

Sie kommt zurück
nackt im Licht der Kerzen
im bunten Licht der Lampe zwischen den Büchern
etwas rauscht
im Hintergrund

(Auch das hatte sie mir geschrieben, früher:
›Du bist mein Hintergrundrauschen.‹)

die Klospülung
verstummt
es läuft
Musik
wir schauen an die Decke

Abblende


Schmetterlingsgleich

Wir hatten uns nie gesehen
Wir hatten uns nie gehört
Wir kannten uns nur
durchs geschriebene Wort

Und sie schrieb von ihrer Zunge
die mich berühren würde
schmetterlingsgleich
& überall

Das gefiel mir

Und als wir uns sahen
Und als wir uns hörten
war ihre Stimme anders
als ich sie mir vorgestellt hatte

Doch ihre Zunge war schmetterlingsgleich
Stumm in meinem Mund
Stumm an meinem Schwanz
Weich, flatternd & schweigend

sprach sie die Wahrheit

Und sie berührte mich
überall
über
all


Schmuddelkomödie mit gewaschenen Gardinen

Es erinnerte mich
beinahe an eine dieser Schmuddelkomödien
– vom Anfang der 70er Jahre, dabei war es bereits das Ende
dieses Jahrzehnts. Da stand sie also
barfuß auf der Leiter – & hängte die frisch gewaschenen
Gardinen auf. Das grüne Kleid mit dem gelben Blümchenmuster war
eines ihrer kürzesten. Kurz & knapp. Ich saß auf dem Sofa
& schaute zu; ihr Mann (neben der Leiter) hielt
die Stores in beiden Händen; und sie streckte sich
& schob ein Plastikröllchen nach dem andern in die Schiene
an der Decke. Draußen vor dem Fenster
verblasste eine Landschaft in der Sonne. Ich
erinnere mich nicht an sie. Nicht an die Landschaft
& kaum an die Sonne. An die Sonne erinnere ich mich nur
als Lichtspiel auf nackter Schenkelhaut. Als Gegenlicht &
Reflex. Gelbgrün rutschte der Saum übers Pogebäck, und
natürlich trug die junge Frau nichts unter diesem Kleid. Es war
die Zeit, es war Klischee, und es war
diese seltsame Schwäche des Mannes; seltsam &
gewöhnlich zugleich. Das Begehren der Anderen erhöht den Wert
des Begehrten. Und nicht zuletzt den Wert dessen, der sich
als ‚Besitzer’ des Begehrten fühlt. Ein kleiner, billiger Kick.
Nicht ohne Gefahr. Ich saß also da, lauschte dem Geräusch
der Röllchen, dem belanglosen Geplauder zwischendurch –
& war nichts als Auge & Erektion –
& Besuch, ich schlief im Gästezimmer, ich hörte
das Gestöhne bei Nacht. Und machmal auch bei Tag. Über
die Konstellation der Komödianten gibt es nicht viel zu sagen.
1 Ehepaar & 1 Vereinzelter. Und die wunderbare Verblendung
der Hormone. Die grandiose Dummheit der Wollust.
Es war – als hätte der Mann nie darüber nachgedacht, weshalb es
der Frau nichts ausmachte, sich dem Besuch so zu zeigen. Dabei hatte
es oft genug Streit gegeben, weil die Frau sich den Bekleidungswünschen des Mannes
widersetzte. Es war ein Spiel, ein Hin & Her, es war Schwäche gegen Stärke,
Widerspiel & Kräftemessen, Spiel mit Feuern jeglicher Art, dem Feuer
der Leidenschaften, dem eigenen Feuer, dem Feuer der Anderen &
brennenden Sehnsüchten.
Die Gardinen waren noch feucht. Ich konnte sie riechen. Der Mann grinste;
der Arsch grinste, und ich grinste wohl auch – ab & an. Eine Komödie eben.
Die Wohnung war groß; 2geschossig, die Schlafzimmer oben. Und irgendwann
waren wir oben, die Frau oben, ich oben, die Frau oben auf mir, und unten
wurde ein Schlüssel ins Schloss gesteckt. Wir hörten es beide. Da wir
es gewohnt waren, aufmerksam zu bleiben. Man wusste nie sicher, wann
er nach Hause kommen würde. Also sprang sie runter
von mir & ich aus dem Bett. Sie griff sich das Kleid vom Boden &
rannte ins Bad. Wo blieb denn nur die Musik
vom Hammerklavier? Warum waren wir nicht schwarzweiß?
Ach nee, es waren ja die 70er. Und nicht die 20er. Obwohl……
Irgendwie gelangte ich in die Beine meiner Hose – & ritsch!:
ein Stück Haut verklemmte den Reißverschluss. Das war das Ende
der Erektion. Es blieb keine Zeit, Schmerz zu empfinden. Also:
ratsch!: wieder runter mit dem Reißverschluss….. Und es blutete
nur ein wenig. Ich schnappte mir ein Buch, setzte mich aufs Bett &
sah, über den Flur hinweg, wie sie aus dem Bad kam. In Grün & Gelb
& ohne Schuhe. Sie barfüßelte treppab, und wir flogen
nicht auf. Dieses Mal.
Herzblut, Penisblut, Ende gut, Alles gut.
Nun ja – so gut war das Ende nun auch wieder nicht.
Aber egal. Die Menschliche Komödie
halt. Kurz & knapp.
Es wurde nicht viel gelernt daraus.
Dieselben Fehler wurden weiterhin gemacht.
Und – ja: der Geruch frisch gewaschener Gardinen
macht mich geil.


Unstimmigkeiten

Irgend etwas stimmte nicht
von Anfang an, aber
man konnte darüber hinweg

gehen
sehen
liegen
küssen
ficken
lecken
kommen

& versuchen, es
zu vergessen, da
man ja niemals will,
dass etwas nicht stimmt

weder am Anfang
noch in der Mitte
oder am

(aber da war es dann auch schon: das)

Ende.


Angenehm traurig

Da war diese Hollywoodschönheit, und sie
griff mir von oben in die Hose, durch den Bund, und
ihre Zwillingsschwester schaute zu, die
es in Wirklichkeit gar nicht gibt, und
plötzlich waren beide fort, ohne
dass ich mich darüber wunderte….. ich
ging in den Keller meines Hauses
& hörte ein Stöhnen; es kam
aus dem Zimmer am Ende des Ganges, aus
dem Zimmer, das einst ein Schlafzimmer gewesen
& inzwischen eine Rumpelkammer war; unvermittelt
stand ich im Türrahmen – ohne
dorthin gegangen zu sein…..
Ein Mann, älter als ich, kniete nackt auf dem Bett, das
nicht mehr existierte, und die Geliebte der Vergangenheit
hatte seinen Schwanz im Mund & lächelte mir
mit ihren Augen zu – als es ihm kam….. Das
Sperma tropfte von ihrem Kinn auf die lakenlose Matratze,
und die Erektion, mit der ich erwachte, war
angenehm traurig.

Ich schickte ihr eine Nachricht:
Weißt du, was mir heute
aufgrund eines Traumes klar wurde?
Ich wünsche dir, dass
wenigstens du
Sex hast – wenn
ich schon keinen habe. Ohne
alle Ironie & ohne
einen bösen Gedanken in meinem Hinterkopf.
Und das – nicht aus Desinteresse
oder gar Gleichgültigkeit…. Es
fühlt sich gut an.

Natürlich antwortete sie nicht.
Sie antwortete nie.
Schon als wir noch zusammen waren
kam oftmals keine Antwort.
Es war, behaupte ich, eine Charakterschwäche, die
Stärke suggerieren sollte. Vor allem
sich selbst gegenüber wollte sie stets
stark erscheinen.

Dieser Hollywoodschönheit wäre ich beinahe
mal über den Weg gelaufen. Jahre zuvor.
In London.
Ich war mit einer Freundin dort, und wir
hatten uns für einen halben Tag getrennt, um
den eigenen Interessen nachzugehen.
Ich durchstöberte Antiquariate, besuchte das
Sherlock-Holmes-Museum & saß schließlich in einem Pub,
trank Guinness & rauchte Zigarillos.
Am Abend dann erzählte sie mir
von ihrem Einkaufsbummel. In einem
Schuhgeschäft, Nähe Carnaby Street, hatte sie
diese Schauspielerin gesehen – & es bedeutete ihr
nichts. Ganz beiläufig erzählte sie davon, während sie
von ihren neuen Schuhen schwärmte. Ich schwärmte
– ein wenig – für diese Schauspielerin. Damals.
Und konnte meinen Ärger nicht verbergen. Es war
lächerlich. Und traurig. Wieder etwas verpasst.

Ab & an meldet sich diese Freundin. Meist schriftlich.
Doch nicht immer antworte ich ihr.
Sie erwähnt gerne mal den Namen der Schauspielerin,
um mich freundschaftlich zu necken…..
Aber die bedeutet mir längst nichts mehr, und
es ist mir egal – sie nie gesehen zu haben
in der Wirklichkeit. Das
ist angenehm. Vielleicht auch
traurig. Angenehm
traurig eben.

 

 

 

 

 

Siehe auch:
Sherlock Holmes als Arme Sau
London


Der hustende Igel – oder: Die Logik der Einsamkeit

»Warum hörst du mir eigentlich zu? Ich bin besoffen«, sagte er.
»Weil ich nüchtern bin«, sagte ich.
Später Abend. Stille. Vodka. Tee. Lampenlicht. Mein Wohnzimmer.
»Selber schuld«, sagte er.
»Ja, an allem.«
»Soweit würde ich nicht gehen. Aber auf jeden Fall an meinem Zustand.«
»Tja, der Schnaps muss halt weg. Ich habe zuviel davon.«
»Du meinst: du hattest zuviel davon.« Er grinste. Schluckte Klares. Freute sich über die Mehrdeutigkeit seiner Bemerkung. Oder hatte nur ich sie bemerkt?
Er sagte: »Egal. Wo waren wir grade? Äh, ach ja – beim Sex.«
Jetzt grinste ich. »Moment mal.«
»Hä? – Äh, ja, sehr lustig. Egal. Also, worauf ich hinaus wollte: ich mag doch eigentlich nur Frauen…..«
Ich sagte nichts. Ich wusste nicht, ob ich hören mochte, worauf er hinaus wollte. Ein Tisch voller Bücher stand zwischen uns. Die Vodkaflasche zwischen den Gedichten. Die Teekanne neben den Bildbänden. Augen aus Glas sahen mich an, rötlich zerfließend.
»Also, ich hab das noch nie jemandem erzählt. Wie gesagt: ich mag nur Frauen – aber: ich hatte öfter Sex mit Männern als mit Frauen.«
Dramatische Pause. Ein Geräusch von der Straße wäre jetzt richtig gewesen. Ein bellender Hund vielleicht, oder ein Hupen; gerne etwas Symbolträchtiges, das wie erdacht gewirkt hätte – aber man kann es sich halt nicht aussuchen; und so blieb es still.
Ich suchte nach einer intelligenten Erwiderung.
»Puh, das hatte ich jetzt allerdings nicht erwartet.« (Manchmal findet man eben nicht, was man sucht.)
»Na ja, nicht richtig«, sagte er. »Also, ficken würde ich nie. Auch nicht küssen. Oder kuscheln. Brrr.« Er schüttelte sich kurz. »Aber Wichsen & Blasen ist okay.«
»Warum erzählst du mir das?«
»Haha, keine Sorge, nur so. Weil ich besoffen bin & das mal raus will. Und – weil du dich mit Einsamkeit auskennst. Das ist nämlich der springende Punkt – die Einsamkeit. Das versteht nicht jeder. Und dass ich nur Frauen mag.«
»Ich glaube, jetzt wird’s kompliziert. Ich kann dir wohl nicht ganz folgen.«
»Na, ist doch klar. Ich war zu lange allein. Gewesen. Damals. Ist ja alles schon länger her. Allein, einsam – was auch immer; und je länger es dauert, desto höher wird dieses ganze Mauerzeugs um einen rum; und irgendwann kommt man an das, was man will, nicht mehr ran. Oder traut sich nicht mehr ran. Oder so. Na, ist doch klar, oder?«
»Klar.«
»Tja – aber Sex will man trotzdem.«
Ich starrte ins Teelicht. Es bewegte sich nicht.
»`ne Frau natürlich. Will man. Eigentlich. Aber mit so nem Kopf, so’m einsamen Kopf, der Angst hat, funktioniert das nicht. Selbst wenn’s in Wirklichkeit ganz einfach wäre. Und die Angst hat man ja nur, weil man zu lange allein war, und deshalb bleibt man noch länger allein. Und hat dann noch mehr Angst. Ach, scheiße. Kompliziert. Ja, hast recht: ist wirklich kompliziert….. Also, Frage: Was ist dagegen einfach? – Antwort: Was einem nichts bedeutet. Oder nicht viel, zumindest. Und was ist am allerallereinfachsten? – Notgeile Typen im Internet finden.«
Er lachte. Und trank. Trank. Und lachte. Und nur das Trinken überzeugte mich.
»Du erzählst das doch keinem?«
»`türlich nicht.«
»Gut. Eigentlich isses ja egal – aber, ach, was weiß denn ich…. Jedenfalls kann sich’s bestimmt keiner vorstellen…. bezah…. beziehungsweise, es würde keiner erwarten.«
»Wie gesagt«, sagte ich, »ich hatte es nicht erwartet.«
Er grinste. »Ich könnt´ dir Geschichten erzählen….. haha, echt lustig.«
»Ganz ehrlich: ich weiß nicht, ob ich die würde hören wollen.«
»Schade. Da war zum Beispiel n Bulle, der mich 3 oder 4 Mal besucht hat. In voller Montur. Uniform & Knarre, haha. Früh morgens, vor Dienstantritt. Der meinte, ich würde besser blasen als seine Frau.«
»Scheiße, das will ich jetzt wirklich nicht hören. Lass ma gut sein.«
»Leidenschaftlicher! Er hat gesagt, ich wär leidenschaftlicher bei der Sache.«
»Oh Mann, bitte. Das muss jetzt nicht sein.«
Da könnte man was draus machen, dachte ich. Schreiben! Ich sollte es ja nur niemandem erzählen. Niemandem, den er kannte.
»Warum nicht?« sagte er. »Ist doch spannend, haha. Übrigens hat er irgendwann ein schlechtes Gewissen bekommen. Hat er zumindest behauptet. Wegen seiner Frau. Die weniger gut als ich…. hahaha. Das war’s dann jedenfalls. Ach ja, hätt’ich fast vergessen: nebenher hatte er noch ne andere Frau; die wollte er irgendwann mal mitbringen – fürn Dreier. Aber dazu kam’s nicht mehr. Schade. Hätte die Liebe meines Lebens werden können. Also – die Frau. Wer weiß.«
Pause. Er schenkte nach. Trank. Schaute ins Glas.
»Er hat mich mit nem Gürtel verprügelt. Konnte man 2 Wochen später noch sehen.«
Wie ein Erdbeben. Ein Erdbeben, bei dem die Erde sich nicht auftut, um einen zu verschlingen. Da könnte man wirklich etwas draus machen.
»Übrigens waren die immer verheiratet. Also, so viele waren’s ja nicht. Aber immerhin: alle verheiratet. War mir auch lieber so. Und der Bulle war der Letzte. Und Interessanteste.«
»Verprügelt?«, sagte ich.
»Ja.« Grinsen. »In beiderseitigem Einvernehmen.«
Man kennt niemanden. Niemanden!
Der Tee schmeckte nicht mehr. Ich spiegelte mich darin. Zu lange hatte er über der Flamme gestanden. Es stimmte: ich kannte mich aus. Aus mit der Einsamkeit. Aus mit dem Alleinsein. Aber mit Menschen? Aus? Aus.
Er wird sich daran erinnern, es mir erzählt zu haben. Es wird ihm peinlich sein, es mir erzählt zu haben. Hauptsache, es ist ihm nicht peinlich, WAS er mir erzählt hat. – Darüber schreiben? Details! Man müsste die Details kennen, um darüber schreiben zu können. Denn sonst – alles nur Skizze…..
Ich sagte: »Wie alt?«
»Ungefähr unser Alter.«
»’Länger her’, hast du gesagt. Und – wie isses heute?«
»Hörst du das?« sagte er.
»Was?«
»Klingt wie’n hustender Igel in deinem Garten.«
»Stimmt«, sagte ich. »Die hört man hier öfters.«


Gelächter

Ich lache
wenn ich komme
sofern es gut war

Ich kann es nicht kontrollieren

Ich lachte viel
bevor sie ging

Sie lachte auch
Doch nicht wenn sie kam

Es war gut
gemeinsam zu lachen

aus anderen Gründen

Nur zu sein
Nicht zu kommen
Nicht zu gehen

So hätte es bleiben sollen
doch es wollte nicht so bleiben

Denn man hat sie nie wirklich
die Kontrolle

Das Gelächter aus andern Gründen
war das beste überhaupt

beinahe abgründig

Nun kann ich’s ja sagen
da sie mich nicht mehr hört

Und ich lache nicht
wenn ich’s mir selber mache

Und ich erinnere mich
an unser Gelächter

wenn ich
nichts zu lachen habe


Die Venus über der Straße

Nein,
ich kann sie nicht ernst nehmen –
die Venus über der Straße.
Die Stecknadel am Abendhimmel.
Sie leitet mich
fehl.
Wenn ich ein Auge zudrücke, scheint sie
über dem Hotel zu leuchten,
in dem ich arbeite –
für 8 Euro pro Stunde
+ Nachtzuschlag,
inklusive mieser Musik, die alles berieselt.
Da ist wenig Erotik;
von Liebe ganz zu schweigen.
Jedenfalls, was mich betrifft.
Selbst das Essen, das ich bekomme,
wirkt meist lieblos.
In den Zimmern,
an denen ich vorbei gehe,
nachts auf meinem Rundgang,
mag es anders sein. Vielleicht.
Ein bisschen wie
in meinem Kopf.
Hier schnarcht’s, da stöhnt’s,
die Klospülung rauscht, und
das plötzliche Niesen hinter einer Tür
erschreckt mich fast zu Tode.
Manchmal klatscht es auch dahinter
– & das ist kein Applaus.
»Wir hätten gern ein Doppelzimmer.«
»Ich hab nur noch Einzel.«
»Das ist okay.«
»Das Bett hat nur 90 cm.«
Keine Ahnung, ob das stimmt.
»Das reicht uns.«
Da wett’ich drauf!
»Hauptsache, es is schön warm.«
»Selbstverständlich.«
Und wenn Eure Hitze nicht reicht,
schenk ich Euch einen vollen
Benzinkanister. (E10. Ich muss sparen).

»Möchten Sie auch frühstücken?«
»Äh…. nein, wir reisen ganz früh wieder ab.«
Na sicher. Ohne Gepäck. Und die Adresse
ist gleich nebenan.

Hin & wieder stirbt jemand.
Hin & wieder blutet jemand.
Aber meistens
nicht.
Und sollte ich gerade essen, ist
das Hotel ausgebucht.
Nein, ich kann sie nicht ernst nehmen.
Die Venus über der Straße.
Und die Arbeit.
Und noch
so mancherlei.


Knaurs Buch vom Film


Knaurs Buch vom Film
© 1956 by Droemersche Verlangsanstalt
Autor: Waldekranz Arpe

(Was für ein Vorname!)

Es stand in der Bibliothek meines Vaters.
Gern nahm ich es
mit ins Bett.
All
diese Il
lust
rationen….
All
diese Photographien….

Sogenannte Göttinnen
der Leinwand……

Zum
Niemals
Sattsehen.

Riso amoro:
Silvana Mangano
auf ihrem Bett
im Hemd – &
meinem liebsten Kleidungsstück:
dem Sonstnichts….
Prachtgeschenkel in Schwarzweiß
Neorealismus
So neu – für einen kleinen Jungen

The Seven Year Itch:
Das hochgeblasene Kleid der Marilyn M.
bevor es, bevor sie zum Abziehbild wurde
Zufällige Zugluft eines Zuges

Und ein Teil der Erregung war
Hineinversetzung: die Vorstellung
so auszusehen & so gesehen
zu werden……

Ava Gardner
Gina Lollobrigida
Theda Bara (‚der erste Filmvamp’ hieß es da)
Die bloßen Brüste der badenen Martine Carol
(In einer Zeit als es keine Nacktheit am Zeitungskiosk gab.)

& so weiter
& so fort

Weit fort
in Träumen

Und in Sommernächten
schlich ich mich hinaus
nackt oder halbnackt
ins Freie

Dorthin
wo Niemand war
aber Jemand
hätte sein können

auf ein
samen Wegen

gerne unterm Mond

Wilde Schlägereien des Herzens
Die Unruhe der Hormone

& die Lust war so groß
dass ich keine Befriedigung wollte

Fast ein Schmerz –
Dazu die Angst
aufzufliegen

erwischt zu werden
von den Achsoerwachsenen

Doch es geschah nicht.
Nichts geschah
außer mir.

So Vieles
in mir.

Die Filme sah ich
später –

am Anfang stand
Das Buch.

Knaur bw


Poesie & Erotikchat

Rilke im Licht eines Monitors
Ein geöffnetes Buch im Schein geöffneter Fenster
Virtueller Fenster
Poesie & Erotikchat – irgend Etwas sucht man ja immer
Die Einsamen suchen – aber nicht nur die
Hi, darf man stören? Was suchst du?
Ja, was eigentlich?
Ein rasches Ende.
Ende der Leere Ende der Sehnsucht Ende des Drucks Ende
der Geilheit Ende der Suche Ende der Eintönigkeit Ende des
Immergleichen Ende Ende Ende
Wo wohnst du? – Oh, Mist, zu weit, cu ….
Es hätte gepasst – vielleicht
Eine weitere Illusion, die man sich machen kann
Doch wahrscheinlich war die Frau ein Mann
der die Fantasien des Mannes am besten kennt
Überall Fakes (& Anglizismen, Fuck, Rilke hätte die nicht benutzt!)
Lügen – um sich begehrt zu fühlen
Wie alt bist du? Irgendwelche Tabus?
„Die Einsamkeit ist wie ein Regen.
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen….“
Wer will meine Frau ficken?
Wer will zusehen?
Wer will mich?

Überall Wille – überall Wollen – vorhanden oder gesucht
schmerzlich vermisst oder fast schon tot
– & über Allem: Fragen
Was hast du an?
Wie wär’s mit einem Rollenspiel?

Alles nur Schein – Schwein – & alleine Sein
Dominant & devot – treffen wir uns
bei einem Gläschen Natursekt
„Regnet hernieder in den Zwitterstunden
wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen….“
Was suchst du?
Ja, was eigentlich? Und wo?
Einen romantischen Sonnenuntergang
zum Rein
wichsen
Schalt die Cam ein
Ich steh auf Dirty Talk

Rainer Maria, hilf!
Tipp Tipp Tipp Tast
aturen

Warum suchst du? Warum suchen wir? Warum immer?
mbi44 besuchbar sucht
Tina im T-shirt
(zu schön, um wahr zu sein) sucht
Paar aus Raum31 sucht

Zu wenig zu wenig zu wenig
Wer Nichts hat, sucht
Wer Etwas hat, sucht
In Büchern, in geöffneten Fenstern, die sich schließen
oder einfach verschwinden
Abkürzungen suchen Abkürzungen
„und wenn die Leiber, welche nichts gefunden,
enttäuscht und traurig voneinander lassen;
und wenn die Menschen, die einander hassen,
in einem Bett zusammen schlafen müssen :

dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen…“

Rilke
im Licht
eines Monitors

Kurz bevor
der Strom ausfiel

 

 

Rilke


Unterm gelben Zeigefinger

Was oben scheint
ist erneut der Mond.
Der Mond scheint
gelb, getarnt als Sonne.
Als Sonne der Nacht,
gelb wie der Zeigefinger eines nikotinsüchtigen Serienkillers;
er deutet
hinunter auf den Wald……
Knisterschritte in stiller Umgebung.
Was unten scheint
ist erneut die Frau. Getarnt
als Traum.
Traum, Baum, Saum eines Nacht
hemdes…. kurz & durchschimmernd ….
in Stummfilmblau.
Bloße Schenkel in Bewegung,
Nadelgeruch & das Ende der Stille.
Das Heulen des Tieres schneidet
ein Muster in die Dunkelheit & hinterlässt
eine Tonspur.
Ein Wolf träumt in der Ferne,
und seine Sehnsucht reisst die Frau
zu Boden…… fällt
über sie her,
leckt sie ab
mit schweigender Zunge &
zitterndem Schwanz.
Speichel tropft unterm Märchenmond.
Und Licht bricht in den Schweißperlen der Frau.
Rot ist die Lust
wie eine unter
gehende
Sonne….
& ihr Blut sickert
in den Boden
der Nacht.


Eine gesunde Basis

Er stellte eine Frage. Im Sitzen.
»Und, warum hat’s denn nun nicht geklappt?«
Ich stand auf. Und gab eine Antwort:
»Moment, ich mach mal noch’n Tee.«
In der Küche erinnerte mich vieles
an sie…..
Meine Lieblingstasse, aus der sie Kaffee getrunken,
das Feuerzeug, mit dem sie Bierflaschen geöffnet hatte,
jedes Linoleumquadrat am Boden, das ihre Füße berührt….

Schließlich zog der Tee. Im Wohnzimmer. Zwischen
ihm & mir.
»Also?«
»Also – ich versteh’s eigentlich auch nicht. Es hatte Alles
eine gesunde Basis….. Wir haben nie etwas
zusammen unternommen; haben uns praktisch nur
im Bett getroffen, meistens lag ich schon drin, wenn sie
mich besuchte; ich kannte ihre Adresse nicht, wir hatten wenig
gemeinsam, und im Schlafzimmer brannte immer
eine bunte Lampe, so dass wir nie in der Dunkelheit
nebeneinander einschliefen.«
Er grinste, und die Teekanne war weiß. Wie immer.
»Ich beliebe nicht
zu scherzen«, glaubte ich hinzufügen zu müssen. »Mir
gefiel das wirklich.«
»Muss ich nicht verstehen«, sagte er.
»Nein. Natürlich nicht.«
»Und – wer hat denn nun Schluss gemacht?«
Ich bewegte die Beutel. Im Wasser.
»Niemand.«
»Wie – niemand?«
»Man macht doch nicht Schluss, wenn es
so läuft.«
»Ja, was denn nu?« Es klang, als würde er
die Geduld verlieren.
»Nichts«, sagte ich.
Und Grünen Tee lasse ich nie länger als
3 Minuten ziehen. Und das Wasser darf nicht
kochen – sonst wird er
bitter.


Wolle. Foto machen.

»Oh, eine Strickjacke«, sagte ich.
»Na ja«, sagte sie (also: die Frau sagte es),
»`s is kalt draußen. Außerdem ist die bequem.«
Fast klang es wie eine Entschuldigung.
»Also – ich finde die geil«, sagte ich. »Genau
die richtige Länge. Und fühlt sich gut an. Und
dieser reizende Reißverschluss…..«
Zzzzziiippppp!

Dann, nackt im Bett, sagte sie:
»Ich hol mir noch’n Bier.«
»Ich komm mit«, sagte ich. »Fotos machen.
Für einsame Stunden.«
Sie grinste. »Soll ich die Strickjacke anziehen?«
»Ach – du liest in mir wie in einem Buch.«
»Ja. Wie in einem Schmuddelroman.«

Und dann stand sie da. In der Küche. Vorm Kühlschrank.
Dem Kühlschrank zugewandt. Und die Strickjacke
bedeckte ihren Arsch ungefähr zur Hälfte. Und
die Kamera machte Klick! & Klick! & KlickKlickKlick!
Ohne Blitz. Ich hasse Blitzlicht. Die kleinen bunten Lampen
zwischen den Schnapsflaschen waren eine so viel schönere
Lichtquelle. Ich verwackelte etwas. Doch dadurch wurden
die Fotos nicht unscharf. Das Wortspiel mit der Lust
erspare ich mir. Und noch ein paar andere.
Ich mag die langen Ärmel. Sie unterstreichen
die Nacktheit der Beine.

Die Erotik der Strickjacke wird unterschätzt.

Die einsamen Stunden – sie kamen.
Viele davon. Eigentlich
brauche ich die Fotos nicht.

Wofür auch immer.

Doch es ist schön
sie zu haben.

Sie zu haben
war schön.


Die trockene Romantikerin

Der Satz ist
auf ihrem Mist gewachsen.
Sie hat
das Urheberrecht.

„Ich bin trockene Romantikerin.“

Andere
mochten den Satz.
Fanden ihn
lustig, geistreich – oder
was auch immer.

Ich hasste ihn.
Fand ihn
zum Kotzen.

Diesen Satz & fast
Alles,
was er implizierte –

den Entzug
die Nüchternheit
das Rauschlose

& den kalten Blick.

Nun gut,
im Moment war auch ich
trocken.

Hatte mit dem Saufen aufgehört.
Das war keine große Sache. Eigentlich.
Denn es gab keinen Entzug. Im
eigentlichen Sinne. Ich war
nicht körperlich
abhängig gewesen.

Zumindest nicht
vom Alkohol.

Meine Sucht war leichter
& komplizierter
zugleich

gewesen.

Lustig, geistreich – oder
was auch immer.

Ja, ich bin nüchtern
in diesem Augenblick.

Aber nicht
rauschlos; nicht
kalt.

Und es besteht immer die Möglichkeit
des Rückfalls.

Die Gefahr
oder
die Hoffnung.

Und dann werde ich wieder
trinken.

Im besten Fall:

Den Saft der
rückfälligen Romantikerin.


Eine Fee vorm Gefrierfach

Auch eine Fee
erfüllt bloß Wünsche
& keine Erwartungen.

Und manchmal
nur Wünsche, die nicht ausgesprochen werden.

So war das –
als sie sich hinkniete
vor der Tür meines Gefrierfachs,
um meine Hose zu öffnen.


Die romantische Sau

Eigentlich
wollte ich es nicht wissen.
Wie lange war es jetzt her?
Das letzte Treffen…..

Aber
ich bin gierig –
in mancherlei Hinsicht.
Das ist mein Naturell.

Und vor allem bin ich
neugierig.

Es war so einfach.
Ich wusste, was ich in jener Nacht
geschrieben hatte. Nachdem sie
eingeschlafen war.

Nebenan.

Ich brauchte nur
den Text zu suchen…..

Das Datum erschreckte mich.
9. Oktober!
Jetzt hatten wir den
21. Dezember.

So lange
war es mir gar nicht vorgekommen.
Und es erschreckte mich,
dass es mir gar nicht so lange vorgekommen war.

Oftmals hatte ich an diese Nacht gedacht
in der Zwischenzeit. Die wie eine
Zwischenwelt war, in der wir nicht
gemeinsam existierten.

Nach dem Schreiben
hatte ich mich wieder zu ihr gelegt.
Nach dem Erwachen
las sie das Geschriebene.

Sie lächelte.
»Du hättest nicht
ins Waschbecken pinkeln müssen.
Ich wäre ohnehin nicht
aufgewacht.«

Eigentlich
war mir das klar gewesen.
Ihr Schlaf war
beneidenswert.

Meiner war eher
wie ein Gemälde
von Goya.

Egal.

Das mit dem Waschbecken
machte sich ganz gut in dem Text.
Fand ich. Und das war
die Hauptsache.

In der Zwischenzeit
wichste ich in dieses Waschbecken.
Das macht sich weniger gut
in diesem Text.
(Oder sollte ich sagen: Das
kommt weniger gut
?

Auch egal.)

9. Oktober!

So lange also
hatte ich
das Bett nicht frisch bezogen!

Was bin ich doch für eine Sau.

Man konnte es nicht riechen.
Ich jedenfalls nicht.
Und sonst war ja niemand da.

Aber sie
konnte ich auch nicht mehr riechen.
Alles verflogen…..

Hie & da
noch ein Haar.

Herausgerissen
in der Hitze des Gefechts.
Verloren
im Schlaf.

Blonde Saiten.

Ja – eine Sau.
Schlimmer – eine romantische Sau!

 

 

Der Text vom 09. Oktober