Sinn & Zweck

Was wollte er nur
mit all diesen Regen
schirmen

im
Innern
seines Hauses?

In dem er hauste
wie ein Agoraphobiker.

Kaum je
verließ er es –

schon gar nicht
wenn es
regnete.

Obgleich er
das Regengeräusch liebte –
das Tropfengetrommel
auf auf
gespannten
Schirmen.

Was wollte er nur?

Keiner seiner Schirme war gekauft.

Sie alle waren
liegen
gelassen
worden.

In
Gedanken
losigkeiten.

In
fremden Häusern.

Sie hatten
den Sinn & Zweck des Nützlichen
gehabt

im Besitz
der Anderen.

So nahm er die Schirme
an sich

nahm ihnen
ihre eigentliche Bedeutung
& gab ihnen
den Sinn & Zweck des Nutzlosen.

Es ging ihm
um den Schirm
an sich.

Um
Worte & Fantasien –

um die
schaurig
schönen
Erinnerungen der Kindheit…..

….. Die Geschichte vom Fliegenden Robert …..

Was wollte er nur
mit all diesen Regen
schirmen?

Vielleicht bloß
durch den Regen fliegen

im Innern
seines Hauses –

ohne
Sinn & Zweck.

Sinn


Der Krach

Sie saß einfach nur da
in ihrem Sommerkleid
& schaute ihn an.

Er schaute zurück.

Sonst nichts.

Es war ihr erster Krach:

Das
ohrenbetäubende
Knistern
der Erotik.


Der gefallene Mond

Wie ein papierener Mond
der am Boden liegt

klein, allein &
un schein bar

heraus
gestanzt
aus einem Blatt

Aus irgendeinem Blatt
das zu irgendeinem Stapel gehört

Formatiert
Genormt
Beschrieben oder unbeschrieben
Bezeichnet oder unbezeichnet

Und wo der Mond gewesen war
ist nun ein Loch

Leere
die den Durchblick gewährt

auf irgend
etwas
dahinter

100 Monde
in einem Locher

Gefangenes Konfetti

in einem Büro
wo es
Nichts
zu feiern gibt

Es ist

All
tag

& eine Putzfrau schaltet den Staubsauger ein

& der gefallene Mond
ist nichts
als
Müll


Falsches Format

Ein Kinofilm, der
im Fernsehen ausgestrahlt wurde….

Cropped.
Oder war es
Pan-Scan?

Egal.
Das Bild war nicht
vollständig.

Etwas stimmte nicht.
Wie immer man es
nennen will:

Format
Seiten-
verhältnis
Ratio.

Es war ein Horrorfilm.
Und ich erinnerte mich
an das Bild
wie es auf der Leinwand
gewesen war…..

Erinnerte mich
an den Anblick dieser Szene:

Eine Frau telefoniert.
In ihrer Wohnung.
Vor einer Wand.
Einer Wand voller
Bilderrahmen.
In den Rahmen
befinden sich Fotos.
Fotos vergangener Momente.
Am anderen Ende
der Leitung:
Der Mann, mit dem sie
zusammengelebt,
mit dem sie
vergangene Momente
geteilt hat.
Und die Wand ist
auf der Leinwand
komplett.
Und ganz links
auf der Wand,
auf der Leinwand –
sieht man
die hellen Flecken
fehlender Fotos –
abgehängter Momente.
Entfernte gemeinsame Augenblicke.
Symbole der Trennung.

Ich erinnerte mich gut
an diese Flecken.
An ihre auffallende Helligkeit, die
nicht zuletzt
daher rührte, dass
Staub & Licht
die Wand ringsum stärker hatten nachdunkeln lassen.

Ja, ich erinnerte mich

an diese Flecken,
die nun fehlten –
in dem Bildaus-
schnitt, den
der Fernsehsender übrig gelassen hatte.

Der
Bild
aus
schnitt
auf dem
Bild
schirm
war
ohne
Symbol
wert.

Man konnte sich vorstellen,
dass all diese Fotos,
all diese Rahmen
noch immer dort hingen –
außerhalb
des Bildes.

Als hätte es
nie
eine Trennung
gegeben.

Als hätte
niemand
die Erinnerungen
entfernt.

Wie gesagt –
es war
ein Horrorfilm.


Das Lieblingsbuch

Die schweren Maschinen
ratter!ratter!ratterten!
im Vorführ
raum.
Sich drehende
Spulen ….
24 Bilder pro Sekunde.
Projektoren
(4 an der Zahl:
2 im oberen Raum,
2 im unteren –
beide Räume miteinander
verbunden
durch eine Wendeltreppe);
alte Projek
toren
die Bilder warfen.
Fertige,
vorgefertigte
Bilder.
Der Jugendliche, der
ich
war
(16 oder 17 Jahre bildeten be
reits eine Vergangenheit),
saß auf einer Bank
im oberen Raum.
Verschwunden
in einem Buch –
verschwunden in
Irland –
verschwunden im
Martello-Tower.
Ratter!Ratter!Ratt
er!

Die Wörter warfen
Bilder ohne Zahl
in mein Inneres.
Nieren – Stout – & Sperma.
Selbstgefertigte Bilder
in 4 Dimensionen –
stinkend klingend tast
end.
(Ich ahnte nicht, dass ich
eine schlechte Übersetzung las –
es wäre mir sogar
egal gewesen…. so
wie den Meisten, die
jenseits der kleinen Fenster
im Halbdunkel saßen,
die schlechten Synchronisationen der Filme
egal waren.)
Unten
lief ein Porno;
oben
Irgendwas von Walt Disney.
Ratter!Ratter!Gulp!Schwupp!Peng!

»Hast du eigentlich
ein Lieblingsbuch?«
Irgend Jemand stellt ja immer solche Fragen.
»Zu viele«, sage ich.

Und doch…..

Ich kehre zurück.
Immer wieder.
In dieses eine.

Verführt
von Erinnerungen.
Verführt
von der Sehnsucht
nach dem Vorführraum
der Vergangenheit

nach dem Geräusch der Projektoren
nach dem Kreisen der Spulen.

Ich trete ein
in die unterschiedlichen Übersetzungen.

Und die schlechte Übersetzung ist
wie das Zuhause meiner Jugend –
anheimelnd & vertraut.

Und ich trete ein
in das Original –
wie ein Fremder, der sich
in einer fremden Welt
an die falschen Worte erinnert.

Und ich verschwinde.

Ver
schwinde
im
Buch

Ulysses

(siehe dazu auch: Pornoschnipsel)


Spannung

Ich spürte
die plötzliche Anspannung

in ihren
Pobacken

Sie hielten
mir die Nase zu

Sie
hielt mir die Nase zu

& lachte

Ich lachte
gedämpft

& dachte
an Nasen-Flügel

die
nicht fliegen konnten

während
meine Zungenspitze flatterte

& anspitzte

vergraben
in feuchtweicher Wärme

An
spannung

Spannung

End Ent
spannung

Sie ließ
los

gelassen

Ich atmete
durch

mit flatternden Flügeln

& die Zeit
war vergangen

wie
im Fluge


Der Zaubertrick

Eine Abfolge
simpler Handgriffe…..

mehr
ist es
nicht

– wenn man
darüber nachdenkt.

Aber ich
will
nicht
darüber nach
denken.

Ich will
bloß fühlen,
überrascht sein –
& die Magie
nicht
zerstören.

Lieber zerstöre ich
meinen analytischen Blick

in solchen
Augen
blicken.

Wenn eine Frau
ihren BH
durch die Ärmel
eines Kleides oder Oberteils
aus
zieht
wirkt das
auf mich
noch immer
& immer wieder
wie ein
Zauber

trick.


Navigation

Nacht.
Unvertraute Straßen.
Ein fremdes Ziel.
Ich bin
unterwegs.

Ich lenke
den Wagen.
Doch die Straßen
lenken mich.
Ich muss
ihnen folgen –

wenn ich
unversehrt
das fremde Ziel
erreichen
will.

Schein
werfer
kegel

in der Dunkelheit.

Ich bin nicht allein.
Auch Andere sind
unterwegs.

Doch
in dieser Nacht
ist es so
wie in den meisten Nächten:

Ich schaue
in das Innere der fremden Autos,
blicke durch die
verregneten Fenster –

& sehe
in jedem einzelnen von ihnen
das Leuchten
des Navigationsgerätes.

In solchen Nächten
habe ich das Gefühl, ich sei
der einzige Mensch auf Erden,
der ohne Hilfe
unterwegs ist.

Nein,
ich besitze kein Navigationsgerät.
Keine fremde, künstliche Stimme
sagt mir,
wo es langgeht –

sagt mir,
wann ich
voraussichtlich
ankommen werde.

Ich weiß nicht,
wann.
Und ich bin mir nicht sicher,
ob ich
hier
richtig bin.

In meinem Wagen
leuchten nur
die Armaturen &
das Radio.


Übergang

»Lass uns in den Keller gehen –
da ist es kühler. Es ist
zu heiß
hier oben.«

Hitze
über der Erde.
Sommer.
Sonnenglut.

Auf der Kellertreppe
wurde es kühler
mit jeder Stufe
abwärts.

»Lass uns in den Keller gehen –
da ist es wärmer. Es ist
zu kalt
hier oben.«

Kälte
über der Erde.
Herbst.
Nordwind.

Auf der Kellertreppe
wurde es wärmer
mit jeder Stufe
abwärts.

Die Hitze des Sommers
war gespeichert –
in der Erde,
in den Kellerwänden.

Für kurze Zeit
würde es einem warm
erscheinen,
wo es einem kühl
vorgekommen war.

Doch
die Temperatur
dort unten
unter der Erdoberfläche
war
noch immer
dieselbe

& würde es bleiben

für die kurze Zeit
des Übergangs.


Dichterklause

»Das
ist einer deiner schönsten
Texte.
Tief –
Vielschichtig –
Konzentriert.
Als hättest du
viel darüber nachgedacht.
In Ruhe nachgedacht.«

»Na sicher«, sagte ich,
»in meiner Dichterklause.
Wo sonst.«

Ein Glas fiel zu Boden
Splitterte
Die Besoffenen grölten
Eine Frau lachte schrill
Der Barkeeper holte Feger & Kehrblech
2 Sirenen
heulten im Duett
Kreisende Blaulichter huschten durch die Nacht
am Hotel vorbei
Gegenüber am Bahnhof sangen die heimkehrenden
Fußballfans
In der Lobby lief tonlos der Fernseher –
Hitler schwang die Faust
während Nachrichten & Börsenkurse über seine Brust liefen
Das Telefon an der Rezeption trillerte
Ich ging ran
Jemand wollte ein Zimmer
»Ausgebucht« sagte ich
Aus den Fahrstühlen sickerte der Schleim der Musik
Die Mikrowelle klingelte wie eine Schreibmaschine
am Ende der Zeile
Das Textprogramm klingelte nicht
als ich am Ende war

Wieder einer fertig!

So ist das
mit der Klause.

Wie gut – dass ich
kein Dichter bin.
Ich bin nicht einmal
ein Nachtportier
eigentlich.

Eigen
tl
ich

bin ich
nur
ich.

Oder
Nichts.

Und
Nichts
zu sein –
ist auch

recht
angenehm.


In Form

Die Realität
in Worte gefasst

wirkt
oft

so
irreal
surreal

symbol
überladen

wie
der nackte Arsch
auf dem Fuß eines Sonnenschirms

wie
der tote Schmetterling
auf einer Windschutzscheibe

wie
der zerbrochene Lieblingsteller
in Form eines Halbmondes

Die Realität
in Form gebracht

wirkt
oft

so
künstlich

….. Kunst-Stoff
aus dem die Träume sind

Doch das ist
nur
Täuschung.

Es ist
die Realität selber

die so
irreal
surreal
symbolüberladen

ist

Der nackte Arsch auf dem Sonnenschirm –
es gab ihn wirklich.

Der tote Schmetterling auf der Windschutzscheibe –
ist Dreck & Symbol zugleich.

Der zerbrochene Lieblingsteller in Form eines Halbmondes –
zerbrach so – & nicht anders.

Es ist
der Blick –

der
wortlose
formlose
fassungslose
Blick

der
Alles
in
Allem

findet.


Auf dem Fuß des Sonnenschirms

Er ruhte
auf dem Fuß des Sonnenschirms –
der nackte Arsch der Frau.

Er war geschlossen –
der Schirm.
Unaufgespannt

stand er
auf meiner Terrasse.

Der Schirm wurde
nie
benutzt,

da ich – der Mondsüchtige – ihn
nicht
brauchte –

ein ererbtes Mahnmal
der Sinnlosigkeit.

Sein Fuß
rostete.

Tabascorot schien
die Abendsonne

& schärfte
die Phantasien.

September.
Die letzten heißen Tage
des Jahres.

Die Frau rauchte
entspannt. In
ihrem Shirt, das
zu kurz war,
um darauf sitzen zu können.

Ihre nackten Füße ruhten
auf den wärmedurchtränkten
Steinplatten.

Nachdenklich
schaute sie auf das verbrannte Gras;
das Jahr
war trocken gewesen.

Ich betrachtete
ihr Profil.

Durch die Glasscheibe
der Terrassentür.
Sie bemerkte mich nicht;
wähnte mich im Bett.

Ich stand drinnen,
im Wohnzimmer.
Wäre ich hinausgegangen,
hätte ich dieses Bild zerstört.

Die Glasscheibe
war schmutzig;
der Anstrich des Türrahmens
blätterte ab.

Ich blieb nur kurz,
ging zurück ins Schlafzimmer.
Zu stark war das schlechte Gewissen –
die Frau ohne ihr Wissen
zu betrachten.

Und doch –
dieses Bild……

Sie legte sich
wieder zu mir.

»Ich habe einen Schreck bekommen«, sagte sie;
da war plötzlich ein Mann
im Nachbargarten –
& ich dachte, der wäre
in deinem. Gut,
dass ich etwas anhatte.
Wenn auch nicht viel.«

Ich sagte
nichts.

Ich malte es
mir
aus……

dieses Bild.

In meiner
geschärften Phantasie.

Was hatte der Mann gesehen?

Dasselbe wie ich?
Wohl kaum.

September.
Die letzten heißen Tage.
Schon bei ihrem nächsten Besuch
würde es zu kalt sein, um
fast nackt
im Freien
zu rauchen.

Wie traurig!

Es würde zu kalt sein
auf dem Fuß des Sonnenschirms –

des Sonnenschirms,
der
endlich
einen Sinn erhalten hatte.


Das Echo des Versprechens

All
ein
durch
wand
er
te
der Mensch
die Kälte

Berge
behinderten den Blick
auf
das Nichts
dahinter

Gebirge
aus Stein
aus Sein
aus

Er
de

die sich
verschoben hatte

in die
Höhe

Der Mensch suchte
was ihm wie
er glaubte
versprochen worden war

Er suchte
das Versprochene

Er suchte
den Versprecher

Er rief
in den Nebel:

»WAS IST
MIT DEINEM VERSPRECHEN?!!«

Und die kaltglänz
enden Wände
antworteten:

»….Versprechen
rächen
rächen ….«

Echo,
dachte der Mensch –
Das Echo hat
immer
deine eigene Stimme
& klingt doch
fremd

Er schrie
in den Nebel:

»ICH WUSSTE ES!«

»…. wusste es
wusste es ….«

»MAN KANN
SICH
NICHT
AUF
DICH
VERLASSEN!«

Seine Worte
prallten gegen die Wände

Die Wände glänzten
vom Hochnebel
der
her
nie
der
gefallen
war

Die Worte
wurden
zurück
geworfen

& die Stimme
er
schien
dem Menschen
fremd
er
denn je

Die Stimme
der verschobenen Erde
die
seine
eigene
war

Die Stimme
die ihm
antwortete:

»…. dich verlassen
dich verlassen ….«


Falsche Vorstellungen

Die Vorstellung,
die ich von mir habe,
ist
nicht

Ich

eigent
lich.

Doch
die Verzerrung
durch
Selbst
wahr
nehmung

gehört
zu
mir.

So kommt
mein Bild von mir
mir näher
als
die Wahrheit.

Die Vorstellung,
die Du von mir hast,
ist
nicht

Ich

eigent
lich.

Doch
die Verzerrung
durch
Liebe

gehört
zu
Dir.

So steht
Dein Bild von mir
mir näher
als
die Wahrheit

& mein
eigenes
verzerrtes
Bild von mir.

So
möchte
ich
sein.

Viel
leicht.

Ich
ist
ein Anderer.

Du
bist
eine Andere.

Wir
stellen uns
ein
ander
vor.

Lernen
uns
kennen.

Gegen
seit
ich.

Nehmen uns
wahr

in
einer anderen
Wahrheit.

2 fremde Wesen trafen sich.
1 sagte:
»Darf ich mich vorstellen?«

& meinte doch
eigent
lich

»Dich«.


Es lebe Freud!

Freud war längst tot
als meine Mutter mir Bananenbrote brachte
während ich auf dem Klo saß.
Meine Füße berührten
nicht
den Boden.
Eingeschlafene Beine
die Härte der Brille
die Härte des Stuhls
Härte überall.
Die langen Nachmittage der Verstopfung.
Immer wieder.
Trägheit
des
Darmes.
Als hätte ich
Alles
für mich behalten wollen.
Völle-
Gefühl.
Scheiße & Schmerz
in Überfülle.
Lahmgelegte Peristal-
tik.
Ich hörte das Leben
weitergehen –
da draußen
außerhalb der Zelle.
Meine beiden Brüder spielten
als ob nichts sei.
Die Putzfrau – Frau Lüttchens – wischte & saugte.
Die Geräusche lenkten mich ab
störten mich
weckten
meine Sehnsucht
nach Erleichterung.
Nach Flucht
aus der Zelle.
Stunden
die endlos schienen.
Immer wieder.
Eine Kindheit wie
Rizinusöl…..
Nase zuhalten
& schlucken!
Ekel
der den Hals verschleimt.
– Das is doch alles psüüchisch!
Klar doch! Anale Phase & so. Man
kennt das.
Geiz
Pedanterie
übertriebener Ordnungssinn
Sammelwut
Ja nee isso –

»Bananen stopfen« sagte meine Mutter.
Aber irgend etwas musste ich ja essen
um nicht kraftlos vom Klo zu kippen.
Und ich liebte das nunmal:
Graubrot mit Butter & Bananenscheiben
in Häppchen geschnitten
gereicht mit einem Gäbelchen
das eigentlich ein Zweizack war
mit dem man
normalerweise
Fruchtstücke aus der Bowle fischte.
Freud ist längst tot.
Ich gehe durch das Haus
das meine Mutter mir vererbt hat.
Alles
hat seinen Platz.
Alles
ist wohlgeordnet.
Die Bücher…..
Die Filme…..
Die Ton-
träger…..
Die Schreibmaschinen…..
Die Musikinstrumente…..
Besitz
der belastet.
Und
manchmal
meine Sehnsucht weckt.
Meine Sehnsucht
nach Erleichterung.
Nach Flucht
aus der Zelle
die mein Haus ist.
Doch
ich
bin
träge.
So
träge
wie mein Darm
damals.
Und heute…..
Scheiße, Schmerz & Blut.
Der anale Ka-
rakter…..
Manches
ändert sich
nie. Oder doch
kaum.
Da ist keine Putzfrau.
Niemand spielt.
Meine Füße berühren den Boden.
Und ich schlucke
kein Rizinusöl mehr.
Cascara Sagrada. Life might be so.
Das Leben ist hart.
Man kann
nicht
Alles
für sich behalten.
Freud ist tot.
Es lebe Freud!
Und dieser Schlager
den ich als Kind so oft hörte:
Yes, we have no bananas!

Ausgerechnet Bananen!

Freud bw


Auch so’n Grund für Vieles

Wenn man Lust hat
aufzuräumen
aber der
-art ordnungs-
liebend ist
dass es
Nichts
aufzuräumen
gibt
muss man eben
Unordnung
schaffen.


Der kleine Raum hinter der Hotelbar

Ich folgte ihr.
Aus
Zufall.
Wir hatten
ein gemeinsames Ziel.
So
schien
es.
Die menschenleere Hotelbar.
Mitten
in der
Nacht.
Ich
war hungrig.
Sie
vielleicht nur
verwirrt.

Dann waren wir
in dem kleinen Raum
hinter der Bar.
Ich
trug meine Arbeitskleidung.
Sie
war nackt.
Es geschah
während der Pause
in meiner Schicht
als Nacht-
portier.

Ich öffnete die Tür –
& Sie
flog hinein.

Da
saß
Sie.

Auf meinem Essen.
In der Mikrowelle –

einem noch kleineren
Raum
in dem kleinen
Raum
hinter der Hotelbar.

Und mein Hunger war
verflogen.

Verflogen
wie eine
Motte in der Mikrowelle.


Die trunkene Matratze

Selbst Küsse
mit Biergeschmack
konnten mich
nicht
zum Trinken verführen.
Das Verfallsdatum
auf den Flaschen im Kühlschrank
rückte unaufhaltsam näher.
Zu langsam
wurden sie dezimiert,
da die Frau, die
das Bier trank,
zu selten vorbei kam.

Sie klettert aus dem Bett
Feuchtfleckige Falten im zerwühlten Laken
Kuhlen zweier Körper in der Matratze
Lustgetrocknete Kehlen
»Willst du auch was trinken?«
»Nein« sage ich
zu ihrem Arsch
der das Zimmer verlässt
Das Geräusch nackter Füße auf dem Flur
Ich liege in Gerüchen
Höre die Kühlschranktür
Das Öffnen der Flasche
Die Frau kommt
zurück
ins Bett
Sitzt aufrecht
Wir bilden 2 Rechte Winkel
Sie ragt aus meiner Mitte
Trinkt
aus der Flasche
Ich betrachte ihren Rücken
Schluck
Schluck
Sie setzt die Flasche ab
irgendwo
»Wie praktisch« sagt sie »Kuck ma,
freihändig«
Leicht ausgestreckte Arme erscheinen
links & rechts
»Wo hast du die Flasche?« frage ich
& richte mich auf
um nachzusehen
Die Frau
wendet sich zur Seite
Etwas fällt
Etwas gluckert
Etwas rauscht kohlensäuerlich
»Oh Scheiße!« sagt sie
lachend
Bier sickert in die Matratze
Viel Bier
Viel Flüssigkeit
Eine Lache auf dem Laken
Ein herber Geruch
kalt & klamm
der sich vermischt
mit Lust
Lachen
und

Einige Handtücher & Zewas später
sagte ich:
»Wo war denn nun die Flasche? Ich dachte,
sicher zwischen deinen Beinen….«
»Zwischen meinen Brüsten«, sagte sie.
»Schade, dass ich das nicht gesehen habe, aber
du kriegst kein Bier mehr. Höchstens
in der Badewanne.«

Lachen.

Selbst Küsse
mit Biergeschmack
konnten mich
nicht
zum Trinken verführen.

Ein trockener Säufer
im feuchten Bett.

Doch der Eigengeschmack
der fremdvertrauten Zunge
berauschte mich.

Mehr &
mehr.


Der Verschrobene im Supermarkt

Knoblauch/Zwiebeln
Klebeband
Olivenöl
Kaffee
Toilettenpapier
Löwensenf/Mayo
Spülmittel
Butter
Eier
Shampoo
Fisch
Pizza
Schokolade
Nudeln
Kuchen
Käse
Kein Alkohol!

Wer weiß schon,
ob dies
ein Gedicht
ist…..

Jeder
wird eine Meinung
dazu
haben.

Das
ist
egal.

Doch
Eines
steht fest:

Es ist ein
ziemliches Durcheinander;
absichtlich oder unabsichtlich.
Die Reihenfolge der Wörter
entspricht nicht
dem Aufbau, nicht der Route
im Supermarkt.

Wer diesen Worten folgt,
nimmt einen Kurs, der
weder rationell
noch rational
ist.

Wer den Worten folgt,
geht Umwege.

Der die Worte schrieb – mag
belächelt werden…..
von Denen, die
die richtige Reihenfolge bevorzugen;
von Denen, die
die kurzen, direkten Wege gehen –

um schneller
zur Kasse zu gelangen.

Er mag
bezeichnet werden als –
der Verschrobene im Supermarkt,

der
zu
viel
Zeit
hat

(…. wie all die Anderen,
die im Zickzack laufen.
Mit oder ohne
Zettel).

Doch auch

Das
ist
egal.


Der Schmutzfilm

Am Ende
auf der Windschutzscheibe
macht es
keinen
Unterschied
mehr
ob
das Insekt
schön war
oder nicht

Es ist
vergangen
verflogen
tot

So oder so
ein hässlicher Fleck
der die klare Sicht
behindert

Der anmutigste Schmetterling
ist nur noch
ein Dreck

am Ende.

Ein bunter Dreck.
Ein Schmutzfilm.

Insektengleich
fliegen die Erlebnisse dahin

Erinnerungen
behindern die klare Sicht
auf die Gegenwart

Zeit verfliegt

Leben vergeht.

Und doch –
das Gedächtnis
ist
keine Scheibe

Es ist
nicht
aus Glas

obwohl es
zerbrechlich ist.

Und was den Schmetterling
& all die anderen Insekten
– hässlich oder nicht –

aus-
macht

ist
nicht

ihr Ende.

Ist nicht
der Film
der von ihnen
übrig
bleibt

in der
Erinnerung.


»Wie man’s macht« oder Ein Dilemma

»Setz dich auf mein Gesicht«, sagte ich.
»Nein«, sagte sie.
»Warum nicht? Ich weiß, dass du es möchtest.«
»Wenn ich es tue, wirst du darüber schreiben.«
»Wenn du es nicht tust, werde ich darüber schreiben,
dass du es nicht getan hast, weil du dachtest, dass ich
darüber schreiben würde, wenn du es tust.«
(Gelächter. Auf beiden Seiten.)
Sie sagte:
»Wie man’s macht……«


Die wilden Fingerbeeren

Du bist
überführt.
Die Beweis-
lage ist
er
drück
end.
Gib auf!
Stelle dich!
Du hast
getötet –
die Dunkelheit,
die Finsternis
in meinem Haus,
in meinem Leben.
Auf dem Lichtschalter
befindet sich,
kaum
wahr
nehm
bar,
dein Abdruck.
Die Linien
deiner
Fingerbeere
sind
einzig
art
ich.
Meine DNA
haftet
an dir.
Mein Schweiß,
mein Blut,
mein Sperma.
Haut-
partikel.
Vergossenes,
Verlorenes
auf & in
dir.
In den Linien
deiner Fingerbeeren
bin
ich
zu finden.
In dem Abdruck
auf dem Lichtschalter
bin
ich.
Du bist überführt.
Ich bin überführt.
Wir wurden
verführt.
Und ich habe einen
leisen
Verdacht,
wie das Urteil
lautet.


Im Abseits

Unverstanden
stand das Kind
im Abseits

& Abseits
war überall
wo es stand

im Leben

Der Unverstand
der Anderen
führte zu ihrem

Unverständnis

Die Anderen
standen
Abseits vom Abseits

in der Mitte
des
Lebens

wo es lärmt
& kracht
& schreit

Das Kind
liebte
die Ruhe

die Stille
der Ausgrenzung

die Mauern
des Schweigens

& sogar
ein wenig
den Schmerz der Isolation

Das Kind
verstand
im Abseits

die Anderen

& mehr
als die Anderen.

Und die Klangfarbe
auf den Mauern des Schweigens
ist ein beruhigendes

Schwarz

Und eine Uhr
geht
ganz leise

im Abseits

Unaufhaltsam
bewegt sie sich
zu

auf
die Stunde
des Kindes

im Abseits.


Traum ohne Wecker

1 Wecker
klingelte
& riss
mich
gleich
zeit
ich
aus
1 Traum
+
1 Traum im Traum

2 Ebenen
zer
stört
auf
1
mal

zeit
=
verloren

Ich hatte vergessen
einen Wecker zu
träumen

gestellt
auf eine
unbewusste
Stunde

Was ich geträumt hatte
im Traum
war

Vergessen

Was bleibt
ist
die Unsicherheit

ob
ich
wach
bin


Die schwarze Marionette

In einem verfinsterten Raum
ist jedes Schattenspiel
besonders
interpretationsfähig

Der Raum selber
ist so
groß oder klein
wie die Vorstellung es erzwingt

Eine schwarze Marionette
tanzt klappernd
an schwarzen Fäden

Nur einen Scherenschnitt
vom Zusammenbruch
entfernt

Das Spielkreuz
hängt in der Luft

vielleicht

Es könnte auch
gehalten werden

von
irgend
jemandem

der
ganz still
ist


Der Fall des Stockes

Der Stock
des alten Mannes
fiel

Das Geräusch
von zitterndem Holz
auf kaltglatten Fliesen

Er fiel
als der alte Mann
Hut & Mantel an der Theatergarderobe abgeben wollte

Ich bückte mich
mit der Jugendlichkeit
die über 30 Jahre her ist

Hob den Stock auf
& reichte ihn
dem Mann

Ein Lächeln – seins
»Danke, das ist überaus freundlich
von Ihnen«

Ein Lächeln – meins
»Bitte sehr,
gern geschehen«

(Den Theaterbesuch hätte ich mir
kaum leisten können. Man hatte ihn mir geschenkt.
Mehr noch, man hatte mir ein Abo geschenkt. Das ich mir
auf keinen Fall hätte leisten können. Ja, ich war ein
Abonnent; gehörte plötzlich zu der Spezies, die von den Künstlern
so oft verspottet wird. Mit Recht verspottet. Wahllose Allesfresser.

Schluck die Klassik! Schluck die Moderne! Schluck den Boulevard!
So ging ich regelmäßig ins Theater. Meist noch vor dem Frühstück.
Nachtmensch, schon damals. Und es war nicht das einzige
Theater-Abo, das ich geschenkt bekam…. Irgendwann hörte ich auf,
in jedes Stück zu gehen. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr,
mich vom Wecker aus dem Schlaf reissen zu lassen, um zu meinem reservierten
Platz zu eilen. Irgendwann wiederholten sich die Stücke. Oftmals waren die
Schauspieler noch das Beste daran – all diese Berühmtheiten, die
inzwischen tot sind…. Tot wie….
Doch zurück zu dem alten Mann & seinem Stock. Wo ist er denn? Gerade
war er doch noch da.
Ach ja, dort….)

Unser Lächeln
Sein Alter
Meine Jugend

Die freundlichen Worte
Das Geräusch des fallenden Holzes
Was auch immer

Wer weiß schon
von jedem Moment
warum

er sich
ins Bewusstsein
das zur Erinnerung wird

einbrennt

Momente
die so unscheinbar
erscheinen

Nichtig
wie ein schlechtes
Theaterstück

Ich sah den alten Mann
nur
dieses eine Mal

Das Stück? –
habe ich
vergessen

Den Stock –
habe ich
behalten.


Jetzt

Ich lebe
in der zukünftigen
Vergangenheit
erinnere mich
an die vergangene
Gegenwart
als ich an die
Zukunft
dachte
die
Jetzt
ist


Das Gegenlicht

Es brennt!

wie ein Feuer
…. das wärmt
wie ein Feuer
…. das verzehrt

Es brennt!

wie eine offene Wunde
…. die niemals heilt
wie eine Wunde
…. die sich langsam schließt

Es brennt!

wie eine reinigende Flüssigkeit
…. die in die Augen rinnt
wie ein Gas
…. das in die Augen weht

Es brennt!

wie eine Frage
…. die man nicht zu stellen wagt
wie eine Frage
…. auf die es keine Antwort gibt

Es brennt!

wie Hämorrhoiden beim Kacken
wie Nesseln bei Berührung
brennt wie Verlangen
brennt wie Sehnsucht

Es brennt!

wie ein Gewürz
…. ohne das Alles fade wäre
wie eine Taschenlampe
…. die unter der Bettdecke

das Lieblingsbuch der Kindheit beleuchtet

Es ist

hässlich
& schön
kitschig
& abstrakt

Es ist

Schmerz
& Beruhigung

Widerspruch
& Kontrast

Hintergrund
& Vorder-
grund

Und es wirft
die Schatten
die über
all

ex
is
tieren

über
all
hin

Das Licht!

Es brennt
auf der Rückseite
meiner
düsteren
Gedanken –

lichterloh
& farbenfroh.


Der unstillbare Appetit

Ein
achtlos fallengelassenes
Wort

weckte
meinen
Appetit

Jemand
erwähnte
ein Gericht

das
ich
liebte

&
lange nicht
gegessen hatte

Ich
oder sonstwer
hätte es kochen können

jetzt
in diesem Moment
der Erinnerung

& des
wachsenden
Appetits

Doch
es wäre nur eine
Kopie gewesen

Eine Kopie
des
Erinnerten

& die
wesentliche Zutat
hätte gefehlt

Der Geschmack der Köchin
die längst
gestorben war

Der Tod
macht den Appetit
unstillbar

immer
wieder

& das Lieblingsgericht
verschwindet
für immer

aus
dem
Leben


»…. da musst du nur ….«

»Ganz einfach«, sagen sie,
»da musst du nur….«

Sie wissen, was zu tun ist, und
sie tun es. Weil sie es
können.
Jederzeit.
Die Tatmenschen.
Die Praktischveranlagten.
Die Lebenstüchtigen.
Da ist kein Zögern, kein Zaudern;
da ist
nur
Handeln.
Im richtigen Moment.

»Wenn etwas kaputt ist,
reparier´ es – oder lass es reparieren.
Wenn du krank bist, besorg´ dir Medikamente –
oder geh zum Arzt.«

Es ist alles
ganz einfach.
Und natürlich haben sie
recht.
Sie haben die Lösung
im Kopf.
Sie haben die Lösungen für
fast alle Probleme des Alltags
im Kopf.
Da ist so viel Platz
für Lösungen
in ihren Köpfen.

In ihren
gesunden
gut funktionierenden
langweiligen
Köpfen.

Ohne die
die Menschheit
nicht
existieren könnte.

Der elektrische Fensterheber in der Fahrertür meines Autos
ist kaputt. Es zieht. Es ist laut. Es regnet hinein.
Auf dem Beifahrersitz liegen seit Monaten
die Computertomogramme meines Kopfes &
eine Überweisung ins Krankenhaus.
Sie liegen auf einer dünnen Schicht aus
Puderzucker.
(Ein Stück Mohnkuchen war dort
vor noch längerer Zeit
aus der Verpackung gerutscht.)
Das ist
alles
nichts
Besonderes.
Ich halte es für
selbstverständlich.
Denn
ich habe keine Zeit.

Ich habe nicht einmal Zeit,
wenn ich nichts zu tun habe.

Und in meinem Kopf
ist so wenig
Platz.

Ich müsste nur….
Ich weiß.
Es ist
ganz einfach.

Aber was ich
wirklich
muss,
ist etwas
ganz
anderes.


Verirrung

Was tue ich hier?
Vergessen.

Die Schlagschatten der Fremden bewegen sich
wie verzerrte Scherenschnitte
über das Kopfsteinpflaster der Gasse.
Die Abendsonne: eine bittere Blutorange.
Das Geräusch schwierig-hoher Absätze prallt
gegen Fachwerkfassaden.
Verlaufen.
Ich habe mich verlaufen.
Es ging los, als ich die Wohnung verließ.
Es geht immer los, wenn ich die Wohnung verlasse.
Sobald ich einen Fuß vor die Tür setze, habe ich mich
schon verlaufen.
Verlassen. Verwirrt. Verirrt.
Irgend jemand
hat mich gerufen.
An-
gerufen.
Wollte mich
treffen.
Aber wo?
Im Zweifelsfall
dort
wo
ich
nicht
hinge-
höre.
Warum habe ich mich nur darauf
eingelassen –
die Wohnung zu
verlassen?
Es endet
doch immer
gleich.
Ähnlich.
Sofort.
Ja, warum?
Weil ich
hinhörte –
vielleicht.
Wegen
dieser Stimme –
vielleicht;
der Stimme in meinem Kopf.
Hineingetragen
in meinen Kopf
auf dem Wege der
Fern-
melde-
technik.
Eine Stimme – weiblich & fremd.
Hat sie
wirklich
mich
gemein
t?
Oder
war’s doch nur eine
Ver-
wahl.
Aber halt – sie kannte meinen Namen!
Nicht dass dieser Name einzig wäre;
oder auch nur selten – aber
wieviel Zufall würde es brauchen,
dass sie
nicht
mich
gemeint hätte?
Zu
viel
doch wohl…..

Der Mann betrachtet
die sommerlichen Frauen.
Auf dem Muster des Kopfsteinpflasters.
Steinerne Würfel ohne Augen.
Hätte das Kopfsteinpflaster Augen,
könnte es unter Röcke schauen.
Unter Kleider.
Unterröcke, Unterkleider……

Und er träumt sich in den Boden
& schaut
& schaut
aufwärts……
Eine von ihnen vielleicht?
Was wenn
ich mich gar nicht verlaufen habe?
Hier richtig bin?
Oder doch verlaufen – & zwar
so oft verlaufen vom Verlaufen, dass ich
dort angekommen bin, wo ich hin wollte?
Wenn ich mich recht ver-
irre,
könnte es
so
sein.
Und überhaupt – wenn ich
vergessen habe,
wo
ich
hin
wollte,
kann
über-
all
der
richtige
Ort
sein. –
Was tue ich hier?
Vergessen.
Ich habe nicht vergessen,
was ich hier tue,
sondern –
was ich hier tue,
ist
vergessen.
Vielleicht.

Das Licht
ändert sich.
Ich nicht.
Die bittere Blutorange geht
unter.
Ich nicht.
Die Scherenschnitte verlieren
ihre Konturen.
Ich nicht.
Die Geräusche verstummen.
Ich nicht.
Jemand
wird den Mann finden.
Irgend
jemand.
Irgend
wann.
An einem
anderen
Tag.


Dünndruck

Unscheinbar
schmal & klein
steht das Buch im Regal
inmitten vieler anderer

die größer sind
& dicker

Du ziehst es heraus
& bist
überrascht

Es wiegt
so viel schwerer
als du erwartet hattest

Du schlägst es
auf & weißt
wieso

Die Blätter
sind dünner als die
der gewöhnlichen Bücher

zart durchscheinend
& verletzlich

So viele Seiten
in einem so schmalen Buch

Mehr
als in den dicken Bänden
die so viel Platz beanspruchen
im Regal

All
diese Zeichen
in dem Buch

das so unscheinbar ist
schmal & klein

All
diese Worte
All
diese Zwischenräume

Und du weißt:
Du wirst mehr Zeit mit ihm verbringen müssen
als mit den anderen

Und es wird dich
mehr
kosten
als du dachtest


Die Reihe

Ein Mann betrachtet ein Foto, das einen Mann zeigt.
Er kennt den Mann nicht, aber er empfindet Abneigung.
Er denkt:
Was für ein gewöhnliches Gesicht!
Die feiste Visage eines Spießers.
Das debile Grinsen eines deutschen Pauschal-Urlaubers.

Sonne prallt auf den Kopf des Fotografierten;
sein Körper ist unsichtbar – vergraben im Sand
irgendeines Strandes der Vergangenheit…..
Und mit diesem niederen Wesen stehe ich
nun also
in einer Reihe?
Nur weil wir – neben dem bloßen Menschsein –
etwas gemeinsam haben, das
für mich
mehr Gewicht hat als
alles Andere….?
Die Existenz dieses Mannes im Zusammenhang mit mir
würdigt mich herab;
mit ihm etwas gemeinsam zu haben, beschmutzt
das Gemeinsame.
Ich, der ich mich allem fernhalte;
ich, der ich so Vieles verachte,
stehe
nun also
in einer Reihe.
Und wie lang ist diese Reihe?
Wieviele Wesen ähnlicher Art befinden sich noch darin?
Ich will es nicht wissen.

Der Mann betrachtet das Foto, das jenen Mann zeigt.
Er denkt an die Verbindung zwischen sich & ihm:
er denkt –
an
die Frau.
Denkt an die Zeit
als er
noch
alleine stand – außerhalb
jeder Reihe.
War es nicht gerade das, was sie angezogen hatte
an ihm? Damals –
als sie ihn fand
in den Weiten der virtuellen Welt
vergraben in Nacht & Einsamkeit…..
Sie schrieben sich, tippend, tastend.
Er: »Ich könnte hässlich sein.«
Sie: »Da kann mich nix mehr schocken.«
Die Antwort schockte ihn;
ein Stich in sein Selbstwertgefühl.
Sein Selbstwertgefühl, das er mit so viel
Alleinsein
bezahlt hatte. Mit
Alleinsein & Schmerz.
Einer anderen Art von Schmerz als jene, die er
jetzt verspürt – im Bewusstsein
der Gewöhnlichkeit, in deren Mitte er sich
so plötzlich
wiederfindet – & die
mehr & mehr
auf ihn abzufärben droht….
Es gibt kein Zurück.
Ich stehe in dieser Reihe, werde
immer
darin stehen….

Selbst wenn ich mich jetzt zurückziehe.
Der Mann schließt die Augen.
Von ihm existieren nur wenige Fotos.
Er hasst es, fotografiert zu werden.
Er versteinert vor dem mit der Kamera bewaffneten Blick,
der ihn fesseln will – für immer.
Für immer…..
Ein Mann könnte ein Foto betrachten, das mich zeigt.
Er könnte mich nicht kennen – & dennoch
Abneigung empfinden…..
Er könnte denken:

Was für ein gewöhnliches Gesicht!