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Die Katze & der Wahnsinn

Beinahe besitze ich ein Haus
Tier. Der Ahorn vor meinem Schlaf
Zimmer reicht
bis an die Dachrinne. Wenn
der Wind weht
auf eine bestimmte Weise
berühren die Zweige das Metall
& streichen daran entlang. Der
Klang dieser Berührung erinnert mich
an das Maunzen einer Katze. Oft
liege ich im Bett & kann nicht
schlafen. Aus
vielerlei Gründen, aber
auch aufgrund dieses Klanges.
Ich könnte hinaus gehen
& die Zweige abschneiden.
Es wäre der Tod
meiner Katze. Meiner Katze aus
Holz & Wind, Metall
& Erinnerung. Das klingt
nach Wahnsinn.
Und vielleicht
könnte ich dann erst recht
nicht schlafen. Also
lasse ich sie
weiter wachsen. Über
das Dach hin
aus.


Alarm!

Um 11 Uhr am Samstag
heulte die Sirene

& mit ihr heulten
die Hunde der Nachbarschaft

Es war nur ein Probealarm
aber für die Hunde

war es
der Ernstfall

ich drehte mich um
im Bett

ich dachte an die Mythologie
& an Dich


Die beflügelte Ameise

 
Die beflügelte Ameise
die man die Fliegende nennt
kroch über den Tisch

immer wieder
hin & her

Hätte sie gewusst
wie lange ihr die Flügel
noch zur Verfügung standen

würde sie
ihre Zeit
nicht so verschwendet haben –

 

dachte ich
während ich sie beobachtete
& auf den Feierabend wartete.


Der nicht geträumte Traum vom erschossenen Hund

Da ist ein Garten auf der anderen Seite der Straße,
vor meinem Schlafzimmerfenster.
In dem Garten bellte ein Hund,
den die Menschen allein gelassen hatten.
Ich wollte den Tag verschlafen
& konnte es nicht. Der Hund
bellte den ganzen Tag hindurch.
Ich hätte ihn gerne erschossen
in einem Traum, den ich
nicht träumen konnte

seinetwegen
ihretwegen
meinetwegen.

Und so
musste er weiter bellen.

Wie
wir alle.


Arme Kröte!

Ich hatte es irgendwo gelesen:

Ab 40 km/h
platzt die Kröte. Selbst
wenn man sie
zwischen die Räder nimmt.

Sie selber ist natürlich nie so schnell.

Es ist die Luft.

Arme Kröte!
Was für eine schöne Metapher du bist.


Runter vom Gas!

 
Laute Signale in der Dämmerung!

Sie hupt – wenn es dunkel wird
Hupt – wenn es Nacht &
sie alleine ist
auf jener Strecke
wo sie tötete

Und sie fährt ganz langsam

3 Rehe waren gestorben
in kurzer Zeit
in rascher Folge

Sie erzählte es mir
während meine Hand auf ihrer bloßen Brust ruhte
& das Sperma trocknete

»Mir doch egal, ob man mich
für bescheuert hält«, sagte sie.

Und unsere Füße berührten sich
Bremse & Gas

Runter vom Gas!
Ich fahre ganz langsam
über die Autobahn
dort – wo ich tötete
doch ich hupe niemals

Zu sehr liebe ich
die Ruhe

Es war nur 1
in meinem Falle

Und Alle überholen mich –
All jene, die niemals einen Unfall hatten

oder aber
vergessen konnten

All jene
die sich nie in ein Tier hinein versetzen

Die Warnschilder stehen am Rand
doch sie beachten sie nicht

Weder die Unvorsichtigen
noch die Tiere

»Mir doch egal, wofür man mich hält«,
sagte – oder dachte ich.
Solange du mich hältst, sagte ich nicht.

Blut
war auf die Straße gepumpt worden
Und war getrocknet

wie mein Sperma

inzwischen

Blut aus Herzen
die vergingen

So ist das
mit der Liebe.

Gas & Bremse

Doch Langsames Fahren hilft
ebenso wie Umsicht
auch nicht

immer.


Grillen

Ich hasse Grillen!
Nicht das Gezirpe. Das gesellige.
Nicht die Tiere (obwohl auch die nerven können), sondern
die Versammlung von Menschen ums atavistische Feuer.
Und eine Versammlung beginnt bei 3.
Gestank, Gerede – nicht einmal
den kanzerogenen Fraß (sinnigerweise Grillgut genannt) kann ich leiden.
Miefige Gartenzwergidylle.
In der »freien« Natur.
Die Pappteller & das Plastikbesteck sind noch
das Beste daran.
Ich hasse den Rauch –
& den Brauch
auch.
Lasst uns uns treffen, schmatzen & smalltalken!
Wenn die paar Menschen, die mich kennen, einen Witz machen wollen,
sagen sie: »Wir kommen dann mal zum Grillen bei dir vorbei.«
Und ich muss wirklich – jedes Mal – lachen. Mir gefällt die Doppelpointe:
Grillen & Vorbeikommen!
Ich mag kaum darüber nachdenken, was die Meute da
zusammen treibt. Um die Kohle herum.

Zuweilen höre ich sie.
Eine einzelne Grille.
Oder eine andere.
Oder mehrere.
Manchmal ist es beruhigend –
kleine Wesen in der Nähe zu wissen;
manchmal störend.
Wenn sie mich stören, können sie nichts dafür.
Es ist ihre Natur.
Das macht mich nicht traurig.

Nun gut, vielleicht liegt es auch in der Natur
des Menschen –
zu grillen…..

Noch immer.

Das allerdings
wäre
traurig. –

Wie dem auch sei –
am sympathischsten sind mir
nach wie vor
die Grillen

in meinem Kopf.

Eine wimmelnde Versammlung, die
gar nicht groß genug sein kann.


Der gebrochene Blick

Matt
wie die gebrochenen Augen eines Toten
schreckte er auf
aus ruhelosen Träumen
über den gestrigen Tag

Die Leiche des Hundes lag
im Kofferraum

getrennt
vom Leben
getrennt
von gemeinsamen Momenten
der Zukunft

gehüllt
in seine Lieblingsdecke

Der Mann erinnerte sich
an den letzten Blick des Tieres
der klar gewesen war

Abschied

Der Mann stand auf
& zog sich an

Auf seinem rechten Schuh:
….. ein Fleck …..

Eingetrocknet –
Der letzte Speichel
der aus dem Mund des sterbenden Vertrauten
geflossen war

Aus dem Mund
den der Mann
nicht
»Maul« oder »Schnauze«
zu nennen ver-
mochte

Im Tiefkühlfach
gab es noch einen letzten Rest
….. Wodka

Er trank ihn aus der beschlagenen Flasche

Es blieb
noch
Etwas
zu tun

Die letzte gemeinsame Fahrt

Und alles
was der Mann sich leisten konnte
war
der Abdecker

Grausame Bilder
hingen an den Wänden
seiner Fantasie

Eine neue Art
von Einsamkeit
war geboren

Dieser Tag war hässlich

Er war noch hässlicher
als das Geschwür
unter dem Fell
des Freundes


Phantasiegekitzel

Die einzige Lichtquelle
im Schlafzimmer
war das Display des Handys.
Ich lag im Bett & las.
Es ging um Spinnen.
Sobald es finster wurde spürte ich
ein Kitzeln auf dem Oberarm ….
Verdammte Phantasie, dachte ich.
Wie immer.
Was ich lese, spüre ich.
Doch
Etwas
war
Anders
als
sonst.
Ein wenig mehr
Realität
vielleicht …..
Mit der Hand wischte ich
das Kitzeln
hinweg;
schaltete die Lampe ein ….
Eine Zitterspinne
– groß & dünn –
verschwand zwischen den Büchertürmen
auf dem Boden.
Langsam –
& doch
zu schnell
für mich.
Ich suchte sie.
Schob Bücher beiseite.
Fand sie nicht.
Zu viele Winkel,
zu viele Verstecke.
Zu viele Bücher
mit ihrer Realität.
Ich machte das Licht aus.
Die Spinne war da
in der Dunkelheit;
sie war keine
verdammte Phantasie.
Vielleicht würde sie ja
zurück ins Bett kommen
während ich schlief,
würde mir über das Gesicht &
in meinen Mund klettern …..
Das war
höchst
un-
wahrscheinlich
– ich wusste das -,
doch ich spürte bereits
den Kitzel.


Schweißspuren

Irgendwo heult ein Wolf in der Nacht,
das Klischee des Mondes fehlt.
Wind bewegt das Fell.
In einer Blockhütte tanzt eine Frau –
barfuß in einem weißen Herrenhemd;
allein mit dem Feuer, das
im Kamin für sie brennt.
Sie tanzt zu einer Melodie in ihrem Kopf,
summt –
beleuchtet von Flammen, die Naturgesetzen ge-
horchen.
Schweiß auf Schenkeln.
Schweiß auf der Stirn des Mannes, der
in einem Bett fiebert;
weit entfernt von
Allem.
Verseuchtes Blut.
Er träumt
das Geheul,
träumt
die tanzenden Schenkel, die bloßen Füße
auf dem Holzfußboden,
er träumt
die Melodie,
träumt
das Feuer,
träumt
den fehlenden Mond
& die Schatten.
Krankheit, die durch Adern fließt.
Adern, die sich fiebernd
winden.
Dann verstummt der Wolf;
er folgt einer Schweißspur in der Nacht.
Naturgesetzen gehorchend.
Irgendwo tropft eine Wunde.
Verseuchtes Blut.
Hunger & Sehnsucht werden nicht gedacht.
Er wittert.
Er wittert.
Er zittert. Der Mann sieht die Fenster der Hütte;
bewegtes Feuerlicht in nächtiger Einsamkeit;
Schwitzwasser tränt an den Scheiben.
Ein mondhelles Hemd.
Tanzt. Dahinter.
Vielleicht.

Viel-
leicht.

Tanzt
zu einer Melodie
hinter Lidern, die sich
schließen.

In seinem Bett.

Schließen
wie
eine
Wunde & ihr
Spiegelbild.


Peanuts

Ich hatte wohl beiläufig erwähnt, wie sehr ich
die Peanuts liebte – & dass ich 2 Paar Socken
mit Snoopy-Aufdruck besaß
(in Grau, aus grauer Vorzeit).

Der Sommer ging allmählich zuende; es wurde kühler.
Die Frau trug einen Rock, der
meine Handbreit über den Knien aufhörte.
Sie ging ins Wohnzimmer, zog ihre Schuhe &
ihre dünne Jacke aus & stellte ihre Tasche ab.
»Ich habe heute übrigens was drunter«, sagte sie.
»Ach – das ist ja mal ganz was Neues«, sagte ich, »so
kalt isses doch noch gar nicht.«
Ein Lächelblitz aus blauen Augen. »Schau nach.«
Ich ging zu ihr, bückte mich & schob
lang-
sam
ihren Rock hoch.
Da waren sie (vereint auf violettem Stoff, vorne):
Snoopy & Woodstock!
»Süß«, sagte ich, »lässt Du mir das hier?«
»Sicher.«
»Dann ab mit uns unter die Kuscheldecke.«

Kleidungsstücke waren zufällig
auf den Boden des Schlafzimmers gefallen; nur
das Höschen
hing ordentlich über der Stuhllehne.
Der Hund lag auf dem Rücken; die Augen geschlossen.

Jetzt war sie blond wie Woodstock, doch
in der Vergangenheit
war auch sie ein
kleines rothaariges Mädchen
gewesen.
Ein Mädchen mit Sommersprossen.

Und weil
manchmal
einfach
Alles
passt,

lief
die Mondscheinsonate,
als ich ihr
in den Hintern biss

(Glenn Gould allerdings –
& nicht
Schröder).

Lachen
Lecken
Lachen (mit langem aaaaaa) auf dem Laken
The Doctor is in
The Doctor is out

Sprechblasen
Gedanken-
blasen

Als sie wieder in ihr knallblaues Auto stieg,
wusste ich, was ihr fehlte
unterm Rock.
Und ich wusste, was
mir
fehlen würde ……

In den Tagen des Alleinseins
– das Vögelchen war ausgeflogen –
schnüffelte ich
nach dem Erwachen
& vor dem Einschlafen
an dem Höschen;
ich nahm Witterung auf,
denn auch ich
bin nur
ein Hund
ein Wolf
ein Tier
eine Art von
Comicfigur.

Nach & nach
wurde der Duft schwächer;
wie auf der Flucht.

Wir telefonierten.
»Wird höchste Zeit, dass Du wiederkommst«, sagte ich,
»ich habe alles inhaliert, was es zu inhalieren gab.
Snoopy hat Sehnsucht,
und was zu Knabbern brauch ich auch.«
»Nüsse?« sagte sie.
»Arsch«, sagte ich.

Es wurde noch kühler
draußen.
Noch heißer
in uns.

Und beim nächsten Mal trug sie
Jeans, die nur so knackten;
und irgendwann, unter der Decke,
sagte sie: »Ich laufe aus.«
Und ich dachte an das Meer,
an die Hohe See,
an ein Schiff, das ausläuft;
und ich wollte in See stechen,
hinaus auf das Meer Meer Meer ……

»Ich hab da was, womit Du Dich
abtrocknen kannst«, sagte ich.
Sie grinste.
«Schon klar«, sagte sie.

Snoopys Augen waren noch immer geschlossen,
als würde er es genießen, wie sie ihn
benutzte.

Und der Duft
würde wieder
für eine gewisse Zeit des Alleinseins
reichen.

Reichen, um zu
riechen –
zu schnuppern –
zu schnüffeln –

um zu träumen

wie ein Hund …..

Ein Hund, der
auf dem Dach seiner Hütte schläft.

Snoopy


Ich erinnere mich

Ich erinnere mich
wie ich laufen lernte.
In einer Art Geschirr aus Leder;
ein kleines Tier
an der Leine, gehalten
von meiner Mutter.
Ich erinnere mich
an das Lächeln meines Vaters,
als er den Raum betrat.

Ich erinnere mich
wie ich zum ersten Mal
eine Schleife band.
Unter Anleitung meiner Mutter.
Ich war stolz.
Ich erinnere mich
an das Lächeln meines Vaters,
als er den Raum betrat.

Ich erinnere mich
an unseren Schäferhund.
Er machte sich so flach wie möglich
auf dem Fußboden,
das Hinterteil leicht erhoben;
er legte die Ohren an &
wedelte mit dem Schwanz,
wenn mein Vater den Raum betrat.

Man wusste niemals,
welche Empfindung des Tieres
stärker war
in diesen Momenten –

die Freude
oder
die Furcht?


Spinne im Glas

Noch nie
habe ich gesehen, dass
eine Spinne,
gefangen in einem Glas,
anfing
zu spinnen.

Aus Angst?
Aus Verzweiflung?
Aus Unfähigkeit?

Weil Fäden im Glas
nicht halten? …..

Oder doch
vielleicht

aus Hoffnung
auf Befreiung?

Noch nie
habe ich gesehen, dass
eine Spinne,
gefangen in einem Glas,
anfing
zu spinnen.

Wir haben
so wenig
gemeinsam.


In meinen Träumen

Die Fliege seilte sich ab
aus dem Netz der Spinne
über meinem Kopfkissen

& tauchte
in meine Träume

in denen Spinnen fliegen
& Fische
Netze spinnen

aus denen Fliegen sich abseilen
um in meinen Träumen zu
schwimmen


Die letzte Fliege

Alle Fenster waren zu,
(wie immer)
die Türen, die in die Außenwelt führten,
geschlossen
(wie meistens)
seit Wochen ….
Es war Mitte Dezember ….
Wo war sie hergekommen?
Ich konnte es mir nicht erklären.
Ein beinahe hysterisches Summen;
ein hektisch-verschwirrter Punkt
in meiner Einsamkeit.
Eine Störung im Alleinsein.
Vielleicht war sie
die letzte Fliege des Jahres –
sehr wahrscheinlich aber
die letzte, die ich sehen würde …..
Zumindest in diesem Jahr.
Immer wieder
kreiste sie
um meinen Kopf,
berührte mich.
Sie machte mich
nervös.
Es dauerte nicht lange
bis
ich
sie
hasste.
Und sie wollte einfach nicht landen.
Nirgends sich niederlassen, wo ich
sie hätte erschlagen können.
Irgendwann sah ich sie nicht mehr,
doch hörte sie weiterhin pausenlos.
Sie war lauter als die Musik.
Lauter als mein Tippen.
Lauter als der Regen,
der nach dem Schnee gekommen war.
Sie wollte sich nicht beruhigen –
sie konnte sich nicht beruhigen;
während ich
immer unruhiger wurde.
Hass & Mordlust
gegenüber einer Störung
ohne böse Absicht …..
Schließlich verließ ich den Raum, den
sie nicht verlassen wollte,
obwohl ihr die Tür offen stand.
Ich hoffte, dass sie mir nicht folgen würde
ins Schlafzimmer …..
Ich legte mich in das Bett, das
nur noch
nach mir
roch
& träumte mich fort.

Als ich wieder zu mir kam –
oder wohin auch immer -,
ging ich in das Fliegenzimmer.

Sie hätte ein Fussel sein können.
Von oben betrachtet sah sie aus wie der Fussel
eines schwarzen Wollkleides; oder
einer Socke.
Sie lag
vor meinem Schreibtischsessel.
Auf dem Rücken.
Ich tippte
sie an.
Berührte sie.

Kein Summen,
keine Hektik,
keine Hysterie,
keine Störung,
keine Mordlust,
kein Hass …..

Nur eine Ahnung davon
wie
verzweifelt
sich
ALLE
gegen den Tod
zu wehren
ver-
suchen.


Schmetterlingssammler

Ich möchte nicht enden
als Schmetterlingssammler

Ein einsames Haus
voller Schaukästen

Darin
aufgespießt auf Nadeln
die bunten Leichen
der Schmetterlinge

Leben
das
in Netzen gefangen wurde

Flattern
Flug
Farbe

wurden zu

Stillstand
Fixierung
Präparation

Das schönste Gefühl ist
das Kitzeln der Flügel
eines verirrten Schmetterlings
in den Handflächen

kurz bevor
man ihn
in die Freiheit
entlässt

Manchmal
ist sogar
der Bauchschmerz
ein schönes Gefühl


Keine Pointe

»Ich liebe Dich, Du Arsch!«
»Ich liebe Dich auch, Du blöde Fotze!«

Wir lachten.
Mein linkes Ohr war heiß, denn
ich mochte das Telefon nicht an mein rechtes halten.
Eine alte Gewohnheit.
Ich hörte sie schlucken.
Bier.
Sie hörte mich schlucken.
Gin.
Die Endlosschleife unserer Musik
fesselte uns
aneinander.
Gemeinsames Betrunken
Sein.
Ein Schnurren in der Leitung –
der kleine blinde Kater mit dem großen Wasserkopf.
Zu Hause bei ihr.
Der andere Kater,
der mit der hitlerbärtigen Zeichnung über dem Mund
(oder war er doch Charlie Chaplin ähnlicher?),
spielte mit Nüssen, die
laut über den Holzfußboden klackerten.
Zu Hause bei ihr.
Ich erinnerte mich an die Kratzer
an ihren Schenkeln.
Bei mir zu Hause spielten die Spinnen
lautlos
in ihren Netzen
mit Fliegen, die
nie wieder
fliegen würden. Aber
versponnen waren.
Sie kratzten mich nicht.
Diese Frau & ich –
wir waren so weit entfernt von einander, dass
wir uns so nahe gingen
wie nur möglich.
Eigentlich
passten wir nicht zueinander, und das
passte perfekt.
Der kleine blinde Kater furzte.
Ich konnte es nicht hören, aber
als sie es erwähnte, konnte ich es riechen.
Gefühle flogen hin & her
in einem unsichtbaren Netz.
Wir lachten.
Irgendwann weinten wir
zur Musik.
Gemeinsames Betrunken
Sein von Gemeinsamkeit.
Mein rechtes Ohr blieb kühl.
Nichts sonst.
Manchmal schreibe ich
von der Gegenwart
in der Vergangenheit.
Ich bin ein Arsch.
Ich liebe Dich, Du blöde Fotze!
Eine Endlosschleife.
Keine Pointe.


Schwarze Schmetterlinge

Es gibt sie. Natürlich.
Sie sind da draußen …..
In Neumondnächten
wenn die Wolkendecke unter den Sternen liegt
wenn alle Lampen durchgebrannt
wenn alle Flammen erloschen sind

Schwarze Schmetterlinge
Sie flattern um das Haus
fliegen durch den farblosen Garten
schlagen die Schatten mit ihren schwarzen Flügeln
& landen auf Pflanzen
die von der Finsternis leben

Schwarze Schmetterlinge
Sie sind lautlos
Doch ich höre ihren Flügelschlag
Hinter der Musik
In der Musik
Über der Musik

Sie ernähren sich von der Leere
ohne sie zu verringern
Sie ernähren sich von der Einsamkeit
ohne sie zu verringern
Sie ernähren sich von unerfüllten Wünschen
ohne sie zu verringern

Schwarze Schmetterlinge
Es gibt sie. Natürlich.
Sie sind da draußen ….. Es sind meine …..
Nur ich kann sie sehen
& durch die Mauern des Hauses spüre ich
den Luftzug ihrer Flügel

Ihre Flügel sind schön
doch
der Luftzug ist
eisig


Katzenkratzer auf Frauenbeinen

Ich liebe es, wenn meine
Lieblingstiere
ihre Spuren
auf meinen
Lieblingsgliedern
hinter-
lassen

Rote
feine
Striemen
auf glatter Haut

Muster unter
kurzen Röcken
langen Röcken
kurzen Kleidern
langen Kleidern
kurzen Hosen
langen Hosen

Das Spiel der Katzen
Die Leidenschaft der Katzen

ungeschliffene Berührungen

schnurrend
fauchend

Zarte Verletzungen
der Schönheit

Ich liebe es, wenn meine
Lieblingsglieder
von meinen Lieblingstieren
verletzt werden.


Kakerlaken

All diese Gedanken & Ideen
All diese Erinnerungen
die
in Dunkelheit
in Finsternis
durch die Schädelräume huschen
wie Kakerlaken …..

faszinierende Tiere
schnelle Tiere
ekelerregende Tiere
gepanzerte Tiere
schillernde Tiere
wimmelnde Tiere
schwarze Tiere
feige Tiere
dreiste Tiere
kopulierende Tiere
stinkende Tiere
changierende Tiere
fühlende Tiere
gehasste Tiere
fressende Tiere
geliebte Tiere
kitzelnde Tiere
scheißende Tiere
widerstandsfähige Tiere
unausrottbare Tiere

Tiere der Nacht

die in dunklen Schädelräumen
Schädel
träumen

husch

hush
hush

Doch
sobald
das Licht an-
geht

suchen sie
ihre Verstecke
auf

verschwinden
scheinbar
in Ritzen & Winkeln

in Löchern &
Hinter-
gründen

wo
das Licht
….. des Tages
das Licht
….. der Lampen
das Licht
….. der Glücksgefühle

niemals

hin

kommen

kann

…..

Dort
warten sie

Dort
lauern sie

immer wieder

auf Blicke
die sie nicht treffen
können

auf die Dunkelheit
des Vergessens

auf den nächsten Moment der
Finsternis

der
mir
willkommen
ist.


Es geht um Leben & Tod

Seit nunmehr 5 Tagen
krabbelt diese winzige Spinne
auf & ab
in meiner Badewanne

Meine Badewanne ist ihre
glatte, weiße Welt
& vielleicht langweilt sie sich dort
aber dort ist sie
sicher

Seit nunmehr 5 Tagen
frage ich mich:
Soll ich sie dort lassen
oder
nach draußen tragen?

Draußen ist es
rauh & bunt
& gefährlich

Sie ist so winzig
& verletzlich

Es ist eine
Schwere Entscheidung

Denn es geht um
Leben & Tod
& Langeweile


Hoch oben ein toter Vogel

Es herrschte
eine außer-
gewöhnliche Atmosphäre
als ich
von der Arbeit nach Hause fuhr
in der grautrüben Morgendämmerung.
Ich sah einen toten Vogel
quer über 2 Stromleitungen liegend.
Ein weiterer Vogel
krachte gegen meine Windschutzscheibe,
als ich über die Autobahn jagte; ich
duckte mich, als könnte er mir ins Gesicht fliegen.
Im Rückspiegel war er nicht mehr zu sehen ….
Zurück blieb
ein schleimiger Fleck auf dem Glas, der
im Fahrtwind trocknete.
Andere Vögel
wichen mir aus –
& ich wich ihnen aus
in diversen letzten Momenten.
Kröten klebten auf der Landstraße, als ich
eine huschende Maus
zwischen die Räder nahm;
sie überlebte.
Im Radio lief irgend etwas von Vivaldi.
In dem Dorf, wo ich immer am
Friedhof vorüber fahre,
sprang ein Eichhörnchen über die Straße.
Ich bremste, ich lenkte, das
Eichhörnchen beschleunigte ….
Es verschwand gegenüber vom Friedhof.
Nur einen einzigen Menschen sah ich
an diesem Morgen –
eine alte dicke Frau, die sich auf einen
roten Stock stützte; vor einem
Tante-Emma-Laden, der geschlossen war.
All dies ….
wirkte wie arrangiert.
Unecht.
Zu viel.
Künstlich.
Damit
irgend jemand
es wahrnimmt.
Filmt.
Beschreibt.
Das Alles hatte
Nichts
zu bedeuten.
Aber das Nichts
bedeutet mir oft
Alles.
Das Alles hatte
Nichts
zu sagen.
Und doch
konnte ich es
hören.
Alles
oder
Nichts.


Dein Hund

Eigentlich bin ich ein
Wolf

Aber
sobald Du
weinst

bin ich
Dein Hund

der sanft
seine Pfote
auf dein
Knie
legt


Der Bienenstich

Nacht.
Stille.
Auf dem Bildschirm:
nackte Frauen über Telefonnummern.
Stummgeschaltet.
Ich sitze im Bett & esse
ein Stück Kuchen.
Bienenstich.
Es ist mein Frühstück.
Ich betrachte die Beine.
Der Kuchen ist lecker.
Die Gedanken fliegen.
Da bin
Ich. Als kleiner Junge.
In kurzen Hosen.
Ferienausflug.
Ich kletterte einen steilen Abhang
hinauf. Meinem Vater &
meinen Brüdern hinterher.
Hatte Angst
abzurutschen ….
hinunter zu fallen ….
Der Aufstieg war anstrengend.
Ich schaute nur nach oben,
achtete kaum darauf, wo ich
hintrat.
Dann:
Ein Stich.
Ein Schrei.
Ein unbekannter Schmerz
in meinem rechten Bein. – –
Die Biene war dem Tod geweiht;
auch sie auf einem Ausflug –
ihrem letzten.
Ich weiß nicht mehr, ob ich
weinte.
Wahrscheinlich.
Mein Vater ging die paar Schritte
abwärts, zurück zu mir.
Meine Brüder warteten.
Mein Vater kniete sich hin.
Pulte den Stachel heraus.
Presste seine Lippen auf mein Bein
& saugte.
Dann spuckte er auf den Boden.
Der Schmerz blieb.
Noch eine Weile.

Aber ich habe ihn vergessen.
Vergessen, wie er sich anfühlte.
Was ich nicht vergessen habe ….
Egal.
Der Kuchen ist alle, und
die Beine sind noch da.


Die Spinne über der Klingel

Ein kunstvolles Netz umgibt
die Klingel über meiner Haustür

Seit langem

Eine Zitterspinne wohnt darin

Groß
Feingliedrig
Ruhig
Geduldig

Wer sie erschreckt
Dem öffne ich nicht

Wem meine Tür offensteht
Der braucht sie nicht zu erschrecken

& sollte sich
auch nicht erschrecken lassen

von ihr
die über der Klingel wohnt


Die Möwe

Sie liebte Möwen.

Also nahm ich ein Blatt Schreibmaschinenpapier,
zeichnete eine Möwe darauf,
spannte anschließend das Blatt in die alte
Triumph meines Vaters & tippte
rings um die Möwe herum
das Wort »Besessenheit«
so oft, bis
das Blatt voll war.

Dann schickte ich es ihr
per Post.

Als ich sie
das nächste Mal sah,
drang ihr Blick so tief
in mich,
dass ich es
nicht
ertragen konnte.

Und
nichts
geschah.


Müll

Das herrenlose Tier
durstig & hungrig
& frei
trinkt genüsslich
aus der Pfütze
& frißt
aus dem Müll

Das Tier an der Leine
satt & ohne Durst
& unterworfen
bemerkt die Pfütze
nicht einmal.
Sieht nicht
den Müll

&
die Möglichkeiten
darin.


Vorbehaltlos

Kindheit
die Phase meines Lebens,
in der ich mich
in
Alles
&
Jeden

vorbehaltlos

verlieben
konnte.

Weibliche Menschen
Männliche Menschen
Männliche Tiere
Weibliche Tiere
Gegenstände

Oftmals
wünsche ich mir
diese Vorbe
haltlosigkeit
zurück.

Eine Vorstellung
in die ich
mich
noch heute
verlieben
könnte.

Beinahe

vor
be

halt!
los
!


Ein Guter

Ich träumte von
zu hohem Gras
in meinem Garten
Von wucherndem Unkraut
& den vergangenen Katzen
die darunter ruhten
Von dem toten Hund
der den Katzen
liebevoll die Köpfe leckte

& nirgends
war ein Mensch in Sicht

Das war
ein
Guter
Traum.


Wie ein schwarzes Insekt

Wie ein schwarzes Insekt
auf einem
dunkelgemusterten Teppich
möchte ich
durchs Leben huschen
in einem Innenraum
auf warmem Untergrund
klein & unbemerkt
– – –
Nur für eine Weile
Solange
bis jemand
der mir fremd ist
unabsichtlich
auf mich tritt


Die Katzen

Die Schönheit
& Gelassenheit,
das naturgegebene
‚Leck-Mich-Am-Arsch’
der
KATZEN
ist
(manchmal
fast)
schwer
zu ertragen,
wenn
man selber
nur
ein Mensch
ist.


Der Blick der Eule

So monströs groß erschien mir
das Bücherregal
im Angesicht meiner Winzigkeit

Davor stand
eine Art Ottomane
Oft wurde ich dort
hingelegt
von meiner Mutter

Ich war fasziniert von
den Bücherrücken
obwohl ich noch nicht lesen konnte

Ich kannte sie alle
in- & auswendig
die Rücken mit den seltsamen Zeichen
wusste genau
wo welches Buch stand

Einige
mochte ich lieber als
andere

Und je älter sie aussahen
desto schöner
fand ich sie

Im obersten Regalfach
ganz rechts nahe der Wand
stand
eine ausgestopfte Eule

Der Blick
aus ihren Glasaugen
ruhte auf mir

Ein bisschen
böse
& sehr
starr

Sie hatte dort schon gestanden
bevor
ich geboren wurde

Sie hatte immer schon
auf die Ottomane gestarrt

Und dann war plötzlich
ich da
& sie zeigte
keine Überraschung

Oder doch?

Vielleicht in meiner
Kleinkindphantasie

Ich fühlte mich
beobachtet

Von
so weit oben

Die Eule stand
über & neben
den Büchern

Tot
verstaubt
doch anscheinend oder scheinbar
unvergänglich

Und der Mann
der all diese Bücher gelesen
& der diese Eule
ausgestopft hatte
war

Mein Vater

Die Eule begleitet mich
durch mein Leben
doch ihr Blick
ruht jetzt
woanders


Die Leine

Der Hund spazierte ein paar Schritte vor
dem Menschen, der sich sein Herrchen nannte.
Er war nicht angeleint,
der Hund.
Er trug die Spule mit der aufgerollten Leine
in seinem Mund. Wedelte mit dem Schwanz.
Der Mensch, der sich sein Herrchen nannte,
trug nichts in seinem Maul, nichts
in seinen Pfoten.
Es sei denn
etwas
Unsichtbares.