Archiv der Kategorie: Gedichte/Texte
Eine Frage wurde gestellt.
Eine Frau stellte sie mir.
Und ich gab Antwort.
»Sag – wie bist du damit fertig geworden?«
»Ich glaube einfach
nicht, dass es so bleiben wird.«
»Ich kann das nicht«, sagte sie. »Du
hast Glück.«
»Glück?« sagte ich. »Es ist nicht
wirklich Glück. Es ist bloß
Vorstellungskraft. Die Kraft der
Einbildung.«
2 Tage zuvor hatte ich ein Haar gefunden.
Ein langes blondes Haar zwischen meinen schwarzen Socken.
Auffälliger hätte es nicht sein können.
Es roch nach
Nichts.
Ich konnte es nicht
wegwerfen.
Glück – Vorstellungskraft – Kraft der Einbildung –
eigentlich war das doch Alles
das Gleiche.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Es riss
mich aus dem Schlaf
wie eine Seite
aus dem Album der geträumten
Bilder
Es wird immer
dünner
& niemand
weiß wohin
die Seiten verschwinden
Es
ist
dieses
Bewusst
Sein
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Elektrisches Insekt
Spiegelkuss im Aufzug
Weißwankende Wolke
Buntes Ei auf Empfang
Zusammenhanglos oder lose zusammenhängend?
Ich hasse das Geräusch des Ventilators im Aufzug.
Nachts hallt es durch die Hotelhalle
wie das Gesumme eines stromgefütterten Insekts:
stechend, störend, nervend.
Es stört mich beim – nennen wir’s ‚Arbeiten’;
aber auch bei allerlei wichtigen Untätigkeiten.
Ich kann ihn ausschalten so oft ich will –
irgendein Mensch (vermute ich) schaltet ihn wieder ein.
Essummtessummtessummtessummt – also
gehe ich zum Lift, greife
nach dem Kippschalter…..
Jemand hat den Spiegel geküsst!
Den Spiegel im Aufzug.
Mit dunkel bemalten Lippen….
Der Abdruck des Kusses wandert über mein Abbild,
wenn ich mich bewege.
Ich hasse Lippenstift. Den Geschmack des Künstlichen.
Doch ich liebe
die Abdrücke – Lippenmalerei
auf Glas, auf Zigaretten, auf meiner Haut.
Die Linien; die Lücken; die Öffnungen.
Eine Erinnerung.
Die mich bewegt.
Wer hat den kalten Spiegel geküsst?
Ich weiß es nicht – & werde es nie erfahren.
Nur ihre Größe kann ich erahnen; die Höhe ihres Mundes;
die Fülle ihrer Lippen (natürlich: ich kann mich täuschen –
wie so oft; doch solange mir Wahrheit & Wirklichkeit nicht
dazwischenfunken, habe ich recht. Und niemand sonst.).
Kipp! Es wird ruhig. Der Schalter steht wieder oben.
Und ich setze mich hinter die Rezeption. Träume dem Kuss hinterher.
Einsam – selbstverliebt – übermütig – wie war sie gewesen?
Während der Fahrt durch die Nacht bitte nicht mit dem Nachtportier reden!
Aber keine Sau hält sich an die Regeln der Träumer.
Die Drehtür fächert eine alte Frau ins Hotel.
Die Frau wankt. Ihre Frisur: eine leuchtend-weiße Schäfchenwolke;
jederzeit könnte sie anfangen zu schneien.
»Gibt’s hier noch was zu trinken?«
»Nein«, sage ich.
»Dassissblöd«, sagt sie.
»Tja. Da ist noch die Minibar.«
»Nee – alleine trinken macht kein´ Spaß.«
(Wie wenig ihre Erscheinung & ihr Alter zu ihrer Trunkenheit passen,
denke ich – & weiß, dass dieser Gedanke unsinnig ist. Immerhin:
sie trinkt nicht allein. Fast klang es wie eine Einladung. Doch
ich trinke nicht mehr. Und als ich noch trank, tat ich es allein.)
»Ich hab meine Zimmernummer vergessen, können se ma grade gucken?«
(Ob ich grade gucken kann? -)
»Ich vergesse meine auch immer, wenn ich zurück in den Knast muss«, sage ich.
Sie lacht. Rauh, besoffen.
Ihr Lippenstift ist grell.
Sie sagt mir ihren Namen; ich sage: »Drei Null Acht. Dritter Stock, rechts.«
»Dann nehm ich mir noch ein Ei.«
Und sie greift zu.
Erwähnte ich, dass es auf Ostern zugeht?
Also: es geht auf Ostern zu. Karwoche.
Ein grünes Nest steht auf dem Empfangstresen.
Bunte Eier, hartgesotten.
Sie nimmt sich das gelbe. Symbolträchtig.
Sagt »Gute Nacht« – & wankt zum Aufzug.
Ich sehe ihren bewölkten Hinterkopf.
Ob sie den Kuss sehen wird?
Sie dreht sich nochmal um…. »Zweiter Stock?«
»Nein, dritter.«
»Zwei Acht Null?«
»Nein – Drei! Null! Acht! Dritter Stock. Rechts.«
»Ah ja.«
Und sie verschwindet in der Kabine.
Allein. Mit ihrem Ei. Und dem geküssten Spiegel.
Es zieht sie hinan. Mit Ruckelgeräusch. Auch der Aufzug
ist nicht mehr der jüngste.
Sie könnte die Größe der Küssenden haben, und wenn sie
in den Spiegel schaut….
Nächtliche Gedanken. – Vielleicht war es
ein Transvestit, der seinen Abdruck hinterlassen hat?
Die nettesten Gespräche habe ich oftmals mit Transvestiten
mitten in der Nacht.
Ach ja – die Romantik!
Am frühen Morgen
wird die Putzfrau
kommen. Und manchmal
summt sie
beim Wischen.
Ich schwärme ein bisschen für sie –
& mag ihr Summen.
Doch mit dem Kuss
im Aufzug
wird es dann vorbei sein.
Und vermutlich hat die alte Frau
gerade jetzt – auf dem Weg nach oben –
den Ventilator eingeschaltet; und vielleicht
schneit es nun
auf ihre Schultern.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Alkohol, Arbeit, Beziehung, Einsamkeit, Job, Kultur, Lyrik, Nacht, Sehnsucht | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Durch den Wald der Verdrängungen
gehen wir
verlaufen wir
uns
im Vergehen
Das Leid pfeift ein Lied
in uns
um sich zu vergessen
Und immer tiefer wird der Wald
immer dichter sein
Bestand
Im Lichtlosen verstummten die Erinnerungen
Doch nichts ist tot
bis wir es sind
Herabgefallenes knistert & bricht
unter unsern Schritten
Und es riecht nach Blühen & Verwelken
nach Blättern die sich lösen
Unsere Wurzeln sind bloß
Fangarme
überirdische Tentakel
die Nichts halten
können
auf Dauer
Wind bewegt die schwachen Äste
mit Gewalt
Und wer glaubt
einen Weg gefunden zu haben
unterliegt
nur einer Täuschung
Wald der Verdrängungen
Wald der Märchen
die wir uns verschweigen
Und irgendwo liegt eine Lichtung
ein entblößter Fleck
glatt wie ein krankes Gehirn
ohne Windungen
Unbeschattet & friedlich
Dort
ruht das Vergessen
& wir
in ihm
Endlich
am Ende
Als wäre
Nichts
gewesen
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Einsamkeit, Erinnerung, Kultur, Lyrik, Philosophie, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Was sie gesucht hatten
im Unbestimmten
fanden sie an
einander
Doch das Gefundene
war nicht dazu bestimmt
die Suche zu
ersetzen
Die Sehnsuche
die erfindet was
nicht
gefunden werden kann
Nicht
wenn man sich
nicht (einander)
zufrieden
giebt
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Sehnsucht | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
…. wenn man fühlt
dass die Resonanz auf Worte
die Wahl der Worte beeinflusst.
Zeit zu schweigen
bis
man
sich
wieder
erhaben
fühlt
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Es geht um
die Form
Um Gefühl & Gedanken
& Stil
Es geht um
Viel
Um Formgefühl
Es geht um
Leben & Tod
& Leichtigkeit
Um Liebe, vielleicht
Wenn
es geht
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Der alte Mann war Stammgast
in diesem Hotel.
Und er erzählte dem Nachtportier,
der ich war, von
Norwegen & vom Tod.
Auf seinen Schuhen war
Kartoffelstaub. Der alte Mann wusste es
zu erklären, und ich hörte zu.
Dann lächelten wir.
Er tanzte gern.
Das war der Grund.
Und in dem Büro hinter dem Empfang
stand mein Essen.
Und da war keine Sättigungsbeilage
auf dem Teller; ob
wohl die Köchin mich mochte.
Manchmal
passt einfach Alles
zusammen.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Alter, Kultur, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Oftmals konnte mein Vater sich nicht mehr erinnern
wie er von der Arbeit nach Hause gefahren war
als es auf das Ende zuging
Es war das End
stadium
Etwas fraß an seinem Gedächtnis
Angekommen
war er erschrocken darüber
Aber oft
würde er diese Strecke ohnehin nicht mehr fahren
Das
vergaß er nie
während er von seinem Vergessen erzählte
Er war 5 Jahre jünger
als ich
heute
Oftmals kann ich mich nicht mehr erinnern
wie ich von zuhause zur Arbeit gefahren bin
Ich bewege den Wagen wie in Trance
durch die Dunkelheit
Zu gut kenne ich diese Strecke
Zu oft bin ich sie gefahren
um darüber nachzudenken
Ich denke an
Alles Andere
Ich träume & habe keine Ahnung
in welchem Stadium ich bin
Manchmal weckt mich ein Tier
Dann bin ich erschrocken über meinen Leichtsinn
Doch das ändert nichts
Ich erzähle von meinem Erinnern
Irgendwann werden alle Wege vergessen sein
Und ich werde ankommen
wo Alle
am Ende
sein werden
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Erinnerung, Jugend, Kindheit, Krankheit, Kultur, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Sie kommen!
Aus ihren Bauten.
Gehen
in ihre Gärten.
Maschinengleich.
Und gleich werfen sie
ihre Maschinen an.
Betäubender Lärm,
der alles zerstört.
Doch sie, die Maschinenführer, sind längst schon betäubt;
und zerstört ihre Augen & Ohren.
Ruhe, Schönheit, Wildnis – weg damit!
»Ich habe nichts gegen Natur, aber
gepflegt musse sein.«
Stutzen, Zupfen, Fassonieren,
Saugen, Blasen,
Gleichmachen!
Alles auf Gutbürgerlich.
Buntgenormte Beete. In Grabesform.
Es wird gesprengt & belüftet
& Zeit vertrieben.
Bete & jäte!
Sauber & ordentlich.
Die Schmetterlinge können sich nur wundern.
Rattarattaratta!
Haltet die Triebe in Schach!
Was erlaubt sich das Laub?
Ich –
möchte der Schandfleck sein,
der die Umgebung entwertet – nach dem Urteil
dieser zivilisierten Gärtner, die ihre Gärten halten wie Sklaven;
der eine Same möchte ich sein, der einsam über ihre Zäune fliegt
& von dem alle Verunkrautung ausgeht.
Ungezügelte Natur,
wuchernd – & nach ihrem Maßstab: hässlich
& beängstigend.
Fesseln möchte ich die Maschinisten.
Mit blauen Bändern.
Ihre äußere Ordnung stören.
Verstören. Zerstören. – –
Aber – natürlich –
es würde nichts
helfen.
Denn: gewiss sind diese Gärten
ein Abbild ihrer Herren;
Abbild ihres Denkens.
Oder, im günstigsten Falle:
ein Zeichen von
Unterwerfung.
Ach ja – der Frühling!
Eine wahrhaft widerliche Jahreszeit
solange man
unter Menschen lebt.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Natur | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Über
All
Holz
Wände
aus Spanplatten
Giftige Dämpfe –
Formaldehyd
verflogen
& weggeatmet
von mir
im Laufe der Zeit
Ein Fertighaus aus den 60ern
Ein paar Jahre jünger
als ich
Das Holz arbeitet
während ich nur so daliege.
Und die Geräusche kommen
wenn die Temperatur sich ändert
Ich brauche nicht auf Holz zu klopfen
Es klopft in ihm
Als hätte es ein Herz
irgendwo
eingemauert oder lebendig begraben
Doch Glück ist unwahrscheinlich
Kupfervenen
die hoffentlich noch eine Weile durchhalten
werden
Und es knackt wie ein Gerippe
beim Tanzen
während ich
ganz still bin
Im Tiefkühlfach
die Fertiggerichte
Ich:
im Bett
Das Blech im Herd erschreckt mich
fast zu Tode
mit seinem Knall
In diesem Haus ist
einfach
Alles fertig!
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
…. bilden ein Muster
das zufällig scheint
ohne es zu sein.
Und es bedeutet
Nichts.
Keine Religion.
Keine Leidenschaft.
Reine Physik.
Wissenschaft.
Notwendigkeit.
Unter den gegebenen Umständen
konnte sich kein anderes
bilden.
Mit etwas Liebe
könnte man Etwas hinein
interpretieren
in dieses Muster.
(Vor allem
wenn man es nicht selber verursacht hat.)
Doch das wäre
SCHON WIEDER
Kitsch!
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik, Philosophie, Religion | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Beziehung begann
wie die junge Audrey Hepburn.
Und endete
wie sie.
Als sie nicht mehr jung war.
Dazwischen:
ein zu kurzes Leben.
Was blieb
zurück?
Pfannkuchen aus dem Supermarkt,
die ich mir kaufe
seitdem Sie, die nicht
Audrey Hepburn war,
sie mir zum ersten Mal mitgebracht hatte;
fertig,
eingeschweisst.
Eine Fernsehserie,
die ich auswendig kenne –
weil Sie sie mir empfohlen hatte.
(Obwohl ich Serien hasse,
da sie Zwang bedeuten.)
Staub
auf ungeöffneten Schnapsflaschen.
Immerhin.
Und Das
was verschwiegen werden muss,
damit es bleibt.
Man darf sich nicht wundern.
Über das Ende.
Schließlich:
Dies ist die Welt,
in der Audrey Hepburn
an Krebs starb.
Aber etwas bleibt
unsterblich.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Tod, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Bruchteil eines Augenblicks.
Nacht. Auf der Autobahn.
Alles
was mir zumeist
bewusster Gedanke ist
– mein Tod
das Nichts
die nicht vorhandene Ewigkeit –
wurde plötzlich & unvermittelt
zur unwissenden Empfindung.
Überwältigend.
Unmenschlich
& wortlos.
Ich selber
war ein Unmensch
für den Bruchteil eines Augenblicks.
Unbeschreiblicher Schrecken –
gewaltiger als der Nachthimmel,
der den ersten Blick des Kindes,
das ich gewesen war,
in das Grauen
des Daseins
riss.
Nur der Bruchteil
eines Moments.
Keine Sekunde.
Unbemerkt von
Allen. Außer mir.
Hätte es länger gedauert –
ich wäre, für mich,
kein Mensch mehr gewesen.
Und hätte nicht gewusst,
warum.
Denn alle Ängste
hätten verschwinden müssen.
Und mit ihnen
ihre Ursachen.
Wahnsinn –
der sich selbst verschlingt.
Nacht. Auf der Autobahn.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Angst, Existenz, Kultur, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Warum
nimmt dieser Idiot gleich 2 Parkplätze in Beschlag?
denkt der Suchende
als er den Wagen mitten auf der Trennungslinie erblickt.
Wütend
weil so der Platz für ihn nicht reicht.
Warum
nimmt dieser Idiot gleich 2 Parkplätze in Beschlag?
dachte der Suchende vor ihm
dessen Wagen jetzt so verkehrt dort steht.
Weniger wütend
weil ihm noch genügend Platz blieb
denn auf der anderen Seite war eine Lücke
frei geblieben.
Ich fahre
über einen Parkplatz.
Auf der Suche.
Und auch ich fluche
ohne nachzudenken.
Und nach mir
wird wieder jemand
wütend werden.
Weil er
nicht sehen kann
wer in der Zwischenzeit
weggefahren
sein
wird.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Bergente flog hinab
ins Tal.
Dort war sie nicht
zu unterscheiden
von den Talenten.
Nur sie allein
wusste, dass sie
anders war.
Und doch
nur eine Ente.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Es war nur
eine Abbildung,
eine Reproduktion in einem Buch.
»Na, was gibt’s da Witziges zu sehen?«
fragte meine Mutter
als sie mich lächeln sah.
Sie schaute in das Buch.
Da war einer dieser Friedhöfe
von Caspar David Friedrich.
Sie verstand nicht
warum ich strahlte
im Licht dieses Bildes.
Das war nicht
überraschend
für mich.
Denn sie kannte mich
nicht.
Überwältigend
war diese Einsamkeit.
Und schön.
Ich kannte sie.
Schon immer.
Es war nur
eine Abbildung,
eine Reproduktion in einem Buch.
Und so war es nicht
überraschend
für mich,
dass ich kaum atmen konnte,
als ich einem Original
gegenüber stand.
Kleines Format.
Beinahe versteckt
in einem Museumswinkel.
Es war
nur ein Baum.
Das Bild
eines Baumes.
Sein Gegenstück
in der Wirklichkeit
hätte mich leichter atmen lassen.
Aber
wer will das schon?
Überwältigend
war die Einsamkeit
des Baumes.
Und schön.
Und die es nicht verstanden hatte,
dass ich lächelte & strahlte
während ich eine Reproduktion betrachtete,
lag auf einem dieser Friedhöfe
in der Wirklichkeit.
Wo man leicht atmen kann –
ohne zu lächeln.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Einsamkeit, Jugend, Kultur, Kunst, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich erinnere mich
an den fehlenden Arm des Zeitungslieferanten;
an sein Gesicht,
das nicht fehlte, erinnere ich mich
nicht.
Das erinnert mich
an uns
& Dein Gesicht
in meinem Arm.
An das Merkwürdige
Menschlicher Beziehungen.
Ich erinnere mich
an Deinen Arm, der fehlt.
Weil er da
gewesen
war.
Nicht so oft
erinnere ich mich
an das Fehl
ende
in der Vergangenheit.
Schon seltsam,
was die Erinnerung tut
& die Wahrnehmung unterlässt.
Seltsam,
was die Erinnerung unterlässt
& die Wahrnehmung tut.
Und der Zeitungslieferant
ist kein Zeitungslieferant mehr.
Und den Arm hatte er
sich selber abgehackt. Aber das
gehört nicht hierher –
obwohl
es merkwürdig ist.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Erinnerung, Kultur, Liebe, Lyrik, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Nein,
ich kann sie nicht ernst nehmen –
die Venus über der Straße.
Die Stecknadel am Abendhimmel.
Sie leitet mich
fehl.
Wenn ich ein Auge zudrücke, scheint sie
über dem Hotel zu leuchten,
in dem ich arbeite –
für 8 Euro pro Stunde
+ Nachtzuschlag,
inklusive mieser Musik, die alles berieselt.
Da ist wenig Erotik;
von Liebe ganz zu schweigen.
Jedenfalls, was mich betrifft.
Selbst das Essen, das ich bekomme,
wirkt meist lieblos.
In den Zimmern,
an denen ich vorbei gehe,
nachts auf meinem Rundgang,
mag es anders sein. Vielleicht.
Ein bisschen wie
in meinem Kopf.
Hier schnarcht’s, da stöhnt’s,
die Klospülung rauscht, und
das plötzliche Niesen hinter einer Tür
erschreckt mich fast zu Tode.
Manchmal klatscht es auch dahinter
– & das ist kein Applaus.
»Wir hätten gern ein Doppelzimmer.«
»Ich hab nur noch Einzel.«
»Das ist okay.«
»Das Bett hat nur 90 cm.«
Keine Ahnung, ob das stimmt.
»Das reicht uns.«
Da wett’ich drauf!
»Hauptsache, es is schön warm.«
»Selbstverständlich.«
Und wenn Eure Hitze nicht reicht,
schenk ich Euch einen vollen
Benzinkanister. (E10. Ich muss sparen).
»Möchten Sie auch frühstücken?«
»Äh…. nein, wir reisen ganz früh wieder ab.«
Na sicher. Ohne Gepäck. Und die Adresse
ist gleich nebenan.
Hin & wieder stirbt jemand.
Hin & wieder blutet jemand.
Aber meistens
nicht.
Und sollte ich gerade essen, ist
das Hotel ausgebucht.
Nein, ich kann sie nicht ernst nehmen.
Die Venus über der Straße.
Und die Arbeit.
Und noch
so mancherlei.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Arbeit, Erotik, Essen, Job, Kultur, Lyrik, Sex | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich zitiere
aus dem Vergessen
in deinem Kopf.
Erinnerungen
die du zum Schweigen bringst
hole ich
von dort zurück.
Sie sind nicht verloren
gegangen.
Was ich auswendig kenne
ist unser Innerstes.
Ich bin
unser Gedächtnis.
Und die Vergangenheit
ist nicht in unseren Köpfen
allein.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Erinnerung, Kultur, Liebe, Lyrik, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Sie reichte ihm die Hand
um ihn empor zu ziehen
aus einem Grund
der ein Abgrund war
Er war so tief
ihr Arm so lang
& doch
war er nicht
tief genug
für sie
Sie lachten viel
& täuschten sich
hinweg
Dann stieß sie ihn
in einen anderen
der grundlos schien
Die Hand
verschwand
& der Fall mochte
endlos sein
Er blickte auf
& Aufblicken war Zurück
blicken
Er wartete
auf
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Einsamkeit, Kultur, Liebe, Lyrik, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Knaurs Buch vom Film
© 1956 by Droemersche Verlangsanstalt
Autor: Waldekranz Arpe
(Was für ein Vorname!)
Es stand in der Bibliothek meines Vaters.
Gern nahm ich es
mit ins Bett.
All
diese Il
lust
rationen….
All
diese Photographien….
Sogenannte Göttinnen
der Leinwand……
Zum
Niemals
Sattsehen.
Riso amoro:
Silvana Mangano
auf ihrem Bett
im Hemd – &
meinem liebsten Kleidungsstück:
dem Sonstnichts….
Prachtgeschenkel in Schwarzweiß
Neorealismus
So neu – für einen kleinen Jungen
The Seven Year Itch:
Das hochgeblasene Kleid der Marilyn M.
bevor es, bevor sie zum Abziehbild wurde
Zufällige Zugluft eines Zuges
Und ein Teil der Erregung war
Hineinversetzung: die Vorstellung
so auszusehen & so gesehen
zu werden……
Ava Gardner
Gina Lollobrigida
Theda Bara (‚der erste Filmvamp’ hieß es da)
Die bloßen Brüste der badenen Martine Carol
(In einer Zeit als es keine Nacktheit am Zeitungskiosk gab.)
& so weiter
& so fort
Weit fort
in Träumen
Und in Sommernächten
schlich ich mich hinaus
nackt oder halbnackt
ins Freie
Dorthin
wo Niemand war
aber Jemand
hätte sein können
auf ein
samen Wegen
gerne unterm Mond
Wilde Schlägereien des Herzens
Die Unruhe der Hormone
& die Lust war so groß
dass ich keine Befriedigung wollte
Fast ein Schmerz –
Dazu die Angst
aufzufliegen
erwischt zu werden
von den Achsoerwachsenen
Doch es geschah nicht.
Nichts geschah
außer mir.
So Vieles
in mir.
Die Filme sah ich
später –
am Anfang stand
Das Buch.

Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Erotik, Film, Jugend, Kindheit, Kultur, Literatur, Lyrik, Sex | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Ebene war nicht
plan – Planlos stand ich
an ihrem Rand
Rannte dann
über ihre Uneben
heiten
Was eben gewesen war
war nicht immer glatt
vorbei gegangen
& doch
Vergangen
heit
Die Mitte lag immer
im Un
Er
Reich
Baren
Ich fiel
vielmals
Stand auf
einmal mehr
Irgendwann
wird es
das letzte Mal
der Fall
gewesen
sein
Es war einmal
Verwesen
Sein
Eben noch Leben
planlos
platt
& vorbei
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Leben, Lyrik, Philosophie, Tod, Zeit | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
220 Gramm auf Ex
& ich dachte:
Ein guter Titel für meine Memoiren wäre
»Bekenntnisse eines deutschen Mohnkuchenessers«.
So treffend
in seinem Mangel an
Coolness. (Wofür mir gerade kein
deutsches Wort einfällt.)
Doch nach dem Ende
des Verdauungs
Prozesses dachte ich:
Noch treffender wäre
»Mohnkörner in der Kimme«.
Und mit solchen Titeln
würde man vermutlich auch
mehr verkaufen.
Dann fiel mir ein, dass ich
Nichts zu verkaufen habe.
Scheiße! Das finde ich
beruhigend.

Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Sätze, die mir etwas bedeuten,
unterstreiche ich
mit Bleistift.
Der Bleistift muss stumpf sein.
So stechen die Sätze besser
hervor.
Ein stumpfer Bleistift hält
länger als ein angespitzter.
Und zwar: aus
mehreren Gründen.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich wäre gerne originell
bis zur Unmenschlichkeit.
Aber daraus wird
wohl nichts werden.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
»Ich habe dich geliebt
aber jetzt – hasse ich dich
beinahe.«
Die getrennten Wege
führen in eine seltsame Welt,
wo das Licht der Gegenwart
auf die Vergangenheit fällt.
Beinahe ist es
als wäre die Vergangenheit
keine Realität gewesen.
Eine Realität
im eigenen Licht.
Man wird verletzt,
und der Selbstschutz setzt ein…..
Man konzentriert sich auf Alles,
über das man hinweggesehen hatte:
Die Kleinigkeiten, die einen schon trennten,
als man noch zusammen war.
Die kurzen eisigen Momente, die
in der Hitze des Gefechts so schnell
dahinschmolzen….
Sie kehren zurück
von dort wo
hin man nicht mehr zurück
kehren kann
auf diesem Wege.
Dem einfachsten
Aller
Getrennten
Wege.
Der Weg, der einem verspricht
am leichtesten über
Alles hin
weg
zu
führen
(…. zu kommen
…. zu gehen).
Ich
mache es mir
lieber schwer
& liebe
einfach
weiter.
Versuche es zumindest. Ver
Suche es
auf meinem Weg, der
nirgendwo
hin
führt.
Denn
dort gehöre ich
hin.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Einsamkeit, Kultur, Liebe, Lyrik, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Erwachsenen um mich herum
nahm ich kaum wahr.
Dennoch hörte ich, wie jemand sagte:
»Er kann sich so gut mit sich selbst beschäftigen.
Man kann ihn gut alleine lassen.«
Ich war etwa 6 Jahre alt.
Ich saß auf dem Fußboden
mit einem Müllwagen aus Plastik
& ahnte nicht, dass
Dies
das Glück meines Lebens war.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Einsamkeit, Kindheit, Kultur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ein Oldtimer fährt durch die Nacht.
Ich fahre hinter ihm her.
Als der Oldtimer modern war
– damals in meiner Kindheit -,
war er mir zu modern.
Ich fand ihn hässlich. Damals.
Heute – finde ich ihn schön.
Im Vergleich.
Und überhaupt.
Das ist die Schuld
der Zeit.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kindheit, Kultur, Lyrik, Zeit | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich träume
lieber von der Hölle
als von Dir.
Denn wenn ich von Dir träume
ist das Erwachen
die Hölle.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Einsamkeit, Kultur, Liebe, Lyrik, Traum, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Alle
Anstreichungen
aus
Allen
Büchern
Aller
Zeiten
die von
Allen
Lesern
Aller
Zeiten
Jemals
gemacht wurden
gemacht werden
gemacht worden
Sein
Werden
ergäben
Ein Wunderliches Buch.
Ein Buch
das der Welt
& dem All
& dem Nichts
beinahe
ähnlich wäre.
Und
Niemand
könnte es lesen.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Durch einen dieser berüchtigten Zufälle landete ich
in einem Nachtclub. Obwohl es spätabends war, war ich
jung. Kannte die Stadt nicht, kannte die Menschen nicht.
Wusste nicht, was mich erwarten würde. Nirgends. Und
auch in diesem Club nicht, der sich Nachtclub nannte;
sogar am späten Abend.
Artistik, versprach der Schaukasten.
5 oder 6 Kekse hatte ich an dem Tag gegessen, um
Geld zu sparen.
Ich saß direkt an der Bühne, konnte meinen Ellenbogen darauf
stützen. Stützte meinen Ellenbogen darauf. Trank Rotwein.
Ohne andere Grundlage als die Kekse. 5 oder 6.
Leichter Schwindel. Artistik
wurde geboten. Man jonglierte
mit Langeweile. Zauberte.
Im Licht des Weines beinahe unterhaltsam.
Gerade wollte ich gehen, da kam
die erste Frau. Auf die Bühne neben meinen
Ellenbogen. Und zog sich aus
in einem anderen Licht.
Ich blieb.
1 Frau lang. 2 Frauen lang.
Hübsch, doch keine Schönheiten.
Weitere folgten.
Ich war so jung, dass es einfach für sie war,
älter zu sein als ich. Hübscher zu sein
war noch einfacher
für sie. Ich
war froh, hier zu sein. Dankte dem Zufall,
dem berüchtigten.
Die Schönheit kam zuletzt.
In blauem Jeansstoff. Hotpants, Weste & Mütze.
Schwarze Stiefel.
Die Artisten gerieten
in Vergessenheit;
was auf sie gefolgt war, geriet
in Vergessenheit.
In mein Vergessen.
Und der einzig wahre Zaubertrick des Abends
geschah – als sie die Mütze abnahm……
Wie konnte all
dies Haar
darunter versteckt gewesen sein?
Rotgetönte dunkle Wellen.
Und sie kam zu mir (ich konnte sie
riechen) & setzte
mir ihre Mütze auf. Lächelnd.
Ich rückte sie zurecht. Die Mütze. Am Schirm.
Es blieben nur 2
Teile, die es auszuziehen galt.
Die Weste & die Hotpants (nichts
darunter, und die Stiefel
behielt sie an)…..
Eine aufblasbare Champagnerflasche
stand auf der Bühne, vielleicht 1 Meter hoch.
Die Schönheit tanzte um sie herum, berührte
mit ihren Fingern das, was bei einer echten Flasche
der Korken gewesen wäre, lächelte
in Richtung des jüngsten Zuschauers,
der ihre Mütze trug, und die Lautsprecher
vibrierten von: Sailors: ‚A Glass of Champagne’…..
Die Mütze passte mir. Wärmte die Träume.
Erhitzte die Fantasien. Gebar Erwartungen.
Dann lag die Flasche am Boden, und
die Schönheit ritt nackt & gestiefelt auf ihr.
Im Rhythmus gesungener Worte.
Getönt wogende Wellen, weiches Fleisch – & über
all Haut Haut Haut.
You’ve got the figure full of delights
Sie ritt & tanzte, tanzte & ritt – & ich
konnte mir vorstellen, mir ausmalen, mir
erträumen – the two of us over a glass of Champagne…..
Fieberwahn des bemützten Schädels. Roter
Wein ohne Grundlage. Leichter Schwindel….. Mein Ellenbogen
hatte längst die Bühne verlassen. Schließlich
ging auch sie. Die Schönheit.
Ein kurzer Augenblitz in meine Richtung, dann
wandte sie sich um & verschwand (dieser Arsch dieser
Arsch dieser Arsch) hinter dem Vorhang,
dessen Farbe ich vergessen habe.
Hände applaudierten. Irgendein Typ, der vermutlich
ein Gesicht hatte, kam hervor, sammelte
die 2 Teile vom Boden auf
& nahm mir die Mütze.
Wie ein Dieb.
Fort. Alles
fort.
Mein Kopf
wurde nicht kühler dadurch. Doch
ich ging. Verschwand
wie sie.
Die Frau, die ich damals liebte, hatte
die gleichen Hotpants, die gleiche Weste, eine
ähnliche Mütze. Auch sie
war älter als ich. Sie arbeitete in einer Bar &
lief gerne nackt & gestiefelt durch die Wohnung,
in der ich zu Gast war.
Berüchtigte Zufälle.
Ich kannte die Menschen nicht, kannte die Stadt nicht.
Die Stadt dieses Nachtclubs.
Ich war dort –
nur wegen Joyce.
Und Thomas Mann.
Ich stand an einem Grab
in der Nähe eines Zoos, und
die Sonne schien
auf meinen ungeschützten Schädel.
Ich konnte die Elefanten hören,
und jemand hatte eine Rose
auf ein Denkmal gelegt.
Ich dachte an die Schönheit
& an die Nacht, die
ein später Abend gewesen war.
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