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Gelächter im Licht

Eine frühlingsbunte Wiese
Verkehrslärm fernab
Flatterflügel & Gesumm
Mir fiel ein: Hätte Rubens eine Biene gemalt
wäre sie eine Hummel

Pollen schneiten durch den Sonnenglast
Alles wucherte & roch
nach sich
selbst Die Geliebte
im heißen Höschen
neben mir Die Luft
fieberte & schwitzte
als wäre es Hoch
sommer Vögel stellten sich vor
aber wir verstanden sie
nicht Mag
sein dass Menschen da waren
aber ich
sah sie
nicht Selbst
der Horizont war horizontal
sonst nichts
Es
war die Zeit der rechtwinkligen Phantasien
Alles schien
jung Sogar
mein Inneres Eine Hose
so kurz wie das Leben
so knapp wie ein Sieg

»Übrigens« sagte die Frau (wie ich
ihre Stimme liebe
) »Sex
sucht ist heilbar«
»Ich weiß« sagte ich Ich
schaute hinab
auf ihre Sandalen
(Riemen & Zehen
in Bewegung) »Ich
weiß« wieder
holte ich »aber
wer will das schon« Lachen 
Gelächter

Gelächter
im Licht


Steppende Ratten

 
Wie so oft lag ich
im Bett. Im Kopf
Gedichte, Sex & Essen.
Und ich verfolgte
die Berichterstattung über wütende
Unwetter. Unwetter, die woanders stattfanden.
Und ich dachte: Wie schön ist es doch,
in einer gemäßigten Zone zu leben. In
einer Gegend, wo die Natur sich noch zu benehmen weiß.
Und einen in Ruhe lässt (solange sie nicht
in Gestalt von Menschen auftritt).
Still still still war alles – & ich hatte den Ton
abgedreht, während ich den Bildersturm im Fernseher betrachtete.
Sex. Gedichte. Essen. Das ist mir genug
Natur. Ich war satt, geil & träge.
Als der Tanz begann.
Ein Geräusch, an das ich mich nicht erinnern konnte,
obwohl ich es kennen musste. Aus ferner Vergangenheit.
Schläge, die auf mein Haus herniederfielen. Auf meinen
Schutz. Meinen Panzer vor der Außenwelt. Den Donner erkannte
ich. Den Regen erkannte ich. Aber den Hagel erahnte ich nur.
Schrapnellgleich. Ich verließ das Bett. Ging in die Küche. Zog
das Rouleau, das immer herunter
gelassen ist, halb hoch…..
Düsternis; die Schraffur der Regenstriche,
das Fließen der Straße, das Spritzen des Wassers
& die weißen Geschosse, die auf den Asphalt prasseln
aus einem schwarzen Rachehimmel. Bäume & Sträucher
wogen, Alles peitscht & schießt; schlägt & kracht & rauscht.
Und die Geräusche des Regens, das Geschepper des Hagels erreichen den Dachboden
nach dem Splittern des Fensters dort oben. Die Natur kommt näher,
so wie die Einschläge näher kommen, und im Keller steigt das Wasser
aus dem Gully, aus dem Rohr, durch das
die Scheiße schwimmt. Über die Leiter & durch die Luke
klettere ich auf den Dachboden, über die Treppe steige ich hinab
in den Keller. Wasser hier, Wasser dort. Ich schöpfe, wische, stelle
Gefäße auf & warte. Warte, dass es vorüber
geht. Im Keller umspült das Dreckwasser die Stapel alter Zeit
schriften. Magazine mit nackten Frauen auf den Titelseiten. Auf
einigen liegt noch der Ruß eines vergangenen Brandes (eine
andere Geschichte, doch auch dies: Natur). Alte Teppiche
saugen sich voll, während ich mich zu erinnern suche; ich versuche mich
zu erinnern, wann ich zuletzt Hagel erlebte. Ich kann es nicht. Es ist zu lange her. Oder zu erfolgreich
habe ich es verdrängt. Bewegung. So viel Bewegung hatte ich lange nicht.
Und dann
lag ich wieder im Bett. Ruhiger geworden. Alles
war ruhiger geworden. Gelassener. Doch nicht still.
Die Bilder aus der Ferne waren gestört. Die Signale gestört
durch den Regen, der allmählich nachließ. Kein Empfang. Woanders
war alles schlimmer. Gewesen. Woanders ist immer alles
schlimmer. Hofft man.
Durch das zerstörte Fenster im Dach fiel
der Regen. Der Regen fiel
in das Gefäß darunter. Eine Kiste
aus Plastik. Und solange die Kiste fast leer war –
hatten die Tropfen einen eigentümlichen Klang.
Ich lauschte diesem Klang; im Bett, unter der Decke.
Es war nur der Regen. Über der Decke. Doch sein Klang erinnerte mich an
Ratten. Ratten auf dem Dachboden. Tanzende Ratten. Ratten
in Holzschuhen. Steppende Ratten. In einem Ballett oder
Musical. Titel: Das Leben. Denn aus jedem Dreck, aus jedem Scheiß
kann man noch Etwas machen. Etwas. Solange einem nicht
Alles vergeht – & die Poesie nicht gänzlich hinweggespült wird.
In irgendeinem Keller. Durch irgendeinen Gully.
Und vielleicht ist das besser
als in einer gemäßigten Zone
zu leben. Falls
es die überhaupt gibt.


Frühlingsgedicht

Sie kommen!
Aus ihren Bauten.
Gehen
in ihre Gärten.
Maschinengleich.
Und gleich werfen sie
ihre Maschinen an.
Betäubender Lärm,
der alles zerstört.
Doch sie, die Maschinenführer, sind längst schon betäubt;
und zerstört ihre Augen & Ohren.
Ruhe, Schönheit, Wildnis – weg damit!
»Ich habe nichts gegen Natur, aber
gepflegt musse sein.«

Stutzen, Zupfen, Fassonieren,
Saugen, Blasen,
Gleichmachen!
Alles auf Gutbürgerlich.
Buntgenormte Beete. In Grabesform.
Es wird gesprengt & belüftet
& Zeit vertrieben.
Bete & jäte!
Sauber & ordentlich.
Die Schmetterlinge können sich nur wundern.
Rattarattaratta!
Haltet die Triebe in Schach!
Was erlaubt sich das Laub?

Ich –
möchte der Schandfleck sein,
der die Umgebung entwertet – nach dem Urteil
dieser zivilisierten Gärtner, die ihre Gärten halten wie Sklaven;
der eine Same möchte ich sein, der einsam über ihre Zäune fliegt
& von dem alle Verunkrautung ausgeht.
Ungezügelte Natur,
wuchernd – & nach ihrem Maßstab: hässlich
& beängstigend.
Fesseln möchte ich die Maschinisten.
Mit blauen Bändern.
Ihre äußere Ordnung stören.
Verstören. Zerstören. – –
Aber – natürlich –
es würde nichts
helfen.
Denn: gewiss sind diese Gärten
ein Abbild ihrer Herren;
Abbild ihres Denkens.
Oder, im günstigsten Falle:
ein Zeichen von
Unterwerfung.
Ach ja – der Frühling!
Eine wahrhaft widerliche Jahreszeit
solange man
unter Menschen lebt.


Grillen

Ich hasse Grillen!
Nicht das Gezirpe. Das gesellige.
Nicht die Tiere (obwohl auch die nerven können), sondern
die Versammlung von Menschen ums atavistische Feuer.
Und eine Versammlung beginnt bei 3.
Gestank, Gerede – nicht einmal
den kanzerogenen Fraß (sinnigerweise Grillgut genannt) kann ich leiden.
Miefige Gartenzwergidylle.
In der »freien« Natur.
Die Pappteller & das Plastikbesteck sind noch
das Beste daran.
Ich hasse den Rauch –
& den Brauch
auch.
Lasst uns uns treffen, schmatzen & smalltalken!
Wenn die paar Menschen, die mich kennen, einen Witz machen wollen,
sagen sie: »Wir kommen dann mal zum Grillen bei dir vorbei.«
Und ich muss wirklich – jedes Mal – lachen. Mir gefällt die Doppelpointe:
Grillen & Vorbeikommen!
Ich mag kaum darüber nachdenken, was die Meute da
zusammen treibt. Um die Kohle herum.

Zuweilen höre ich sie.
Eine einzelne Grille.
Oder eine andere.
Oder mehrere.
Manchmal ist es beruhigend –
kleine Wesen in der Nähe zu wissen;
manchmal störend.
Wenn sie mich stören, können sie nichts dafür.
Es ist ihre Natur.
Das macht mich nicht traurig.

Nun gut, vielleicht liegt es auch in der Natur
des Menschen –
zu grillen…..

Noch immer.

Das allerdings
wäre
traurig. –

Wie dem auch sei –
am sympathischsten sind mir
nach wie vor
die Grillen

in meinem Kopf.

Eine wimmelnde Versammlung, die
gar nicht groß genug sein kann.


Der Schandfleck

Hinter Mauern
wuchernden Unkrauts
lebe ich

im Schandfleck
der gepflegten Umgebung

inmitten der Geschäftigkeit
die Alles

ordnet
stutzt
& nivelliert

ruhe ich
faul
in der Wildnis

ungezähmt
im Chaos
der freien Entfaltung

Inmitten des Zwangs
eines andressierten Ideals

betrachte ich
zwanglos
die wahre Schönheit

Samen fliegt
Schmetterlinge flattern
Tiere finden was sie suchen

& manchmal
steht eine nackte Frau
dort in der Sonne

innerhalb der Mauern
wuchernden Unkrauts

Dann verstummt
die Dummheit
dort draußen

& ich lebe
im Besonderen