Monatsarchiv: August 2012

Der kleine Moment

Ich lernte etwas Neues
kennen …..
In einem Moment
der klein war …..
Im nächsten Moment schon
fragte ich mich, wie
ich so lange hatte
leben können,
ohne
dieses Neue
zu kennen.
Der Moment war klein –
Das war seine
Größe.


Versessen

Die meiste Zeit meines Lebens habe ich
versessen.
So viele Stühle, Sofas, Sessel & sonstige
Sitzgelegenheiten.
Mein Arsch ist platt
mittlerweile,
fürchte ich.
So wie die Stühle, Sofas, Sessel & sonstigen
Sitzgelegenheiten.
Ihre Polsterungen konnten
mir
nicht standhalten.
Und mein Staub liegt
unter ihnen.
Dabei ist es nicht mein Gewicht, dass
dies bewirkte, sondern nur
meine Ausdauer.

Du hast ein
Gesicht.

Vielleicht ist das
meine nächste
Sitzgelegenheit,
auf die ich
versessen
bin.


Lebensgeschichte

Das ?-
Hätte ich
nicht
tun
sollen.

Das ?-
Hätte ich
tun
sollen.

Das ?-
Ach,
keine
Ahnung.


Kunst

Wenn man von
einem Toten
berührt
wird

& sich
plötzlich
lebendig
fühlt

könnte
es

Kunst

sein


Umzug

Der Transporter war gemietet.
Habseligkeiten eingeladen.
Platz war nur für
3 Passagiere.
Ihr Mann saß am Steuer.
Sie daneben
Ich neben ihr.
Er trug Jeans.
Sie trug Jeans.
Ich trug Jeans.
Ihr rechtes Bein
&
mein linkes
berührten sich.
Ich atmete,
um mir nicht anmerken zu lassen,
dass diese Berührung
mir den Atem raubte.
Ich schaute hinab
auf unsere Beine, die
grenzenlos aneinander grenzten.
JA!
Es WAR
ein Umzug!


Es geht um Leben & Tod

Seit nunmehr 5 Tagen
krabbelt diese winzige Spinne
auf & ab
in meiner Badewanne

Meine Badewanne ist ihre
glatte, weiße Welt
& vielleicht langweilt sie sich dort
aber dort ist sie
sicher

Seit nunmehr 5 Tagen
frage ich mich:
Soll ich sie dort lassen
oder
nach draußen tragen?

Draußen ist es
rauh & bunt
& gefährlich

Sie ist so winzig
& verletzlich

Es ist eine
Schwere Entscheidung

Denn es geht um
Leben & Tod
& Langeweile


Messer & Gabel

39 Jahre lang hielt ich
das Messer in der linken Hand &
die Gabel in der rechten.

Immer wenn ich
auswärts
essen
musste

musste ich
das Besteck
umlegen

Nur zu Hause
lag es
richtig
falsch herum

Irgendwann begann
mich das zu
langweilen

Ich dachte:
Zeit für Veränderung!

&:

Ich gewöhnte mich
um

Ich bin ein schweigsamer Mensch.

Meine Mutter starb
als ich 44 war

Sie starb in dem Glauben
dass ich das Messer
nach wie vor
in der linken Hand hielt.


Stiel & Stil

»Und das Glas immer
am Stiel anfassen. Damit
die Temperatur des Getränks
nicht von der Körpertemperatur
beeinflusst wird.«
»Ich weiß«, sagte ich. »Der Stiel ist
wichtig. Sehr wichtig sogar. Andererseits
sieht es irgendwie blöd aus. Ich mag es
mehr, wenn jemand das Glas richtig
anpackt. Das hat mehr
Stil.«


Die Haut

Es begann kurz nach dieser
Trennung, die meinen völligen
Zusammenbruch bedeutete.
Die Akne, die ich bis dahin lediglich
im Gesicht gehabt hatte,
breitete sich über meinen
ganzen Körper aus, und
ich bekam eine kahle Stelle
am Hinterkopf –
Kreisrunder Haarausfall. –
‚Wie passend, dachte ich: Eine
Autoimmunkrankheit!’

»Stress gehabt?« fragte der Hautarzt.
Ich nickte. (So wie ich beim
Augenarzt auf dieselbe Frage genickt hatte;
der war darüber verwundert gewesen, dass
meine Augen
innerhalb weniger Monate
einen Sprung von
+0,2 Dioptrien auf
-3,25 gemacht hatten.)
Der Hautarzt also jagte mir mehrmals
eine kleine Nadel in die kahle Stelle &
verschrieb mir eine Teertinktur, die
dort aufgetragen werde musste.
Tatsächlich wuchsen die Haare
irgendwann wieder nach.
Zur Behandlung der Akne hatte er
auch diverse Ideen, aber alle wären
mit Zeitaufwand verbunden gewesen.
Dazu hatte ich keine Lust; es war mir
egal.
Außerdem fand ich es interessant, dass
meine Haut davon berichtete, wie es
mir ging …..
Pickel, Narben …. Warum nicht?
Und als später der Kreisrunde Haarausfall
meine Schambehaarung befiel,
unternahm ich auch dagegen
nichts mehr. –
Diese Frau & ich – wir kamen wieder
zusammen; immer wieder mal, für
kurze Zeiten.
Sie betrachtete meine Haut,
sie streichelte die Pickel, die Narben.
»Stört es dich nicht?« fragte ich.
Auf dem Nachttisch lag
meine neue Brille.
»Du spinnst doch«, sagte die Frau.
Sie grinste. »Dreh dich mal rum.«
Und sie bedeckte meinen Rücken mit
Küssen. Sie hatte
verstanden.


Das Gleichnis

Das Gleichnis war schief
Das Gleichnis war unlogisch
Das Gleichnis war falsch

Eigentlich war es deshalb
schon kein Gleichnis mehr

Ich hatte im Vollrausch
bei dröhnender Musik
die Rolläden hinterm Schreibtisch
ein Stück weit geöffnet &
nach draußen geschaut

Dann tippte ich:

»Wenn der Sturm durch die Bäume weht
versuche ich
das EINE Blatt zu erkennen

das
ein kleines bisschen
anders
zittert

als
Alle

anderen«

Ich war nicht
SO besoffen, dass mir nicht
klar gewesen wäre, dass
keine 2 Blätter sich exakt
gleich bewegen

Natürlich nicht

Aber ich lasse mir doch
von so einer Nichtigkeit
nicht ein Gleichnis kaputt machen
das keines ist!


Schmutzige Füße

Deine Fußsohlen sind schmutzig
Der Schmutz stammt von
mir

Barfuß bist Du
durch mein Haus gegangen

Auf dem Boden lag
der Staub meiner schmutzigen Gedanken
der Staub meiner Einsamkeit

Ich lecke ihn von Deinen Füßen

& fühle mich
weniger
allein


Das rote Wildlederkostüm

Manchmal
Nein, nicht manchmal –
oft!

Oft
sehe ich sie
noch heute
vor mir
in mir
in ihrem
Roten Wildlederkostüm

Und der Rock hatte einen
schiefen
schrägen
ausgefransten
Saum

Darunter
ihre Kniee

Sie spielte Billiard
Lächelte mir zu

Zwischen all den gierigen Blicken
der fremden Männer
die sie nicht bemerkte

Und ich weiß noch,
welche Musik in diesem Moment lief –

aber ich werde sie nicht
erwähnen

ich behalte sie für mich

für mich
für mich
für mich

für
uns


Das EINE Blatt

Wenn der Sturm durch die Bäume weht
versuche ich
das EINE Blatt zu erkennen

das
ein kleines bisschen
anders
zittert

als
Alle

anderen


Klunkermus

Das Mittagessen war so oft
ein Drama
in meiner Kindheit.

So oft überkam mich
der Ekel.
Glibberige Stellen im Fleisch.
Knorpel.
Mein Vater, der
irgend etwas
aus seinem Mund holte &
an den Rand seines Tellers legte ….

Das Schmatzen meiner Brüder &
die strengen Ermahnungen deswegen ….

& so oft
war es
zu viel!

Wieder & wieder
etwas
das ich nicht schaffen konnte.

Ein Drama, das
immer wieder in Tränen &
mit Schlägen
endete.

So sinnlos.
So unsagbar sinnlos!

Doch das schlimmste Gericht,
das ich jemals durchlebt habe,
hieß:

Klunkermus.

Eine Spezialität aus Ostpreußen,
wo mein Vater herstammte.

In einem Teller voller Milchsuppe
schwammen Klumpen, die
wie weiße Scheißhaufen aussahen.

Schon bei ihrem Anblick musste ich
würgen.
Und ALLES –
die Suppe, die Klunker –
schmeckte
nach dem widerwärtigsten Nichts, das jemals
in die Form von Nahrung gebracht wurde.

Vielleicht war das nur
der Fehler meiner Mutter?
Ein Fehler im
Rezept?

Egal.

Nach 2 Bissen
rannte ich in die Küche &
spuckte alles in den Mülleimer
(der Weg zum Klo wäre mir zu weit gewesen).

Was danach geschah,
brauche ich nicht mehr zu beschreiben.

Es ist gleichgültig
geworden.

Was mir nicht gleichgültig ist:
Ich hatte Glück.
Aus all diesen Dramen mit diesem
(immerhin EINMALIGEN)
Höhepunkt, den man
Klunkermus
nennt, ist keine Essstörung entstanden.

Mehr als ich
kann man
das Essen
nicht
lieben & genießen.

Und:
Ich kotze nicht.
Nicht wegen des Essens.
Zumindest.

Die Inneren Verletzungen,
die durch das alles entstanden sind,
haben sich
zu ihrem Ausgleich
andere Wege
ge-
sucht.

Und eigentlich
ist Klunkermus
ein schönes
Wort.


Die herausgerissene Zeile

Ich
bin nur
die herausgerissene Zeile
aus
einem Gedicht
ohne Zusammenhang
dessen Sinn
ich
nicht
verstehe.


Der Arsch der Phantasie

Die Phantasie nahm Platz
neben mir
auf meinem alten Sofa

Lächelte &
duftete

Dann musste sie
pissen

Ich verstellte
ihr
den Weg
zum Klo

Drehte sie
mit dem Rücken
zu mir

Hob
ihr Kleid
an

Sie trug
keine
Unterwäsche

Denn sie war ja
Die
Phantasie

Ich biss ihr
in den
Arsch

Er war
Fest & Weich
zugleich

Ein Fest
für
die Phanta-
sie


Die unverständliche Erregung

Zuweilen befürchte ich,
ich könnte erwachen
aus einem Traum,
an den ich mich nicht
zu erinnern vermag ….
& nur die Erregung ist noch übrig –
losgelöst von ihrer Ursache;
unverständlich.& allein.
Noch ist es mir nicht passiert
(oder ich kann mich nicht mehr daran
erinnern).
Zuweilen befürchte ich,
es könnte mir
mit dem Leben
ganz ähnlich ergehen.


Noch’n sinnloses Gedicht

& ich sitze nackt
am Schreibtisch
& der Deckenventilator dreht sich
über mir
Er bewegt die warme Luft
& der eiskalte Martini fließt
in meinen Magen
& ich will etwas schreiben
das von all dem beeinflusst ist
& ich frage mich
ob man es den Worten anmerken würde
& ich sage mir
Nein, vermutlich nicht
Ich könnte die Leertaste mit meinem
Schwanz betätigen
& der Leere Raum zwischen den Buchstaben
sähe aus wie immer
Die trunkensten Sätze fallen mir oftmals ein
wenn ich stocknüchtern bin
& besoffen sehe ich manchmal allzu klar
Vielleicht trage ich gerade
dicke Winterkleidung
Vielleicht trinke ich gerade
Grünen Tee
Macht das einen Unterschied?
Nur ich könnte das wissen
Doch
ich weiß es nicht.


Langeweile ?

Wie leichtfertig
die meisten Menschen
mit dem Wort »Langeweile«
umgehen

Ich langweile mich nicht
wenn ich die Augen schließe
Ich langweile mich nicht
wenn ich an die Decke starre
Ich langweile mich nicht
wenn ich die Tapete betrachte
Ich langweile mich nicht
wenn nichts geschieht

In mir ist
keine Langeweile

Und wäre sie da
würde ich sie begrüßen
Denn mein Leben
käme mir länger vor
durch sie

Langweilen sich die
meisten Menschen
wirklich
so leicht?

Ich will es lieber
nicht wissen

Denn es könnte
tatsächlich
so
sein


Die Pfeifensammlung meines Vaters

Ich besitze sie noch
Niemand kann sie mir nehmen
Die Pfeifensammlung meines Vaters

Doch der Tabak
ist nun alle

Seinen letzten Tabak habe ich
aufgeraucht
fast 40 Jahre
nach seinem Tod

Er war trocken
Verglühte immer wieder

Ich stopfe frischen Tabak
in die alten Pfeifen

Er brennt

Ich rauche

& schaue
dem Rauch hinterher


Anschlussfehler

Meine Lieblingsepisode
meines Lieblingsepisodenfilms
dauert nur
20 Minuten

La Goccia D’Aqua
von
Mario Bava

Doch selbst in
dieser Kürze
gibt es
mindestens
1 Anschlussfehler

Eine Flasche
mit billigem Fusel
steht auf einem Tisch

Da ist
kein Korken
in der Flasche

als die Szene beginnt

Doch plötzlich
ist er da
der Korken

wie aus dem Nichts
eines verwirrten Schicksals

Und wahrscheinlich
hatte ich diese Szene
51 Mal gesehen

ohne dass
es mir
aufgefallen war

Egal
wie kurz eine Episode ist

Egal
wie oft man sie gesehen hat

Irgendwo
ist immer
mindestens
1 Anschlussfehler

& es ist einem

Egal


Mein Schlafzimmer

Mein Schlafzimmer ist
erfüllt
von
fremden Gedanken
fremden Gefühlen

Bücher
in Regalen
Bücherstapel
auf dem Nachttisch
Büchertürme
auf dem Boden

Träume &
Phantasien

die in meiner Vorstellung
zu etwas
Neuem
werden

Phantasien &
Träume

die
meinen Schlaf
bewohnen

Mein Schlafzimmer ist
erfüllt
von
eigenen Gedanken
eigenen Gefühlen
eigenen Träumen
eigenen Phantasien
eigenen Sehnsüchten
eigener Schlaflosigkeit

die in Deiner Vorstellung
zu etwas
Neuem
werden

könnten


Die Gemeinsamkeit

Die eine Lebensgeschichte wird
mit einem Bleistift geschrieben

Die andere mit
einer Feder

Eine weitere wird
mit einem Kugelschreiber geschrieben

Eine andere wird
getippt auf einer
mechanischen Schreibmaschine

Auch auf elektrischen Schreibmaschinen
werden Lebensgeschichten getippt

Getippt wird
mit Computerprogrammen

Lebensgeschichten
Lebens
Geschichten

Lebendige
Geschichten

Sie alle haben
Etwas
gemeinsam

Stifte
brechen ab

Federn
vertrocknen

Minen
werden leer

Farbbänder
reissen

Programme
stürzen ab


Todtraurig

Es sollte nicht so sein
& doch
ist es so

Manche Menschen sind
besonders
schön
wenn sie
todtraurig
sind


Die gestohlene Katze

Es war nur
eine Zeichnung, die ich
für den Kunstunterricht anfertigte – eine
Katze.
DIN A 3.
Jedes Haar ihres Fells
zeichnete ich
einzeln.
Im Unterricht &
zu Hause.
Ich verbrachte so viel Zeit
mit ihr.
Besessen.
Absolut besessen.
So besessen, dass ich mir wünschte,
niemals
fertig zu werden.
Doch
ich wurde fertig.
Jedes weitere Haar
hätte den Tod der Zeichnung
& der Katze
bedeutet.
Ich sprühte
Fixierspray darüber.
Und als die Zeichnung fertig war,
wollte die Kunstlehrerin
sie mir abkaufen.
Ich sagte:
»Nein. Ich habe so viele Stunden
daran gesessen – ein angemessener
Stundenlohn würde einen Preis ergeben,
den Sie niemals zahlen würden.«
Sie lächelte.
»Okay«, sagte sie, »verstehe. Aber
wir machen hier demnächst eine Ausstellung –
wie sieht’s damit aus?«
»Okay«, sagte ich.
Meine Eitelkeit kicherte. Gekitzelt.
Doch
bevor es zu der Ausstellung kam,
war die Zeichnung
gestohlen worden.
Ich verdächtigte die Lehrerin.
Aber ich mochte sie.
Egal.
Es war doch nur
Papier
&
Bleistift
&
Mühe
&
Fixierspray.
Die Idee einer Katze.
In der Bewegung
meiner Hand.
Doch manchmal
frage ich mich
noch heute,
ob diese Katze irgendwo
auf diesem Planeten
vielleicht
an einer fremden Wand hängt.
Vielleicht sogar
gerahmt.
Es wäre mir zu peinlich gewesen,
die Zeichnung mit meinem vollen Namen
zu unterzeichnen.
Ich setzte nur meine Initialen darunter
in Blockschrift.
Dahinter
die Jahreszahl.
Ich mag den Gedanken, dass
mein Name
unbekannt
oder
vergessen
ist.

Nie wieder
habe ich mir
solche
Mühe
gegeben.


Tragikomödie in 2 Aufzügen

Ich fand es lustig & traurig zugleich;
die Kollegin erzählte es mir, als ich
meine Nachtschicht antrat. Es war
tagsüber passiert.

Da wohnte dieser Alice-Cooper-Fan
im Hotel. Er nervte die Kollegin mit seinem
Enthusiasmus; quatschte viel &
fragte schließlich, ob sie wisse, wo
Cooper abgestiegen sei, der
am Abend ein Konzert in unserer Stadt
geben würde.
Die Antwort lautete, wie sie immer lautet:
»Nein.«
»Zu schade«, sagte er. »Wenn ich den
doch nur 1 Mal treffen würde ….«
Er machte kehrt. Betrat den
linken Aufzug.
In dem Moment, als die Tür sich schloss,
öffnete sich die Tür des
rechten Aufzugs.
Alice Cooper trat heraus.

Lustig & traurig zugleich.

Ich ahne,
aus wievielen ähnlichen Momenten
mein Leben besteht.


Maultiere mit Papierflügeln

Die Epigonen erheben ihre Häupter ….
Gorgonenhäupter, hässlich & erschreckend ….
Es ist alles schon dagewesen.
Und es ist alles schon besser dagewesen.
Ihr Haar ist nicht aus Schlangen –
es ist aus Würmern gemacht,
die von den Toten leben.
Wo bleibt das Eigene?
Wo das Originelle?
Schlägt man den Epigonen die Köpfe ab,
entspringt kein Pegasus aus ihnen.
Nur Maultiere mit angeklebten Papierflügeln.
Sie können nicht fliegen.
Sie bewegen sich nicht von der Stelle.
Sie bewegen nichts &
niemanden.
Sie sind
grau.

Ich fühle mich wie
einer von ihnen.

Was für eine Papierverschwendung!


Zippoleben

Da ist so viel
Benzin
in der Watte des
Zippos

Aber
der Feuerstein
ist am
Ende

Kein Funke springt über
wenn ich am Rad drehe

Keine Flamme entsteht

Aber das alles
ist ja
nichts Besonderes

wenn man
das Leben kennt


Wiederholung

In der Schule versuchten sie
mir beizubringen
dass
Wiederholung
schlechter Stil sei

Im Leben sah ich
dass alles sich
wiederholte

Das Leben hat also
einen schlechten Stil

Das Leben hat also
einen schlechten Stil

Das Leben hat also
einen schlechten Stil

Das Leben hat also
einen schlechten Stil

Das Leben hat also
einen schlechten Stil.


Krankes Licht

Manchmal glaube ich
ich bin das kranke Licht
das kranke Mücken anzieht
die mein krankes Blut wollen

Vielleicht
glauben sie

Krank
mal
Krank
ergibt
gesund

Doch das wäre
zu nahe
an der Mathematik

die mein Leben
nicht
erklären
kann


Wurzeln & Scheisse

Kleine Punkte von Scheiße
spritzten auf die Kellerwände,
als die Handwerker die
große Spirale
in die Kanalisation trieben.
Kleine braune Punkte auf
Kinoplakaten &
Stapeln alter Zeitschriften.
Der Gestank vergangener Verdauung.
Vergangener Genüsse.
Das große Abflussrohr im Garten
war zerstört worden
durch die Wurzeln alter Bäume.
Splitter im Untergrund.
Natur, die stärker gewesen war.
Doch die Bäume waren
gefällt worden.
Die Wurzeln
herausgerissen.
Ein neues Abflussrohr in die Erde
gesenkt.
Und als die große Spirale sich
ihren Weg bahnte,
laut & aufrührerisch,
begann die Scheiße
abzufließen.
Die Bäume waren fort.
Ihre Schatten waren fort.
Ihre Wurzeln waren fort.
Und der Gestank verflog.
Der Garten blieb zurück –
leer & ungewohnt
unbewohnt.


Hoch oben ein toter Vogel

Es herrschte
eine außer-
gewöhnliche Atmosphäre
als ich
von der Arbeit nach Hause fuhr
in der grautrüben Morgendämmerung.
Ich sah einen toten Vogel
quer über 2 Stromleitungen liegend.
Ein weiterer Vogel
krachte gegen meine Windschutzscheibe,
als ich über die Autobahn jagte; ich
duckte mich, als könnte er mir ins Gesicht fliegen.
Im Rückspiegel war er nicht mehr zu sehen ….
Zurück blieb
ein schleimiger Fleck auf dem Glas, der
im Fahrtwind trocknete.
Andere Vögel
wichen mir aus –
& ich wich ihnen aus
in diversen letzten Momenten.
Kröten klebten auf der Landstraße, als ich
eine huschende Maus
zwischen die Räder nahm;
sie überlebte.
Im Radio lief irgend etwas von Vivaldi.
In dem Dorf, wo ich immer am
Friedhof vorüber fahre,
sprang ein Eichhörnchen über die Straße.
Ich bremste, ich lenkte, das
Eichhörnchen beschleunigte ….
Es verschwand gegenüber vom Friedhof.
Nur einen einzigen Menschen sah ich
an diesem Morgen –
eine alte dicke Frau, die sich auf einen
roten Stock stützte; vor einem
Tante-Emma-Laden, der geschlossen war.
All dies ….
wirkte wie arrangiert.
Unecht.
Zu viel.
Künstlich.
Damit
irgend jemand
es wahrnimmt.
Filmt.
Beschreibt.
Das Alles hatte
Nichts
zu bedeuten.
Aber das Nichts
bedeutet mir oft
Alles.
Das Alles hatte
Nichts
zu sagen.
Und doch
konnte ich es
hören.
Alles
oder
Nichts.