Tagesarchiv: 22. August 2012

Die Steckdose & das Nachtlämpchen

Sie
hockte sich hin
neben dem Bücherstapel
Der Saum ihres Kleides
glitt an ihren Oberschenkeln
hinauf
Sie zog
das Nachtlämpchen aus
der Steckdose
Steckte
den Stecker
ihres Ladekabels
in die Dose
um das Telefon aufzuladen
über das wir
gesprochen hatten

Als sie wieder fort war
tat ich das Nachtlämpchen
zurück an seinen
angestammten Platz

Dann kam sie wieder
hockte sich hin
neben dem Bücherstapel
Der Saum ihres Kleides
glitt an ihren Oberschenkeln
hinauf
Sie zog
das Nachtlämpchen aus
der Steckdose
Steckte
den Stecker
ihres Ladekabels ….

Als sie wieder fort war
nahm ich das Nachtlämpchen &
warf es in eine Schublade

die ich

normalerweise

niemals
öffne.


Das Klingeln an der Haustür

Es klingelte
um kurz vor 8
an meiner Haustür.
Wie immer
erschreckte es mich,
wie immer
wollte ich nicht öffnen.
Doch dann stellte ich mir vor:
Es könnte
SIE
sein …..
SIE
könnte mich
überraschen
wollen …..
So viel
Sehnsucht.
So viel
Hoffnung.
So viele
Wünsche.
So viel
Liebe.
Mein Verstand wusste,
SIE
konnte es nicht sein.
Und doch –
ich schaute aus
dem Küchenfenster ….
Beinahe erwartete ich
SIE
zu sehen.
Ich sah:
den alten Nachbarn.
Ich wusste, was er wollte –
er wollte
sich beschweren
über den Zustand meines Gartens,
über die Samen, die
hinüberflogen
in seinen Garten.
Über mein Unkraut, das
zu seinem wurde.
Der alte Mann
liebt seinen Garten,
seine Ordnung.
Ich
hasse meinen Garten.
Liebe
meine Unordnung &
liebe
SIE
deren Ankunft ich erhofft hatte
beim Klingeln an meiner Haustür.
Ich öffnete nicht.
Es gab keinen Grund dafür.
Wie meistens
in meinem Leben.