Klunkermus

Das Mittagessen war so oft
ein Drama
in meiner Kindheit.

So oft überkam mich
der Ekel.
Glibberige Stellen im Fleisch.
Knorpel.
Mein Vater, der
irgend etwas
aus seinem Mund holte &
an den Rand seines Tellers legte ….

Das Schmatzen meiner Brüder &
die strengen Ermahnungen deswegen ….

& so oft
war es
zu viel!

Wieder & wieder
etwas
das ich nicht schaffen konnte.

Ein Drama, das
immer wieder in Tränen &
mit Schlägen
endete.

So sinnlos.
So unsagbar sinnlos!

Doch das schlimmste Gericht,
das ich jemals durchlebt habe,
hieß:

Klunkermus.

Eine Spezialität aus Ostpreußen,
wo mein Vater herstammte.

In einem Teller voller Milchsuppe
schwammen Klumpen, die
wie weiße Scheißhaufen aussahen.

Schon bei ihrem Anblick musste ich
würgen.
Und ALLES –
die Suppe, die Klunker –
schmeckte
nach dem widerwärtigsten Nichts, das jemals
in die Form von Nahrung gebracht wurde.

Vielleicht war das nur
der Fehler meiner Mutter?
Ein Fehler im
Rezept?

Egal.

Nach 2 Bissen
rannte ich in die Küche &
spuckte alles in den Mülleimer
(der Weg zum Klo wäre mir zu weit gewesen).

Was danach geschah,
brauche ich nicht mehr zu beschreiben.

Es ist gleichgültig
geworden.

Was mir nicht gleichgültig ist:
Ich hatte Glück.
Aus all diesen Dramen mit diesem
(immerhin EINMALIGEN)
Höhepunkt, den man
Klunkermus
nennt, ist keine Essstörung entstanden.

Mehr als ich
kann man
das Essen
nicht
lieben & genießen.

Und:
Ich kotze nicht.
Nicht wegen des Essens.
Zumindest.

Die Inneren Verletzungen,
die durch das alles entstanden sind,
haben sich
zu ihrem Ausgleich
andere Wege
ge-
sucht.

Und eigentlich
ist Klunkermus
ein schönes
Wort.


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