Eine Frau
liegt in einem Bett
& liest
in einem Traum:
Dies
In einem Traum
liegt in einem Bett
eine Frau
& liest:
Eine Frau
liegt in einem Bett
& liest
in einem Traum:
Eine Frau
liegt in einem Bett
& liest:
Dies
Gut, die Biografie eines Menschen zu kennen.
Besser, die Biografie eines Autors, eines Malers, eines Komponisten zu kennen.
Schlecht, sie nicht vergessen zu können – wenn es darauf ankommt.
Gehe ich doch, der Einfachheit halber, von mir aus. Wie immer.
Ich schreibsele etwas dahin…. es geht um Menschen (vielleicht nur um 1 Menschen; aber wer weiß das schon?)…. & wer glaubt, etwas über mich zu wissen, beurteilt das Geschreibsel sofort (bewusst oder unbewusst – vermutlich zumeist Letzteres) anhand dessen, was er über mich zu wissen glaubt. ‚Ach ja – DArum geht’s…. Aha, so hat er DAS verarbeitet…. Nu isser aber schlecht drauf….. zu kitschig! – zu gefühlig, na gut, man weiß ja, wieso….’
NICHTS weiß man. Und wenn man wirklich etwas wüsste, wäre es kein Beurteilungskriterium.
Ich schreibsele etwas dahin…. & dann vergesse ich mich – wenn ich es lese. Nur so beurteile ich. Nur so will ‚ich’, d. h. das was ich verbal dahinwerfe (denn nur das bin Ich) beurteilt werden. Man soll mich vergessen. Vergessen, was man zu wissen glaubt über mich. Abstraktion! DArauf kommt es an. Wenn etwas zu irgendwas ist, zu kitschig, zu düster, zu depressiv, zu albern oder was auch immer, dann ist das gewollt – durchdacht – bewußt eingesetzt. Auf einen Effekt bedacht. Vielleicht nicht jedes Mal im Moment des Schreibens, da dies zuweilen bloße Reaktion sein kann, aber auf jeden Fall IMMER im Moment des Stehenlassens.
Ist alles so passiert, wie ich es beschreibe? Ja.
In mir. – Vieles sogar 1 : 1 (& es ist treffend, dass das wie ein Unentschieden erscheint).
Und selbst wenn ich weiß, dass es anders war, schreibe ich doch die Wahrheit. Die einzige Wahrheit, die es gibt, wenn man etwas in Worte fasst. Um es – irgendwie – zu fassen zu bekommen. Um das Unfassbare, welches das eigene Leben darstellt, (irgend. wie.), fassen zu können.
Nun gut, auch ich war einst so naiv zu glauben, Alles, was die großen Ich-Sager, Ich-Erzähler sagten & erzählten, sei genau so geschehen. Und dann lachte ich über meine eigene Dummheit. Wie hatte ich jemals Henry Miller glauben können? Da er doch selber darüber schrieb, wie diejenigen, die in seinen Büchern erschienen, sich darüber beschwerten, dass alles ganz anders gewesen sei. »Hey Baby, in my stuff I am the hero«, sagt Bukowski.
Céline, Cendrars, Hamsun – ja, sie schrieben alle die Wahrheit.
Ich bin nichts. Und ich sage das nicht aus Mangel an Selbstbewusstsein. Sowohl Bewusstsein, als auch Selbst besitze ich in ausreichendem (wenn nicht übertriebenem) Maße.
Ach, warum schreibe ich überhaupt über dieses Thema? Vielleicht – weil ich mit Resonanz nicht umgehen kann (nicht einmal mit ausbleibender)? Vielleicht weil ich gerade nichts Besseres zu tun habe? Gewiss, ich könnte auch Staubwischen oder das Bett frisch beziehen. Oder schreiben, dass ich es tue. Und die Meisten würden es glauben. Und hätten vielleicht sogar recht damit.
Ich liebe Biografien. Weniges fesselt mich so sehr wie in Worte gefasstes, in Worte gegossenes Leben.
Doch ich vergesse sie auch. Wenn es darauf ankommt.
Niemand ist wirklich zu fassen.
Wie ein Fremder möchte ich gelesen werden.
Wie der Fremde, der ich
wirklich
bin.
Und jetzt –
vergessen Sie mich.
Ende!
in einem lichtlosen Raum
Geh ins sterbende Licht!
mit matt-gebrochenen Augen
& in der Finsternis
kann dein Schatten sich frei bewegen
im Nichts
Der Moment der Wahrheit
kann auch eine Lüge sein.
Ein falsches Lächeln
im richtigen Moment;
ein Lächeln aus Mitleid, das
die Tränen zurückhält.
Wenn ich, gehend, eine Kurve beschreibe
oder um eine Ecke biege, denke ich manchmal
zurück an jene wenigen Sekunden
in meiner Jugend…..
Ich ging über einen Parkplatz
in der Abenddämmerung. Ging
& verlor den Gleichgewichtssinn.
Ich hatte nach rechts gehen wollen
& wusste nicht, wo das war.
Ich wusste nicht, wo rechts,
wo links, wo oben oder unten
sich befanden. Ob Richtung
überhaupt existierte.
Der Himmel schien so nah
wie der Boden. Nichts
war auseinanderzuhalten.
Ich war nüchtern, doch ich torkelte.
Ich torkelte, doch ich fiel nicht.
Driftete irgend wo hin…..
Diese Sekunden gehören
zu den erschreckendsten meines Lebens.
Es war – als hätte ich in eine andere Welt geblickt
& die eigentliche Wirklichkeit gesehen;
gelöst aus den Fesseln
der menschlich-genormten Wahrnehmung.
Verlorene Orientierung
Verlorenes Gleichgewicht
Verlorener Sinn.
Jahrzehnte sind vergangen; es war
ein einmaliges Ereignis – doch
ich denke wieder & wieder
mit Grauen daran,
wenn ich um eine Ecke biege
oder, gehend, eine Kurve
beschreibe.
Es könnte erneut passieren.
Und dann vielleicht
für immer.
Laute Signale in der Dämmerung!
Sie hupt – wenn es dunkel wird
Hupt – wenn es Nacht &
sie alleine ist
auf jener Strecke
wo sie tötete
Und sie fährt ganz langsam
3 Rehe waren gestorben
in kurzer Zeit
in rascher Folge
Sie erzählte es mir
während meine Hand auf ihrer bloßen Brust ruhte
& das Sperma trocknete
»Mir doch egal, ob man mich
für bescheuert hält«, sagte sie.
Und unsere Füße berührten sich
Bremse & Gas
Runter vom Gas!
Ich fahre ganz langsam
über die Autobahn
dort – wo ich tötete
doch ich hupe niemals
Zu sehr liebe ich
die Ruhe
Es war nur 1
in meinem Falle
Und Alle überholen mich –
All jene, die niemals einen Unfall hatten
oder aber
vergessen konnten
All jene
die sich nie in ein Tier hinein versetzen
Die Warnschilder stehen am Rand
doch sie beachten sie nicht
Weder die Unvorsichtigen
noch die Tiere
»Mir doch egal, wofür man mich hält«,
sagte – oder dachte ich.
Solange du mich hältst, sagte ich nicht.
Blut
war auf die Straße gepumpt worden
Und war getrocknet
wie mein Sperma
inzwischen
Blut aus Herzen
die vergingen
So ist das
mit der Liebe.
Gas & Bremse
Doch Langsames Fahren hilft
ebenso wie Umsicht
auch nicht
immer.
Wir hatten uns
ineinander hinein
verletzt
& hätten uns doch
versetzen sollen
hinein!
natürlich
was denn sonst…..
Eins ins Andere.
Ja – was denn sonst?
Das Versetzen kam
ganz am
Ende.
Und es war verletzend –
ein letztes
Mal.
Manchmal
wenn ich draußen bin
klappert’s drinnen
in meinem Mund.
Immerhin: es sind meine eigenen Zähne
die da klappern…..
Nicht aus Furcht. Zumeist.
klapperklapperklapperklapper!
Und manchmal denke ich dann
an Chet Baker & all die Schneide- & anderen Zähne
die ihm fehlten.
My funny Valentine.
Man konnte es hören
in seinen späten Gesängen.
Vor seinem Fenstersturz.
Funny? – Bloody! – My bloody Valentine.
So sind sie: meine Assoziationen, meine Einfälle
& Erinnerungen. A thousand tumultuous recollections.
Und da ist dieser Film über Horst Janssen –
Ego heißt er (einer der besten Titel überhaupt) –
& Janssen sagt an einer Stelle: »Ich sollte
mir neue Zähne machen lassen«
oder so ähnlich; und sein lispelnder Mund, der
beinahe zahnlos grinst, erinnert mich
jedesmal an Chet Baker & Wolfgang Neuss.
Alkohol, Drogen, Schlägereien…..
Neue Zähne haben sie sich nicht machen lassen,
sofern ich mich nicht irre.
Wenn mir besonders kalt ist, nehme ich
ein Bad – & höre Chet Baker.
Und das Bad ist immer zu heiß. So heiß
dass ich Kopfschmerzen bekomme. So ist das
mit der Nostalgie.
Ich wurde schon als Kind zu heiß gebadet –
befürchte ich. Zumindest hatte ich oft Kopfschmerzen.
Das ist eigentlich ein anderes Thema – aber was soll’s.
So sind sie: meine Assoziationen.
Eingefallene Wangen…..
Niemand hat die Dichter gezeichnet
wie Janssen. Ich liebe seinen Poe.
Komm, leg dich zu mir
in die Badewanne,
Berenice! Und zeig mir deinen.
Ich lache
wenn ich komme
sofern es gut war
Ich kann es nicht kontrollieren
Ich lachte viel
bevor sie ging
Sie lachte auch
Doch nicht wenn sie kam
Es war gut
gemeinsam zu lachen
aus anderen Gründen
Nur zu sein
Nicht zu kommen
Nicht zu gehen
So hätte es bleiben sollen
doch es wollte nicht so bleiben
Denn man hat sie nie wirklich
die Kontrolle
Das Gelächter aus andern Gründen
war das beste überhaupt
beinahe abgründig
Nun kann ich’s ja sagen
da sie mich nicht mehr hört
Und ich lache nicht
wenn ich’s mir selber mache
Und ich erinnere mich
an unser Gelächter
wenn ich
nichts zu lachen habe
Niemand
hätte den kleinen Jungen davon abhalten können
mit der Geisterbahn zu fahren
so schien es
Niemand
hätte ihm die Augen öffnen können
solange es dauerte
Mit fest verschlossenen Lidern
fuhr er durch die Geräusche & Gerüche
den inneren Blick aufgerissen
die Pupillen geweitet in Dunkelheit & Schrecken
Wie langsam doch die Zeit verging
im Innern!
In der Künstlichkeit
die er nicht sehen wollte
Einmal fuhr ihm ein Schleier durchs Gesicht
& er erschrak
ganz stumm
Und da lag ein Arm
auf seinen Schultern
schwer & lebendig
Weiter! Weiter! Durch die Finsternis
der geschlossenen Lider
Durch die Bilder
die aus der eigenen Tiefe kommen
Nichts
in der Rummelplatz=Welt konnte
so grausam erschreckend, anziehend & wichtig sein
wie die Geisterbahn
Weiter! Weiter! Auf dem vorbestimmten Weg
ruckelnd & krachend
Endlich
stieß das Gefährt gegen die Flügeltüren
drückte sie in die Außenwelt
Der Junge öffnete die Augen
Vorsichtig
Alles
war zu grell
als die Fahrt zu Ende ging
Und die Erwachsenen behaupteten, es sei
Alles
nur Pappmaché & Plastik
Alles
nur halb so schlimm
»Nochmal!« sagte ich.
Mein Vater lächelte. »Hattest du die Augen offen?«
»Nein.«
»Machst du sie auf, wenn wir nochmal fahren?«
»Ganz bestimmt – nicht.«
»Na schön«, sagte er. »Ein Mal noch.«
Im Traum war ich
eine Summe
Ich erwachte
als Differenz
Damit hatte ich nicht gerechnet
Immerhin:
es gibt keinen Rest
bei Addition & Subtraktion
Keine Rechnung ist simpler
Vielleicht allein
die Abrechnung
Du & ich
Zeiger einer analogen Uhr
Wir treffen & trennen uns bei
nahe überall
Nur in der Mitte des Zifferblatts
bleiben wir stets vereint
wo die Bewegung der Zeit
kaum zu sehen ist
während sie doch vergeht
wie alles andere
Dort sind sie verbunden
unsere Enden
und bleiben es
auch wenn die Uhr zum Stillstand kommt
Er legte sich gerne in Kurven
als wäre er schnell unterwegs.
Am liebsten in die Kurven
der Geliebten
als wären sie der Weg.
Der Weg
zur Ruhe zu kommen.
Und das Ziel zugleich.
Sie kamen oft.
Kamen
zur Ruhe
zu sich
& zu
einander
ineinander
& lachten in den Lachen auf dem Laken.
Kalt waren die Lachen
& feucht.
Bevor sie trockneten.
Flecken der Erinnerung
die blieben
während sie gingen
die Geliebten
Und immer wieder
kam sie wieder.
Nur einmal nicht.
Und wer einmal nicht wiederkommt
kommt niemals wieder
denn einmal ist der Anfang
von niemals
wenn es ums Wieder geht
Er legte sich gerne in Kurven
als wäre er schnell unterwegs
Am liebsten in die Kurven
der Geliebten.
Und dann war sie
weg.
»Diese großen dunklen Augen«, sagte sie,
tief hinein schauend
scheinbar tauchend.
Beinahe klang es – als
liebte sie mich
Ich fiel….
Tatsächlich
suchte sie nur
nach ihrer
Spiegelung
auf der Oberfläche
….darauf
herein
in die Tiefe
tauch
end
Nein!
Es ist kein Schwelgen
in Erinnerungen.
Es ist nichts
Besänftigendes.
Es ist ein Stochern
im Gedächtnis…..
In dieser Halde
am Rande des Abgrundes
wo die heißen Dämpfe der Verwesung
die Bilder flirren lassen
& Unbeachtetes plötzlich glitzert
im Müll.
Nein. Kein Schwelgen.
Nichts Gemütliches.
Nur Stochern
& Suchen
am Rand. Vielleicht sogar
am Rande
des Wahnsinns
Wer bin ich?
Wie bin ich
hierher gelangt?
Was macht mich
aus
Mein Bruder glaubt bis heute
mich schwimmen gesehen zu haben
in unserer Kindheit.
Dabei
konnte ich nicht schwimmen.
Und kann es bis heute nicht.
Ich ließ mich bloß treiben
auf dem Meer.
In einem Rettungsring.
In Sichtweite der Erwachsenen.
Mein Bruder erinnert sich
falsch.
Er erinnert mich
an all die Anderen
die glauben zu wissen
wie
ich durchs Leben
gehe.
Es ist gleich
gültig mit wem man
mich vergleicht –
mit
einem von mir
geliebten oder bewunderten Menschen
oder mit
Hitler
Es ist gleich
gültig womit man das
was ich tue oder erschaffe
vergleicht
Ich hasse alle Vergleiche
die sogleich das Gleiche finden
in gleichem Maße!
Der vergleichende Blick übersieht
so leicht
das Unvergleichliche
& zu selten wird unterschieden
zwischen dem Vergleich
(der nur eine Suche ist)
& der Gleichsetzung
(die das Unwesentliche gefunden hat).
Raub der Individualität.
Reduktion der Persönlichkeit.
Nivellierung & Ein
ordnung des Charakteristischen
in Tat & Werk…..
Ich hasse alle Vergleiche –
im Guten
wie im Schlechten
oder
Bösen.
Es sei denn
sie finden sogleich
den Unterschied
der
Ich
ist.
Eine mir unbekannte
Frauenstimme sagte:
»Ihr Anruf kann im Moment nicht entgegengenommen werden.«
Sie sagte es zu jemandem
im Hintergrund.
Es war das,
was sie gehört hatte
als sie mich anrief.
Das, was ich hörte
auf meinem Anrufbeantworter.
Worte, die sie weitergab, während die Aufzeichnung lief;
Worte einer automatisierten Ansage,
die von einer mir ebenfalls unbekannten Frau
gesprochen worden waren; von der Stimme
in meinem Anrufbeantworter.
Eine Rufnummer wurde nicht übertragen; die Anruferin
hatte es so eingestellt.
Alle Anrufer, die ihre Nummer unterdrücken,
erhalten jene Antwort – direkt & unvermittelt; ich
habe es so eingestellt.
3 Mal hatte sie versucht mich zu erreichen –
während ich schlief.
3 Mal hatte es nicht geklingelt –
aufgrund unserer Einstellungen.
Eine Nachricht wurde nicht hinterlassen.
Schade.
Es hätte
eine große Liebesgeschichte werden können.
Mit einem
Mord
am Ende.
Einem Mord aus Leidenschaft.
Mindestens.
Die Träume
in denen ich saufe
sind mir eine Hilfe
denn in ihnen bin ich maßlos
enttäuscht
von mir
& meiner Schwachheit
Geträumte Rückfälle
Doch dann: das Erwachen
Froh – & beinahe glücklich
Denn es gibt nicht viele Träume
in denen ich schwächer bin
als
in der Wirklichkeit
Eine Frage wurde gestellt.
Eine Frau stellte sie mir.
Und ich gab Antwort.
»Sag – wie bist du damit fertig geworden?«
»Ich glaube einfach
nicht, dass es so bleiben wird.«
»Ich kann das nicht«, sagte sie. »Du
hast Glück.«
»Glück?« sagte ich. »Es ist nicht
wirklich Glück. Es ist bloß
Vorstellungskraft. Die Kraft der
Einbildung.«
2 Tage zuvor hatte ich ein Haar gefunden.
Ein langes blondes Haar zwischen meinen schwarzen Socken.
Auffälliger hätte es nicht sein können.
Es roch nach
Nichts.
Ich konnte es nicht
wegwerfen.
Glück – Vorstellungskraft – Kraft der Einbildung –
eigentlich war das doch Alles
das Gleiche.
Es riss
mich aus dem Schlaf
wie eine Seite
aus dem Album der geträumten
Bilder
Es wird immer
dünner
& niemand
weiß wohin
die Seiten verschwinden
Es
ist
dieses
Bewusst
Sein
Elektrisches Insekt
Spiegelkuss im Aufzug
Weißwankende Wolke
Buntes Ei auf Empfang
Zusammenhanglos oder lose zusammenhängend?
Ich hasse das Geräusch des Ventilators im Aufzug.
Nachts hallt es durch die Hotelhalle
wie das Gesumme eines stromgefütterten Insekts:
stechend, störend, nervend.
Es stört mich beim – nennen wir’s ‚Arbeiten’;
aber auch bei allerlei wichtigen Untätigkeiten.
Ich kann ihn ausschalten so oft ich will –
irgendein Mensch (vermute ich) schaltet ihn wieder ein.
Essummtessummtessummtessummt – also
gehe ich zum Lift, greife
nach dem Kippschalter…..
Jemand hat den Spiegel geküsst!
Den Spiegel im Aufzug.
Mit dunkel bemalten Lippen….
Der Abdruck des Kusses wandert über mein Abbild,
wenn ich mich bewege.
Ich hasse Lippenstift. Den Geschmack des Künstlichen.
Doch ich liebe
die Abdrücke – Lippenmalerei
auf Glas, auf Zigaretten, auf meiner Haut.
Die Linien; die Lücken; die Öffnungen.
Eine Erinnerung.
Die mich bewegt.
Wer hat den kalten Spiegel geküsst?
Ich weiß es nicht – & werde es nie erfahren.
Nur ihre Größe kann ich erahnen; die Höhe ihres Mundes;
die Fülle ihrer Lippen (natürlich: ich kann mich täuschen –
wie so oft; doch solange mir Wahrheit & Wirklichkeit nicht
dazwischenfunken, habe ich recht. Und niemand sonst.).
Kipp! Es wird ruhig. Der Schalter steht wieder oben.
Und ich setze mich hinter die Rezeption. Träume dem Kuss hinterher.
Einsam – selbstverliebt – übermütig – wie war sie gewesen?
Während der Fahrt durch die Nacht bitte nicht mit dem Nachtportier reden!
Aber keine Sau hält sich an die Regeln der Träumer.
Die Drehtür fächert eine alte Frau ins Hotel.
Die Frau wankt. Ihre Frisur: eine leuchtend-weiße Schäfchenwolke;
jederzeit könnte sie anfangen zu schneien.
»Gibt’s hier noch was zu trinken?«
»Nein«, sage ich.
»Dassissblöd«, sagt sie.
»Tja. Da ist noch die Minibar.«
»Nee – alleine trinken macht kein´ Spaß.«
(Wie wenig ihre Erscheinung & ihr Alter zu ihrer Trunkenheit passen,
denke ich – & weiß, dass dieser Gedanke unsinnig ist. Immerhin:
sie trinkt nicht allein. Fast klang es wie eine Einladung. Doch
ich trinke nicht mehr. Und als ich noch trank, tat ich es allein.)
»Ich hab meine Zimmernummer vergessen, können se ma grade gucken?«
(Ob ich grade gucken kann? -)
»Ich vergesse meine auch immer, wenn ich zurück in den Knast muss«, sage ich.
Sie lacht. Rauh, besoffen.
Ihr Lippenstift ist grell.
Sie sagt mir ihren Namen; ich sage: »Drei Null Acht. Dritter Stock, rechts.«
»Dann nehm ich mir noch ein Ei.«
Und sie greift zu.
Erwähnte ich, dass es auf Ostern zugeht?
Also: es geht auf Ostern zu. Karwoche.
Ein grünes Nest steht auf dem Empfangstresen.
Bunte Eier, hartgesotten.
Sie nimmt sich das gelbe. Symbolträchtig.
Sagt »Gute Nacht« – & wankt zum Aufzug.
Ich sehe ihren bewölkten Hinterkopf.
Ob sie den Kuss sehen wird?
Sie dreht sich nochmal um…. »Zweiter Stock?«
»Nein, dritter.«
»Zwei Acht Null?«
»Nein – Drei! Null! Acht! Dritter Stock. Rechts.«
»Ah ja.«
Und sie verschwindet in der Kabine.
Allein. Mit ihrem Ei. Und dem geküssten Spiegel.
Es zieht sie hinan. Mit Ruckelgeräusch. Auch der Aufzug
ist nicht mehr der jüngste.
Sie könnte die Größe der Küssenden haben, und wenn sie
in den Spiegel schaut….
Nächtliche Gedanken. – Vielleicht war es
ein Transvestit, der seinen Abdruck hinterlassen hat?
Die nettesten Gespräche habe ich oftmals mit Transvestiten
mitten in der Nacht.
Ach ja – die Romantik!
Am frühen Morgen
wird die Putzfrau
kommen. Und manchmal
summt sie
beim Wischen.
Ich schwärme ein bisschen für sie –
& mag ihr Summen.
Doch mit dem Kuss
im Aufzug
wird es dann vorbei sein.
Und vermutlich hat die alte Frau
gerade jetzt – auf dem Weg nach oben –
den Ventilator eingeschaltet; und vielleicht
schneit es nun
auf ihre Schultern.
Durch den Wald der Verdrängungen
gehen wir
verlaufen wir
uns
im Vergehen
Das Leid pfeift ein Lied
in uns
um sich zu vergessen
Und immer tiefer wird der Wald
immer dichter sein
Bestand
Im Lichtlosen verstummten die Erinnerungen
Doch nichts ist tot
bis wir es sind
Herabgefallenes knistert & bricht
unter unsern Schritten
Und es riecht nach Blühen & Verwelken
nach Blättern die sich lösen
Unsere Wurzeln sind bloß
Fangarme
überirdische Tentakel
die Nichts halten
können
auf Dauer
Wind bewegt die schwachen Äste
mit Gewalt
Und wer glaubt
einen Weg gefunden zu haben
unterliegt
nur einer Täuschung
Wald der Verdrängungen
Wald der Märchen
die wir uns verschweigen
Und irgendwo liegt eine Lichtung
ein entblößter Fleck
glatt wie ein krankes Gehirn
ohne Windungen
Unbeschattet & friedlich
Dort
ruht das Vergessen
& wir
in ihm
Endlich
am Ende
Als wäre
Nichts
gewesen
Was sie gesucht hatten
im Unbestimmten
fanden sie an
einander
Doch das Gefundene
war nicht dazu bestimmt
die Suche zu
ersetzen
Die Sehnsuche
die erfindet was
nicht
gefunden werden kann
Nicht
wenn man sich
nicht (einander)
zufrieden
giebt
…. wenn man fühlt
dass die Resonanz auf Worte
die Wahl der Worte beeinflusst.
Zeit zu schweigen
bis
man
sich
wieder
erhaben
fühlt
Es geht um
die Form
Um Gefühl & Gedanken
& Stil
Es geht um
Viel
Um Formgefühl
Es geht um
Leben & Tod
& Leichtigkeit
Um Liebe, vielleicht
Wenn
es geht
Der alte Mann war Stammgast
in diesem Hotel.
Und er erzählte dem Nachtportier,
der ich war, von
Norwegen & vom Tod.
Auf seinen Schuhen war
Kartoffelstaub. Der alte Mann wusste es
zu erklären, und ich hörte zu.
Dann lächelten wir.
Er tanzte gern.
Das war der Grund.
Und in dem Büro hinter dem Empfang
stand mein Essen.
Und da war keine Sättigungsbeilage
auf dem Teller; ob
wohl die Köchin mich mochte.
Manchmal
passt einfach Alles
zusammen.
Oftmals konnte mein Vater sich nicht mehr erinnern
wie er von der Arbeit nach Hause gefahren war
als es auf das Ende zuging
Es war das End
stadium
Etwas fraß an seinem Gedächtnis
Angekommen
war er erschrocken darüber
Aber oft
würde er diese Strecke ohnehin nicht mehr fahren
Das
vergaß er nie
während er von seinem Vergessen erzählte
Er war 5 Jahre jünger
als ich
heute
Oftmals kann ich mich nicht mehr erinnern
wie ich von zuhause zur Arbeit gefahren bin
Ich bewege den Wagen wie in Trance
durch die Dunkelheit
Zu gut kenne ich diese Strecke
Zu oft bin ich sie gefahren
um darüber nachzudenken
Ich denke an
Alles Andere
Ich träume & habe keine Ahnung
in welchem Stadium ich bin
Manchmal weckt mich ein Tier
Dann bin ich erschrocken über meinen Leichtsinn
Doch das ändert nichts
Ich erzähle von meinem Erinnern
Irgendwann werden alle Wege vergessen sein
Und ich werde ankommen
wo Alle
am Ende
sein werden
Sie kommen!
Aus ihren Bauten.
Gehen
in ihre Gärten.
Maschinengleich.
Und gleich werfen sie
ihre Maschinen an.
Betäubender Lärm,
der alles zerstört.
Doch sie, die Maschinenführer, sind längst schon betäubt;
und zerstört ihre Augen & Ohren.
Ruhe, Schönheit, Wildnis – weg damit!
»Ich habe nichts gegen Natur, aber
gepflegt musse sein.«
Stutzen, Zupfen, Fassonieren,
Saugen, Blasen,
Gleichmachen!
Alles auf Gutbürgerlich.
Buntgenormte Beete. In Grabesform.
Es wird gesprengt & belüftet
& Zeit vertrieben.
Bete & jäte!
Sauber & ordentlich.
Die Schmetterlinge können sich nur wundern.
Rattarattaratta!
Haltet die Triebe in Schach!
Was erlaubt sich das Laub?
Ich –
möchte der Schandfleck sein,
der die Umgebung entwertet – nach dem Urteil
dieser zivilisierten Gärtner, die ihre Gärten halten wie Sklaven;
der eine Same möchte ich sein, der einsam über ihre Zäune fliegt
& von dem alle Verunkrautung ausgeht.
Ungezügelte Natur,
wuchernd – & nach ihrem Maßstab: hässlich
& beängstigend.
Fesseln möchte ich die Maschinisten.
Mit blauen Bändern.
Ihre äußere Ordnung stören.
Verstören. Zerstören. – –
Aber – natürlich –
es würde nichts
helfen.
Denn: gewiss sind diese Gärten
ein Abbild ihrer Herren;
Abbild ihres Denkens.
Oder, im günstigsten Falle:
ein Zeichen von
Unterwerfung.
Ach ja – der Frühling!
Eine wahrhaft widerliche Jahreszeit
solange man
unter Menschen lebt.
Über
All
Holz
Wände
aus Spanplatten
Giftige Dämpfe –
Formaldehyd
verflogen
& weggeatmet
von mir
im Laufe der Zeit
Ein Fertighaus aus den 60ern
Ein paar Jahre jünger
als ich
Das Holz arbeitet
während ich nur so daliege.
Und die Geräusche kommen
wenn die Temperatur sich ändert
Ich brauche nicht auf Holz zu klopfen
Es klopft in ihm
Als hätte es ein Herz
irgendwo
eingemauert oder lebendig begraben
Doch Glück ist unwahrscheinlich
Kupfervenen
die hoffentlich noch eine Weile durchhalten
werden
Und es knackt wie ein Gerippe
beim Tanzen
während ich
ganz still bin
Im Tiefkühlfach
die Fertiggerichte
Ich:
im Bett
Das Blech im Herd erschreckt mich
fast zu Tode
mit seinem Knall
In diesem Haus ist
einfach
Alles fertig!
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