Archiv der Kategorie: Alles
Verflucht! dachte er, Hör auf
mich anzulächeln…. Ich brauche
keinen frischen Wind
in meinem Herzen
Wind
der doch nur zum Sturm wird
und Alles fortweht &
vernichtet
was
mich
aus
macht
Hör auf!
Ich will nicht zurück!
Hör auf!
Hör auf!
Nicht
noch ein Sturm
Verflucht!
Hör auf!
Sonst
muss ich zurück
lächeln
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Wie oft ich doch verstumme
im Angesicht der Schönheit
die schweigt
Dabei mag
Sie
Es
Sein
die sich am meisten sehnt
nach einem
ehrlichen
Wort
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Stunden vergingen schleppend
in der Öde des Jobs. Auf irgendeiner Liste
fand ich eine Erinnerung. Ein Fremder
trug den Namen eines Menschen, den
ich gekannt hatte. Den Namen
eines Lehrers. Und ich erinnerte mich
an eine Abschlussfeier. Wo
er mich fragte: »Und – wissen Sie, was
Sie mal machen wollen?«
Solche Fragen waren mir immer peinlich.
Aber – erstens war er der einzige Lehrer,
den ich mochte; und zweitens war ich
vermutlich besoffen; also sagte ich:
»Am liebsten Gar Nichts…. das heißt…..
Schreiben wäre ok.«
Irgendwo in seinem Vollbart grinste es.
»Das ist doch was. Da haben Sie doch
wenigstens ein Ziel.« Und – nach einer
kurzen Pause – fügte er hinzu:
»Ich – habe keine Lust mehr. Ich kann so
nicht weitermachen. Immer wieder dasselbe
durchkauen, Jahr für Jahr, und kaum jemanden interessiert’s.
Irgendwie hatte ich mir das alles mal anders
vorgestellt.«
Ich schätzte ihn auf knapp 40. Er unterrichtete Englisch;
in erster Linie schien es ihm dabei um die Literatur zu gehen,
speziell Science Fiction hatte es ihm angetan. Und jetzt
hatte wohl auch er ein paar Gläser zuviel getrunken.
Deshalb sagte er: »Ich glaube übrigens, dass
Sie das können.«
Dann sagten wir nichts mehr.
Und ich sah ihn auch nie wieder.
Er hatte sich also alles ganz anders vorgestellt.
Und der Job ödete ihn an.
Ich blickte auf die Liste, blickte auf den Namen, den
ein Fremder trug …..
& die Fragen kamen von ganz allein.
Nein, ich hatte kein Ziel.
Die Stunden vergingen schleppend.
Aber die Jahrzehnte – na ja,
egal.
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(In Dich
Du
In Dir
Ich
im Wir)
Gehe
in Dich
in einem ruhigen Moment
Irgendwo dort
in einem stillen Winkel
der Zeit
die nur draußen vergangen ist
wirst Du
Uns
finden
noch immer
Denn noch immer
bin Ich in Dir
selbst wenn Ich selber
nicht mehr bin
Irgendwo in Dir
bleibt das
Wir
immer
bis Du gehst
& endest
wie Ich
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Tod, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Irgendwo träumte eine einsame Frau
mein Leben
Einsam & schön
Als sie erwachte
war ich tot
Alles
hörte auf
zu existieren
mithin
auch Sie
Ich schrak auf
aus meinem Schlaf
der mir ewig erschienen war
& begann
von Ihr zu träumen
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Einsamkeit, Kultur, Lyrik, Tod, Traum | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich warte noch immer auf den Satz,
den nur ich sagen kann. Den
Niemand vor mir sagte.
Aber gibt es eine Art zu sterben,
auf die noch Niemand vor mir
starb?
Zu dumm,
dass man nur ein Mensch ist.
Ich könnte nach London fliegen –
& beim Überqueren der Straße
den Linksverkehr vergessen;
ich könnte zuerst nach links schauen
& von rechts überfahren werden.
Aber
selbst das gab es schon.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich hasse lautes Wetter.
Also hasse ich Gewitter.
Ich hasse Regen, weil er plätschert.
Ich hasse Schnee, weil er geschippt wird; das macht Krach.
Ich hasse Sonne, weil dann zu viele Menschen draußen sind,
die Lärm machen.
Ich hasse Wind, weil er heult.
Jetzt wird’s schwierig. Was bleibt da noch?
Schnee & Sonne wären ganz okay,
wenn da nicht die Menschen wären.
Man kann sie nicht erschießen.
Denn auch das macht Krach.
Und näher möchte ich den meisten nicht kommen.
Was bleibt –
ist die Musik
& so manche Nacht.
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Ich atme ein
& arte aus
Luft
Lust
Worte
Aus.
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So wie das Haar über ihren Rücken fiel
als sie sich aufsetzte im Bett
während ich liegen blieb
So wie die Worte fielen
während sie sprach & ich zuhörte
sie sitzend, ich liegend
So fielen die Schatten der Bücher
auf den Boden neben dem Bett –
aus Notwendigkeit
Es konnte alles nicht anders sein.
Und alles im Schein
meiner Lieblingslampe.
Hätte sie nicht geschienen
würde ich das Haar nicht gesehen haben;
die Bücher hätten keine Schatten geworfen,
und die Worte
wären im Dunkeln gefallen.
Es hätte nichts geändert.
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Da will man etwas festhalten
& strengt sich so sehr an dabei,
dass die Hand ganz schweiß-
nass & schlüpfrig wird …..
Unangestrengt
wäre die haltende Hand
& ihr Griff
trockener & sicherer
geblieben.
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Sie saugte
Staub um mich herum,
die Putzfrau, die nicht die Putzfrau war,
die es mir angetan hatte – mit
ihrem Lächeln & ihren schwarzen Shorts
im vergangenen Sommer. Der Sauger
macht immer denselben Lärm, was
ungerecht ist. Aber so sind sie,
diese Sauger; und ich –
ich löste mich wohl all
mählich auf. In Staub. Doch
worauf ich eigentlich hinaus
will: die Putzfrau
lärmte, eine Horde Koreaner
schwärmte durch die Lobby – sofern
eine Horde schwärmen kann; eine
alte Dame gab ihren Schlüssel ab,
was besser war als wenn’s der Löffel gewesen wäre,
und meine Arbeitsnacht war fast vorbei –
da fiel mir etwas ein. Zur Unzeit.
Eigentlich. Denn meine Ablösung
zog sich bereits im Keller um.
Eile war geboten. Schon
wieder Worte, die heraus wollten.
Und ich mag es nicht
Gedicht nennen.
Tue es aber
meist
nur um der Bequemlichkeit willen.
Also: ran an
den Hotelcomputer,
Programm öffnen,
Wörter in die Tasten hauen,
hochladen (obwohl veröffentlichen
schöner klingt) – nicht noch einmal
darüber nachdenken – &
fertig!
Nein – so wird nicht Kunst gemacht.
Schade, aber ich
kann es nicht ändern. Ich würde ja gern.
Auch ich säße lieber im stillen
Kämmerlein aus Elfenbein
& ließe mir mit Palmenwedeln
schwüle Luft zufächeln – von
nackter Bewunderung in
leicht beschürzten Frauenkörpern –
indes ich irgend etwas
ergösse……
Ein Traum, den man wohl noch
wird träumen dürfen.
Während die falsche Putzfrau um einen herum
saugt; die Ablösung ihre Kleidung wechselt
& Koreaner schwärmen…..
so wie ich
für schwarze Shorts
am Arsch der Muse.
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Fast fühlt es sich an
als hätte ich jetzt
Alles gesagt,
was ich zu sagen hatte.
Obwohl ich
so oft geschwiegen habe
in meinem Leben.
Ich sollte auf
hören, Worte irgendwo
hin zu bringen.
Doch vielleicht bleibt
mir nicht genug Zeit,
um (noch ein Mal)
Nichts
zu sagen.
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»Du bist Luft für mich«, schwieg sie.
Auch ich war ganz still.
Ich atmete tief ein, um
zu leben – die Luft
die ich war.
Und
ich verschwand…..
Heißer Wind, der
unter ihren Rock wehte, um ihn
ganz leicht
anzuheben. Bis
sie lächelte.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Erotik, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Erotik/Sex (eine Auswahl), Gedichte/Texte
Die Flasche kreiste durchs Sonnenlicht
von Hand zu Hand, von Mund zu Mund
im Uhrzeigersinn.
Wir saßen auf dem Rasen
irgendwo in einer fremden Stadt.
Eine kleine abgesplitterte Gruppe.
Schulausflug. Mit Sekt.
Nach einer Umrundung würde die Flasche
vermutlich leer sein.
Links von mir saß
die Hübscheste. Von allen Kursen, allen
Klassen. Eine Klasse für sich, die
mit niemandem zusammen war.
Rechts – saßen
auch irgendwelche…… Jungs mit
ungeputzten Zähnen &
Andere, die ich vermutlich vergessen habe.
Und niemand wischte die Flaschenöffnung ab
vor der Berührung mit den eigenen Lippen.
Ich hätte es wohl gerne getan. Angesichts
des Halbkreises zu meiner Rechten. Tat
es aber ebenfalls nicht. Setzte
an. Trank. Sekt. Vorsicht
beim Absetzen…. dass nichts
übersprudelt…. Das
wäre peinlich!
Alles ging gut. Der Sekt war warm, doch
das war egal. Ich reichte
die Flasche weiter. Und
die Hübscheste…. von allen Kursen, allen
Klassen…. die Klasse für sich, die mit niemandem
zusammen war….. ging
– einmal kurz – mit der Handfläche über die Öffnung
der Flasche. Vielleicht
hatte es beiläufig sein sollen, vielleicht
war es allen anderen egal; doch
in meiner Gegenwart kann nichts Beiläufiges geschehen.
Nicht – solange mein Herz schlägt.
Vielleicht also hatte es beiläufig sein sollen, aber
sie flüsterte etwas….. Etwas, das all ihre Versuche
in dieser Richtung zunichte machte. Sie flüsterte:
»Da war was.«
Ich schaute sie an, und sie war rot geworden.
Sie schaute mich an. Da war was. Sie hätte es nicht sagen
müssen. Ich verstand: Ich habe sie nicht
deinetwegen abgewischt.
Sie nahm nur einen kleinen Schluck. Dann reichte
sie die Flasche weiter. Viel war nicht mehr darin. Ich
habe vergessen, an wen sie die Flasche weiterreichte.
Dabei hätte ich diese Person sein wollen. Links
von ihr hätte ich sitzen wollen. Und da wäre
nichts wegzuwischen gewesen. Ein
gläserner Kuss – von ihr.
Dieser verdammte Uhrzeigersinn!
Dort wo ich saß, würde der richtige Platz gewesen sein –
wenn es diesem Sinn entgegen gegangen wäre.
Sonne. Sekt. Sinn. Sehnsucht. Das Übliche eben.
Die Zeit hatte eine falsche Richtung. Vielleicht.
Ein kleiner Moment. Ein Augenblick.
An so etwas erinnert man sich
auch nach über 30 Jahren.
Und immer mit diesen Worten:
Da war was.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Jugend, Kultur, Liebe, Lyrik, Sehnsucht | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Gern würde ich
außerhalb jeder Tradition
stehen –
aber meistens
liege ich einfach nur
im Bett.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Da ist ein Garten auf der anderen Seite der Straße,
vor meinem Schlafzimmerfenster.
In dem Garten bellte ein Hund,
den die Menschen allein gelassen hatten.
Ich wollte den Tag verschlafen
& konnte es nicht. Der Hund
bellte den ganzen Tag hindurch.
Ich hätte ihn gerne erschossen
in einem Traum, den ich
nicht träumen konnte
seinetwegen
ihretwegen
meinetwegen.
Und so
musste er weiter bellen.
Wie
wir alle.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Einsamkeit, Kultur, Lyrik, Tiere, Traum | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ja, Entschuldigung, das mag jetzt kitschig
klingen – einmal mehr -, aber ich sagte:
»Ich weiß schon jetzt, dass
du mir das Herz brechen wirst.«
Und sie sagte:
»Warum sollte ich das tun? Das
wird nicht passieren.«
Und, ja, Entschuldigung, das mag jetzt lustig
klingen – ein weiteres Mal -, aber ich glaube:
Sie hatte recht.
(Und außerdem
könnte es auch schon vorher kaputt gewesen sein.)
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Bist Du’s?
Ist sie’s?
Wer spielt?
Als kleiner Junge war ich so verschwärmt
in Marina Vlady – wie in so viele
Andere. Nur anders. Weil es immer
anders ist. Und, wer weiß, vielleicht war sie es
am Anfang nicht einmal selbst, die
ich sah, so jung & verschwärmt wie ich war.
Sie hatte eine Schwester, 8 Jahre älter als sie &
ebenfalls Schauspielerin. In der richtigen
Beleuchtung waren sie wie Zwillinge.
Zumindest für meine naiven Kinderaugen.
Und eine Zeitlang wusste ich nichts
von dieser älteren Schwester, die sogar
einen anderen Nachnamen trug.
Welch seltsame Unsicherheit & Verwirrung
wenn ich einen Film mit dieser Anderen sah; mit
dieser Frau, von deren Existenz ich nichts ahnte.
Ich sah sie, glaubte zu wissen, wer sie war
– & zweifelte doch. Sie war der Schwarm,
mit dem etwas nicht stimmte. Weil
das Gefühl nicht passte.
Welchen Namen hatte ich im Vorspann
nicht gelesen? Konnte ich überhaupt lesen –
damals? Hätte ich lesen können?
Ja, es war seltsam. Solange es dauerte.
Und die Auflösung war so banal. Schade.
Und heute? –
Habe ich das alles jetzt erfunden? War es vielleicht
gar nicht so? Wer kann das wissen? Außer mir. Und
weiß ich es denn? Es war verwirrend, ist
verwirrend & bleibt verwirrend; wie
das Gefühl, das ich hatte – jedes Mal
wenn ich Odile sah. Bevor ich erfuhr, wie sich
alles verhielt.
Aber eigentlich geht es ja um etwas ganz anderes.
Du siehst eine Frau….. und…..
Ach, Marina!
Du wurdest nie
zu einer dieser Ikonen, die jeder kennt,
kein Kaffeetassenmotiv, kein
Gesicht auf einer Müslischale.
Und das ist schön.
Du spieltest nie in einem Meisterwerk –
& hättest doch einen besseren Text verdient
als diesen, der alles andere ist als
das. Und ich werde jetzt nicht
nachschauen, ob Du noch lebst
& Deine Schwester tot ist –
oder umgekehrt. Oder
ob Alles ganz anders ist.

Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Film, Kindheit, Kultur, Liebe, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich wachte also auf.
Wie immer.
Ich wache immer auf
irgendwann.
Eigentlich
ist das merkwürdig.
Nicht
merkwürdiger als vieles
Andere.
Aber ebenso
merkwürdig.
Wenn man darüber nachdenkt.
Nur: wer denkt schon
darüber nach?
Niemand.
Zumindest nicht viele.
(Keine Zeit für sowas! denken die wohl.)
Vermutlich erwachte ich
mit dem Ausdruck der Überraschung
in meinem Gesicht.
Doch es war niemand da,
ihn zu sehen.
Das war nicht überraschend.
Aber merkwürdig.
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Schon lange hatte ich
ein Gedicht schreiben wollen
über Tarzan & Godzilla
Doch dann musste ich
feststellen, dass es
das schon gab.
Also
schrieb ich 1
über die Liebe.
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Irgend etwas stimmte nicht
von Anfang an, aber
man konnte darüber hinweg
gehen
sehen
liegen
küssen
ficken
lecken
kommen
& versuchen, es
zu vergessen, da
man ja niemals will,
dass etwas nicht stimmt
weder am Anfang
noch in der Mitte
oder am
(aber da war es dann auch schon: das)
Ende.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Sex, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Schreie, Schweiß, gespreizte Beine,
maskierte Menschen.
Kaltes Licht, Kalte Kacheln, ein
nasser Kopf mit schwarzem Haar
kommt aus einer Öffnung…..
Schläge
& wieder Schreie
Blut, Schmerz
Der keuchende Atem einer Frau
& ein anderer Atem, der noch übt
Ein Mann mit unsichtbarem Mund sagt:
»Ein Junge. Sieht
gesund aus. Aber
ich glaube, er träumt.
Er scheint mir
nicht
lebensfähig.«
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In der Bücherwand lebte das Bild der Mumie.
In einem der Wohnzimmer meiner Kindheit.
Irgendwo – im zufällig erscheinenden Farbmuster
tausender Rücken aus Leinen, Leder & Pappe wartete
der Tod auf mich. Der Tod als plötzliche Gewissheit.
Götter, Gräber & Gelehrte hieß das Buch
(ein Bestseller, Pfui Deibel!).
Nichts ahnend blätterte ein junges Ich darin –
Fotos goldener Schätze; Vasen, Masken, bunt & schön;
die Landschaften Ägyptens & die Gesichter von Männern, die
sich über einen Sarkophag beugten & die Ruhe eines Toten störten…..
Und diese 1 Seite, die ich umschlug, war
die Grabkammertür zu künftigen Albträumen.
Der Kopf des verstorbenen Pharaos starrte in mein Kindgesicht
aus grauen Augenhöhlen; – Jahrtausende senkten sich
auf mich herab, und der Tod griff nach mir
wie eine Wirklichkeit, von der ich immer nur
fantasiert hatte – in den dunklen Zimmern der Schlaflosigkeit.
So wirst DU aussehen …. So werden DIE ELTERN aussehen ….
So werden DIE BRÜDER aussehen …. grau, papieren,
rissig, geädert, die Lippen zurückgezogen vom brüchigen Gebiss ….
Der Tod Der Tod Der Tod! …. Sieh es dir an, dieses Bild! Das bist
Ich schlug das Buch zu. Stellte es zurück. In die Bücherwand.
Nie wieder wollte ich es öffnen.
Als wäre es notwendig gewesen – noch einmal
hineinzuschauen! Das Bild lebte. Pulsierte in mir
lebendig, nur allzu lebendig – lebendiger als jede Anschauung,
lebendiger als jeder Nachtmahr, plastisch
wie eine überfahrene Katze in der Straßenmitte.
Doch allein – dieses Buch im Hause zu wissen, zu wissen,
dass dieses Foto mir so nahe war; dass dieses Mumiengesicht
aus einer Seite heraus auf die gegenüberliegende Seite des
geschlossenen Buches starrte – aus grausiggrauen Höhlen,
die lid- & mitleidlos waren….. DAS allein, und allein zu sein
mit diesem Buch in diesem Haus in dieser Kindheit mit diesem
Wissen! …..
Natürlich – zog es mich – wieder & wieder – in die Nähe
des Buches – wie es einen immer zieht – in die diversen Nähen
all dessen, was nicht fern genug sein kann….. Es zog mich, und
es zieht mich in die Nähe des Gedankens, in die Nähe des Todes,
in die Nähe der Todesgedanken. Und der Bücher. Wieder & wieder.
Das Buch ging verloren. Irgendwann. In einem Wechsel – bei
einem Umzug. Ich vergaß es. Beinahe. Und
dann kaufte ich es mir neu. Jahrzehnte später. Es zog mich zurück. Doch
es hatte seinen Schrecken verloren. Die Erinnerung an das Grauen
war nicht das Grauen selbst. Ja,
es hatte Tote gegeben – in der Zwischenzeit; Tote, die mich tatsächlich
erinnerten…. an dieses Bild. Und Andere, die
es nicht taten. Jahrtausende senkten sich auf mich herab, und
ich lebe noch. Wie das Bild der Mumie
in der Bücherwand meiner Kindheit.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Horror, Kindheit, Kultur, Literatur, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Da war ein Strand, und
der bestand aus dem Sand, der aus
Uhren gerieselt & geronnen war.
Zerbrochen war die Sammlung des Todes. All
seine Sanduhren – & niemand
wusste warum.
Ein Kind war gerannt durch
den Sand, den Strand entlang
& hatte geschrien. Vor
Schmerz.
Die Splitter des Glases der Uhren
der Sammlung des Todes zer
schnitten die kleinen bloßen Sohlen.
Das Salz des Meeres brannte
in den Wunden. Für Stunden. Das Blut
gerann – & die Zeit war seine Vergiftung,
die nicht zum Tode führte.
Und es weinte Jemand. Still
in den Sand. Es war
der Tod. Den
Niemand
mehr fand.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Tod, Traum, Zeit | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
In Worten
lässt es sich
wohnen
wie
in einem Verließ
oder
einem Garten
& wie
es dort aussieht
geht
Niemanden etwas an
Ketten
Wuchern
Schreie
Blühen
Und selbst
in fremden Wohnungen
hängen
die eigenen Bilder
in Worten
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Es sind immer die Richtigen
Menschen, die gehen;
Menschen, die bleiben.
Deshalb bleiben
oder gehen
sie.
Deshalb sind sie
die Richtigen.
Alles
Andere
ist nur
Phantasie
oder
Erinnerung.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Er sagte:
»Dein Ich zu verstecken
hinter der 3. Person, die
gar nicht existiert, ist
nur Grammatik.
Ist
Nichts. Für
mich.«
Dann nickte er, um
sich zuzu
stimmen.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ehret die Putzfrauen!
Sie säen nicht,
Sie ernten nicht –
& auch sonst
ergibt kaum etwas
einen Sinn.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Da war diese Hollywoodschönheit, und sie
griff mir von oben in die Hose, durch den Bund, und
ihre Zwillingsschwester schaute zu, die
es in Wirklichkeit gar nicht gibt, und
plötzlich waren beide fort, ohne
dass ich mich darüber wunderte….. ich
ging in den Keller meines Hauses
& hörte ein Stöhnen; es kam
aus dem Zimmer am Ende des Ganges, aus
dem Zimmer, das einst ein Schlafzimmer gewesen
& inzwischen eine Rumpelkammer war; unvermittelt
stand ich im Türrahmen – ohne
dorthin gegangen zu sein…..
Ein Mann, älter als ich, kniete nackt auf dem Bett, das
nicht mehr existierte, und die Geliebte der Vergangenheit
hatte seinen Schwanz im Mund & lächelte mir
mit ihren Augen zu – als es ihm kam….. Das
Sperma tropfte von ihrem Kinn auf die lakenlose Matratze,
und die Erektion, mit der ich erwachte, war
angenehm traurig.
Ich schickte ihr eine Nachricht:
Weißt du, was mir heute
aufgrund eines Traumes klar wurde?
Ich wünsche dir, dass
wenigstens du
Sex hast – wenn
ich schon keinen habe. Ohne
alle Ironie & ohne
einen bösen Gedanken in meinem Hinterkopf.
Und das – nicht aus Desinteresse
oder gar Gleichgültigkeit…. Es
fühlt sich gut an.
Natürlich antwortete sie nicht.
Sie antwortete nie.
Schon als wir noch zusammen waren
kam oftmals keine Antwort.
Es war, behaupte ich, eine Charakterschwäche, die
Stärke suggerieren sollte. Vor allem
sich selbst gegenüber wollte sie stets
stark erscheinen.
Dieser Hollywoodschönheit wäre ich beinahe
mal über den Weg gelaufen. Jahre zuvor.
In London.
Ich war mit einer Freundin dort, und wir
hatten uns für einen halben Tag getrennt, um
den eigenen Interessen nachzugehen.
Ich durchstöberte Antiquariate, besuchte das
Sherlock-Holmes-Museum & saß schließlich in einem Pub,
trank Guinness & rauchte Zigarillos.
Am Abend dann erzählte sie mir
von ihrem Einkaufsbummel. In einem
Schuhgeschäft, Nähe Carnaby Street, hatte sie
diese Schauspielerin gesehen – & es bedeutete ihr
nichts. Ganz beiläufig erzählte sie davon, während sie
von ihren neuen Schuhen schwärmte. Ich schwärmte
– ein wenig – für diese Schauspielerin. Damals.
Und konnte meinen Ärger nicht verbergen. Es war
lächerlich. Und traurig. Wieder etwas verpasst.
Ab & an meldet sich diese Freundin. Meist schriftlich.
Doch nicht immer antworte ich ihr.
Sie erwähnt gerne mal den Namen der Schauspielerin,
um mich freundschaftlich zu necken…..
Aber die bedeutet mir längst nichts mehr, und
es ist mir egal – sie nie gesehen zu haben
in der Wirklichkeit. Das
ist angenehm. Vielleicht auch
traurig. Angenehm
traurig eben.
Siehe auch:
Sherlock Holmes als Arme Sau
London
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Film, Freundschaft, Kultur, Liebe, Lyrik, Sex, Traum, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Es war der bequemste Anzug, in dem
er sich am wenigsten wohl fühlte.
Dort draußen.
Der Anzug saß perfekt, war
gleichsam eingetragen, war
weich & vertraut.
Doch der Mann spürte
die Blicke der Menschen
auf den glänzenden Stellen.
Den Stellen, die von
Alter & Abnutzung kündeten;
er spürte sie auf den Flecken, die sich
nicht mehr entfernen ließen – & die
vielleicht nur er sah – in
einem bestimmten Licht; er spürte sie
auf den kaum erkennbaren Fransen
am Ende
der abgestoßenen Ärmel
& auf den ausgebeulten Taschen, in denen er
alles Notwendige mit sich herumgetragen hatte….
Es war der bequemste Anzug, und
der Mann hing an ihm,
wenn er alleine war.
Der Anzug war alt.
Der Mann nicht.
Er hatte noch viel
zu lernen.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich hatte es irgendwo gelesen:
Ab 40 km/h
platzt die Kröte. Selbst
wenn man sie
zwischen die Räder nimmt.
Sie selber ist natürlich nie so schnell.
Es ist die Luft.
Arme Kröte!
Was für eine schöne Metapher du bist.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik, Tiere, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
»Warum hörst du mir eigentlich zu? Ich bin besoffen«, sagte er.
»Weil ich nüchtern bin«, sagte ich.
Später Abend. Stille. Vodka. Tee. Lampenlicht. Mein Wohnzimmer.
»Selber schuld«, sagte er.
»Ja, an allem.«
»Soweit würde ich nicht gehen. Aber auf jeden Fall an meinem Zustand.«
»Tja, der Schnaps muss halt weg. Ich habe zuviel davon.«
»Du meinst: du hattest zuviel davon.« Er grinste. Schluckte Klares. Freute sich über die Mehrdeutigkeit seiner Bemerkung. Oder hatte nur ich sie bemerkt?
Er sagte: »Egal. Wo waren wir grade? Äh, ach ja – beim Sex.«
Jetzt grinste ich. »Moment mal.«
»Hä? – Äh, ja, sehr lustig. Egal. Also, worauf ich hinaus wollte: ich mag doch eigentlich nur Frauen…..«
Ich sagte nichts. Ich wusste nicht, ob ich hören mochte, worauf er hinaus wollte. Ein Tisch voller Bücher stand zwischen uns. Die Vodkaflasche zwischen den Gedichten. Die Teekanne neben den Bildbänden. Augen aus Glas sahen mich an, rötlich zerfließend.
»Also, ich hab das noch nie jemandem erzählt. Wie gesagt: ich mag nur Frauen – aber: ich hatte öfter Sex mit Männern als mit Frauen.«
Dramatische Pause. Ein Geräusch von der Straße wäre jetzt richtig gewesen. Ein bellender Hund vielleicht, oder ein Hupen; gerne etwas Symbolträchtiges, das wie erdacht gewirkt hätte – aber man kann es sich halt nicht aussuchen; und so blieb es still.
Ich suchte nach einer intelligenten Erwiderung.
»Puh, das hatte ich jetzt allerdings nicht erwartet.« (Manchmal findet man eben nicht, was man sucht.)
»Na ja, nicht richtig«, sagte er. »Also, ficken würde ich nie. Auch nicht küssen. Oder kuscheln. Brrr.« Er schüttelte sich kurz. »Aber Wichsen & Blasen ist okay.«
»Warum erzählst du mir das?«
»Haha, keine Sorge, nur so. Weil ich besoffen bin & das mal raus will. Und – weil du dich mit Einsamkeit auskennst. Das ist nämlich der springende Punkt – die Einsamkeit. Das versteht nicht jeder. Und dass ich nur Frauen mag.«
»Ich glaube, jetzt wird’s kompliziert. Ich kann dir wohl nicht ganz folgen.«
»Na, ist doch klar. Ich war zu lange allein. Gewesen. Damals. Ist ja alles schon länger her. Allein, einsam – was auch immer; und je länger es dauert, desto höher wird dieses ganze Mauerzeugs um einen rum; und irgendwann kommt man an das, was man will, nicht mehr ran. Oder traut sich nicht mehr ran. Oder so. Na, ist doch klar, oder?«
»Klar.«
»Tja – aber Sex will man trotzdem.«
Ich starrte ins Teelicht. Es bewegte sich nicht.
»`ne Frau natürlich. Will man. Eigentlich. Aber mit so nem Kopf, so’m einsamen Kopf, der Angst hat, funktioniert das nicht. Selbst wenn’s in Wirklichkeit ganz einfach wäre. Und die Angst hat man ja nur, weil man zu lange allein war, und deshalb bleibt man noch länger allein. Und hat dann noch mehr Angst. Ach, scheiße. Kompliziert. Ja, hast recht: ist wirklich kompliziert….. Also, Frage: Was ist dagegen einfach? – Antwort: Was einem nichts bedeutet. Oder nicht viel, zumindest. Und was ist am allerallereinfachsten? – Notgeile Typen im Internet finden.«
Er lachte. Und trank. Trank. Und lachte. Und nur das Trinken überzeugte mich.
»Du erzählst das doch keinem?«
»`türlich nicht.«
»Gut. Eigentlich isses ja egal – aber, ach, was weiß denn ich…. Jedenfalls kann sich’s bestimmt keiner vorstellen…. bezah…. beziehungsweise, es würde keiner erwarten.«
»Wie gesagt«, sagte ich, »ich hatte es nicht erwartet.«
Er grinste. »Ich könnt´ dir Geschichten erzählen….. haha, echt lustig.«
»Ganz ehrlich: ich weiß nicht, ob ich die würde hören wollen.«
»Schade. Da war zum Beispiel n Bulle, der mich 3 oder 4 Mal besucht hat. In voller Montur. Uniform & Knarre, haha. Früh morgens, vor Dienstantritt. Der meinte, ich würde besser blasen als seine Frau.«
»Scheiße, das will ich jetzt wirklich nicht hören. Lass ma gut sein.«
»Leidenschaftlicher! Er hat gesagt, ich wär leidenschaftlicher bei der Sache.«
»Oh Mann, bitte. Das muss jetzt nicht sein.«
Da könnte man was draus machen, dachte ich. Schreiben! Ich sollte es ja nur niemandem erzählen. Niemandem, den er kannte.
»Warum nicht?« sagte er. »Ist doch spannend, haha. Übrigens hat er irgendwann ein schlechtes Gewissen bekommen. Hat er zumindest behauptet. Wegen seiner Frau. Die weniger gut als ich…. hahaha. Das war’s dann jedenfalls. Ach ja, hätt’ich fast vergessen: nebenher hatte er noch ne andere Frau; die wollte er irgendwann mal mitbringen – fürn Dreier. Aber dazu kam’s nicht mehr. Schade. Hätte die Liebe meines Lebens werden können. Also – die Frau. Wer weiß.«
Pause. Er schenkte nach. Trank. Schaute ins Glas.
»Er hat mich mit nem Gürtel verprügelt. Konnte man 2 Wochen später noch sehen.«
Wie ein Erdbeben. Ein Erdbeben, bei dem die Erde sich nicht auftut, um einen zu verschlingen. Da könnte man wirklich etwas draus machen.
»Übrigens waren die immer verheiratet. Also, so viele waren’s ja nicht. Aber immerhin: alle verheiratet. War mir auch lieber so. Und der Bulle war der Letzte. Und Interessanteste.«
»Verprügelt?«, sagte ich.
»Ja.« Grinsen. »In beiderseitigem Einvernehmen.«
Man kennt niemanden. Niemanden!
Der Tee schmeckte nicht mehr. Ich spiegelte mich darin. Zu lange hatte er über der Flamme gestanden. Es stimmte: ich kannte mich aus. Aus mit der Einsamkeit. Aus mit dem Alleinsein. Aber mit Menschen? Aus? Aus.
Er wird sich daran erinnern, es mir erzählt zu haben. Es wird ihm peinlich sein, es mir erzählt zu haben. Hauptsache, es ist ihm nicht peinlich, WAS er mir erzählt hat. – Darüber schreiben? Details! Man müsste die Details kennen, um darüber schreiben zu können. Denn sonst – alles nur Skizze…..
Ich sagte: »Wie alt?«
»Ungefähr unser Alter.«
»’Länger her’, hast du gesagt. Und – wie isses heute?«
»Hörst du das?« sagte er.
»Was?«
»Klingt wie’n hustender Igel in deinem Garten.«
»Stimmt«, sagte ich. »Die hört man hier öfters.«
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1 Jahr ohne Alkohol.
Was für ein Satz!
Und zunächst dachte ich:
Das gab es noch nie – seit
deinem 14. Lebensjahr….
Seit jenem Weihnachtsabend
nach dem Tod meines Vaters, als
mein Bruder, der gerade aus dem Knast entlassen worden war,
mir Gin mit O-Saft gab – &
ich mich verliebte.
In den Duft des Gins
& die spätere Frau meines Bruders.
Aber – das stimmt überhaupt nicht.
Schon lange vorher hatte es niemals
1 komplettes Jahr ohne Alkohol gegeben….
Ein Gläschen Sekt zu Silvester oder zu Geburtstagen….
ein Schlückchen Sliwowitz, das ich mir ab & an
aus der Hausbar meiner Eltern stibitzte (weil ich
Geruch, Geschmack & Wirkung so mochte; ich mochte
Pflaumen schon immer gerne) ….
Ach ja, und da war auch noch der Schluck Bier, den
ich aus dem Glas meines Vaters bekam – als der
eine seiner Geliebten besuchte (sie war Inhaberin einer Bar,
hatte lange schwarze Haare, sah südländisch aus, und
wenn ich länger darüber nachdenken würde, fiele mir vielleicht
auch ihr Name wieder ein…. Astrid?); jedenfalls saß ich auf dem Schoß
meines Vaters, nippte an dem Bier – & mochte es nicht. Was
ich mochte, war die Tatsache, dass er mir etwas davon abgab. Und
ich auf seinem Schoß saß. Und die hübsche Frau mich anlächelte.
Mit ihren großen dunklen Augen & ihren vollen Lippen.
Ich muss 5 oder 6 Jahre alt gewesen sein.
Später kamen die Dichter.
Allesamt Säufer. Jedenfalls diejenigen, die mir am meisten bedeuteten.
Trinken war auch eine Haltung. Eine Lebenseinstellung. Etwas,
das eine bestimmte Art von Kunst hervorbrachte; eine, die es
– ohne Exzess – so nicht gegeben hätte. Ja, sie waren Vorbilder.
In meiner Jugend. Und lange darüber hinaus. Aber
heute habe ich keine Vorbilder mehr. In keinem Bereich meines Lebens.
Ein sehr angenehmes Gefühl. Ich möchte nicht mehr jung sein.
Also: wann hatte ich zuletzt ein Jahr ohne Alkohol gehabt?
Ich weiß es nicht. Jedenfalls: vor über 45 Jahren.
Eigentlich bin ich mir nicht einmal sicher, ob es jetzt
exakt 1 Jahr ist….
Es war keine große Sache. Kein großer Schritt. Nichts Geplantes.
Ich hatte eine Erkältung & eine Nebenhöhlenentzündung,
pausierte deshalb mit Rauchen & Trinken….. & –
blieb einfach dabei.
Den Tag des letzten Schlucks, des letzten Zuges aus der Zigarre
habe ich mir nicht gemerkt. Nicht angestrichen im Kalender.
Den ich ohnehin nicht besitze.
Es war kein besonderer Tag.
Eigentlich.
Natürlich: der Genuss fehlt mir. Ab & an. Der Genuss
war immer die Hauptsache – im Grunde. Und sicherlich: die
Bratwurst schmeckt noch besser, wenn man ein Bier dazu trinkt (Ja,
ich glaube, sie hieß wirklich Astrid)…. Und
Pizza ohne Rotwein dazu konnte ich mir früher kaum vorstellen –
obwohl ich mir Vieles vorstellen konnte…. Aber
was soll’s! Ich komme klar. Und ich komme auch
ohne Betäubung klar – wenn es mir schlecht geht. Ich weiß,
dass ich nicht Maß halten kann. Zumindest nicht für lange Zeit.
Und es gibt andere Arten zu flüchten.
Vielleicht wäre das Trinken gut fürs Schreiben? Kann sein.
Egal.
An meinem rechten großen Zeh kann man immer noch sehen,
wo ich mich verletzt habe – als ich mich im Suff
aufs Maul legte….. Und es anfing
zu bluten. Mal wieder.
Doch nach & nach
verschwindet auch diese Spur.
Verflüchtigt sich
wie Alkohol.
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