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Sehnsuche

 

Was sie gesucht hatten
im Unbestimmten
fanden sie an
einander

Doch das Gefundene
war nicht dazu bestimmt
die Suche zu
ersetzen

Die Sehnsuche
die erfindet was
nicht
gefunden werden kann

Nicht
wenn man sich
nicht (einander)
zufrieden

giebt


Zeit zu schweigen

…. wenn man fühlt
dass die Resonanz auf Worte
die Wahl der Worte beeinflusst.

 

Zeit zu schweigen

bis

man

sich

wieder

erhaben

fühlt


Je kürzer

Je kürzer bw


Gedicht, vielleicht

Es geht um
die Form
Um Gefühl & Gedanken
& Stil
Es geht um
Viel
Um Formgefühl
Es geht um
Leben & Tod
& Leichtigkeit
Um Liebe, vielleicht
Wenn
es geht


Kartoffelstaub & Tod

Der alte Mann war Stammgast
in diesem Hotel.
Und er erzählte dem Nachtportier,
der ich war, von
Norwegen & vom Tod.
Auf seinen Schuhen war
Kartoffelstaub. Der alte Mann wusste es
zu erklären, und ich hörte zu.
Dann lächelten wir.
Er tanzte gern.
Das war der Grund.
Und in dem Büro hinter dem Empfang
stand mein Essen.
Und da war keine Sättigungsbeilage
auf dem Teller; ob
wohl die Köchin mich mochte.
Manchmal
passt einfach Alles
zusammen.


Vergessene Wege

Oftmals konnte mein Vater sich nicht mehr erinnern
wie er von der Arbeit nach Hause gefahren war
als es auf das Ende zuging

Es war das End
stadium

Etwas fraß an seinem Gedächtnis

Angekommen
war er erschrocken darüber

Aber oft
würde er diese Strecke ohnehin nicht mehr fahren

Das
vergaß er nie

während er von seinem Vergessen erzählte

Er war 5 Jahre jünger
als ich
heute

Oftmals kann ich mich nicht mehr erinnern
wie ich von zuhause zur Arbeit gefahren bin

Ich bewege den Wagen wie in Trance
durch die Dunkelheit

Zu gut kenne ich diese Strecke
Zu oft bin ich sie gefahren
um darüber nachzudenken

Ich denke an
Alles Andere

Ich träume & habe keine Ahnung
in welchem Stadium ich bin

Manchmal weckt mich ein Tier
Dann bin ich erschrocken über meinen Leichtsinn

Doch das ändert nichts

Ich erzähle von meinem Erinnern

Irgendwann werden alle Wege vergessen sein
Und ich werde ankommen

wo Alle
am Ende
sein werden


Frühlingsgedicht

Sie kommen!
Aus ihren Bauten.
Gehen
in ihre Gärten.
Maschinengleich.
Und gleich werfen sie
ihre Maschinen an.
Betäubender Lärm,
der alles zerstört.
Doch sie, die Maschinenführer, sind längst schon betäubt;
und zerstört ihre Augen & Ohren.
Ruhe, Schönheit, Wildnis – weg damit!
»Ich habe nichts gegen Natur, aber
gepflegt musse sein.«

Stutzen, Zupfen, Fassonieren,
Saugen, Blasen,
Gleichmachen!
Alles auf Gutbürgerlich.
Buntgenormte Beete. In Grabesform.
Es wird gesprengt & belüftet
& Zeit vertrieben.
Bete & jäte!
Sauber & ordentlich.
Die Schmetterlinge können sich nur wundern.
Rattarattaratta!
Haltet die Triebe in Schach!
Was erlaubt sich das Laub?

Ich –
möchte der Schandfleck sein,
der die Umgebung entwertet – nach dem Urteil
dieser zivilisierten Gärtner, die ihre Gärten halten wie Sklaven;
der eine Same möchte ich sein, der einsam über ihre Zäune fliegt
& von dem alle Verunkrautung ausgeht.
Ungezügelte Natur,
wuchernd – & nach ihrem Maßstab: hässlich
& beängstigend.
Fesseln möchte ich die Maschinisten.
Mit blauen Bändern.
Ihre äußere Ordnung stören.
Verstören. Zerstören. – –
Aber – natürlich –
es würde nichts
helfen.
Denn: gewiss sind diese Gärten
ein Abbild ihrer Herren;
Abbild ihres Denkens.
Oder, im günstigsten Falle:
ein Zeichen von
Unterwerfung.
Ach ja – der Frühling!
Eine wahrhaft widerliche Jahreszeit
solange man
unter Menschen lebt.


Alles fertig

Über
All
Holz

Wände
aus Spanplatten

Giftige Dämpfe –
Formaldehyd
verflogen

& weggeatmet
von mir
im Laufe der Zeit

Ein Fertighaus aus den 60ern
Ein paar Jahre jünger
als ich

Das Holz arbeitet
während ich nur so daliege.

Und die Geräusche kommen
wenn die Temperatur sich ändert

Ich brauche nicht auf Holz zu klopfen
Es klopft in ihm
Als hätte es ein Herz
irgendwo

eingemauert oder lebendig begraben

Doch Glück ist unwahrscheinlich

Kupfervenen
die hoffentlich noch eine Weile durchhalten
werden

Und es knackt wie ein Gerippe
beim Tanzen

während ich
ganz still bin

Im Tiefkühlfach
die Fertiggerichte

Ich:
im Bett

Das Blech im Herd erschreckt mich
fast zu Tode
mit seinem Knall

In diesem Haus ist
einfach

Alles fertig!


Die Zahnpastaspritzer auf dem Spiegel

…. bilden ein Muster
das zufällig scheint

ohne es zu sein.

Und es bedeutet
Nichts.

Keine Religion.
Keine Leidenschaft.

Reine Physik.
Wissenschaft.
Notwendigkeit.

Unter den gegebenen Umständen
konnte sich kein anderes
bilden.

Mit etwas Liebe
könnte man Etwas hinein
interpretieren

in dieses Muster.

(Vor allem
wenn man es nicht selber verursacht hat.)

Doch das wäre
SCHON WIEDER
Kitsch!


Eine Beziehung wie Audrey Hepburn

Die Beziehung begann
wie die junge Audrey Hepburn.

Und endete
wie sie.

Als sie nicht mehr jung war.

Dazwischen:
ein zu kurzes Leben.

Was blieb
zurück?

Pfannkuchen aus dem Supermarkt,
die ich mir kaufe
seitdem Sie, die nicht
Audrey Hepburn war,
sie mir zum ersten Mal mitgebracht hatte;

fertig,
eingeschweisst.

Eine Fernsehserie,
die ich auswendig kenne –
weil Sie sie mir empfohlen hatte.

(Obwohl ich Serien hasse,
da sie Zwang bedeuten.)

Staub
auf ungeöffneten Schnapsflaschen.

Immerhin.

Und Das
was verschwiegen werden muss,
damit es bleibt.

Man darf sich nicht wundern.
Über das Ende.

Schließlich:

Dies ist die Welt,
in der Audrey Hepburn
an Krebs starb.

Aber etwas bleibt
unsterblich.


Nacht. Auf der Autobahn.

Bruchteil eines Augenblicks.
Nacht. Auf der Autobahn.

Alles
was mir zumeist
bewusster Gedanke ist

– mein Tod
das Nichts
die nicht vorhandene Ewigkeit –

wurde plötzlich & unvermittelt
zur unwissenden Empfindung.

Überwältigend.

Unmenschlich
& wortlos.

Ich selber
war ein Unmensch
für den Bruchteil eines Augenblicks.

Unbeschreiblicher Schrecken –
gewaltiger als der Nachthimmel,
der den ersten Blick des Kindes,
das ich gewesen war,

in das Grauen
des Daseins
riss.

Nur der Bruchteil
eines Moments.
Keine Sekunde.

Unbemerkt von
Allen. Außer mir.

Hätte es länger gedauert –
ich wäre, für mich,
kein Mensch mehr gewesen.

Und hätte nicht gewusst,
warum.

Denn alle Ängste
hätten verschwinden müssen.
Und mit ihnen
ihre Ursachen.

Wahnsinn –
der sich selbst verschlingt.

Nacht. Auf der Autobahn.


Parkplätze & Trennungslinien & unsichtbare Autos

Warum
nimmt dieser Idiot gleich 2 Parkplätze in Beschlag?

denkt der Suchende
als er den Wagen mitten auf der Trennungslinie erblickt.

Wütend
weil so der Platz für ihn nicht reicht.

Warum
nimmt dieser Idiot gleich 2 Parkplätze in Beschlag?

dachte der Suchende vor ihm
dessen Wagen jetzt so verkehrt dort steht.

Weniger wütend
weil ihm noch genügend Platz blieb
denn auf der anderen Seite war eine Lücke
frei geblieben.

Ich fahre
über einen Parkplatz.
Auf der Suche.

Und auch ich fluche
ohne nachzudenken.

Und nach mir
wird wieder jemand
wütend werden.

Weil er
nicht sehen kann
wer in der Zwischenzeit
weggefahren

sein
wird.


Nur eine Ente?

Die Bergente flog hinab
ins Tal.

Dort war sie nicht
zu unterscheiden
von den Talenten.

Nur sie allein
wusste, dass sie
anders war.

Und doch

nur eine Ente.


Nur ein Baum

Es war nur
eine Abbildung,
eine Reproduktion in einem Buch.

»Na, was gibt’s da Witziges zu sehen?«
fragte meine Mutter
als sie mich lächeln sah.

Sie schaute in das Buch.
Da war einer dieser Friedhöfe
von Caspar David Friedrich.

Sie verstand nicht
warum ich strahlte
im Licht dieses Bildes.

Das war nicht
überraschend
für mich.

Denn sie kannte mich
nicht.

Überwältigend
war diese Einsamkeit.
Und schön.

Ich kannte sie.
Schon immer.

Es war nur
eine Abbildung,
eine Reproduktion in einem Buch.

Und so war es nicht
überraschend
für mich,

dass ich kaum atmen konnte,
als ich einem Original
gegenüber stand.

Kleines Format.
Beinahe versteckt
in einem Museumswinkel.

Es war
nur ein Baum.

Das Bild
eines Baumes.

Sein Gegenstück
in der Wirklichkeit
hätte mich leichter atmen lassen.

Aber
wer will das schon?

Überwältigend
war die Einsamkeit
des Baumes.

Und schön.

Und die es nicht verstanden hatte,
dass ich lächelte & strahlte
während ich eine Reproduktion betrachtete,

lag auf einem dieser Friedhöfe

in der Wirklichkeit.

Wo man leicht atmen kann –
ohne zu lächeln.


Menschliche Beziehungen

Ich erinnere mich
an den fehlenden Arm des Zeitungslieferanten;
an sein Gesicht,
das nicht fehlte, erinnere ich mich
nicht.

Das erinnert mich
an uns
& Dein Gesicht
in meinem Arm.

An das Merkwürdige
Menschlicher Beziehungen.

Ich erinnere mich
an Deinen Arm, der fehlt.
Weil er da
gewesen
war.

Nicht so oft
erinnere ich mich
an das Fehl
ende

in der Vergangenheit.

Schon seltsam,
was die Erinnerung tut
& die Wahrnehmung unterlässt.

Seltsam,
was die Erinnerung unterlässt
& die Wahrnehmung tut.

Und der Zeitungslieferant
ist kein Zeitungslieferant mehr.
Und den Arm hatte er
sich selber abgehackt. Aber das
gehört nicht hierher –

obwohl
es merkwürdig ist.


Die Venus über der Straße

Nein,
ich kann sie nicht ernst nehmen –
die Venus über der Straße.
Die Stecknadel am Abendhimmel.
Sie leitet mich
fehl.
Wenn ich ein Auge zudrücke, scheint sie
über dem Hotel zu leuchten,
in dem ich arbeite –
für 8 Euro pro Stunde
+ Nachtzuschlag,
inklusive mieser Musik, die alles berieselt.
Da ist wenig Erotik;
von Liebe ganz zu schweigen.
Jedenfalls, was mich betrifft.
Selbst das Essen, das ich bekomme,
wirkt meist lieblos.
In den Zimmern,
an denen ich vorbei gehe,
nachts auf meinem Rundgang,
mag es anders sein. Vielleicht.
Ein bisschen wie
in meinem Kopf.
Hier schnarcht’s, da stöhnt’s,
die Klospülung rauscht, und
das plötzliche Niesen hinter einer Tür
erschreckt mich fast zu Tode.
Manchmal klatscht es auch dahinter
– & das ist kein Applaus.
»Wir hätten gern ein Doppelzimmer.«
»Ich hab nur noch Einzel.«
»Das ist okay.«
»Das Bett hat nur 90 cm.«
Keine Ahnung, ob das stimmt.
»Das reicht uns.«
Da wett’ich drauf!
»Hauptsache, es is schön warm.«
»Selbstverständlich.«
Und wenn Eure Hitze nicht reicht,
schenk ich Euch einen vollen
Benzinkanister. (E10. Ich muss sparen).

»Möchten Sie auch frühstücken?«
»Äh…. nein, wir reisen ganz früh wieder ab.«
Na sicher. Ohne Gepäck. Und die Adresse
ist gleich nebenan.

Hin & wieder stirbt jemand.
Hin & wieder blutet jemand.
Aber meistens
nicht.
Und sollte ich gerade essen, ist
das Hotel ausgebucht.
Nein, ich kann sie nicht ernst nehmen.
Die Venus über der Straße.
Und die Arbeit.
Und noch
so mancherlei.


Quoted by heart

Ich zitiere
aus dem Vergessen

in deinem Kopf.

Erinnerungen
die du zum Schweigen bringst

hole ich
von dort zurück.

Sie sind nicht verloren

gegangen.

Was ich auswendig kenne
ist unser Innerstes.

Ich bin
unser Gedächtnis.

Und die Vergangenheit
ist nicht in unseren Köpfen

allein.


Die gereichte Hand

Sie reichte ihm die Hand
um ihn empor zu ziehen
aus einem Grund

der ein Abgrund war

Er war so tief
ihr Arm so lang

& doch
war er nicht
tief genug

für sie

Sie lachten viel
& täuschten sich

hinweg

Dann stieß sie ihn
in einen anderen
der grundlos schien

Die Hand
verschwand

& der Fall mochte
endlos sein

Er blickte auf
& Aufblicken war Zurück
blicken

Er wartete

auf


Knaurs Buch vom Film


Knaurs Buch vom Film
© 1956 by Droemersche Verlangsanstalt
Autor: Waldekranz Arpe

(Was für ein Vorname!)

Es stand in der Bibliothek meines Vaters.
Gern nahm ich es
mit ins Bett.
All
diese Il
lust
rationen….
All
diese Photographien….

Sogenannte Göttinnen
der Leinwand……

Zum
Niemals
Sattsehen.

Riso amoro:
Silvana Mangano
auf ihrem Bett
im Hemd – &
meinem liebsten Kleidungsstück:
dem Sonstnichts….
Prachtgeschenkel in Schwarzweiß
Neorealismus
So neu – für einen kleinen Jungen

The Seven Year Itch:
Das hochgeblasene Kleid der Marilyn M.
bevor es, bevor sie zum Abziehbild wurde
Zufällige Zugluft eines Zuges

Und ein Teil der Erregung war
Hineinversetzung: die Vorstellung
so auszusehen & so gesehen
zu werden……

Ava Gardner
Gina Lollobrigida
Theda Bara (‚der erste Filmvamp’ hieß es da)
Die bloßen Brüste der badenen Martine Carol
(In einer Zeit als es keine Nacktheit am Zeitungskiosk gab.)

& so weiter
& so fort

Weit fort
in Träumen

Und in Sommernächten
schlich ich mich hinaus
nackt oder halbnackt
ins Freie

Dorthin
wo Niemand war
aber Jemand
hätte sein können

auf ein
samen Wegen

gerne unterm Mond

Wilde Schlägereien des Herzens
Die Unruhe der Hormone

& die Lust war so groß
dass ich keine Befriedigung wollte

Fast ein Schmerz –
Dazu die Angst
aufzufliegen

erwischt zu werden
von den Achsoerwachsenen

Doch es geschah nicht.
Nichts geschah
außer mir.

So Vieles
in mir.

Die Filme sah ich
später –

am Anfang stand
Das Buch.

Knaur bw


Leben eben

Die Ebene war nicht
plan – Planlos stand ich
an ihrem Rand

Rannte dann
über ihre Uneben
heiten

Was eben gewesen war
war nicht immer glatt
vorbei gegangen

& doch
Vergangen
heit

Die Mitte lag immer
im Un
Er
Reich
Baren

Ich fiel
vielmals
Stand auf

einmal mehr

Irgendwann
wird es
das letzte Mal

der Fall
gewesen
sein

Es war einmal

Verwesen
Sein

Eben noch Leben
planlos
platt

& vorbei


Mohnkörner in der Kimme

220 Gramm auf Ex
& ich dachte:
Ein guter Titel für meine Memoiren wäre
»Bekenntnisse eines deutschen Mohnkuchenessers«.

So treffend
in seinem Mangel an
Coolness. (Wofür mir gerade kein
deutsches Wort einfällt.)

Doch nach dem Ende
des Verdauungs
Prozesses dachte ich:
Noch treffender wäre
»Mohnkörner in der Kimme«.

Und mit solchen Titeln
würde man vermutlich auch
mehr verkaufen.

Dann fiel mir ein, dass ich
Nichts zu verkaufen habe.

Scheiße! Das finde ich
beruhigend.

 

 

de Quincey


Stumpfe Bleistifte

Sätze, die mir etwas bedeuten,
unterstreiche ich
mit Bleistift.
Der Bleistift muss stumpf sein.
So stechen die Sätze besser
hervor.
Ein stumpfer Bleistift hält
länger als ein angespitzter.
Und zwar: aus
mehreren Gründen.


Zu blöd

Ich wäre gerne originell
bis zur Unmenschlichkeit.

Aber daraus wird
wohl nichts werden.


Der schwere Weg ins Nirgendwo


»Ich habe dich geliebt
aber jetzt – hasse ich dich
beinahe.«

Die getrennten Wege
führen in eine seltsame Welt,
wo das Licht der Gegenwart
auf die Vergangenheit fällt.

Beinahe ist es
als wäre die Vergangenheit
keine Realität gewesen.

Eine Realität
im eigenen Licht.

Man wird verletzt,
und der Selbstschutz setzt ein…..

Man konzentriert sich auf Alles,
über das man hinweggesehen hatte:
Die Kleinigkeiten, die einen schon trennten,
als man noch zusammen war.
Die kurzen eisigen Momente, die
in der Hitze des Gefechts so schnell
dahinschmolzen….

Sie kehren zurück
von dort wo
hin man nicht mehr zurück
kehren kann

auf diesem Wege.

Dem einfachsten

Aller
Getrennten

Wege.

Der Weg, der einem verspricht
am leichtesten über
Alles hin
weg
zu
führen

(…. zu kommen
…. zu gehen).

 

Ich
mache es mir
lieber schwer

& liebe

einfach

weiter.

Versuche es zumindest. Ver
Suche es

auf meinem Weg, der
nirgendwo
hin
führt.

Denn
dort gehöre ich
hin.


Das Glück meines Lebens

Die Erwachsenen um mich herum
nahm ich kaum wahr.
Dennoch hörte ich, wie jemand sagte:
»Er kann sich so gut mit sich selbst beschäftigen.
Man kann ihn gut alleine lassen.«
Ich war etwa 6 Jahre alt.
Ich saß auf dem Fußboden
mit einem Müllwagen aus Plastik
& ahnte nicht, dass
Dies
das Glück meines Lebens war.


Der Oldtimer

Ein Oldtimer fährt durch die Nacht.
Ich fahre hinter ihm her.
Als der Oldtimer modern war
– damals in meiner Kindheit -,
war er mir zu modern.
Ich fand ihn hässlich. Damals.
Heute – finde ich ihn schön.
Im Vergleich.
Und überhaupt.
Das ist die Schuld
der Zeit.


Ohne Dich

Ich träume
lieber von der Hölle
als von Dir.

Denn wenn ich von Dir träume
ist das Erwachen
die Hölle.


Ein Wunderliches Buch

Alle
Anstreichungen
aus
Allen
Büchern
Aller
Zeiten
die von
Allen
Lesern
Aller
Zeiten
Jemals

gemacht wurden
gemacht werden
gemacht worden

Sein

Werden

ergäben

Ein Wunderliches Buch.

Ein Buch

das der Welt
& dem All
& dem Nichts

beinahe
ähnlich wäre.

Und
Niemand
könnte es lesen.


Die Mütze der Stripperin

Durch einen dieser berüchtigten Zufälle landete ich
in einem Nachtclub. Obwohl es spätabends war, war ich
jung. Kannte die Stadt nicht, kannte die Menschen nicht.
Wusste nicht, was mich erwarten würde. Nirgends. Und
auch in diesem Club nicht, der sich Nachtclub nannte;
sogar am späten Abend.
Artistik, versprach der Schaukasten.
5 oder 6 Kekse hatte ich an dem Tag gegessen, um
Geld zu sparen.
Ich saß direkt an der Bühne, konnte meinen Ellenbogen darauf
stützen. Stützte meinen Ellenbogen darauf. Trank Rotwein.
Ohne andere Grundlage als die Kekse. 5 oder 6.
Leichter Schwindel. Artistik
wurde geboten. Man jonglierte
mit Langeweile. Zauberte.
Im Licht des Weines beinahe unterhaltsam.
Gerade wollte ich gehen, da kam
die erste Frau. Auf die Bühne neben meinen
Ellenbogen. Und zog sich aus
in einem anderen Licht.
Ich blieb.
1 Frau lang. 2 Frauen lang.
Hübsch, doch keine Schönheiten.
Weitere folgten.
Ich war so jung, dass es einfach für sie war,
älter zu sein als ich. Hübscher zu sein
war noch einfacher
für sie. Ich
war froh, hier zu sein. Dankte dem Zufall,
dem berüchtigten.
Die Schönheit kam zuletzt.
In blauem Jeansstoff. Hotpants, Weste & Mütze.
Schwarze Stiefel.
Die Artisten gerieten
in Vergessenheit;
was auf sie gefolgt war, geriet
in Vergessenheit.
In mein Vergessen.
Und der einzig wahre Zaubertrick des Abends
geschah – als sie die Mütze abnahm……
Wie konnte all
dies Haar
darunter versteckt gewesen sein?
Rotgetönte dunkle Wellen.
Und sie kam zu mir (ich konnte sie
riechen) & setzte
mir ihre Mütze auf. Lächelnd.
Ich rückte sie zurecht. Die Mütze. Am Schirm.
Es blieben nur 2
Teile, die es auszuziehen galt.
Die Weste & die Hotpants (nichts
darunter, und die Stiefel
behielt sie an)…..
Eine aufblasbare Champagnerflasche
stand auf der Bühne, vielleicht 1 Meter hoch.
Die Schönheit tanzte um sie herum, berührte
mit ihren Fingern das, was bei einer echten Flasche
der Korken gewesen wäre, lächelte
in Richtung des jüngsten Zuschauers,
der ihre Mütze trug, und die Lautsprecher
vibrierten von: Sailors: ‚A Glass of Champagne’…..
Die Mütze passte mir. Wärmte die Träume.
Erhitzte die Fantasien. Gebar Erwartungen.
Dann lag die Flasche am Boden, und
die Schönheit ritt nackt & gestiefelt auf ihr.
Im Rhythmus gesungener Worte.
Getönt wogende Wellen, weiches Fleisch – & über
all Haut Haut Haut.
You’ve got the figure full of delights
Sie ritt & tanzte, tanzte & ritt – & ich
konnte mir vorstellen, mir ausmalen, mir
erträumen – the two of us over a glass of Champagne…..
Fieberwahn des bemützten Schädels. Roter
Wein ohne Grundlage. Leichter Schwindel….. Mein Ellenbogen
hatte längst die Bühne verlassen. Schließlich
ging auch sie. Die Schönheit.
Ein kurzer Augenblitz in meine Richtung, dann
wandte sie sich um & verschwand (dieser Arsch dieser
Arsch dieser Arsch
) hinter dem Vorhang,
dessen Farbe ich vergessen habe.
Hände applaudierten. Irgendein Typ, der vermutlich
ein Gesicht hatte, kam hervor, sammelte
die 2 Teile vom Boden auf
& nahm mir die Mütze.
Wie ein Dieb.
Fort. Alles
fort.
Mein Kopf
wurde nicht kühler dadurch. Doch
ich ging. Verschwand
wie sie.
Die Frau, die ich damals liebte, hatte
die gleichen Hotpants, die gleiche Weste, eine
ähnliche Mütze. Auch sie
war älter als ich. Sie arbeitete in einer Bar &
lief gerne nackt & gestiefelt durch die Wohnung,
in der ich zu Gast war.
Berüchtigte Zufälle.
Ich kannte die Menschen nicht, kannte die Stadt nicht.
Die Stadt dieses Nachtclubs.
Ich war dort –
nur wegen Joyce.
Und Thomas Mann.
Ich stand an einem Grab
in der Nähe eines Zoos, und
die Sonne schien
auf meinen ungeschützten Schädel.
Ich konnte die Elefanten hören,
und jemand hatte eine Rose
auf ein Denkmal gelegt.
Ich dachte an die Schönheit
& an die Nacht, die
ein später Abend gewesen war.


Der 31. Februar

Wo eigentlich die 3
hätte sein sollen, gab es
ein Quadrat….
Ein kleines Fenster
der wechselnden Zahlen;
jeden Tag eine andere.
Und das Glas über diesem Fenster
war konvex – weil die Zahlen
so winzig waren.
Die Ziffern, mit denen die
Stunden, Minuten & Sekunden
benannt wurden, waren dennoch größer als die
Zahlen im Fenster.
Man konnte etwas lernen daraus.
Und wenn man vergesslich war,
hatte der Februar 31 Tage.


Mich hat eine Leere gezogen

Ich war so dumm zu glauben
dass das Vermissen das
Schmerzlichste & Schlimmste sei

bis ich
nicht mehr vermisste

Was ich vermisst hatte
war greifbar
fassbar
wirklich

Was blieb
war unbegreiflich
nicht zu fassen
& irreal

Eine einzige Leere

die schlimmer war
als Schmerz


Das Plakat

»Eigentlich seltsam«, sagte sie
(sie saß auf ihren Fersen, auf der Matratze,
nackt, den Blick gerichtet
auf das Plakat, das an der Wand hinter mir hing,
überm Kopfteil des Bettes).
»Was?« sagte ich.
»Dass du da ein Russ-Meyer-Plakat hängen hast;
du stehst doch gar nicht auf Brüste.«
Ich musste lächeln.
Das muss ich öfter
als ich denken mag.
»Erstens«, sagte ich: »ist das nicht wahr.
Die Tatsache, dass ich Beine & Hintern bevorzuge,
heisst doch nicht, dass ich nicht auf Titten stehe. Und
zweitens: sind diese Filme
unverwechselbar. Rein
formal gesehen.
Da hatte jemand Stil.
Und hat dem Alles Andere untergeordnet.
Das gefällt mir. So
muss man’s machen.«
Faster Pussycat, Kill! … Kill!
»So gesehen….«, sagte sie.
»Außerdem«, sagte ich,
»habe ich dir schon bei unserem ersten Treffen mitgeteilt,
dass mir deine gefallen.«
Jetzt lächelte sie.
Das musste sie öfter
als sie sich erinnern mag.

 

 

Plakat bw


Woanders

Was ich
hier
gefunden habe

habe ich
hier
verloren

& ich werde es
hier
niemals

wieder
finden.