Ein Name auf irgendeiner Liste

Die Stunden vergingen schleppend
in der Öde des Jobs. Auf irgendeiner Liste
fand ich eine Erinnerung. Ein Fremder
trug den Namen eines Menschen, den
ich gekannt hatte. Den Namen
eines Lehrers. Und ich erinnerte mich
an eine Abschlussfeier. Wo
er mich fragte: »Und – wissen Sie, was
Sie mal machen wollen?«
Solche Fragen waren mir immer peinlich.
Aber – erstens war er der einzige Lehrer,
den ich mochte; und zweitens war ich
vermutlich besoffen; also sagte ich:
»Am liebsten Gar Nichts…. das heißt…..
Schreiben wäre ok.«
Irgendwo in seinem Vollbart grinste es.
»Das ist doch was. Da haben Sie doch
wenigstens ein Ziel.« Und – nach einer
kurzen Pause – fügte er hinzu:
»Ich – habe keine Lust mehr. Ich kann so
nicht weitermachen. Immer wieder dasselbe
durchkauen, Jahr für Jahr, und kaum jemanden interessiert’s.
Irgendwie hatte ich mir das alles mal anders
vorgestellt.«
Ich schätzte ihn auf knapp 40. Er unterrichtete Englisch;
in erster Linie schien es ihm dabei um die Literatur zu gehen,
speziell Science Fiction hatte es ihm angetan. Und jetzt
hatte wohl auch er ein paar Gläser zuviel getrunken.
Deshalb sagte er: »Ich glaube übrigens, dass
Sie das können.«
Dann sagten wir nichts mehr.
Und ich sah ihn auch nie wieder.
Er hatte sich also alles ganz anders vorgestellt.
Und der Job ödete ihn an.
Ich blickte auf die Liste, blickte auf den Namen, den
ein Fremder trug …..
& die Fragen kamen von ganz allein.
Nein, ich hatte kein Ziel.
Die Stunden vergingen schleppend.
Aber die Jahrzehnte – na ja,
egal.


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