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Herr psst

Vorbei die Zeit
da man nackt auf dem Sofa saß
& dachte: ‹bald wird es dafür zu kalt sein›

Ich zitiere mein Zittern
der vergangenen Jahre, sinngemäß
Furcht

lässt die Bäume erröten
und die Furchtsamsten entblättern sich
als erste

(Ich kenne Menschen
bei denen ist es ganz
ähnlich)

Es ist
als dächten die Bäume
wie Menschen

zeit
weise
viel

zu viel


Sägemehl

Unterm Sofa liegt Sägemehl
Als hätte sich etwas bewegt

Ich war’s
nicht Haben die Termiten geschnarcht

Oder ich Hatte jemand
Sex auf dem Sofa

Ist es die Asche
meines Großvaters in dessen

Wohnung es stand als ich
jung war Ich

könnte den Kopf schütteln
Zur Not sogar meinen

Aber wer weiß, was
dabei heraus käme


In der Spiegelwand

 

Gerne würde ich
ja etwas Tiefsinniger
es schreiben aber ich
sagte bloß Ich kann
deinen Hintern gar nicht
sehen
als ich in die Spiegel
Wand schaute gegen
über dem Bett gegen
über dem Bett stand ein kleines Regal
vor den Spiegelungen die
Frau lag auf den Bäuchen
ihrem & meinem und sie blickte
hinter sich in die Wand wo
Wir ein Bild bildeten mit
vertauschten Seiten so
leicht war sie & zart nicht
die Wand die Frau so
zart dass ein Blick ihre Finger
hätte brechen können vom
Herzen ganz zu
schweigen & doch
spürte ich eine gering
fügige Erleichterung in der Tiefe
als sie sich bewegte & abhob sie
sagte Da und über dem Regal
ging der kleine Knackmond auf
und Alles ward Licht + Schein & vor
sichtiges Gelächter und
gerne würde ich
ja etwas Tief
Sinnigeres schreiben aber was
wäre tiefer & sinniger & tief
sinnlicher als solch ein Moment
An- & Augenblick der Gegenwart
& der Versuch
ihn & die Verwirrung ihn & die
Verbundenheit zu bewahren zu be
wahren wie den Schein
des Mondes dieses Mondes
in der Spiegelwand


Schädelhaare

Ich fuhr mit der Hand durch die
Haare auf meiner Schädeldecke
Ich fühlte sie zwischen meinen Fingern
dünner & lichter als früher
& dachte:

Nimm Alles
bewusst wahr &
begreife mit Freude
was Du verlieren
wirst
doch in diesem Augenblick
noch

besitzt!