Schlagwort-Archive: Literatur

Je kürzer

Je kürzer bw


Gedicht, vielleicht

Es geht um
die Form
Um Gefühl & Gedanken
& Stil
Es geht um
Viel
Um Formgefühl
Es geht um
Leben & Tod
& Leichtigkeit
Um Liebe, vielleicht
Wenn
es geht


Die Zahnpastaspritzer auf dem Spiegel

…. bilden ein Muster
das zufällig scheint

ohne es zu sein.

Und es bedeutet
Nichts.

Keine Religion.
Keine Leidenschaft.

Reine Physik.
Wissenschaft.
Notwendigkeit.

Unter den gegebenen Umständen
konnte sich kein anderes
bilden.

Mit etwas Liebe
könnte man Etwas hinein
interpretieren

in dieses Muster.

(Vor allem
wenn man es nicht selber verursacht hat.)

Doch das wäre
SCHON WIEDER
Kitsch!


Knaurs Buch vom Film


Knaurs Buch vom Film
© 1956 by Droemersche Verlangsanstalt
Autor: Waldekranz Arpe

(Was für ein Vorname!)

Es stand in der Bibliothek meines Vaters.
Gern nahm ich es
mit ins Bett.
All
diese Il
lust
rationen….
All
diese Photographien….

Sogenannte Göttinnen
der Leinwand……

Zum
Niemals
Sattsehen.

Riso amoro:
Silvana Mangano
auf ihrem Bett
im Hemd – &
meinem liebsten Kleidungsstück:
dem Sonstnichts….
Prachtgeschenkel in Schwarzweiß
Neorealismus
So neu – für einen kleinen Jungen

The Seven Year Itch:
Das hochgeblasene Kleid der Marilyn M.
bevor es, bevor sie zum Abziehbild wurde
Zufällige Zugluft eines Zuges

Und ein Teil der Erregung war
Hineinversetzung: die Vorstellung
so auszusehen & so gesehen
zu werden……

Ava Gardner
Gina Lollobrigida
Theda Bara (‚der erste Filmvamp’ hieß es da)
Die bloßen Brüste der badenen Martine Carol
(In einer Zeit als es keine Nacktheit am Zeitungskiosk gab.)

& so weiter
& so fort

Weit fort
in Träumen

Und in Sommernächten
schlich ich mich hinaus
nackt oder halbnackt
ins Freie

Dorthin
wo Niemand war
aber Jemand
hätte sein können

auf ein
samen Wegen

gerne unterm Mond

Wilde Schlägereien des Herzens
Die Unruhe der Hormone

& die Lust war so groß
dass ich keine Befriedigung wollte

Fast ein Schmerz –
Dazu die Angst
aufzufliegen

erwischt zu werden
von den Achsoerwachsenen

Doch es geschah nicht.
Nichts geschah
außer mir.

So Vieles
in mir.

Die Filme sah ich
später –

am Anfang stand
Das Buch.

Knaur bw


Mohnkörner in der Kimme

220 Gramm auf Ex
& ich dachte:
Ein guter Titel für meine Memoiren wäre
»Bekenntnisse eines deutschen Mohnkuchenessers«.

So treffend
in seinem Mangel an
Coolness. (Wofür mir gerade kein
deutsches Wort einfällt.)

Doch nach dem Ende
des Verdauungs
Prozesses dachte ich:
Noch treffender wäre
»Mohnkörner in der Kimme«.

Und mit solchen Titeln
würde man vermutlich auch
mehr verkaufen.

Dann fiel mir ein, dass ich
Nichts zu verkaufen habe.

Scheiße! Das finde ich
beruhigend.

 

 

de Quincey


Ein Wunderliches Buch

Alle
Anstreichungen
aus
Allen
Büchern
Aller
Zeiten
die von
Allen
Lesern
Aller
Zeiten
Jemals

gemacht wurden
gemacht werden
gemacht worden

Sein

Werden

ergäben

Ein Wunderliches Buch.

Ein Buch

das der Welt
& dem All
& dem Nichts

beinahe
ähnlich wäre.

Und
Niemand
könnte es lesen.


Die Mütze der Stripperin

Durch einen dieser berüchtigten Zufälle landete ich
in einem Nachtclub. Obwohl es spätabends war, war ich
jung. Kannte die Stadt nicht, kannte die Menschen nicht.
Wusste nicht, was mich erwarten würde. Nirgends. Und
auch in diesem Club nicht, der sich Nachtclub nannte;
sogar am späten Abend.
Artistik, versprach der Schaukasten.
5 oder 6 Kekse hatte ich an dem Tag gegessen, um
Geld zu sparen.
Ich saß direkt an der Bühne, konnte meinen Ellenbogen darauf
stützen. Stützte meinen Ellenbogen darauf. Trank Rotwein.
Ohne andere Grundlage als die Kekse. 5 oder 6.
Leichter Schwindel. Artistik
wurde geboten. Man jonglierte
mit Langeweile. Zauberte.
Im Licht des Weines beinahe unterhaltsam.
Gerade wollte ich gehen, da kam
die erste Frau. Auf die Bühne neben meinen
Ellenbogen. Und zog sich aus
in einem anderen Licht.
Ich blieb.
1 Frau lang. 2 Frauen lang.
Hübsch, doch keine Schönheiten.
Weitere folgten.
Ich war so jung, dass es einfach für sie war,
älter zu sein als ich. Hübscher zu sein
war noch einfacher
für sie. Ich
war froh, hier zu sein. Dankte dem Zufall,
dem berüchtigten.
Die Schönheit kam zuletzt.
In blauem Jeansstoff. Hotpants, Weste & Mütze.
Schwarze Stiefel.
Die Artisten gerieten
in Vergessenheit;
was auf sie gefolgt war, geriet
in Vergessenheit.
In mein Vergessen.
Und der einzig wahre Zaubertrick des Abends
geschah – als sie die Mütze abnahm……
Wie konnte all
dies Haar
darunter versteckt gewesen sein?
Rotgetönte dunkle Wellen.
Und sie kam zu mir (ich konnte sie
riechen) & setzte
mir ihre Mütze auf. Lächelnd.
Ich rückte sie zurecht. Die Mütze. Am Schirm.
Es blieben nur 2
Teile, die es auszuziehen galt.
Die Weste & die Hotpants (nichts
darunter, und die Stiefel
behielt sie an)…..
Eine aufblasbare Champagnerflasche
stand auf der Bühne, vielleicht 1 Meter hoch.
Die Schönheit tanzte um sie herum, berührte
mit ihren Fingern das, was bei einer echten Flasche
der Korken gewesen wäre, lächelte
in Richtung des jüngsten Zuschauers,
der ihre Mütze trug, und die Lautsprecher
vibrierten von: Sailors: ‚A Glass of Champagne’…..
Die Mütze passte mir. Wärmte die Träume.
Erhitzte die Fantasien. Gebar Erwartungen.
Dann lag die Flasche am Boden, und
die Schönheit ritt nackt & gestiefelt auf ihr.
Im Rhythmus gesungener Worte.
Getönt wogende Wellen, weiches Fleisch – & über
all Haut Haut Haut.
You’ve got the figure full of delights
Sie ritt & tanzte, tanzte & ritt – & ich
konnte mir vorstellen, mir ausmalen, mir
erträumen – the two of us over a glass of Champagne…..
Fieberwahn des bemützten Schädels. Roter
Wein ohne Grundlage. Leichter Schwindel….. Mein Ellenbogen
hatte längst die Bühne verlassen. Schließlich
ging auch sie. Die Schönheit.
Ein kurzer Augenblitz in meine Richtung, dann
wandte sie sich um & verschwand (dieser Arsch dieser
Arsch dieser Arsch
) hinter dem Vorhang,
dessen Farbe ich vergessen habe.
Hände applaudierten. Irgendein Typ, der vermutlich
ein Gesicht hatte, kam hervor, sammelte
die 2 Teile vom Boden auf
& nahm mir die Mütze.
Wie ein Dieb.
Fort. Alles
fort.
Mein Kopf
wurde nicht kühler dadurch. Doch
ich ging. Verschwand
wie sie.
Die Frau, die ich damals liebte, hatte
die gleichen Hotpants, die gleiche Weste, eine
ähnliche Mütze. Auch sie
war älter als ich. Sie arbeitete in einer Bar &
lief gerne nackt & gestiefelt durch die Wohnung,
in der ich zu Gast war.
Berüchtigte Zufälle.
Ich kannte die Menschen nicht, kannte die Stadt nicht.
Die Stadt dieses Nachtclubs.
Ich war dort –
nur wegen Joyce.
Und Thomas Mann.
Ich stand an einem Grab
in der Nähe eines Zoos, und
die Sonne schien
auf meinen ungeschützten Schädel.
Ich konnte die Elefanten hören,
und jemand hatte eine Rose
auf ein Denkmal gelegt.
Ich dachte an die Schönheit
& an die Nacht, die
ein später Abend gewesen war.


Das Plakat

»Eigentlich seltsam«, sagte sie
(sie saß auf ihren Fersen, auf der Matratze,
nackt, den Blick gerichtet
auf das Plakat, das an der Wand hinter mir hing,
überm Kopfteil des Bettes).
»Was?« sagte ich.
»Dass du da ein Russ-Meyer-Plakat hängen hast;
du stehst doch gar nicht auf Brüste.«
Ich musste lächeln.
Das muss ich öfter
als ich denken mag.
»Erstens«, sagte ich: »ist das nicht wahr.
Die Tatsache, dass ich Beine & Hintern bevorzuge,
heisst doch nicht, dass ich nicht auf Titten stehe. Und
zweitens: sind diese Filme
unverwechselbar. Rein
formal gesehen.
Da hatte jemand Stil.
Und hat dem Alles Andere untergeordnet.
Das gefällt mir. So
muss man’s machen.«
Faster Pussycat, Kill! … Kill!
»So gesehen….«, sagte sie.
»Außerdem«, sagte ich,
»habe ich dir schon bei unserem ersten Treffen mitgeteilt,
dass mir deine gefallen.«
Jetzt lächelte sie.
Das musste sie öfter
als sie sich erinnern mag.

 

 

Plakat bw


Die Whist-Wut des Pjotr Iljitsch Tschaikowski

Ja ja, ich weiß:
Sein Leben war tragisch,
sagt man.
Aber ich bin noch nicht am Ende
seines Tagebuchs.
Ich liege im Bett; bin
am Anfang. Und
ich muss lachen –
immer wieder.

16. April – Whist zu dritt mit Flegont. Hatte unglaubliches Pech.

17. April – Whist zu viert mit mit Roman Jefimowitsch und Flegont.
Hatte sehr großes Pech.

18. April – Whist.

19. April – Whist gespielt. Ärgerte mich über mein Pech.

20. April – Whist zu zweit mit Flegont. Glück gehabt, aber trotzdem langweilig.

21. April – Abends Whist zu viert.

22. April – Abends Whist zu fünft. Hatte Pech und war schrecklich wütend.

23. April – Whist in zwei Partien.

24. April – Lese nichts, weiß nichts. Nur für Whist vergeude ich eine Unmasse
wertvoller Zeit.

25. April – Whist. War gereizt, aber weniger als gestern.

26. April – Whist zu dritt. Ach, ist das ein Leben!

28. April – Dieser Whist zu dritt geht mir derart auf die Nerven, daß ich
zu fürchten beginne, dies könnte sich auf meine Gesundheit auswirken.
Habe mich wieder bis zur Raserei geärgert und in Haß hineingesteigert.
Aber nicht mitzuspielen – dazu fehlt mir die Kraft. […] Nach dem Abendessen
Whist, der mich sehr erzürnte.

30. April – Wozu spiele ich bloß Whist? Außer Verstimmung und Wut
bringt das doch nichts.

1. Mai – Nach dem Abendessen Whist mit Roman Jefimowitsch. Habe
mich sehr geärgert, wurde aber sehr nervös. Haben bis 1 Uhr nachts
Whist gespielt.

6. Mai – Whist gab’s überhaupt nicht. Ehrlich gesagt, Whist ist für mich fast
eine Notwendigkeit – eigentlich peinlich.

So geht es weiter. Immer weiter.
Manchmal gewann er auch.
Ich hasse Spiele. Aber
das erwähnte ich schon.

Auf meinem Plattenspieler dreht sich
eine Schallplatte meiner Mutter.
1. Klavierkonzert in b-Moll op. 23
Eine Erinnerung aus früher Kindheit.
Meiner Kindheit.

Sie ist sehr
verkratzt.

Ja. Sein Leben
war tragisch.

 

 

Tschaikowski bw


Poesie & Erotikchat

Rilke im Licht eines Monitors
Ein geöffnetes Buch im Schein geöffneter Fenster
Virtueller Fenster
Poesie & Erotikchat – irgend Etwas sucht man ja immer
Die Einsamen suchen – aber nicht nur die
Hi, darf man stören? Was suchst du?
Ja, was eigentlich?
Ein rasches Ende.
Ende der Leere Ende der Sehnsucht Ende des Drucks Ende
der Geilheit Ende der Suche Ende der Eintönigkeit Ende des
Immergleichen Ende Ende Ende
Wo wohnst du? – Oh, Mist, zu weit, cu ….
Es hätte gepasst – vielleicht
Eine weitere Illusion, die man sich machen kann
Doch wahrscheinlich war die Frau ein Mann
der die Fantasien des Mannes am besten kennt
Überall Fakes (& Anglizismen, Fuck, Rilke hätte die nicht benutzt!)
Lügen – um sich begehrt zu fühlen
Wie alt bist du? Irgendwelche Tabus?
„Die Einsamkeit ist wie ein Regen.
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen….“
Wer will meine Frau ficken?
Wer will zusehen?
Wer will mich?

Überall Wille – überall Wollen – vorhanden oder gesucht
schmerzlich vermisst oder fast schon tot
– & über Allem: Fragen
Was hast du an?
Wie wär’s mit einem Rollenspiel?

Alles nur Schein – Schwein – & alleine Sein
Dominant & devot – treffen wir uns
bei einem Gläschen Natursekt
„Regnet hernieder in den Zwitterstunden
wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen….“
Was suchst du?
Ja, was eigentlich? Und wo?
Einen romantischen Sonnenuntergang
zum Rein
wichsen
Schalt die Cam ein
Ich steh auf Dirty Talk

Rainer Maria, hilf!
Tipp Tipp Tipp Tast
aturen

Warum suchst du? Warum suchen wir? Warum immer?
mbi44 besuchbar sucht
Tina im T-shirt
(zu schön, um wahr zu sein) sucht
Paar aus Raum31 sucht

Zu wenig zu wenig zu wenig
Wer Nichts hat, sucht
Wer Etwas hat, sucht
In Büchern, in geöffneten Fenstern, die sich schließen
oder einfach verschwinden
Abkürzungen suchen Abkürzungen
„und wenn die Leiber, welche nichts gefunden,
enttäuscht und traurig voneinander lassen;
und wenn die Menschen, die einander hassen,
in einem Bett zusammen schlafen müssen :

dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen…“

Rilke
im Licht
eines Monitors

Kurz bevor
der Strom ausfiel

 

APC_Collage - 2020.05.13 19.06 - 001


In der Zwischenzeit

Nichts brauche ich
zu suchen. Alles
ist da. Nur
sehen muss ich
es.

Bilder
Metaphern
Symbole

Sie liegen
auf meinem Weg.
Wie Sperrmüll.
Den man als Kunst verkaufen könnte.

Eine Binsenweisheit.

An jedem Tag.
In jeder Nacht.
An den ödesten Orten
liegen sie – bereit
gesehen zu werden.
Sogar am Arbeitsplatz –
dem Reich von Zwang & Fremd
bestimmung.

Auf meinem Rundgang durch die Nacht
(ich werde bezahlt dafür, dass ich Rundgänge durch die Nacht mache;
Nachtwache an Orten, wo Andere schlafen)…..
Auf einem meiner Rundgänge durch die Nacht also
war mir der Weg verstellt.
Auf dem Gang standen:
ein Kinderwagen & ein Rollator.
So dicht nebeneinander, dass
ich nicht dazwischen
passte. Dichter
neben
einander
hätten sie nicht stehen können. Platter
hätte es nicht erfunden werden können.
In meinem Kopf grinste es
während ich einen anderen Weg nahm. Um
an mein bedeutungsloses Ziel zu gelangen. Mir fehlte
ein Sarg. In dem Bild. Doch den
konnte ich mir denken. Ich bilde mir
ein, dass die Zeit
ein klein wenig weniger
vergeudet ist – wenn ich mit diesem
Blick
meiner Wege gehe…..
Durch Zwang & Fremdbestimmung.
Durch den Sperrmüll
meiner Tage. Tage, die
Nächte sind.
Durch die kurze Zeit da
zwischen.


Der Ausgangspunkt

Die Zeile,
die der eigentliche Anlass gewesen war
für das Gedicht, kam
am Ende
gar nicht vor
in ihm.
Wie schade!
Alles war so schön
geplant
gewesen.
Und dann das!
Das Gedicht
wollte die Zeile nicht;
es hatte
seinen eigenen Willen.
Es war unverschämt.
Die arme Zeile!
Ungenutzt. Und nutz
los. Aber nicht
ohne Sinn.
War sie doch
ein Ausgangs
punkt.


Eine Frage der Augenblicke

Dieser Moment
im 17. Jahrhundert
als Gryphius über den Augenblick schrieb

Betrachtung der Zeit

Was hatte er im Auge?
Die Ewigkeit.

So weit
wird’s nicht reichen –

aber immer
hin: ich
lese seine Zeilen

mehr als 300
Jahre später

& weiß
was er meint.

Ich suche
dasselbe.

Jeden Moment.

Alles eine Frage
der Augen
Blicke.

 

 

Gryphius


So funktioniert’s – oder auch nicht

Ein Mädchen spielt
Saxophon

irgend
wo
wann
wie

Ich kann es sehen & hören
obwohl mir
Hören & Sehen
längst vergangen sind

& ich das Mädchen nicht kenne

Ein Kater namens Leo
den ich Adolf nenne
öffnet eine Kühlschranktür
& hört das Spiel

 

Nicht jeder muss das verstehen.
Ich weiß, es gibt
mindestens 1 Menschen,
der es könnte.

Vielleicht niemand sonst.

Doch das ist bedeutungslos.

Selbst
wenn dieser 1 Mensch
Es niemals lesen sollte –

Es steht
geschrieben

& nur das
zählt

1
2
3

Der Sinn liegt
wo
anders.

Der Unsinn
löffelt

Ihn

So funktioniert

Poe
Sie.


Der Blick über die Schulter

»Wer ist das?« fragte sie.
Sie schaute über meine Schulter.
Wir teilten uns einen Sessel
in meinem Keller. Sie
saß rittlings auf meinem Schoß.
»Poe«, sagte ich.
»Nein«, sagte sie, »das ist doch nicht Poe;
der sah doch ganz anders aus.«
»Da dies die Reproduktion einer Daguerreotypie, und die
Daguerreotypie ein Vorläufer der Photographie ist,
sah er in jenem Moment wohl genau so aus – & da
diese Reproduktion seitenverkehrt ist &
Daguerreotypien ihrerseits seitenverkehrt sind, ist er
auf diesem Bild sogar richtigherum zu sehen.«
»Nein«, sagte sie, »auf meiner Poe-Ausgabe zuhause
ist auch ein Bild. Da sieht er ganz anders aus.«
Ich sagte: »Keine Ahnung, was du da zuhause hast, aber
auf allen Daguerreotypien, die ich von ihm kenne, sieht er
ungefähr gleich aus. Also – wie er selbst.«
»Ich mail dir mal ein Foto.«
»Ja, tu das. Bin gespannt.«
Nun gut, ich weiß bis heute nicht, wie ihre Poe-Ausgabe aussieht.
Es ist ja auch egal. Rückblickend betrachtet. Es war
unser erstes Treffen. Sie kletterte
von mir herunter. Auf den Boden. Zwischen meine Beine.
Poe schaute zu. Über meine Schulter
hinweg.


Vorbilder

Ich habe keine Vorbilder.

(Ein weiterer Satz, der
mit Ich beginnt.)

Vielleicht hatte ich früher welche.

(Ein weiterer Satz, der
mit Vielleicht beginnt.)

Eine Frage der Definition.

Was immer
einem Vorbild nahekam,
habe ich verbannt aus meinem Denken.

Ich will
Nichts
nach
bilden.

Niemandem!

Nicht einmal
die Wirklichkeit.

Und schon gar nicht
was Andere
mir vorgemacht haben.

Ich habe keine Vorbilder.

Bilde ich mir ein.


Nichts. Passt.


Kitsch, Kälte, Notwehr, Zote,
Selbstmitleid & Sex & Gier…..

Chaos.

Nichts passt zusammen;
so scheint es
mir
oftmals –

wenn ich überfliege,
was ich in kürzester Zeit zusammengeschrieben habe.

Vor allem
wenn es um Liebe geht.

Geht es um Tod,
so ist doch wenigstens noch
eine gewisse Einheitlichkeit vorhanden.

Beinahe Ruhe.

Aber Liebe? –
pfui Deibel!
Als ob es ums Leben ginge.

Über
all
Wider
sprüche.

Sehnsucht & Schmalz in der einen Minute.
Zurückweisung & Beleidigung in der nächsten.

Ein einziges wütend peinvolles Durch
einander.

Ach ja – Leben.

Chaos.

Passt.

Irgendwie.

Mit-, Gegen- & Durcheinander.

Nichts
passt zusammen.
Oder Alles.

Scheinbar oder anscheinend.

Nichts? –

Passt!


Der verschwundene Weg

Der verschwundene Weg


In den Bruchstücken meines Lebens

Das große Ganze
erkenne ich
in den kleinen Bruchstücken
meines Lebens

manchmal
vielleicht.

Dort
wo sich mein Leben
an Leben & Tod
von Anderen
bricht

wie Licht.

Alles
eine Frage
der Optik.

Und
des Blickwinkels.

Aber vielleicht
ist da auch
gar nichts.

Aus
der Nähe betrachtet.

Und alle Anderen
zu weit weg.

Alles nur
zerbrochen &
eine optische Täuschung.


Verdiente Mittelmäßigkeit

Ich glaube, der Typ ist der beliebteste
Fernsehmensch der Deutschen –
zumindest glaube ich, etwas Derartiges irgendwann
gelesen zu haben (man liest ja auch eine Menge
Dreck im Laufe des Lebens).
Ich erinnere mich, wie ich ihn das erste Mal
wahrnahm. Vor Jahrzehnten.
Ich: knapp über 20 & gerade damit beschäftigt, das
Gesamtwerk Arno Schmidts in meinen Schädel zu saugen; d. h.
ich war besonders sensibilisiert gegenüber der
Dumm- & Plattheit um mich herum. (Und natürlich auch
dementsprechend überheblich – in meinem tiefsten Innern; ein
klein wenig zumindest….)
Und da war nun also dieser Mensch. Im Fernsehen. Nur
ein paar Jahre älter als ich. Ich war irgendwo zu Besuch, und
es musste TV geglotzt werden. Eine Unter-
haltungssendung auf einem der 5 Sender, die man damals
hier empfangen konnte. (5 Sender inklusive DDR-Fernsehen I & II –
in Schwarzweiß; da die meisten Geräte hierzulande für
die Farbnorm Secam nicht eingerichtet waren.)
Die Details dieser Sendung sind der mildtätigen Verdrängung
anheim gefallen, aber ich weiß noch, dass alberne Rätsel
gelöst werden mussten, um die Kanditaten in den
Besitz eines Schatzes zu bringen. Der besagte Mensch
bezeichnete sich als „Außenreporter“ & war mit dem Hub-
schrauber unterwegs, um im Auftrag der Kandidaten…..
Ich merke gerade, dass ich mich selber langweile – daher
keine weitere Beschreibung.
Ich saß also vor dem Fernseher – & konnte es nicht fassen.
Mit was für einem Enthusiasmus dieser Mensch unterwegs war!
Wie wichtig er offenbar das nahm, was er da tat!
Als wäre es darum gegangen, die Menschheit vor dem
Untergang zu bewahren. (Vom Abendland ganz zu schweigen.)
Der Typ ist in meinem Alter! ….konnte ich nur immer wieder denken….
Nein, er ist älter als ich!
Warum saß er nicht zu Hause & las Bücher?
Den Begriff des Fremdschämens kannte ich damals noch nicht – das
Gefühl allerdings schon. Seitdem.
Es gab meines Wissens nicht allzuviele Sendungen dieses Formats (so
nennt man doch inzwischen das meist Formatlose, wenn ich nicht irre…) –
allerdings war bereits Eine zu viel.
Und heute?
Ist er omnipräsent. So scheint es zumindest. Und nicht nur auf
einem Sender. Die Masse hält ihn für
gebildet. („Weh mir, daß ich ein Deutscher bin…..“ – Warum mir ausge-
rechnet dieses Zitat wohl gerade einfällt?)
Liebling. Showmaster. Moderator. Sportkommentator. Quotenrenner.
Werbeträger. Und –
Journalist? Politischer Journalist gar? – Zumindest
hat er eine Sendung, wo er in launiger Runde
Politikern flachköpfige Fragen stellt. Den
Volksvertretern. Dabei ist im Grunde
er eine Art Volksvertreter.
In all seiner Mittelmäßigkeit. Halbbildung. Bürgernähe. Und
Baumarktskonformität.
Der beliebeste Fernsehmensch der Deutschen. Wenn das so ist,
dann: verdientermaßen.
Ja, ich erinnere mich. Manchmal ist so ein Gedächtnis auch
eine Last. Und manchmal
denke ich: Es muss schrecklich sein,
Er zu sein. Aber nein. Wenn ich er wäre, wüsste ich nicht,
wie schrecklich es ist, er zu sein.
Das wäre wohltuend.


Die Frage

Jemand stellte mir eine Frage.
»Muss es denn immer so düster sein
in deinen Texten? Überall
Tod & Einsamkeit & Verlust.«

Ich blieb stumm.
Ließ den Fragenden
allein.

Auf einem Teppich
aus schwarzem Schimmel
stieg ich die Kellertreppe hinab.
Mein schattenfarbener Mantel
fegte das Ungeziefer von den Stufen;
in seinen Taschen spielten meine dürren Finger
mit den verlorenen Zähnen der Geliebten.

Was ich dort unten in Gläsern sammelte,
war in Schweigen gehüllt & roch
grauenvoll.

Am Ende des Flures, der nahezu
lichtlos war, lachte
ein Wahnsinniger

in einem Spiegel.

Ich

verstand die Frage nicht.


Der Abwasch & das Zwiebelschneiden

Ich
wiederhole
mich

wie ein Ritual
wie ein Leitmotiv

in meinem Leben.

Die Themen wiederholen sich
in meinem Leben

wiederholen sich
in meinem Geschreibsel –

was beinahe Dasselbe ist.

Und ich langweile mich

nicht

einmal dabei.

Ich
wiederhole
mich

wie ein Ritual
wie ein Leitmotiv

in meinem Leben.

Leben
Liebe
Tod

der Abwasch & das Zwiebelschneiden.

Mag es
Andere langweilen.

Ich wiederhole mich.

Ich wiederhole mich gern.

Es bleibt
mir auch
nichts Anderes übrig.

Es ist
mein Halt.

Ein Halt ohne Einhalt.

Das Bekannte im Unbekannten.

Das Alte im Neuen
das erschrecken könnte.

Leben –

ich wiederhole mich.

Wiederhole mich
bis in den

Tod.

Tod

der mich holt
& sich auch nur

wiederholt.


Die romantische Sau

Eigentlich
wollte ich es nicht wissen.
Wie lange war es jetzt her?
Das letzte Treffen…..

Aber
ich bin gierig –
in mancherlei Hinsicht.
Das ist mein Naturell.

Und vor allem bin ich
neugierig.

Es war so einfach.
Ich wusste, was ich in jener Nacht
geschrieben hatte. Nachdem sie
eingeschlafen war.

Nebenan.

Ich brauchte nur
den Text zu suchen…..

Das Datum erschreckte mich.
9. Oktober!
Jetzt hatten wir den
21. Dezember.

So lange
war es mir gar nicht vorgekommen.
Und es erschreckte mich,
dass es mir gar nicht so lange vorgekommen war.

Oftmals hatte ich an diese Nacht gedacht
in der Zwischenzeit. Die wie eine
Zwischenwelt war, in der wir nicht
gemeinsam existierten.

Nach dem Schreiben
hatte ich mich wieder zu ihr gelegt.
Nach dem Erwachen
las sie das Geschriebene.

Sie lächelte.
»Du hättest nicht
ins Waschbecken pinkeln müssen.
Ich wäre ohnehin nicht
aufgewacht.«

Eigentlich
war mir das klar gewesen.
Ihr Schlaf war
beneidenswert.

Meiner war eher
wie ein Gemälde
von Goya.

Egal.

Das mit dem Waschbecken
machte sich ganz gut in dem Text.
Fand ich. Und das war
die Hauptsache.

In der Zwischenzeit
wichste ich in dieses Waschbecken.
Das macht sich weniger gut
in diesem Text.
(Oder sollte ich sagen: Das
kommt weniger gut
?

Auch egal.)

9. Oktober!

So lange also
hatte ich
das Bett nicht frisch bezogen!

Was bin ich doch für eine Sau.

Man konnte es nicht riechen.
Ich jedenfalls nicht.
Und sonst war ja niemand da.

Aber sie
konnte ich auch nicht mehr riechen.
Alles verflogen…..

Hie & da
noch ein Haar.

Herausgerissen
in der Hitze des Gefechts.
Verloren
im Schlaf.

Blonde Saiten.

Ja – eine Sau.
Schlimmer – eine romantische Sau!

 

 

Der Text vom 09. Oktober


Der Horror des Lobes

Da war sie wieder –
die Resonanz.

Ein Lob
für etwas
Altes,
Vergangenes.

»Das ist einer deiner besten Texte.«

Ich erinnerte mich
nur dunkel.

Vermutlich
hatte ich ihn im Vollrausch geschrieben.
Wie so viele
damals.

Das Lob war
wie die Bestätigung
meiner Befürchtungen…..

Die Nüchternheit
ist nicht gut für dich & deine Schreiberei…..
Du solltest wieder anfangen
zu saufen…..
Egal
ob dir das bekommt
oder nicht….

Lob
bekommt mir nicht.

Oh, Moment –
Lob bekommt mir nicht?

Warum
sollte ich also wieder anfangen zu saufen,
nur um welches zu bekommen?

Von mir
oder
von Anderen….

Ich mag diese
absurden Widersprüche.

Und im Moment habe ich
so
wieso
keinen Durst.


Der Tod des Georg Heym

Ein Dichter
sollte sterben
als Metapher.

Im besten Fall.

Er brach ein
auf zu dünnem Eis

als er den Freund
retten wollte.

Erfolglos.


Das Wortgeländer

Versucht

 

habe ich

 

 

 

Es

 

immer wie

der

 

 

Das Aus

löschen

 

der Zeilen

 

 

 

Um

nur

noch

 

die

Zwischen

Räume

 

übrig

zu lassen

 

 

Ver

gebens

 

 

 

 

Ge

      danken &

Ge

      fühle

 

brauchen

den

 

Halt

 

 

 

Brauchen

halt

 

das Wortgeländer

 

um

nicht

 

in die Tiefe

zu stürzen

 

aus der sie

 

 

empor

           gestiegen

                            sind

(Siehe auch: Das Zeilengeländer)


Hemingway aufm Klo

Ich dachte an Hemingway,
der zum Schreiben aufs Klo ging,
um Marys Schlaf nicht zu stören.
Damals
im Ritz.
In Paris.
Während des Krieges.
Und er schrieb ein Gedicht
aufs Klopapier.

Ich könnte es mir nicht leisten.
Das Ritz.

Mit oder ohne
Krieg.

Ich ging aufs Klo.
Zuhause.
Es galt
den Schlaf der Frau nicht zu stören.

Also
pisste ich ins Waschbecken.

Denn
das laufende Wasser
war leiser
als die Spülung.

Auch eine Art
der Rücksichtnahme.

Dann
schrieb ich
dies.

Nun ja.

Seine Gedichte waren
auch
nicht so
besonders.


Wie ich meine Mutter schlachtete & dadurch uns beide entsorgte

Man muss es verstehen
Erwartungen
zu wecken

um sie
anschließend
zu enttäuschen –

kalt lächelnd
oder
mit einem Augenzwinkern.

Man muss es verstehen
Aufmerksamkeit
zu erregen

um die Erregung
am Ende
ins Nichts

zu verkehren.

Besonders gut geeignet
dafür sind –
zumindest bei Texten wie diesem –

reisserische Über-
schriften.


Unter den Untergängen

I.

Unter den Tageslichtern
ist die Dämmerung
das schönste

Unter den Dämmerungen
ist der Sonnen-Untergang
die schönste

Unter den Untergängen
ist das Abendrot
der schönste

Und unter allen Helligkeiten
ist die künstlich erleuchtete Nacht
die schönste

Wie unter allen Finsternissen
der ausgesperrte Tag
die schönste ist

 

 

II.

Lichte
Untergänge
dämmern
im Dunkeln

Kunst
Licht
& Schönheit

in der Nacht.

Licht

Brechung

– Ey, sachma, was soll dasnn jetz bedeuten?
– Was weiß denn ich? Is halt Kunscht.
– Schwurbelschwurbel…..
– Isso aus mir rausgeflossen.
– Iiieh!
– Ja …. & jetzt mach ich’s kaputt.
– Wie?
– Indem ich dies Gespräch einfüge.
– Nee, lass, das is peinlich.
– Nicht so peinlich wie ohne.
– Du spinnst ja.
– Eben.
– Bitte, mach’s nicht kaputt.
– Doch. Das gehört dazu.
– Das versteht doch keine Sau.
– Macht nix, is eh keine Perle.
– Verdammt! Am Ende glaubt man noch, dies Gespräch
hätte tatsächlich stattgefunden.

Gelächter

Brechung

Licht

Gelichter

 

 

III.

Unter den Untergängen
ist der Tod
der dunkelste

& unter den Lichtern
das schönste
der Ausgang.


Das Lieblingsbuch

Die schweren Maschinen
ratter!ratter!ratterten!
im Vorführ
raum.
Sich drehende
Spulen ….
24 Bilder pro Sekunde.
Projektoren
(4 an der Zahl:
2 im oberen Raum,
2 im unteren –
beide Räume miteinander
verbunden
durch eine Wendeltreppe);
alte Projek
toren
die Bilder warfen.
Fertige,
vorgefertigte
Bilder.
Der Jugendliche, der
ich
war
(16 oder 17 Jahre bildeten be
reits eine Vergangenheit),
saß auf einer Bank
im oberen Raum.
Verschwunden
in einem Buch –
verschwunden in
Irland –
verschwunden im
Martello-Tower.
Ratter!Ratter!Ratt
er!

Die Wörter warfen
Bilder ohne Zahl
in mein Inneres.
Nieren – Stout – & Sperma.
Selbstgefertigte Bilder
in 4 Dimensionen –
stinkend klingend tast
end.
(Ich ahnte nicht, dass ich
eine schlechte Übersetzung las –
es wäre mir sogar
egal gewesen…. so
wie den Meisten, die
jenseits der kleinen Fenster
im Halbdunkel saßen,
die schlechten Synchronisationen der Filme
egal waren.)
Unten
lief ein Porno;
oben
Irgendwas von Walt Disney.
Ratter!Ratter!Gulp!Schwupp!Peng!

»Hast du eigentlich
ein Lieblingsbuch?«
Irgend Jemand stellt ja immer solche Fragen.
»Zu viele«, sage ich.

Und doch…..

Ich kehre zurück.
Immer wieder.
In dieses eine.

Verführt
von Erinnerungen.
Verführt
von der Sehnsucht
nach dem Vorführraum
der Vergangenheit

nach dem Geräusch der Projektoren
nach dem Kreisen der Spulen.

Ich trete ein
in die unterschiedlichen Übersetzungen.

Und die schlechte Übersetzung ist
wie das Zuhause meiner Jugend –
anheimelnd & vertraut.

Und ich trete ein
in das Original –
wie ein Fremder, der sich
in einer fremden Welt
an die falschen Worte erinnert.

Und ich verschwinde.

Ver
schwinde
im
Buch

Ulysses

(siehe dazu auch: Pornoschnipsel)


Dichterklause

»Das
ist einer deiner schönsten
Texte.
Tief –
Vielschichtig –
Konzentriert.
Als hättest du
viel darüber nachgedacht.
In Ruhe nachgedacht.«

»Na sicher«, sagte ich,
»in meiner Dichterklause.
Wo sonst.«

Ein Glas fiel zu Boden
Splitterte
Die Besoffenen grölten
Eine Frau lachte schrill
Der Barkeeper holte Feger & Kehrblech
2 Sirenen
heulten im Duett
Kreisende Blaulichter huschten durch die Nacht
am Hotel vorbei
Gegenüber am Bahnhof sangen die heimkehrenden
Fußballfans
In der Lobby lief tonlos der Fernseher –
Hitler schwang die Faust
während Nachrichten & Börsenkurse über seine Brust liefen
Das Telefon an der Rezeption trillerte
Ich ging ran
Jemand wollte ein Zimmer
»Ausgebucht« sagte ich
Aus den Fahrstühlen sickerte der Schleim der Musik
Die Mikrowelle klingelte wie eine Schreibmaschine
am Ende der Zeile
Das Textprogramm klingelte nicht
als ich am Ende war

Wieder einer fertig!

So ist das
mit der Klause.

Wie gut – dass ich
kein Dichter bin.
Ich bin nicht einmal
ein Nachtportier
eigentlich.

Eigen
tl
ich

bin ich
nur
ich.

Oder
Nichts.

Und
Nichts
zu sein –
ist auch

recht
angenehm.


In Form

Die Realität
in Worte gefasst

wirkt
oft

so
irreal
surreal

symbol
überladen

wie
der nackte Arsch
auf dem Fuß eines Sonnenschirms

wie
der tote Schmetterling
auf einer Windschutzscheibe

wie
der zerbrochene Lieblingsteller
in Form eines Halbmondes

Die Realität
in Form gebracht

wirkt
oft

so
künstlich

….. Kunst-Stoff
aus dem die Träume sind

Doch das ist
nur
Täuschung.

Es ist
die Realität selber

die so
irreal
surreal
symbolüberladen

ist

Der nackte Arsch auf dem Sonnenschirm –
es gab ihn wirklich.

Der tote Schmetterling auf der Windschutzscheibe –
ist Dreck & Symbol zugleich.

Der zerbrochene Lieblingsteller in Form eines Halbmondes –
zerbrach so – & nicht anders.

Es ist
der Blick –

der
wortlose
formlose
fassungslose
Blick

der
Alles
in
Allem

findet.


Der Verschrobene im Supermarkt

Knoblauch/Zwiebeln
Klebeband
Olivenöl
Kaffee
Toilettenpapier
Löwensenf/Mayo
Spülmittel
Butter
Eier
Shampoo
Fisch
Pizza
Schokolade
Nudeln
Kuchen
Käse
Kein Alkohol!

Wer weiß schon,
ob dies
ein Gedicht
ist…..

Jeder
wird eine Meinung
dazu
haben.

Das
ist
egal.

Doch
Eines
steht fest:

Es ist ein
ziemliches Durcheinander;
absichtlich oder unabsichtlich.
Die Reihenfolge der Wörter
entspricht nicht
dem Aufbau, nicht der Route
im Supermarkt.

Wer diesen Worten folgt,
nimmt einen Kurs, der
weder rationell
noch rational
ist.

Wer den Worten folgt,
geht Umwege.

Der die Worte schrieb – mag
belächelt werden…..
von Denen, die
die richtige Reihenfolge bevorzugen;
von Denen, die
die kurzen, direkten Wege gehen –

um schneller
zur Kasse zu gelangen.

Er mag
bezeichnet werden als –
der Verschrobene im Supermarkt,

der
zu
viel
Zeit
hat

(…. wie all die Anderen,
die im Zickzack laufen.
Mit oder ohne
Zettel).

Doch auch

Das
ist
egal.