Ich bestrich die Fleischwurstscheiben
großzügig mit Mayonnaisse, rollte sie,
aß sie.
Eine nach der anderen.
Dazu trank ich Jägermeister.
Ich war 14.
Saß in meinem Zimmer auf der Matratze,
die auf dem Boden lag.
Es war die Zeit, als ich noch
unordentlich war.
Bücher & Zeitschriften lagen überall
in wildem Durcheinander.
Wie viele Scheiben Wurst mit Mayo
brauchte es? Wie viele Gläser
Jägermeister?
Ich weiß es nicht mehr.
Ich kotzte.
Kotzte wie selten.
Auf die Bücher, auf die Zeitschriften.
Man konnte die Wurst noch erkennen,
dazu die Farbe des Getränks.
Irgendwie schaffte ich es ins Bad, um dort
weiterzumachen.
Mein Bruder & seine Frau saßen im Wohnzimmer.
»Oh, mein Gott«, hörte ich sie sagen.
Denn ich war sehr laut.
Mein Bruder sagte nichts.
Er war es, der
in mein Zimmer ging, um dort
sauberzumachen.
Es machte ihm nichts aus.
Ich hätte das nicht
gekonnt.
Wie so vieles.
Ich bewunderte ihn dafür.
Wie für so vieles.
Liebte ihn.
Liebte bereits
SIE
die »Oh, mein Gott« gesagt hatte.
Alles ändert sich
irgendwann.
Natürlich.
Natürlich wie der Vorgang des
Kotzens.
Ich besitze noch einige der
Bücher von damals.
Man sieht die Spuren.
Zum Teil habe ich vergessen, was
ihn ihnen stand. Es war
weniger wichtig.
Weniger wichtig als ihre
bekotzten Einbände.
Es dauerte lange
bis ich wieder
Fleischwurst essen,
lange
bis ich wieder
Jägermeister trinken konnte.
Ich kotze nicht mehr.
Obwohl ich weiterhin
esse & trinke.
Da wäre auch niemand mehr, der es
wegmachen würde.
Und da ist auch
Niemand mehr, der
»Oh, mein Gott« sagt.
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Jägermeister & Fleischwurst
Meine Trägheit
»Normalerweise
liebe ich meine Trägheit.
Genieße sie.
Ein Gesetz.
Mein Trägheitsgesetz.
Müßiggang –
was für ein schönes
widersprüchliches Wort!
Doch dann:
Du kletters-
test
aus dem Bett
(so schön)
um Dir ein Bier zu holen
aus meinem Kühlschrank
Nackt
& ich
träge Sau
blieb liegen!
Ich hätte Dir
hinterhergehen
müssen.
Um Dich
zu beobachten
zu betrachten.
Deinen Anblick
& jede Schwingung
zu genießen.
Im Licht der Lampen.
Im Gegenlicht des
Kühlschranks.
Nun sehe ich dieses Bild
nur in meiner Phantasie.
Aber was ist schon
meine Phantasie!
Ja, manchmal
hasse ich meine Trägheit!«
– – –
»Aber«, sagte sie, »im Keller
war ich doch auch allein …. & nackt.
Und habe auf deinem Sessel gesessen,
entspannt.«
Es stimmte. Sie war
zum Rauchen in den Keller gegangen,
in den Raum mit den
vom Zigarrenrauch gebräunten Tapeten.
Und auch das stellte ich mir vor.
Sie
nackt &
allein
in diesem Raum
auf meinem Sessel.
Und die Spinnen unter dem Heizkörper
beobachteten sie.
Während ich
träge
im Bett lag.
Zigarettenkippen in Zigarrenasche
Dann kam der Zeitpunkt, als ich
in den Aschenbecher blickte ….
um in der Asche & zwischen den
Stummeln meiner Zigarren
ihre Zigarettenkippen zu betrachten.
Aus all dem Grau meiner Asche
stachen sie hell hervor &
erinnerten an
Leben.
Die aufmerksame Leserin
Es war offensichtlich:
Sie war eine
aufmerksame Leserin
meiner Texte.
Denn als sie
an meiner Tür klingelte,
trug sie einen dünnen Rock, der
oberhalb der Kniee endete.
Sie zog ihre Schuhe aus.
Sie schnupperte an meinem
Cocktail.
Ich fragte sie, was sie
trinken wolle.
Sie sagte:
»Ein Bier.«
Ich hielt ihr
(Test) die Flasche &
ein Glas hin.
Sie nahm
nur
die Flasche;
öffnete sie
mit einem Feuerzeug.
Sie kannte meine Unsicherheiten &
setzte sich rittlings auf
meinen Schoß.
Und unter dem dünnen Rock
trug sie
nichts als ihre
feuchtfröhliche Sehnsucht, die
auf meine Hose tropfte.
Die langen blonden Haare
Die Einsamkeit war lang gewesen
So lang
So viel länger als
die blonden Haare, die plötzlich überall
in meinem Haus zu finden waren
ohne dass ich sie suchen musste
Die Einsamkeit war lang gewesen
Zu lang
& ich bekam
einen Krampf im rechten Fuß:
im 2. Zeh von rechts –
als gewisse Punkte meines Körpers
ungewohnt berührt wurden
Ich sprang nackt aus dem Bett
um den Krampf zu lösen
Es war zum Lachen
Also lachten wir
Vieles
löste sich
Ich schmeckte mein Bier
auf fremder Zunge
& die langen blonden Haare
fielen überall
auf meine ramponierte Haut
bevor
der Besuch zu Ende war.
Und irgendwann werde ich anfangen
die langen blonden Haare
zu suchen.
Sie
zu suchen
um sie zu betrachten &
SIE
zu riechen.
Umzug
Der Transporter war gemietet.
Habseligkeiten eingeladen.
Platz war nur für
3 Passagiere.
Ihr Mann saß am Steuer.
Sie daneben
Ich neben ihr.
Er trug Jeans.
Sie trug Jeans.
Ich trug Jeans.
Ihr rechtes Bein
&
mein linkes
berührten sich.
Ich atmete,
um mir nicht anmerken zu lassen,
dass diese Berührung
mir den Atem raubte.
Ich schaute hinab
auf unsere Beine, die
grenzenlos aneinander grenzten.
JA!
Es WAR
ein Umzug!
Die Haut
Es begann kurz nach dieser
Trennung, die meinen völligen
Zusammenbruch bedeutete.
Die Akne, die ich bis dahin lediglich
im Gesicht gehabt hatte,
breitete sich über meinen
ganzen Körper aus, und
ich bekam eine kahle Stelle
am Hinterkopf –
Kreisrunder Haarausfall. –
‚Wie passend, dachte ich: Eine
Autoimmunkrankheit!’
»Stress gehabt?« fragte der Hautarzt.
Ich nickte. (So wie ich beim
Augenarzt auf dieselbe Frage genickt hatte;
der war darüber verwundert gewesen, dass
meine Augen
innerhalb weniger Monate
einen Sprung von
+0,2 Dioptrien auf
-3,25 gemacht hatten.)
Der Hautarzt also jagte mir mehrmals
eine kleine Nadel in die kahle Stelle &
verschrieb mir eine Teertinktur, die
dort aufgetragen werde musste.
Tatsächlich wuchsen die Haare
irgendwann wieder nach.
Zur Behandlung der Akne hatte er
auch diverse Ideen, aber alle wären
mit Zeitaufwand verbunden gewesen.
Dazu hatte ich keine Lust; es war mir
egal.
Außerdem fand ich es interessant, dass
meine Haut davon berichtete, wie es
mir ging …..
Pickel, Narben …. Warum nicht?
Und als später der Kreisrunde Haarausfall
meine Schambehaarung befiel,
unternahm ich auch dagegen
nichts mehr. –
Diese Frau & ich – wir kamen wieder
zusammen; immer wieder mal, für
kurze Zeiten.
Sie betrachtete meine Haut,
sie streichelte die Pickel, die Narben.
»Stört es dich nicht?« fragte ich.
Auf dem Nachttisch lag
meine neue Brille.
»Du spinnst doch«, sagte die Frau.
Sie grinste. »Dreh dich mal rum.«
Und sie bedeckte meinen Rücken mit
Küssen. Sie hatte
verstanden.
Das rote Wildlederkostüm
Manchmal
Nein, nicht manchmal –
oft!
Oft
sehe ich sie
noch heute
vor mir
in mir
in ihrem
Roten Wildlederkostüm
Und der Rock hatte einen
schiefen
schrägen
ausgefransten
Saum
Darunter
ihre Kniee
Sie spielte Billiard
Lächelte mir zu
Zwischen all den gierigen Blicken
der fremden Männer
die sie nicht bemerkte
Und ich weiß noch,
welche Musik in diesem Moment lief –
aber ich werde sie nicht
erwähnen
ich behalte sie für mich
für mich
für mich
für mich
für
uns
Die Pfeifensammlung meines Vaters
Ich besitze sie noch
Niemand kann sie mir nehmen
Die Pfeifensammlung meines Vaters
Doch der Tabak
ist nun alle
Seinen letzten Tabak habe ich
aufgeraucht
fast 40 Jahre
nach seinem Tod
Er war trocken
Verglühte immer wieder
Ich stopfe frischen Tabak
in die alten Pfeifen
Er brennt
Ich rauche
& schaue
dem Rauch hinterher
Anschlussfehler
Meine Lieblingsepisode
meines Lieblingsepisodenfilms
dauert nur
20 Minuten
La Goccia D’Aqua
von
Mario Bava
Doch selbst in
dieser Kürze
gibt es
mindestens
1 Anschlussfehler
Eine Flasche
mit billigem Fusel
steht auf einem Tisch
Da ist
kein Korken
in der Flasche
als die Szene beginnt
Doch plötzlich
ist er da
der Korken
wie aus dem Nichts
eines verwirrten Schicksals
Und wahrscheinlich
hatte ich diese Szene
51 Mal gesehen
ohne dass
es mir
aufgefallen war
Egal
wie kurz eine Episode ist
Egal
wie oft man sie gesehen hat
Irgendwo
ist immer
mindestens
1 Anschlussfehler
& es ist einem
Egal
Andernach
Vielleicht wird es mir
Niemand
glauben
So wenig glauben
wie ich manchmal
dem Schicksal
glaube
Aber:
Meine
Große zerstörerische Liebe
wurde in
Andernach
geboren
Und ich war
oft
oft
oftmals
dort
in den 70ern
& besuchte mit ihr
ihre Eltern
Die die
Schwiegereltern
meines großen Bruders
waren
Seltsamerweise
mochten sie mich mehr
als ihn
Vielleicht weil
sie
mich
mehr liebte
als ihn
& sie
es spürten
Vielleicht.
Einige Jahre nach
meinem ersten Besuch in
Andernach
stieß ich im Kellergeschoss
eines Kaufhauses
auf dieses Taschenbuch:
Aufzeichnungen eines Außenseiters
Las die ersten Zeilen
Fand mich
wieder darin
in Teilen &
war gefangen
im Ganzen.
Ich kaufte das Buch.
Und dann
las ich
wo Er
geboren worden war.
Unter den Zufällen
meines Lebens
ist dieser
mir
der liebste.
In Farbe
Ich starre auf Dein Foto
Ein Foto aus Deiner Vergangenheit
die ich verpasst habe
Deine Augen sind so traurig
in schwarzweiß
Damals schautest Du
verloren
in eine Kamera
& ich weiß nicht
wer sie hielt
Damals
Egal wie weit weg
dein Blick auch war
Er trifft mich in
unserer Gegenwart
& ich halte
Dich
in Farbe
Dunkelheit
Du hast Angst
in der Dunkelheit?
Ich erinnere mich
an dieses Gefühl.
Kindheit.
Aber
in meiner Dunkelheit
brauchst
Du
keine
Angst
zu haben.
Der Bienenstich
Nacht.
Stille.
Auf dem Bildschirm:
nackte Frauen über Telefonnummern.
Stummgeschaltet.
Ich sitze im Bett & esse
ein Stück Kuchen.
Bienenstich.
Es ist mein Frühstück.
Ich betrachte die Beine.
Der Kuchen ist lecker.
Die Gedanken fliegen.
Da bin
Ich. Als kleiner Junge.
In kurzen Hosen.
Ferienausflug.
Ich kletterte einen steilen Abhang
hinauf. Meinem Vater &
meinen Brüdern hinterher.
Hatte Angst
abzurutschen ….
hinunter zu fallen ….
Der Aufstieg war anstrengend.
Ich schaute nur nach oben,
achtete kaum darauf, wo ich
hintrat.
Dann:
Ein Stich.
Ein Schrei.
Ein unbekannter Schmerz
in meinem rechten Bein. – –
Die Biene war dem Tod geweiht;
auch sie auf einem Ausflug –
ihrem letzten.
Ich weiß nicht mehr, ob ich
weinte.
Wahrscheinlich.
Mein Vater ging die paar Schritte
abwärts, zurück zu mir.
Meine Brüder warteten.
Mein Vater kniete sich hin.
Pulte den Stachel heraus.
Presste seine Lippen auf mein Bein
& saugte.
Dann spuckte er auf den Boden.
Der Schmerz blieb.
Noch eine Weile.
Aber ich habe ihn vergessen.
Vergessen, wie er sich anfühlte.
Was ich nicht vergessen habe ….
Egal.
Der Kuchen ist alle, und
die Beine sind noch da.
Brüche
Als wir unsere Herzen
brachen
hätte ich so gerne
ihre Stirn
gehalten
Wir hatten sie
einfach
zu schnell
verschlungen
& uns war
schlecht geworden
Worte wurden
gebrochen
Versprechungen
gebrochen
& dann
war
Alles
im
Eimer
Korrosion
All die Tränen & der Schweiß
die im Laufe der Zeit
auf das Metall
gefallen
sind
Sie haben sich
hineingefressen
tiefer & tiefer
Und das Metall
fing an
zu rosten
Und der Nagel
fing an
hässlich & brüchig
zu werden
& fast hätte er
seinen Kopf verloren
Es ist die Frage
ob ES noch
halten
wird
Wenn man
sein Herz
an diesen halbzerstörten Nagel
hängt –
Nachdem man ihn
vorsichtig
so vorsichtig
in seinen Traum
geschlagen hat
Durchsichtig
Sie trug einen Rock, der mir
eigentlich
zu lang gewesen wäre.
Aber
zum Ausgleich
war er
dünn.
So dünn.
Er war durchsichtig.
So durchsichtig
wie meine
Motive.
Man sah,
wenn das Licht
günstig
stand,
ihre Beine.
Ihren Slip.
Ich war wütend.
Warum hatte sie ihn angezogen
– jetzt –
unmittelbar
bevor sie
zu
ihm
zurück
fuhr?
Warum nicht
früher?
»Toll«, sagte ich, »was
Anderes
hattest Du wohl nicht?«
Ihr kleiner Sohn
antwortete schneller als sie:
»Aber sie hat doch
einen Schlüpfer an.«
Humorlos
sagte ich:
»Das wäre ja auch noch schöner!
Ohne!«
Heute muss ich
darüber
lächeln.
Der Kleine
verstand
so
viel.
Und ich
hatte
so einen kleinen
Verstand.
Die Ähnlichkeit nach dem Ende
Nach dem Ende
der Beziehung
mit dem Leben
ähneln sich
nach einiger Zeit
alle
so
sehr –
Skelette
oder
Asche …..
Vielleicht
üben wir das nur
im Leben
Diese Ähnlichkeit
nach dem Ende
von
Beziehungen
Das schmutzige Fenster
Das Fenster war so sauber
& langweilig
Bis Du Dich
nackt
darin spiegeltest
Dann wurde es
schmutzig
& aufregend
Das Zungenbändchen
Was gab es in jenem Moment
Besseres
zu hören als
das Rauschen des Blutes
in meinen Ohren
Was
Besseres
zu fühlen als
den weichen Druck ihrer Oberschenkel
auf meinen Ohren
meinen Wangen
Was gab es
Besseres
zu sehen als
ihre geschlossenen Augen
ihren geöffneten Mund
& wie sie sich
auf den Knöchel des gekrümmten
Zeigefingers
biss
Was gab es
Besseres
zu riechen als
sie
Dann
nachdem sie die Schenkel wieder
geöffnet hatte
wollte sie meinen Kopf von sich
wegzudrücken
Aber ich ließ es nicht zu
Ich machte weiter
Es ging ein bisschen schneller
beim zweiten Mal
Blut
Druck
Augen
Mund
Duft
Wieder wollte sie mich wegdrücken
Wieder ließ ich es nicht zu
Schließlich
begannen meine Kiefergelenke
leicht zu schmerzen
Blut
Druck
Augen
Mund
Geruch
Sie ließ mich weitermachen
Beim vierten Mal
dauerte es wieder etwas länger
Beim fünften Mal
noch länger
Dann war es
als wollte sie mir den Schädel
zerdrücken
& mir die Zähne einschlagen
mit ihrer Fotze
Ich wollte
weitermachen
weitermachen
weitermachen
Wie in einem zeitlosen Rausch
Aber sie sagte:
»Nicht.
Ich kann nicht mehr.«
Meine Finger waren aufgeweicht
»Das trifft sich gut«, flüsterte ich,
»ich kann nämlich auch nicht mehr.
Aua, mein Kiefer.«
Sie grinste
Ich rutsche hoch
Neben sie
Gab ihr einen Kuss, obwohl
sie es nicht mochte
sich zu schmecken
»Du bist verrückt«, sagte sie.
Sie zog die Decke über uns
Wir rückten etwas weiter auf die
andere Seite
weil das Laken so nass & kalt war
»Aua, meine Pfunge«, sagte ich.
Sie kicherte
Tatsächlich
fühlte sich das Zungenbändchen
am nächsten Tag
seltsam stumpf & dick & gereizt an
Ab & zu fragte sie:
»Was macht das Bändchen?«
»Es hält«, sagte ich.
»Es hält.«
Wir grinsten
Was gab es
Besseres
in jenem Moment
Die Möwe
Sie liebte Möwen.
Also nahm ich ein Blatt Schreibmaschinenpapier,
zeichnete eine Möwe darauf,
spannte anschließend das Blatt in die alte
Triumph meines Vaters & tippte
rings um die Möwe herum
das Wort »Besessenheit« –
so oft, bis
das Blatt voll war.
Dann schickte ich es ihr
per Post.
Als ich sie
das nächste Mal sah,
drang ihr Blick so tief
in mich,
dass ich es
nicht
ertragen konnte.
Und
nichts
geschah.
So lächerlich!
So lächerlich
finde ich
oft &
oft &
oft
meine
verdammte
Schreiberei!
Peinlich
darüber
zu
reden.
Lächerlich
es
ernst
zu
nehmen.
Man sollte
nur
schweigen
darüber.
So
wie
Millionen andere
es
auch
sollten.
All dies
papierene Gequatsche.
All dies
Versagen.
All diese
Selbstbefriedigung.
Nie werden wir
etwas
Großes
schaffen.
Denn
das Große
war
schon
da!
Die kleinen
Zettel, die ich
als Kind
bekritzelte
waren
mir wichtiger
als mein
heutiges
Geschwurbel.
Und die
Zettelchen, die ich
später
ihr
schrieb
& an Orten versteckte
wo
er
nicht suchte
waren wohl
das
Einzige
von Wert
dass ich
überhaupt
jemals
geschrieben
habe.
Aber
ich
kann
einfach
nicht
aufhören
Vorbehaltlos
Kindheit –
die Phase meines Lebens,
in der ich mich
in
Alles
&
Jeden
vorbehaltlos
verlieben
konnte.
Weibliche Menschen
Männliche Menschen
Männliche Tiere
Weibliche Tiere
Gegenstände
Oftmals
wünsche ich mir
diese Vorbe
haltlosigkeit
zurück.
Eine Vorstellung
in die ich
mich
noch heute
verlieben
könnte.
Beinahe
vor
be
halt!
los!
Kochshow
»Ich kann nicht kochen …«, sagte sie.
»Also, mir hat’s bisher immer geschmeckt«,
sagte ich.
Sie grinste. »Doofsack. Ich meinte:
Ich kann nicht kochen, wenn du mir dabei
nicht
zusiehst.«
»Aber ich sehe dir doch zu.
Immer.«
So war es.
Ich sah ihr zu.
Beim Kochen.
Immer.
Saß hinter ihr.
Immer.
Meine
private
Kochshow.
Genüsse & Vorfreuden
die
aufeinander
trafen.
Der Geschmack des Cocktails ….
Der Geruch des Essens ….
Der Dampf ….
Die Wärme ….
Ihre Geschicklichkeit ….
Ihre Schönheit ….
Ihre Zaubertricks …..
Ihre Beine ……
Sie kochte nur, wenn sie
gut gelaunt war.
Wenn sie gut gelaunt war,
zog sie an,
was ich mochte.
Hin & wieder
beugte ich mich vor
& hob ihren kurzen Rock
oder mein Hemd,
das sie trug,
ein wenig an.
Sie ließ sich
nicht
stören
& rührte.
Das Essen
& –
mich.
Sie hat keine Ahnung
Sie
hat keine Ahnung.
Keine Ahnung
dass ich
irgendwann
nach langer Zeit
wieder
mit dem Schreiben anfing.
Sie – die
häufiger
in meinem
Ge
schreibsel
auftaucht
als irgend jemand sonst ….
Sie – die
sogar dort
präsent
ist
wo sie nicht
auftaucht ….
Vielleicht sogar
dort
wo es
um Andere geht
…..
Dabei mochte sie
meine Worte
in graubunter Vorzeit.
Damals
als sie
neben mir lag & ich ihr
wenige Seiten
zeigte.
Doch die Worte
die ich ihr zuletzt schrieb
vor Jahren
mochte sie
nicht.
– – – – –
Sie lebt noch
das weiß ich.
Aber das ist auch alles
was ich noch weiß.
Einmal
im Suff
wollte ich ihr
den Link zu meinen Texten
schicken
Ihre Email-Adresse
existierte nicht mehr
als ich wieder nüchtern war
war ich froh darüber.
Zu wissen
dass sie mitliest
könnte mich
beeinflussen –
Zu wissen
dass sie mitliest
könnte mich
verstummen lassen …..
Und doch –
Was – wenn
sie sterben würde
ohne gelesen zu haben?
Was – wenn
sie erst
nach meinem Tode lesen würde?
Wir sind dem Tod
beide
so viel näher
als damals.
Sie war dem Tod schon
zwei Mal so nahe gewesen
so nahe – – –
näher als ich
jemals
(fast so nah
wie wir uns gewesen waren)
ohne
dass ich es wusste …..
Ich
hatte keine Ahnung.
Und sie rief meinen Namen
auf der Intensivstation
ohne dass ich es wusste …..
Sie rief ihn
ohne Bewußtsein
innerlich blutend
betäubt
kämpfend
& Der
der bei ihr war
hörte es.
Er sagte es ihr –
später
Sie sagte es mir –
noch später …..
– – – – –
Und
irgendwann
könnte
Alles
zu spät
sein
Der schwarze Slip
Sie sortierte die schmutzige Wäsche,
die neben der Waschmaschine
auf dem Boden lag.
Sie stand vorgebeugt
mit ihrer Rückseite zur Tür.
Trug einen schwarzen Slip,
sonst nichts.
Leise & langsam
schlich ich mich an …..
Zog ihr
mit einem Ruck
den Slip herunter.
Blitzschnell
richtete sie sich auf.
Ihre Stimme war eine
Rasierklinge.
»Spinnst du!?!
Hör auf mit dem Scheiß!«
Ein schneidender Klang.
Sie zog den Slip
wieder hoch.
Sah mich nicht an.
Bückte sich
&
sortierte weiter.
Da wusste ich:
Es war
mal wieder
vorbei.
Nicht
mal wieder
vorbei
mit
irgendeiner
Frau,
sondern:
Mal wieder
vorbei
mit
ihr.
Zum wievielten Male?
Egal.
Noch 1 Woche zuvor
hätte sie mir
ihren nackten Arsch
gegen den Hosenschlitz gedrückt,
hätte ihren Arsch hin & her bewegt;
und aus ihrer Kehle wäre
ein aufreizender Laut
gekommen.
»Okay«, sagte ich &
ging nach nebenan, um
eine zu rauchen.
Mal wieder.
Es ging mir schlecht.
Mal wieder.
Und doch –
ich konnte
dieses
Ende
nicht
völlig
ernst
nehmen.
Es war eine
merkwürdige Beziehung.
Eine
seltsame Beziehung.
Eine
seltene Beziehung.
Es war die
Große Liebe.
Dann hörte ich
die Waschmaschine.
Ich packte meine Sachen &
zog
woanders hin.
400 oder 500 Kilometer
weiter nördlich.
Ich blieb allein.
So allein man sein kann
unter Büchern.
Außerdem gab es
1 Schreibmaschine &
1 Gitarre.
Ich wusch meine Wäsche
allein.
Und nach ein paar Wochen
dingdongte es an der Tür.
Die Pause zwischen dem
Ding
& dem
Dong
war lang.
So lang, dass
die beiden
nicht
ineinander übergingen.
Da war
ein sauberer Schnitt.
Wie
von einer
Rasierklinge.
(Ein langer Druck
auf den Knopf. – –
Hätte es sich
um eine richtige Klingel gehandelt,
wäre das DingDong ein
Sturmklingeln
gewesen).
Vor der Tür stand
ein unsicheres Lächeln.
Ein unsicheres Lächeln
mit einer Reisetasche.
In der Reisetasche war
saubere Wäsche.
Zwischen der sauberen Wäsche
ein
schwarzer
Slip.
Fingernägel
Sie hatte sich einen Fingernagel
abgebrochen. Feilte daran.
»Ich hasse dieses Gefühl«, sagte sie,
»wenn ein Nagel derart kurz ist.«
Wir saßen auf dem Sofa, ich
schaute ihr zu.
Ihre Nägel waren mittellang,
rot lackiert.
Ich sagte:
»Ich liebe es, wenn Frauen
ganz kurze Fingernägel haben;
ohne Nagellack.«
»Soso.« Sie feilte weiter.
Ich beugte mich vor zum Tisch,
um mir noch einen Tee einzuschenken.
Da ließ sie
eine ihrer Hände
hinten
unter meinem T-Shirt
verschwinden …..
»Na -«, sagte sie,
»wie fühlt sich das an?«
»Hmmmm – vielleicht ….«,
sagte ich,
»ist das Aussehen mal wieder
weniger wichtig
als
das Gefühl.«
Etwas Tee war
übergeschwappt.
Sie betrachtete
meine Hände.
Sie sagte:
»Ich könnte niemals
so kurze Fingernägel haben
wie du. Ich hätte
gar kein Gefühl damit,
könnte
gar nichts
greifen.«
»Soso«, sagte ich,
»soll ich dir mal zeigen,
wo sich so kurze Fingernägel
gut
anfühlen?«
Sie legte die Nagelfeile
auf den Tisch..
Eine Morgendämmerung ohne Röte
Wir waren
so
verschieden.
Und wussten doch
beide,
was kommen
musste.
Ich war in dem Alter, in dem man
so oft rot wird wie ein
wolkenloser Sommerhimmel
in der Dämmerung.
Ein Klassenkamerad & ich
saßen im Wohnzimmer meiner Eltern;
die Freundin meines großen Bruders
war ebenfalls dort.
Wir 3 plauderten.
Irgendwann,
völlig zusammenhanglos,
sagte mein Kumpel, der
viel älter wirkte als ich:
»Es ist übrigens schön, dass ich
dich heute mal kennenlerne.«
(er sagte es zu ihr)
»Er….«
(er schaute in meine Richtung)
»….. schwärmt immer so
von dir.«
Sie
war
älter.
Fast
erwachsen.
1 Jahr vor
der Geburt ihres Sohnes.
Sie sah mich an.
Lächelnd.
Tief.
Fragend.
Durchdringend.
Ergründend.
Und ich
wurde
NICHT
ROT.
Ich wurde nicht rot …..
Denn andernfalls
hätte ich
auch
rot werden müssen,
sobald ich
meinem Spiegelbild
in die Augen
schaute.
Auch ich
lächelte.
Keine Selbstverständlichkeit
Es war keine
Selbstverständlichkeit
für mich.
So oft hatte ich ihre Streits miterlebt.
Und so oft war es darum gegangen,
dass er wollte, dass sie
etwas
Bestimmtes
anzog.
Etwas
das
ihm
gefiel.
Schreiereien ….
Böse Worte ….
Knallende Türen ….
Manchmal blieb sie
hart
Manchmal
nicht
Und dann
als
wir
zusammenwaren
musste ich
sie
niemals
darum
bitten
anzuziehen
was
mir
gefiel
selbst dann nicht
wenn es
Dasselbe war
was
ihm
gefallen hatte.
Sie kam
von der Arbeit
nach Hause
in ihren langen Hosen
küsste mich
verschwand im Schlafzimmer
& kam zurück
in …… – – –
Für
Sie
war es
allem Anschein nach
eine
Selbstverständlichkeit
Für
mich
nicht.
Müllermilch®
Spiele!
Ich hasse sie!
Aber ich spielte mit.
Wir spielten Karten;
Sie
ihr Sohn (7 oder 8 Jahre alt)
& ich.
Auf der Terrasse, in der Abenddämmerung.
Der Junge trug bereits seinen Schlafanzug,
sie eins meiner Lieblingskleider.
Sie hätte mir in die Karten schauen können, aber
sie tat es nicht. Ich hätte ihr in die Karten schauen können,
aber
ich schaute lieber auf ihre Beine.
Sie & ich tranken Rotwein, der Kleine trank
Müllermilch.
Falter flatterten um die Petroliumlampe auf dem Tisch,
die Mücken hielten sich zurück. Wenn wir nicht tranken,
deckten wir die Gläser ab.
»Mama hat geschummelt«, sagte er irgendwann.
»Stimmt«, sagte ich, »ich hab’s auch gesehen.«
»Ihr spinnt doch«, sagte sie, »und überhaupt – Ihr
habt Euch hier nicht gegen mich zu verbünden.«
Ein Grinsen lief
reihum.
Der Kleine leerte noch einen Becher Milch ins Glas.
Sie sagte: »Meinst du nicht, dass das ein bisschen
viel ist?«
»Schmeckt so lecker«, sagte er.
»Ok«, sagte sie, »aber das ist das Letzte für heute.«
»Ok.« Er nahm einen großen Schluck.
Selbst als es ganz dunkel war, hatte sie
noch keine
Gänsehaut
auf den Schenkeln.
Schließlich ging der Junge aufs Klo &
putzte sich anschließend die Zähne.
Wir brachten ihn ins Bett, und
als sie sich über ihn beugte, um ihm
den Gutenachtkuss zu geben,
stand ich hinter ihr. Hinter
dem verrückten Saum ihres Kleides.
Am nächsten Morgen
beugte sie sich
über mich.
»Ey, Penner, aufwachen,
aufstehen.«
Ein Kuss.
Das Licht kam von hinten. Durch die Tür.
Ins dunkle Zimmer.
Sie sagte:
»Der Kleine hat heute morgen
ins Bett gemacht. Ist ihm voll peinlich.«
»Wär’s mir, glaub ich, auch«, sagte ich. – »Obwohl….«
»Sau«, sagte sie. Ihr Lächeln konnte ich nicht sehen.
Aber ich hörte es.
»Beeil dich, Frühstück ist gleich fertig.«
Sie verließ das Zimmer. Im Licht des Türrahmens sah ich,
dass sie eins meiner Hemden trug. Sonst nichts.
Ich stand auf, zog einen Bademantel über &
ging ins Bad, um mir die Zähne zu putzen.
Der Junge duschte gerade.
»Moin!« rief ich ins Geplätscher.
»Morgen!« kam’s zurück.
Da die Tür schon vorher offengestanden hatte, war
der Spiegel nicht beschlagen.
Mein Zähneputzen & sein Duschen waren
gleichzeitig beendet.
Er öffnete den Vorhang & nahm das Handtuch vom Halter.
Trocknete sich ab.
Dann trat er aus der Dusche & warf das Handtuch in den
Wäschekorb.
»Der Boden ist kalt«, sagte er.
»Dann hast du wohl zu heiß geduscht.«
»Hmm. – Trägst du mich rüber?«
»Faule Sau«, sagte ich.
Er grinste.
Nackt wie er war, nahm ich ihn
auf den Arm.
Im Flur fragte er:
»Hat Mama es dir erzählt?«
»Du meinst….« Ich fing an zu singen:
»Müllermilch, Müllermilch, Müllermilch, die schmeckt….«
Er lachte.
Zog die Arme etwas fester an.
»Genau«, sagte er dann.
»Die weckt halt, was in dir steckt.«
Er lachte wieder.
Sein Bett war frisch bezogen. Die Klamotten für den Tag
lagen darauf bereit.
Ich ließ ihn runter. Er fing an, sich anzuziehen.
Bei der linken Socke angekommen, fragte er:
»Magst du die Mama?«
»Ja«, sagte ich. »Sehr.«
Und er sagte:
»Gut.«
Gehabt
»Jetzt muss ich aber wirklich«,
sagte sie, »bevor er
aufwacht.«
»Scheiße», sagte ich.
»Ja. Scheiße«, flüsterte sie.
Es war warm
unter der Decke.
Und feucht.
Es roch.
Es roch so
gut.
Es roch
nach
Nacht.
Aber die Nacht
ging
zu Ende.
Allmählich.
Sie gab mir
noch einen Kuss.
»Gib’s zu«, sagte sie,
»Du kannst besser schlafen,
wenn
Du
alleine bist
im Bett.«
»Stimmt«, sagte ich.
Sie faßte mir
zwischen die Beine,
drückte sanft ….
»Wie bitte?«
»Stimmt nicht, wollte ich sagen.
Stimmt nicht.«
»Nochmal Glück gehabt«, sagte sie.
Streichelte.
Kurz.
Die Kerzenflamme
flackerte hektisch. Es war nur noch
ein kleiner Rest
von Wachs
am Docht.
Der Kerzenhalter war
vermutlich
sehr heiß
inzwischen.
»Glück«, sagte ich. –
»Gehabt«, sagte ich. –
Ja –
da war
etwas
sehr
Wahres
daran.
Der Waschlappen
Das Wasser war zu heiss.
Viel zu heiss.
Für meinen Kreislauf.
Dampf stieg auf,
mein Gesicht war tiefrot.
Dahinter: Schwindel.
Wie lange hatte ich schon
in der Badewanne gelegen?
Ich wusste es nicht.
Ich hatte geträumt.
Ich richtete mich auf, nahm
den bereitgelegten Waschlappen,
drehte das kalte Wasser auf,
ließ den Waschlappen sich damit
vollsaugen ….
Dann drehte ich das Wasser wieder ab,
lehnte mich zurück
& legte den eiskalten Lappen auf mein
Gesicht.
Die Kälte tat mir gut.
Ich atmete sie ein.
Doch sie hielt nicht lange vor
auf meinem heissen Gesicht.
Der Waschlappen hatte
eine Vergangenheit.
Seine Farben
waren blass geworden;
er war
dünn geworden.
Seit damals …..
Damals als er
meine Lieblingsorte bereiste –
unter meiner Führung ….
Warme Orte.
Weiche Orte.
Zärtliche Orte.
Orte, die
es nicht mehr gibt.
Orte, die
verfault sind.
Seit damals.
Mir wurde kalt,
ganz plötzlich ….
In all dieser Hitze um mich herum.
Dampf stieg auf.
Das Wasser war zu heiss.
Viel zu heiss.
Und mir war kalt.
Die Bitterkeit
Und dann war die Bitterkeit
verflogen & man konnte
wieder
normal
miteinander
reden
Und das
war schön
Und doch –
die Bitterkeit war
vielleicht
dem ursprünglichen Gefühl näher
als die Normalität
So dass man sie sich
manchmal
fast
zurückwünschte
Und das ist
ein bisschen
traurig.





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