Jägermeister & Fleischwurst

Ich bestrich die Fleischwurstscheiben
großzügig mit Mayonnaisse, rollte sie,
aß sie.
Eine nach der anderen.
Dazu trank ich Jägermeister.
Ich war 14.
Saß in meinem Zimmer auf der Matratze,
die auf dem Boden lag.
Es war die Zeit, als ich noch
unordentlich war.
Bücher & Zeitschriften lagen überall
in wildem Durcheinander.
Wie viele Scheiben Wurst mit Mayo
brauchte es? Wie viele Gläser
Jägermeister?
Ich weiß es nicht mehr.
Ich kotzte.
Kotzte wie selten.
Auf die Bücher, auf die Zeitschriften.
Man konnte die Wurst noch erkennen,
dazu die Farbe des Getränks.
Irgendwie schaffte ich es ins Bad, um dort
weiterzumachen.
Mein Bruder & seine Frau saßen im Wohnzimmer.
»Oh, mein Gott«, hörte ich sie sagen.
Denn ich war sehr laut.
Mein Bruder sagte nichts.
Er war es, der
in mein Zimmer ging, um dort
sauberzumachen.
Es machte ihm nichts aus.
Ich hätte das nicht
gekonnt.
Wie so vieles.
Ich bewunderte ihn dafür.
Wie für so vieles.
Liebte ihn.
Liebte bereits
SIE
die »Oh, mein Gott« gesagt hatte.
Alles ändert sich
irgendwann.
Natürlich.
Natürlich wie der Vorgang des
Kotzens.
Ich besitze noch einige der
Bücher von damals.
Man sieht die Spuren.
Zum Teil habe ich vergessen, was
ihn ihnen stand. Es war
weniger wichtig.
Weniger wichtig als ihre
bekotzten Einbände.
Es dauerte lange
bis ich wieder
Fleischwurst essen,
lange
bis ich wieder
Jägermeister trinken konnte.
Ich kotze nicht mehr.
Obwohl ich weiterhin
esse & trinke.
Da wäre auch niemand mehr, der es
wegmachen würde.
Und da ist auch
Niemand mehr, der
»Oh, mein Gott« sagt.


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