Die feuchte Spüle

Der Wasserhahn weinte.
Die Schlaflosigkeit fühlte sich
im Recht.
Sie hielt den Takt
der Tropfen.
Die Spüle war
feucht.
Und die Gedanken
im wachen Dunkel
waren
geil.


Der Zwang

Der einzige Zwang,
den ich liebe,
ist der Zwang,
essen
zu
müssen.

Aber
das war nicht immer so.

Es war anders,
als ich zu spüren bekam,
was wirklicher Hunger ist.

Doch die Liebe
zu diesem Zwang wäre
heute
vielleicht
eine schwächere
ohne diese
Erfahrung.

Ja –
ich kann mir
ALLES
schöndenken.

Und
auch das ist
vielleicht
ein Zwang.


Floskeln

Als wären es
Flossen …..
Mit Floskeln
schwimmen
Menschen
durch das Meer
der
Langeweile
& der
Unoriginalität

Doch
die Floskeln
halten sie nicht
lange
über Wasser


Der kleine Unterschied

Wenn man sich an einen Gedanken
erinnert,
ist der Gedanke
derselbe
& gegenwärtig.

Wenn man sich an ein Gefühl
erinnert,
ist das Gefühl
ein anderes
& vergangen.


Der Fleck auf dem Boden

Der Fleck auf dem Boden
ist die Tatsache, die
geblieben ist.
Das Überbleibsel eines
vergangenen Moments, an den
ich mich nicht erinnern kann.
Er ist winzig,
dieser Fleck,
und ich weiß nicht einmal,
woraus er besteht.
Ich weiß nur:
Ich
muss
sein Verursacher
sein.
Denn niemand sonst
ist hier;
niemand sonst
war hier.

Ich zögere,
ihn wegzuwischen.

Denn schließlich
könnte
die Erinnerung
zurückkommen

& wertvoll sein


Das Niesen & der Tod

Ich kenne den Mann nicht, der soeben
niest.
Aber ich weiß, wie es sich anfühlt,
zu niesen.
Ich kenne die Frau nicht, die sich krümmt
vor Schmerz.
Aber auch ich habe schon aus dem
Arsch geblutet & mich gekrümmt
vor Schmerz.
Ich kenne denn Mann nicht, dessen
Schwester soeben
gestorben ist.
Aber ich kenne den Tod.
Ich habe keine Schwester, und
ich weiß nicht, was der Mann
für seine Schwester empfindet
& empfunden hat.

Vielleicht fühle ich das Niesen
ein wenig anders als
der Mann, der
soeben niest.

Vielleicht empfinde ich
den Schmerz ein wenig anders als
die Frau, die
sich krümmt.

Vielleicht sehe ich
den Tod ganz anders als
der Mann, dessen
Schwester soeben gestorben ist.

Aber nirgendwo sonst
sind die
Unterschiede
zwischen uns
so gering

& nichtig.


Mainstream

Nirgendwo sonst
treiben so viele
tote Fische
an der Oberfläche
wie
im Mainstream.

Bücher
Filme
Musik
Gemälde
Ansichten

Klar ist das Gewässer
& einfach.

Bis auf den Grund
kann man blicken –
aber was sich dort zeigt,
ist
Langeweile
ist
Eintönigkeit
ist
der kleinste gemeinsame Nenner
im Morast.

Wer dort angelt,
(& es sind so viele)
wird nichts schmecken,
nichts riechen
als
toten Fisch.

Toten Fisch, der
niemals
lebendig war.

Fernab
liegen die kleinen, trüben
Gewässer
des Besonderen.

Still & dunkel
ist ihre Oberfläche.
Man kann ihren Geruch
nicht einordnen.

Und man weiß nicht,
was einen erwartet
& was man
zu schlucken bekommen wird,
falls man
es wagt,
in sie
hinein
zu
springen


Das Feuer

Die Worte & Bilder, die sich
mir ins Gedächtnis gebrannt haben –
sie werden
wieder brennen,
im Tod,
wenn Asche
aus meiner Leiche wird.
Die die Worte sprachen,
werden sich vielleicht
nicht mehr erinnern;
die Bilder …..
längst verflogen
werden sie
sein;
wie der Rauch verfliegen wird, in den ich
aufgehen werde, ohne es zu wissen.
Manchmal spüre & sehe ich es bereits –
das Feuer.
Wenn Worte & Bilder schmerzen.
Gerade jetzt.
Es wärmt in der Kälte
& leuchtet in der Dunkelheit
der Gegenwart.


Der seltsame Mann

»Ich verstehe die Frage nicht«, sagte er.
Er schaute mir in die Augen.
»Ich habe keine Wahl. Niemand
hat eine Wahl.«
Ich sagte:
»Du meinst, den freien Willen
gibt es nicht?«
»Natürlich nicht.«
»Ich verstehe trotzdem nicht, warum
Du Dich selbst zerstörst.«
»Wirklich nicht? – Es ist nur
die konsequente Fortsetzung dessen,
was andere begonnen haben.«
»Klingt einfach. Schuld sind immer
die anderen.«
Sein Blick brannte sich in meinen
Schädel. Böse.
»Wenn Du mir so kommst, sollten wir
das Gespräch besser
abbrechen. Ich habe es mir noch nie
leicht gemacht.«
»Ich wollte Dir nicht zu
nahe treten«, sagte ich.
»Solltest Du auch nicht. In meiner Nähe
verbrennt man sich
schnell.«
»Ok«, sagte ich, »ich
geh dann mal.«
»Ok«, sagte er, »pass auf Dich auf.
Es muss sich ja nicht
jeder
selbst
zerstören.«
Er lächelte.
Dieser seltsame Mann.
Der seltsame Mann
in meinem
Spiegel.


Ascheregen oder das Niesen der schwarzen Katze

Nach all dem
was war
All dem
was ist
All dem
was sein wird
hoffe ich
dass ich
in meiner billigen Urne
so sehr
lachen werde
dass
ein chaotischer
Ascheregen auf die
Erde
in der die Urne
vergraben wurde
niedergehen wird

Und vielleicht
niest
dann
wenigstens
an dieser Stelle
eine
Schwarze Katze
die dort
etwas ganz anderes
suchte


Das Lachen des Lebens

Die wohl größte Strafe für ein kleines Kind
das weint vor Wut & Schmerz
ist das Lachen
der Eltern
die es nicht ernst nehmen

Und die wohl größte Strafe für den Erwachsenen
der sich das Weinen vor Wut & Schmerz
abgewöhnt hat
ist das Lachen
des Lebens.


»Guten Morgen«

Früher Morgen.
Der Junge saß am Schreibtisch seines
toten Vaters & las.
Er hatte die ganze Nacht dort
gesessen & gelesen.
Ferien.
Es war warm; die Sonne schien,
und die große gläserne Schiebetür zum Garten
war geöffnet.
Nur die Vögel waren zu hören.
Alles sonst schien zu schlafen.
Hin & wieder blickte der Junge von seinem
Buch auf, um die Augen zu entspannen.
Betrachtete eine Amsel, die auf der hohen Gartenmauer saß;
die verwaisten Gartenmöbel,
Löwenzahnsamen, der durch die Luft flog.
Er roch das Gras, das er am Vortag gemäht hatte.
Dann las er weiter.
An das Buch würde er sich später
nicht mehr erinnern können.
Irgendwann – ja,
irgendwann betrat die nackte Frau den Garten.
Sie kam durch eine Tür an der kürzeren Seite des Bungalows.
Der Bungalow war wie ein L geschnitten. So etwas erfindet man nicht.
Barfuß ging die Frau über den Rasen. Der Junge
sah sie von hinten; sah
wie sie sich, am Tisch angekommen, leicht
vorbeugte, um sich eine Zigarette
aus der Packung zu nehmen. Aus der Packung, die er
zwar bemerkt, aber für leer gehalten hatte.
Die Sonne schien hell. So hell.
Die Frau richtete sich wieder auf,
und als sie sich umdrehte, schaute der Junge
rasch in sein Buch, das auf dem Schreibtisch lag.
Ganz kurz nur. Dann
hob er es an; langsam
höher
höher.
Er blickte vorsichtig über das Buch, über seinen Rand hinweg –
nein,
sie hatte ihn nicht bemerkt.
Aber sie kam auf ihn zu. Näherte sich der
Schiebetür, genauer: sie näherte sich
der großen Öffnung, die dort war, wo sich
normalerweise die Tür befand.
Der Junge schaute.
Der Junge begriff
sie
mit seinem Blick.
Spiel der Bewegung
Spiel des Lichts
Leichtigkeit & Grazie
Swing.
Und jetzt? JETZT JETZT…. wenn sie…. falls sie….
sie SIE SIE…. kommt…. kommt näher…. was?

Er legte das Buch erneut auf den Tisch,
schaute erneut auf die Seiten,
und die Frau betrat das Zimmer.
Der Junge wartete auf ihren
Guten-Morgen-Gruß.
Herzschlägelang.
Der Gruß kam nicht, also
wagte er den Blick….
Sie hatte das Zimmer durchquert, leise, auf nackten
Füßen, so leise, so nackt – so neu, diese
Nacktheit…. Und sie öffnete
die Tür zum Flur.
Da sagte er:
»Guten Morgen.«
Ihr Erschrecken schien echt; sie
blickte sich um, blickte ihn über ihre Schulter hinweg an – &
begann
zu lachen.
»Oh«, sagte sie, »guten Morgen. Ich
hab dich gar nicht gesehen. Ich dachte,
es schlafen noch alle.«
Eine leichte Röte in ihrem Lächeln,
(vielleicht nur eine Spiegelung seiner eigenen?)
im Licht der schräg scheinenden Sonne…..
Schon im nächsten Moment war die Frau
aus dem Zimmer gegangen.
Als wäre nichts gewesen. Als wäre sie nicht gewesen.
Fort. Doch er hätte ohnehin nichts sagen können.
Die Freundin seines großen Bruders – wie weit
voraus & fern sie ihm doch erschien. Mit ihren
17 Jahren. So fern. Und doch
würde niemand ihm je so nahe kommen, je so nahe
gehen & sein in seinem künftigen Leben – wie sie.
Ihr Name begann mit einem L. So etwas erfindet man nicht.
Der Junge klappte das Buch zu,
ohne das Lesezeichen hineinzutun; und
ich fragte mich, ob sie mich
wirklich
nicht
bemerkt hatte.
Die Antwort war
unwichtig.
Später.
Als ich sie erfuhr.


Wasserhähne

Als 6- oder 7jähriger
war ich fasziniert von fremden
Wasserhähnen, wenn mich
mein Vater in den Ferien an einen
fremden Ort
gefahren hatte.

Fremde Formen,
aus denen das
scheinbar
Selbe
wie zuhause
floss.

Aber diese Faszination
war
NICHTS
gegen die Vertrautheit
mit den Wasserhähnen zuhause;
& ich war immer wieder
glücklich,
wenn mein Vater mich
endlich
wieder
zurückgefahren hatte.

Zu den
vertrauten
Wasserhähnen

& den
bekannten Formen.


Der alte Film

Die alte Kopie eines
noch älteren Filmes

Voller Kratzer &
Markierungen

Die Markierungen all der
Vorführer
durch deren Hände die Kopie
gegangen ist

Jumpcuts
fehlende Bilder
fehlende Sekunden

Herausgeschnittene
Momente

Ehemalige
Risse

Krächzender Ton
Verblasste Farben

Wenn man Glück hat
erinnert man sich
wie der Film ursprünglich
aussah

Wenn man kein Glück hat
ist vielleicht genau diese Kopie
die Erinnerung

& der Film
die eigene Vergangenheit


Ein kleiner Trost

Und dann höre ich einen Oldie
meist Heavy Metal
& ich erinnere mich an eine
Feier

Und zu dieser Musik
küsste SIE
einen
ANDEREN

Sie
die damals
meine Welt war

Und dann war ihre Hand
in seiner Hose.
Und ich ging.

Ich höre einen Oldie

Ich BIN ein Oldie.

Und falls sie
noch lebt
irgendwo
ist sie es
mittlerweile
auch.


Leben

Irgend jemand hat
diese Zigarre gerollt.

Er hat sie
zu eng, zu fest
gerollt.

Sie zieht
nicht richtig.

Sie qualmt
nicht richtig.

Man strengt sich an
doch sie geht aus

immer wieder

immer wieder.

Und irgendwann
hat man kein
Streichholz
mehr

& wirft die Zigarre
wütend
in den Rinnstein.


Die Strickweste meines Großvaters

Wer weiß schon
warum etwas
so ist
wie es ist.

Man sucht
nach Gründen &
Erklärungen.
Für alles.

Möglichst kompliziert
sollen sie sein.

Aber

vielleicht
liebe ich den grauen Himmel
ja nur
weil er mich
an die
graue Strickweste
meines Großvaters
erinnert.

Und falls es so ist –
was hilft es mir
es zu wissen?


Bücher wie Menschen

Mittlerweile ist es so
dass ich mich oftmals
lieber an Bücher erinnere
als sie wiederzulesen

Die Erinnerung
sitzt so tief

So tief
wie ein neuer Eindruck
niemals
gelangen kann

Und oftmals
möchte ich auch kaum noch
neue Bücher
kennenlernen

Ja,

Bücher sind
oftmals
wie
Menschen


Mein Glück

Sie saß auf dem Rand
des Bettes, in ihrem
kurzen, blauen T-Shirt.

Eine kleine
oder große
Unsicherheit in ihrem Blick.

»Ich hab zugenommen«,
sagte sie.

Wir hatten uns seit
ungefähr 1 Jahr
nicht mehr gesehen.

»Und?«
sagte ich.

»Na ja.«

Sie blickte kurz
auf ihre nackten Oberschenkel.

»Du spinnst«, sagte ich.
»Ihr spinnt ja alle. –
Das ist mein Glück.

Was für Chancen hätte ich sonst?«

Einen Moment lang las sie
in meinem Gesicht. Auf der Suche
nach der Wahrheit.
Dann
lächelte sie.

Sie sagte:
»Keine.
Du Arsch.

Und überhaupt –
was heißt:
Alle?«


Der vergessene Ort

Wenn man etwas vergessen hat &
weiß, dass man es vergessen hat,
soll man an den Ort zurückkehren,
an dem man es noch wußte,

um sich zu erinnern.

Manchmal glaubt man,
man habe einen
genialen Gedanken gehabt.

Man hat ihn vergessen.

Und dann kennt man nicht einmal mehr

den Ort

an dem man

ihn

diesen genialen
entscheidenden
Gedanken

(vielleicht?)

gehabt

hatte.

Und zuletzt
zweifelt man an

seiner

Existenz.

Der Existenz
des Ortes

Der Existenz
des Gedankens

Und vielleicht …..


Wie ein Fremder

So vieles in meinem Leben
würde ich gerne sehen
wie ein Fremder

Ein Fremder

der es
zum ersten Mal
sieht

Mit dem
wachen Blick
der Erkenntnis.

Ein Fremder
bin ich.

Aber nicht
in meinem Leben
nur in der Welt

In der Welt

in der ich dennoch
befremdlicherweise
zuhause bin

& in der ich
zu wenig
erkenne.


Die Perfektion eines Augenblicks

Sie lehnte sich aus dem Fenster
in die Sonne,
um ihrem kleinen Sohn, den sie
mit 18 bekommen hatte,
etwas zuzurufen.
Er spielte vor dem Haus.
Sie war nackt & hielt sich
ein Sommerkleid vor die Brust.
Ich lag im Bett,
auf einer trockenen Stelle des Lakens –
& betrachtete sie.
Entspannt & glücklich.
Und ich malte mir aus,
welches Bild sich von draußen, von
der Straße, vom gegenüberliegenden
Gebäude aus
bieten musste.
Das Bild in diesem Fensterrahmen.
Und ich tauchte ab
in die Phantasie
der Betrachter;
in die Phantasie der Männer, die
sich ohnehin immer
nach dieser Frau umdrehten.
Sie würden wissen, dass sie
nackt am Fenster stand, hinter diesem
vorgehaltenen Kleid. Und
die Phantasie der Männer würde sich
ausmalen, was ich tatsächlich sah; und
alles würde perfekt sein in ihrer Vorstellung –
die Beine, der Hintern, der Rücken.
Und hier trafen sich
die fremden Phantasien, die ich
mir vorstellte,
und die Wirklichkeit, die ich
vor mir hatte.
Sie trafen sich in der
Perfektion.
In der Perfektion dieses Anblicks
&
in der Perfektion dieses
Augenblicks.
Und der kleine Junge rief:
»Ok!«


Das letzte Glas

Ich wäre gerne
das letzte Glas.

Das letzte Glas,
dem keiner
widerstehen kann.

Und von dem doch
jedem
so unfassbar
schlecht wird.


Der Mann aus der fremden Epoche

Ich stelle mir gerne vor, dass ein Mann
aus jener Epoche, als es noch aufregend &
unschicklich war, unterm Kleidersaum
den Schuh oder gar den bestrumpften
Knöchel einer Frau zu erblicken,
mit einer Zeitmaschine
in unsere Gegenwart
gesendet wird ……

Er geht durch die Straßen einer
Großstadt. Im Sommer.
Minikleider … Miniröcke … Hotpants …
offene Schuhe … transparente Tops …
Bauchfreihheit … Schenkel Füße
Dekolletés

Er sieht Zeitschriften: Nackte Ärsche …
Titten … rasierte Fotzen …

Mit steifem, tropfendem Schwanz
spaziert er durch die Sonne.
Fluten des Lichts,
Fluten der Reize ….
Fast schmerzhaft.
Heiß.
Und pochend.
Zuckende Blitze im Gehirn.
Ein Summen im Rückenmark.

Erschlagen von der Lust.

Manchmal
bin ich
ein klein wenig
wie dieser Mann.

Der Mann aus
der fremden Epoche.

Doch meine Zeitmaschine
war zu langsam.

Der Übergang
zu fließend.

Und immer muss man kämpfen
mit

der Gewöhnung.


Vom Giganten zur Mikrobe

Als Gigant geboren
Alle Möglichkeiten offen
Das All als Perspektive

Dann langsam
schrumpfend
in der Welt

& im
Leben

zuletzt
gestorben
als

Mikrobe


Der neurotische Hund

Der Hund war so neurotisch wie
wir alle in diesem Haus.
Jeder, der von meinen Eltern erzogen wurde,
musste neurotisch werden. Früher oder
später. Meist früher.
Auch der Hund wurde geschlagen, nicht
nur wir Kinder.
Wenn Fremde ins Haus kamen, wurde
das Tier ins Klo gesperrt.
Eine wildgewordene, kläffende,
zähnefletschende Schäferhündin.
Und wehe, man war unvorsichtig.
Einem meiner Schulfreunde hatte sie
in den Arsch gebissen, und ich
selber bekam einmal 3 tiefe Bisswunden in
den Oberkörper.
Sie war keine große Menschenfreundin,
so viel kann man wohl sagen.
Aber sie liebte andere Tiere, vor allem
Katzen.
Wenn ich so darüber nachdenke, muss ich sagen,
dass wir eine ganze Menge
gemeinsam hatten.


Nicht dass der Unterschied so groß wäre

Damals,
als meine Mutter ins Zimmer kam,
während ich
schrieb.

Ich fand das
schlimmer,
als wenn sie mich
beim Wichsen erwischt hätte.

Obwohl,
eigentlich:

Kein
großer
Unterschied.


In einem Fotoalbum

Als ich 7 Jahre alt war
blätterte ich in einem Fotoalbum …..
Darin war ein Foto
von mir …
Auf diesem Foto war ich
51 Jahre alt.

Ich hatte Angst
vor diesem
Fremden.

Ich wäre nicht
in sein Auto gestiegen,
egal
wie sehr
ich
mein fernes Ziel
erreichen wollte.

Als ich 51 Jahre alt war
blätterte ich in einem Fotoalbum …..
Darin war ein Foto
von mir …
Auf diesem Foto war ich
7 Jahre alt.

Dieser fremde kleine Junge
hatte Angst
vor meiner Gegenwart.

Ich hielt an &
öffnete die Tür meines Autos.
»Wo willst Du hin«,
fragte ich.
»Nach Hause«,
sagte der Junge.
Ich sagte:
»Ich weiß, wo das ist,
»steig ein.«

Der Junge sagte:
»Nein danke. Ich
werde
abgeholt.«

Ich wußte:
das war eine Lüge.
Eine Lüge, die
aus der Angst geboren war.

Aus der Angst
vor mir.

Aber was konnte ich tun?

Nichts.

Ich fuhr weiter.

Und sah ihn

verloren

im
Rückspiegel.


Glück ….. vielleicht ….

Ich kann noch so
unglücklich
sein

Noch so
krank

Noch so
einsam

Niemals möchte ich
ein
anderer
sein
als
ich

Vielleicht
ist
DAS

Glück


Eine Art von Tanz

Der kleine Junge im Zoo –
das war ich.
Ich stand vor dem Elefanten-Gehege.
2 Elefanten langweilten sich darin,
ihre mächtigen Ärsche mir halbseitlich zugewandt.
Und wenn ich meinen
rechten Fuß über die niedrige Begrenzung
in das Gehege setzte,
bewegte der eine der Elefanten
das linke Hinterbein
einen Schritt zurück.
Nahm ich meinen Fuß wieder aus dem Gehege,
machte er seinen Ausfallschritt rückgängig.
Minutenlang ging dieses Spielchen; es war
jedesmal das Gleiche.
Und immer wenn ich meinen Fuß über
die Begrenzung setzte, hatte ich
Angst.
In meiner Kinderfantasie sah ich bereits
den Elefanten sich umdrehen &
auf mich zulaufen, um
mich niederzutrampeln.
Ich hatte Angst, aber ich konnte
es nicht lassen.
Ich war fasziniert.
Mein Takt war
sein Takt; meine Geschwindigkeit
war seine Geschwindigkeit.
Wenn ich nur andeutete, den Fuß ins Gehege
zu setzen, es aber nicht wirklich tat,
deutete er seinen Ausfallschritt auch nur an;
sein Fuß blieb in der Luft wie meiner.
Ich fühlte
eine Art von
Verbundenheit.
Vielleicht
gab es gar keinen Grund zur Angst.
Vielleicht
war das Ganze nur eine Art von
Tanz.


Fahndungsfotos & Steckbriefe

All diese Fahndungsfotos & Steckbriefe,
die an den Wänden meiner Träume hängen….
Und dann wache ich auf, und
die Wände sind leer.
Ich bin wach & gehe durch die Straßen ….
In meiner Erinnerung:
die Fahndungsfotos,
die Steckbriefe ….
Doch niemand in der Realität
sieht diesen Fotos ähnlich,
auf niemanden
passen die Beschreibungen der
Steckbriefe.
Gesucht –
Nicht tot, sondern lebendig.


In der Nähe der Flamme

Und dann wird es kalt,
weil Dir das Heizmaterial ausgegangen ist.

Und Du ziehst Dich aus
& setzt Deine Kleidung
in Brand.

Und Du wärmst Dich
nackt
an dem letzten Schutz vor der Kälte,
den Du noch hattest.

Und Du weißt,
was gleich passieren wird;
und Du zitterst
schon jetzt
vor der nächsten
Zukunft
in der Nähe
der Flamme.


Einladungen

Ich bekomme Einladungen
für Alles
was niemals stattfinden wird

Dann gehe ich nicht
dorthin
& Alles ist

im
Gleichgewicht