Archiv der Kategorie: Gedichte/Texte
….. & dann fällt
ein Buch
dir plötzlich
in die Hände
Ein Buch
das du
vielleicht
nur vergessen hattest
Versteckt
zwischen anderen
ungelesenen Büchern
Ein Buch
das dir
der Zufall
in die Hände
gespielt hat
Du blätterst
Du liest …..
& fragst dich
Warum erst jetzt?
Wäre es
mir früher in die Hände
gefallen
hätte ich es
länger
in meiner Erinnerung gehabt
Die Schuld
des Vergessens
Die Schuld
des Zufalls
Doch vielleicht
ist nur dieser Zeitpunkt
der richtige
….. & dann fällt
ein Mensch
Ein Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Literatur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Es gibt sie tatsächlich –
Menschen,
die gut finden,
was ich schreibe;
Menschen,
denen meine Worte
irgend
etwas
sagen,
bedeuten;
Menschen,
die neugierig werden &
sich angezogen fühlen …..
»…. seit fast 5 Monaten frage ich mich,
wer der faszinierende Typ hinter den Worten ist ….«
»…. die Gedichte erinnern mich manchmal
an die Möglichkeiten ….«
»…. bilde mir ein, dass Du nur für mich schreibst ….«
Gleiche Wellenlängen
Gleiche Sehnsüchte
Gleiche Hoffnungen
Gleiche Träume
Alles
offen-
bar
nur
schein-
bar.
Sie lesen die Texte
& glauben doch,
ich sei
ein Anderer ….
Einer, der
funktioniert
wie gewünscht.
Einer, der
sich einfügt.
Einer, der
sich fügt.
Und der Fluss der Worte,
der sie mitreißt,
soll
einer leise säuselnden Quelle entspringen.
Zahm
Sanft
Gleichbleibend
Geradlinig
Klar
Vorhersehbar.
Und am besten wäre
die Quelle
ein simpler Wasserhahn, den man
nach Belieben
auf- & zudrehen könnte.
Nein!
Wer mich kennenlernt,
wird
mich kennenlernen.
Man hätte es
wissen
müssen.
Und –
Ja ….
Bilde Dir ruhig ein,
dass ich
Dies
nur für Dich
geschrieben habe.
3 Kommentare | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Literatur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Wie eine Perücke
auf einem kahlen Haupt
verkleidete der Anschein
ihre Beziehung.
Wie eine Perücke
sollte er
die lebensbedrohliche Krankheit
verbergen –
verbergen
die Folgen der letzten Hoffnung;
verbergen
die Aussicht auf den Tod.
Es war eine billige, hässliche Perücke,
jede Kunstfaser eine Lüge.
Sie saß schlecht, und
nichts an ihr sah
natürlich aus.
Die unechten Haare
gingen aus &
fielen zu Boden.
Hinterließen eine Spur
des Verfalls.
Des Verfalls, den
sie hatten kaschieren sollen.
Eines Tages
kam die nackte Wahrheit,
riss die Reste der Perücke von dem kahlen Haupt,
das nurmehr ein Totenschädel war,
und warf sie ins Feuer.
Es blieb
Nichts
als
Rauch,
Asche
& Gestank.
Und die Gewissheit,
dass auch die
teuerste & schönste Perücke
nichts
geändert hätte.
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Meine Hölle
ist andauernder Lärm
Ihre Kreise
sind Geräusche
deren Ursprung ich nicht kenne
Geräusche
denen meine Phantasie
Ewigkeit verleiht
Meine Hölle
ist der Lärm
der Lebenden
Der Lärm
sinnlosen Tuns
Der Lärm
der Zerstreuung
Meine Hölle
ist das lautstarke Verstummen
der Toten
Das Dröhnen
ihrer ungesagten Worte
in meinem Schädel
Der Krach
der Verwesung
Meine Hölle
ist die plötzliche Stille
Deines Herzens
Und die Kreise meiner Hölle
sind die ewigen Schreie
Deines Schweigens
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Ich weiß nicht,
wie oft ich bereits über diesen Flur gegangen bin;
leise in zurückliegenden Nächten ….
Ein Rundgang, der zu meinem Job gehört,
hoch oben im Turm des alten Hotels.
Die Stufen, die dorthin führen,
habe ich nie gezählt.
Wenige Zimmer hinter Doppeltüren,
wo fremde Menschen schlafen
oder schlaflos sind;
dicke Mauern einer mittelalterlichen Befestigung,
welche nun einem anderen, friedlichen Zweck dienen.
Und dann
eines Nachts
steht ein Kinderwagen vor einer der Türen.
Ich muss ausweichen.
Abkommen
von meinem üblichen Weg.
Trete auf eine Diele
ganz am Rande des schmalen Ganges.
Und das Geräusch, das sie verursacht, ist
das Geräusch im Gästezimmer meiner Großeltern ….
Das Knarren, Knetern & Knarzen des federnden Fußbodens,
wenn ich mich auf das Bett zubewegte …. Das Bett,
welches mir so hoch erschien; mit der Decke, die so
dick & schwer war …. Und wenn ich darin lag, kam mir
die Zimmerdecke noch höher vor (ich schätzte die Höhe auf 4 oder 5 Meter) ….
Alles – fast alles – war gigantisch in diesem Haus
im Angesicht meiner Kleinheit ….
Die Räume, die Treppen, die Flure; alles war alt &
roch nach Holz, und an den Wohnungstüren befanden sich
mechanische Klingeln, die durch Drehung eines Griffes
einen metallisch-ratternden Schellenklang von sich gaben ….
Es lebten noch andere Menschen hier, glaubte ich, aber
ich sah sie nie …. Ich konnte sie riechen, glaubte ich,
im Gemeinschaftsklo auf dem Treppenabsatz …. Ich hasste dieses Klo ….
Hasste das Gemeinschaftliche daran; nur die lange Kette, die vom
Spülkasten herabhing, und der Porzellangriff an ihrem Ende faszinierten mich ….
Und oft hörte ich das Rauschen, nachts im Bett …. Nachts? – Ich glaubte,
dass es Nacht sei …. weil in der Kindheit oftmals das als Nacht erscheint, was
in Wirklichkeit doch nur Abend ist …. Das Rauschen
übertönte die Stimmen der Großeltern im Wohnzimmer, die Stimme der Mutter, die
noch nicht »Gute Nacht« gesagt hatte …. & die große Entfernung zur Zimmerdecke
gebar schattige Ungeheuer, vor denen die Bettdecke keinerlei Schutz bot ….
In meiner Erinnerung schien hier tagsüber immer die Sonne ….
Im Hof hinterm Haus befand sich der Schuppen mit der Werkstatt meines Großvaters.
Darin roch es nach Sägemehl & Klebstoff & den filterlosen ägyptischen Zigaretten
aus der Blechdose, die mein Großvater rauchte, und
das Sonnenlicht mochte ich am liebsten, wenn es
durch die schmutzigen kleinen Fensterscheiben auf die Werkbank mit ihrer
Unordnung fiel …. Keine Ahnung, was mein Großvater dort machte, ich jedenfalls
bastelte irgend etwas Zweckloses ….
Zweck
loses
Sinn
loses
der-
weil
die Zeit
verging ….
Und das Haus
schrumpfte ….
Während
ich
wuchs ….
Ob es eingerissen wurde; ob selbst meinen Großeltern alles
zu groß geworden war; ob sie es sich nicht mehr leisten konnten –
ich weiß es nicht.
Sie zogen in eine winzige Wohnung.
Sie waren so alt geworden
wie nie zuvor, obwohl ich sie schon
für so alt gehalten hatte, als ich
noch ganz klein & alle Räume größer gewesen waren.
Es gab dort kein Gästezimmer mehr. Die Klingel war elektrisch &
langweilig. Das Klo wurde nicht mehr mit Fremden geteilt.
Wenige Möbel waren übriggeblieben; alles roch
nach alten Menschen & den Zigarren, die mein Großvater
nur etappenweise & anstelle der Zigaretten rauchte
(in den Aschenbechern lagen Reste:
mal halblang, mal viertellang, manchmal nur ein Stummel, der aus
Sparsamkeit noch weiter, bis knapp über Fingerbreite, heruntergequalmt wurde).
Nichts übertönte die gebrochenen Stimmen des Paares
in der Enge. Nichts Neues wurde erschaffen, denn es gab
keine Werkstatt mehr.
Genaugenommen wusste & weiß ich
fast nichts
über meine Großeltern
& ihr Leben.
In meinem Wohnzimmer steht ihr mächtiges Sofa, und
das Grammophon funktioniert noch. Die Sprungfedern des Sofas
haben ihr eigenes Geräusch, und manchmal erschreckt mich
– mitten in der Musik – ein lauter Knall, den die alte
Grammophonfeder von sich gibt (während sie sich entspannt).
Und irgendwo im Keller liegt eine Zigarrenkiste, in der
hässliche Nazi-Memorabilien verschimmeln.
Ein Kinderwagen auf dem Gang.
Leer. Der kleine Mensch schläft (vermutlich).
In einem Turmzimmer mit hoher Decke.
In einem uralten Gebäude.
Ich gehe weiter.
Knarren, Knetern & Knarzen verändern sich
mit jedem Schritt.
Morgen wird das Hindernis
nicht mehr hier sein.
Das Hindernis, dem ich
ausweichen musste.
Und er
wird sich
bewusst
nicht
an diesen Ort
erinnern ….
Der kleine Mensch.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Erinnerung, Kindheit, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Autobiographische Prosa, Gedichte/Texte
Sie schmeckte
sich
als ich
sie
küsste
Ich schmeckte
mich
als sie
mich
küsste
Eine Art
von
Selbst-
erkenntnis
Sich
selber
kennen
lernen
Geschmack
an sich
finden
Saft & Sperma
im Mund
des Anderen.
Eine
untrennbare
Mischung
Wir schmeckten
uns
als wir
einander
küssten
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Erotik, Kultur, Liebe, Lyrik, Sex | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich existiere
die meiste Zeit
für Dich
nur
als Stimme
als geschriebenes Wort
als Phantasie
körper
los
beziehungs
weise
fern.
So
wie
Du
für
mich.
Ledig
lich
im Traum
bist Du
immer
mir
so
nah
wie ein
eigener Gedanke
begreif-
doch
auch
unfassbar
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Traum | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich weiß nicht wohin
ich fuhr
in diesem Traum
Der Weg
war mir un-
bekannt
Irgendwo
warf ich ein Buch
aus dem fahrenden Zug
Ich hatte das Buch noch nicht gelesen
Ich wollte zurückkehren an den Ort
wo ich es fortwarf
Ein Lesezeichen
in meinem Traum
Doch ich wusste
ich würde es nicht wiederfinden
den Ort nicht wiedersehen
Und ich träumte
dass jemand das Buch fand
& mit nach Hause nahm
Und das Haus war
der Ort zu dem ich zurückkehren wollte
Ich hatte es
noch nie gesehen
Doch ich wusste
Du
wohntest
darin
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Traum, Verlust | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Wo
auf dem Spiegel
ein Staubkorn gewesen war
befand sich nun ein
Finger
ab
druck
Lange
war der Spiegel nicht abgewischt worden
Lange
hatte das Staubkorn seinen festen Platz gehabt
auffällig & größer als alle anderen
Ein Partikel
der Vergangenheit
Vielleicht nur ein Stück
der eigenen Hautoberfläche
Die Linien des Abdrucks waren nicht
meine
Ich wusste es
ohne sie je zuvor betrachtet zu haben
& doch
waren sie
nicht
fremd
Linien
die mich berührt hatten
über
all
Mein gespiegeltes Auge
war trübe
denn der Abdruck lag
wie ein Schleier
auf ihm
Und wieder
würde der Spiegel
lange Zeit
nicht
abgewischt werden
Zeit
den Verlauf der Linien
auswendig zu lernen
2 Kommentare | Schlagwörter: Beziehung, Einsamkeit, Kultur, Liebe, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Niemand wusste, woher sie gekommen war.
Niemand ahnte, wie sie sich Zutritt verschafft hatte.
Was sie im Schilde führte, war abzusehen –
Diebstahl & Mord.
Wie beinahe immer.
Die Zahl ihrer Verbrechen war Legion;
niemand lebte mehr, der sich an das älteste hätte erinnern können,
niemand würde das Ende ihrer Untaten noch erleben.
Sie bricht ein in die Häuser der Reichen,
legt sich in die Betten der Liebenden,
raubt & tötet
Alles
was unersetzlich ist.
Zurück läßt sie
dort
Nichts
als
Unglück
Sehnsucht
Verderben.
Und als die Menschen begriffen,
was geschehen war,
war es zu spät.
† † †
Nur manchmal
– vergleichsweise selten –
setzt sie sich an den Tisch des Dichters
räkelte sie sich auf dem Flügel des Komponisten
wird sie die Hand des Künstlers leiten…..
Und ihre bloße Anwesenheit
führt zur Erschaffung dessen
was bleibt –
zur Erschaffung dessen
was weder geraubt, noch getötet werden kann.
Eine Art von Wiedergutmachung.
Sie gehorcht niemandem.
Doch dem Philosophen
gelingt es
ab & an
sie aus dem Haus zu denken.
* * *
Die Frau richtete
sich auf. Der Mann betrachtete
liegend ihren Rücken.
Sie zündete sich eine Zigarette an.
»Es wird mir zu viel«, sagte sie.
»Zuviel«, wiederholte er, »natürlich.«
»Ja. Es ist so kompliziert, wie es nie werden sollte.«
Der Mann schwieg.
Und von 1000 Gedanken in seinem Kopf galten 999 dem,
was hätte sein können – & einer dem,
was war.
Kein einziger galt
der Vergangenheit.
Der einsamen Vergangenheit.
Er sagte: »Was daran kompliziert sein soll – ist mir
ein Rätsel.«
Sie sagte: »Dein Verhalten ist mir
ein Rätsel.«
* * *
Ich sitze am Schreibtisch,
lese was ich geschrieben habe –
& es gefällt mir nicht.
Ich sollte es wegwerfen.
Dass ich es nicht tue, ist mir
ein Rätsel.
Niemand sonst sitzt an meinem Tisch.
Jemand hat das Haus verlassen.
Denke ich.
Ein Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Kunst, Liebe, Literatur, Lyrik, Musik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ein lichtloses Schaufenster in einer Nacht ohne Menschen
Ein vereinzelter Laternenreflex auf spiegelndem Glas
Da-
hinter
wie eine Ahnung in der Dunkelheit:
Das Bein einer Puppenfrau
Getrennt vom Rumpf
Verloren
Einsam
Ein Netzstrumpf zeichnet schwarze Adern
auf das Abbild der Natur
Ich halte inne
in meiner Ziellosigkeit
Werfe Blicke durch die trennende Scheibe
Sehe nichts als den Schenkel
Fühle die perfekte Form
Erkenne den Oberflächenglanz der Künstlichkeit
Bin gefangen
im Netz der alten Besessenheiten
Die Dunkelheit hinter dem Glas
zeigt mir mein Gesicht darauf
Seitenverkehrt
& beschattet
Ich gehe weiter
Verloren
in Träumen & Gedanken
& werde
mich
lange
an das Bein
er-
innern
Ein Kommentar | Schlagwörter: Einsamkeit, Erotik, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Das Licht geht an
im Kühlschrank.
Die Cocktailkirschen sind verschimmelt, und
im Glas mit den kernlosen Oliven schwimmen
weiße Flocken;
die Flüssigkeit ist trübe.
Ich friere.
Mir fällt nichts ein.
Die Ideen sind weg;
die Musik klingt anders.
Nichts tanzt.
Und das Essen schmeckt
langweilig.
Zigarren vertrocknen;
die Gesichter & Phantasien des Rauchs
haben sich verzogen.
Wo bin ich?
Wo ist der versoffene Kettenraucher –
mein Kern?
Er ruht sich aus.
Er reist
durch die Einöde der Enthaltsamkeit,
sammelt Kräfte
für später
& empfindet
Heimweh –
eine andere Art von
Kater.
Nichts Neues.
Er wird den Weg zurück
finden.
So wie er ihn immer gefunden hat.
Aus Sehnsucht.
Das Rot der Kirschen
soll leuchten.
Das Grün der Oliven
soll glänzen.
Klare Flüssigkeiten, in denen
die Musik Wellen schlägt.
Das Licht geht aus
im Kühlschrank.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Alkohol, Kultur, Lyrik, Musik, Nüchternheit, Sucht | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Der Boxer liegt am Boden.
Jemand zählt.
Aufwärts.
Am Ende wartet
das Aus.
Die Raumfähre steht am Boden.
Jemand zählt.
Abwärts.
Am Ende wartet
der Start.
Das Aus
mag Erleichterung bringen.
Der Start
ins Verderben führen.
Doch die Richtung
des Zählens,
das Auf & Ab
bedeutet
– vielleicht nicht nur hier –
das Gegenteil
der Erwartungen.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ein weiteres Haus steht
leer …..
Vertraute Gesichter
die man altern sah
sind
verschwunden …..
Das Leben endet
im Ungewohnten …..
Herausgerissen aus Zusammenhängen
wie ein Blatt aus dem eigenen Lieblingsbuch …..
Verfall in engen Räumen …..
Fremdheit am Schluss …..
Das Blatt hat 2 Seiten
voll von Sätzen die man auswendig kannte
& es fällt
zerknüllt
in einen Mülleimer …..
Ich schaue aus dem Fenster.
Noch sieht das Haus bewohnt aus.
Noch bewohne ich mein Haus.
Es verfällt.
Wie ich.
Ich denke an Häuser
die man Heim nennt
ohne es zu
sein …..
Das nächste Haus
das leerstehen wird
ist mir vielleicht
das nächste
& der Mülleimer
quillt über
denn
Niemand
kann
ihn
leeren.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Alter, Kultur, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
In den Zeiten
ohne Alkohol
berausche ich mich
an Dir
Saufe
zwischen Deinen Schenkeln
Halluziniere Deine Haut
Überlasse Dir
meinen Cocktail
Fantaste Dich mit der Zunge
Schlucke Dein Lachen
Beisse in Früchte
die lebendig sind
Stoße an
ohne Glas
& verschütte mich
in Dir
Und mit dem Entzug
kommt
das Delirium
Und in dem Delirium
kommst
Du
wie immer
immer wieder
Du
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Alkohol, Beziehung, Erotik, Kultur, Lyrik, Sex | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ein winziger Glutpunkt hoch über der Straße.
Ich fuhr durch die Nacht;
das Auto einäugig (totes Abblendlicht rechts).
Keines sonst war unterwegs.
Ich näherte mich der Brücke.
Jemand rauchte. Unsichtbar. Dort oben.
Tragische Musik im Radio;
die letzte Stelle des Kilometerstands zählte schnell,
aufwärts – Ziffer Ziffer Ziffer!
Und jeder Zug des Fremden
– oder war es eine Fremde? –
glühte heller; für einen Augenblick.
Gedanken kamen in Fahrt …..
Das Unsichtbare,
Fremde
wollte gedeutet werden.
Ein Besoffener, ein Bekiffter, ein Gestörter
mit einem Ziegelstein …. er hat nur
auf mich gewartet …. auf irgend jemanden
gewartet …. Vernichtung, Spaß & Adrenalin …. –
Eine Verzweifelte, eine Verlassene, eine Hinterbliebene,
die ihre letzte Zigarette raucht; den Blick verloren
auf der dunklen Straße …. unter ihr ….
Und ich konnte
ihn
sehen,
ihn
hören,
ihn
spüren –
den Stein …. den Aufprall …. das Bersten ….
Splitter, die in meine Augen schossen,
Blut, Schmerz, Schleudern & Tod ….
Und ich konnte
ihn
sehen,
ihn
hören,
ihn
spüren –
den Körper, der aufschlug …. auf der Straße ….
vor mir …. hinter mir …. auf mir ….
ein fremdes Gesicht, das durch die Windschutzscheibe brach ….
entstellt, zerschnitten, sterbend ….
Und nach der 9
kam die 0,
als ich
unter der Brücke hindurch
fuhr
in meinem Zyklopenauto,
und die Glut blieb zurück,
einsam
auf der Brücke ….
Vielleicht stand dort nur
ein glücklicher Mensch.
Ein Mensch, der
kurz innegehalten,
der die Ruhe genossen hatte, die ich zer-
störte.
Ein Mensch, der
seinen Hund spazierenführte.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Phantasie, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Was da durch den Gang der Arztpraxis an mir vorbeigeschoben wurde,
war ein Rest.
Der Rest eines Menschen.
Vormals Mann.
Auf dem herausnehmbaren Sitz eines Rettungswagens.
Ich sah den Hinterkopf über der Rückenlehne:
schmaler Schädel, wenige weiße Haare, Falten im Pergament.
Die Sanitäter grüßten mich, ich grüßte zurück.
Der Rest röchelte.
Ich wagte nicht, ihm ins Gesicht zu sehen;
er hätte mich anschauen können –
mit einem Blick aus meiner Zukunft;
mich erkennend.
Und ich hätte den schwarzen Bilderrahmen gesehen,
in dem die Reproduktion dieser Totenmaske hing;
den Trauerflor, quer über einer Ecke
(sofern es jemanden gab, der trauerte).
Und das Glas im Bilderrahmen hätte
mich gespiegelt.
Was da durch den Gang der Arztpraxis an mir vorbeigeschoben wurde,
war ein kleiner Junge gewesen,
der auf Bäume geklettert war;
war ein großer Junge gewesen,
der sich verliebt hatte;
war ein junger Mann gewesen,
der sich seinen Leidenschaften hingegeben hatte.
Wahrscheinlich.
Und seine mittleren Jahre waren nun so weit von der Gegenwart entfernt,
wie sie es einst von der Kindheit gewesen waren.
Sie schoben ihn in den Laborraum.
Es war eine urologische Praxis.
Man hörte Stimmen.
Eine der Sprechstundenhilfen plapperte betont fröhlich
mit dem Rest eines Menschen; ein alter bekannter
Rest.
Am anderen Ende des Ganges war die Anmeldung;
dort unterhielten sich 2 weitere Sprechstundenhilfen.
Es ging um das, was da an mir vorbeigeschoben worden war.
Um den Rest. Um das Nest, in dem die Krebse wohnten.
Ich hörte etwas von Blasenkrebs, Prostatakrebs, Metastasen &
Nierenversagen. Ruhig & sachlich vorgetragen.
Die Sanitäter kamen zurück; verabschiedeten sich.
Was da durch den Gang der Arztpraxis an mir vorbeigeschoben worden war,
besaß einen Willen.
Einen Lebenswillen.
Es musste so sein.
Denn noch war es da.
Noch existierte es.
Auf welcher Ebene auch immer.
Selbst wenn es diesen Willen geleugnet ….. verleugnet hätte.
Und viel mehr als dieser Wille
war auch nicht mehr da.
Und er erschien sinnlos –
dieser Wille.
Furchtbar sinnlos.
Eine andere Tür wurde geöffnet.
Ein Arzt, der mir fremd war,
noch fremd war,
sah mich an & sagte:
»Herr L. bitte.«
Ich stand auf & ging in das Sprechzimmer.
Vorbei an Bilderrahmen, deren Glas mich spiegelte.
Immerhin –
er hatte nicht gesagt:
»Der Nächste bitte«
2 Kommentare | Schlagwörter: Krankheit, Kultur, Lyrik, Philosophie, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Zeppeline schwimmen wie Wale im Himmel
In einem Peugeot 404 fahren wir an Windmühlen vorbei
während die Mutter mir eine Kotztüte nach hinten reicht
Der Milchmann schwingt die große Glocke vorm Haus
Er füllt die Gefäße die man ihm bringt aus schweren Kannen
die in langen Reihen auf seinem Wagen stehen
Eine große Geldtasche aus Leder hängt in Gürtelhöhe
befestigt an einem Riemen der von der Schulter quer über
den Oberkörper verläuft
Straßen die
in Kinderschritten gemessen
erschreckend breit erscheinen
Fernsehgeräte kennen nur Schwarzweiß-Töne
Farben träumt man hinzu
Mit Kofferradio & Lieblingslampe im Etagenbett
unten
Es läuft Radio Luxemburg
in Mono
Bilderbücher liegen verstreut auf der Decke
Niemand hat den Mond betreten
Eine Isetta witzelt am Kaufmannsladen vorüber
Sie ist alltäglich
Findet dennoch Beachtung
Ein verwinkelter Keller voller Spinnen & Ängste
in dem die gemeinschaftliche Waschküche liegt
Zugang zum Hinterhof
Männer mit fehlenden Gliedmaßen
Kriegsveteranen
Wie der Bettler der einmal pro Woche
an unserer Wohnungstür klingelt
Milchreis mit Zimt & Zucker
mit kleinen Vertiefungen in denen
flüssige Butter pfützt
Pappsattheit
Ein dünner biegsamer Rohrstock
für besondere Gelegenheiten
Fausthandschuhe aus schneenasser Wolle
Kioske ohne Nacktheit
Abakus & Füllfederhalter
(Geha & Pelikan)
Tarzan & Akim
Die Perry-Rhodan-Sammlung meines Vaters
Das Testbild nach Sendeschluss
& der Pfeifton der an die Flatline des Todes erinnert
Runde Mülltonnen aus Metall
die mit einer geschickt-ausbalancierten Drehbewegung
auf ihrer Unterkante zum Müllwagen gescheppert werden
Motorradfahrer ohne Helm
Telegramme
die ihren eigenen Stil bilden
Autos ohne Sicherheitsgurte
Ohne Kopfstützen
Nach Pisse stinkende Telefonzellen
in passendem Gelb
Schlittenspuren im Schnee
& eine rotgefrorene Nase von der nur ein
etwas dunklerer Grauton bleibt
Ich
wie ich mit einer leeren Rolleiflex
durch die Wohnung gehe
den Blick aufs quadratische Fenster der Kamera gerichtet
Die vertraute Kleinwelt als Spiegelfilm der Phantasie
Phantasiefilm der Spiegelwelt
Und überall
nur Uhren
die man aufziehen muss
Und Fotoecken
Im Fotoalbum
In denen das Foto fehlt

Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kindheit, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Der letzte Blick
in die Lampe
die das eigentlich finstere Zimmer erleuchtet
Die Lampe erlischt
sei’s weil die Sicherung rausspringt
sei’s weil der Strom ausfällt
sei’s weil man die Rechnung nicht bezahlen konnte
sei’s weil sie durchbrennt
sei’s weil man sie selber ausschaltet
sei’s weil jemand anders sie ausschaltet
Die Lampe erlischt
Was bleibt
ist ein Nachschimmern
ihrer Form & ihres Lichts
auf der Netzhaut
für einen kurzen Augenblick
bevor man das Zimmer wieder sieht
wie es eigentlich ist
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Irgendwo heult ein Wolf in der Nacht,
das Klischee des Mondes fehlt.
Wind bewegt das Fell.
In einer Blockhütte tanzt eine Frau –
barfuß in einem weißen Herrenhemd;
allein mit dem Feuer, das
im Kamin für sie brennt.
Sie tanzt zu einer Melodie in ihrem Kopf,
summt –
beleuchtet von Flammen, die Naturgesetzen ge-
horchen.
Schweiß auf Schenkeln.
Schweiß auf der Stirn des Mannes, der
in einem Bett fiebert;
weit entfernt von
Allem.
Verseuchtes Blut.
Er träumt
das Geheul,
träumt
die tanzenden Schenkel, die bloßen Füße
auf dem Holzfußboden,
er träumt
die Melodie,
träumt
das Feuer,
träumt
den fehlenden Mond
& die Schatten.
Krankheit, die durch Adern fließt.
Adern, die sich fiebernd
winden.
Dann verstummt der Wolf;
er folgt einer Schweißspur in der Nacht.
Naturgesetzen gehorchend.
Irgendwo tropft eine Wunde.
Verseuchtes Blut.
Hunger & Sehnsucht werden nicht gedacht.
Er wittert.
Er wittert.
Er zittert. Der Mann sieht die Fenster der Hütte;
bewegtes Feuerlicht in nächtiger Einsamkeit;
Schwitzwasser tränt an den Scheiben.
Ein mondhelles Hemd.
Tanzt. Dahinter.
Vielleicht.
Viel-
leicht.
Tanzt
zu einer Melodie
hinter Lidern, die sich
schließen.
In seinem Bett.
Schließen
wie
eine
Wunde & ihr
Spiegelbild.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Krankheit, Kultur, Lyrik, Sehnsucht, Tiere, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich lag im Bett & träumte,
dass ich im Bett liege.
Eine Stimme sagte:
»Leg dich doch ins Bett.«
Ich sagte:
»Ich liege doch schon darin.«
Dann wachte ich auf
& lag tatsächlich noch immer
im Bett.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Sie sagte:
»Ich muss sparen. Kann mir den Sprit nicht mehr leisten.
Du kennst das ja. Also …..
ich komme morgen nicht.«
Ich schluckte.
(Das Telefon. Ewig dieses Telefon!)
Immerhin hatte ich noch Spucke, die ich
schlucken konnte.
»Ja«, sagte ich, »das kenne ich. Mal schauen, wann ich
diesen Monat nichts mehr zu fressen habe.«
»Was trinkst du da gerade?«
»Reste. Ich kann mir den Sprit auch nicht mehr leisten.«
Da war dieses Taschenbuch für 19,95 €, das ich gerne
gelesen hätte.
Aber –
da ich ein Tier bin, war mir das Essen denn doch wichtiger.
Für den Moment jedenfalls.
Essen
Trinken
Rauchen
Zur Arbeit fahren
für nichts anderes mehr gab ich Geld aus.
Sie sagte:
Ȇbrigens haben die Kinder das Tablet kaputt gemacht,
das ich mir neulich gekauft habe.
Die Reparatur kostet 85 €.«
»Ja«, sagte ich, »das ist ganz schön teuer.«
Sie sagte:
»Ich bin auch traurig, dass ich nicht kommen kann.
Ich liebe dich.«
Es war kalt. Das Heizöl war alle.
»Ja«, sagte ich, »ich dich auch.«
Ein Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Literatur
Die Musik
Die Kunst
Die Philosophie
die rein ist &
klar
kommt
so oft
gefiltert
aus einer Quelle
die getrübt ist
Getrübt von
all den Unfähigkeiten
die unsichtbar
in ihr ver-
Wesen
im Unter-
Grund
Die Unfähigkeit
im Alltag zu funktionieren
Die Unfähigkeit
an anderes zu denken
Die Unfähigkeit
seinen Geist zu vermarkten
Die Unfähigkeit
sein Leben zu meistern
Und tiefer noch
als im Untergrund
eitern die Wunden
die niemals verheilen
& ein Scheitern
verseucht das Leben
Die Menschen stehen
so oft
be-
wundernd
vor der sprudelnden Klarheit
verstehen vielleicht
nicht einmal
diese
& schütteln
betrübt
& angeekelt
den Kopf
ohne jedes Verständnis
im Angesicht der Quelle
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Kunst, Literatur, Lyrik, Musik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich möchte mich fallen lassen
in das Gefühl
für Dich
Ich möchte nicht
vorsichtig sein müssen
um nicht kaputtzugehen
Ich möchte nicht
zerbrechen
am Boden
weil Du
mich nicht auffängst.
Du sollst Dich fallen lassen
in das Gefühl
für mich
Du sollst nicht
vorsichtig sein müssen
um nicht kaputtzugehen
Du sollst nicht
zerbrechen
am Boden
weil ich
Dich nicht auffange.
Doch wenn es so sein soll
soll es
eben
so
sein.
Schlimmer
als zu zerbrechen
wäre es
vernünftig zu sein.
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Wenn man
auf nichts mehr
wartet
hat man es
begriffen
Vielleicht
Doch
wahrscheinlich
nicht einmal
dann
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Und nach deinem Tod
kommen
die Biographen
die dich schon
zu Lebzeiten
nicht
begriffen haben
& sie schreiben
einen Bestseller.
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Mit jedem Schlag
wächst die Furcht
Mit jedem Wutausbruch
wächst die Verwirrung
Mit jeder Erniedrigung
schwindet die Sicherheit
Der Beschützer vor der Außenwelt
wird zum Erschütterer der Innenwelt
Und die Furcht des Kindes
wird zur Angst des Erwachsenen
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Meine verlorene Erinnerung
fand ich wieder
im Gedächtnis
der Geliebten
Aufgehoben
Bewahrt
Sicher
Ich wusste kaum mehr
wieviel ich getrunken hatte
Nur was:
Wodka
Cocktails
Rotwein
Allein
doch nicht einsam
war ich durch das Haus
getanzt
oder
gewankt
oder
gestolpert
oder
was auch immer
Mit dem Telefon in der Hand
Der geliebten Stimme im Ohr
Die Stimme so nah
Die Geliebte so fern
In meinem Schädel
ein Kettenkarussell
bewegt von
Sehnsucht
Alkohol
& langsamem Vergessen
Und irgendwann
war ich
ins Bett
ge-
fallen …..
Und der Film
riss
…..
Als ich erwachte
war da ein Schnitt
in meiner Handfläche
& ich wusste nicht woher
Ich erinnerte mich
an das Blut
Erinnerte mich
es abgeleckt zu haben
Erinnerte mich
an die Stimme
& den Schmerz
Der Schmerz war
vergangen
Die Wunde
ein Rätsel
das sich geschlossen hatte
während ich schlief
Meine verlorene Erinnerung
fand ich wieder
im Gedächtnis
der Geliebten
als wir erneut telefonierten …..
»Komisch«, sagte ich, »da ist ein Schnitt
in meiner Handfläche, und ich weiß nicht mehr,
wie es dazu gekommen ist.«
»Du hast einen Bilderrahmen aufgefangen«, sagte sie.
»Wie bitte?«
»Du hast eine Tür zugeknallt, und dabei ist
ein Bilderrahmen runtergefallen, den Du gerade noch
auffangen konntest.«
»Scheiße, ja – jetzt fällt’s mir wieder ein. –
Nur welcher …. ich habe doch kaum noch Türen hier ….«
Ich ging den Flur auf & ab. Dachte nach. Dachte nach …..
»Ah, ich hab’s«, sagte ich. »Die Schlafzimmertür!
Don Quixote ist runtergefallen.«
»Ja, Du warst auf dem Weg ins Bett.«
»Das ist das erste Mal, dass ich so etwas vergessen habe.«
»Na, jetzt hast Du ja mich«, sagte sie. »Lass mich
Dein Gedächtnis sein.«
Wir lachten
Sie & ich
Dulcinea (die kein Phantasiegespinnst mehr war) &
Der Ritter von der traurigen Gestalt
Es war gruselig
einen Filmriss zu erleben
Doch es ist schön
ein solches Gedächtnis zu haben
Ein Gedächtnis
das meine verlorenen Erinnerungen
aufhebt & bewahrt
Sie in Sicherheit bringt
für mich
Ein Gedächtnis in der Ferne
Ein Gedächtnis
das
mich
liebt.

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Es war
als wäre ich
dabei gewesen.
Wie so oft.
Zuhören
zeichnet
bewegte Bilder.
Zuhören
riecht.
Zuhören
schmeckt.
Zuhören
klingt.
Zuhören
fühlt
sich an.
Ich lag im Bett; das Telefon am Ohr.
Sie erzählte.
Es ist ein eiskalter Abend, eine eiskalte Nacht.
Ein Osterfeuer brennt in der Dunkelheit.
Es wird getrunken. Bier. Wein. Schnaps (»Hütten-Feuer«
heißt das Zeug).
Knisternde Flammen, Rauchgeruch, Stimmen.
Es wird verdaut.
Und das Klo ist so weit weg.
Ich hörte Musik –
wusste aber gar nicht, ob es dort Musik gegeben hatte.
Sie muss pissen. Dringend.
Das Klo ist so weit weg.
Doch da ist eine Scheune.
Im Gegenlicht des Feuers.
Sie geht hinter die Scheune.
Ich hörte ihre Schritte auf der gefrorenen Erde.
Es ist finster hinter der Scheune.
Die Gürtelschnalle klimpert.
Jeans & Slip gleiten über den unsichtbaren Arsch,
die unsichtbaren Oberschenkel hinab.
Sie hockt sich hin.
Sieht in der Entfernung die Rücken dreier Männer
an einem Baum, die tun, was sie im Begriff ist
zu tun.
Und
sie lässt es laufen.
Ich hörte es plätschern,
sah es dampfen,
roch es &
spürte die Wärme, die den Boden erweichte.
Ein Schatten tritt hinter die Scheune.
Geworfen von einem Fremden.
Sie vernimmt das Zzziippp eines Reißverschlusses ….
»Hallo?« sagt sie, »ich sitze hier bereits.«
»Oh«, sagt der Fremde, »Entschuldigung, ich habe dich nicht bemerkt.«
War es wirklich ein Fremder?
Schließlich
konnten sie sich nicht erkennen.
Der Mann verschwindet.
So schnell er vermutlich kann.
»Ich hätte warten sollen, bis er ausgepackt hat«, sagte sie.
»Du Sau!« sagte ich.
Wir lachten.
Sehr.
Sie hätte ohnehin nichts sehen können.
So wie er sie nicht hatte sehen können.
Nur ich
konnte sie
sehen
in diesem Moment
konnte sie
riechen
hören
fühlen
Mein Ohr war heiss geworden
vom Hörer.
Alle Sinne lagen wach
in meinem Bett.
Zuhören
ist
geil.
Macht
geil.
»Und wehe, Du schreibst darüber«, sagte sie.
»Natürlich nicht«, sagte ich.
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Und dann spürst du
den Sand der Todes-Uhr zwischen deinen Zehen
Am Strand der Zeit
die du verloren hast
Du schaust auf das Meer
das immer weniger wird
& immer schneller
folgt Ebbe auf Ebbe
Verlassene Schiffe liegen auf Grund
Ein Wrack neben dem andern
ohne Ziel, ohne Hafen
unter einem grauen Himmel
Es ist kalt
& ein schneidender Wind schlägt Wellen
Du kannst nicht schwimmen
& das Fernweh schmerzt in der Brust
Es riecht nach Salz
das aus Wunden rieselt
& die Flaschen, die an Land gespült werden
sind leer
Doch
Etwas
träumt in dir
noch immer
Jemand schwimmt
in deine Richtung
nackt & schön
wie eine letzte Hoffnung
Warm & lebendig
in all der Kälte
Vielleicht
zu spät
Doch wer weiß schon
was zu spät bedeutet
wenn die Uhr
zerbrochen ist
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Ich hatte wohl beiläufig erwähnt, wie sehr ich
die Peanuts liebte – & dass ich 2 Paar Socken
mit Snoopy-Aufdruck besaß
(in Grau, aus grauer Vorzeit).
Der Sommer ging allmählich zuende; es wurde kühler.
Die Frau trug einen Rock, der
meine Handbreit über den Knien aufhörte.
Sie ging ins Wohnzimmer, zog ihre Schuhe &
ihre dünne Jacke aus & stellte ihre Tasche ab.
»Ich habe heute übrigens was drunter«, sagte sie.
»Ach – das ist ja mal ganz was Neues«, sagte ich, »so
kalt isses doch noch gar nicht.«
Ein Lächelblitz aus blauen Augen. »Schau nach.«
Ich ging zu ihr, bückte mich & schob
lang-
sam
ihren Rock hoch.
Da waren sie (vereint auf violettem Stoff, vorne):
Snoopy & Woodstock!
»Süß«, sagte ich, »lässt Du mir das hier?«
»Sicher.«
»Dann ab mit uns unter die Kuscheldecke.«
Kleidungsstücke waren zufällig
auf den Boden des Schlafzimmers gefallen; nur
das Höschen
hing ordentlich über der Stuhllehne.
Der Hund lag auf dem Rücken; die Augen geschlossen.
Jetzt war sie blond wie Woodstock, doch
in der Vergangenheit
war auch sie ein
kleines rothaariges Mädchen
gewesen.
Ein Mädchen mit Sommersprossen.
Und weil
manchmal
einfach
Alles
passt,
lief
die Mondscheinsonate,
als ich ihr
in den Hintern biss
(Glenn Gould allerdings –
& nicht
Schröder).
Lachen
Lecken
Lachen (mit langem aaaaaa) auf dem Laken
The Doctor is in
The Doctor is out
Sprechblasen
Gedanken-
blasen
Als sie wieder in ihr knallblaues Auto stieg,
wusste ich, was ihr fehlte
unterm Rock.
Und ich wusste, was
mir
fehlen würde ……
In den Tagen des Alleinseins
– das Vögelchen war ausgeflogen –
schnüffelte ich
nach dem Erwachen
& vor dem Einschlafen
an dem Höschen;
ich nahm Witterung auf,
denn auch ich
bin nur
ein Hund
ein Wolf
ein Tier
eine Art von
Comicfigur.
Nach & nach
wurde der Duft schwächer;
wie auf der Flucht.
Wir telefonierten.
»Wird höchste Zeit, dass Du wiederkommst«, sagte ich,
»ich habe alles inhaliert, was es zu inhalieren gab.
Snoopy hat Sehnsucht,
und was zu Knabbern brauch ich auch.«
»Nüsse?« sagte sie.
»Arsch«, sagte ich.
Es wurde noch kühler
draußen.
Noch heißer
in uns.
Und beim nächsten Mal trug sie
Jeans, die nur so knackten;
und irgendwann, unter der Decke,
sagte sie: »Ich laufe aus.«
Und ich dachte an das Meer,
an die Hohe See,
an ein Schiff, das ausläuft;
und ich wollte in See stechen,
hinaus auf das Meer Meer Meer ……
»Ich hab da was, womit Du Dich
abtrocknen kannst«, sagte ich.
Sie grinste.
«Schon klar«, sagte sie.
Snoopys Augen waren noch immer geschlossen,
als würde er es genießen, wie sie ihn
benutzte.
Und der Duft
würde wieder
für eine gewisse Zeit des Alleinseins
reichen.
Reichen, um zu
riechen –
zu schnuppern –
zu schnüffeln –
um zu träumen
wie ein Hund …..
Ein Hund, der
auf dem Dach seiner Hütte schläft.

Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Comic, Erotik, Kultur, Liebe, Lyrik, Musik, Sex, Tiere | Veröffentlicht inAlles, Erotik/Sex (eine Auswahl), Gedichte/Texte
Ich hatte noch 22 € auf dem Konto;
die Schulden beliefen sich auf ca. 1200 €.
Ich wollte nicht frieren – das war alles.
Irgendeine gelangweilte, vom Volk gewählte
Verbrecherbande hatte sich
neue Bestimmungen einfallen lassen, um
die Steuereinnahmen in die Höhe zu treiben.
Alte Heizöl-Tankanlagen mussten durch neue
ersetzt werden.
Meine letzten Ersparnisse flossen
in die neuen Tanks;
kurbelten womöglich irgendeine Konjunktur an,
mit der ich nicht viel zu tun hatte.
Als die Handwerker die alten, stählernen Geldsärge zersägten,
setzten sie meinen Keller in Brand.
Funkenflug.
Schwarzer Rauch breitete sich aus,
waberte die Kellertreppe herauf,
drang durch Ritzen & Schlüssellöcher …..
Die Männer fluchten; die Männer husteten; die Männer spuckten.
Ein Feuerlöscher zischte.
Gestank,
Ruß
& dunkle Vorahnungen.
Schwarzer Staub auf Büchern; tote Spinnen in
weiß besprühten Netzen.
Der Rauch & der Gestank
verflüchtigten sich –
durch undichte Fenster, durch die im Winter
die künstliche Wärme verschwand.
Den Ruß, den Staub, die Leichen beseitigte ich.
Die Vorahnungen blieben.
Gefangen.
Stahl war durch Kunststoff ersetzt worden;
einmal mehr.
Für den Kampf mit der Versicherung fehlten mir
die Kraft & die Zuversicht;
für dergleichen bin ich
(wie für so Vieles)
untauglich.
Und es folgte ein langer, strenger Winter.
Ein Winter, der schließlich begann, den
Frühling wegzufressen.
So –
wie er das Heizöl weggesoffen hatte.
Ich hatte kein Geld, kein Geld, kein Geld mehr.
Da ist dieses Loch
im Boden meines Kellers.
Wenn man hineinblickt, sieht man
die obersten Stufen einer Wendeltreppe.
Ansonsten
sieht man
nichts
als
Dunkelheit.
Ich habe Jules Verne gelesen –
wenn man sich dem Mittelpunkt der Erde nähert,
wird es wärmer.
Vielleicht trifft man auf dem Weg abwärts
einige Monster der Urzeit.
Nun gut.
Damit könnte ich leben.
Ich will nur
nicht frieren –
das ist
alles.
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Erkältet
waren wir beide.
Wir lagen im Bett –
nackt nur an den Stellen,
auf die es ankam.
Musik lief im Shuffle-Modus.
Die Flammen der Kerzen & Teelichte flackerten
im eisigen Wind, der durchs undichte Fenster herein wehte.
Die Frau musste aufs Klo;
kletterte aus dem Bett.
Ich liebe den flüchtigen Moment – bevor
das hochgerutschte Shirt, nach dem Aufstehen,
wieder über den nackten Arsch gleitet, um
ihn dann
nur knapp
zu bedecken.
Sie ging nach nebenan.
Johnny Mathis sang „Moon River“.
Ich hörte es plätschern.
Hörte sie Papier abreissen.
Klopapier, das nach Rosen duftete –
& das ich niemals benutzte.
(Sie hatte es selber als Gag mitgebracht,
nachdem ich mich über den
Klopapierverbrauch der Frauen lustig gemacht hatte.)
Johnny gab volles Vibrato, dann
rauschte die Spülung.
Und während die Frau in die Küche ging,
um sich noch ein Bier zu holen,
übernahm Bobby Vinton die
musikalische Leitung.
„Blue Velvet“.
Sie kam zurück, stellte die Flasche auf den Nachttisch
& kroch unter die Decke;
ihre Hände waren kalt, ihre Beine waren kalt.
Sie sagte: »Die Musik läuft doch auf Shuffle, oder?«
»Ja«, sagte ich.
»Wieviele Stücke sind in der Liste?«
»Keine Ahnung, aber sie läuft knapp 37 Stunden
ohne Wiederholung. Wieso?«
»Weil ich gerade, aufm Klo, dachte:
Ich würde gerne mal wieder „Blue Velvet“ hören.«
»Ich wusste es«, sagte ich, »Du bist
eine Hexe.«
Sie lachte.
»Ich kann Sachen«, sagte sie.
Was stimmte.
„Blue Velvet“ war unser Lieblingsfilm.
37 Stunden, die auf Zufall gestellt waren.
37 Stunden – so lange hatten wir uns noch nie
ohne Unterbrechung gesehen –
& würden es vielleicht auch
niemals.
Ihre Hände wurden warm.
Der Wind blieb eisig.
Und die Flammen der Kerzen & Teelichte flackerten
noch stärker.
Bewegt durch
den Wind &
unsere Leidenschaft.
Ein Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Erotik, Film, Kultur, Liebe, Lyrik, Musik, Sex | Veröffentlicht inAlles, Erotik/Sex (eine Auswahl), Gedichte/Texte
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