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Manchmal spüre ich die Verzweiflung
im Dazu
Gehören wollen
der Anderen
Ich höre den Unterton der Sehnsucht
in den Worten
die beschwören sollen
was sie als gegeben darstellen
& was doch niemals da
sein wird
Manchmal spüre ich die Verzweiflung
in meinem Nicht
Dazu
Gehören wollen
Ich verstecke den Unterton der Sehnsucht
in den Worten
die beschwören wollen
was hätte da
Sein können
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Einsamkeit, Kultur, Lyrik, Sehnsucht | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Wie es war
als Kind über eine Wiese zu toben
durch Blumen & Schmetterlinge;
durch Gras, das mindestens bis zu den Knien reichte….
Wie es war
im tiefwilden Gewucher Dinge & Lebe
Wesen zu entdecken, die man noch nicht gekannt hatte –
& sich zu verstecken zwischen den Unebenheiten
dieser Welt – vor der Welt
da draußen…. oder tief drinnen…. wie All
Dies war & Vieles
mehr war
haben die Menschen wohl längst vergessen.
Jene Menschen, die ihre Vorgärten trimmen
wie Friedhöfe. Überall nur
Ordnung & Erinnerungen
an den Tod. Ge- &
Verbot. Untersagtes Betreten.
Betretenes Schweigen der Natur. Kinder
die sich nicht verstecken
können. Nichts entdecken können.
Lebensverachtung. Und Gleich
Macherei.
Wie es war
mögen sie vergessen haben, diese
Menschen – aber sie können erahnen
Wie es sein wird
über ihren Gräbern.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kindheit, Kultur, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Wir sind nicht so
Wie wir uns jetzt sehen
Wir sind nicht so
Wie wir uns früher sahen
Wir sind so
Wie wir nicht sehen können.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
»Was du schreibst ist
vielleicht gar nicht passiert.«
»Was ich nicht schreibe ist vielleicht
gar nicht passiert.
Vielleicht muss ich Alles aufschreiben, damit
es wirklich passiert ist. Selbst
wenn es vorher tatsächlich passiert war.«
»Da ist keine Logik
hinter dem was du sagst.«
»Ach ja?
Fühlst du dich
lebendig
in diesem Augenblick?«
»Ja.«
»Siehst du.
Und ich auch.«
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Als ich aufstand
endete das Schnarchen.
»Was machst du?« fragte sie.
»Wo ist hier die Toilette?«
»Richtung Ausgang, die linke Tür.«
Ich mochte den verschlafenen Tonfall.
Der stumme Fernseher war die einzige Lichtquelle.
Ich fand die Tür. Ein kleiner Raum; ein Gäste
Klo. Vermutete ich. Die Lampe blendete. Einige
Stücke des Mauerwerks fehlten;
alte Rohre sollten durch neue ersetzt werden.
Eigentlich hatte ich ein guter Gast
sein & mich setzen wollen – aber
da war ein undefinierbarer Fleck
auf der Brille. Also klappte ich
sie hoch, blieb
stehen & ließ es
laufen. Ich ging
ein wenig in die Knie dabei, damit es
weniger spritzte. Wie rücksichtsvoll
ich doch bin, dachte ich. Aber
ich meinte es nicht ernst.
Ein lauter Furz entwich. Da war so viel Luft
in mir; ich konnte sie nicht halten. Zu viel
hatte ich geschluckt. Ich fragte
mich, ob die Frau ihn gehört hatte. Dann rauschte
die Spülung; ich machte das Licht
aus & ging zurück. Legte mich
neben sie & fühlte mich
wohler.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Nur eine dunkle Ahnung
hatte ich gehabt – aber
wie sehr ihr Innerstes wirklich zer
brochen war, wurde mir erst klar
als ich ihre Splitter in meinem Fleisch spürte.
Ein unerträglicher Schmerz.
Es war als würden Menschen, die ich nicht kannte
& die mich nicht kannten,
mich
durch sie hindurch
verletzen.
In meinem Inneren gab es andere
Brüche. Wir konnten uns alle
nicht helfen.
Es blieb nur
die Flucht
vor den Fremden.
Und die Fremden waren –
Sie
die meinen Schmerz
kaum ahnte.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Krankheit, Kultur, Lyrik, Schmerz, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Es war 10 vor 4 am
Nachmittag. Längst
hätte ich schlafen müssen.
Leuchtende Ziffern
auf einer digitalen Uhr.
Rot. In dunkler Umgebung.
Bei Kilometer 15,5 hatte ich
einen Unfall gehabt. Tod
& Blut an einem Abend,
dessen Datum ich nicht
im Kopf hatte. Es bestand
kein Zusammenhang. Es
waren nur Zahlen. Die einen riefen
eine Erinnerung
wach. Die anderen waren
das Erinnerte. Wieder
andere hatte ich
vergessen. Sie
beschrieben
einen Punkt
in der Zeit. Und
einen Punkt
im Raum. Getrennt
von einander. Vereint
in meinem Denken. Ich
konnte mich drehen &
wenden, wie ich wollte,
aber schlafen konnte ich
nicht. Und dann dachte ich
an etwas Anderes.
Getrennt in
Wirklichkeit. Vereint
in der Erinnerung. Im
Übrigen hatte ein Tier
den Tod gefunden.
Schließlich
war es 4 –
& es passierte immer noch
Nichts.
Wann ich ein
schlief weiß
Niemand.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Erinnerung, Kultur, Lyrik, Schlaf, Tod, Zeit | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Nach ihrem Untergang
war die Sonne wieder da
wo sie hingehörte.
Verschwunden in einen Tag,
der woanders war,
ließ sie die Nacht zurück.
Er sagte:
»Sie wird Lügen über dich erzählen.«
»Nein«, sagte ich, »das wird sie nicht.«
»Naiver Trottel«, sagte er.
»Ja«, sagte ich, »das stimmt.«
Zu dumm, dass Neumond war.
»Sie wird ihre Wahrheit erzählen,
die mit der Wirklichkeit so wenig zu tun hat
wie meine.«
»Aha«, sagte er, »was du nicht alles glaubst.«
»Ja«, sagte ich, »was ich alles nicht glaube.«
Es blieb uns nur elektrisches Licht.
Und ein paar Kerzen, die flackerten. Woanders
war es Tag. Wenn es hier zu spät war,
wie konnte es dann woanders noch später sein?
Früher hätte ich gesagt:
»Die Sonne ist schuld.«
Aber so naiv war ich denn doch nicht mehr.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Man könnte hier
viel mehr hineinlesen als
da ist. Als da ist:
Alles
von dem ich selber nicht wusste
das es darin sein könnte.
Natürlich kann man auch viel
weniger herauslesen als
wirklich darin ist.
Nur zu!
Irgendwo dazwischen
befinde ich mich
& weiß es selber nicht.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Wenn ich wüsste was
ich sagen soll
würde ich
gezielter schweigen.
Ein Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Jede Zeile ein fort
laufendes Gedicht
das nirgendwo
hin führt
Jedes Gedicht ein
Versuch fest
zu halten was
fort läuft
Jedes Leer
Zeichen ein Luft
holen im Inneren
des Satzes
Jeder Zwischenraum
ein Flucht
Weg der Ge
danken
Jeder Ab
Satz eine Stufe
in den Ab
Grund
Jedes Wort
eine Festung
die sich fort
bewegt
Jede Bewegung
eine Flucht
aus
der Zeit
Jeder Punkt die Vor
Täuschung
eines
Endes.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
»Was hast du vor?«
Immer wieder kamen diese Worte
aus ihr. Im Ton
Fall des Rausches. Selbst
Vergessen. »Was
hast du vor?« Ich
hatte 4 Finger
in ihr, und meine Zunge
bewegte ihren Kitzler. So
konnte ich nicht
antworten. Aber es war
ja Alles nur
rhetorisch. Selbst
das »Oh Gott!« war
nicht so gemeint. Und
»Tiefer!« ging es
doch kaum. Ich liebe
die Wörter. »Was
hast du vor?« Nichts
Besonderes. Ich wollte sie
fühlen
lassen. Selber fühlen. Und
Alles vergessen. Und vergessen
lassen. Nichts Besonderes in der
Tat. Doch
Alles worauf
es an
kommt in den Augen
Blicken in denen man
keine Antworten er
wartet. Keine Antwort
braucht. Weil sie über
flüssig ist.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Erotik, Kultur, Lyrik, Sex | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Julia hatte einen Balkon.
Ich schaute aufwärts.
Doch er war nicht da.
Ich stand draußen.
Vielleicht war er
auf der anderen Seite.
Andererseits: hatte
Shakespeare den Balkon überhaupt erwähnt?
Ich wusste es nicht.
Und überhaupt
kannte er sich
mit Allem besser
aus. Doch er war
auf der anderen Seite.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Literatur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Wenn Vergessen
ein Geschenk wäre
aber Niemand ist da
der es einem überreichen könnte
wäre Vergessen
ein Geschenk.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Einsamkeit, Kultur, Lyrik, Vergessen | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich treffe ja immer
wieder auf Frauen
die zu wenig wollen
& zu geben
vermögen.
Ziel
sicher.
Aus
gerechnet
Diese sehen sich also
mir gegenüber – einer Nacht
Gestalt, halb
Vampir, halb
Zombie, Blut
& Innereien
bevor
zug
end.
Da kriegen sie
natürlich zu viel.
Ihr Blut, das von Herzen kommt,
wollen sie für sich
behalten
& ihr Innerstes wollen sie nicht
preis
geben.
Es ist nicht leicht
ein Untoter zu sein
wenn die Quellen des Lebens ver
siegen verlieren
am
Ende
selbst
die Nächte
ihren Reiz.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Leben, Liebe, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Das Unglück erscheint
Uns entblößt – Es
zittert
in unseren Augen
Als ob
Wir träumten
Darum ziehen wir
Es an.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich besuchte eine Wohnung.
Ein Mann lebte darin. Mit einem
Tiger. Ich weiß nicht, wer
der Mann war. Aber
der Tiger war freundlich. Wie ein Hund
legte er seine Vorderbeine auf meine
Schultern. Das war mir zu viel
Nähe. Also verließ ich
die Wohnung. Gegen
über war eine weitere
Wohnung. Die Tür öffnete sich nicht
von allein. Eine Frau, die nichts trug
außer einem T-Shirt, öffnete sie. Diese
Frau warst Du aus
meiner Vergangenheit. Nicht
Du aus meiner Gegenwart. Du lächel
test, und hinter Dir huschte
eine Ratte durch den Raum.
»Verdammt«, sagtest Du – als ich
die Wohnung betrat, »die
nervt.« »Immer noch
besser als einen Tiger in der Wohnung
zu haben«, sagte ich, »egal
wie nett der ist.« »Auch wieder
wahr«, erwider
test Du. Dann lagst Du
bäuchlings auf dem Bett, und ich
legte mich angezogen neben Dich. Das
Shirt bedeckte 1 Drittel
Deines Arsches. Die 2 übrigen
betrachtete ich. Und so
bald ich meine Hand darauf
legte – klingelte
das Telefon. Verflucht!
dachte ich, ich werde nicht zurück
finden in diesen Traum. Es war
der Gärtner, der mich weckte, um
mir mitzuteilen, wann er vorbei
kommen würde mit der
Kettensäge. Der Zugang zu
meinem Haus war bei
nahe zu
gewuchert. Wie im
Märchen. Wir beendeten das
Gespräch. Dieser Arsch!, dachte
ich – & ich dachte darüber
nach, warum ich niemals
vom gegenwärtigen Du träumte…..
Eher legte ein freundlicher Tiger seine Vorderbeine
auf meine Schultern. Schließlich
fand ich die Lösung – als wäre es
ein Rätsel gewesen. Und in der Tat fand
ich nicht zurück. In die Wohnung
mit der Ratte.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Erotik, Kultur, Liebe, Lyrik, Traum | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Als ich mich über sie beugte, sagte ich:
»Schöne Augen hast du.« Es klang
wie ein Klischee – oder als ob
mir nichts Anderes einfiele, das
schön an ihr war. Doch
das stimmte nicht.
»Dankeschön«, sagte sie ganz
leise. Beinahe flüsternd. Und während
sie es sagte, schloß sie
die Lider. Das
konnte ich sehr gut
verstehen.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Wäre der Tod eine Frau
existierte wenigstens eine
die meine Sehnsucht stillen könnte
im Leben
am Ende
unmittelbar vor dem Vergehen
der
Hoffnung
& gleich
zeitig mit dem Verlust
der
Welt.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Liebe, Lyrik, Sehnsucht, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Hätte ich eine Voodoopuppe
von Dir
wäre ich sehr nett
zu ihr.
Wärest Du eifersüchtig
auf sie
würde ich sie verbrennen
für Dich.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Fernlicht
wurde zu Gegen
Licht & schnitt
eine Silhouette aus der Dunkelheit
Ein Mensch wie ein Schlag
Schatten in der Nacht
an einem Ort
wo er glaubte Etwas zu suchen zu haben
Blendung & Verblendung
Ein letztes Über
Treten einer Grenze
im Rausch – & ein Laster ergriff
ihn zum letzten Mal
Sie hatten sich
gefunden
nach einem endlos
erscheinenden Flirt
an einem Ort
wo der Mensch nicht hingehörte
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Sucht, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich tat was
ich zu Hause niemals
tue: ich sah aus
dem Fenster.
Kurz nach 6 am
Morgen. Grau
Stufen über den Dächern.
Regen. Und ein gemähter Rasen
3 Stockwerke weiter
unten. Eine unbekannte Aus
Sicht. Die Frau
stand in der Tür.
»Du siehst aus
als ob du
auf etwas wartest«,
sagte sie. »Nein«, sagte ich, »ich
warte auf nichts. Ich wollte
nur sehen, wie es hier aus
sieht bei Tageslicht.« Dann schaute sie
zu, wie ich mir die Schuhe zu
band. Ich spürte Ungeduld. Nachts
hatte ich nicht schlafen können
während sie schlief sah ich neben ihr
liegend eine Dokumentation über Serien
Killer. Nach
gestellte Szenen voller Blut. Fotos
von Leichen, die
echt waren. »Ich möchte keine Fragen
beantworten«, sagte sie, »aber
wenn meine Nachbarin dich sieht,
muss ich das. Da hab ich
keinen Bock drauf.« »Keine
Angst«, sagte ich, »ich
bin gleich
weg.« Ich hasse es
gesehen zu werden
von Nachbarn. Zu wem auch immer
sie gehören. Also war
Alles in Ordnung. Zu Hause
ist – wo
die Jalousien herunter
gelassen bleiben. Und
das Gras
Alles überwuchert. Sie
würde
keine Fragen beantworten
müssen, und ich er
wartete in der
Tat Nichts.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ein verwittertes gelbes Flugzeug stand auf dem Gelände.
Einmotorig. Über die linke Tragfläche hinweg kletterten wir
Kinder in sein Inneres. Wir waren zu zweit, und
mehr hätten auch nicht in die Maschine gepasst. Obwohl….
Eine gestreifte Spinne hing zwischen den Instrumenten;
sie konnte nicht fliegen, aber Fliegen flogen in ihr Netz
durch die Löcher der gesplitterten Scheiben. Ich behielt sie
im Auge, diese Spinne. Etwas ängstlich. Etwas angeekelt. Aber
nicht einmal sie konnte mich vom Sitz des Piloten vertreiben.
Es roch nach Metall, es roch nach Rost & Vergangenheit.
Wir waren am Boden. Wir blieben am Boden. Alle Zeiger standen
auf 0. Und nur unsere Fantasie
konnte den Propeller noch in Rotation versetzen.
Die beflügelte, beflügelnde Fantasie der Kinder. Es muss
wenige Jahre vor der ersten Mondlandung gewesen sein.
Es gab noch keine Flaggen dort oben, keine Fußspuren.
Nichts, was Reflexionen & Projektionen hätte stören können.
Der rothaarige Junge, der hinter mir saß, war erst vor kurzem
nach Deutschland & in meine Schulklasse gekommen; sein Vater,
ein amerikanischer Offizier, war hier stationiert. Flaggen
flatterten vor dem Gebäude, in dem sie wohnten. Unsere Eltern
unterhielten sich darin. Der Junge erzählte mir von Amerika,
das ich nur aus Filmen & Fernsehserien kannte. Auch den Mond
kannte ich nur aus Filmen & Fernsehserien. Wir wussten nicht, wo
das Flugzeug gewesen war. Also konnte es überall gewesen sein. Über
All. Das gefiel uns. Und ich kannte niemanden sonst, der aus einem
so fernen Land kam wie der Junge mit den roten Haaren. Ich drückte
Knöpfe, die längst keine Funktion mehr hatten – & die Zeit flog
dahin. Am Boden. In unseren Köpfen. In die Zukunft.
Irgendwann erzählte er mir von seiner liebsten
Fernsehserie. Die Handlung drehte sich um Außerirdische, drehte
sich um ein Raumschiff & um fremde Welten. All
es war so weit entfernt – wie Alles Andere, das ich nicht kannte. Und er
zeigte mir Fotos von einem Mann mit seltsamen Ohren & seltsamen Augen
brauen. Faszinierend, dachte ich. Oder so etwas Ähnliches mag ich
gedacht haben. Einige Jahre später kam die Serie
nach Deutschland. Im selben Jahr als das Apollo-Programm eingestellt wurde.
Wir wohnten längst woanders. Ich ging
auf eine andere Schule. Die alten Kontakte waren ab
gebrochen. Und ich erinnerte mich – als ich die erste Folge sah…..
Das Flugzeug, die Spinne, die Flaggen, die Erzählungen….. Ich
mochte die kurzen Uniformen der weiblichen Besatzungsmitglieder.
Schon damals. Es war alles anders als ich es mir vorgestellt hatte.
Wie so oft. Aber es gefiel mir. Was nicht so oft der Fall war.
Den Ton einiger Folgen nahm ich mit dem Kassettenrecorder auf, und
nachts im Bett in meinem dunklen Zimmer hörte ich diesen Ton
zu meinen eigenen Bildern. Immer wieder. Science Fiction. Schon
der Kassettenrekorder hatte etwas davon. Verglichen mit unserem alten
Bandgerät. Ich drückte Knöpfe – & die Zeit flog dahin. Im Bett. In
meinem Kopf. In die Zukunft. Und sonstwohin.
Und 42 Jahre später bin ich gelandet. Auf dem Boden. In einer
Wohnung, die nicht die meine, in einem Raum, der mir nicht mehr
fremd ist. Zwischen gespreizten Schenkeln. Gespreizt
wie Tragflächen. Und die einzige Licht
Quelle ist ein eingeschalteter Fernseher hinter mir. Ein
charmant-gealtertes Röhrengerät. Gealtert bin ich auch. Doch
weniger charmant. Bekannte Namen erklingen
in der Nacht. Kirk. Pille. Spock. Uhura. Ein Film vom Ende
der 70er. Wiederum eine andere Zeit. Propellernde Zungen. Ein gewaltiger
Mond ist aufgegangen. Der damals noch nicht existierte. Bemannter Raum
Flug. Peterchens Arschfahrt. Auch so’ne Kindheitserinnerung. Es riecht
nach Lust. Nach Jugend & Gegenwart. Im Geflacker des Films
sehe ich wie ein Gesicht sich verändert. Ein Mund sich öffnet. Im Rausch.
Und noch mehr. Öffnet sich. Und jemand ruft:
»Alarm, Alarm! Ein Eindringling! Alles auf Gefechtsstation!«
Und ein anderer ruft: »Scotty, bitte kommen!« – dabei heiße ich gar nicht so.
Gelächter säuft ab. Und erstickt in Körpersäften. Und sie flüsterschreit:
»Oh Gott, oh Gott!«, aber auch das ist nicht mein Name.
Science Fiction. Mit wenig Science. Immer wieder. Und es ist immer dieselbe Zeit,
die fliegt. In unseren Köpfen. Die Zeiger stehen nicht. Es
scheint nur so. Es sei denn, es ist etwas kaputt. Alles
auf 0. Wir waren zu
zweit. Im Cockpit. Und doch nicht
allein. Und niemand weiß wie
& wann die Spinne gestorben ist.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Erotik, Film, Jugend, Kindheit, Kultur, Lyrik, Sex, Zeit | Veröffentlicht inAlles, Autobiographische Prosa, Erotik/Sex (eine Auswahl), Gedichte/Texte
Sperrmüll im Licht der Laterne
Ein Sessel am Straßenrand
Ein Mann schlief
darin
Ich fuhr vorüber
Sein Gesicht sah
aus als hätte ein Nachtfalter
sein Unwesen darin
getrieben
Jemand hatte ihn an den Rand gestellt
Da waren Risse in der Oberfläche
Sprungfedern die herausgesprungen waren
& Schatten
auf dem Bürgersteig
Ich schaute in den Innenspiegel
Das Bild entfernte sich
Es blieb zurück
Während ich weiter fuhr
Durch die Nacht
Ein Falter starb in meinem Abblendlicht
Ganz still & leise
Während aus dem Radio irgend
eine Musik kam
die ich vergessen habe
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Alter, Einsamkeit, Kultur, Lyrik, Nacht, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich war am Meer.
Mit einer Geliebten
Unbekannten.
Der Traum
war perfekt. Um
im Schlaf zu sterben.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Liebe, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich bin
wie Jeder.
Ein aus dem Zusammenhang gerissenes
Zitat. Aus
einem Werk, das Niemand
kennt. Was
ich wirklich zu bedeuten habe, weiß
nicht einmal ich
Selbst. Vielleicht er
gebe ich einen Sinn, schein
Bar, während ich für mich alleine
stehe. Los
Gelöst aus dem Kontext. Vielleicht
Würde das Werk verfälscht
Werden ohne mich. Und ebenso viel
leicht wäre das egal. Wo
möglich besitzt es so
Wieso keinen Wert. Schund. Sonst
Nichts. Zusammen
Gesetzt aus vereinzelten Zi
Taten. Ich
weiß es einfach
nicht. Ich kenne ihn
nicht: den In
Halt des Ganzen. Ich bin
wie je
der. Her
Aus
Gerissen stehe ich
für mich
All
ein
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
was mir die worte so
manches mal verschlägt
ist
das herz
das nur ein bild ist
würde das wirkliche auf
hören zu schlagen
gäbe es nur
nichts
mehr zu sagen
es wäre das gleiche ohne das
selbe zu
sein
am
ende
ist das herz nur eine faust
schlägt die stunde wahllos um sich
bilder hängen in einem verschlag
& das wirkliche ist etwas ganz anderes.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Mein Arm unter ihrem Nacken.
Entspannung. »Jahrgang 84«, sagte sie.
»Was hast du 1984 gemacht?«
»Nichts«, sagte ich. »Das war die Phase
nach dem Abi, wo ich nichts gemacht habe.
Außer Lesen & Saufen vielleicht. 7 Jahre
lang. Und von deiner Geburt
hat mir auch keiner was gesagt.«
Sie atmete ein Lächeln aus.
Vielleicht trafen sich
in diesem Moment unsere Blicke –
dort oben. An der Zimmerdecke.
»Ach, halt«, sagte ich, »1984
kam der Film 1984 in die Kinos. Mit
John Hurt & Richard Burton. Guter
Film. Den habe ich gesehen. Damals.«
Wie praktisch, wenn der Titel eines Films
gleichzeitig sein Erscheinungsjahr ist. Wie
leicht man sich sowas merken kann. Aber
viel interessanter war doch die Frage:
Wo war Sie 1960 gewesen?
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Erinnerung, Film, Jugend, Kultur, Lyrik, Zeit | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
6
Kerzen waren heruntergebrannt
bevor ich erschien bei Einbruch
der Nacht. Jetzt brannten
andere.
3
Luftballons hingen drinnen vorm Fenster.
Jalousien & Hosen waren herunter
gelassen. Die Balkontür stand
einen Spaltbreit offen, auf ihrer Glasscheibe
eine bunte Zeichnung von Kinderhand.
Von der Schlafcouch aus betrachtete ich die Luft
Schlangen, die von der Decke
hingen, während ein Frauenkopf sich
auf
&
ab
bewegte zwischen meinen Beinen.
Traum
gleich war unsere
1.
Begegnung
Mitt
Sommer
Nacht.
Fremde Gerüche
Fremde Geräusche
eine mir fremde Wohnung
& irgend
Etwas Vertraut
es im Gelächter.
Wäsche trocknete
auf dem Balkon im Mondlicht –
& wurde nass woanders.
Als das Wachs am Ende war, erschien
die Dunkelheit. Ich kniete
auf dem Boden & trank
zwischen geöffneten Schenkeln
schluckte
& schluckte
die Lust, die immer lauter wurde
Selbst
Vergessen
Und plötzlich:
eine Kinderstimme –
»Mama, was ist
mit dir?«
Ich hielt inne.
Der Schatten eines kleinen Mädchens stand im Zimmer.
Wie ein Erwachen.
»Alles in Ordnung«, sagte die Frau, »ich hatte nur einen
Albtraum.«
Ich verhielt mich
ruhig. Bewegte mich nicht. Hielt mich
für versteckt in der Dunkelheit. Zwischen
den Schenkeln. Für unsichtbar vielleicht –
wie ein Kind, das die Augen schließt.
»Komm«, sagte die Frau, »ich bring dich wieder zurück
ins Bett.«
»Wer ist –
der Andere?« fragte das Mädchen.
Kurze Pause.
»Das ist mein Besuch.«
Vielleicht war es der Mond,
der durch den Spalt oder das bemalte Glas der Balkontür
meinen nackten Arsch beleuchtet hatte.
Ich schwieg. Die Frau stand auf & nahm
das Kind bei der Hand. Silhouetten verließen das Zimmer. Allein
gelassen legte ich mich auf die Couch.
Lauschte leisen Stimmen. Zwischen den Gerüchen. Dann
hörte ich Musik. Kinderlieder von nebenan. Was
für eine seltsame Formulierung, dachte ich: ›Der Andere‹!
Die Frau kam zurück. Legte sich neben mich. Der Schreck
war uns nicht in sämtliche Glieder gefahren. Leises Gelächter.
Und auch die Lieder waren so leise, dass ich sie nicht erkennen konnte.
Zwischendurch wieder Stimmen aus
dem Kinderzimmer. »Ein Märchen«, sagte die Frau. »Zum
Einschlafen.« Die CD war ein Geburtstagsgeschenk.
»Ja«, sagte ich, »die habe ich als Kind auch immer gern gehört.«
Und wir malten uns aus, was das Kind aus uns machen
würde in seiner Phantasie….. Zu
Was ich werden würde in seiner Erinnerung….. Ich
war
ein Anderer. Aber vor allem war
ich
ein Albtraum. Das gefiel mir. Und
die Frau träumte. Träumte mich. Träumte
mich weiter. Immer weiter. Immer wieder. Immer anders. In
dieser Nacht. Und sie presste sich den Handrücken auf den Mund
dabei. Um das Kind nicht erneut zu wecken.
Und ich fragte mich, ob ich nicht
ähnliche Erinnerungen hatte wie dieses
kleine Mädchen sie haben würde.
Doch ich fand
keine Antwort.
Das Märchen ging
zu Ende. Und
als der Morgen dämmerte, fuhr der
Albtraum nach Hause. Und
er schlief ein. Und er
träumte
6
Kerzen waren heruntergebrannt
bevor er erschien bei Ein
Bruch der Nacht. Jetzt brannte
ein Anderer
3
Schlangen hingen von der Decke &
1
Ballon bewegte sich
im Mondlicht
auf
&
ab
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Erotik, Kindheit, Kultur, Lyrik, Sex, Traum | Veröffentlicht inAlles, Erotik/Sex (eine Auswahl), Gedichte/Texte
Man brennt für jemanden.
Und irgendwann
auch eine CD.
Für sich selbst
macht man eine Kopie.
Die bleibt
im eigenen Auto.
Irgendwann
ist es vorbei.
Mit der Brennerei.
Man fährt zu jemand anderem.
Und die Laufzeit der alten Kopie
reicht exakt für die Strecke dorthin.
Wenn man die richtige
Geschwindigkeit einhält.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Musik, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
»Sind das wirklich 5 Finger?« fragte sie.
»Ja«, sagte ich.
»Oh mein Gott!«
Dann drückte sie mir die Hand.
Ganz fest. Es war unsere
erste Begegnung.
Die Kerzen gingen aus, es
wurde dunkel.
Und im ersten Tageslicht bewegte ich die Finger
dicht vor ihrem Gesicht. »Ich werde nie wieder
Gitarre spielen können«, sagte ich.
Wir lachten.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik, Sex | Veröffentlicht inAlles, Erotik/Sex (eine Auswahl), Gedichte/Texte
»Haben Sie noch etwas zu sagen«, richtete sich
eine Stimme an mich – mit
falscher Betonung. Als sei das gar
keine Frage.
Uninteressierte Gehörgänge. Und geladene Waffen
waren auf mich gerichtet. Die
Sonne stand tief im Morgen. Als
gäbe es das.
Die Augen hatte man mir nicht
verbunden. Warum auch
immer. Sie waren gerichtet
auf die dunklen Tunnelöffnungen der Gewehre.
Im Hintergrund der Mündungen:
schweigende Gesichter, die keinerlei An
Teil nahmen.Warten auf das Licht
am Ende
der Tunnel. Die Schatten waren lang.
Und Morgen
war nur eine Himmels
Richtung.
Trocken schien die Luft – & angenehm
weich die Berührung der Fesseln.
Meinem Urteil nach. Ich hörte
das Geräusch
des Entsicherns. Was sollte ich
schon sagen? Ich sagte: »Vielleicht
später.«
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich hasse sie!
Diese billigen Teelichte
aus dem Supermarkt.
50 oder 100 Stück im Beutel.
Die Hälfte des Wachses
kann noch vorhanden sein –
& doch: hatte man sie
1 Mal angezündet,
eine Weile brennen lassen
& wieder ausgepustet,
brennen sie
kein zweites Mal.
Nur ganz kurz
hat man den Eindruck
sie könnten noch einmal brennen;
die Flamme scheint normal
für ein paar Sekunden, doch
dann wird sie immer kleiner,
der Docht verkümmert
zu einem Fastnichts, und
die Flamme erlischt.
So viel überflüssiges hartes Wachs!
Wachs für keine Flamme.
Keine Wärme, kein Licht mehr.
Sie sind nicht alle so.
Aber viele. Sie sind allzu-
……….
Ach, was soll’s – keine
Vergleiche mehr. Und
Hass ist ein zu großes Wort.
Wenigstens sind sie billig.
Und ich verstehe, warum
sie so sind.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
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