Archiv des Autors: flederzombie

Du bist wie ich

 

Du würdest Dir
wünschen zu sein
wie ich

Dich sehe

Wenn Du es nicht
schon wärst
ohne zu wissen

wie schön das ist
was ich sehe
sind Wir


Halt

 

Ich halte mich
fest an dem was
nicht da ist.

In Wirklichkeit.

Warum also verliere ich
den Halt als
hätte ich ihn je gehabt?

In der Wirklichkeit.


Die Taubheit der Augenblicke

 

Die Furcht
einer dieser Augen
Blicke könnte taub werden

Hart
Hörig
& lahm

Wie irgend Jemand
der nicht mehr lange
zu leben hat

Die Furcht
einer dieser Augen
Blicke könnte erblassen

vor Angst
vor dem Tod
& der Vergänglichkeit

Die Furcht
einer dieser Augen
Blicke die uns gehörten

könnte nicht mehr hören
wenn ich ihn zurück
rufe in mein

Gedächtnis

Die Furcht
Die Furcht
Die Angst

Nimm sie
mir mit Deiner

Erinnerung!

Doch behalte sie nicht
für Dich!


Eine Art von Reise

 

Immer nimmt mich
Alles so mit
während ich doch nur
bei mir bleiben will

Immer nimmt mich
Alles so mit
ich weiß nicht wo
hin

Immer nimmt mich
Alles so mit
dass ich mich
hoffnungslos verrenne

Immer nimmt mich
Alles so mit
als gäbe es ein Ziel
das ich erreichen müsste

Immer nimmt mich
Alles so mit
in mein Innerstes
das irgendwo da draußen ist

Immer nimmt mich
Alles so mit
als hätte ich wo
anders etwas zu suchen

Immer nimmt mich
Alles so mit
in die Fremde

Immer nimmt mich
Alles so mit -
& trotzdem bin ich

noch nicht über
All gewesen


Wie Erde in ein Grab

 

Den Eindruck den
Du in Mir
hinterlassen hast
kann ich
nicht ausdrücken

Versuchte ich es
dennoch würde
Alles flach &
uneben zugleich

In eine solche
Vertiefung passt nur
das Schweigen

wie Erde
in ein

Grab


Nicht Nichts

 

Ich dachte
Ich hätte

Nichts

bis
Ich bemerkte wie

Viel

Ich übrig
hatte

für
Dich


Ein B & ein Apfel, Die Gebrüder Grimm & noch ein B

Auf dem Nachttisch stand ein Teller.
Auf dem Teller lag ein Apfel. Neben
dem Apfel glänzte ein Messer.

Die Frau, die in meinem Bett saß,
lächelte. Aus Gründen, die nichts
mit dem Apfel zu tun hatten.

Ich sagte: »Siehst du den großen
Buchstaben – da – mitten im
Raum?« Sie

schaute dorthin wo
Nichts zu sein schien & sagte: »Was
meinst du?« »Da -

ein riesiges B – mitten
im Zimmer. Das muss
dein Lächeln

gewesen sein.« Und für einen Augen
Blick war da ein Fragezeichen
in ihren Augen – doch dann

ein Lachen. »Ach du«, sagte
sie. »Ja du«, sagte ich. Dann
schnitt

ich den Apfel entzwei. Und
deutete auf seinen
Kern. »Weißt du, wie

man das nennt?« »Na
türlich.« »Nein«, sagte ich,
»das glaubst du nur. Es

steht im Wörterbuch
der Gebrüder Grimm, und
es ist kein

Märchen. Man nennt das
Kitsch.« »Was?« »Den Kern
einer Frucht. Mal beißen?«

»Ach du«, sagte sie. »Ja
du«, sagte ich. Noch ein Lächeln. Noch
ein B. Und sie biss in den Apfel. Und als nichts

mehr von ihm übrig war
außer seinem Innersten
legte sie

sich auf den Bauch. Und ich
biss in etwas, das mich an
einen Apfel erinnerte. Kein

Märchen. Und doch
irgend etwas mit
Magie.


Der unvergessliche Kuss

 

Mir fehlt die Erinnerung
an jenen Kuss – nicht
weil ich ihn vergessen hätte
sondern weil ich ihn nicht bekam

Niemals
hätte ich ihn vergessen
können, wäre er passiert. Doch
unvergesslich ist er auch

weil es ihn nicht gibt. Und es ist
als wäre eine nicht eingetroffene Phantasie
ein Verlust an Wirklichkeit, an den man sich
bis ans Ende erinnert

Sie fehlt mir

die Erinnerung
an eine andere

Wirklichkeit. An

jene Wirklichkeit
in der wir uns geküsst haben


Mein Schweigen steht Dir

Hier steht kein Gedicht
für Dich
wie für die Anderen
vor Dir

Weil
ich Dich nicht
in Worte fassen
will

Mein Schweigen
steht Dir
besser als jedes
Wort


»Ich bin doch auch nur ein Buch«

 

Sie sind über
All: diese Mängel
Exemplare, deren einziger
erkennbarer Mangel der Stempel
Aufdruck MÄNGELEXEMPLAR
zu sein scheint…..

Und in ihnen steht
dasselbe wie in den Anderen,
die weniger wohlfeil sind. Das
ist beinahe verstörend.

»Ich bin doch auch nur ein Buch
wie alle Anderen«, sagte sie. Und
doch duftete sie ganz anders. Als
sie aufgeschlagen vor mir lag. Ich kon

zentrierte & versenkte mich in
All ihre Seiten. All
ihre Zwischen
Räume. In

Ihr stand in
der Tat dasselbe
wie in allen Anderen. Das
war beinahe verstörend.

Aber vielleicht lag es auch

einfach an

Mir.


Hauptsache

 

 

Solange ich mein Bewusst Sein
Nicht verliere
Macht mir meine Ohnmacht
Kaum Etwas
Aus

 

 


Herr Mahler kauft sich einen Regenschirm

Am 12. Juni 1909
kaufte Gustav Mahler sich
einen Regenschirm.

Wenn das nicht
ein Gedicht ist
weiß ich es auch nicht.

Aber ich weiß
ohnehin nicht
viel.

Am selben Tag
ließ er sich
die Haare schneiden.

Und das macht
vielleicht schon wieder
Alles kaputt.

So oder so -
es ist
wahr.


Der Rock vor dem Fenster

 

Vor meinem Badezimmerfenster, das ein schmales Recht
Eck im Querformat ist, hängt ein

zer

schnit

ten

er

Rock an
Stelle eines Vorhangs. Transparent, schwarz, mit wenigen
bunten Streifen. Vor Jahren nagelte ich ihn
an den Rahmen. Ob er jemals getragen wurde, weiß ich
nicht. Er stammt aus dem Nachlass einer Toten.

Wenn es an der Haustür klingelt steige ich
in die Badewanne & schaue durch den Rock. Aufgrund
meines Blickwinkels kann ich nicht sehen wer dort draußen ist – bis
derjenige sich entfernt. Erst dann entscheide ich
ob ich mir eine Hose anziehe – & öffne.

Man mag mich
exzentrisch finden. Besser ist es
gar nicht gefunden zu werden.

Es klingelte.

Morgens.
Ich lag im Bett & verfolgte den Lauf der Kugeln
auf einem Snooker-Tisch in Shanghai. Ich mag
die Physik. Einfallswinkel = Ausfallswinkel. Etc…. Außerdem
wird wenig geredet. Auch das mag ich. Als

es klingelte
lagen noch 67 mögliche Punkte auf dem Tisch.
Rot x 8 + 27 lautet die Formel. Ich verließ
das Bett & ging in die Badewanne.
2 alte Frauen entfernten sich. Ich glaubte

das weiße Frisurengewölk ihrer Hinterköpfe
zu erkennen. Die wollten doch bestimmt schon wieder
über Gott sprechen. Ein Thema, von dem ich so gar
keine Ahnung haben will. Einige Male
war ich nett & höflich zu ihnen gewesen an

statt mit umgedrehten Kreuzen zu hantieren & Erbsensuppe
zu spucken. Deshalb mochten sie mich vermutlich. Wie ich
die Physik. Einfallswinkel = Ausfallswinkel. Immer
sind es die alten Frauen, die bei mir klingeln….. Nun gut,
nicht

immer. Die Jünger
en klingeln einfach seltener. Dafür haben sie die interessanteren
Motive. Und ich muss ihnen nicht meinen Atheismus erklären.
Gott sei Dank! Durch den schwarzen Stoff des nachgelassenen
Rocks sah ich sie

verschwinden. Es war schwül
in Shanghai. Das beeinflusste den Lauf
der Kugeln. Es machte sie schwerer
berechenbar. Ich kletterte
aus

der Badewanne & ging wieder
ins Bett. Auf dem Tisch
hatte sich ein anderes Bild
ergeben. Weniger Rot. Das heißt: es waren weniger
mögliche Punkte

übrig. So ist das
ja immer.


Zerbrochene Bilder

 

lautlos
fallen die Bilder
zu Boden

haltlos
sind sie geworden
die Innenseiten

der verkleideten Mauern

sind nur Bilder die
immer gleichen Gleichnisse ab
genutzt & flach

verschmutzt
von den Spuren
der Tradition

hingen sie in den üblichen Rahmen

Bruch
Stücke bei
nahe sinnlos & auch

dies
ist nur ein
Bild

das lautlos zerbricht


Mehr braucht man nicht zu wissen

 

Okay, dachte ich, mehr
braucht man über mich nicht

zu wissen

Die Müllabfuhr
war an meiner Tonne vorbei

gefahren

Sie hatte meinen Müll
an der Straße stehen

gelassen


Der Totenkopf auf der Schnalle

 

B
suchte eine Frau. Fuhr um
die 200 Kilometer, obgleich die Strecke bloß 108 Kilo
Meter betrug. Verfahren über Verfahren. Bau
Stelle über Baustelle. Um
Leitungen. Keine Navigations
Hilfe. Kam
an im Dunkeln. Kurz vor
Mitternacht. Klingelte unten. Sprach
in die Gegensprechanlage. Hörte
ein Summen. Öffnete die Tür. Stieg
die Treppe hinauf. Und ich

erinnere mich kaum
an die Begrüßung. Gab ich
ihr die Hand? Auf
Regung, Überraschung & leichtes
Erschrecken löschten die Erinnerung.
Ich hatte sie mir ganz anders
vorgestellt. Ihre Selbst
Beschreibung hatte gelautet:
groß, dick, unattraktiv. Ich
hatte ihr geschrieben: Jetzt stelle ich dich
mir als Walkuh vor. Und in Wirklichkeit
wird sich herausstellen, dass du ein Gold
Fisch bist
. -
Ich bin eine Walkuh, hatte sie
zurück geschrieben. Das

gefiel mir. Die Couch
war ausgezogen. Ich setzte mich
darauf. Die Frau setzte sich neben mich.
»Du musst aber nicht die ganze Nacht
bleiben«, sagte sie, »wenn du meinst, dass
es nicht geht – dass es nicht
passt.« »Ich weiß«, sagte ich, »schon
okay.« Da waren Menschen
in der Bildröhre. Sie alle waren
schlanker als in Wirklichkeit,
denn das Format war falsch
eingestellt: 16 zu 9 unangepasst
in dem alten 4zu3Gerät. Es war
wie eine erfundene Symbolik. Doch
ich muss nichts erfinden. Verzerrte Wahr
Nehmung. Ich fragte mich,
ob sich das nicht ändern ließe. Aber ich sagte

nichts. Was mir durch den Kopf ging
stolperte, flog auf die Fresse, stand wieder auf,
stolperte erneut & kroch über den Boden. So viele Kilo
Meter für Nichts? Blöd
Sinn! Engstirnigkeit! Äußerlichkeiten! Zeit
einen weiteren, breiteren Horizont zu B
kommen! Schluss
mit den festen
Vorstellungen
der Vergangenheit!
Ich
küsste sie. Sie
hatte sehr weiche Lippen. Wie gut
sie sich anfühlten! Wie gut sich
Vieles anfühlte. Es gab so Viel
zu begreifen. »Oh«, sagte sie, »Pfeffer
Minz?« »Fisherman’s«, sagte ich. Sie
sagte: »Fisherman’s sind toll
beim Blasen; machen einen eisigen
Schwanz.« »Verdammt«, sagte ich, »ich
hab die im Auto gelassen.«
Lachen.
»Ich hatte heute übrigens
Knoblauch am Essen«, sagte sie. Ich
sagte: »Ich liebe

Knoblauch.
Aber heute habe ich extra keinen gegessen.«
Ihre Haut roch nach Creme. Das störte
mich ein wenig – weil es mich an die Hand
Cremes meiner Mutter erinnerte. Die Wände waren leer.
Ich sah keine Bilder. Auf einem Schrank
einige Bücher. Ich ließ meinen Blick
über alles hinweg
sehen. Und im Fernsehen machten sie
lange Gesichter. Sie schaltete den Ton
aus. Schließlich sagte sie: »Du musst mir helfen.
Ich bekomme deinen Gürtel nicht auf.«
Es war ein Trick dabei. Ich hatte mich gewöhnt
an diesen Gürtel. Auf der Schnalle
war ein Totenkopf. Ab
gebildet. Aber das bedeutet
Nichts. Ich blieb über
Nacht.


Schriftliches Schweigen

ist
gar nicht so
einfach

wie das Maul
geschlossen
zu halten

denn Schreiben ist still
obwohl
es spricht

zu
viele Widersprüche zu
viele Ungereimtheiten


Die Katze & der Wahnsinn

Beinahe besitze ich ein Haus
Tier. Der Ahorn vor meinem Schlaf
Zimmer reicht
bis an die Dachrinne. Wenn
der Wind weht
auf eine bestimmte Weise
berühren die Zweige das Metall
& streichen daran entlang. Der
Klang dieser Berührung erinnert mich
an das Maunzen einer Katze. Oft
liege ich im Bett & kann nicht
schlafen. Aus
vielerlei Gründen, aber
auch aufgrund dieses Klanges.
Ich könnte hinaus gehen
& die Zweige abschneiden.
Es wäre der Tod
meiner Katze. Meiner Katze aus
Holz & Wind, Metall
& Erinnerung. Das klingt
nach Wahnsinn.
Und vielleicht
könnte ich dann erst recht
nicht schlafen. Also
lasse ich sie
weiter wachsen. Über
das Dach hin
aus.


Das Wundsekret

 

Der Grund für mein Schweigen ist
ein Sekret. Es tritt aus
einer Wunde

A
U
S

wie ein Geheimnis. Die Wunde
klafft – ähnlich
einem Mund

der schreien will.
Doch da ist nur Stille.
Überflüssige Worte

eingefroren. Gedanken
die sich verfestigen. Bloß
das Schweigen fließt. Es reißt

die Krankheits
Erreger & Entzündungen
mit sich

fort in einen Abgrund
der mir fremd ist
& bleiben wird

wie das Geheimis
in meinem Innern


Hinter dem Berg

 

Irgendwann ist hinter dem Berg
vielleicht kein Platz

mehr. Alle Wahrheiten & Gefühle
mit denen hinter dem Berge gehalten wurde

liegen dort. Alles erinnert
an eine gewaltige Müllhalde. Und man weiß

gar nicht, ob man sich wünschen soll
jemals über den Berg zu kommen.

Vielleicht würde man dort nur
auf Fremde treffen….. verborgen

im Ungeliebten. Aber
was bleibt

Einem schon übrig – außer
zu klettern & zu

fallen, wieder zu klettern &
zu wünschen?


Nur realistisch?

 

Sie sagte: »Ich bin nicht
Jemand, in den man sich verliebt.«
Ich dachte ungefähr das Gleiche

von mir. In jenem Moment. Jemand,
in den man sich nicht verliebt. Niemand,
in den man sich verliebt. Ich
sagte: »Niemand sollte so etwas denken

von sich.« »Ich bin nur
realistisch«, sagte sie.
Sie hatte

die traurigsten Augen
die traurigste Stimme
die traurigste Lust
das traurigste Leben
das traurigste Lachen

für mein Gefühl.
Ich konnte mich täuschen. Jeder
kann sich täuschen. Jeder
kann mich täuschen. Jeder
kann jeden täuschen

& enttäuschen.

Ich weiß nicht, wie
realistisch ich bin.
Es interessiert mich
auch nicht.

Niemand
verliebt sich in uns.

Und Jeder
kann ein Niemand sein.


Die Anmache

 

»Mach mich nicht an!«
schien die Musik zu sagen.

In der Maske der Vernunft.

Doch ich wollte nicht
auf sie hören.

Ich musste sie hören.
Also machte ich sie an.

Dann sah ich sie.
Die Musik – in Gestalt der Frau.

Die Maske lag am Boden.

Die Frau stand da
in hellen Hauttönen.

Wie hätte ich sie nicht anmachen können?
Die Erinnerung war zu stark.


Nachts fahren hier keine Züge

 

Die Lichter des Bahnhofs leuchteten auf der anderen Seite
der Straße. Ich betrachtete sie
durch die Fensterfront des Hotels.
Die Bahnhofsuhr war verdeckt durch einen Pfeiler.
Ich saß still
hinter dem Empfang
des Hotels.
Ich hätte mich bewegen müssen,
um die Uhr ablesen zu können.
Aber ich wollte mich nicht bewegen.
Ich wusste, es war zu spät
für die letzten Züge -
& zu früh
für die ersten.
Denn nachts fahren hier keine Züge.
Mehr brauchte ich nicht
zu wissen.


Ausschlachtung

 

Im Anfang war das Wort.

Und dann kam lange
Nichts.

Eine Frau schrieb mir. Sie war er
bost: »Du schlachtest Leben
aus. Um dich herum. Du ergreifst
von allem Besitz; von allen
Informationen, die du bekommst.
Wie ein Virus
kriechst du in jeden Winkel.«

Es sollte ein Vorwurf sein.
Und doch – auch wenn es vielleicht nicht bis zur letzten
Konsequenz zutraf – fühlte ich mich

geschmeichelt.

Besseren als mir
hatte man das Gleiche vorgeworfen; zum Teil
mit den gleichen Worten. Die Metaphern &
Vergleiche widersprachen sich, aber das war in Ordnung.

Schlachten
Infizieren
Auf- & Aussaugen

Warum zum Teufel
sollte jemand denn sonst mit dem Schreiben anfangen?
Es geht doch aus
schließlich ums Leben. Oder sollte darum gehen. Um das eigene
& um das der Anderen, die das eigene berühren – wie auch

immer.

Das Leben dieser Frau hatte mich
berührt. Mich – & mein Leben. Wenn auch nur
kurz. Und jetzt habe ich sie also zitiert. Schon wieder! Und es fühlt
sich gut an. Verdammt gut. Natürlich habe ich ihre Worte aus
dem Zusammenhang gerissen. Schon wieder! Denn der Zusammenhang

ist zu groß. Der Zusammenhang ist stets zu groß. Stets nimmt er
zu viel Platz weg. Man muss Raum lassen
für Fehlinterpretationen. Ja, so wird es
bleiben. Schon oft habe ich gewarnt. Ich kann nur
erneut warnen.

Im Anfang war das Wort.

Da ist es noch

immer.

Dann kommt lange
Nichts. Und ich
schlachte weiterhin

aus.


Selbstdarstellung

All diese Persönlichkeiten,
die man hätte, wenn man so wäre
wie Andere einen darstellen…..

Was für ein Gewimmel!

Da bleibe ich doch lieber beschränkt
auf meine Selbst
Darstellung.


Ungleiche Verhältnisse

Ich fuhr nach Hause. Weg
von einer Frau. Auf einem
Schild an der Autobahn las
ich den Namen eines Ortes,
in dem ich nie gewesen war.
Dort lebte eine andere
Frau. Diese andere Frau
war zu mir gekommen. Immer
wieder. In der Vergangenheit. Nie
hatte ich sie
besucht. Sie war mehr
in meinem Leben gewesen
als ich in ihrem. Die Frau,
von der ich wegfuhr, blieb aus
schließlich bei sich. In der
Gegenwart. Sie
kannte mein Haus nicht. Und
würde es nie kennenlernen.
In der Zukunft.
Es waren ungleiche
Verhältnisse. Irgend
Jemand war immer
nirgendwo gewesen, und
irgendwo war immer Jemand
nicht. Wir
trafen uns niemals
im Gegenseitigen, doch
die Andere nahm ich
in mir mit zur Einen, und
die Eine nahm ich in mir
mit zu mir nach Hause, und
in der Wohnung der Anderen
war meine Phantasie
stets ein ungesehener Gast. Alles
blieb in mir. Ich las den Namen
auf dem Schild & war versucht
die Ausfahrt zu nehmen. Aber
vermutlich hätte ich mich verfahren.
Ich wäre am Ende
angekommen an einem Ort -
wo uns niemand kannte. In dieser Gegend
hätte ich mehr zu suchen
gehabt als irgendwo sonst. Doch
ich fuhr weiter. Auf meinem Weg. Dorthin
wo Viele Weitere niemals
gewesen waren. Nach
Hause.


Wie eine Antwort

»Das Leben«, sagte er. Es
klang wie eine Antwort.

Zu spät
war ich vorüber gegangen
an ihm & an ihr. So

hatte ich die Frage
nicht hören können,
die sie vielleicht gestellt hatte.

Dass ich noch immer unterwegs war,
hatte einen banalen Grund. Sinn
los – darüber zu reden. Ich

wollte nur noch
nach Hause. Über
all war es mir zu hell. Es war

nicht meine Zeit.

Schließlich schien die Sonne, und
eine Krähe landete
auf ihrem Schatten. Punkt

Landung eines Symbols.
Zumindest hätte man sie dafür
halten können. Der Mann

& die Frau erschienen
mir jung. Vielleicht hatten sie
einen besseren Grund, unterwegs

zu sein. Einen triftigeren als der Passant,
der ich war. Und falls sie glücklich waren,
bemerkten sie mich nicht. ›Das Leben‹ – wo

möglich gab es gar keine Frage, womöglich
war es gar keine Antwort gewesen. Nur das Bruch
Stück einer bedeutungslosen Unterhaltung. Nur

das Ende

eines Satzes. Eines Satzes, der bei
nahe Nichts

Aus
sagte.


Dazu gehören

Manchmal spüre ich die Verzweiflung

im Dazu
Gehören wollen
der Anderen

Ich höre den Unterton der Sehnsucht

in den Worten
die beschwören sollen
was sie als gegeben darstellen

& was doch niemals da
sein wird

Manchmal spüre ich die Verzweiflung

in meinem Nicht
Dazu
Gehören wollen

Ich verstecke den Unterton der Sehnsucht

in den Worten
die beschwören wollen
was hätte da

Sein können


Wie es war

 

Wie es war
als Kind über eine Wiese zu toben
durch Blumen & Schmetterlinge;
durch Gras, das mindestens bis zu den Knien reichte….

Wie es war
im tiefwilden Gewucher Dinge & Lebe
Wesen zu entdecken, die man noch nicht gekannt hatte -
& sich zu verstecken zwischen den Unebenheiten

dieser Welt – vor der Welt
da draußen…. oder tief drinnen…. wie All
Dies war & Vieles
mehr war

haben die Menschen wohl längst vergessen.
Jene Menschen, die ihre Vorgärten trimmen
wie Friedhöfe. Überall nur
Ordnung & Erinnerungen
an den Tod. Ge- &

Verbot. Untersagtes Betreten.
Betretenes Schweigen der Natur. Kinder
die sich nicht verstecken
können. Nichts entdecken können.

Lebensverachtung. Und Gleich
Macherei.

Wie es war
mögen sie vergessen haben, diese
Menschen – aber sie können erahnen

Wie es sein wird

über ihren Gräbern.


Trennung

Wir sind nicht so
Wie wir uns jetzt sehen

Wir sind nicht so
Wie wir uns früher sahen

Wir sind so
Wie wir nicht sehen können.


Um sicher zu gehen

»Was du schreibst ist
vielleicht gar nicht passiert.«

»Was ich nicht schreibe ist vielleicht
gar nicht passiert.
Vielleicht muss ich Alles aufschreiben, damit
es wirklich passiert ist. Selbst
wenn es vorher tatsächlich passiert war.«

»Da ist keine Logik
hinter dem was du sagst.«

»Ach ja?
Fühlst du dich
lebendig
in diesem Augenblick?«

»Ja.«

»Siehst du.
Und ich auch.«


Ein Fleck & ein Furz

Als ich aufstand
endete das Schnarchen.
»Was machst du?« fragte sie.
»Wo ist hier die Toilette?«
»Richtung Ausgang, die linke Tür.«
Ich mochte den verschlafenen Tonfall.
Der stumme Fernseher war die einzige Lichtquelle.
Ich fand die Tür. Ein kleiner Raum; ein Gäste
Klo. Vermutete ich. Die Lampe blendete. Einige
Stücke des Mauerwerks fehlten;
alte Rohre sollten durch neue ersetzt werden.
Eigentlich hatte ich ein guter Gast
sein & mich setzen wollen – aber
da war ein undefinierbarer Fleck
auf der Brille. Also klappte ich
sie hoch, blieb
stehen & ließ es
laufen. Ich ging
ein wenig in die Knie dabei, damit es
weniger spritzte. Wie rücksichtsvoll
ich doch bin, dachte ich. Aber
ich meinte es nicht ernst.
Ein lauter Furz entwich. Da war so viel Luft
in mir; ich konnte sie nicht halten. Zu viel
hatte ich geschluckt. Ich fragte
mich, ob die Frau ihn gehört hatte. Dann rauschte
die Spülung; ich machte das Licht
aus & ging zurück. Legte mich
neben sie & fühlte mich
wohler.


Splitter in meinem Fleisch

Nur eine dunkle Ahnung
hatte ich gehabt – aber

wie sehr ihr Innerstes wirklich zer
brochen war, wurde mir erst klar

als ich ihre Splitter in meinem Fleisch spürte.

Ein unerträglicher Schmerz.
Es war als würden Menschen, die ich nicht kannte
& die mich nicht kannten,

mich
durch sie hindurch
verletzen.

In meinem Inneren gab es andere
Brüche. Wir konnten uns alle
nicht helfen.

Es blieb nur
die Flucht
vor den Fremden.

Und die Fremden waren -

Sie
die meinen Schmerz
kaum ahnte.


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