Archiv des Autors: flederzombie

Das Zentrum des Kreises

 

Ich renne immer
wieder im Kreis herum
um die Schaukel, die

swingt. Darauf
die Frau, die mein
Leben zu sein

scheint. Ich
renne durch den Sand
dieses Spiel

Platzes. Sand
der wie aus unzähligen Uhren
gerieselt auf dem Unter

Grund ruht. Ich renne
um nicht zu sehen
wie sie sich entfernt

von mir. Renne um
zu sehen wie sie
auf mich zu

schwingt. Vorwärts
rückwärts. Niemals
fort. Niemals

hin. Nur her
& her. Zu
mir. Ich

renne los im Augen
Blick ihres Stillstandes.
In dem Moment

zwischen dem Vor
& dem Zurück.
Doch

der Sand macht
mich müde
und

die Schaukel ist
das Zentrum des Kreises
nur so lange

ich renne.


Zwischen den Zügen

 

Zwischen den Atem
Zügen ihres Schlafes
flüsterte er immer

wieder: bleib …
bleib … bleib … Verlass mich
nicht
… Er dachte

an Suggestion, dachte
an Hypnose, doch
er glaubte

nicht an sie. Sie
schlief unter ihrer Decke; ein
Traum bewegte ihre Füße ….

Er wachte
& dachte bewegungslos an
die Zukunft, die

nähere, die fernere. In
der Dunkelheit. Und
nach dem Erwachen

fuhr sie fort. Wie man
fortfährt nach einer Pause
im Dialog. Fort

fährt zu atmen. Fort
fährt in einem
Zug. Fort.

Und sein Traum
bewegte ihre
Füße.


herz er greif end

 

mein Gott ist sie
schlank dachte ich so
zerbrechlich dachte ich
nachdem ich meine
Tür geöffnet hatte sie
lächelte unsicher
soll ich
meine Schuhe gleich
hier aus
ziehen fragte sie wenn
du magst sagte ich
und dann bekam sie
ihre Schnürsenkel nicht gleich
auf & wurde
nervös
nur die Ruhe
sagte ich ich bin genau
so nervös wie du wir
kannten uns nur
schriftlich
bisher doch schon
seit Jahren
und dann saßen wir
auf meinem alten Sofa und kaum
war sie da da fragte
sie auch schon
darf ich
wieder
kommen
und ich sagte du darfst nicht
nur du sollst
und sie lächelte & legte
eins ihrer Beine auf eins
meiner Beine und das Wort
das mir bei ihrem Anblick immer
wieder durch den Kopf
ging war

herz
er
greif
end

und das tat sie
schließlich auch nicht
verlieben sagte sie irgend
wann doch
sie sagte es so
liebenswürdig mit diesem Blick aus
großen Mädchen
Augen die leicht
traurig schienen und über
haupt war es längst zu
spät
& geschehen


Schöne Scheisse!

 

Das Logo der Bäckerei erinnerte
uns an einen dampfenden Scheiss
Haufen, und über dem Kuchen,

der am schönsten war,
kreisten die meisten
Fliegen. So

entschied ich mich
für einen anderen,
der mir & den Fliegen

weniger gefiel. Die
junge Frau, die noch
jünger aus

sah als sie war, bestellte
für uns, und dann
saßen wir in einer Ecke

auf einer recht
winkligen Bank an einem Tisch;
tranken unseren Kaffee, aßen

unseren Kuchen, sie
einen anderen als ich, aber
einen, den die Fliegen

auch nicht mochten, und
ein Knie in einer schwarzen
Strumpfhose berührte

mein Knie, während wir uns
um- & ansahen, und wieder
um & wieder an….. Und

ein kleiner Junge lief
in die Spielecke &
spielte ich weiß

nicht was. Durch
die weit entfernte Fensterfront
sah ich den Schrift

Zug eines Augenoptikers
auf der anderen Straßenseite;
eigentlich brauchte

ich eine neue Brille, aber so
lange dieser Blick auf mir
ruhte & diese kinder

großen Augen mir so nahe
waren, konnte ich genug
erkennen. An

einem anderen Tisch
saß eine Frau meines
Alters & schaute her

über; sie schien
zu rätseln: Junges Mädchen,
alter Kerl …. & wie

die sich ansehen ….
Ja, wie eigentlich? Das
wussten nur wir. Das

Lächeln war
ein gemütlicher Raum,
in dem wir zusammen

saßen als würden
wir dort niemals mehr
herauskommen. Ich

mochte die Lampen
& die Möbel der
Bäckerei, und

wir lachten
über das Logo
& sämtliche Backen.

Sie in ihrem schwarzen
Minikleid & ich
in meinem Alter. Der kleine

Junge verlor die Lust
am Spielen & lief zurück
zu seinen Eltern.

»Aber der Kaffee ist gut hier«
sagte sie, und ich war ihrer
Meinung. Doch

der Kuchen war mir
zu mächtig, und sie war längst fertig
mit ihrem. »Wer

hat sich nur dieses Logo aus
gedacht?« sagte ich
& schaute

auf ihren Mund. »Passt
zu den Fliegen«,
sagte sie, und bei

nahe hätte ich mich
verschluckt. Wo wäre ich
dann gewesen? Für

solche Augen
Blicke braucht man
keine Brille. Schöne

Scheisse, dachte ich, dich
hat’s vielleicht er
wischt!


Vom Dichterleben zum Dich erleben

 

 

Es ist
als hätte ich Alles
bisher nur er

lebt
um darüber schreiben
zu können

Menschen nur
gefühlt aus eben diesem Ab
Grund

Jetzt endlich
fehlen mir die Worte
ohne dass ich sie

vermisse
wie Dich
wenn Deine Nähe

in der Ferne scheint
wie der Mond
am Ende des Tunnels

in der Nacht
Es ist als würde
ich Dich er

leben
um darüber schweigen
zu können

Endlich


Unvergleichlich

Du vergleichst
Dich mit Anderen
& leidest

da

runter

weil Du sie nicht
siehst wie sie sich sehen
weil Du sie nicht
siehst wie ich sie sehe
weil Du Dich nicht
siehst wie ich Dich sehe

 

Du vergleichst
Dich mit Anderen
als er

gäbe es einen Sinn

Du vergleichst
Dich mit Anderen
als wärest Du

vergleichlich

Gleich
geht der Mond

auf

& spiegelt seine Spiegelung
des Sonnenlichts in den Regen
Pfützen der Nacht

Daneben
am Boden:
ein einzelner Tropfen -

er scheint
zu sein
wie die Anderen

Doch
ich weiß es
besser

Aus
der Nähe erkenne ich
Meer & mehr

in Dir

Und glücklich sind die Anderen
die sich nicht
vergleichen

mit Dir.


Strip-Poker

 

Wir saßen auf dem Sofa.
Sie sagte: »Wollen wir
Strip-Poker spielen?«

»Okay«, sagte ich, »dann
zieh dir mal was an.«
Für einen Augenblick

schien es
als hätten wir verstanden,
worum es im Leben geht.


Unverschaukelt

 

Mein Leben lief
wohl darauf hin
Aus: Ich saß

auf einer Schaukel
in der Mitte eines verwahrlosten
Spielplatzes abseits

der Straße Versunken
in den Anblick der Bewegung
neben mir Die Zeit

verging mit dem Pendel
Schlag der anderen Schaukel
an meiner Seite Die junge Frau

hatte so viel Schwung Immer
wieder hielt sie waage
recht inne in der Luft

wie ein Horizont
mit langen blonden Haaren
»Gefühlsorgasmus« sagte

Sie schwärmerisch Dann
schaukelte auch ich ein
bisschen »Soll ich

dich anschubsen?« »Nein« sagte
ich mit wenig Schwung
Menschen gingen

vorbei
& bedeuteten
Nichts

Sie verschaukelte sich nicht
Ich verschaukelte mich nicht
Wir verschaukelten uns nicht

Wir hielten uns
fest an den Ketten
die uns hielten

Die Zeit bleibt
nicht stehen
wie ein Augenblick

an den man sich erinnert
Sie bleibt nicht
stehen wie die junge Frau

zwischen dem
Auf & Ab
der Schaukel

Dieser Bruch
Teil eines Augenblicks
wäre eine schöne

letzte Erinnerung
bevor ich still
stehe


Das rote Netz

 

Ein
gesponnen
in das rote Netz

der Einsamkeit
sah ich eine Hand
sich mir nähern

Ein Knoten
wurde gelöst
wie ein Rätsel

& es fiel
zwischen uns
zu Boden

Da war er -
der Rote Faden
für das Labyrinth

das hinter mir lag


Eiskalt

 

Eis
kalt
waren ihre Haare

als sie
auf meinen Bauch herab
fielen so schnell

also verliert
das Sperma seine
Temperatur

da draußen
ein feuchtes Lächeln
verzauberte mich Bläschen

die keine Sprechblasen waren
glitzerndes Schweigen
zwischen geöffneten Lippen

ich lachte
& lachte
& lachte Sie

sagte: »Komisch
wie du lachst
wenn du kommst.« Schön

wie sie gelächelt hatte
als sie gekommen war
mich zu besuchen

Sie fuhr
sich durch die Haare
die aneinander

klebten Sie & ich
dachte ich als ich
dieses Lächeln

küsste sobald sie ginge
würde es nichts
mehr zu lachen geben

doch
so weit war es
noch nicht

wie dieser Weg der
zwischen uns lag
wenn sie bei

sich war
wo ein Anderer wohnte
mit ihr Würde ich

darüber nachdenken
bedeutete es Schmerz also
lasse ich’s Eis

kalt glitten ihre Haare
über meinen Bauch
Sie lächelte

als ich kam
& lachte
lachte

& dachte: so
könnte es weiter
gehen wenn sie bliebe


Lieben mögen

 

Vielleicht ist Dein
Mögen mehr
als anderer Leute
Lieben…..

Dann werde ich
lieber von Dir
gemocht als
von Anderen geliebt.

Und sollte es
nicht so sein
ist es trotzdem
so.


Aus Einander Halten

 

All diese Taschentücher
auf dem Boden neben dem Bett…..

& am Ende
kann man nicht mehr

Aus
 
Einander
Halten

Wer
Welches
vollgeweint hat

nach all dem

Einander
Halten


Vorsichtiges Fallen

 

Es fällt
& fällt
& fällt

auf daß Ich
über Dich ganz
anders schreibe

als über Andere
vor Dir
Vor Dir

war eine andere
Zeit Nie zuvor
fielen

die Wörter
so vorsicht
ich Zu viel

schon ging
zu Bruch in der
Vergangenheit wie wir

durch den Fall
der harten Worte
die in Schweigen

zersplitterten Keine
Angst Ich
sage nicht zu

viel
Lass Dich ein
fach

fallen
fallen
fallen

auf mein Wort
& Alles bleibt
ganz


Bleiben

 

Ich kannte mich
hier nicht
aus

befürchtete mich
zu verirren
und

doch war Alles
so vertraut
dass ich

bleiben wollte Ich
war in Deinen
Gedanken


Im Leben

wäre ich gern

so entspannt

wie der

Gesichts
Aus
Druck

meiner Leiche

Es
Sein

wird


Zwischen Zeige- & Mittelfinger

Ich war wohl schon im
mer so. Meine Brüder lachten
wenn ihr kleiner Bruder mal wieder
seufzte. Und jene längst bekannte Geste machte:
Zeige- & Mittelfinger der linken Hand
bewegten sich in der Luft
wie etwas Vorübergehendes.
Das bedeutete: Sie oder Er
ist mir gerade mitten durchs Herz gelaufen.

Ich stellte mir das bildlich vor. Ein Mädchen
aus meiner Grundschulklasse oder ein Junge
2 Klassen höher. Egal. Ja,
es war lächerlich. 2 kleine Finger, 1 leerer
Raum dazwischen, Bewegung – & Luft, die geräuschvoll
ausgeatmet wurde. Und die Geste hatte längst
die Worte ersetzt. Die noch lächerlicher waren. Irgendwo
hoch über dem Boden der Tatsachen. Da war
die Ahnung unerfüllbarer Hoffnungen. Nie
zu stillender Sehnsüchte. In einer
unüberschaubaren Zukunft, die auch
ein leerer Raum war. Das Lachen
der Vernunft bedeutete noch den geringsten
Schmerz. Denn es war nicht boshaft. Nur verständnis
los. Und manchmal lachte ich auch selber
über mich. Über dieses Herz. Und diese Geste.
»Na«, sagte irgendeiner
meiner Brüder, »läuft da wieder jemand
mittendurch?« Sie lachten. Und es war ja auch
zum Lachen. Zeige- & Mittelfinger,
die in der Luft vorübergehen. Nur -
nichts ging wirklich jemals
vorüber.

 


Was bleibt

 

Das Herz bleibt

stehen

auf

recht
ohne sich

aus

zu ruhen

Es bleibt

Nichts
Anderes

übrig


In der Spiegelwand

 

Gerne würde ich
ja etwas Tiefsinniger
es schreiben aber ich
sagte bloß Ich kann
deinen Hintern gar nicht
sehen
als ich in die Spiegel
Wand schaute gegen
über dem Bett gegen
über dem Bett stand ein kleines Regal
vor den Spiegelungen die
Frau lag auf den Bäuchen
ihrem & meinem und sie blickte
hinter sich in die Wand wo
Wir ein Bild bildeten mit
vertauschten Seiten so
leicht war sie & zart nicht
die Wand die Frau so
zart dass ein Blick ihre Finger
hätte brechen können vom
Herzen ganz zu
schweigen & doch
spürte ich eine gering
fügige Erleichterung in der Tiefe
als sie sich bewegte & abhob sie
sagte Da und über dem Regal
ging der kleine Knackmond auf
und Alles ward Licht + Schein & vor
sichtiges Gelächter und
gerne würde ich
ja etwas Tief
Sinnigeres schreiben aber was
wäre tiefer & sinniger & tief
sinnlicher als solch ein Moment
An- & Augenblick der Gegenwart
& der Versuch
ihn & die Verwirrung ihn & die
Verbundenheit zu bewahren zu be
wahren wie den Schein
des Mondes dieses Mondes
in der Spiegelwand


Du bist wie ich

 

Du würdest Dir
wünschen zu sein
wie ich

Dich sehe

Wenn Du es nicht
schon wärst
ohne zu wissen

wie schön das ist
was ich sehe
sind Wir


Halt

 

Ich halte mich
fest an dem was
nicht da ist.

In Wirklichkeit.

Warum also verliere ich
den Halt als
hätte ich ihn je gehabt?

In der Wirklichkeit.


Die Taubheit der Augenblicke

 

Die Furcht
einer dieser Augen
Blicke könnte taub werden

Hart
Hörig
& lahm

Wie irgend Jemand
der nicht mehr lange
zu leben hat

Die Furcht
einer dieser Augen
Blicke könnte erblassen

vor Angst
vor dem Tod
& der Vergänglichkeit

Die Furcht
einer dieser Augen
Blicke die uns gehörten

könnte nicht mehr hören
wenn ich ihn zurück
rufe in mein

Gedächtnis

Die Furcht
Die Furcht
Die Angst

Nimm sie
mir mit Deiner

Erinnerung!

Doch behalte sie nicht
für Dich!


Eine Art von Reise

 

Immer nimmt mich
Alles so mit
während ich doch nur
bei mir bleiben will

Immer nimmt mich
Alles so mit
ich weiß nicht wo
hin

Immer nimmt mich
Alles so mit
dass ich mich
hoffnungslos verrenne

Immer nimmt mich
Alles so mit
als gäbe es ein Ziel
das ich erreichen müsste

Immer nimmt mich
Alles so mit
in mein Innerstes
das irgendwo da draußen ist

Immer nimmt mich
Alles so mit
als hätte ich wo
anders etwas zu suchen

Immer nimmt mich
Alles so mit
in die Fremde

Immer nimmt mich
Alles so mit -
& trotzdem bin ich

noch nicht über
All gewesen


Wie Erde in ein Grab

 

Den Eindruck den
Du in Mir
hinterlassen hast
kann ich
nicht ausdrücken

Versuchte ich es
dennoch würde
Alles flach &
uneben zugleich

In eine solche
Vertiefung passt nur
das Schweigen

wie Erde
in ein

Grab


Nicht Nichts

 

Ich dachte
Ich hätte

Nichts

bis
Ich bemerkte wie

Viel

Ich übrig
hatte

für
Dich


Ein B & ein Apfel, Die Gebrüder Grimm & noch ein B

Auf dem Nachttisch stand ein Teller.
Auf dem Teller lag ein Apfel. Neben
dem Apfel glänzte ein Messer.

Die Frau, die in meinem Bett saß,
lächelte. Aus Gründen, die nichts
mit dem Apfel zu tun hatten.

Ich sagte: »Siehst du den großen
Buchstaben – da – mitten im
Raum?« Sie

schaute dorthin wo
Nichts zu sein schien & sagte: »Was
meinst du?« »Da -

ein riesiges B – mitten
im Zimmer. Das muss
dein Lächeln

gewesen sein.« Und für einen Augen
Blick war da ein Fragezeichen
in ihren Augen – doch dann

ein Lachen. »Ach du«, sagte
sie. »Ja du«, sagte ich. Dann
schnitt

ich den Apfel entzwei. Und
deutete auf seinen
Kern. »Weißt du, wie

man das nennt?« »Na
türlich.« »Nein«, sagte ich,
»das glaubst du nur. Es

steht im Wörterbuch
der Gebrüder Grimm, und
es ist kein

Märchen. Man nennt das
Kitsch.« »Was?« »Den Kern
einer Frucht. Mal beißen?«

»Ach du«, sagte sie. »Ja
du«, sagte ich. Noch ein Lächeln. Noch
ein B. Und sie biss in den Apfel. Und als nichts

mehr von ihm übrig war
außer seinem Innersten
legte sie

sich auf den Bauch. Und ich
biss in etwas, das mich an
einen Apfel erinnerte. Kein

Märchen. Und doch
irgend etwas mit
Magie.


Der unvergessliche Kuss

 

Mir fehlt die Erinnerung
an jenen Kuss – nicht
weil ich ihn vergessen hätte
sondern weil ich ihn nicht bekam

Niemals
hätte ich ihn vergessen
können, wäre er passiert. Doch
unvergesslich ist er auch

weil es ihn nicht gibt. Und es ist
als wäre eine nicht eingetroffene Phantasie
ein Verlust an Wirklichkeit, an den man sich
bis ans Ende erinnert

Sie fehlt mir

die Erinnerung
an eine andere

Wirklichkeit. An

jene Wirklichkeit
in der wir uns geküsst haben


Mein Schweigen steht Dir

Hier steht kein Gedicht
für Dich
wie für die Anderen
vor Dir

Weil
ich Dich nicht
in Worte fassen
will

Mein Schweigen
steht Dir
besser als jedes
Wort


»Ich bin doch auch nur ein Buch«

 

Sie sind über
All: diese Mängel
Exemplare, deren einziger
erkennbarer Mangel der Stempel
Aufdruck MÄNGELEXEMPLAR
zu sein scheint…..

Und in ihnen steht
dasselbe wie in den Anderen,
die weniger wohlfeil sind. Das
ist beinahe verstörend.

»Ich bin doch auch nur ein Buch
wie alle Anderen«, sagte sie. Und
doch duftete sie ganz anders. Als
sie aufgeschlagen vor mir lag. Ich kon

zentrierte & versenkte mich in
All ihre Seiten. All
ihre Zwischen
Räume. In

Ihr stand in
der Tat dasselbe
wie in allen Anderen. Das
war beinahe verstörend.

Aber vielleicht lag es auch

einfach an

Mir.


Hauptsache

 

 

Solange ich mein Bewusst Sein
Nicht verliere
Macht mir meine Ohnmacht
Kaum Etwas
Aus

 

 


Herr Mahler kauft sich einen Regenschirm

Am 12. Juni 1909
kaufte Gustav Mahler sich
einen Regenschirm.

Wenn das nicht
ein Gedicht ist
weiß ich es auch nicht.

Aber ich weiß
ohnehin nicht
viel.

Am selben Tag
ließ er sich
die Haare schneiden.

Und das macht
vielleicht schon wieder
Alles kaputt.

So oder so -
es ist
wahr.


Der Rock vor dem Fenster

 

Vor meinem Badezimmerfenster, das ein schmales Recht
Eck im Querformat ist, hängt ein

zer

schnit

ten

er

Rock an
Stelle eines Vorhangs. Transparent, schwarz, mit wenigen
bunten Streifen. Vor Jahren nagelte ich ihn
an den Rahmen. Ob er jemals getragen wurde, weiß ich
nicht. Er stammt aus dem Nachlass einer Toten.

Wenn es an der Haustür klingelt steige ich
in die Badewanne & schaue durch den Rock. Aufgrund
meines Blickwinkels kann ich nicht sehen wer dort draußen ist – bis
derjenige sich entfernt. Erst dann entscheide ich
ob ich mir eine Hose anziehe – & öffne.

Man mag mich
exzentrisch finden. Besser ist es
gar nicht gefunden zu werden.

Es klingelte.

Morgens.
Ich lag im Bett & verfolgte den Lauf der Kugeln
auf einem Snooker-Tisch in Shanghai. Ich mag
die Physik. Einfallswinkel = Ausfallswinkel. Etc…. Außerdem
wird wenig geredet. Auch das mag ich. Als

es klingelte
lagen noch 67 mögliche Punkte auf dem Tisch.
Rot x 8 + 27 lautet die Formel. Ich verließ
das Bett & ging in die Badewanne.
2 alte Frauen entfernten sich. Ich glaubte

das weiße Frisurengewölk ihrer Hinterköpfe
zu erkennen. Die wollten doch bestimmt schon wieder
über Gott sprechen. Ein Thema, von dem ich so gar
keine Ahnung haben will. Einige Male
war ich nett & höflich zu ihnen gewesen an

statt mit umgedrehten Kreuzen zu hantieren & Erbsensuppe
zu spucken. Deshalb mochten sie mich vermutlich. Wie ich
die Physik. Einfallswinkel = Ausfallswinkel. Immer
sind es die alten Frauen, die bei mir klingeln….. Nun gut,
nicht

immer. Die Jünger
en klingeln einfach seltener. Dafür haben sie die interessanteren
Motive. Und ich muss ihnen nicht meinen Atheismus erklären.
Gott sei Dank! Durch den schwarzen Stoff des nachgelassenen
Rocks sah ich sie

verschwinden. Es war schwül
in Shanghai. Das beeinflusste den Lauf
der Kugeln. Es machte sie schwerer
berechenbar. Ich kletterte
aus

der Badewanne & ging wieder
ins Bett. Auf dem Tisch
hatte sich ein anderes Bild
ergeben. Weniger Rot. Das heißt: es waren weniger
mögliche Punkte

übrig. So ist das
ja immer.


Zerbrochene Bilder

 

lautlos
fallen die Bilder
zu Boden

haltlos
sind sie geworden
die Innenseiten

der verkleideten Mauern

sind nur Bilder die
immer gleichen Gleichnisse ab
genutzt & flach

verschmutzt
von den Spuren
der Tradition

hingen sie in den üblichen Rahmen

Bruch
Stücke bei
nahe sinnlos & auch

dies
ist nur ein
Bild

das lautlos zerbricht


Mehr braucht man nicht zu wissen

 

Okay, dachte ich, mehr
braucht man über mich nicht

zu wissen

Die Müllabfuhr
war an meiner Tonne vorbei

gefahren

Sie hatte meinen Müll
an der Straße stehen

gelassen


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