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Das Gegenlicht

Es brennt!

wie ein Feuer
…. das wärmt
wie ein Feuer
…. das verzehrt

Es brennt!

wie eine offene Wunde
…. die niemals heilt
wie eine Wunde
…. die sich langsam schließt

Es brennt!

wie eine reinigende Flüssigkeit
…. die in die Augen rinnt
wie ein Gas
…. das in die Augen weht

Es brennt!

wie eine Frage
…. die man nicht zu stellen wagt
wie eine Frage
…. auf die es keine Antwort gibt

Es brennt!

wie Hämorrhoiden beim Kacken
wie Nesseln bei Berührung
brennt wie Verlangen
brennt wie Sehnsucht

Es brennt!

wie ein Gewürz
…. ohne das Alles fade wäre
wie eine Taschenlampe
…. die unter der Bettdecke

das Lieblingsbuch der Kindheit beleuchtet

Es ist

hässlich
& schön
kitschig
& abstrakt

Es ist

Schmerz
& Beruhigung

Widerspruch
& Kontrast

Hintergrund
& Vorder-
grund

Und es wirft
die Schatten
die über
all

ex
is
tieren

über
all
hin

Das Licht!

Es brennt
auf der Rückseite
meiner
düsteren
Gedanken –

lichterloh
& farbenfroh.


Der unstillbare Appetit

Ein
achtlos fallengelassenes
Wort

weckte
meinen
Appetit

Jemand
erwähnte
ein Gericht

das
ich
liebte

&
lange nicht
gegessen hatte

Ich
oder sonstwer
hätte es kochen können

jetzt
in diesem Moment
der Erinnerung

& des
wachsenden
Appetits

Doch
es wäre nur eine
Kopie gewesen

Eine Kopie
des
Erinnerten

& die
wesentliche Zutat
hätte gefehlt

Der Geschmack der Köchin
die längst
gestorben war

Der Tod
macht den Appetit
unstillbar

immer
wieder

& das Lieblingsgericht
verschwindet
für immer

aus
dem
Leben


»…. da musst du nur ….«

»Ganz einfach«, sagen sie,
»da musst du nur….«

Sie wissen, was zu tun ist, und
sie tun es. Weil sie es
können.
Jederzeit.
Die Tatmenschen.
Die Praktischveranlagten.
Die Lebenstüchtigen.
Da ist kein Zögern, kein Zaudern;
da ist
nur
Handeln.
Im richtigen Moment.

»Wenn etwas kaputt ist,
reparier´ es – oder lass es reparieren.
Wenn du krank bist, besorg´ dir Medikamente –
oder geh zum Arzt.«

Es ist alles
ganz einfach.
Und natürlich haben sie
recht.
Sie haben die Lösung
im Kopf.
Sie haben die Lösungen für
fast alle Probleme des Alltags
im Kopf.
Da ist so viel Platz
für Lösungen
in ihren Köpfen.

In ihren
gesunden
gut funktionierenden
langweiligen
Köpfen.

Ohne die
die Menschheit
nicht
existieren könnte.

Der elektrische Fensterheber in der Fahrertür meines Autos
ist kaputt. Es zieht. Es ist laut. Es regnet hinein.
Auf dem Beifahrersitz liegen seit Monaten
die Computertomogramme meines Kopfes &
eine Überweisung ins Krankenhaus.
Sie liegen auf einer dünnen Schicht aus
Puderzucker.
(Ein Stück Mohnkuchen war dort
vor noch längerer Zeit
aus der Verpackung gerutscht.)
Das ist
alles
nichts
Besonderes.
Ich halte es für
selbstverständlich.
Denn
ich habe keine Zeit.

Ich habe nicht einmal Zeit,
wenn ich nichts zu tun habe.

Und in meinem Kopf
ist so wenig
Platz.

Ich müsste nur….
Ich weiß.
Es ist
ganz einfach.

Aber was ich
wirklich
muss,
ist etwas
ganz
anderes.


Verirrung

Was tue ich hier?
Vergessen.

Die Schlagschatten der Fremden bewegen sich
wie verzerrte Scherenschnitte
über das Kopfsteinpflaster der Gasse.
Die Abendsonne: eine bittere Blutorange.
Das Geräusch schwierig-hoher Absätze prallt
gegen Fachwerkfassaden.
Verlaufen.
Ich habe mich verlaufen.
Es ging los, als ich die Wohnung verließ.
Es geht immer los, wenn ich die Wohnung verlasse.
Sobald ich einen Fuß vor die Tür setze, habe ich mich
schon verlaufen.
Verlassen. Verwirrt. Verirrt.
Irgend jemand
hat mich gerufen.
An-
gerufen.
Wollte mich
treffen.
Aber wo?
Im Zweifelsfall
dort
wo
ich
nicht
hinge-
höre.
Warum habe ich mich nur darauf
eingelassen –
die Wohnung zu
verlassen?
Es endet
doch immer
gleich.
Ähnlich.
Sofort.
Ja, warum?
Weil ich
hinhörte –
vielleicht.
Wegen
dieser Stimme –
vielleicht;
der Stimme in meinem Kopf.
Hineingetragen
in meinen Kopf
auf dem Wege der
Fern-
melde-
technik.
Eine Stimme – weiblich & fremd.
Hat sie
wirklich
mich
gemein
t?
Oder
war’s doch nur eine
Ver-
wahl.
Aber halt – sie kannte meinen Namen!
Nicht dass dieser Name einzig wäre;
oder auch nur selten – aber
wieviel Zufall würde es brauchen,
dass sie
nicht
mich
gemeint hätte?
Zu
viel
doch wohl…..

Der Mann betrachtet
die sommerlichen Frauen.
Auf dem Muster des Kopfsteinpflasters.
Steinerne Würfel ohne Augen.
Hätte das Kopfsteinpflaster Augen,
könnte es unter Röcke schauen.
Unter Kleider.
Unterröcke, Unterkleider……

Und er träumt sich in den Boden
& schaut
& schaut
aufwärts……
Eine von ihnen vielleicht?
Was wenn
ich mich gar nicht verlaufen habe?
Hier richtig bin?
Oder doch verlaufen – & zwar
so oft verlaufen vom Verlaufen, dass ich
dort angekommen bin, wo ich hin wollte?
Wenn ich mich recht ver-
irre,
könnte es
so
sein.
Und überhaupt – wenn ich
vergessen habe,
wo
ich
hin
wollte,
kann
über-
all
der
richtige
Ort
sein. –
Was tue ich hier?
Vergessen.
Ich habe nicht vergessen,
was ich hier tue,
sondern –
was ich hier tue,
ist
vergessen.
Vielleicht.

Das Licht
ändert sich.
Ich nicht.
Die bittere Blutorange geht
unter.
Ich nicht.
Die Scherenschnitte verlieren
ihre Konturen.
Ich nicht.
Die Geräusche verstummen.
Ich nicht.
Jemand
wird den Mann finden.
Irgend
jemand.
Irgend
wann.
An einem
anderen
Tag.


Dünndruck

Unscheinbar
schmal & klein
steht das Buch im Regal
inmitten vieler anderer

die größer sind
& dicker

Du ziehst es heraus
& bist
überrascht

Es wiegt
so viel schwerer
als du erwartet hattest

Du schlägst es
auf & weißt
wieso

Die Blätter
sind dünner als die
der gewöhnlichen Bücher

zart durchscheinend
& verletzlich

So viele Seiten
in einem so schmalen Buch

Mehr
als in den dicken Bänden
die so viel Platz beanspruchen
im Regal

All
diese Zeichen
in dem Buch

das so unscheinbar ist
schmal & klein

All
diese Worte
All
diese Zwischenräume

Und du weißt:
Du wirst mehr Zeit mit ihm verbringen müssen
als mit den anderen

Und es wird dich
mehr
kosten
als du dachtest


Die Reihe

Ein Mann betrachtet ein Foto, das einen Mann zeigt.
Er kennt den Mann nicht, aber er empfindet Abneigung.
Er denkt:
Was für ein gewöhnliches Gesicht!
Die feiste Visage eines Spießers.
Das debile Grinsen eines deutschen Pauschal-Urlaubers.

Sonne prallt auf den Kopf des Fotografierten;
sein Körper ist unsichtbar – vergraben im Sand
irgendeines Strandes der Vergangenheit…..
Und mit diesem niederen Wesen stehe ich
nun also
in einer Reihe?
Nur weil wir – neben dem bloßen Menschsein –
etwas gemeinsam haben, das
für mich
mehr Gewicht hat als
alles Andere….?
Die Existenz dieses Mannes im Zusammenhang mit mir
würdigt mich herab;
mit ihm etwas gemeinsam zu haben, beschmutzt
das Gemeinsame.
Ich, der ich mich allem fernhalte;
ich, der ich so Vieles verachte,
stehe
nun also
in einer Reihe.
Und wie lang ist diese Reihe?
Wieviele Wesen ähnlicher Art befinden sich noch darin?
Ich will es nicht wissen.

Der Mann betrachtet das Foto, das jenen Mann zeigt.
Er denkt an die Verbindung zwischen sich & ihm:
er denkt –
an
die Frau.
Denkt an die Zeit
als er
noch
alleine stand – außerhalb
jeder Reihe.
War es nicht gerade das, was sie angezogen hatte
an ihm? Damals –
als sie ihn fand
in den Weiten der virtuellen Welt
vergraben in Nacht & Einsamkeit…..
Sie schrieben sich, tippend, tastend.
Er: »Ich könnte hässlich sein.«
Sie: »Da kann mich nix mehr schocken.«
Die Antwort schockte ihn;
ein Stich in sein Selbstwertgefühl.
Sein Selbstwertgefühl, das er mit so viel
Alleinsein
bezahlt hatte. Mit
Alleinsein & Schmerz.
Einer anderen Art von Schmerz als jene, die er
jetzt verspürt – im Bewusstsein
der Gewöhnlichkeit, in deren Mitte er sich
so plötzlich
wiederfindet – & die
mehr & mehr
auf ihn abzufärben droht….
Es gibt kein Zurück.
Ich stehe in dieser Reihe, werde
immer
darin stehen….

Selbst wenn ich mich jetzt zurückziehe.
Der Mann schließt die Augen.
Von ihm existieren nur wenige Fotos.
Er hasst es, fotografiert zu werden.
Er versteinert vor dem mit der Kamera bewaffneten Blick,
der ihn fesseln will – für immer.
Für immer…..
Ein Mann könnte ein Foto betrachten, das mich zeigt.
Er könnte mich nicht kennen – & dennoch
Abneigung empfinden…..
Er könnte denken:

Was für ein gewöhnliches Gesicht!


Grammatik

In jenem Moment, der entscheidend war,
da es um
Vieles
wenn nicht um
Alles
ging …..

glaubte die Frau,
die Grammatik des Mannes
verbessern zu müssen.

Es war ein ernstes Gespräch gewesen –
im Tonfall unterdrückter Tränen.

Es war um
ihre Beziehung gegangen,
um ihre gemeinsame Zukunft,
um Sehnsucht
& Liebe

& plötzlich
ging es um –
Grammatik.

Der Mann verbarg seine Erschütterung
über diesen Richtungswechsel –
er sagte »Ja« zu ihrem Einwand.

Dabei wusste er:
Sie hatte unrecht;
der Fehler, den sie erkannt zu haben glaubte,
war keiner.

Die Frau war einem Irrtum unterlegen.

Was aber der Mann erkannte –
in diesem Moment, der entscheidend war -,
war ein Fehler, der
wirklich
existierte.

Ein Fehler, der
nichts
mit Grammatik zu tun hatte.

Auch der Mann war einem Irrtum unterlegen.

Und er begann
zu frieren.


Der Schandfleck

Hinter Mauern
wuchernden Unkrauts
lebe ich

im Schandfleck
der gepflegten Umgebung

inmitten der Geschäftigkeit
die Alles

ordnet
stutzt
& nivelliert

ruhe ich
faul
in der Wildnis

ungezähmt
im Chaos
der freien Entfaltung

Inmitten des Zwangs
eines andressierten Ideals

betrachte ich
zwanglos
die wahre Schönheit

Samen fliegt
Schmetterlinge flattern
Tiere finden was sie suchen

& manchmal
steht eine nackte Frau
dort in der Sonne

innerhalb der Mauern
wuchernden Unkrauts

Dann verstummt
die Dummheit
dort draußen

& ich lebe
im Besonderen


Die Ränder des Lebens

Sie sind nutzlos.
Die Untersetzer, die du dir
besorgt hast. Be-
sorgt,
um den kostbaren Tisch, der
zugleich dein
Lieblingstisch ist,
zu schützen ….
zu bewahren ….
zu erhalten
in seinem ursprünglichen Zustand.

Das Leben
stellt seine Gläser
übervoll von ätzenden Flüssigkeiten
immer wieder
neben die Untersetzer.

Um seine Spuren zu hinterlassen.

Hässliche Ränder
auf dem, was
dir
wertvoll
er-
scheint …..

Doch
was hässlich ist,
bestimmen nur die Seh-
gewohnheiten.

Wirf sie fort –
die Untersetzer
& die Sehgewohnheiten!

Sie sind nutzlos.

Beginne zu lesen
in den Rändern.

Erkenne
ihre Muster.

Vielleicht
geben erst sie
dem Tisch
seinen

wahren
Wert.


Die altbekannte Eitelkeit

Da war sie wieder –
die altbekannte Eitelkeit.
Ein fremder Mensch fand Worte
für die Worte, die man gefunden hatte;
die man gefunden hatte – bestenfalls ohne zu suchen;
gefunden, um sie niederzuschreiben ….
sich niederzuschreiben ….
Alles niederzuschreiben ….
Ohne Rücksicht.
Ohne Rücksicht auf Verluste.
Ohne Rücksicht auf Gewinne.
Und die Worte des Menschen, den man
nicht kannte, waren
voll des Lobes;
sie waren wohltuend;
aufbauend;
waren schmeichelnd, ohne schmeichelnd sein zu wollen;
bewundernd fast & ganz
von Herzen kommend.
Man spürt diesen Kitzel, dieses
Streicheln des Selbstwertgefühls,
dieses innere Wachsen …..
Und plötzlich
schaudert es einen.
Da ist sie wieder –
die altbekannte Eitelkeit.
Die alte Schlampe in einem selbst.
Die Nutte im Inneren der Inspiration.
Und man erkennt:
Man ist noch immer nicht dort!
Man ist noch lange nicht dort,
wo man hin möchte.
Noch lange nicht dort,
wo man hin muss.
Unabhängig von allem Fremden.
Fern aller Einflüsse.
Einsam & frei
im eigenen Kern.


Vergessen

Ich hatte sie liegenlassen
in der Eile des Erwachens
das wie eine Flucht aus der Nacht gewesen war

Ich hatte sie liegenlassen
in einem kleinen Zimmer
in dem eine Tote lag

Eine Tote
die soeben erwacht war
um mich anzulächeln

Ich hatte sie liegenlassen
die Kamera
die ich durch meine Träume trage

Die ich durch meine Träume trage
um zu fotografieren
was mir begegnet

Ich hatte sie liegenlassen
eine altmodische wertvolle Spiegelreflexkamera
voller Bilder

Bilder von
den Sehenswürdigkeiten meiner Träume
den Traumwürdigkeiten meines Unterbewusstseins

Ich hatte die Bilder
entwickeln wollen
eines Tages

Hatte sie einkleben wollen
in das Album
meines Bewusstseins

Ich hatte sie liegenlassen
die Kamera
in der Eile des Erwachens

Ich hatte sie
vergessen
in dem Zimmer der lächelnden Toten

die ich nicht
vergessen
konnte

Vielleicht
werde ich sie
wiederfinden

Ich werde
sie
suchen

in
einem anderen
Traum


Die Nebengeräusche der Wirklichkeit

Nicht einmal »Was?« oder »Wie bitte?« sagte sie.
Dabei wusste die Frau, dass
der Mann
etwas
gesagt hatte. Nur
verstanden hatte sie es
nicht.
Seine Worte waren
untergegangen
in den Nebengeräuschen
ihrer Wirklichkeit –
an ihrem
Ende
der Leitung,
das für ihn
das andere Ende
war.

Nicht einmal »Was?« oder »Wie bitte?« sagte er.
Dabei wusste der Mann, dass
die Frau
etwas
gesagt hatte. Nur
verstanden hatte er es
nicht.
Ihre Worte waren
untergegangen
in den Nebengeräuschen
seiner Wirklichkeit –
an seinem
Ende
der Leitung,
das für sie
das andere Ende
war.

Wiederholen
wollte
sich
niemand.

Es schien
ihnen
nicht wichtig genug.

Nicht mehr.

Die Zeit der wichtigen Worte war vorbei.

Es blieben
die Nebengeräusche
der getrennten Wirklichkeiten,
in denen unverstanden unterging,
was gesagt wurde.

An dem Ende,
das für sie beide
dasselbe Ende
war.


Die gute Mahlzeit

Der Mann mit dem Schirm hielt den Schirm
aufgespannt über Currywurst & Pommes – &
über seinen Kopf, in den er Currywurst & Pommes happte.
Es war noch Platz unter dem Schirm.
Für einen zweiten Mann.
Den Freund. Den Mann mit der Bratwurst.
Abenddämmerung.
Nieselregen trommelte zart auf den schwarzen Stoff.
Der Stehtisch stand frei.
Sie hatten ihn sich ausgesucht,
obwohl sie unterm Vordach des Imbisses noch Platz gefunden hätten.
»Und?« sagte der Mann mit der Bratwurst.
»Nichts und.«
»Nichts Neues also?«
»Nein.«
»Du hast immer noch
nichts von ihr gehört?«
»Nein.«
»Seltsam.«
»Vielleicht. – Aber eigentlich
nicht.«
»Was meinst du?«
Eine Straßenbahn fuhr vorbei –
fast leer – ein von innen leuchtender Wurm –
metallischer Klang.
»Ganz einfach«, sagte der Mann mit dem Schirm;
das gelbe Plastikgäbelchen in eine Fleischscheibe pieksend,
»manche Menschen sind
wie eine gute Mahlzeit:
Am Anfang
schön
gut duftend
appetitanregend
lecker –
& am Ende
auch nur Scheisse.«
Er lächelte;
zufrieden mit seiner Formulierung.
Der Mann mit der Bratwurst grinste,
stippte das Ding in seiner Hand in den Senf.
»Du bist zu hart«, sagte er.
Der Mann mit dem Schirm sagte:
»Erwähnte ich schon mal, dass ich knusprige Pommes
nicht ausstehen kann?«
Er nahm eine einzelne Fritte zwischen die Finger –
lang, labberig, fettgetränkt.
»So müssen sie sein.«
Das rasche Auf & Ab seiner Hand
unterstrich die weiche Beschaffenheit, die er meinte.
»Und so bin ich«, sagte er. »Und manchmal
auch so….«
Und er streckte den Arm aus & hielt die Fritte
in den Regen.
Dann aß er sie auf.
»Übrigens sind mir knusprige Pommes auch zu laut«,
sagte er. »Ich liebe das leise Essen.«
Der Andere grinste. Schon wieder.
»Spinner«, sagte er. Freundschaftlich.
Der Mann mit dem Schirm lachte. Kurz.
Er betrachtete die Kondensperlen auf den Bierflaschen.
»Schade«, sagte er, »dass die Straßenbahnen hier
keine Oberleitungen mehr haben. –
Ich mochte den Funkenflug.«


Die leichte Schulter

Ich wurde geboren
ohne
leichte Schulter.

Das ist zwar
schmerzhaft,

aber
keine Behinderung.


Die wahre Stärke

Wenn du fühlst
dass der Mensch
den du liebst
stärker ist
als
du –

– weil er
(anders als du)
über die gemeinsame Zeit bestimmen kann
– weil er
(anders als du)
verschwinden kann ohne ein Lebenszeichen
für eine Zeit die dir endlos erscheint
– weil er
(anders als du)
seine Vernunft nie verliert
da seine Vernunft nie verliert im Kampf gegen
die Empfindungen
– weil er
sein Verhalten stets rational erklären kann

Wenn du fühlst
dass der Mensch
den du liebst
stärker ist
als
du –

weil
seine Gefühle
sein Leben kaum zu ändern vermögen

dann
solltest du
froh sein!

Denn
Alles
worauf es wirklich ankommt
ist stärker
in dir
als
in
ihm.


Die Wälder der verletzten Bäume

Man soll sie nicht verletzen
die Bäume.
Nichts
in ihre Rinde ritzen –
keine Namen,
keine Herzen,
keine Pfeile.

Und doch
tut man es;
Manche zumindest
tun es –
in der Verblendung des Augenblicks,
mit der Waffe in der Hand ….

Mit der Stichwaffe, die
das Licht reflektiert.

Zeichen
die bezeichnen
was
nicht
von Dauer
sein
kann ….

Späne
die zu Boden fallen
& vermodern ….

Fremde gehen vorüber
an den Bäumen, die
verletzt wurden –

lesen die Zeichen
& träumen

ohne zu wissen.

Sie durchstreifen die Wälder.

Die Wälder des Vergehens.

Die Wälder der Vergangenheit.

Die Wälder der verletzten Bäume.

Und suchen
vielleicht
nur eine freie Stelle
für ihre eigene Verblendung.
Mit dem Messer in der Hand.

Wie die Mörder.
Im Schattenwurf der Zweige.

Nichts ist von Dauer –
nicht einmal das
Bedauern.

Nicht einmal
die Verletzungen
überleben.

Fällen ….
Gefällt ….
Gefallen ….

In kalten Winternächten
brennen die Öfen.
Holz knistert.
Wärmt die Fremden.
Zeichen gehen in Flammen auf.

Namen
Pfeile
Herzen

Asche.


Der Nachtfalter auf dem Insektennetz

Letztes Abendlicht
gerastert
durch die dünnen Fäden eines Netzes

Insektennetz vorm Küchenfenster
Das Fenster geschlossen
Was dem Netz den Sinn raubt

Leere Aschenbecher & volle Flaschen auf der Durchreiche
Gin, Wodka, Whisky, Tequila, Absinth …..
Ich gehe an ihnen vorbei

rastlos

Nicht trinken
Nicht trinken
Nicht trinken!

Durch die Flüssigkeiten in den Flaschen
ist mein Blick
auf das leere Wohnzimmer dahinter

gefallen

Die Leere
hat Platz
genommen

So viel Platz
dass es eng wird
in mir

Ich fühle mich
aus dem Zusammenhang
gerissen

Wie ein Satz
der plötzlich

keinen Sinn mehr ergibt
oder
einen anderen als gedacht

oder
wie ein Satz der
allein

nicht mehr verstanden wird
nicht mehr verstanden werden kann

Letztes Abendlicht
gerastert
durch die dünnen Fäden eines Netzes

Das Licht
ist mir
zu viel

Ich gehe zum Fenster
um die Rolläden
herunter zu lassen

Außen
auf den winzigen Quadraten
dem umwobenen Nichts
ruht

ein Nachtfalter

wie auf der Seite
eines Rechenhefts
aus Fäden & Luft

Wenn ich das Licht aussperrte
würde ich ihn einsperren

Gefangen
zwischen Netz & Verdunkelung

mit dem Blick
in das Innere
meiner Einsamkeit

Aber warum
soll es ihm gehen
wie mir?

Ich werde ihm das ersparen

Ich öffne das Fenster
tippe sacht gegen das Netz

Er soll davonfliegen

Durch den späten Abend
in die Nacht

die sein Zuhause ist

Ich tippe
Er fällt

herab

tot

Ich atme
frische Luft

Ein
Zwei
letzte Züge

vor dem Schließen des Fensters

Nicht trinken
Nicht trinken
Nicht trinken!

Die Flaschen sind voll
Die Aschenbecher sind leer

ohne Asche

Die Leere
hat
Platz
genommen


Zurückgelegt

Ein Weg war zurückgelegt
Ein Kontakt abgebrochen

Verletzt
lagen die Bruchstücke
auf dem Boden der Tatsachen

zu dem dieser Weg geworden war

Sie blieben auf der Strecke
um
zu ruhen

vielleicht
zu heilen.

Ein Weg war abgebrochen
Ein Kontakt zurückgelegt

Zurückgelegt
wie ein Vorrat

Zur Sicherheit

Zurückgelegt
für noch schlechtere Zeiten

Zurückgelegt
für die Zukunft.


Die Suchsucht

Die Sucht des Suchens
führt
zu Entzugs-
erscheinungen –
nachdem man
gefunden hat.

Finden
ist keine Befriedigung
von Dauer,

das Gefundene
kein Ersatz
für die Suche.

Die Sehnsucht
wird
zur Suchsucht.

Heilung
ist aus-
geschlossen.


Mittenindernacht

Mittenindernacht heißt der Ort, wo
die Verlorenen umher-
irren,
die Irren sich
verlieren
& die Sehnsucht zum Wahnsinn mu-
tiert.

Ein schwarzer Mond hängt wie ein
Loch in einem weißen Himmel, der
kein Licht spendet.

Die ins Dunkel verkehrten Gesichter der aus dem Leben Vertriebenen
maskieren wie Abziehbilder die Köpfe, in denen
finstere Gedanken kreisen,
und die Verlassenen ziehen durch die Gassen, die
zu
Nichts
führen.

In den geträumten Häusern wohnt
Niemand
in tausenderlei Gestalt.

Und verzerrte Perspektiven
verschieben die Flucht
linien ins End
lose.

Der heisere Gesang der Trunkenen
prallt gegen Wände & hallt
gefangen in spitzen Winkeln

ohne Ende
ohne Ende

Mittenindernacht heißt der Ort,
und wer hofft,
dort zu finden, was er sucht,
findet die Hoffnungslosigkeit
in den Augen der Anderen –

doch
sie sieht der eigenen ähnlich,
diese Hoffnungslosigkeit –

& mehr Trost ist nicht
zu er-
warten

mitten
in
der
Nacht.


Hatten wir sie wirklich?

Hatten wir wirklich
irgendwann einmal
so
viel
Zeit
wie wir
verloren haben?

Haben wir sie überhaupt
verloren?
Haben wir sie nicht
eher
weggeworfen
liegengelassen
vergessen
?

Weggeworfen in Menschenmengen …..
wo sie zu Tode getrampelt wurde.

Liegengelassen an Orten …..
wo wir
nichts
zu suchen & daher
nichts
zu finden hatten.

Vergessen
weil unsere Sinne abgelenkt waren
durch Alles
Laute
Grelle
Aufdringliche

durch Alles
was trotz seiner offenkundigen Schwäche
stärker war als unsere Erkenntnisfähigkeit.

Vergessen
weil unser Empfinden gefesselt war
durch alberne Ziele
in einer lächerlichen Welt.

Diese unfassbare Dummheit –
sich der eigenen Sterblichkeit bewusst
& dennoch so verschwenderisch zu sein!

Hatten wir wirklich
irgendwann einmal
so
viel
Zeit?

Ja, wir hatten sie.

Und
noch
ist
Zeit
übrig.

Eine andere Zeit.

Noch
ist
Zeit

zu lernen

es
anders
zu machen.

Zeit
zu gewinnen.

Durch
Bewahren.


Dieser Stolz

Dieser Stolz
der verhindert
dass man

sein innerstes Selbst auslebt
genießt
liebt
überlebt

Dieser Stolz
der verhindert
dass man

sein innerstes Selbst erkennt
& die Wahrheit sieht

Dieser Stolz
der

nichts ist
als
Betrug –

Selbstbetrug
vor allem.

Der oder die
Stärkere
will man sein

Das eigene Wunschbild
im Spiegel fremder Augen

Ein Herrscher oder
eine Herrscherin
der oder die
den Heldentod nicht scheut.

Doch der sogenannte Heldentod
ist auch nur
ein Haufen dampfender Gedärme
im Dreck.

Sie sagte:
»Die Männer, die gerne betonten, dass
ich sie unbedingt hatte haben wollen –
hatten mich nicht lange.«

Er dachte:
Man wird mir einen Orden umhängen.
Mein Name wird mich überleben
in der Geschichte.

Am Ende
war sie allein
(& es störte sie kaum –
was das Schlimmste daran war).

Am Ende
war er
verwest & vergessen
(& es kümmerte
niemanden –
was nicht weiter schlimm war).

Dieser Stolz
tötet
Alles

in
Liebe

& Krieg.

Er ist
etwas
für Schwächlinge.

Und was der Stolz nicht wahrhaben will
ist
oftmals
die Wahrheit.


Der Schein trügt

Am Ende wird es aussehen
als hätte es einen nicht interessiert.
Als hätte man nichts darin
merk-
würdig
gefunden.

Vielleicht sogar
wird es so aussehen
als würde man es
nicht kennen ….

…. hätte es
nie
gelesen.

Fast
wie
neu

könnte es aussehen

am Ende –

Das Buch,
in dem man
jeden Satz
unterstreichen möchte ….
& deshalb
NICHTS
unterstreicht.


Die Schlange auf der Socke

In der Einöde des Jobs
fiel mein Blick
wie zufällig
auf die schwarze Socke meiner Arbeitskleidung.
Eine feine Schlange wand sich darum:
Ein langes blondes Haar.
Und die Erinnerung an das Lachen
reichte für ein Lächeln.
»Du reisst mir noch mal alle Haare aus«,
hatte sie gesagt.
Und tatsächlich
fand ich sie
überall.
Zuhause
wo ich jetzt gern gewesen wäre.
Mit meiner Erinnerung.
Und den Schlangen.
Eng umschlungen.
Mit ihr.
Die sie zurückgelassen hatte.
Ich
ließ das Haar, wo es war.
Und die Erinnerung an das Lachen
reichte für ein Lachen
in der Einöde des Jobs.
»Übrigens«, hatte sie gesagt
(& es war ein historischer Satz),
»Du hast mir genau
aufs Zäpfchen gespritzt.«


Der Verlust des Unbewussten

Der Mann liebte
ganz besonders
diese eine Bewegung,
die sie
unbewusst
immer wieder machte.

Sie gehörte zu ihr
wie ein winziger Tick.

Eines Tages
sagte er es
der Frau.

Ab jenem Tag
schien
für ihn
das Unbewusste dieser Bewegung
verloren zu sein.

Er glaubte,
Absicht zu erkennen.

Und er hörte auf,
diese Bewegung zu lieben.

Er begann,
sie zu hassen.

Er fühlte sich
manipuliert.

Sah
einen Trick
im Tick.

Mag sein,
so dachte er,
dass ich mich irre.
Mag sein,
dass die Absicht
nur in meiner Wahrnehmung
existiert.

Es machte
fast
schon keinen Unterschied mehr.

Bewusst
oder
unbewusst.

Die eigenen Worte
hatten seinen Blick verzerrt.

Und der Mann dachte:
Hätte ich doch nur
geschwiegen!


Zu leben verstehen

Der Eine sagte:
»Ich verstehe zu leben.«

Und er begab sich
unter Menschen
handelte
arbeitete
zerstreute sich.

Der Andere dachte:
Wenn das Leben ist –
möchte ich es nicht verstehen
zu leben.

Und er blieb
allein
betrachtete
dachte
konzentrierte sich.

Da draußen:
die Welt
wie man sie
vorfindet.

Da drinnen:
die Welt
wie man sie
sich vorstellt.

Ich verstehe
zu träumen.


Immer weniger

»Du wirst tatsächlich immer dünner«, sagte sie.
Ihre Hand auf Testfahrt
unter der Bettdecke
auf meinem Oberschenkel
meinem Arsch
meinem Bauch ….
»Tja«, sagte ich, »so ist das.«
Ihre Stimme klang besorgt. »Du wirst
immer weniger.«
»Mehr von mir würdest du gar nicht
ertragen; deshalb sehen wir uns doch
so selten.«
»So meinte ich das aber nicht«, sagte sie.
»Ich weiß. Aber ich
meinte es so.«
»Du solltest mehr essen &
– hätte nie gedacht, dass ich das mal sagen würde –
mehr Alkohol trinken.«
»Mehr ist gut«, sagte ich. »Mehr als
nichts. – Aber keine Sorge. Das werde ich. Irgendwann.
Sobald die Nüchternheit genau so zum Ritual geworden ist,
wie es das Saufen zuletzt gewesen war. Manche
Gewohnheiten langweilen mich einfach. Irgendwann.
Ebenso wie manche Abhängigkeiten.«
Ich konnte sie
nachdenken
hören.
Unter der Bettdecke.
Und ich stellte mir vor, wie ich
immer weniger wurde …..
So lange
bis ich
verschwunden war.


Phantasiegekitzel

Die einzige Lichtquelle
im Schlafzimmer
war das Display des Handys.
Ich lag im Bett & las.
Es ging um Spinnen.
Sobald es finster wurde spürte ich
ein Kitzeln auf dem Oberarm ….
Verdammte Phantasie, dachte ich.
Wie immer.
Was ich lese, spüre ich.
Doch
Etwas
war
Anders
als
sonst.
Ein wenig mehr
Realität
vielleicht …..
Mit der Hand wischte ich
das Kitzeln
hinweg;
schaltete die Lampe ein ….
Eine Zitterspinne
– groß & dünn –
verschwand zwischen den Büchertürmen
auf dem Boden.
Langsam –
& doch
zu schnell
für mich.
Ich suchte sie.
Schob Bücher beiseite.
Fand sie nicht.
Zu viele Winkel,
zu viele Verstecke.
Zu viele Bücher
mit ihrer Realität.
Ich machte das Licht aus.
Die Spinne war da
in der Dunkelheit;
sie war keine
verdammte Phantasie.
Vielleicht würde sie ja
zurück ins Bett kommen
während ich schlief,
würde mir über das Gesicht &
in meinen Mund klettern …..
Das war
höchst
un-
wahrscheinlich
– ich wusste das -,
doch ich spürte bereits
den Kitzel.


Die Zunge

Noch heiß
von den Worten
die sie eben formte
fährt die Zunge
über fremde Haut

stumm
tastend
schmeckend

Eine Flamme
aus Fleisch

& Blut

die brennt
& tropft

kennenlernt
& verzehrt

im
Über-
fluss

Nichts
löscht das Feuer
wenn sie
auf eine Andere
trifft

in gemein-
samem
Schweigen.


Gefallen

….. & dann fällt
ein Buch
dir plötzlich
in die Hände

Ein Buch
das du
vielleicht
nur vergessen hattest

Versteckt
zwischen anderen
ungelesenen Büchern

Ein Buch
das dir
der Zufall
in die Hände
gespielt hat

Du blätterst
Du liest …..

& fragst dich
Warum erst jetzt?

Wäre es
mir früher in die Hände
gefallen

hätte ich es
länger
in meiner Erinnerung gehabt

Die Schuld
des Vergessens

Die Schuld
des Zufalls

Doch vielleicht
ist nur dieser Zeitpunkt
der richtige

….. & dann fällt
ein Mensch


Nur für Miss Verständnis

Es gibt sie tatsächlich –
Menschen,
die gut finden,
was ich schreibe;
Menschen,
denen meine Worte
irgend
etwas
sagen,
bedeuten;
Menschen,
die neugierig werden &
sich angezogen fühlen …..

»…. seit fast 5 Monaten frage ich mich,
wer der faszinierende Typ hinter den Worten ist ….«

»…. die Gedichte erinnern mich manchmal
an die Möglichkeiten ….«

»…. bilde mir ein, dass Du nur für mich schreibst ….«

Gleiche Wellenlängen
Gleiche Sehnsüchte
Gleiche Hoffnungen
Gleiche Träume

Alles
offen-
bar
nur
schein-
bar.

Sie lesen die Texte
& glauben doch,
ich sei

ein Anderer ….

Einer, der
funktioniert
wie gewünscht.

Einer, der
sich einfügt.

Einer, der
sich fügt.

Und der Fluss der Worte,
der sie mitreißt,
soll
einer leise säuselnden Quelle entspringen.

Zahm
Sanft
Gleichbleibend
Geradlinig
Klar
Vorhersehbar.

Und am besten wäre
die Quelle
ein simpler Wasserhahn, den man
nach Belieben
auf- & zudrehen könnte.

Nein!

Wer mich kennenlernt,
wird
mich kennenlernen.

Man hätte es
wissen
müssen.

Und –
Ja ….

Bilde Dir ruhig ein,
dass ich
Dies
nur für Dich
geschrieben habe.


Die billige Perücke

Wie eine Perücke
auf einem kahlen Haupt
verkleidete der Anschein
ihre Beziehung.

Wie eine Perücke
sollte er
die lebensbedrohliche Krankheit
verbergen –

verbergen
die Folgen der letzten Hoffnung;
verbergen
die Aussicht auf den Tod.

Es war eine billige, hässliche Perücke,
jede Kunstfaser eine Lüge.
Sie saß schlecht, und
nichts an ihr sah
natürlich aus.

Die unechten Haare
gingen aus &
fielen zu Boden.

Hinterließen eine Spur
des Verfalls.

Des Verfalls, den
sie hatten kaschieren sollen.

Eines Tages
kam die nackte Wahrheit,
riss die Reste der Perücke von dem kahlen Haupt,
das nurmehr ein Totenschädel war,
und warf sie ins Feuer.

Es blieb
Nichts
als

Rauch,
Asche
& Gestank.

Und die Gewissheit,
dass auch die
teuerste & schönste Perücke

nichts
geändert hätte.


Die Kreise meiner Hölle

Meine Hölle
ist andauernder Lärm

Ihre Kreise
sind Geräusche
deren Ursprung ich nicht kenne

Geräusche
denen meine Phantasie
Ewigkeit verleiht

Meine Hölle
ist der Lärm
der Lebenden

Der Lärm
sinnlosen Tuns

Der Lärm
der Zerstreuung

Meine Hölle
ist das lautstarke Verstummen
der Toten

Das Dröhnen
ihrer ungesagten Worte
in meinem Schädel

Der Krach
der Verwesung

Meine Hölle
ist die plötzliche Stille
Deines Herzens

Und die Kreise meiner Hölle
sind die ewigen Schreie
Deines Schweigens