Der Mond scheint ohren
betäubend wie eine nächtliche Schnulze aus dem Radio
mit dem Lautstärkeregler am
Anschlag.
Grell
leuchtet die Einsamkeit
im Gesicht des Idioten,
der durch die verlassenen Gassen
irrt.
Seine Absätze ticken auf dem Pflaster –
unregelmäßig wie eine Uhr mit Herzproblemen.
In lichtlosen Fenstern spiegelt sich seine verlorene Orientierung. Man wird mich vermissen …. Man vermisst mich bestimmt schon ….
Verdammt, wo? …. Wie komme ich …. ich habe mich ver
laufen …. Bin ich nicht gerade erst los
gegangen? …. Das kann doch nicht
Sein ….
Fremde Namen auf fremden Schildern an fremden Häusern;
Klingelknopfleisten, mit deren Hilfe er die Fremden rufen könnte.
Doch er erwartet
keine Hilfe
von irgend
Jemandem.
Er
wartet
Hilfe von
Nie
man
dem. Heim …. lautet der Kehrreim seiner Verzweiflung …. Heim!
kehr heim …. zurück …. zurück ins …. wo man mich vermisst …. weil
man mich kennt …. dort …. wo ….
Es ist
als ob
kein Leben mehr wäre
um
ihn
her
um –
die Welt: ein Leichenkeller.
Der Idiot ruft nicht. Schreit nicht. Der Mond ist zu laut.
Alle Ohren verfault. Seine Suche:
ein Widerspruch
in sich.
In ihm.
Denn auch am Ziel wartet
Nichts & Niemand
auf ihn.
Dass diese Nacht vergehen werde,
hat er vergessen. Nicht einmal
sein Tod könnte sie beenden
in seinem Schädel,
durch den er
irrt. Tick Tick Tick.
Er erinnert sich nicht
an andere
Nächte.
Die Vergangenheit – gelöscht.
Ein Leben – gelöscht.
Eine Welt – gelöscht.
Und doch: Vermissen.
Und Sehnsucht.
Eine absurde Ahnung von
Etwas
Besessenem. Könnte jemand in meinen Kopf schauen,
sein Blick würde nicht mehr her
aus finden ….
Er lacht. Stumm.
Strom fließt durch Laternendrähte.
Licht, das nichts beweist
als die Existenz von Maschinen –
& den Geist, der sie erschaffen hat
in der Vergangenheit. Warum bin ich
bloß
los
gegangen?
Ich wäre jetzt dort, wo ich hin will, wenn ich
geblieben wäre ….
Er hätte es nur nicht gewusst.
Nicht gewusst,
dass er dort
hin
wollen
würde
wo er war
falls er ginge.
In Allem, was ich finde, ist nicht Das, was ich hatte –
als ich nicht suchte.
Dieses Gefühl meiner Kindheit
als ich durch eine Allee spazierte
& in die Baumkronen schaute…..
Nein, kein Gefühl.
Jedes Wort ist zu eng
in Anbetracht der Weite
dieses Blickes.
Die gegenwärtige Straße mag schöner sein
als es diese Allee jemals war – aber
sie führt zu nichts,
diese Schönheit.
Und sie ist
Nichts
im Vergleich
zu dem Verlorenen,
das kein Wort benennen kann.
Sie liegt noch da –
diese Allee
in der Stadt meiner Kindheit.
Ich sitze noch hier
in einer anderen Stadt –
in dem Haus meiner Gegenwart.
»Wenn er besoffen ist, schreibt er mir«, sagte sie.
»Immer wieder«, sagte sie.
Sie strich über das Handy, las die Nachricht.
Ich sah ein kleines Foto auf dem spiegelnden Display.
Irgendein Typ eben.
Mir ging es gut. Das Bett war warm. Ihre Nähe weich.
Ihr Duft mein neuer Lieblingsduft. Und ich dachte
weniger nach als früher.
»Traumfrau«, sagte sie – »kotz, das kann ich ja ab.«
Er würde keine Antwort bekommen.
Soviel war klar.
Mir war das recht. Und doch klang es hart
in meinen Ohren.
2.
Ein Telefonat.
»Weißt du, was die Kinder heute meinten?« sagte sie.
(Ich glaube, es handelte sich um denselben Typen. Es könnte aber auch
ein Anderer gewesen sein. Letztlich ist das egal.)
»Sie meinten zu mir: ‚Du hast ihm voll das Herz gebrochen‘.«
Ich hörte ein Lächeln in ihrer Stimme.
Mir ging es gut. Selbst die Entfernung zwischen uns
schien erträglich. Wir lachten viel, und der Sessel vor meinem Schreibtisch
war weich. Ich liebte ihre Stimme – an die ich mich erst
hatte gewöhnen müssen. Ich dachte weniger nach als früher – doch
ich hatte eine dunkle Ahnung davon, wie
der Andere sich fühlen musste.
Eine dunkle Ahnung von Finsternis.
Die mir gar nicht gefiel.
Sie klang hart.
3.
Ich bin Derselbe. Nur dass ich nicht mehr saufe. Also
bin ich auch ein Anderer. Ich bin Der Andere.
Ich schreibe, ohne besoffen zu sein. Doch
auch nicht nüchtern.
Und bekomme keine Antwort.
Es sind nur Worte
auf einem spiegelnden Display.
Irgendwo.
Ich denke wieder mehr nach – aber letztlich
ist das egal.
Rot war die Nacht
wie die Vorstellung der Hölle
wie das Blut, das man erahnt
unter der Oberfläche
Eiskristalle krachten wie spröde Rasierklingen
Und verdunkelte Fenster
waren die geweiteten Pupillen der Schlaflosen
In den Verließen der ungeträumten Träume schmachteten
die von allen guten Geistern Verlassenen
Und gebrochene Blicke aus lidlosen Augen sahen das Nichts
Gedankenkreise, eingesperrt in Quadrate
Schnittstellen vergangener Berührungen
Wahn & Sinn & Losigkeit tanzten spinnenbeinig miteinander
Musik existierte nicht mehr
Und kein Rausch konnte die Leere füllen
In den Handgelenken pochten die Endlosschleifen
Und Alles, was jemals vergessen worden war,
sammelte sich in einem berstenden Totenschädel
Ein Hilferuf passte nahtlos in ein Schweigen &
verschwand darin
ohne Wider
hall
Man stelle sich
eine Flasche vor.
Eine Flasche, die
schreiben kann.
Sie schreibt sich
einen Abschiedsbrief &
steckt ihn sich
in den Hals.
Dann
verschließt sie sich
& stürzt sich
in den Ozean.
Es ist unfassbar,
was man sich
alles vorstellen kann.
Sogar das
un
sinnig Sinnlose & Un
mögliche kann man sich
aus
malen.
Wie oft man doch seinen Stolz
über Bord wirft – wenn
das Schiff sinkt.
Als würde es dadurch leichter.
Würde!
Guter Witz.
Auch so’n Ballast.
In mancher Beziehung.
Wie oft –
wusste ich nicht.
Es war mir auch
egal, dass ich mir selber
peinlich wurde.
Ich warf einfach –
mit leeren Händen.
Aus vollem Herzen.
Auf Rettung
bedacht.
In den Sturm
fluten.
Sicher war ich
der Schwächere.
Auch das
war mir egal.
Da ich es für meine Stärke hielt.
Ich konnte nicht schweigen –
wie die Frau es konnte.
(Die Umkehrung aller Klischees.)
Und obwohl ich wusste, dass genau dies
der falsche Weg war, irgend etwas zu retten, ver
mochte ich keinen anderen Weg zu
gehen. Worte.
Nichts
als
Worte.
Unbeantwortet.
Rettungsringe ohne Luft.
Schutzschilde aus Glas.
Abgestumpfte Waffen.
Der Stolz der Geliebten war wie ein Diamant.
Denn der Stolz des verletzten Kindes
wird oftmals zur Härte. Später.
Aus demselben Grunde schreibe ich
Verletzendes. Oftmals.
Das Bild, das man gerne vermitteln möchte, hängt
dort – wo es niemand sehen kann.
Außer
man selbst.
Im wurmstichigen Rahmen
des Stolzes.
Und man hätte es auch gerne
von sich selber.
»Diejenigen, die betonten, dass ich sie
unbedingt hatte haben wollen,
hatten mich nicht lange.«
Ich verstand diesen Satz
sehr gut. Er fiel
in der Anfangszeit.
Er hatte seinen Ursprung dort –
wo sie & ich uns ähnlich waren.
Was ihn provoziert hatte, stammte
aus derselben Quelle.
(Und dass ich ihn hier zitiere – leider auch.)
All diese Bilder
& Metaphern, die mir ein
fallen:
das Schiff
die diamantene See
die Sturmflut
& der heulende Wind
das Abtauchen
& Ertrinken …..
Das Selbst
Bild …..
Worte.
Nichts als
Worte.
Worte, die einen Grund haben.
Einen Abgrund sogar.
Wie die Worte
auf dem Bild, das in ihrer Küche hängt –
die ich nur von einem Foto kenne.
Das Bild kann man überall kaufen.
Als Poster. Mit verschiedenen Motiven
als Hintergrund. Doch diese Motive, diese
Hintergründe sind immer
Frauen. Aufreizend.
Und begehrenswert.
Die Worte
sind stets gleich:
»Mich zu lieben ist eine Strafe,
mich zu kriegen ist ein Kampf,
mich zu haben ist eine Ehre,
mich zu verlieren ist
DEIN UNTERGANG!!!«
Nein,
ich hatte nicht
kämpfen müssen.
Und – nein,
es wird nicht leichter.
Egal,
was über Bord
geht.
In der Vergangenheit war ich
der Klingelton einer Frau.
Eine alte Aufnahme
meines Gitarrengeklimpers
auf ihrem Handy. Aus
einer noch ferneren Vergangenheit –
als meine Fingerkuppen noch
eine Hornhaut hatten.
Sie liebte das Geräusch
des Umgreifens – das Quietschen
zwischen den Akkorden. Und mich. Und je
neuer die Saiten, desto besser
& lauter.
Manchmal hörte ich mich spielen,
während ich auf ihr herumspielte; oder
ihre Zunge dort war, wo sie immer hätte sein sollen.
Dann war ich mir selbst
eine ärgerliche Unterbrechung; und sie
sprach mit Anderen.
Doch wenn sie fort war
– egal wo –
wusste ich, ich war
so etwas wie
die Hintergrundmusik ihres Tages.
Immer da – mit meinem amateurhaften Begreifen
der Saiten.
Heute
hat sie ein anderes Handy
& einen anderen Klingelton.
Irgendeine Konserve. Von Fremden.
Es hätte keinen Sinn
sie anzurufen.
Entweder wäre besetzt, oder
sie ginge nicht ran. Kein
Klingelton erinnerte sie
an mich. Keine Harmonie.
Und außerdem
habe ich schon lange keine
Hornhaut mehr. Und
keine Lust mehr
zu spielen.
»Oh, eine Strickjacke«, sagte ich.
»Na ja«, sagte sie (also: die Frau sagte es),
»`s is kalt draußen. Außerdem ist die bequem.«
Fast klang es wie eine Entschuldigung.
»Also – ich finde die geil«, sagte ich. »Genau
die richtige Länge. Und fühlt sich gut an. Und
dieser reizende Reißverschluss…..« Zzzzziiippppp!
Dann, nackt im Bett, sagte sie:
»Ich hol mir noch’n Bier.«
»Ich komm mit«, sagte ich. »Fotos machen.
Für einsame Stunden.«
Sie grinste. »Soll ich die Strickjacke anziehen?«
»Ach – du liest in mir wie in einem Buch.«
»Ja. Wie in einem Schmuddelroman.«
Und dann stand sie da. In der Küche. Vorm Kühlschrank.
Dem Kühlschrank zugewandt. Und die Strickjacke
bedeckte ihren Arsch ungefähr zur Hälfte. Und
die Kamera machte Klick! & Klick! & KlickKlickKlick!
Ohne Blitz. Ich hasse Blitzlicht. Die kleinen bunten Lampen
zwischen den Schnapsflaschen waren eine so viel schönere
Lichtquelle. Ich verwackelte etwas. Doch dadurch wurden
die Fotos nicht unscharf. Das Wortspiel mit der Lust
erspare ich mir. Und noch ein paar andere.
Ich mag die langen Ärmel. Sie unterstreichen
die Nacktheit der Beine.
Die Erotik der Strickjacke wird unterschätzt.
Die einsamen Stunden – sie kamen.
Viele davon. Eigentlich
brauche ich die Fotos nicht.
Ich hasse Grillen!
Nicht das Gezirpe. Das gesellige.
Nicht die Tiere (obwohl auch die nerven können), sondern
die Versammlung von Menschen ums atavistische Feuer.
Und eine Versammlung beginnt bei 3.
Gestank, Gerede – nicht einmal
den kanzerogenen Fraß (sinnigerweise Grillgut genannt) kann ich leiden.
Miefige Gartenzwergidylle.
In der »freien« Natur.
Die Pappteller & das Plastikbesteck sind noch
das Beste daran.
Ich hasse den Rauch –
& den Brauch
auch. Lasst uns uns treffen, schmatzen & smalltalken!
Wenn die paar Menschen, die mich kennen, einen Witz machen wollen,
sagen sie: »Wir kommen dann mal zum Grillen bei dir vorbei.«
Und ich muss wirklich – jedes Mal – lachen. Mir gefällt die Doppelpointe:
Grillen & Vorbeikommen!
Ich mag kaum darüber nachdenken, was die Meute da
zusammen treibt. Um die Kohle herum.
Zuweilen höre ich sie.
Eine einzelne Grille.
Oder eine andere.
Oder mehrere.
Manchmal ist es beruhigend –
kleine Wesen in der Nähe zu wissen;
manchmal störend.
Wenn sie mich stören, können sie nichts dafür.
Es ist ihre Natur.
Das macht mich nicht traurig.
Nun gut, vielleicht liegt es auch in der Natur
des Menschen –
zu grillen…..
Noch immer.
Das allerdings wäre
traurig. –
Wie dem auch sei –
am sympathischsten sind mir
nach wie vor
die Grillen
in meinem Kopf.
Eine wimmelnde Versammlung, die
gar nicht groß genug sein kann.
Manche Frauen sollte man kennenlernen bevor sie zur Mutter werden.
Bevor
– aus nahezu krankhafter Überkompensation
irgendwelcher Defizite & schlechter Erinnerungen
an die eigene Kindheit –
das Gluckenhafte & Kittelschürzige in ihnen
ausbricht.
Wie bei meiner Mutter.
Nun ja, es gestaltete sich schwierig
für mich
meine Mutter kennenzulernen –
bevor sie Mutter wurde.
Der Satz ist
auf ihrem Mist gewachsen.
Sie hat
das Urheberrecht.
„Ich bin trockene Romantikerin.“
Andere
mochten den Satz.
Fanden ihn
lustig, geistreich – oder
was auch immer.
Ich hasste ihn.
Fand ihn
zum Kotzen.
Diesen Satz & fast
Alles,
was er implizierte –
den Entzug
die Nüchternheit
das Rauschlose
& den kalten Blick.
Nun gut,
im Moment war auch ich
trocken.
Hatte mit dem Saufen aufgehört.
Das war keine große Sache. Eigentlich.
Denn es gab keinen Entzug. Im
eigentlichen Sinne. Ich war
nicht körperlich
abhängig gewesen.
Zumindest nicht
vom Alkohol.
Meine Sucht war leichter
& komplizierter
zugleich
gewesen.
Lustig, geistreich – oder
was auch immer.
Ja, ich bin nüchtern
in diesem Augenblick.
Aber nicht
rauschlos; nicht
kalt.
Und es besteht immer die Möglichkeit
des Rückfalls.
Ich öffnete den Kühlschrank.
Da lagen sie – die letzten 5 Flaschen
Bier. Im untersten Fach.
Ich nahm sie heraus.
Hielt sie gegen das Licht.
Trübe Aussichten. Einsichten.
Schleier schwammen in den Flaschen.
Ich las das Datum. Abgelaufen vor Monaten.
Ich öffnete eine Flasche nach der anderen.
Kippte alles in den Ausguss.
Biergestank. Der verflog. Verschwendung, dachte ich. Ach,
was soll’s!
Das Bier war ohnehin nur
für Besuch.
Die letzten 5 Flaschen aus einem Kasten,
der im Keller stand. 5 Flaschen
für den Ausguss. Die anderen
waren ausgetrunken worden.
Immerhin. Auch sie
nicht von mir.
Hier könnte eine Blogroll sein.
Wenn ich nicht so egozentrisch wäre.
Statistik
92.947 hits
"Ich wohne in meinem eignen Haus,
Hab´ niemandem nie nichts nachgemacht
Und - lachte noch jeden Meister aus,
Der nicht sich selber ausgelacht."
(Friedrich Nietzsche)
„Meine kleinen Gedichte
Kommen wie kleine Blumen mir vor,
Lauter winzige Wichte,
Aber zusammen doch ein Flor,
Und hervor
Aus dem Chor
Blicken Vergißmeinichte.“
(Friedrich Rückert)
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