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Einflüsse

Je älter ich werde, desto
weniger Bücher lese ich;
desto weniger Filme sehe ich;
desto
weniger weniger weniger.

Weg mit den Einflüssen!
Weg mit den fremden Gedanken!

Aber es ist zu spät.
In meinem Kopf: der zähe, fremde Brei der
Vergangenheit, und was ich davon
verdrängt habe, halte ich
vielleicht sogar
am Ende,
wenn es wieder erscheint,
für mein Eigentum.

Ein Dieb, der nicht weiss,
dass er ein Dieb ist …..

Wie jämmerlich!

 

(Inwendig vorgetragen:)


Doppelter Fliegendreck

Ich hasse es, wenn sich jemand
als Künstler bezeichnet; hasse vielleicht
das Wort Künstler an sich – – –
hasse das ü – den doppelten Fliegendreck
über dem u der Kunst – – das angehängte
ler !
Die Pose & die Selbstbeweihräucherung ….

Versucher
Schaffer
Hinrotzer
Vorsteller
Handwerker
Weberknecht

Alles wäre mir lieber als
die Künstelei !

Und am liebsten wäre mir es,
wenn sich jeder als GarNichts bezeichnen würde –

& Bezeichnungen erkannt würden als das,
was sie sind :

ein doppelter Fliegendreck, der
auf der Wirklichkeit klebt.


Der Kuchen

Die Kuchenform war symmetrisch,
sie war rechteckig.
Aus einer Schublade, angefüllt mit
Unordnung, nahm ich einen Hammer.
Mit dem Hammer schlug ich auf die
Form ein – ohne System.
So lange, bis nicht mehr viel
an das Rechteck erinnerte.
Dann rührte ich einen Teig an; aus
Zutaten, die ich verschweigen muss.
Ich füllte den Teig in die Form.
Stellte die Form in den vorgeheizten Herd.
Der fertige Kuchen, aus der unförmigen
Form befreit, sah aus wie eine
Krankheit.
Ich nahm ihn mit zu einer
Trauerfeier.
Er wurde bestaunt.
Fragen wurden gestellt –
Wie ist denn das passiert?
Ist das dein erster selbstgebackener Kuchen?
Was ist da drin?
Ich log Antworten.
Er wurde probiert.
Sein Geschmack für interessant befunden.
Aber, so wurde übereinstimmend gesagt,
Backen ist nicht deine Stärke; du solltest es
vielleicht lieber lassen
.
Zurück zu Hause nahm ich die Form &
hämmerte weiter auf sie ein.
Ich ahnte:
Mein nächster Kuchen würde mir noch besser
gefallen.


Belangloses

Sie saß im Bett & las
Belangloses vom Blatt.

Ich
fand es belanglos.

Ich lag neben ihr,
kaum mehr wach ……

Unsere Nacktheiten
aneinander,

ihr Duft
unter der Decke.

Sie las
was ich geschrieben hatte.

Jahrelang hatte
sie danach gefragt – –

doch es war mir
peinlich gewesen.

Es gefiel ihr –
da war es nicht mehr
belanglos ….

Ich schlief ein,
sie las weiter.

Ich träumte, dass
sie fortging

nachdem sie die
Blätter zerissen hatte.

Sie ging nackt,
die Fetzen auf der Matratze ..

Ich lag in ihrem
Leselicht; beschattet von
der Decke

unruhig

Ein Albtraum:
wie ihre Nacktheit sich entfernte.
Ich schwitzte kalt.

Sie kicherte
mich wach
„Das ist schön“, sagte sie.
Alb verwandelte sich in Glück & Duft
& Wärme. –

Wärme & Duft & Glück
verwandelten sich in
Wirklichkeit

als ich
wieder
erwachte

Im Bett lag : meine Leere –
es roch nach mir,

Es war kalt.

Die Blätter lagen auf dem
Boden ….

Ich sammelte sie auf,
nackt & leer

Warf sie
in einen Topf

zündete sie an mit
kalter blauer Flamme

& versuchte
mich zu
wärmen

aber
Belangloses
brennt kalt


Sherlock Holmes als Arme Sau

Ein kleiner alter Mann sitzt im obersten Stock
des Sherlock-Holmes-Museums in London – schamlos kostümiert.
Er springt auf aus seinem versifften Ohrensessel,
wenn ein Tourist in seine Leere tritt.
Er sagt Worte, die lustig sein sollen.
Sie sind es nicht. Er trägt sie müde vor. 
Man lächelt, um ihm nicht Weh zu tun. Dabei wäre es ihm vermutlich egal, wenn man nicht lächelte. 

Man erinnert sich an seinen eigenen
Job – – – – – Egal.
Das Zimmer, in dem er sitzt, ist so
klein –
kleiner als in den Büchern,
kleiner als in den Verfilmungen;
kleiner als in der Phantasie –
es ist winzig –
es ist deprimierend –

Es ist die Realität des kleinen
Mannes.


Westenknöpfe im Schnee

Man lässt den untersten
Westenknopf offen – das ist so
Usus ….

Robert Walser
ließ
den obersten Westenknopf offen –
das war sein
Usus …

Man fand ihn
im Schnee – –
den obersten (offenen) Knopf
an der Weste des
Toten …

Er war spazieren gegangen –
die Luft der Klapsmühle, in die
er sich – auf eigenen Wunsch –
geflüchtet hatte, durch
frische Winterluft zu
ersetzen.

Flucht aus
Bleistiftgebieten.

Seine Leiche in
weißer Kälte ….

Als hätte er sich
konservieren wollen.

Es war
nicht nötig.

Er wurde konserviert durch
Andersartigkeit
& Genie.

002


Comic

Ich erwache gezeichnet.
In Schwarzweiß. Mir selbst:
eine Karikatur. Die Karikatur
eines Mangas. Manga ohne Dialog,
Comic ohne Gedankenwolke.
Manga ⇒ mangiare ⇒ Frühstück.

Nächstes Bild: Küche –
ich habe 6 Arme, so schnell bin ich,
ich toaste Wasser, koche Toast,
schlage Eier – Fett dampft als
wortlose Sprechblase über meinem
verzeichneten Schädel.

Und schon schlinge ich im 3. Bild.
4 Arme bedeuten Gefräßigkeit. Gulp!
Besteck verschwimmt in (( Klammern )) der
Schnelligkeit.

4. Bild: Kacken. Verbissener Gesichtsaus-
druck auf der Schüssel. Aus. Druck.
Druck. Aus.

Nächstes Bild
: An der Tastatur, umgeben von
Bildschirmen & Textprogrammen &
leergesoffenen Flaschen …
50-Finger-System. In einer gewaltigen
Staubwolke, aufgewirbelt aus Fantasie.

Fantasiebilder
: Frame für Frame:
Tentakelnde Monster der Kindheit …
Verschlingungen …
Miniberockte Wesen mit großen GlanzAugen
& Stupsnasen -: Schenkel, Upskirts &
blitzende Höschen
[die Leertaste wird mit dem
Schwanz betätigt] … grinsendschlängelnde Spermatozoen …
Dann: Schmerz spritzt Tränen aus SchlitzAugen.
Mehr & mehr Linien im SchwarzweißGesicht.
Dann: Schwarzbilder. Schwarze Frames. Fin-
sternis – & schließlich:
Der Tod als Karikatur; mit Kapuze &
glitzernder Sense – auch seine Blase ist leer,
auch er hat nichts zu sagen, auch er –
denkt nicht.
Wie wir alle – in diesem Comic.

Letztes Bild
.

Wir erwachen.
Gezeichnet.
Aus. Druck.
Druck.
Aus.


Weichspüler

Der Berg schmutziger Wäsche wächst
neben meinem Bett; die Türme der
Bücher neben meinem Bett
schrumpfen.

Die Stapel der Zettel wachsen
auf meinem Schreibtisch; die
Vorräte schwinden in meinem
Kühlschrank.

Ich trinke Weichspüler.
So nenne ich die Cocktails, die
mich sentimental machen.
Ich sollte Stärke saufen,
um mich zu befestigen.

Ich frage mich:
Wenn Zwangsjacken gewaschen werden –
tut man Stärke oder Weichspüler in
die Maschine?

Da fällt mir ein:
Ich sollte ihn endlich waschen –
den Berg
neben meinem Bett.

Aber
Aber
Aber
Aber


VerständnisLos

Nach seiner Entmündigung hatte
Baudelaire
noch immer mehr zu sagen als diejenigen, die
ihn entmündigt hatten – mehr als diejenigen, die
immer noch im Vollbesitz ihres geistigen
Unvermögens waren – & die vollmundig auf
ihn einredeten, um ihn zu ihrer Art von
Vernunft zu bringen.

Noch heute würde ich gerne die Leiche von
mr. allan ohrfeigen (wenn sie nicht längst
Staub wäre) – für das, was er seinem
Pflegesohn,
MR. EDGAR POE,
angetan hat …..

Es wäre mir egal, dass mr. allan
ein Kind seiner Zeit & seiner eigenen
Beschränktheit war –
ausnahmsweise würde ich auf allen
Determinismus ein gar lustig Liedlein
pfeifen – & die Leiche durchprügeln,
mit stetig wachsender Begeisterung.

Schläge in die Fresse aller
Entmündiger!

Die Zahl ist Legion –
derer, die in die Tombola-Trommel
der LebensFähigen
gegriffen & das
Große VerständnisLos
gezogen haben.

Möge die Welt des
Funktionierens in das
Chaos versinken, das die
LebensUnfähigen
in sich tragen!

Der Verlust wäre – – –
überschaubar.


Bidet

Da mein Badezimmer alt ist (obwohl,
nicht so alt wie ich), gibt es ein Bidet darin.
Aber das tut nichts zur Sache. Ich saß –
nein, nicht auf dem Bidet – ich saß
auf dem Sofa & blätterte durch diesen
merkwürdigen Kalender – einen
Kalender der Geburtstage.
Wer hatte am selben Tag Geburtstag
wie ich? – – :
Johann Peter Eckermann
Stephen King
Leonard Cohen
H. G. Wells
& diverse TV-Nasen
– – –
Was für ein seltsamer Cocktail, dachte ich
& hob mein Cocktailglas. Na dann, Jungs,
HAPPY B-DAY !


Leseempfehlungen?

„Kannst du mir ein Buch empfehlen?“ –
Ich begreife nicht, wie man glauben kann, eine solche Frage stellen zu – sollen müssen dürfen.
Es ist doch so : Oder sollte so sein : Oder ist zumindest bei mir so :
Irgendwann, wahrscheinlich in der Jugend (früher oder später) fällt einem – durch, nein, nicht Zufall, sondern durch eine weitzurückreichende Kausalkette – ein Buch in die Hände, das einen komplett umhaut….. Und schon geht es los. Sofort besorgt man sich soviel von diesem Verfasser, wie man nur bekommen kann, am besten das Gesamtwerk; anschließend liest man Bio- & Monographien über ihn, erfährt dadurch, welche Autoren & Philosophen ihn beeinflußt & geprägt haben, besorgt sich wiederum Bücher von diesen – – – & ist gefangen in einem Labyrinth der Folgerichtigkeit. Und je länger man lebt, desto größer & weiter verzweigt wird das Labyrinth. –
Warum also noch irgend jemandem, der außerhalb dieses riesigen Gebäudes steht, nach einer Empfehlung fragen? Es könnte eine Ablenkung vom rechten Weg sein.
Nun gut, ich gebe zu: manchmal habe ich seltsame Ansichten, aber wenigstens sind es meine eigenen – ich habe sie mir nicht bloß ausgeliehen.
Also:
Man frage mich niemals nach einer Empfehlung. Ich könnte sie geben. Aber höchst ungern. Und selber gefragt – habe ich noch nie.


Gedichtsschwankungen

Ich hatte Untergedicht
Ich hatte Übergedicht

Ich habe mein Idealgedicht


Eine Lesenacht

2:00 Uhr Nachts. Wahllos nahm ich irgendein Buch aus irgendeinem Stapel & legte mich damit aufs Sofa. Ein altes Sofa im Licht alter Lampen. Ich begann zu lesen. Worte. Alte Worte, die jemand neu kombiniert hatte.
Ein paar Seiten vergingen.
Dann, plötzlich: eine Bewegung am Rande meines Blickfeldes. Fliegenähnlich, nur langsamer. Manchmal, wenn ich zuviel getrunken habe, tauchen für Sekundenbruchteile kleine schwarze Punkte oder die Ahnung eines sich bewegenden Schattens genau so auf; ich nehme das nicht ernst, beachte es nicht mehr. Doch gerade wollte ich den nächsten Satz lesen, da flog Sie von oben herab auf die Buchseite. Ich schrie laut auf & warf das Buch so weit von mir wie möglich. Eine schwarze, beinahe handtellergroße Spinne! Und diese Spinne hatte Flügel, durchsichtig, von zarten roten Äderchen durchlaufen. Ich sprang auf. Das Buch war gegen eine Wand geprallt & lag nun, mit dem Rücken nach oben, einige Meter von mir entfernt auf dem Boden. Die Spinne kam darunter hervor. Sie war unverletzt. Sie bewegte sich langsam. Die Flügel waren angelegt. Angelegt auf ihrem fetten, unbehaarten Körper. Langsam, sie nicht aus den Augen lassend, ging ich zur Tür. Rückwärts. Ich fühlte, dass ihr Blick mir folgte; ergriff die Türklinke ….. Da bewegten sich die Flügel; wurden aufgestellt …. Ich drückte die Klinke nach unten … Die Spinne hob ab, im Flug bewegte sie die Beine … Als würde sie auf der Luft laufen … Ich riss die Tür auf …. Wollte sie hinter mir zuwerfen, meine Hand rutschte ab, die Tür bekam nicht genügend Schwung, ging nicht ganz zu … Ich rannte über den Flur, der Flur war dunkel bis auf das wenige Licht aus dem Wohnzimmer, ich spürte die Verfolgung der Spinne … Ich bin schneller als sie, sie kann mich nicht einholen, bitte, sie darf mich nicht einholen! Der Flur schien länger zu sein, als ich ihn kannte. Schließlich riss ich die Schlafzimmertür auf, und diesmal schaffte ich es, die Tür rechtzeitig zuzuknallen. Finsternis. Ich machte Licht.
Ja, die Spinne war draußen geblieben. Selbst meine Panik war außer Atem. Etwas boxte von Innen gegen meine Rippen. Ich legte mich aufs Bett. Sie ist da draußen. Sie wartet. Ich werde sie töten. Ich kann sie töten – warum stelle ich mich dermaßen an? Eine Spinne, eine blöde kleine Spinne. Sie kann fliegen, na schön. Aber sie kann auch sterben, wenn ich das will. Vielleicht ist sie die einzige ihrer Art, dann rotte ich mit ihr gleichzeitig ihre Art aus. Das wäre doch wunderbar. Das wäre Macht. – Aber was, wenn es Millionen davon gäbe? Eine neue Art, die sich längst ausgebreitet hat …. Meine Fantasie fing an zu spinnen. Netze aus Peitschen. Rasende Bilder, aufgepeitschte Vorstellungen.
Beruhige dich …. beruhige dich …. nur eine Spinne …. nur 1 Spinne ….
Langsam, ganz langsam, so langsam wie die fliegende Spinne – beruhigte ich mich. Ruhe. Ruhe.
Und dann hörte ich ein Geräusch. Ein Geräusch & noch ein Geräusch. Als stieße unter dem Bett etwas gegen das Lattenrost. Panik. Ich wagte es nicht, aufzustehen. Setzte mich dicht ans Kopfteil des Bettes. Du spinnst! Du bildest dir etwas ein! Du
Doch. Das Geräusch war da. Keine Einbildung.
Ich wartete. Wartete. – Ich musste nicht lange warten.
2 dicke schwarze Beine waren das erste, was ich von ihr erblickte. Und ich meine wirklich: DICK. Dann folgte: der Kopf – – –
Eine weitere Spinne. Und sie war schnell, so schnell. Nachdem ihre ersten Bewegungen noch tastend-langsam gewesen waren, huschte sie nun unter dem Bett hervor. Groß wie 2 Pizzateller. Sie drehte sich herum, wandte sich mir zu. Und sie hatte den haarlosen Kopf einer Frau. Einen kleinen Glatzkopf, der zwischen ihren Vorderbeinen, vorne an ihrem dickrunden, behaarten Körper saß. Und sie schaute mich an, und ich erkannte ihr Gesicht. Zitternd. Ein Gesicht aus der Vergangenheit. Ein Gesicht, das schöne Augen gehabt hatte. Damals. Heute waren die Augen schwarz & böse. Und sie erbrachen einen Blick, der zu lange mit dem Wahnsinn geflirtet hatte. Ihre Lippen bewegten sich, als spreche sie. Doch ich hörte nichts. Ich musste sie nicht hören, um zu wissen, dass ihre Worte wüteten. Wüteten gegen mich. Ich glaubte ihren Körper zu riechen; und er roch schlecht in meinem Glauben.
„VERSCHWINDE!“ schrie ich.
Da grinste sie sarkastisch.
Wie kann ich sie töten? Wie kann ich DIESE töten? So groß. So schnell. Und das Gesicht…… Ein Messer. Ein Küchenmesser. In den behaarten Leib…..
Ein Geräusch an der Tür. Ein lautes Kratzen von Außen. Das konnte die fliegende Spinne nicht sein.
Die Hölle! Ich werde in die Hölle blicken….
Die schwarzen bösen Augen der Glatzköpfigen (der Schein der alten Nachttischlampe spiegelte sich in ihnen) blickten wissend. Sie schien zu wissen, wer das Geräusch verursachte.
Sie grinste. Und ihre 8 langen Beine spannten sich an. Spannten sich an. Spannten sich an, als setze sie an – – – zu einem Sprung……..
Ich wartete auf das Springen meiner Rippen. Die Schläge von Innen waren hart. K.O. oder Tod …..
Nie wieder würde ich ein Buch in die Hand nehmen.
Sie setzte zum Sprung an.
Und die Türklinke wurde heruntergedrückt.


Grenzen

Dass ich nichts denken kann, was
nicht schon gedacht worden wäre –
Dass ich nichts sagen kann, was
nicht schon gesagt worden wäre –
Dass ich nichts schreiben kann, was
nicht schon geschrieben worden wäre –

Ich weiß es.
Nichts außer Variationen.
Selbst der Wahnsinnige kann nichts
Menschenunmögliches denken.

Schade, denke ich manchmal.
Und auch Das hat schon jemand
gedacht.


Gib Dir mal ein bisschen

Gib Dir mal ein bisschen
Mühe !

Die Mühe, die man sich geben
soll oder will, ist es,
was einem die
Gelassenheit
raubt.

Schmerzhafte Krämpfe
über
All

Deshalb
schiebt man sich die
Schrotflinte ins Maul …
Spült die SchlafTabletten mit
Gin herunter …
Springt man von der
Brücke, die nirgends mehr
hin führt

Der Krampf des Zeigefingers
am Ab
Zug

Nicht
mit mir

Nie wieder
werde ich mir
Mühe
geben
.


Gott, was haben wir gelacht!

Ich liebe den bösen bösen Humor
des Schicksals – – -.
Malcolm Lowry, der wohl unFassBARste
Säufer der Literaturgeschichte, hatte,
als man ihn obduzierte, eine völlig
intakte Leber.

Sein Vater –
zeitlebens Abstinenzler –
starb an
Leberzirrhose.

Gott, was haben wir gelacht!

06


Wortbruch

Mein zerstörter Schädel tauchte
auf aus Betäubung – frische
Blutflecken auf dem Kissen.
Das Gedächtnis lallte etwas von
Vodka, Bier, Tequila, Aspirin;
von Zahlen wollte es nichts wissen;
das Wieviel war Viel gewesen,
aber 1 Aspirin würde schon noch
gehen. Kein Wasser neben dem
Bett, also: trocken schlucken.
Ein geringer Preis für die Euphorie
der vergangenen Nacht.

Selbstexperiment : Selbstzerstörung :
die Unterspülung, Überflutung des
Wortzentrums : Platzregen der Ideen :
Aufbruch der Worte : Sprengung :
Fliegende Fetzen : Gedankengebäude :
Einstürzende Altbauten : Steinbruch :
AssoziaZonen : Das surrealistische
ManiFest : monomanisches Getippe

Gegen Mittag hatte der Handwerker
geklingelt. Der Wasserzähler sollte aus-
getauscht werden. Ich war so besoffen,
dass ich tatsächlich die Tür öffnete.
Ich stotterte ihm meinen Alk-Atem
entgegen. Wie kann man um diese
Uhrzeit dermaßen besoffen sein
, hörte
ich ihn denken. Er arbeitete schnell.
Offenbar wollte er schnell wieder weg;
mein Keller & die Treppe dorthin sind
wie das Set eines Horrorfilms; ich bin
verstörrte Blicke gewohnt. Man hält
mich für exzentrisch oder gemein-
gefährlich (alles Quatsch natürlich).
Außerdem trug ich ein T-Shirt, auf
dem der Schriftzug >PSYCHO<
prangte; das machte es nicht besser.
Er beeilte sich so sehr, dass er seine
Taschenlampe vergaß, obwohl sie
eingeschaltet war. Ich trug ihm sein Licht
hinterher. „Tschüss“ ist ein einsilbiges
Wort; das konnte ich gerade noch
sagen. Dann fiel ich ins Bett. Im Bett
lag die Ukulele, ich spielte noch
ein bisschen, dachte an die Ukulele
von Malcolm Lowry – – &
war weg.

Ich hatte mir kein
Versprechen gegeben, kein:
Morgen trinke ich weniger, morgen
trinke ich mehr – morgen morgen
morgen …..

Ich gebe keine Versprechen.

Worte
breche ich. Auf meine
Art.


Kurzatmigkeit

Den langen Atem – ich
habe ihn nicht; suche
nicht nach der Zeit, die
ich verloren habe.

Vielleicht finde ich
manchmal – ohne zu suchen –
einen kleinen Moment der
Gegenwart.

Einen Augenblick, der sich
als Gewinn herausstellt,
sobald ich ihn mir bis ins
Letzte bewusst machen kann.

Den langen Atem – ich
habe ihn nicht; kurz ist
mein Atem. Aber
auch damit kann man
leben.

Die verlorene Zeit
hat nichts mehr zu
bedeuten.

Sollte sie mich
wiederfinden & sich mir
in den Weg stellen,
werde ich
die Straßenseite wechseln
& nicht
zurückblicken.


Erste Sätze

Ich habe verrückte Angewohnheiten.
Schrullen.
In manchen Nächten, seltsam-disparate
Musikmixturen donnern durchs Haus
(Heavy Metal, Swing, Klassik, Pop,
Bebop, Oper), Flaschen sitzen
locker wie die Colts eines Revolver-
helden, da tänzle ich durch die Räume,
vorbei an den Regalen, & ich ziehe einige
meiner Lieblingsbücher heraus, nur
um den jeweils Ersten Satz wieder
zu lesen – selbst wenn ich ihn auswendig
kenne; ich will ihn sehen. Ich liebe
Erste Sätze! Sie entscheiden. So wie
es manchmal der Erste Blick tut.

-Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen.
-Dem Höhepunkt des Lebens war ich nahe, da
mich ein dunkler Wald umfing und ich, verirrt,
den rechten Weg nicht wieder fand.
-Stattlich und feist erschien Buck Mulligan am Treppen-
austritt, ein Seifenbecken in Händen, auf dem gekreuzt ein
Spiegel und ein Rasiermesser lagen.
-Angefangen hat das so.
-Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf das
Nichts des Neuen.
-„Was ist das. – Was – ist das …“
-Zwei Gebirgsketten ziehen sich in etwa nordsüdlicher
Richtung durch die Republik, und dazwischen breitet sich
eine Anzahl von Tälern und Hochplateaus aus.
-Zuerst dieses hauchend lange, pfeifende Heulen, mitten in der
Luft, als käme die Lokomotive, die Sie nirgends sehen, im
Bogen unter den Wolken hervor, die unbewegt niedrig über
dem Hügelrand warten, bis man sie nicht mehr erblicken wird.
-Da ist ja die Person, die ich gesucht habe.
-Es war in jener Zeit, als ich in Kristiania umherging und
hungerte, in dieser seltsamen Stadt, die keiner verläßt, ehe
er von ihr gezeichnet wurde …
-Das Schauspiel dauerte sehr lange.
-Ende November bei Tauwetter gegen neun Uhr morgens
eilte der Eisenbahnzug Warschau-Petersburg mit Volldampf
seinem Endziel entgegen.
-Nichts Niemand Nirgends Nie !
-Ein heiterer Juniusnachmittag besonnte die Straßen der
Residenzstadt.
-Am Wahltag war es über mich gekommen.
-Hört meine letzten Worte.
-Der Captain rührte keinen Alkohol an.
-Dies hier ist ein erstes Kapitel, welches verhindern soll, daß
vorliegendes Werkchen mit einem Zweiten Kapitel beginne.
-Aus einer privaten Irrenanstalt in der Nähe von Providence,
Rhode Island, verschwand kürzlich eine höchst sonderbare
Person.
-Er stand vor dem Tor des Tegeler Gefängnisses und war frei.
-Kaufleute, Autoren, Mädchen und Quäker nennen alle Leute,
mit denen sie verkehren, Freunde; und meine Leser sind also
meine Gast- und Universitätsfreunde.
-Es regnete, als ich um 5 Uhr morgens in New Orleans eintraf.
-Wir saßen an unseren Aufgaben, als der Rektor eintrat.
-Mehr als zwei Monate vergingen, bevor Des Esseintes in die
Stille seines Hauses bei Fontenay eintauchen konnte.
-Ich wohne in der Villa Borghese.
-Unglücklich ist derjenige, dem die Erinnerungen seiner Kindheit
nur Angst und Traurigkeit bringen.
-Mein Vater war ein Kaufmann.
-Heute ist Mama gestorben.
-Dann war das schlechte Wetter da.
-Das beste wäre, die Ereignisse Tag für Tag aufzuschreiben.
-Es gab in der Stadt zwei Taubstumme, die man stets beisammen
sah.
-Das Mondlicht fällt auf das Fußende meines Bettes und liegt
dort wie ein großer, heller, flacher Stein.
-Wahrhaftig! – reizbar – sehr, fürchterlich reizbar waren meine
Nerven gewesen, und sie sind es noch; doch warum meinen Sie,
ich sei verrückt?

Ja, verrückt.
Ich habe verrückte Angewohnheiten.
Die Musik donnert durchs Haus.
Und die Flaschen sitzen locker.
Und ich werde noch lange unterwegs sein,
vor den Regalen.


Mal etwas Grundsätzliches

Damals war ich so verbissen wie ein ausgehungerter Hai. In fast allem. Aber besonders was das Schreiben anging. Jugend – auch ich hatte mal sowas. Ich saß in einem kleinen Kellerzimmer mit niedriger Decke vor einer Schreibmaschine aus den 50er Jahren. Drechselte & feilte. Feilte wieder. Schrieb um. Schrieb neu. Schrieb Fassung um Fassung. Schrieb langsam; so langsam. Schrieb seitenlange Sätze. Klebte Zettel in & an das Typoskript. Und um 100 Seiten fertig zu haben, hatte ich vermutlich 300 geschrieben. Wehe wenn ich irgendwo das leiseste Geräusch hörte. Ich rastete aus, lief fluchend in dem kleinen Zimmer umher; ich war sofort raus aus dem Fluss. Der Druck war gewaltig. Der Druck, den ich mir machte. Den Es-in-mir mir machte. Dabei schrieb ich nur für mich. Nur 2 oder 3 Menschen hatte ich mal einen winzigen Teil davon gezeigt. Mehr wollte ich nicht; mehr brauchte ich nicht.
Schreiben war Leiden. Und ich dachte, das müsse es auch sein. Selbstzerfleischung, Ringen um das mot juste. – Irgendwann war das Leiden aber so groß, dass ich mit dem Schreiben aufhörte. Oder Es hörte auf. Für Jahre. Viele viele Jahre. Ich konzentrierte mich auf die Musik. Natürlich verbissen. – Das Schreiben war gestorben. Punkt.
Jahre …. Jahre …. Jahre ….
Und dann kehrte es wieder. Als Zombie. In Fetzen. Eine chemische Reaktion? Radioaktiver Müll? Keine Ahnung. Egal. – Und alles war alles anders diesmal. Ich war schlampig geworden. Und es ist großartig, schlampig zu sein! Es gibt keinen Druck mehr. Nur noch Lässigkeit. Hingerotzte Worte; Texte wie Dartpfeile – & es ist mir egal, wo sie die Scheibe treffen. Ob sie die Scheibe überhaupt treffen oder in der Wand landen. Oder auf dem Boden. Ich sitze da, die Musik dröhnt gegen meine Gedanken an, und ich haue auf die Tasten – 10 Finger in einem seltsamen Rhythmus. Nebenher surfe ich im Internet, twittere, chatte, lese oder schreibe Emails. Ein Satz hier, ein Satz dort. (Moment, ich muss gerade mal staubwischen; bin gleich wieder da.) Draußen schreien Kinder. Oder ich schreibe bei der Arbeit, umgeben von grölenden Besoffenen in der Hotelhalle, die zwischendurch immer wieder etwas von mir wollen.
Wo ist das Leiden hin? Keine Ahnung; zumindest ist es nicht mit auferstanden. Es kann mir gestohlen bleiben. Tot. Die Besseren sollen ruhig weiter leiden, weiter suchen & sich quälen. Ehrgeiz im eigentlichen Sinne hatte ich nie; aber ich hatte so etwas Ähnliches mir selbst gegenüber. Und nun existiert auch das nicht mehr.
Ich schreibe schnell. Ebenso schnell lade ich es im Internet hoch & vergesse es wieder. Manchmal – aber das liegt dann an den Cocktails, die ich mir nebenher mixe – weiß ich schon am nächsten Tag nicht mehr, was ich zuletzt geschrieben habe. Dann schaue ich es mir noch mal an. Aus reiner Neugier. Was habe ich da wieder im Vollrausch verzapft? Fast lese ich es wie einen fremden Text. Selten ändere ich etwas. Es interessiert mich nicht mehr. Wichtig ist nur noch, dass ich mich bei & nach dem Schreiben gut fühle. Raus aus der Depression der Ausdruckslosigkeit. Einen anderen Sinn suche ich darin nicht mehr. Wenn es jemand anderem gefällt, schön. Wenn nicht, auch schön. Eigentlich müsste es nicht einmal mir gefallen. Ich will keinen Blumentopf damit gewinnen. Und ich möchte ihn mir auch nicht selber überreichen.
Tja, Jugend – schön & gut. Aber manches wird einfach besser, wenn man älter wird. Zumindest subjektiv. Und sollte es objektiv betrachtet schlechter sein, ist es einem scheissegal.
Und wenn ich mir ständig widerspreche, widerschreibe, ist es mir ebenfalls egal.
Das wollte gerade heraus, also habe ichs herausgelassen. Ich habe einen gräßlichen Kater im Moment. Mehr Grundsätzliches habe ich nicht zu sagen.

 

0000


Ey, Alter!

„Ey, Alter“, sagte er, „was ist
eigentlich mit dir los? – Du bist
der einzige Säufer, den ich kenne,
der im Vollrausch Shakespeare-Monologe
aufsagt. Und das auch noch auf deutsch
und englisch.“
„Tatsächlich?“ sagte ich. „Ich dachte, das
tun sie alle. Aber danke für
die Frage.“


Ungeschrieben

Ein Schild:
‚Wegen Selbstzerstörung geschlossen!’

An wievielen Türen es doch
gehangen hatte. Türen zu kleinen
kahlen Zimmern. Zimmern voll
von Papier; von Stiften & Gänsekielen;
Eine einsame Schreibmaschine. Voll von
Staub.

Die Zimmer meiner toten Helden.
Die jünger starben als ich heute bin.
Sie hatten keine Wahl. Die
Selbstzerstörung wählte sie,
erwählte sie. Um ihnen den Ausweg
zu weisen …. den letzten, den
einzigen Ausweg aus dem,
was ihnen zugeteilt worden war ….

Manchmal versuche ich sie zu
träumen: die Geschichten, die
Poe nicht mehr schreiben konnte;
die Gedichte, die Dylan Thomas
mit ins Grab nahm; die Romane, die
Malcolm Lowry ermordet hat ….
Die Liste führt ins Unendliche.
In die Unendlichkeit des
Menschseins, das die Besten
oftmals nicht ertragen können.

Ich erwache.
Wieder ist mir ein Traum
nicht gelungen.

Ich erwache.
Wahrscheinlich wird mir auch das Leben
nicht gelingen.

Ich erwache.
Und erhebe mein Glas

Auf
Euch

Ihr toten
Helden!


Bekanntschaft

Eine Bar in ungemütlichem Licht.
Nach dem 8. oder 9. Vodka-Martini auf
nüchternen Magen war ich in
Erfinderlaune. Ich sagte zu meiner
Bekannten:
„Siehst du den alten Typen da drüben,
im Holzfällerhemd? Das ist ein
berühmter Schriftsteller; ein berühmter
schwuler Schriftsteller, kenne ich ausm
Fernsehen.“
Sie nippte an ihrem Rotwein, schaute
kurz hinüber.
Ich sagte:
„Und weißt du was; ich glaube, ich
werde zu ihm rübergehen & ihm an-
bieten, seinen Schwanz zu lutschen.
Vielleicht besorgt er mir dann einen
Verleger.“
Ich hatte ein Lächeln erwartet; aber
mich traf nur der kalte Blick der
Humorlosigkeit.
„Das würdest du tun?“ sagte sie. „Du
würdest dich prostituieren?“
Ich war nicht in der Stimmung,
einzulenken. „Na klar, tief in mir
drin bin ich eine Nutte. Ein Stricher.
Wußtest du das nicht? Und ich bin
nicht mal schwul. Aber was solls; man
muss Prioritäten setzen.“
Offensichtlich konnte ich Rotwein
in Essig verwandeln.
Da wurde mir klar, dass wir uns nicht
kannten. Vielleicht niemals ein
Wort des andern richtig verstanden
hatten.

Wenn ich einen Brief abzuschicken habe,
gehe ich nachts zum Briefkasten; ich
will nicht gesehen, nicht angesprochen
werden von Nachbarn. Ich will meine
Ruhe, Ruhe. Ruhe!

Für andere nur schemenhaft
existieren…..

Anonymität
Versteckspiel
Untergang in der Masse
Unkenntlichkeit
Schweigen. –
Das ist es, was ich brauche.
Nichts sonst.

Ehrgeiz?
Ich verstehe das Wort nicht.
Ehre …. Geiz ….
Verschwindet!

Schon in der Grundschule
schwieg ich oft, wenn die
Lehrer mich etwas fragten –
vor allem wenn ich die Antwort
wußte.
Ich schwieg nicht aus
Schüchternheit. Ich
sah keinen Sinn im Antworten.

Der Pubertätstraum der
Prominenz verschwand mit
der Pubertät.

Ich wollte nur dasitzen &
vor & für mich hinkritzeln
& -tippen. Keine
einzige Seite aus meinen
Papierbergen hätte ich jemals
in einen Briefkasten gesteckt.
(Wenig Resonanz von wenigen
Menschen war gut & genug.)

Man kennt sich nicht.
Man versteht sich nicht.

Ich trank noch einen
Martini.
„Übrigens, die Frau, die sich
dahinten unterhält, ist eine berühmte
Schriftstellerin. Ich werde ihr
anbieten, sie zu ficken. Dann kann
ich vielleicht zwischen 2
Verlagen wählen…..“

Ungemütliches Licht.

Eine Bekannte.
Eine entfernte Bekannte.
Eine Bekannte, die sich
entfernte.


Klar

Ich bin nicht der Märchenprinz
aus dem Reich der Wattebausch-Poesie.
Ich wasche nicht meine Gedanken
in Unschuld (oder wie immer die Lauge
heißen mag).
Ich bürste nicht die Erde von den Worten,
die ich benutze oder mißbrauche;
egal, wo ich sie ausgegraben habe.
Sie brauchen nicht sauber zu sein,
solange sie klar sind.

Klarer
als mein Verstand
nach 13 klaren Schnäpsen

Klarer
als die rosarote Brille
der Mißverständnisse

Ich bin es nicht.

Ich bin es nicht.

Und es tut mir nicht
leid.


Das Zeilengeländer

Wer zwischen den Zeilen liest
liest Leere
Wer zwischen den Zeilen schreibt
schreibt nichts
Vielleicht liegt dort die
Wahrheit
Aber die Wahrheit braucht
das Geländer der Worte
um nicht in das abgründige
Nichts zu stürzen &
sich selbst zu
verschlingen

Vielleicht ist
das
die Wahrheit


Behauchtes Glas

Du hauchst auf Glas
& schreibst Gedichte in deinen Atem

Ich puste darauf
& sie verschwinden in Luft

Ich atme sie ein
& sie überleben in
mir


Die einfachsten Cocktails

& dann gehe ich an meine Hausbar
& sage : „Hey, wir Flaschen sind wieder unter uns.
Wir kennen uns, ihr schillernden Schätzchen.“

& mit den Cocktails ist es wie mit so vielem
anderen im Leben :
Das Einfachste ist oftmals das Beste

2 Tropfen Wermut
& ½ Flasche Gin

Das ist klar
Das geht klar

Weg mit den bunten
Komplikationen

Fort mit den Schnörkeln

Noch einfacher :
Vodka pur

aus Russland

klar wie die Sätze
der
russischen Literatur

Ваше здоровье!


Das Mehr

Jeder Tag ist mehr als der vorherige …
Ein Meer aus Alkohol …
Ein Mehr an Betäubung …
Ein Meer der Zerstörung …
Ein Meer aus Worten …
Das Mehr des Meeres …
Ein Meer aus Scheisse &
vielleicht
Liebe

Jeder Tag ist mehr als der vorherige …

Ein Meer aus Schmerz &

vielleicht

Das Tote Meer


Schwarzes Papier

Die schwärzeste unter den Nächten
verschluckte die Mondscheibe &
fraß Laternenlicht. Schwarze
Perlenketten wurden aufgeschnitten.

Die Nacht schrieb ein Gedicht
mit schwarzer Tinte auf schwarzes
Papier; & nannte es Tod der
Erinnerung
.

Ich wankte durch Dunkelheiten &
spuckte in den Rinnstein: Schwarzes
Blut. Schwarze Tiere mit schwarzen
Zungen leckten es auf.

Das Etikett der Flasche war schwarz.
Ich trank die Nacht. In meinem Kopf war
schwarzes Papier. Ich schrieb ein Gedicht
darauf; & nannte es Egal.

Die schwärzeste unter den Nächten
konnte es entziffern; sie hatte den
schwarzen Schlüssel zur Geheimschrift
meiner Gedanken.

Ich schluckte, was sie schluckte;
ich schrieb, was sie schrieb;
Pulsadern wurden aufgeschnitten &
aus schwarzem Blut formten sich Worte.

Die schwärzeste unter den Nächten
war stumm wie eine Perle, & sie
erkannte mich; denn
sie hatte mich geboren.


Mein kostbarster Besitz

Mein Hirn: eine matschigfaule Frucht
Ein Kater schnurrte darin &
spielte mit seiner Schwanzspitze
Die Sonne tat was ich wollte: Sie ging unter

Was war passiert
letzte Nacht oder
am Morgen bevor ich
schlafenging?

Ich erinnerte mich
dunkel

Ein Gefühl war gekippt
wie billiger Wein der
zulange offen steht

Essig

Ich konnte wieder klar
sehen

Nicht dass mir an der Klarheit
viel gelegen wäre
Aber ich gehörte wieder
mir selbst

Mein kostbarster Besitz

Ich machte mir mein
abendliches Frühstück:
Eier mit Schinken auf Toast
Ketchup
1 Liter Grüner Tee &
ging damit zurück ins Bett

Schaltete das Radio ein
atmete unfrische Luft &

fühlte mich gut

Gedanken kehrten zurück
in meinen Schädel
Sie waren mein Eigentum
Gedanken wie reife
Eiterbeulen

Und diejenigen
die nicht von alleine platzten
konnte ich
ausdrücken

Die nächste Nacht
stand bevor

Mehr brauchte ich nicht

Mehr brauche ich
nie


Glück & Talent

Ich habe es so oft erlebt
& trauerte so oft
deshalb

Menschen
die unglücklich waren
verzweifelt
verwirrt
verstört

& so reich an Talent
Ihre Worte faszinierten
Ihre Sätze waren einzigartig
Ihre Texte grandios

Und dann

nahm ihr Leben

eine

glückliche

Wendung

Ihre Worte
wurden hohl
Ihre Sätze gemein
Ihre Texte fad

Lange Weile
plätscherte

In Bahnen
die schon Milliarden von Menschen vor ihnen
ins Nichts
geleitet hatten

Es war so traurig

Und doch
Diese Trauer ist reiner
Egoismus

Man sollte es ihnen wünschen
Dieses Glück
Das in die Nichtigkeit führt

Denn für sie
bedeutet es
vielleicht
Alles

Ansonsten
bedeutet es
aber

Nichts

Nichts

Nichts


Der 8eckige Papierkorb

Ich
sehe den 8eckigen Papierkorb
auf dem Foto des Dichters

Ich
habe einen runden Papierkorb

Ich
drehe meine Runden

Er
– so hoffe ich –
eckt
an

Habt

8 !


Die Beschaffenheit des Wahnsinns

Der Helle Wahnsinn!
Der Reine Wahnsinn!

Nein danke
kein Bedarf

Ich brauche den
Dunklen Wahnsinn
Den Wahnsinn
der nachts auf Friedhöfen swingt
& die Fuselflaschen auf
Grabsteinen zerschmettert

Ich brauche den
Unreinen Wahnsinn
Den Wahnsinn
der voll von schmutzigen Gedanken
aus dem Sumpf des Lebens
kriecht

Gelächter
in Dunkelheit & Dreck

Versiffte Schatten
die mit mir tanzen
zur Musik eines Komponisten
der in geistiger Umnachtung
endete

Danse Macabre!

Bilder von
abgeschnittenen Ohren

Fantasien
die hinter syphilitischen Stirnen
geboren wurden

Schwarzes Feuer
das ewig brennt

Helligkeit
Reinheit
Ich brauche Euch nicht !

Ich kenne die Gosse
in die der Dichter fiel
schwarz gekleidet

in einer Nacht
die niemals endete