Ich war so blöd
in meinem Traum.
So fantasielos
& realitätsnah.
Ich war unterwegs
in meinem Auto
zu einem
bekannten Ziel.
Dabei standen mir doch
Fliegende Teppiche
zur Verfügung.
Raumschiffe
& Flügel.
Und es gab
so viele
unbekannte Ziele.
Ich war so blöd
in meinem Traum.
So fantasielos
& realitätsnah.
Ich war unterwegs
in meinem Auto
zu einem
bekannten Ziel.
Dabei standen mir doch
Fliegende Teppiche
zur Verfügung.
Raumschiffe
& Flügel.
Und es gab
so viele
unbekannte Ziele.
Ich öffnete den Kühlschrank.
Da lagen sie – die letzten 5 Flaschen
Bier. Im untersten Fach.
Ich nahm sie heraus.
Hielt sie gegen das Licht.
Trübe Aussichten. Einsichten.
Schleier schwammen in den Flaschen.
Ich las das Datum. Abgelaufen vor Monaten.
Ich öffnete eine Flasche nach der anderen.
Kippte alles in den Ausguss.
Biergestank. Der verflog.
Verschwendung, dachte ich. Ach,
was soll’s!
Das Bier war ohnehin nur
für Besuch.
Die letzten 5 Flaschen aus einem Kasten,
der im Keller stand. 5 Flaschen
für den Ausguss. Die anderen
waren ausgetrunken worden.
Immerhin. Auch sie
nicht von mir.
Ihren Hinter
grund
sah er genau
Jeden Quadratmillimeter
er
kannte
er
deutete er
Sie
war sein Vorder
grund
Zwischen ihnen
ein Ab
grund
für Alles
was fallen konnte
Gefallen
war
Gefallen existierte
zwischen ihnen
weiter
hin
Ihren Hinter
grund
sah er genau
versuchte er
zu deuten
Sie war
durchschaubar
»Das Frühstücksei schmeckt immer
gleich.«
»Das ist nicht wahr. Eine Täuschung.
Es liegt nur an dir.«
»Natürlich ist es wahr.«
»Du tust doch Salz auf dein Ei.«
»Ja.«
»Wie wahrscheinlich ist es, dass
auch nur 2 Mal dieselbe Menge
an Salzkörnern auf dem Ei landet?«
»Du spinnst ja.«
»Nein. Es liegt nur an
den Sinnen.«
»Du sprichst vom Salz.
Ich: vom Ei.«
»Das ist mir wahrlich
einerlei.«
Der zweite Sommer war heißer
als der erste.
Im ersten Sommer
sagte die Frau, es sei
ihre Gewohnheit, nichts drunter
zu tragen. Unter
dem Rock
dem Kleid
der Hose.
Und ich hatte keinen Grund
zu zweifeln.
Im zweiten Sommer
trug sie jedes Mal, wenn wir uns sahen,
etwas drunter.
Und ich wunderte mich.
Erklärungen fielen mir einige ein.
Sie gefielen mir alle nicht.
Der zweite Sommer war heißer
als der erste. In
vielerlei Hinsicht.
Dann wurde es kühler.
Wie immer.
Das große Ganze
erkenne ich
in den kleinen Bruchstücken
meines Lebens
manchmal
vielleicht.
Dort
wo sich mein Leben
an Leben & Tod
von Anderen
bricht
wie Licht.
Alles
eine Frage
der Optik.
Und
des Blickwinkels.
Aber vielleicht
ist da auch
gar nichts.
Aus
der Nähe betrachtet.
Und alle Anderen
zu weit weg.
Alles nur
zerbrochen &
eine optische Täuschung.
Eine Nacht
erfüllt von schweigenden Geräuschen
verstummten Stimmen
dem Schlaf von Fremden.
Was von mir übrig geblieben war
wachwandelte durch die Kälte.
Nachthimmellicht fiel
als Blässe in den Nebel über dem Feld.
Der Mond nahm.
Ob ab oder zu war mir gleich
gültig.
Hartgefroren war die Erde.
Der Boden unter meinen Füssen
den ich noch immer nicht verloren hatte
wie so vieles Andere.
Durchschleierte Weite.
Der Geruch von feuchter Luft.
Kein Mensch war. Unter
wegs.
Nur: ich.
Ich hatte vergessen
wo er begraben lag –
der kleine hölzerne Kasten.
Ich hatte keine Karte
für meinen Schatz
& Alles
sah verändert aus.
(Als ob
Einöde & Leere
sich verändern
könnten.)
Ich würde ihn nicht finden.
Nicht wiederfinden. Das
wusste ich.
Wusste es in mir.
Das immer weiß, was ich nicht wahr
haben will.
Ab & zu
schloss ich die Augen
um mich zu erinnern.
Versuchte
zu hören
was ich
begraben hatte.
Doch ich war taub
vom Schweigen
das ich vernahm.
Das Holz war schon faul gewesen
als ich es begrub.
Es musste längst verrottet sein.
Stille. Stille. Stille.
Sie hatte in diesen Kasten gesprochen.
Seinerzeit. Unsererzeit.
Worte
im Schleier ihres warmen feuchten Atems.
Hart
gefroren
war
die Erde.
Ich war zu faul
um weiter
zu suchen.
Fast schon
verrottet.
(Inwendig vorgetragen:)
Zwischen Deinen Grenzen
& meinen
liegt unsere gemeinsame
grenzenlose Freiheit.
Eine Freiheit
die
nichts
mit freiem Willen
zu tun hat.
Dort
möchte ich Dich
treffen.
Komm!
Diese Grenzen
sind nur
unsere Schatten.
Ich glaube, der Typ ist der beliebteste
Fernsehmensch der Deutschen –
zumindest glaube ich, etwas Derartiges irgendwann
gelesen zu haben (man liest ja auch eine Menge
Dreck im Laufe des Lebens).
Ich erinnere mich, wie ich ihn das erste Mal
wahrnahm. Vor Jahrzehnten.
Ich: knapp über 20 & gerade damit beschäftigt, das
Gesamtwerk Arno Schmidts in meinen Schädel zu saugen; d. h.
ich war besonders sensibilisiert gegenüber der
Dumm- & Plattheit um mich herum. (Und natürlich auch
dementsprechend überheblich – in meinem tiefsten Innern; ein
klein wenig zumindest….)
Und da war nun also dieser Mensch. Im Fernsehen. Nur
ein paar Jahre älter als ich. Ich war irgendwo zu Besuch, und
es musste TV geglotzt werden. Eine Unter-
haltungssendung auf einem der 5 Sender, die man damals
hier empfangen konnte. (5 Sender inklusive DDR-Fernsehen I & II –
in Schwarzweiß; da die meisten Geräte hierzulande für
die Farbnorm Secam nicht eingerichtet waren.)
Die Details dieser Sendung sind der mildtätigen Verdrängung
anheim gefallen, aber ich weiß noch, dass alberne Rätsel
gelöst werden mussten, um die Kanditaten in den
Besitz eines Schatzes zu bringen. Der besagte Mensch
bezeichnete sich als „Außenreporter“ & war mit dem Hub-
schrauber unterwegs, um im Auftrag der Kandidaten…..
Ich merke gerade, dass ich mich selber langweile – daher
keine weitere Beschreibung.
Ich saß also vor dem Fernseher – & konnte es nicht fassen.
Mit was für einem Enthusiasmus dieser Mensch unterwegs war!
Wie wichtig er offenbar das nahm, was er da tat!
Als wäre es darum gegangen, die Menschheit vor dem
Untergang zu bewahren. (Vom Abendland ganz zu schweigen.)
Der Typ ist in meinem Alter! ….konnte ich nur immer wieder denken….
Nein, er ist älter als ich!
Warum saß er nicht zu Hause & las Bücher?
Den Begriff des Fremdschämens kannte ich damals noch nicht – das
Gefühl allerdings schon. Seitdem.
Es gab meines Wissens nicht allzuviele Sendungen dieses Formats (so
nennt man doch inzwischen das meist Formatlose, wenn ich nicht irre…) –
allerdings war bereits Eine zu viel.
Und heute?
Ist er omnipräsent. So scheint es zumindest. Und nicht nur auf
einem Sender. Die Masse hält ihn für
gebildet. („Weh mir, daß ich ein Deutscher bin…..“ – Warum mir ausge-
rechnet dieses Zitat wohl gerade einfällt?)
Liebling. Showmaster. Moderator. Sportkommentator. Quotenrenner.
Werbeträger. Und –
Journalist? Politischer Journalist gar? – Zumindest
hat er eine Sendung, wo er in launiger Runde
Politikern flachköpfige Fragen stellt. Den
Volksvertretern. Dabei ist im Grunde
er eine Art Volksvertreter.
In all seiner Mittelmäßigkeit. Halbbildung. Bürgernähe. Und
Baumarktskonformität.
Der beliebeste Fernsehmensch der Deutschen. Wenn das so ist,
dann: verdientermaßen.
Ja, ich erinnere mich. Manchmal ist so ein Gedächtnis auch
eine Last. Und manchmal
denke ich: Es muss schrecklich sein,
Er zu sein. Aber nein. Wenn ich er wäre, wüsste ich nicht,
wie schrecklich es ist, er zu sein.
Das wäre wohltuend.
Wie grausam es wäre
wenn Du perfekt wärst!
Dein Körper perfekt wäre…..
Wie wenig würde mich dann
an Dich erinnern
im Alltag.
Beim Anblick der Anderen.
All dies Unperfekte um mich herum.
Und jeder kleine Makel, der
einer Deiner kleinen Unperfektheiten ähnlich sieht,
erinnert mich an Dich.
Das ist schön.
Wie unschön wäre es,
wenn die Makellosigkeit bearbeiteter Fotokörper
mich an Dich erinnerte –
wie langweilig!
Ich war stehengeblieben
an einem bestimmten Punkt
der Zeit.
Zeit
des Zusammenbruchs
Zeit
der Depression
Zeit
der Einsamkeit.
Stehengeblieben
wie eine zerstörte Uhr
im Augenblick
eines Unfalls.
Eine Zeit danach
kannte ich nicht mehr.
Die Zeiger deuteten immer wieder
auf das Gleiche.
Auf das Verlorene.
Auf Alles
was ihm ähnlich war.
Ihr
ähnlich sah.
Ich blieb stehen
in einem Alter der Vergangenheit.
Einer Jugend
die verflogen war.
(Ein bekanntes
psychologisches Phänomen –
simpel & gewöhnlich.)
Was weiterging
war das Leben.
Nicht ich.
Lebensfern fixiert
fiel mein Blick
auf Frauen jenes Alters,
in dem Sie gewesen war,
als ich stehenblieb.
Zurück
blieb.
In der Lächerlichkeit
fantastischer Sehnsüchte.
Nichts passte zusammen –
& je weiter sich Alles entfernte,
desto kurzsichtiger wurde ich.
Enge machte sich breit.
Das Mögliche versank
im Erträumten, das
niemals sein konnte.
Es blieb: Allein
sein
& Vorüber
gehen
lassen.
Für lange Zeit.
Lange Zeit.
–
Als es an der Haustür klingelte
& ich öffnete,
änderte sich mein Blick.
Nicht sofort.
Die Frau war jünger als ich,
doch älter als die Andere (die älter ist
als ich) gewesen war – als ich
still
stand.
(Und es ist kein Zufall, dass
dieser Satz so verwirrend klingt….
& sie nicht an Zufälle glaubt.)
Nein,
nicht sofort änderte sich alles.
Es wäre gelogen, dies zu behaupten;
so wie ich – aus Höflichkeit log, als sie,
die von meiner Fixierung wusste, fragte, ob es mir
nichts ausmache, dass sie älter sei….. (Und mit den
Fingerkuppen zog sie ihre Augen zu Schlitzen.)
»Wenn es dir nichts ausmacht, dass ich noch älter bin….«
Es dauerte
seine Zeit
meine Zeit
bis die zerstörte Uhr
tick tack
wieder
zu gehen begann
ohne Zaubertrick
zu laufen
ticktack
zu rennen
um die Gegenwart einzuholen.
Zeitverschiebung
Blickverschiebung
Ich
holte mich ein
in der Gegenwart.
Aus dem Erträumten erhob sich
das Mögliche, das
immer sein konnte
& wurde seinerseits
zum Erträumten.
Geahnte Weiten, die
verschlossen gewesen waren,
taten sich auf.
So viele
weitere Frauen,
die mein Blick
übersehen hatte.
Was für eine
Wendung!
Da war Licht.
Und da waren unsere Schatten.
Sie berührten sich,
bevor wir es taten.
Dann
schwand das Licht.
Und da waren nur noch
wir
in unserer
schattengleichen Dunkelheit.
Auch eine Fee
erfüllt bloß Wünsche
& keine Erwartungen.
Und manchmal
nur Wünsche, die nicht ausgesprochen werden.
So war das –
als sie sich hinkniete
vor der Tür meines Gefrierfachs,
um meine Hose zu öffnen.
All
mählich
baut es sich auf
vor meinem inneren Auge
: Das Bild ihrer Kindheit
Eine Collage eigentlich
aus inneren Verletzungen
Splitterbilder
eines zertrümmerten Spiegels
in dem ich Teile von mir sehe
& in den fehlenden Teilen des Bildes
spiegelt sich die Finsternis
in unsichtbaren Schattierungen
Reine Ein
bildung natürlich
Vermutungen meiner
seits
da ich sie damals nicht kannte
& sie heute auf andere Weise
nicht kenne
Mein Blick fällt
auf schein
bares Erwachsen
sein
auf Ver
halten
Verhaltungen
& das Gewölk
das aus ihrem Mund schleiert
hinter der Kälte
front ihres Schweigens
Und nun –
genug der Poesie!
Klartext.
Wir konnten nicht anders.
Wir können nicht anders.
Niemals!
Sie bemerkte mich zuerst, und
ich weiß,
warum.
Sie wollte mich, und
ich weiß,
warum.
Wir wollten uns, und
konnten nicht
anders.
»Ich warne dich«, sagte sie,
»ich bin nicht kompatibel.«
»Ich warne dich«, sagte ich,
»ich werde über alles schreiben.«
»Das kannst du. Damit
komme ich klar.«
»Ok, ich
vielleicht auch.«
Aber nein.
Ich schrieb nicht über
Alles.
Zumindest
veröffentlichte ich nicht
Alles.
Notwehr ist oftmals zu einfach.
Und Erwachsentun
ist die Notwehr des Kindes.
Die Antwort
auf das, was ich zu erkennen glaube,
kann manchmal nur mein Schweigen sein.
Tipp Tipp Tipp Tipp Tipp –
das einzige Geräusch in
Nächten des verstummten Gelächters.
Nächten wie dieser.
3 Monate sind vergangen…..
Monate voller Fantasien &
lächerlicher Selbstbefriedigung.
Erinnerungen.
Telefonate & Textnachrichten.
»Würde es dir etwas ausmachen«, schrieb ich,
»wenn ich nebenher noch etwas anderes laufen hätte?«
»Nein. Würde es nicht. Vermute ich. –
Ich hoffe, du tauscht dich aus mit ihr; das
würde mich beruhigen.«
Und sie nannte sie:
»deine andere Option«.
Als ob es die gäbe!
Nein,
ich kann Dich nicht beruhigen.
Und warum sollten wir uns auch
beruhigen?
Einander beruhigen?
Wo wir sind –
soll Aufregung, Erregung, Ruhelosigkeit sein!
Für manche Menschen
ist Liebe einfach
keine Beruhigung.
Ich kann Dich lesen hören….
Fühlen….
Denken: ‚Schon wieder Interna!’
Ja,
ich hatte Dich gewarnt.
Und muss ein bisschen lächeln
über uns.
Ich sehe Dein Bild.
Vor mir.
Und wenn mein Spiegelbild Dich umarmt,
schlagen unsere Herzen
Dichter
bei
ein
ander
Vielleicht auch
auf
ein
ander
ein
aber immer
mit
ein
ander
im
selben
Takt.
Staubbedeckte Tonbandspulen kreisten
auf einem alten Gerät. Hergestellt von
Toten. Für eine Firma, die längst nicht mehr
existierte.
Magnetisierte Vergangenheit. Schallwellen in Form.
Ein 5jähriger Junge quasselt. Verstorbene sprechen
mit ihm. Es wird gelacht & gesungen. Ein Radio spielt
im Hintergrund. Vergessene Melodien.
Ich saß in einem Raum der Gegenwart. Hörte hinein
in einen Raum der Vergangenheit. Damals
hatten die Spulen sich ebenso gedreht. Kreislauf.
Wenn der Junge sprechen soll,
verstummt er.
»Erzähl mal die Geschichte mit dem Kronleuchter«,
sagt ein Mann.
Schweigen.
»Als ob Fremde da wären«, sagt eine Frau. »Dann
isser genauso.«
Irgendwann fängt ein 15Jähriger an zu singen:
»Stellt den Teller untern Tisch,
Nikolaus bricht sich das Genick –
lustig lustig, trallerallalla,
bald ist Niklas-Abend da….«
Ich saß in einem Raum der Gegenwart. Die längst
vergangen ist. Lauschte
einem Wir, das es nicht mehr gab.
Ich hörte mich lachen.
Wunder der Technik! Das Neueste vom Neuen!
In Mono. Ton für Ton bewahrt. Für die
Zukunft.
Ich erinnere mich, wie
ich damals hörte, was
damals schon lange her gewesen war.
Aber toter sind die Toten heute auch nicht – als damals.
Heute sitze ich in einem Raum der Gegenwart, die
Gegenwart ist. Der Motor ist kaputt.
Das alte Gerät macht seltsame Geräusche.
Alles vermischt sich, verwischt sich – die Schichten
der Zeit.
Die Spulen sind von neuem Staub bedeckt. Ich betrachte sie
wie einen Raum, in dem eine andere Zeit herrscht.
Ich will sie nicht hören.
All diese Science-Fiction-Filme meiner Kindheit…..
Die überholten Vorstellungen der Zukunft.
Wie charmant sie oftmals wirken.
Wie naiv.
Manchmal denke ich.
Denke: auch ich
bin so ein altes Röhrengerät
im Science-Fiction-Film der Vergangenheit,
der in einer Zukunft spielt,
die längst vorbei ist –
vorbei
ohne
vielleicht
jemals
Gegenwart
geworden –
Gegenwart
gewesen
zu
sein.
Von der Zukunft
ganz zu
schweigen.
Ich stelle mich.
Bloß.
Bloß
in nackten Worten.
Rücksichts
los.
Es sind bloß
Worte.
Folgen von
Wörtern.
Doch
wer sie nicht kennt –
mich nur kennt –
aus dem Leben –
aus dem
Jenseits
des Geschriebenen –
kennt mich
nicht.
Wer
bloß sie kennt
kennt mich
ebenso
wenig.
Und überhaupt
kennt mich
Niemand.
Im
Dies-
oder
Jenseits.
Es gibt viele
gute Ab
gründe
Dich
zu lieben.
In Manchen
höre ich
mein Echo
In Anderen
nur Dich
In Einem
schweigen wir
gem
einsam.
Ihr Atem roch nach Hunger
in der letzten Nacht
die wir hatten
Ich schwieg
Mein Schweigen schmeckte
nach ihr
Ein weiterer Kuss
der vielleicht der letzte war
Gesättigt
von heruntergeschluckten Worten
Mein Hunger war
ein anderer
Atem
wurde angehalten
Anders als
die Zeit
Immer
wenn mein Vater zu mir sagte:
»So ist das im Leben.«,
hatte ich das Gefühl,
er sagte es ebensosehr
zu sich selber.
Immer
war es die Begründung
für einen
Verzicht
für die
Unerfüllbarkeit eines Wunsches
für ein
schmerzliches Vermissen
oder die
Notwendigkeit einer Pflichterfüllung.
Die Antwort auf die Frage eines Kindes,
das von Anderem träumte.
Es war eine Begründung
ohne Grund, ohne Erklärung;
ein Schweigegebot, das allen
Diskussionen ein Ende bereiten sollte.
Ich hasse es noch heute,
wenn jemand diesen Satz sagt.
Hasste es aber ganz besonders,
wenn ER ihn sagte.
Dass es dunkel wird,
wenn das Licht ausgeht –
ist so im Leben.
Dass kein Feuer ewig brennt –
ist so im Leben.
Aber
was mein Vater mich glauben machen wollte,
war niemals zwangsläufig so im Leben.
Was er da sagte, war
nichts als eine Phrase –
eine bequeme Lüge.
Etwas,
das er selber gerne geglaubt hätte.
Das Kind, das ich war, meinte,
eine gewisse Traurigkeit & Resignation
im Tonfall der väterlichen Stimme zu erkennen.
Weil es den Mann, der mein Vater war,
für zu klug hielt, um zu glauben,
was er da sagte.
Und später dachte ich oft, dass
sein ungeheurer Jähzorn
in erster Linie
vielleicht genau daher kam.
Verzicht
Unerfüllte Wünsche
Vermissen
& alberne Pflichterfüllung
Er hatte diese Familie am Hals
– & im Kopf wohl oft
anderes.
Erinnerungen an das Kind,
das er gewesen war –
& das von Anderem geträumt hatte.
Ich wollte es
anders machen
in meinem Leben.
Ich habe es anders gemacht.
Doch gebracht – hat’s nicht viel.
Auch ich
habe diesen Jähzorn.
Seinen Jähzorn.
Vielleicht.
Tja,
so ist das …..
Jemand stellte mir eine Frage.
»Muss es denn immer so düster sein
in deinen Texten? Überall
Tod & Einsamkeit & Verlust.«
Ich blieb stumm.
Ließ den Fragenden
allein.
Auf einem Teppich
aus schwarzem Schimmel
stieg ich die Kellertreppe hinab.
Mein schattenfarbener Mantel
fegte das Ungeziefer von den Stufen;
in seinen Taschen spielten meine dürren Finger
mit den verlorenen Zähnen der Geliebten.
Was ich dort unten in Gläsern sammelte,
war in Schweigen gehüllt & roch
grauenvoll.
Am Ende des Flures, der nahezu
lichtlos war, lachte
ein Wahnsinniger
in einem Spiegel.
Ich
verstand die Frage nicht.
Blau ist die Nacht
im Stummfilm
Schweigen
aus bewegten Mündern
Gesten
Gesichter
& eine Geschichte
von Musik untermalt
Hin & wieder
geschriebene Worte
Blau ist
so manche Nacht
in der
Wir
uns
treffen
Man sah ihm nichts Außergewöhnliches an –
dem Gang der jungen Frau, die nachts
die Hotelhalle betrat.
Kurzer Rock, flache Schuhe, schöne Beine.
»Darf ich hier auf meinen Zug warten?«, sagte sie.
»Im Bahnhof laufen so komische Typen rum.«
Als wäre ich kein komischer Typ….
»Gern«, sagte ich. Und das sage ich
durchaus nicht immer. Meist
will ich meine Ruhe haben. Bei der Nachtschicht.
Allein. Am Empfang. Aber
gegen einen netten Anblick habe ich nichts
in manchen Nächten.
»Danke.« Sie setzte sich & fing an
auf ihr Handy zu starren.
Ab & zu ein Signalton, den ich kannte.
Wenn man schon sonst nichts gemeinsam hat, so
doch wenigstens den ein- oder anderen Signalton.
Ich starrte auf den Monitor. Mit der Arbeit
hatte das nichts zu tun. Das ist das Angenehme
an dem Job – man hat Aufgaben zu erledigen, und
nur das Ergebnis zählt; wie man ans Ziel gelangt
& was man zwischendurch so treibt, bekommt
niemand mit.
Irgendwann kamen wir
ins Gespräch. Über
die Distanz hinweg.
Nichts Wichtiges. Das Übliche. Sprechen, um zu sprechen.
Sie stellte Fragen, die mir schon unzählige Male
gestellt worden waren; zuletzt 2 Nächte zuvor –
von einem holländischen Transvestiten, der
sich verlaufen hatte…..
Ist das nicht langweilig, so ganz allein hier?
Und was machen Sie die ganze Zeit?
Passiert hier auch mal was des Nachts?
Und so weiter. Und so weiter.
Ich lieferte die gewohnten Antworten.
Und irgendwann kam dieser Moment –
da stand sie auf &
winkelte das rechte Bein leicht an; balancierte
auf dem linken.
»So bin 1,68«, sagte sie.
Dann wechselte sie aufs rechte Bein, das linke
leicht angewinkelt.
»Und so 1,70.«
Schließlich streckte sie das linke & ließ es sodann locker
vorwärts & rückwärts
über den Boden schwingen.
Sie grinste. »Cool, was?«
Nein,
ich langweile mich nicht.
Ich sammle Momente.
Momente wie diesen.
Ja, es passiert etwas. Des Nachts.
Manchmal sogar etwas
Besonderes.
Und ja – sie hatte wirklich schöne Beine.
In dieser Fernsehserie, die
aus dem Schwarzweißgerät meiner Kindheit kam
& die ich niemals versäumte,
gab es einen Jungen mit einem Bumerang.
Immer wenn er ihn warf,
hielt
für die Dauer des Fluges
Alles
um ihn herum
an –
Bewegungen gefroren,
Menschen standen erstarrt (& wussten nichts davon),
die Zeit gerann, und
die Umgebung wurde zum
leblosen Bild.
Nur der Junge & sein Bumerang
bewegten sich
in diesem allgemeinen Stillstand.
Bis der Bumerang seine Kreisbahn beendet hatte
& der Junge ihn wieder auffing.
Für mich
waren die Abenteuer, um die es eigentlich ging,
nebensächlich.
Ich holte einen hölzernen Kleiderbügel aus dem Schrank,
drehte den Haken heraus –
& warf den Bügel quer durch mein Zimmer.
Nichts bewegte sich in diesem Zimmer; nur
ich & der Kleiderbügel.
Der Flug des Bumerangs war mir immer
zu kurz gewesen.
Der Flug des Kleiderbügels war noch kürzer.
Er krachte gegen die Wand &
fiel aufs Bett.
»Was machst du da?« rief die Mutter.
»Nichts«, rief ich.
Was sie mir nicht glaubte.
Und ich glaubte nicht,
dass sie erstarrt in der Küche gestanden hatte,
während der Kleiderbügel durch mein Zimmer geflogen war.
Aber ich hätte es gerne geglaubt.
Hätte gerne
Alles
angehalten.
Immer wieder.
Die Menschen.
Die Bewegung.
Und die Zeit.
»Ich kann keine Straßenschilder mehr richtig erkennen«,
sagte mein Bruder. Damals, nachdem er
aus dem Knast gekommen war.
Er führte das zurück
auf die Enge der Zelle; auf das lange
Vorsichhinstarren – den Blick auf die Wände gerichtet.
Wände mit Bildern fremder Frauen. Frauen, die
nackt waren. In der Einsamkeit. Eingeschlossenheit.
Er besorgte sich eine Brille. Um die Schilder
wieder lesen zu können. Die Schilder mit den Regeln.
Meine Kurzsichtigkeit hat andere Gründe.
Und ich war ja auch weniger lange eingesperrt gewesen.
Damals – in der Klapsmühle.
Gebrochenes Herz, gebrochener Kopf, gebrochener Blick.
Auch ich besorgte mir eine Brille. Um die Ferne
wieder erkennen zu können. Die Ferne, in die ich
niemals wollte. In der Wirklichkeit. (Und
scheiß auf die Regeln, die dort herrschen!)
Nein, sie ist nicht zwangsläufig angeboren – die Kurzsichtigkeit.
Früher hatte ich das immer geglaubt. Man glaubt eben schnell –
bevor man eigene Erfahrungen macht. (Und dass diese Erfahrung
mich & meinen Bruder nichts Falsches gelehrt hatte, bestätigten mir
die medizinischen Fachbücher.)
Oftmals nehme ich sie ab – die Brille.
Ich brauche sie nicht, um zu lesen. Oder zu schreiben. Sie stört
beim Küssen. Sie stört beim Sex (zumindest beim Sex mit Anderen).
Und was weit weg ist, gefällt mir
verschwommen
oft besser.
Ich sperre mich selber ein.
Mein Haus ist ein Gefängnis & eine Klapsmühle
zugleich.
Glaubte ich an den Freien Willen, würde ich sagen:
ich sperre mich freiwillig ein.
Aber so naiv bin ich nicht. War ich nie.
Ich mag das lange Vormichhinstarren. Den Blick
auf die Wände gerichtet. Wände mit Bildern.
Fotos von Fremden. Da ich Familienfotos hasse. Nacktfotos
der Geliebten (ein Plural, der zum Singular wurde….)
Manche der Fotos selber geschossen, manche
geschossen von Geliebten der Geliebten – die man
niemals kennenlernen wird….. Die Frau
meines Bruders….. (Oh, diese
Mehrdeutigkeiten!) Gebrochenes
Herz, gebrochener Kopf, gebrochener Blick.
Und noch mehr sehe ich
in den Zwischenräumen.
Wo man ohne Brille schärfer sieht. Mehr er
kennt.
Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich
in meinen Träumen eine Brille trage. Wahr
scheinlich. Doch sie spielt keine Rolle. Dort.
Es dauerte nicht lange –
bis mein Bruder keine Brille mehr brauchte.
Die zurückgenommene Anpassung war eine neue Anpassung.
Ich hatte immer meine Schwierigkeiten
mit der Anpassung.
Meine Brille ist alt. Zu alt. Sie stammt aus einer Zeit
als ich Alles anders sah. Doch nur
die Oberflächen sah ich anders. Damals.
Die Unschärfe ist mein Zeitmesser.
Auf lange Sicht bräuchte ich
eine neue Brille.
Aber nein.
Nichts, was wirklich wichtig ist, sähe damit
anders
aus.
Kreuz- & Querverweise:
Die Klapsmühle
Das Fingerschnippen
Rosinen im Kopf
Das Chaos spritzt Wassertropfen
Ich
wiederhole
mich
wie ein Ritual
wie ein Leitmotiv
in meinem Leben.
Die Themen wiederholen sich
in meinem Leben
wiederholen sich
in meinem Geschreibsel –
was beinahe Dasselbe ist.
Und ich langweile mich
nicht
einmal dabei.
Ich
wiederhole
mich
wie ein Ritual
wie ein Leitmotiv
in meinem Leben.
Leben
Liebe
Tod
der Abwasch & das Zwiebelschneiden.
Mag es
Andere langweilen.
Ich wiederhole mich.
Ich wiederhole mich gern.
Es bleibt
mir auch
nichts Anderes übrig.
Es ist
mein Halt.
Ein Halt ohne Einhalt.
Das Bekannte im Unbekannten.
Das Alte im Neuen
das erschrecken könnte.
Leben –
ich wiederhole mich.
Wiederhole mich
bis in den
Tod.
Tod
der mich holt
& sich auch nur
wiederholt.
Wenn Du mich besuchst
komm nicht
allein.
Bringe
Uns
mit.
Denn
ich vermisse
neben Dir
das Ich
das nur im
Wir
existiert.
Sie wollten sich treffen
an einem neutralen Ort
Doch kein Ort
hätte neutral bleiben können
angesichts
ihres Treffens
Und so trafen sie sich
im Nirgendwo
Eigentlich
wollte ich es nicht wissen.
Wie lange war es jetzt her?
Das letzte Treffen…..
Aber
ich bin gierig –
in mancherlei Hinsicht.
Das ist mein Naturell.
Und vor allem bin ich
neugierig.
Es war so einfach.
Ich wusste, was ich in jener Nacht
geschrieben hatte. Nachdem sie
eingeschlafen war.
Nebenan.
Ich brauchte nur
den Text zu suchen…..
Das Datum erschreckte mich.
9. Oktober!
Jetzt hatten wir den
21. Dezember.
So lange
war es mir gar nicht vorgekommen.
Und es erschreckte mich,
dass es mir gar nicht so lange vorgekommen war.
Oftmals hatte ich an diese Nacht gedacht
in der Zwischenzeit. Die wie eine
Zwischenwelt war, in der wir nicht
gemeinsam existierten.
Nach dem Schreiben
hatte ich mich wieder zu ihr gelegt.
Nach dem Erwachen
las sie das Geschriebene.
Sie lächelte.
»Du hättest nicht
ins Waschbecken pinkeln müssen.
Ich wäre ohnehin nicht
aufgewacht.«
Eigentlich
war mir das klar gewesen.
Ihr Schlaf war
beneidenswert.
Meiner war eher
wie ein Gemälde
von Goya.
Egal.
Das mit dem Waschbecken
machte sich ganz gut in dem Text.
Fand ich. Und das war
die Hauptsache.
In der Zwischenzeit
wichste ich in dieses Waschbecken.
Das macht sich weniger gut
in diesem Text.
(Oder sollte ich sagen: Das
kommt weniger gut?
Auch egal.)
9. Oktober!
So lange also
hatte ich
das Bett nicht frisch bezogen!
Was bin ich doch für eine Sau.
Man konnte es nicht riechen.
Ich jedenfalls nicht.
Und sonst war ja niemand da.
Aber sie
konnte ich auch nicht mehr riechen.
Alles verflogen…..
Hie & da
noch ein Haar.
Herausgerissen
in der Hitze des Gefechts.
Verloren
im Schlaf.
Blonde Saiten.
Ja – eine Sau.
Schlimmer – eine romantische Sau!
Der Fusel verzog sein Gesicht.
Soll heißen: Der Mann verzog sein Gesicht, als
er den Fusel in sich hineinschüttete.
(Immer diese Mehrdeutigkeit
der Sprache! Immer diese Mißverständnisse.)
Eigentlich hätte ich
dieser Mann sein sollen.
Billigen Liebeskummer ersäuft man am besten
mit billigem Schnaps.
Grüner Tee ist da eher nutzlos
& uncool – aber
wäre ich dieser Mann gewesen,
hätte ich keinen Liebeskummer gehabt; dann
wäre der Grüne Tee angemessen gewesen, aber
ich hätte ihn nicht getrunken….
Ach, was weiß denn ich. Es ist kompliziert.
Ich war schon bei der zweiten Kanne; draußen
war es längst dunkel, und jedes Möbelstück in meinem Haus
sah aus, als sei es von IHR berührt worden. Wie ich.
Die leise Rieselmusik aus dem Radio barg die Gefahr in sich,
dass jederzeit das falsche Lied gespielt werden konnte; in
Phasen wie diesen ist es daher gut, wenn Unser Lied
niemals ein Hit war. Das erhöht die Chancen
davonzukommen.
Die Konversation stockte.
Ich hatte ohnehin schon genug gesagt. Eigentlich
habe ich immer das Gefühl, genug gesagt zu haben –
selbst wenn ich schweige. Und da ich
mir ständig widerspreche, sagte ich nun wieder etwas:
»Verdammt, ich möchte auch mal Glück haben. Und
ich meine nicht: im Spiel. Ich hasse Spiele!«
»Du redest wie ein Besoffener«, sagte er.
»Das ist das Gute«, sagte ich, »nach Jahrzehnten
der Sauferei braucht man keinen Alkohol mehr, um
zu denken, zu fühlen & zu reden wie ein Besoffener.
Man hat alle Zustände in sich gespeichert.«
»Na, Herzlichen Glückwunsch.«
»Danke.« Ich stellte die Tasse ab
als sei sie ein leeres Whiskyglas. Das erschien mir
lächerlich. Und daher
passend.
In dem Spiegel, der neben dem Bücherregal hing,
konnte ich nur mich sehen. Ich war allein
in seinem Bild. Und natürlich
kam mir der Gedanke:
Dieses Spiegelbild entspricht der Wahrheit mehr
als die Wirklichkeit.
Alles
eine Sache des
Blickwinkels.
Die Stimme des Mannes, der
ich hätte sein sollen, klang
unsicher.
»Und überhaupt«, sagte er, »das ist doch
alles Quatsch – Glück, Pech, Liebe, Spiel.…
Dieses alberne Sprichwort. Glück & Pech kann man
zur Not ja noch auseinanderhalten, aber Liebe
& Spiel?«
»Du meinst Liebesspiel?«
»Ich meine gar nichts.«
»Jetzt redest du wie ein Besoffener.«
»Das ist korrekt«, sagte er. Und stellte das Whiskyglas ab
wie ein Whiskyglas. Daraufhin
fing er zu singen an – über das Radiogeriesel hinweg:
»Die Liiieebe ist ein sääältsames Spiieel….«
»Aufhören!«
Er sang noch: »Sie kommt…« Dann verstummte er.
»Oh verdammt«, sagte ich, »hau mir bloß ab mit Connie Francis.
Dies ist nicht der Augenblick für Schlager.«
Er grinste.
Eigentlich fand ich
es auch ganz amüsant. Und in meiner Kindheit
hatte ich dieses Lied durchaus gemocht.
Wahrscheinlich war es für manche Paare
Unser Lied gewesen. Arme Schweine. Auch sie.
»Wart’s ab«, sagte er – plötzlich ganz ernst, »sie
wird zurückkommen.«
»Na sicher.«
»Ja, Mann. Echt, Mann. Denk nur an all die Zufälle, die
keine waren. Ihr gehört zusammen…. selbst wenn ihr
nicht zusammen passt…. Da beisst kein Faden…. also, die Maus….
Ach, du weißt schon, was ich meine.«
»Na sicher.«
»Wahrscheinlich…. wahrscheinlich hat das Ganze sie
unbewusst ein bisschen erschreckt…. & deshalb isse auf
Distanz gegangen…. Wart’s nur ab.«
»Westentaschenpsychologie«, sagte ich, »sehr gut.«
»Na immerhin«, sagte er, »besser als nix. Besser als
Selbstmitleid. Besser als irgendwelche Scheißgedichte, die
alles nur schlimmer machen.«
»Du hast zuviel getrunken«, sagte ich.
»Du auch. Immer schon.«
Grün ist ihre Lieblingsfarbe – fiel mir ein.
Ich schaute in den Spiegel. Ohne mich anzusehen.
Wie oft war Sie an ihm vorübergegangen…..
Lachend. Nackt. Selbstbewusst.
Vielleicht hatte sie ihn berührt. Wie mich.
Ihr Bild hätte darin
gefangen sein sollen. Doch da war
nichts.
Womöglich hatte er recht.
Nicht der Spiegel.
(Immer diese Mehrdeutigkeit der Sprache! Immer
diese Mißverständnisse.)
Nein, nicht der Spiegel –
der Mann, der im Spiegel
nicht zu sehen war.
So wie Sie.
Etwas klopfte
irgendwo
gedämpft
& man wusste nicht:
leise in der Nähe
oder
laut in der Ferne
laut im Innern
oder
leise im Freien
Es klopfte
im Rhythmus des Lebens
im Rhythmus des Vergehens
im Rhythmus des Sterbens
Man hätte es auch
Schlagen nennen können
Es klang
wie Dein Herz
die Blutpumpe
im begehrten Körper
& es erinnerte mich
an meine Kreuzigung
Ich wollte zurückkehren
in die Geliebte
Ich kehrte zurück
in die Einsamkeit
Auch sie –
eine Geliebte
Eine Art
Geliebte
Nur diese
war eifersüchtig
& somit
die einzig wahre
immerdar
immer da
Etwas
zerschnitt die Luft
krach
end
Es schlug
in ein Gesicht
das anfing
zu bluten
Ein Pfeil
fiel kraftlos zu Boden
Ein Ziel
wurde nicht getroffen
Sehnen
Spannung
Riss
Verfehlung
Verletzung
Etwas
zerbrach
Krach
End
Ich gehe
nach
wie eine Uhr
die auf
zu
ziehen
Jemand
Vergessen
hat
Der Zeit
gehe ich nach
Hinterher
gehe ich
ihr
wie einer Geliebten
die flieht
vor
mir
Sie geht
weiter
ist immer
weiter
als ich
Ich bin
ihr
gleich
gültig
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