Schlagwort-Archive: Erotik

Der tote Winkel

Ich bin
hinter Dir
immer
& Du
kannst mich nicht sehen
denn ich bin
in Deinem Toten Winkel

Wenn Du
die Spur wechselst
könnten wir
zusammenstoßen

&
gemeinsam
sterben.

Aber nur
wenn ich Dich
im selben Augenblick
überholen wollte.

Aber
das
will
ich
nicht.

Ich lebe
in meinem
Toten Winkel

Wenn Du mich
dort
besuchst

bring
Dein Leben mit!

Dort können wir
zusammen

……


Ich weiß es einfach nicht

Meinetwegen
so dachte ich
trug sie
kein Höschen
unter ihrem Rock
als sie mich
zum ersten Mal besuchte.

Dieser Gedanke
gefiel mir

sehr.

Dann
wurde mir klar
dass sie
beinahe
niemals
ein Höschen trug.

Auch dieser Gedanke
gefiel mir

sehr.

Egal
wie lange ich
darüber nachdenke –

ich weiß
nicht

welcher Gedanke
&
welches Gefühl

mir
mehr
gefällt.


Ohne Worte

Ich
lecke
Dir
das Schweigen
von der Zunge
ohne
auch nur
ein Wort
zu verlieren.


Dein Arsch auf meiner Brille

Es ist
als hättest Du
Dich
mit
Deinem Arsch
den ich
liebe
auf
meine Brille
gesetzt

& plötzlich
sieht
Alles
anders
aus

Mein Blick
ver-
&
ge-
bogen

ins
Richtige

In
Deine
Richtung.

Ge-
borgen.

Lass
es
laufen

während Du
auf meiner Brille
sitzt

Ich
höre
Dir
zu.

Das Leben
fließt.


Brennende Eiswürfel

Die Eiswürfel in meinem Drink
standen in Flammen, als
die Frau auf meinem Sofa
fragte: »Und wo ist das Zimmer
für den Schnellen Sex, das Zimmer
mit den Schaufensterpuppen, über das
Du geschrieben hast?«
Musik flackerte in der Luft.
In der Luft, die Lust war.
»Ich zeig’s dir«, sagte ich. »Es ist
gleich gegenüber dem Zimmer, in dem
ich schreibe.«
Wir gingen durch den düsteren Flur;
sie ging vor …. ich
ging
hinter
ihr
her ….
ging nach
wie eine alte Uhr, kurz bevor sie
aufgezogen werden muss.
Die Puppen warteten im Dunkeln;
die Matratze lag
am Boden –
die Frau betrat den Raum,
ich machte buntes Licht ….
»Schön«, sagte sie.
Ich stand hinter ihr,
las die Gedanken
in ihrem Hinterkopf,
hockte mich hin,
schob ihren Rock hoch,
unter dem nur
sie
war …. &
sie lachte leise, als ich
in ihren Arsch biss ….
»Wir können gerne hier bleiben«, sagte sie.
»Nein«, sagte ich, »können wir
nicht.
Wir müssen in das Zimmer, in dem
nichts
Schnell
geht.
Wir müssen in das Zimmer, in dem
ich
träume


Die seitenverkehrte Erinnerung

Auf dem Weg zum Kühlschrank
passierte die Frau das bisschen Tageslicht,
das durch die verglaste Haustür in den Flur drang.
Da erst sah ich
wie gerötet ihre linke Arschbacke war.
Ich machte sie darauf aufmerksam.
Sie lachte.
»Kein Wunder – wenn Du
mich schlägst.«
»Aber«, sagte ich, »die linke scheint
empfindlicher zu sein als
die rechte. Außerdem sind
die Zahnabdrücke verschwunden.«
Die Frau blieb vor einem meiner
zahlreichen Wandspiegel
rücklings stehen &
schaute über ihre Schulter hinweg,
zehenspitzte & reckte sich, bis sie
ihren Arsch sehen konnte …..
Sie lächelte.
Geschlagene
Stunden lang hätte ich sie in dieser
Po-
sition
beobachten mögen, doch
gerade die
Flüchtigkeit des Augenblicks
brannte sich so eindrücklich
in mein Inneres
wie die Dauer es nicht gekonnt hätte –
rot
rot
rot ……
& heiß.
Und manchmal,
wenn sie nicht da ist,
schaue ich
im Vorübergehen
in diesen Spiegel – &
sehe
das Bild, das sie sah ……
Die seitenverkehrte Erinnerung
an die
Wirklichkeit.


Nur eine weitere Aufnahme von Momenten

Ein roter Lampenschirm,
erleuchtet in einem düsteren Kellerzimmer.
Zigarettenrauch, der durch die Luft schleiert.
Kondensperlen auf einer halbleeren Bierflasche.
Ich sitze auf dem einzigen Sessel, nackt;
sie sitzt, nackt, auf dem Teppich, zwischen
meinen Beinen, angelehnt, ihren Rücken
mir zugewandt.
Wir reden über:
Krankheit
Sterben
Tod.
Meine Füße ruhen auf ihren Beinen,
ihre Hände auf meinen Füßen,
meine Hände – bald auf ihren Schultern,
bald, wenn ich mich vorbeuge, auf ihren Brüsten.
Regengeprassel. Entfernter Donner.
Im für uns unsichtbaren Tageslicht steht
ihr Auto. Auf meinem Parkplatz. Das
Seitenfenster einen Spalt breit geöffnet.
Als sie ankam, schien noch die Sonne.
Jetzt befürchtet sie, es könnte hinein regnen.
Ich sage, der Regen könnte eine andere Richtung haben.
Wir reden über:
Krankeit
Sterben
Tod
Leben.
Die Musik, die im Schlafzimmer läuft, dringt nicht
bis hierher.
Plötzlich ein Geräusch aus einer dunklen Ecke –
als würde dort jemand pissen.
»Was ist das?« sagt sie.
»Das Regenwasser, das aus dem Schornstein
in eine Vase abläuft.«
»So viel? – Ich werde einen nassen Arsch
im Auto kriegen.«
»Vielleicht«, sage ich.
»Jetzt isses eh zu spät«, sagt sie.
Sie zündet sich noch eine Zigarette an;
ein Feuerzeug mit integrierter Uhr.
Die Uhr ist
stehen geblieben.


Katzenkratzer auf Frauenbeinen

Ich liebe es, wenn meine
Lieblingstiere
ihre Spuren
auf meinen
Lieblingsgliedern
hinter-
lassen

Rote
feine
Striemen
auf glatter Haut

Muster unter
kurzen Röcken
langen Röcken
kurzen Kleidern
langen Kleidern
kurzen Hosen
langen Hosen

Das Spiel der Katzen
Die Leidenschaft der Katzen

ungeschliffene Berührungen

schnurrend
fauchend

Zarte Verletzungen
der Schönheit

Ich liebe es, wenn meine
Lieblingsglieder
von meinen Lieblingstieren
verletzt werden.


Meine Trägheit

»Normalerweise
liebe ich meine Trägheit.

Genieße sie.

Ein Gesetz.
Mein Trägheitsgesetz.

Müßiggang
was für ein schönes
widersprüchliches Wort!

Doch dann:

Du kletters-
test
aus dem Bett
(so schön)
um Dir ein Bier zu holen
aus meinem Kühlschrank

Nackt

& ich
träge Sau
blieb liegen!

Ich hätte Dir
hinterhergehen
müssen.

Um Dich
zu beobachten
zu betrachten.

Deinen Anblick
& jede Schwingung
zu genießen.

Im Licht der Lampen.

Im Gegenlicht des
Kühlschranks.

Nun sehe ich dieses Bild
nur in meiner Phantasie.

Aber was ist schon
meine Phantasie!

Ja, manchmal
hasse ich meine Trägheit!«

– – –

»Aber«, sagte sie, »im Keller
war ich doch auch allein …. & nackt.
Und habe auf deinem Sessel gesessen,
entspannt.«

Es stimmte. Sie war
zum Rauchen in den Keller gegangen,
in den Raum mit den
vom Zigarrenrauch gebräunten Tapeten.

Und auch das stellte ich mir vor.
Sie
nackt &
allein
in diesem Raum
auf meinem Sessel.

Und die Spinnen unter dem Heizkörper
beobachteten sie.

Während ich
träge
im Bett lag.


Die aufmerksame Leserin

Es war offensichtlich:
Sie war eine
aufmerksame Leserin
meiner Texte.

Denn als sie
an meiner Tür klingelte,
trug sie einen dünnen Rock, der
oberhalb der Kniee endete.

Sie zog ihre Schuhe aus.

Sie schnupperte an meinem
Cocktail.

Ich fragte sie, was sie
trinken wolle.

Sie sagte:
»Ein Bier.«

Ich hielt ihr
(Test) die Flasche &
ein Glas hin.

Sie nahm
nur
die Flasche;

öffnete sie
mit einem Feuerzeug.

Sie kannte meine Unsicherheiten &
setzte sich rittlings auf
meinen Schoß.

Und unter dem dünnen Rock
trug sie
nichts als ihre
feuchtfröhliche Sehnsucht, die

auf meine Hose tropfte.

Bild2


Die langen blonden Haare

Die Einsamkeit war lang gewesen
So lang
So viel länger als
die blonden Haare, die plötzlich überall
in meinem Haus zu finden waren

ohne dass ich sie suchen musste

Die Einsamkeit war lang gewesen
Zu lang
& ich bekam
einen Krampf im rechten Fuß:
im 2. Zeh von rechts –

als gewisse Punkte meines Körpers
ungewohnt berührt wurden

Ich sprang nackt aus dem Bett
um den Krampf zu lösen

Es war zum Lachen
Also lachten wir

Vieles
löste sich

Ich schmeckte mein Bier
auf fremder Zunge

& die langen blonden Haare
fielen überall
auf meine ramponierte Haut

bevor
der Besuch zu Ende war.

Und irgendwann werde ich anfangen
die langen blonden Haare
zu suchen.

Sie
zu suchen
um sie zu betrachten &
SIE
zu riechen.


Der Hochsprung der Frauen

Sport
interessiert mich nicht.

Eigentlich.

Doch
ich sehe gerne den
Hochsprung der Frauen.

Sie alle haben diese
besonders langen Beine &
tragen diese
knappen Höschen ……

Sie konzentrieren sich
Sie nehmen Anlauf
Sie heben ab
Sie springen rücklings
über die Latte &
landen auf der Matte ……

Manchmal streifen sie die Latte
mit ihrem Popo &
sie fällt mit ihnen …..

Auch mag ich es, wie die Frauen
nach dem Sprung
manchmal
kurz liegenbleiben

& wie sie dann
wieder
aufstehen.


Der Arsch der Phantasie

Die Phantasie nahm Platz
neben mir
auf meinem alten Sofa

Lächelte &
duftete

Dann musste sie
pissen

Ich verstellte
ihr
den Weg
zum Klo

Drehte sie
mit dem Rücken
zu mir

Hob
ihr Kleid
an

Sie trug
keine
Unterwäsche

Denn sie war ja
Die
Phantasie

Ich biss ihr
in den
Arsch

Er war
Fest & Weich
zugleich

Ein Fest
für
die Phanta-
sie


Das hellgrüne Minikleid

Ein hellgrünes Minikleid kam
aus dem Aufzug

Eine junge Frau
lebte
darin

Mit nackten Schenkeln
die
in High-Heels
endeten

Sie verließ das Hotel

Blieb stehen
draußen vor der
Fensterfront

Früher Morgen
Dämmerung
Der Hintergrund schraffiert vom Regen
Lautes Geprassel

Sie hockte sich hin
unter dem Vordach
Der Saum rutschte höher

& sie wühlte
in ihrer Handtasche

Waden
Knie
Oberschenkel

so nackt
so nackt

& in
einem so schönen
Winkel !

Sie fand
was sie suchte

& bestrich
ihre Lippen
damit

Dann erhob sie sich
wieder

& sie schaute durch das Fenster
herein

zu
mir

Der nur seinen Job tat

Und sie
öffnete
meinen Blick

den ich ihr
zurück
warf

So dass sie wusste
was wir

miteinander

hätten
tun können

Sie las ihn
& lächelte

Dann
fuhr ein Auto vor

Sie ging zu ihm
& wurde nass

So nass

Sie
stieg ein

So schön
wie nur Frauen einsteigen können

& ich dachte
mal wieder
an

Baudelaire


Durchsichtig

Sie trug einen Rock, der mir
eigentlich
zu lang gewesen wäre.
Aber
zum Ausgleich
war er
dünn.
So dünn.
Er war durchsichtig.
So durchsichtig
wie meine
Motive.
Man sah,
wenn das Licht
günstig
stand,
ihre Beine.
Ihren Slip.
Ich war wütend.
Warum hatte sie ihn angezogen
jetzt
unmittelbar
bevor sie
zu
ihm
zurück
fuhr?
Warum nicht
früher?
»Toll«, sagte ich, »was
Anderes
hattest Du wohl nicht?«
Ihr kleiner Sohn
antwortete schneller als sie:
»Aber sie hat doch
einen Schlüpfer an.«
Humorlos
sagte ich:
»Das wäre ja auch noch schöner!
Ohne!«
Heute muss ich
darüber
lächeln.
Der Kleine
verstand
so
viel.
Und ich
hatte
so einen kleinen
Verstand.


Das schmutzige Fenster

Das Fenster war so sauber
& langweilig

Bis Du Dich
nackt
darin spiegeltest

Dann wurde es
schmutzig

& aufregend


Das Zungenbändchen

Was gab es in jenem Moment
Besseres
zu hören als
das Rauschen des Blutes
in meinen Ohren

Was
Besseres
zu fühlen als
den weichen Druck ihrer Oberschenkel
auf meinen Ohren
meinen Wangen

Was gab es
Besseres
zu sehen als
ihre geschlossenen Augen
ihren geöffneten Mund
& wie sie sich
auf den Knöchel des gekrümmten
Zeigefingers
biss

Was gab es
Besseres
zu riechen als
sie

Dann
nachdem sie die Schenkel wieder
geöffnet hatte
wollte sie meinen Kopf von sich
wegzudrücken
Aber ich ließ es nicht zu

Ich machte weiter

Es ging ein bisschen schneller
beim zweiten Mal

Blut
Druck
Augen
Mund
Duft

Wieder wollte sie mich wegdrücken
Wieder ließ ich es nicht zu

Schließlich
begannen meine Kiefergelenke
leicht zu schmerzen

Blut
Druck
Augen
Mund
Geruch

Sie ließ mich weitermachen

Beim vierten Mal
dauerte es wieder etwas länger

Beim fünften Mal
noch länger

Dann war es
als wollte sie mir den Schädel
zerdrücken
& mir die Zähne einschlagen
mit ihrer Fotze

Ich wollte
weitermachen
weitermachen
weitermachen

Wie in einem zeitlosen Rausch

Aber sie sagte:
»Nicht.
Ich kann nicht mehr.«

Meine Finger waren aufgeweicht

»Das trifft sich gut«, flüsterte ich,
»ich kann nämlich auch nicht mehr.
Aua, mein Kiefer.«

Sie grinste

Ich rutsche hoch
Neben sie
Gab ihr einen Kuss, obwohl
sie es nicht mochte
sich zu schmecken

»Du bist verrückt«, sagte sie.
Sie zog die Decke über uns
Wir rückten etwas weiter auf die
andere Seite
weil das Laken so nass & kalt war

»Aua, meine Pfunge«, sagte ich.

Sie kicherte

Tatsächlich
fühlte sich das Zungenbändchen
am nächsten Tag
seltsam stumpf & dick & gereizt an

Ab & zu fragte sie:
»Was macht das Bändchen?«

»Es hält«, sagte ich.
»Es hält.«

Wir grinsten

Was gab es
Besseres
in jenem Moment


Altes Taxi, junge Kniee

Es ist
immer wieder
nur
1 einzelner Moment
der einem
das Leben
& die Erinnerung daran
wertvoll
erscheinen lässt

Wir saßen
auf einer kleinen Mauer
in einer Allee
in London

In der Abenddämmerung

Sie trug
schwarze Shorts

Ein Taxi
fuhr vorbei

Ein
schwarzes
altmodisches
Taxi

»Das ist schön«,
sagte sie.

»Ja«, sagte ich,
nachdem ich
auf das
alte
Taxi
&

auf
ihre
jungen
Kniee

geblickt hatte.


Kochshow

»Ich kann nicht kochen …«, sagte sie.
»Also, mir hat’s bisher immer geschmeckt«,
sagte ich.
Sie grinste. »Doofsack. Ich meinte:
Ich kann nicht kochen, wenn du mir dabei
nicht
zusiehst.«
»Aber ich sehe dir doch zu.
Immer.«
So war es.
Ich sah ihr zu.
Beim Kochen.
Immer.
Saß hinter ihr.
Immer.
Meine
private
Kochshow.
Genüsse & Vorfreuden
die
aufeinander
trafen.
Der Geschmack des Cocktails ….
Der Geruch des Essens ….
Der Dampf ….
Die Wärme ….
Ihre Geschicklichkeit ….
Ihre Schönheit ….
Ihre Zaubertricks …..
Ihre Beine ……

Sie kochte nur, wenn sie
gut gelaunt war.
Wenn sie gut gelaunt war,
zog sie an,
was ich mochte.
Hin & wieder
beugte ich mich vor
& hob ihren kurzen Rock
oder mein Hemd,
das sie trug,
ein wenig an.
Sie ließ sich
nicht
stören
& rührte.
Das Essen
& –
mich.


Die Tasche

Ich sehe
Deine Tasche

Zumindest
einen Teil davon

Du hast
Deine Hose so
kurz
geschnitten

dass
die Tasche
hervorschaut

unter
dem fransigen Rand

Die Tasche
ist leer

& flach.

Ersteres
bin ich
nicht.

Letzteres
könnte ich
sein.


Der schwarze Slip

Sie sortierte die schmutzige Wäsche,
die neben der Waschmaschine
auf dem Boden lag.
Sie stand vorgebeugt
mit ihrer Rückseite zur Tür.
Trug einen schwarzen Slip,
sonst nichts.
Leise & langsam
schlich ich mich an …..
Zog ihr
mit einem Ruck
den Slip herunter.
Blitzschnell
richtete sie sich auf.
Ihre Stimme war eine
Rasierklinge.
»Spinnst du!?!
Hör auf mit dem Scheiß!«

Ein schneidender Klang.
Sie zog den Slip
wieder hoch.
Sah mich nicht an.
Bückte sich
&
sortierte weiter.
Da wusste ich:
Es war
mal wieder
vorbei.
Nicht
mal wieder
vorbei
mit
irgendeiner
Frau,
sondern:
Mal wieder
vorbei
mit
ihr.
Zum wievielten Male?
Egal.
Noch 1 Woche zuvor
hätte sie mir
ihren nackten Arsch
gegen den Hosenschlitz gedrückt,
hätte ihren Arsch hin & her bewegt;
und aus ihrer Kehle wäre
ein aufreizender Laut
gekommen.
»Okay«, sagte ich &
ging nach nebenan, um
eine zu rauchen.
Mal wieder.
Es ging mir schlecht.
Mal wieder.
Und doch –
ich konnte
dieses
Ende
nicht
völlig
ernst
nehmen.
Es war eine
merkwürdige Beziehung.
Eine
seltsame Beziehung.
Eine
seltene Beziehung.
Es war die
Große Liebe.
Dann hörte ich
die Waschmaschine.
Ich packte meine Sachen &
zog
woanders hin.
400 oder 500 Kilometer
weiter nördlich.
Ich blieb allein.
So allein man sein kann
unter Büchern.
Außerdem gab es
1 Schreibmaschine &
1 Gitarre.
Ich wusch meine Wäsche
allein.
Und nach ein paar Wochen
dingdongte es an der Tür.
Die Pause zwischen dem
Ding
& dem
Dong
war lang.
So lang, dass
die beiden
nicht
ineinander übergingen.
Da war
ein sauberer Schnitt.
Wie
von einer
Rasierklinge.
(Ein langer Druck
auf den Knopf. – –
Hätte es sich
um eine richtige Klingel gehandelt,
wäre das DingDong ein
Sturmklingeln
gewesen).

Vor der Tür stand
ein unsicheres Lächeln.

Ein unsicheres Lächeln
mit einer Reisetasche.

In der Reisetasche war
saubere Wäsche.

Zwischen der sauberen Wäsche
ein
schwarzer
Slip.


Fingernägel

Sie hatte sich einen Fingernagel
abgebrochen. Feilte daran.
»Ich hasse dieses Gefühl«, sagte sie,
»wenn ein Nagel derart kurz ist.«
Wir saßen auf dem Sofa, ich
schaute ihr zu.
Ihre Nägel waren mittellang,
rot lackiert.
Ich sagte:
»Ich liebe es, wenn Frauen
ganz kurze Fingernägel haben;
ohne Nagellack.«
»Soso.« Sie feilte weiter.
Ich beugte mich vor zum Tisch,
um mir noch einen Tee einzuschenken.
Da ließ sie
eine ihrer Hände
hinten
unter meinem T-Shirt
verschwinden …..
»Na -«, sagte sie,
»wie fühlt sich das an?«
»Hmmmm – vielleicht ….«,
sagte ich,
»ist das Aussehen mal wieder
weniger wichtig
als
das Gefühl.«
Etwas Tee war
übergeschwappt.
Sie betrachtete
meine Hände.
Sie sagte:
»Ich könnte niemals
so kurze Fingernägel haben
wie du. Ich hätte
gar kein Gefühl damit,
könnte
gar nichts
greifen.«
»Soso«, sagte ich,
»soll ich dir mal zeigen,
wo sich so kurze Fingernägel
gut
anfühlen?«
Sie legte die Nagelfeile
auf den Tisch..


Der dünne Katalog

Der alte Mann hörte wie
die Klappe vom Briefschlitz
in seiner Haustür
zuschlug

Post!
Nachricht von draußen!

Langsam
erhob er sich vom Sofa &
langweilte sich
durch den kurzen Flur

Die Post
lag auf dem Boden
auf der Fußmatte

Der alte Mann
bückte sich

langsam

beschwerlich

hob die Post auf

Nur eine
als Brief verkleidete Werbung
&
ein dünner Katalog

Als der alte Mann sich
aufrichtete
schmerzte
sein Rücken

Den Brief
der keiner war
warf er sofort
in den Müll

Den Katalog
nahm der mit auf
das Sofa

Denn auf der Titelseite
war
eine junge Frau

Eine junge Frau
in einem kurzen Sommerkleid

Die Frau
lächelte
wie
eine Erinnerung
an schöne Zeiten

Sie war
perfekt
die junge Frau

Denn
ihr Abbild war
retuschiert
wie
die Erinnerung
an schöne Zeiten

Ihr Lächeln
Ihre Schultern
Ihr Dekolleté
Ihre Beine
Ihre Füße

Der alte Mann
betrachtete sie
lange

Dann schlug er
den Katalog
auf

&
blätterte
darin

Seite
für
Seite

Viele Bilder waren
darin
doch er
verfolgte nur

die junge Frau
von der Titelseite

Das Geräusch
des Blätterns
hatte er ausgeblendet
(oder war er schon zu alt
es zu hören?)

Er fror

Auf den ersten Seiten
trug sie
Kleider
Röcke
Hosen
(lange Hosen
Shorts
Hotpants)

Der alte Mann
blätterte
langsam

sehr langsam

Befeuchte
ab & an
seine Finger
mit der Zunge

Einige Seiten weiter
trug sie
Bademode

Der alte Mann
roch
das Meer
fühlte
den Sand
schmeckte
Salz
&
Haut

Bunt waren
die Seiten
Bunt wie
seine Jugend

Das Licht war
künstlich
in der Wohnung
des alten Mannes
denn draußen
war es
düster & grau

Dann kam
die
Unterwäsche

Der alte Mann
suchte

suchte
nach der jungen Frau

Er sah nur
fremde Gesichter
fremde Körper
war
verstört
war
enttäuscht

blätterte um

& –
da war sie

Der alte Mann war
beruhigt

So schön war sie
in
Dessous

So
perfekt
wie seine
Einsamkeit

Die Zeit
verging
seitenlangsam

Die Seiten
färbten ab
& er
schmeckte sie
die Seiten
die Farben
das Künstliche

Ist diese Sehnsucht
dieselbe
wie
früher
dieselbe
wie
damals? –
Das
kann
nicht
sein
Das
kann
nicht
sein

Schließlich
kam
die
Nachtwäsche

Die junge Frau
in
Schlafanzüglichkeiten

Wovon würde sie
träumen
in diesen
Pyjamas
diesen
Shorties?

Nicht
von dem alten Mann
auf dem Sofa
der in diesen Seiten
blätterte

Nicht
von seiner
Sehnsucht

Nicht
von der
Vergänglichkeit

Vielleicht
von
ihrer
Perfektion

Von der Perfektion
die sie nur
in diesem
Katalog
haben konnte

retuschiert
&
gebannt

für
die Zukunft

Eine Zukunft
die
begrenzt war
wie
die Hoffnung
des alten Mannes

Der alte Mann
schlug den Katalog
zu
& legte ihn
mit der Rückseite nach oben
neben sich

Auf der Rückseite
war
eine Waschmaschine
abgebildet

Der alte Mann
legte
die Hände
in den Schoß

In den Schoß

der

tot

war


Keine Selbstverständlichkeit

Es war keine
Selbstverständlichkeit
für mich.

So oft hatte ich ihre Streits miterlebt.
Und so oft war es darum gegangen,
dass er wollte, dass sie
etwas
Bestimmtes
anzog.

Etwas
das
ihm
gefiel.

Schreiereien ….
Böse Worte ….
Knallende Türen ….

Manchmal blieb sie
hart
Manchmal
nicht

Und dann
als
wir
zusammenwaren

musste ich
sie
niemals
darum
bitten
anzuziehen
was
mir
gefiel

selbst dann nicht
wenn es
Dasselbe war
was
ihm
gefallen hatte.

Sie kam
von der Arbeit
nach Hause
in ihren langen Hosen
küsste mich
verschwand im Schlafzimmer
& kam zurück
in …… – – –

Für
Sie
war es
allem Anschein nach
eine
Selbstverständlichkeit

Für
mich
nicht.


Müllermilch®

Spiele!
Ich hasse sie!
Aber ich spielte mit.
Wir spielten Karten;
Sie
ihr Sohn (7 oder 8 Jahre alt)
& ich.
Auf der Terrasse, in der Abenddämmerung.
Der Junge trug bereits seinen Schlafanzug,
sie eins meiner Lieblingskleider.
Sie hätte mir in die Karten schauen können, aber
sie tat es nicht. Ich hätte ihr in die Karten schauen können,
aber
ich schaute lieber auf ihre Beine.
Sie & ich tranken Rotwein, der Kleine trank
Müllermilch.
Falter flatterten um die Petroliumlampe auf dem Tisch,
die Mücken hielten sich zurück. Wenn wir nicht tranken,
deckten wir die Gläser ab.
»Mama hat geschummelt«, sagte er irgendwann.
»Stimmt«, sagte ich, »ich hab’s auch gesehen.«
»Ihr spinnt doch«, sagte sie, »und überhaupt – Ihr
habt Euch hier nicht gegen mich zu verbünden.«
Ein Grinsen lief
reihum.
Der Kleine leerte noch einen Becher Milch ins Glas.
Sie sagte: »Meinst du nicht, dass das ein bisschen
viel ist?«
»Schmeckt so lecker«, sagte er.
»Ok«, sagte sie, »aber das ist das Letzte für heute.«
»Ok.« Er nahm einen großen Schluck.
Selbst als es ganz dunkel war, hatte sie
noch keine
Gänsehaut
auf den Schenkeln.

Schließlich ging der Junge aufs Klo &
putzte sich anschließend die Zähne.
Wir brachten ihn ins Bett, und
als sie sich über ihn beugte, um ihm
den Gutenachtkuss zu geben,
stand ich hinter ihr. Hinter
dem verrückten Saum ihres Kleides.

Am nächsten Morgen
beugte sie sich
über mich.
»Ey, Penner, aufwachen,
aufstehen.«
Ein Kuss.
Das Licht kam von hinten. Durch die Tür.
Ins dunkle Zimmer.
Sie sagte:
»Der Kleine hat heute morgen
ins Bett gemacht. Ist ihm voll peinlich.«
»Wär’s mir, glaub ich, auch«, sagte ich. – »Obwohl….«
»Sau«, sagte sie. Ihr Lächeln konnte ich nicht sehen.
Aber ich hörte es.
»Beeil dich, Frühstück ist gleich fertig.«
Sie verließ das Zimmer. Im Licht des Türrahmens sah ich,
dass sie eins meiner Hemden trug. Sonst nichts.
Ich stand auf, zog einen Bademantel über &
ging ins Bad, um mir die Zähne zu putzen.
Der Junge duschte gerade.
»Moin!« rief ich ins Geplätscher.
»Morgen!« kam’s zurück.
Da die Tür schon vorher offengestanden hatte, war
der Spiegel nicht beschlagen.
Mein Zähneputzen & sein Duschen waren
gleichzeitig beendet.
Er öffnete den Vorhang & nahm das Handtuch vom Halter.
Trocknete sich ab.
Dann trat er aus der Dusche & warf das Handtuch in den
Wäschekorb.
»Der Boden ist kalt«, sagte er.
»Dann hast du wohl zu heiß geduscht.«
»Hmm. – Trägst du mich rüber?«
»Faule Sau«, sagte ich.
Er grinste.
Nackt wie er war, nahm ich ihn
auf den Arm.
Im Flur fragte er:
»Hat Mama es dir erzählt?«
»Du meinst….« Ich fing an zu singen:
»Müllermilch, Müllermilch, Müllermilch, die schmeckt….«
Er lachte.
Zog die Arme etwas fester an.
»Genau«, sagte er dann.
»Die weckt halt, was in dir steckt.«
Er lachte wieder.
Sein Bett war frisch bezogen. Die Klamotten für den Tag
lagen darauf bereit.
Ich ließ ihn runter. Er fing an, sich anzuziehen.
Bei der linken Socke angekommen, fragte er:
»Magst du die Mama?«
»Ja«, sagte ich. »Sehr.«
Und er sagte:
»Gut.«


Gehabt

»Jetzt muss ich aber wirklich«,
sagte sie, »bevor er
aufwacht.«
»Scheiße», sagte ich.
»Ja. Scheiße«, flüsterte sie.
Es war warm
unter der Decke.
Und feucht.
Es roch.
Es roch so
gut.
Es roch
nach
Nacht.
Aber die Nacht
ging
zu Ende.
Allmählich.
Sie gab mir
noch einen Kuss.
»Gib’s zu«, sagte sie,
»Du kannst besser schlafen,
wenn
Du
alleine bist
im Bett.«
»Stimmt«, sagte ich.
Sie faßte mir
zwischen die Beine,
drückte sanft ….
»Wie bitte?«
»Stimmt nicht, wollte ich sagen.
Stimmt nicht
»Nochmal Glück gehabt«, sagte sie.
Streichelte.
Kurz.
Die Kerzenflamme
flackerte hektisch. Es war nur noch
ein kleiner Rest
von Wachs
am Docht.
Der Kerzenhalter war
vermutlich
sehr heiß
inzwischen.
»Glück«, sagte ich. –
»Gehabt«, sagte ich. –
Ja –
da war
etwas
sehr
Wahres
daran.


Die Schere in meinem Kopf

Manchen Frauen möchte ich immer
eine Schere reichen.

Denn immer sind ihre
Röcke, Kleider & Hosen
zu lang.

Aber
falls sie die Schere nicht annehmen möchten,
ist da ja immer noch

die Schere
in meinem Kopf.


Auf dem Stöpsel

Natürlich war ich es mal wieder,
der mit halber Arschbacke
auf dem Stöpsel saß & die
Mischbatterie im Rücken hatte.
Natürlich war es mal wieder
die Frau, die sich
gemütlich angelehnt mir gegenüber
im Wasser rekelte; die Haare
hochgesteckt, das Licht der Kerzen
auf feuchtglitzernder Haut.
Schaum & Wasserdampf.
»Magst Du mich noch?« fragte sie.
Es war Nacht.
»Klar«, sagte ich.
»Gut«, sagte sie.
Kurze Pause.
»Aber ich mag ja auch
Schweine – & trotzdem
esse ich Schnitzel.«
Sie grinste.
»Du Arsch.«
Sie streckte ihr rechtes Bein
mit lautem Geplätscher halb
aus dem Wasser & schob mir
ihren Großen Zeh
in den Mund.
Vorsichtig senkte ich meine Zähne
hinein, schmeckte den zergehenden
Schaum auf der Zunge.
Tropfen fielen von ihrer Wade,
Dampf stieg von ihr auf.
In ihren Augen las ich die
leicht ängstliche
Erwartung, ich könnte vielleicht
fester zubeissen.
Die Versuchung war groß.
Dieser Versuchung konnte ich
widerstehen.
Wasserdampf & Schaum.
Die Augen der Frau glitzerten, und
ihre Anspannung ließ nach,
als mein Großer Zeh
die richtige Stelle
zwischen ihren Beinen
fand.


Durchbrochene Einsamkeit

Der Rückenschmerz weckte mich.
Ich lag verkehrt.
Langsam, ganz langsam
drehte ich mich im Bett; dann
ließ der Schmerz nach.
Der Wecker gönnte mir noch 2 Stunden.
Der Traum war abgebrochen.
Nach all diesen Jahren
war Sie wieder da
gewesen –
in einem unbekannten Haus;
sie roch & schmeckte wie früher;
unsere Vertrautheit schien niemals
unterbrochen worden zu sein.
Gegenwärtige Vergangenheit ….
vergangene Gegenwart.
Sie schenkte mir
Nacktfotos von sich; ich tat sie
in eine geträumte Tasche.
Dann folgte:
Vergessen. – –
Wovon war ich noch gleich
aufgewacht?
Ach ja, vom Schmerz.
Ich hatte verkehrt
gelegen.
Ich wollte nur weiterschlafen –
jetzt! Sofort!
Aber ich wusste, es würde mir
nicht gelingen.
Wo war die Tasche?
Ach ja, ich hatte sie
im Traum liegen gelassen.
Langsam drehte ich mich
im Bett auf eine Seite,
die nicht schmerzte –
& ich dachte:
Bitte, noch so einen Traum von
durchbrochener Einsamkeit!


Die zerkratzte Rückenlehne

Irgendwann ist dann nur noch
die Rückenlehne
zerkratzt

Die Rückenlehne
des Sessels
auf dem man
fast bewegungslos
sitzt

Katzen
die längst verstorben sind
haben
ihre Krallen daran
geschärft

Und man
erinnert sich

Es gab mal eine Zeit
da war
der eigene Rücken
zerkratzt

Zerkratzt
von
Leidenschaft

die scharf war

Zerkratzt
von der
Leidenschaft

verschwundener
oder
verstorbener Frauen


Sie konnte nicht lesen

Im Supermarkt.
Es klirrt in meinem Einkaufswagen.
Die Frau mit dem faszinierenden Arsch
dreht sich kurz um &
schaut auf meine Flaschen.
Blickt mir flüchtig in die Augen –
& wendet sich ab.


Beifahren

»Wer fährt?« fragte sie.
»Du«, sagte ich.
Sie grinste. »Das war eine rhetorische Frage.«
»Ich weiß.«
»Du bist ein seltsamer Mann.«
»Wem sagst Du das.«
»Dir«, sagte sie.
»Das war eine rhetorische Frage«, sagte ich.
»Ich weiß.«
Wir lachten.
Und stiegen ein.
Der Wagen war aufgeheizt vom Sonnenlicht.
Wir öffneten die Seitenfenster.
Sie steckte den Schlüssel ins Schloss, startete
& fuhr los.
Ich habe die nie verstanden: Diese Männer, die
immer selber fahren wollen; nur nicht die
Frau fahren lassen…..
Das könnte etwas mit der Lebenseinstellung zu tun haben.
Mit diesem ständigen Tun-müssen, Selber-Tun,
Handeln statt Betrachten
Man fährt mit Tunnelblick, man reagiert, man
befolgt Regeln, man konzentriert sich, man hat
das Steuer in der Hand …. automatisierte
Bewegungsabläufe …..
Es gibt nicht vieles, was ich lieber bin als
der Beifahrer der
richtigen Frau im Sommer.
Ich rieche sie, während ich
hinausschaue in alle Richtungen & mir einen
Film konstruiere, unterlegt mit ihrer Lieblingsmusik –
unserer Lieblingsmusik.
Und ich schaue auf ihre nackten Schenkel, sehe
wie ihre Füße in den offenen Schuhen Gas geben, bremsen
& kuppeln, sehe wie die Spannung ihrer Waden sich
dabei ändert, betrachte ihre Hand
am Schaltknüppel & träume.
»Bist Du glücklich?« fragte sie.
»Ja«, sagte ich.
In dem Moment, da sie die Frage gestellt hatte & ich
antwortete, wurde ich mir dessen bewußt – & dieses
Bewußtsein schwächte das Glück schon wieder ab;
aber nicht sehr.
An jeder roten Ampel berührten sich
unsere Zungen. Die Ampelphasen waren kurz;
so kurz wie ihr weißes Sommerkleid.
Wir hatten ein Ziel.
Das Ziel war zu naheliegend.
Und zu banal.
Eigentlich wollten wir schon nicht mehr
ankommen.
Sie lächelte, als sie sagte (so nah, dass
ich die Worte auf meinen Lippen spürte):
»Vielleicht sollten wir wieder umkehren?«
»Du meinst, es gibt zu wenig rote Ampeln?» sagte ich.
Jemand hupte hinter uns.
Wir fuhren weiter.
Der Wind war warm.
»Da vorne könntest Du wenden«, sagte ich.
»Soll ich?« fragte sie.
»Ja.«
Sie grinste. »Das war eine rhetorische Frage.«
»Ich weiß.«


Schatten

Ich träumte, ich sei
der Schatten auf dem glitzernden
Kopfsteinpflaster
in einer verregneten Sommernacht.
Ich war der Schatten einer jungen Frau
in einem kurzen Kleid.
Das Licht der Laternen hatte mich geboren,
und ich glitt über den Boden,
so schnell sie es wollte.
Ich hörte den Rhythmus der Schritte,
die mich berührten.
Der Himmel war schwarz,
der Mond war neu,
und die Frau war hell.
Und ich blickte hinauf
über nackte Schenkel
auf das
feuchte
Höschen, das
sich im Schatten bewegte.
Die Frau war allein,
und sie träumte
in ihrer Einsamkeit
von dem
Schatten,
der
ich
war.

 

(Inwendig vorgetragen:)