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Dunkel-Lila

Ich hörte ihr zu
am Telefon
wie sie sich
ein Kleid aussuchte.

Ein Strickkleid.

Sie wollte es
in Grau.

Grau
war nicht
lieferbar.

Lieferbar war es
in
Dunkel-Lila.

»Das sieht bestimmt
geil aus«, sagte ich.

Stellte mir vor,
wie es
ihr stehen würde.
Wie er
mir stehen würde.

Stellte mir vor,
wie ich es
ihr ausziehen würde.

Später –
zu spät –

erinnerte ich mich an
Farbsymbolik.

An die Farbsymbolik
Mario Bavas …..

Lila
bedeutete

Tod.

Zu spät.

Die Bestellung
war
abgeschickt.


Bis später

»Bis später«, sagte
das Leben.
Doch
sein »später«
war
der Tod.

Der wahre Treffpunkt
für das Leben
wurde
zur Vergangenheit.

Die Gegenwart
war blind gewesen
für
die Zukunft.

Die Zukunft
war
später.

Das Leben
vorüber.


Der Rückspiegel wächst dem Tod entgegen

Je älter
man
wird
desto
größer
wird
der
Rückspiegel

& dennoch –
man muss
an
ihm
vorbei
schauen

um
nicht
vom
Rest
des
eigenen
Weges

abzukommen


In uns

In uns träumen
die Möglichkeiten
davon
Tatsachen zu werden

In uns träumen
die Sehnsüchte
davon
Erfüllung zu werden

In uns träumt
der Schlaf
davon
Leben zu werden

In uns träumt
die Einsamkeit
davon
Liebe zu werden

In uns träumen
die Ängste
davon
Schrecken zu werden

In uns träumt
der Hass
davon
Tod zu werden

Wunsch
Träume
Alb
Träume

Und
Irgend etwas
erwacht
als
Verwirklichung

Irgend etwas
schläft
für immer
traumlos

Irgend etwas
träumt
für immer
schlaflos

Irgend etwas
erwacht
wie immer

Und
Irgend etwas
stirbt
im Schlaf

in
Uns


Kahl & hohl

Und wenn man zu
alt wird,
gehen sie einem
aus –
die Themen
die Erinnerungen
die Gedanken
. –
Sie gehen einem
aus
wie Haare –
& kahlköpfig,
hohlköpfig
starrt man in
die
innere
Leere …..
Alles,
was einem noch einfällt,
sind die Wangen.
Ein Totenschädel, der
wartet.
Leere
ist
überall.
Wenn
man
zu
alt
wird.


Nur ein Versuch

Ich versuche doch nur
festzuhalten
was
Niemand
festhalten
kann

Mich
fest
zu
halten

Alles
geht
so
schnell

Alles
vergeht
so
schnell

Ich
gehe
so
schnell

Ich
vergehe
so
schnell

Deshalb
kommt mein
geschriebenes Wort
so
langsam

Es hinkt
hinter mir her

Doch
wenn
ich
vergangen bin
könnte
es
mich
überholen

& Alles
ent
halten

was

mir

wichtig

war


Wer es nicht begreift

Wer nicht begreift
was Zeitverschwendung ist
Wer nicht begreift
dass ich
so wie wir alle
keine Zeit
zu verlieren habe
ohne
Alles
zu verlieren
sollte besser gar nicht erst
anfangen
mich
aus der Ferne
zu
lieben.


Der letzte Termin

Und dann war es zu spät – einmal mehr.
Einmal mehr hatte ein Mensch von zweien
nicht wahrhaben wollen, dass
Gemeinsame Zeit
noch rarer
ist,
noch kostbarer
sein kann
als die eigene Lebenszeit, als die
Zeit der Einsamkeit.
….. Termine Termine Termine …..
Bösartige Krankheiten, die
alles Leben, alle Zeiten
unbarmherzig verschlangen.
Die wenigsten unabdingbar.
Der Tod, den man selber
herbeiruft …..
& die Einsicht kam – einmal mehr –
nicht vor der Reue …..
Zu spät. Wie so oft.
Und dann gab es keine Gemeinsame Zeit mehr, die
man sich hätte nehmen können …..
Die Wahl, die man einmal gehabt hatte,
war dahin.
Was blieb, war eine weitere
Zeit der Einsamkeit &
ein letzter gemeinsamer Termin
auf dem Friedhof.


To Go

Wenn
der Tod
ein Leben
kauft
dann
immer
to go
&
er bezahlt mit
Ruhe


Nur eine weitere Aufnahme von Momenten

Ein roter Lampenschirm,
erleuchtet in einem düsteren Kellerzimmer.
Zigarettenrauch, der durch die Luft schleiert.
Kondensperlen auf einer halbleeren Bierflasche.
Ich sitze auf dem einzigen Sessel, nackt;
sie sitzt, nackt, auf dem Teppich, zwischen
meinen Beinen, angelehnt, ihren Rücken
mir zugewandt.
Wir reden über:
Krankheit
Sterben
Tod.
Meine Füße ruhen auf ihren Beinen,
ihre Hände auf meinen Füßen,
meine Hände – bald auf ihren Schultern,
bald, wenn ich mich vorbeuge, auf ihren Brüsten.
Regengeprassel. Entfernter Donner.
Im für uns unsichtbaren Tageslicht steht
ihr Auto. Auf meinem Parkplatz. Das
Seitenfenster einen Spalt breit geöffnet.
Als sie ankam, schien noch die Sonne.
Jetzt befürchtet sie, es könnte hinein regnen.
Ich sage, der Regen könnte eine andere Richtung haben.
Wir reden über:
Krankeit
Sterben
Tod
Leben.
Die Musik, die im Schlafzimmer läuft, dringt nicht
bis hierher.
Plötzlich ein Geräusch aus einer dunklen Ecke –
als würde dort jemand pissen.
»Was ist das?« sagt sie.
»Das Regenwasser, das aus dem Schornstein
in eine Vase abläuft.«
»So viel? – Ich werde einen nassen Arsch
im Auto kriegen.«
»Vielleicht«, sage ich.
»Jetzt isses eh zu spät«, sagt sie.
Sie zündet sich noch eine Zigarette an;
ein Feuerzeug mit integrierter Uhr.
Die Uhr ist
stehen geblieben.


Verschwendung

Keine Ahnung, wer der Typ war, der
an meinem Totenbett stand.
Grinste er, oder blickte er traurig auf mich
herab?
Keine Ahnung.
Er fragte:
»Wieviel Zeit hast Du
verschwendet?«
Ich antwortete:
»Keine Ahnung.«
Er sagte:
»Ich weiß. Und ich weiß auch:
Es war zu viel.«
Ich sagte leise, denn mein Atem wurde
knapp:
»Ich ahnte es. Ich wollte es nur nicht
zugeben.«
Er sagte:
»Anstelle der Zeit hättest Du
lieber –
Dich selbst
verschwenden sollen.«


Die Lichterkette

Eine Lichterkette
liegt verschlungen
über dem Leben

& fesselt es.

Menschen
Augenblicke
Phantasien
Gedanken
Träume

leuchten
bunt.

Und
nach & nach

wird
ein Lämpchen nach dem anderen
herausgedreht

oder
brennt durch.

Und am Ende herrscht
Finsternis &
die Fessel verschwindet
in ihr.


Selbst Vergessen

Manchmal sitze ich
selbstvergessen
in meiner
Erinnerung
& beobachte
die Toten.


Kunst

Wenn man von
einem Toten
berührt
wird

& sich
plötzlich
lebendig
fühlt

könnte
es

Kunst

sein


Hoch oben ein toter Vogel

Es herrschte
eine außer-
gewöhnliche Atmosphäre
als ich
von der Arbeit nach Hause fuhr
in der grautrüben Morgendämmerung.
Ich sah einen toten Vogel
quer über 2 Stromleitungen liegend.
Ein weiterer Vogel
krachte gegen meine Windschutzscheibe,
als ich über die Autobahn jagte; ich
duckte mich, als könnte er mir ins Gesicht fliegen.
Im Rückspiegel war er nicht mehr zu sehen ….
Zurück blieb
ein schleimiger Fleck auf dem Glas, der
im Fahrtwind trocknete.
Andere Vögel
wichen mir aus –
& ich wich ihnen aus
in diversen letzten Momenten.
Kröten klebten auf der Landstraße, als ich
eine huschende Maus
zwischen die Räder nahm;
sie überlebte.
Im Radio lief irgend etwas von Vivaldi.
In dem Dorf, wo ich immer am
Friedhof vorüber fahre,
sprang ein Eichhörnchen über die Straße.
Ich bremste, ich lenkte, das
Eichhörnchen beschleunigte ….
Es verschwand gegenüber vom Friedhof.
Nur einen einzigen Menschen sah ich
an diesem Morgen –
eine alte dicke Frau, die sich auf einen
roten Stock stützte; vor einem
Tante-Emma-Laden, der geschlossen war.
All dies ….
wirkte wie arrangiert.
Unecht.
Zu viel.
Künstlich.
Damit
irgend jemand
es wahrnimmt.
Filmt.
Beschreibt.
Das Alles hatte
Nichts
zu bedeuten.
Aber das Nichts
bedeutet mir oft
Alles.
Das Alles hatte
Nichts
zu sagen.
Und doch
konnte ich es
hören.
Alles
oder
Nichts.


Verschieden

Weil
die Zeit
vergeht
betrachten Wir
Alles
eingehend.
Und doch
totsicher
zu oberflächlich.
So lange
bis Wir
verschieden sind.


Im allerletzten Moment

»Ist das wirklich schon so lange her?«

»Jetzt ist das Jahr auch schon wieder halb rum.«

»Damals.«

»Warum dauert das so lange.«

»Es war viel zu schnell vorbei.«

»Kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen.«

Ob wir
die Zeit
wenigstens
im allerletzten Moment
unseres Lebens
begreifen?

Dann
wenn es
zu spät ist?


Das Vorspiel

Der Tod
braucht
ein Vorspiel
damit
er
kommen
kann

Und DAS
nennt sich

LEBEN!


Wörter davor, Wörter danach, Wörter während

Man atmet
bevor man das Wort kennt
Man weint
bevor man das Wort kennt
Man trinkt
bevor man das Wort kennt
Man isst
bevor man das Wort kennt
Man pisst
bevor man das Wort kennt
Man träumt
bevor man das Wort kennt
Man fühlt
bevor man das Wort kennt
Man vertraut
bevor man das Wort kennt
Man liebt
bevor man das Wort kennt

Dann
erlernt man die Wörter

& so Manches
erscheint
weniger
unmittelbar
durch sie

Wörter kommen hinzu
zu dem WortSchatz

Wörter die man kennt
bevor man tut
wofür sie stehen

Und Vieles
wofür es Worte gibt
wird man niemals tun

Vieles
wofür es Worte gibt
kann
niemand
jemals

tun

Dann
vergisst man Wörter
& das
wofür sie stehen

Oftmals
ohne es zu bemerken

Und man
vermisst sie nicht

Andere möchte man
verdrängen

aber sie sind zu aufdringlich
Immer wieder aufs
Neue

Und dann
kommt der letzte
Atemzug – – –

Welches Wort
wird man denken?

Wenn überhaupt ….

Es ist
gleichgültig.

Man tut
das Letzte
was einem zu tun bleibt

Das was man am längsten
vor sich her geschoben hat

obwohl man das Wort dafür
schon so lange
kannte
gekannt hat
kennt

Die Unmittelbarkeit
kehrt zurück

Für einen Moment
Ohne Worte

Doch die Wörter

überleben


Der Flirt

Flirten kann ich.

Soviel
steht
fest

Und
immer
immer
wieder

so
gerne
mit

dem Tod


Die Ähnlichkeit nach dem Ende

Nach dem Ende
der Beziehung

mit dem Leben
ähneln sich
nach einiger Zeit
alle
so
sehr –

Skelette
oder
Asche …..

Vielleicht
üben wir das nur
im Leben

Diese Ähnlichkeit
nach dem Ende
von

Beziehungen


Alkohol auf dem Schirm

Wenn das Leben
auf Dich hernieder
regnet
& Du Deinen Schirm
aufgespannt hast

überlege Dir gut
ob Du
Alkohol
trinken möchtest

Nicht nur Du
würdest
Dich

auch

Dein Schirm
könnte
sich
entspannen

& Du
würdest
nass
werden

& Dich
erkälten

& vielleicht
an
einer
Entzündung

sterben


Stell Dir vor

»Ich wusste es«, sagte sie
»immer schon.«
Ich grinste.
»Und Du?« sagte ich. »Du
wolltest es doch immer mal
mit einer Frau ausprobieren.«
»Nein. Hat sich nicht
ergeben.«
»Stell Dir vor, Du stirbst,
und da ist auch nur eine
winzige Phantasie, die
in diesem Moment
an Dir nagt,
weil sie keine Zeit hatte,
Realität zu werden.«
»Und?«
Pause.
»Vielleicht«, sagte ich,
»hast Du recht. So toll
ist die Realität nun auch wieder
nicht.«
Sie steckte sich eine Zigarette an.
»Ja«, sagte sie. »Aber vielleicht
hast Du recht. Um zu wissen,
dass man nichts versäumt hätte,
muss man es
vielleicht
mal
gehabt
haben.«
Ich hatte ihre Antworten
immer schon
geliebt.


Die Operation

Leben

Sie lag auf dem Tisch
bedeckt von grünem Tuch
Das Tuch hatte ein Fenster
In dem Fenster:
Ihr geöffneter Brustkorb

Der Chirurg
maskiert
operierte
ihr bloßgelegtes Herz

Der Anästhesist
war ein
Sadist

& ließ sie

erwachen


Zu viele Namen

Fast leer war die Autobahn
in der Abenddämmerung.
Ich steuerte in Richtung Job.
Wie üblich schaute ich mehr
in die Wolken & die Umgebung
als auf die Fahrbahn …..
Betrachtete die Baumreihen.
Die Bäume waren fast alle
gleich hoch,
lebendig,
wuchernd,
grün;
bewegten sich im Wind.
Hinter einer Biegung sah ich
die
eine
Ausnahme.
Hinter all diesen lebendigen,
grünwuchernden, bewegten Bäumen
befand sich
ein
einzelner
Baum –
Er war kahl
Er war dürr
Er war unbewegt
Er war tot.
Und –
Er überragte alle anderen
bei weitem – –
mit seinen dürren, braunen
Ärmchen.
Ich wollte ihm
einen Namen geben.
Aber
es fielen mir
zu viele
ein.
Und ich konnte mich
für keinen
bestimmten Namen
entscheiden.


Dieses Brennen

Dieses Brennen in der Kehle
war ungeheuerlich.
Die Nacht davor hatte aus
Martinis bestanden,
Gin, Vodka, Kräuterliköre,
Rotwein & Absinth. Zigarren.

Nichts konnte das Brennen
löschen.
Kein Tee, kein Wasser.
Ich dachte an Bogart &
an Lauren Bacalls
Schilderung seines Sterbens.
Andere Gedanken
wollten nicht kommen.
Jämmerliches Verrecken & Tod.
Ich schaute einen Porno &
holte mir einen runter.
Einsamkeit.
Sonst nichts.
Das Brennen.
Irgend etwas brennt immer.
Wie das Verlangen.
Etwas Eisiges wollte ich
in meine Kehle schütten.
Eine Betäubung.
Ein Vergessen.
Da war noch Vodka
im Tiefkühlfach.
Der reichte für
einige weitere Martinis.
»The whole world is about
three drinks behind.«

Schmerz mit Gegenschmerz bekämpfen.
Feuer mit Gegenfeuer.
Doch nichts
kann es löschen.
Es bleibt.
Bis zum jämmerlichen Verrecken.
Dieses Brennen.


Der seltsame Dieb

Er bemerkte ihn nicht.
Den seltsam grinsenden Mann,
der in der Masse
hinter ihm stand.
Im Gedränge des Lebens.
Und er spürte nicht,
wie die Hand des Mannes
langsam & geschickt
in eine seiner Taschen glitt.
Er bemerkte nicht, dass
der Mann da gewesen war,
und er bemerkte nicht,
dass der Mann
wieder verschwand.
Lange Zeit bemerkte er gar nichts.
Denn er vermisste nichts.
Erst spät,
sehr spät
fand er etwas.
Er fand es in
einer seiner Taschen.
Es war
eine Quittung.
Die Quittung für
sein Leben.
Und für all das, was er
sich selber
angetan hatte.
Und dann begann er
zu spüren,
was ihm
gestohlen
worden
war.

 

(Inwendig vorgetragen:)


Augenränder

Man kann
die Augenränder
deutlich
sehen
auf diesem Foto.

Wusste er,
dass er
aufgefressen wurde
von innen
als er
in die Kamera blickte?

Wusste er,
dass er
im Sterben
stand?

Die Augen
in den Rändern
blicken so
wissend.

Jenseits
der Ränder –

ein Abgrund.

Ich blicke
zurück.

Zurück
in diese Augen
mit ihren
2
Dimensionen.

Ich blicke
zurück
mit
meinen
Augen

Mit meinen Augen
die
den seinen
so ähnlich sind …..

Und
was
weiß
ich?


Sie hat keine Ahnung

Sie
hat keine Ahnung.

Keine Ahnung
dass ich
irgendwann
nach langer Zeit
wieder
mit dem Schreiben anfing.

Sie – die
häufiger
in meinem
Ge
schreibsel
auftaucht
als irgend jemand sonst ….

Sie – die
sogar dort
präsent
ist
wo sie nicht
auftaucht ….

Vielleicht sogar
dort
wo es
um Andere geht
…..

Dabei mochte sie
meine Worte

in graubunter Vorzeit.

Damals
als sie
neben mir lag & ich ihr
wenige Seiten
zeigte.

Doch die Worte
die ich ihr zuletzt schrieb
vor Jahren
mochte sie
nicht.

– – – – –

Sie lebt noch
das weiß ich.

Aber das ist auch alles
was ich noch weiß.

Einmal
im Suff
wollte ich ihr
den Link zu meinen Texten
schicken

Ihre Email-Adresse
existierte nicht mehr

als ich wieder nüchtern war
war ich froh darüber.

Zu wissen
dass sie mitliest
könnte mich
beeinflussen –

Zu wissen
dass sie mitliest
könnte mich
verstummen lassen …..

Und doch –

Was – wenn
sie sterben würde
ohne gelesen zu haben?

Was – wenn
sie erst
nach meinem Tode lesen würde?

Wir sind dem Tod
beide
so viel näher
als damals.

Sie war dem Tod schon
zwei Mal so nahe gewesen

so nahe – – –

näher als ich
jemals

(fast so nah
wie wir uns gewesen waren)

ohne
dass ich es wusste …..

Ich
hatte keine Ahnung.

Und sie rief meinen Namen
auf der Intensivstation
ohne dass ich es wusste …..

Sie rief ihn
ohne Bewußtsein

innerlich blutend
betäubt
kämpfend

& Der
der bei ihr war
hörte es.

Er sagte es ihr –
später

Sie sagte es mir –
noch später …..

– – – – –

Und

irgendwann
könnte
Alles
zu spät
sein


Ein Guter

Ich träumte von
zu hohem Gras
in meinem Garten
Von wucherndem Unkraut
& den vergangenen Katzen
die darunter ruhten
Von dem toten Hund
der den Katzen
liebevoll die Köpfe leckte

& nirgends
war ein Mensch in Sicht

Das war
ein
Guter
Traum.


Wie ein schwarzes Insekt

Wie ein schwarzes Insekt
auf einem
dunkelgemusterten Teppich
möchte ich
durchs Leben huschen
in einem Innenraum
auf warmem Untergrund
klein & unbemerkt
– – –
Nur für eine Weile
Solange
bis jemand
der mir fremd ist
unabsichtlich
auf mich tritt


Das Lachen des Kindes

Mein Neffe lachte.
Immer wieder.
So herzerfrischend.
Und er sagte
mit sich überschlagender Stimme:
»Oma hat gepupst.«
Er sagte es oft, denn
er bekam oft
Gelegenheit
dazu.
Denn
seine Oma
hatte einen
künstlichen
Darmausgang.


Der Abschiedsbrief

»Hast du seinen Abschiedsbrief gelesen?
Ich erinnere mich nicht mehr an die
Gründe, die er nannte – aber
er schrieb:
‚Ich gehe in’s Wasser, weil….’ – –
Und er schrieb
‚Ins’ mit Apostroph!!!
Kannst du dir DAS
vorstellen?
Na ja …
mit Regeln
kannte er sich
nie
gut
aus.«