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Ein Mann ging aus

 

Ein Mann ging

Aus

Draußen ging er
vorbei. Es sah

Aus

als werde er
von seinem Schatten gezogen.

Wäre das Licht

Aus

gegangen, wäre er
stehen geblieben. Vielleicht.
Drinnen warf ich

meinen Schatten
mithilfe des Scheins

einer kaltleuchtenden Lampe.
Ich schaute

Auf

vom Buch, ich weiß
nicht mehr, welches

es war. Die Realität
schien unwirklich

im Vergleich. Der Mann
ging vorbei. Nun

gut, jeder geht mal

Vorbei

wie jeder Augenblick.
Niemand

hält ihn auf. Und das
Alles hat

Nichts

zu bedeuten.


Im Spiegel

 

Je besser man jemanden kennt,
desto seltsamer er
scheint es, ihn

im Spiegel zu sehen.

So verkehrt. Es sei
denn, es handelt
sich um einen selbst.

Da ist das Verkehrte
das Gewohnte. Und
man braucht mindestens 2

Spiegel, um sich
richtig zu sehen.
Schon seltsam,

was für Gedanken
einem durch den Kopf gehen können,
im Angesicht einer Fläche

aus rückseitig beschichtetem Glas.
Ich schaue hinein
& weiß

nicht mehr, wen
ich besser
kenne


Was

 

»Ich sehe
was, was
du nicht
siehst«, sagte der Mann.

Sein Augen
Blick spiegelte Leere. Das
war ein Widerspruch –
& kein Kinderspiel.

»Seltsam«, sagte der Andere,
»was könnte das sein?«
»Das, was sein könnte.
Das sehe ich«, sagte der Mann.

Im Blick des Anderen
spiegelte sich die Gegenwart
des Mannes. Zumindest dessen An
wesenheit. Dies war ein Moment,

in dem man einen Kaffee umgerührt hätte,
der längst umgerührt war – nur
um Zeit zu gewinnen. Vor dem nächsten Satz. Aber
da war kein Kaffee mehr – & auch

keine Zeit. Und Nichts
zu gewinnen. »Also ich«, sagte der Andere, »sehe
– was da ist. Was nicht da ist –
sehe ich nicht.«

»Klingt nach Zufriedenheit«, sagte der Mann.
»So weit würde ich nicht gehen«, sagte der Andere.
»Vielleicht nicht
so weit – aber

du bist auf dem Weg. Immer
hin.« »Immer
hin«, wieder
holte der Andere. In Gedanken

versunken. Eine Frau kam
an den Tisch. »Darf’s noch
etwas sein?« fragte sie.
›Etwas sein?‹, dachte der Mann –

›Ja! Das wäre schön.‹
»Nein«, sagte der Andere,
danke. Ich möchte
zahlen.«

Es war Zeit
zu gehen. Wohin
auch

immer.


Fremde aus fremden Fantasien

 

Der Mann B.
fand sich halb
liegend im Bett & las

in einem Buch

Die Frau B.
fand sich auf
recht im Bett & las

in einem Buch

Das Bett war ein
& dasselbe, man konnte es
ihr »gemeinsames« nennen

Die Romane in ihren Händen
hatten nichts miteinander
zu tun

Die Fremden aus den fremden
Fantasien wussten nichts
von einander

Sie handelten
nach den Gesetzen
ihrer fiktiven Welten

erdacht von ihnen
Unbekannten die geglaubt hatten
Wirklichkeiten zu erschaffen

Sie hatten nichts miteinander
gemein »Ist es
gut?« fragte die Frau

irgendwann

»Ja«, sagte der Mann,
»und deins?«
»Auch«, sagte die Frau.

Schweig
end lasen sie
weiter …. gefangen

in ihren Vorstellungen
von den Fremden
aus den fremden Fantasien

von den Wirklichkeiten
die keine waren
erdacht

von Unbekannten


Er wartete

Ich suche mich

zu erinnern was
ich als Kind

er
wartete

vom Leben
in meiner Zukunft.

Es fällt
mir

Nichts

ein. War
es das

was ich er
wartete

oder ist vergessen
in mir was

ich dachte

? Ich denke ich
weiß es

nicht. Ich denke
ich hatte niemals

eine Ahnung.

Er wartete
der kleine Junge

der sich Ich
nannte wie ich

mich Ich nenne
als wären wir

ein Ich. Wartete er
auf mich? Ich

suche mich. Versuche
& vergesse mich.

Finde mich zu
weilen in der Erinnerung

wie
der –

in den vergangenen Gedanken
an die Zukunft die

Jetzt ist.


Der zerfetzte Schirm

Ein von 45 Jahren zerfetzter Sonnenschirm
steht auf meiner Terrasse. Zum ersten Mal
wieder auf
gespannt seit ich
weiß nicht wann. Ich kenne ihn aus
meiner frühen Vergangenheit. In der stand
ein anderes Haus. Unter derselben
Sonne. Unter mir
Moos & Unkraut auf
schweren Steinplatten. In einem benachbarten
Garten erklingt ein Kind
wie das verrostete Scharnier einer alten Tür. Hinter der Tür
schläft die Angst
vor dem Erwachsenwerden.
Das Kind ist nicht ein Kind
wie ich eins war. Und bin.
Neben mir liest eine junge Frau
in einem Buch, das ich nicht kenne.
Sie trägt einen Bikini, und ihr nackter Fuß ruht
auf der Lehne meines Sessels. Ich
sehe einen Hut aus Stroh. Mit
einem roten Band. Und eine Biene
auf der Blüte einer Blume, die ich genau so
wenig kenne wie das Buch. Alles
könnte ein Gemälde sein. Von einem unbekannten Meister. Oder
das Werk eines toten Dichters. Unveröffentlicht
für immer. Ich ließ es
mir träumen. Doch wagte es nicht
zu hoffen. Mehr
weiß ich nicht über das Leben.
Mehr brauche ich nicht
zu wissen. Und der Schirm
spendet kaum
noch Schatten.


Unvergleichlich

Du vergleichst
Dich mit Anderen
& leidest

da

runter

weil Du sie nicht
siehst wie sie sich sehen
weil Du sie nicht
siehst wie ich sie sehe
weil Du Dich nicht
siehst wie ich Dich sehe

 

Du vergleichst
Dich mit Anderen
als er

gäbe es einen Sinn

Du vergleichst
Dich mit Anderen
als wärest Du

vergleichlich

Gleich
geht der Mond

auf

& spiegelt seine Spiegelung
des Sonnenlichts in den Regen
Pfützen der Nacht

Daneben
am Boden:
ein einzelner Tropfen –

er scheint
zu sein
wie die Anderen

Doch
ich weiß es
besser

Aus
der Nähe erkenne ich
Meer & mehr

in Dir

Und glücklich sind die Anderen
die sich nicht
vergleichen

mit Dir.


Strip-Poker

 

Wir saßen auf dem Sofa.
Sie sagte: »Wollen wir
Strip-Poker spielen?«

»Okay«, sagte ich, »dann
zieh dir mal was an.«
Für einen Augenblick

schien es
als hätten wir verstanden,
worum es im Leben geht.


Was bleibt

 

Das Herz bleibt

stehen

auf

recht
ohne sich

aus

zu ruhen

Es bleibt

Nichts
Anderes

übrig


Hauptsache

 

 

Solange ich mein Bewusst Sein
Nicht verliere
Macht mir meine Ohnmacht
Kaum Etwas
Aus

 

 


Hinter dem Berg

 

Irgendwann ist hinter dem Berg
vielleicht kein Platz

mehr. Alle Wahrheiten & Gefühle
mit denen hinter dem Berge gehalten wurde

liegen dort. Alles erinnert
an eine gewaltige Müllhalde. Und man weiß

gar nicht, ob man sich wünschen soll
jemals über den Berg zu kommen.

Vielleicht würde man dort nur
auf Fremde treffen….. verborgen

im Ungeliebten. Aber
was bleibt

Einem schon übrig – außer
zu klettern & zu

fallen, wieder zu klettern &
zu wünschen?


Wie eine Antwort

»Das Leben«, sagte er. Es
klang wie eine Antwort.

Zu spät
war ich vorüber gegangen
an ihm & an ihr. So

hatte ich die Frage
nicht hören können,
die sie vielleicht gestellt hatte.

Dass ich noch immer unterwegs war,
hatte einen banalen Grund. Sinn
los – darüber zu reden. Ich

wollte nur noch
nach Hause. Über
all war es mir zu hell. Es war

nicht meine Zeit.

Schließlich schien die Sonne, und
eine Krähe landete
auf ihrem Schatten. Punkt

Landung eines Symbols.
Zumindest hätte man sie dafür
halten können. Der Mann

& die Frau erschienen
mir jung. Vielleicht hatten sie
einen besseren Grund, unterwegs

zu sein. Einen triftigeren als der Passant,
der ich war. Und falls sie glücklich waren,
bemerkten sie mich nicht. ›Das Leben‹ – wo

möglich gab es gar keine Frage, womöglich
war es gar keine Antwort gewesen. Nur das Bruch
Stück einer bedeutungslosen Unterhaltung. Nur

das Ende

eines Satzes. Eines Satzes, der bei
nahe Nichts

Aus
sagte.


Der fehlende Kontext

Ich bin
wie Jeder.
Ein aus dem Zusammenhang gerissenes
Zitat. Aus
einem Werk, das Niemand
kennt. Was
ich wirklich zu bedeuten habe, weiß
nicht einmal ich
Selbst. Vielleicht er
gebe ich einen Sinn, schein
Bar, während ich für mich alleine
stehe. Los
Gelöst aus dem Kontext. Vielleicht
Würde das Werk verfälscht
Werden ohne mich. Und ebenso viel
leicht wäre das egal. Wo
möglich besitzt es so
Wieso keinen Wert. Schund. Sonst
Nichts. Zusammen
Gesetzt aus vereinzelten Zi
Taten. Ich
weiß es einfach
nicht. Ich kenne ihn
nicht: den In
Halt des Ganzen. Ich bin
wie je
der. Her
Aus
Gerissen stehe ich
für mich
All
ein


Das Schwarze in der Finsternis

Ach, ich weiß es doch auch nicht.
Ich sitze in der Finsternis &
schieße wild um mich.

Eigentlich, so denke ich mir,
müsste ich auf diese Weise
überall ins Schwarze treffen.

Aber genauso gut könnte ich einfach
die Augen schließen – wie so Viele –
& glauben, getroffen zu haben.

Das Ziel ist meistens woanders.
Fehlendes Licht bedeutet gar Nichts.
Alles geht vorbei. Auch in der Dunkelheit.

Solche Gedanken denke ich
niemals zu Ende. Denn wenn
ich es täte, müsste ich

schweigen.

Am besten – man schläft einfach.
Dafür ist die Finsternis
wie gemacht.


Die alte Musikkassette

 

Es gibt sie schon seit langer Zeit

nicht mehr –

diese Musikkassette

aus

meiner Vergangenheit. Es gibt nicht einmal mehr
ein Abspielgerät in meinem Auto, das auch
ein anderes ist

als damals. Alles
ist anders. (Überholte Technik.) Selbst

ich

vielleicht?

Nein, das ist nur Schein. Eine Täuschung. Ich
bin weniger. Gleich. Und mehr. Zugleich.
Ich erinnere mich

nicht mehr,

welche Songs auf dieser Kassette waren –
also auch nicht an die Reihenfolge,
in der ich sie hörte – wenn ich unterwegs war.
Wohin auch immer.

Bei Musikkassetten gibt es keine

zufällige Wiedergabe.

Man weiß immer, was einen als Nächstes erwartet. Wenn man sie kennt.
Manchmal war das gut, und manchmal nicht.

Manchmal war nicht gut, was als Nächstes kam,
und manchmal war es nicht gut, zu wissen, was kommen würde.
Manchmal beides. (Was bedeutet, dass man sich
manchmal sogar freute – auf das, was nicht gut war.)

Man hatte die Möglichkeit

vor- oder zurück-

zu spulen…….

Dass das gefährlich sein konnte
während der Fahrt, war mir
gleichgültig. Aber es war mir meist
zu umständlich. Und beinahe
nie traf ich exakt

Anfang oder Ende

– wenn ich es doch
einmal tat.

Und jetzt habe ich also vergessen:

Welche Lieder. Welche Reihenfolge.

Und doch:
zuweilen höre ich 1 dieser Lieder wieder –
irgendwo – durch Zufall (wenn es Zufall ist) –
& wenn es zu Ende geht, erwarte ich

nach einem kurzen Moment

der Stille

etwas ganz Bestimmtes.

Ich erwarte, einen ganz bestimmten Song zu hören.
Fast höre ich ihn schon. Tatsächlich. In mir.
Ein Teil der vergessenen Reihenfolge ist wieder da!
Ich erinnere mich. Doch

er kommt nicht – dieser eine, bestimmte. Er kommt
niemals. Dieser Zufall (wenn es Zufall wäre) wäre
zu groß.

Zu groß: die Zahl der Möglichkeiten
in einer Welt voller Lieder.

Zu klein: der Ausschnitt davon
auf der Musikkassette.

Es kommt: immer ein anderer.

Und käme der ›richtige‹ Song einmal doch,
würde man vielleicht wahnsinnig werden.

Und da das nächste Lied nicht kommt,
erinnert man sich nicht an das übernächste.

Ach, es ist

& bleibt
kompliziert.

Und die Kassette war
ein Geschenk.

Vielleicht wäre es besser

nicht
darüber
nach zu

denken. So

wie Die
jenigen, die meinen, es ginge
hier

um

Musik.


Traum los!

»Ich habe nicht geträumt«,
sagte der Erwachte
nach langem Schlaf

Er kannte
weder Wissenschaft
noch Forschung

Zu tief
hatte er geschlafen
um sich erinnern zu können

»Ich bin kein großer Träumer«, sagte er
& glaubte doch
an Gott

Ich
schlafe schlecht & erinnere mich
an Alles

Daher brauche ich
an die Träume nicht
zu glauben

Ich wache
oft & kenne sie

Ich ungläubiger Mensch
bin ein großer
Träumer

rein
rational
betrachtet

Amen!


Existenzen

 

1.

Es gibt sie nicht –

die gescheiterten Existenzen.

Wenn
sie existieren.

 

 

2.

Man wird geboren

& soll sich anschließend
auch noch eine Existenz aufbauen?

 

 

3.

Die Existenzgründung ist

doch nur –
eine Empfängnis.

 

 

4.

Sie existiert nicht –

die Existenzberechtigung.

Denn
sie ist nur ein Traum

der Existierenden.

 

 

5.

Es gibt sie nicht –

die gescheiteren Existenzen.

Denn
was lebt –
ist dumm

an sich.

 

 

6.

Dies
ist der Beweis.


Die dunkle Zone

Da saß er also
& schaute hinab auf den Schatten,
den die Sonne aus ihm machte.
Der Schatten war lang, denn
die Sonne schwamm tief im Abendhimmel –
hinter der Bank, auf der nur er
allein saß.
Gegenüber, auf der anderen Seite
der Straße, befand sich ein Spielplatz, kinderlos;
der Schatten des Mannes reichte nicht bis dort.
Wenige Menschen gingen vorüber. Diesseits
der Straße. Betraten die dunkle Zone
auf dem Gehsteig. Die dunkle Zone, die
sich bewegte, wenn der Mann auf der Bank
sich bewegte. Doch er bewegte sich nicht –
wenn sie betreten wurde.
Wer bist du? dachte der Mann.
Die Silhouette blieb stumm.
Und die Menschen waren fort.
Ihre eigenen Schatten hatten sie mitgenommen.
Erinnerte Bilder glitten über eine Rutsche
abwärts – – – – – & landeten im Sand.
Hunde hatten in den Sand geschissen. Doch
das war egal.
Das Klettergerüst der Gedanken rostete in der feuchten Luft.
Der Mann spürte die Wärme im Rücken. Die Wärme, die
ihn kalt ließ.
Auch kleine Lampen bilden Schatten.
Und ich liebe sie
mehr als jedes Licht der Sonne.
Die Lämpchen. Und die Schatten. Und ihr Spiel.

2 Absätze klangen wie eine Uhr im Vorübergehen;
Frauenfüße in offenen Schuhen. Leise
in der Ferne. Lauter werdend. Am lautesten
in der dunklen Zone. Dann: leiser werdend. Und
vergangen. Im Licht. Verschwommen.
Er lächelte.
Die Sonne macht sich was aus mir.
Sie macht mich zu einem Schatten.
Zum Schatten meiner Selbst.
Es ist ein Naturgesetz.
Wer bist du?

Ein kleiner Junge an der Hand einer Frau.
Sie gingen übers Trottoir. Jenseits
der Straße. Dort wo der Schatten des Mannes
nicht war. Die Frau trug eine Sonnenbrille & ein gelbes Kleid,
und sie führte den Jungen vorbei an dem Spielplatz. Und der Junge
wandte seinen Kopf. In Richtung des Sandkastens. In Richtung
der Wippe. In Richtung der Schaukel. Und
als sie vorüber gegangen waren, blickte der Junge
noch immer zurück.
Ein geworfener Schatten, dachte der Mann.
Das – ist die Antwort. Sonst
Nichts.


Wieder so ein Tag

Wieder so ein Tag, dachte ich.
Und hatte ihn schon verloren.

Denn solche Tage, die
bloß Wieder so ein Tag sind,
gibt es nicht

in der Wirklichkeit.

Es gibt sie nur
in der Wahrnehmung.

In der Wahrnehmung, die
nicht mehr unterscheidet.

Wieder so ein Tag, dachte ich
& fühlte mich wie eine Spinne
in der leeren Badewanne –
Alles glatt & weiß & kalt.

Tage, die so wahrgenommen werden, gehen
unter
in der Erinnerung –

verschwimmen
im salzlosen Weniger des Lebens.

Des Lebens, das kürzer scheint,
wenn man Wieder so ein Tag denkt.

Nein, es war nicht
Wieder so ein Tag.

Es war – in Wahrheit:
Nie wieder wird es diesen Tag geben.

Und ich denke
nicht: Gut so!
Wie beschissen er auch gewesen sein mag.


Ego Zen Trick

Der ganze Trick ist doch:
Zentriertes Ich
Sein.

Beobachtung
von der Mitte
aus

die
man selber
ist.

Aus den selbstbezogenen Worten
des Egozentrikers
erfährt man mehr

über den Menschen
über das Mensch
Sein an sich

als aus

Allen
Universalen Kunst
Werken

der großen Menschen
kenner.

Das ist meine Meinung.
Und, wie Jeder weiß, zählt
nur diese

Allein.


Die beflügelte Ameise

 
Die beflügelte Ameise
die man die Fliegende nennt
kroch über den Tisch

immer wieder
hin & her

Hätte sie gewusst
wie lange ihr die Flügel
noch zur Verfügung standen

würde sie
ihre Zeit
nicht so verschwendet haben –

 

dachte ich
während ich sie beobachtete
& auf den Feierabend wartete.


Eingeschlossen

Eingeschlossen geboren

Sein, Welt, Ich

Manchmal
bilde ich es mir
ein:

dass ich
durch die Schlüssellöcher der Realität schaue

nach draußen –

 

Doch auch dort
sehe ich nur
mein Innerstes.

Und keinen Schlüssel.


Licht & Dunkel

So wie das Haar über ihren Rücken fiel
als sie sich aufsetzte im Bett
während ich liegen blieb

So wie die Worte fielen
während sie sprach & ich zuhörte
sie sitzend, ich liegend

So fielen die Schatten der Bücher
auf den Boden neben dem Bett –
aus Notwendigkeit

Es konnte alles nicht anders sein.

Und alles im Schein
meiner Lieblingslampe.

Hätte sie nicht geschienen
würde ich das Haar nicht gesehen haben;
die Bücher hätten keine Schatten geworfen,

und die Worte
wären im Dunkeln gefallen.

Es hätte nichts geändert.


Nur Grammatik

Er sagte:
»Dein Ich zu verstecken
hinter der 3. Person, die
gar nicht existiert, ist
nur Grammatik.

Ist
Nichts. Für
mich.«

Dann nickte er, um
sich zuzu
stimmen.


Zwischenbemerkung eines Fremden

Gut, die Biografie eines Menschen zu kennen.
Besser, die Biografie eines Autors, eines Malers, eines Komponisten zu kennen.
Schlecht, sie nicht vergessen zu können – wenn es darauf ankommt.
Gehe ich doch, der Einfachheit halber, von mir aus. Wie immer.
Ich schreibsele etwas dahin…. es geht um Menschen (vielleicht nur um 1 Menschen; aber wer weiß das schon?)…. & wer glaubt, etwas über mich zu wissen, beurteilt das Geschreibsel sofort (bewusst oder unbewusst – vermutlich zumeist Letzteres) anhand dessen, was er über mich zu wissen glaubt. ‚Ach ja – DArum geht’s…. Aha, so hat er DAS verarbeitet…. Nu isser aber schlecht drauf….. zu kitschig! – zu gefühlig, na gut, man weiß ja, wieso….’
NICHTS weiß man. Und wenn man wirklich etwas wüsste, wäre es kein Beurteilungskriterium.
Ich schreibsele etwas dahin…. & dann vergesse ich mich – wenn ich es lese. Nur so beurteile ich. Nur so will ‚ich’, d. h. das was ich verbal dahinwerfe (denn nur das bin Ich) beurteilt werden. Man soll mich vergessen. Vergessen, was man zu wissen glaubt über mich. Abstraktion! DArauf kommt es an. Wenn etwas zu irgendwas ist, zu kitschig, zu düster, zu depressiv, zu albern oder was auch immer, dann ist das gewollt – durchdacht – bewußt eingesetzt. Auf einen Effekt bedacht. Vielleicht nicht jedes Mal im Moment des Schreibens, da dies zuweilen bloße Reaktion sein kann, aber auf jeden Fall IMMER im Moment des Stehenlassens.
Ist alles so passiert, wie ich es beschreibe? Ja.
In mir. – Vieles sogar 1 : 1 (& es ist treffend, dass das wie ein Unentschieden erscheint).
Und selbst wenn ich weiß, dass es anders war, schreibe ich doch die Wahrheit. Die einzige Wahrheit, die es gibt, wenn man etwas in Worte fasst. Um es – irgendwie – zu fassen zu bekommen. Um das Unfassbare, welches das eigene Leben darstellt, (irgend. wie.), fassen zu können.
Nun gut, auch ich war einst so naiv zu glauben, Alles, was die großen Ich-Sager, Ich-Erzähler sagten & erzählten, sei genau so geschehen. Und dann lachte ich über meine eigene Dummheit. Wie hatte ich jemals Henry Miller glauben können? Da er doch selber darüber schrieb, wie diejenigen, die in seinen Büchern erschienen, sich darüber beschwerten, dass alles ganz anders gewesen sei. »Hey Baby, in my stuff I am the hero«, sagt Bukowski.
Céline, Cendrars, Hamsun – ja, sie schrieben alle die Wahrheit.
Ich bin nichts. Und ich sage das nicht aus Mangel an Selbstbewusstsein. Sowohl Bewusstsein, als auch Selbst besitze ich in ausreichendem (wenn nicht übertriebenem) Maße.
Ach, warum schreibe ich überhaupt über dieses Thema? Vielleicht – weil ich mit Resonanz nicht umgehen kann (nicht einmal mit ausbleibender)? Vielleicht weil ich gerade nichts Besseres zu tun habe? Gewiss, ich könnte auch Staubwischen oder das Bett frisch beziehen. Oder schreiben, dass ich es tue. Und die Meisten würden es glauben. Und hätten vielleicht sogar recht damit.
Ich liebe Biografien. Weniges fesselt mich so sehr wie in Worte gefasstes, in Worte gegossenes Leben.
Doch ich vergesse sie auch. Wenn es darauf ankommt.
Niemand ist wirklich zu fassen.
Wie ein Fremder möchte ich gelesen werden.
Wie der Fremde, der ich
wirklich
bin.
Und jetzt –
vergessen Sie mich.


Ende

Ende!
in einem lichtlosen Raum

Geh ins sterbende Licht!
mit matt-gebrochenen Augen

& in der Finsternis
kann dein Schatten sich frei bewegen

im Nichts


Der Rettungsring

Mein Bruder glaubt bis heute
mich schwimmen gesehen zu haben
in unserer Kindheit.

Dabei
konnte ich nicht schwimmen.
Und kann es bis heute nicht.

Ich ließ mich bloß treiben
auf dem Meer.

In einem Rettungsring.
In Sichtweite der Erwachsenen.

Mein Bruder erinnert sich
falsch.

Er erinnert mich
an all die Anderen
die glauben zu wissen

wie
ich durchs Leben
gehe.


Vergleiche

Es ist gleich
gültig mit wem man
mich vergleicht –

mit
einem von mir
geliebten oder bewunderten Menschen
oder mit
Hitler

Es ist gleich
gültig womit man das
was ich tue oder erschaffe
vergleicht

Ich hasse alle Vergleiche
die sogleich das Gleiche finden
in gleichem Maße!

Der vergleichende Blick übersieht
so leicht
das Unvergleichliche

& zu selten wird unterschieden
zwischen dem Vergleich
(der nur eine Suche ist)
& der Gleichsetzung
(die das Unwesentliche gefunden hat).

Raub der Individualität.
Reduktion der Persönlichkeit.
Nivellierung & Ein
ordnung des Charakteristischen
in Tat & Werk…..

Ich hasse alle Vergleiche –

im Guten
wie im Schlechten

oder
Bösen.

 

Es sei denn
sie finden sogleich
den Unterschied

der
Ich
ist.


Wald der Verdrängungen

Durch den Wald der Verdrängungen
gehen wir
verlaufen wir
uns
im Vergehen
Das Leid pfeift ein Lied
in uns
um sich zu vergessen
Und immer tiefer wird der Wald
immer dichter sein
Bestand
Im Lichtlosen verstummten die Erinnerungen
Doch nichts ist tot
bis wir es sind
Herabgefallenes knistert & bricht
unter unsern Schritten
Und es riecht nach Blühen & Verwelken
nach Blättern die sich lösen
Unsere Wurzeln sind bloß
Fangarme
überirdische Tentakel
die Nichts halten
können
auf Dauer
Wind bewegt die schwachen Äste
mit Gewalt
Und wer glaubt
einen Weg gefunden zu haben
unterliegt
nur einer Täuschung
Wald der Verdrängungen
Wald der Märchen
die wir uns verschweigen
Und irgendwo liegt eine Lichtung
ein entblößter Fleck
glatt wie ein krankes Gehirn
ohne Windungen
Unbeschattet & friedlich
Dort
ruht das Vergessen
& wir
in ihm
Endlich
am Ende
Als wäre
Nichts
gewesen


Die Zahnpastaspritzer auf dem Spiegel

…. bilden ein Muster
das zufällig scheint

ohne es zu sein.

Und es bedeutet
Nichts.

Keine Religion.
Keine Leidenschaft.

Reine Physik.
Wissenschaft.
Notwendigkeit.

Unter den gegebenen Umständen
konnte sich kein anderes
bilden.

Mit etwas Liebe
könnte man Etwas hinein
interpretieren

in dieses Muster.

(Vor allem
wenn man es nicht selber verursacht hat.)

Doch das wäre
SCHON WIEDER
Kitsch!


Parkplätze & Trennungslinien & unsichtbare Autos

Warum
nimmt dieser Idiot gleich 2 Parkplätze in Beschlag?

denkt der Suchende
als er den Wagen mitten auf der Trennungslinie erblickt.

Wütend
weil so der Platz für ihn nicht reicht.

Warum
nimmt dieser Idiot gleich 2 Parkplätze in Beschlag?

dachte der Suchende vor ihm
dessen Wagen jetzt so verkehrt dort steht.

Weniger wütend
weil ihm noch genügend Platz blieb
denn auf der anderen Seite war eine Lücke
frei geblieben.

Ich fahre
über einen Parkplatz.
Auf der Suche.

Und auch ich fluche
ohne nachzudenken.

Und nach mir
wird wieder jemand
wütend werden.

Weil er
nicht sehen kann
wer in der Zwischenzeit
weggefahren

sein
wird.


Leben eben

Die Ebene war nicht
plan – Planlos stand ich
an ihrem Rand

Rannte dann
über ihre Uneben
heiten

Was eben gewesen war
war nicht immer glatt
vorbei gegangen

& doch
Vergangen
heit

Die Mitte lag immer
im Un
Er
Reich
Baren

Ich fiel
vielmals
Stand auf

einmal mehr

Irgendwann
wird es
das letzte Mal

der Fall
gewesen
sein

Es war einmal

Verwesen
Sein

Eben noch Leben
planlos
platt

& vorbei


Das Glück meines Lebens

Die Erwachsenen um mich herum
nahm ich kaum wahr.
Dennoch hörte ich, wie jemand sagte:
»Er kann sich so gut mit sich selbst beschäftigen.
Man kann ihn gut alleine lassen.«
Ich war etwa 6 Jahre alt.
Ich saß auf dem Fußboden
mit einem Müllwagen aus Plastik
& ahnte nicht, dass
Dies
das Glück meines Lebens war.