»Sie sind nur zur Beobachtung hier«,
sagte der Mann ohne Gesicht.
Der Raum war leer &
so düster, dass ich
nicht einmal sah, wo das Licht herkam;
auch seine Wände konnte ich nicht erkennen.
Der Raum hätte endlos sein können.
Unbegrenzt.
In meiner Vorstellung war er es.
Aber ich hatte auch eine Vorstellung der
Realität
&
ihrer Grenzen.
»Es wird nicht lange dauern»,
sagte der Mann. »Wir
wollen uns nur
Klarheit verschaffen.«
»Klarheit worüber?« fragte ich.
Ȇber Ihren Zustand. Und
Ihre Eignung.«
»Ich eigne mich für gar nichts«, sagte ich.
»Auch das
ist eine Eignung«, sagte er.
»Aber kein Zustand«, sagte ich.
Vielleicht hätte er gelächelt, wenn er
ein Gesicht gehabt hätte.
Ich stellte es mir zumindest vor.
Ich wollte nicht beobachtet werden;
nur unbeobachtet hatte ich eine Chance,
mich nicht unwohl zu fühlen.
»Ich möchte lieber gehen«, sagte ich.
»Keine Chance«, sagte er. »Niemand geht,
bevor die Beobachtung zuende ist.«
Er
ging.
Dorthin, wo
eine Wand sein mochte.
Oder auch nicht.
Ich
blieb.
Und
fühle mich
be
ob
acht
et
cetera
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Unter Beobachtung
Einfach nur
Einfach nur
den Zigarrenrauch betrachten,
wie er über der Kerzenflamme
nach oben steigt.
Die Heizung rauscht
durch die Nacht.
Kein Wort.
Kein Gedanke.
Keine Musik.
Doch auch nicht
Nichts.
Einfach nur
Betrachtung.
Der Zwang
Der einzige Zwang,
den ich liebe,
ist der Zwang,
essen
zu
müssen.
Aber
das war nicht immer so.
Es war anders,
als ich zu spüren bekam,
was wirklicher Hunger ist.
Doch die Liebe
zu diesem Zwang wäre
heute
vielleicht
eine schwächere
ohne diese
Erfahrung.
Ja –
ich kann mir
ALLES
schöndenken.
Und
auch das ist
vielleicht
ein Zwang.
Floskeln
Als wären es
Flossen …..
Mit Floskeln
schwimmen
Menschen
durch das Meer
der
Langeweile
& der
Unoriginalität
Doch
die Floskeln
halten sie nicht
lange
über Wasser
Der kleine Unterschied
Wenn man sich an einen Gedanken
erinnert,
ist der Gedanke
derselbe
& gegenwärtig.
Wenn man sich an ein Gefühl
erinnert,
ist das Gefühl
ein anderes
& vergangen.
Der Fleck auf dem Boden
Der Fleck auf dem Boden
ist die Tatsache, die
geblieben ist.
Das Überbleibsel eines
vergangenen Moments, an den
ich mich nicht erinnern kann.
Er ist winzig,
dieser Fleck,
und ich weiß nicht einmal,
woraus er besteht.
Ich weiß nur:
Ich
muss
sein Verursacher
sein.
Denn niemand sonst
ist hier;
niemand sonst
war hier.
Ich zögere,
ihn wegzuwischen.
Denn schließlich
könnte
die Erinnerung
zurückkommen
& wertvoll sein
Mainstream
Nirgendwo sonst
treiben so viele
tote Fische
an der Oberfläche
wie
im Mainstream.
Bücher
Filme
Musik
Gemälde
Ansichten
Klar ist das Gewässer
& einfach.
Bis auf den Grund
kann man blicken –
aber was sich dort zeigt,
ist
Langeweile
ist
Eintönigkeit
ist
der kleinste gemeinsame Nenner
im Morast.
Wer dort angelt,
(& es sind so viele)
wird nichts schmecken,
nichts riechen
als
toten Fisch.
Toten Fisch, der
niemals
lebendig war.
Fernab
liegen die kleinen, trüben
Gewässer
des Besonderen.
Still & dunkel
ist ihre Oberfläche.
Man kann ihren Geruch
nicht einordnen.
Und man weiß nicht,
was einen erwartet
& was man
zu schlucken bekommen wird,
falls man
es wagt,
in sie
hinein
zu
springen
Der seltsame Mann
»Ich verstehe die Frage nicht«, sagte er.
Er schaute mir in die Augen.
»Ich habe keine Wahl. Niemand
hat eine Wahl.«
Ich sagte:
»Du meinst, den freien Willen
gibt es nicht?«
»Natürlich nicht.«
»Ich verstehe trotzdem nicht, warum
Du Dich selbst zerstörst.«
»Wirklich nicht? – Es ist nur
die konsequente Fortsetzung dessen,
was andere begonnen haben.«
»Klingt einfach. Schuld sind immer
die anderen.«
Sein Blick brannte sich in meinen
Schädel. Böse.
»Wenn Du mir so kommst, sollten wir
das Gespräch besser
abbrechen. Ich habe es mir noch nie
leicht gemacht.«
»Ich wollte Dir nicht zu
nahe treten«, sagte ich.
»Solltest Du auch nicht. In meiner Nähe
verbrennt man sich
schnell.«
»Ok«, sagte ich, »ich
geh dann mal.«
»Ok«, sagte er, »pass auf Dich auf.
Es muss sich ja nicht
jeder
selbst
zerstören.«
Er lächelte.
Dieser seltsame Mann.
Der seltsame Mann
in meinem
Spiegel.
Wasserhähne
Als 6- oder 7jähriger
war ich fasziniert von fremden
Wasserhähnen, wenn mich
mein Vater in den Ferien an einen
fremden Ort
gefahren hatte.
Fremde Formen,
aus denen das
scheinbar
Selbe
wie zuhause
floss.
Aber diese Faszination
war
NICHTS
gegen die Vertrautheit
mit den Wasserhähnen zuhause;
& ich war immer wieder
glücklich,
wenn mein Vater mich
endlich
wieder
zurückgefahren hatte.
Zu den
vertrauten
Wasserhähnen
& den
bekannten Formen.
Der alte Film
Die alte Kopie eines
noch älteren Filmes
Voller Kratzer &
Markierungen
Die Markierungen all der
Vorführer
durch deren Hände die Kopie
gegangen ist
Jumpcuts
fehlende Bilder
fehlende Sekunden
Herausgeschnittene
Momente
Ehemalige
Risse
Krächzender Ton
Verblasste Farben
Wenn man Glück hat
erinnert man sich
wie der Film ursprünglich
aussah
Wenn man kein Glück hat
ist vielleicht genau diese Kopie
die Erinnerung
& der Film
die eigene Vergangenheit
Leben
Irgend jemand hat
diese Zigarre gerollt.
Er hat sie
zu eng, zu fest
gerollt.
Sie zieht
nicht richtig.
Sie qualmt
nicht richtig.
Man strengt sich an
doch sie geht aus
immer wieder
immer wieder.
Und irgendwann
hat man kein
Streichholz
mehr
& wirft die Zigarre
wütend
in den Rinnstein.
Die Strickweste meines Großvaters
Wer weiß schon
warum etwas
so ist
wie es ist.
Man sucht
nach Gründen &
Erklärungen.
Für alles.
Möglichst kompliziert
sollen sie sein.
Aber
vielleicht
liebe ich den grauen Himmel
ja nur
weil er mich
an die
graue Strickweste
meines Großvaters
erinnert.
Und falls es so ist –
was hilft es mir
es zu wissen?
Der vergessene Ort
Wenn man etwas vergessen hat &
weiß, dass man es vergessen hat,
soll man an den Ort zurückkehren,
an dem man es noch wußte,
um sich zu erinnern.
Manchmal glaubt man,
man habe einen
genialen Gedanken gehabt.
Man hat ihn vergessen.
Und dann kennt man nicht einmal mehr
den Ort
an dem man
ihn
diesen genialen
entscheidenden
Gedanken
(vielleicht?)
gehabt
hatte.
Und zuletzt
zweifelt man an
seiner
Existenz.
Der Existenz
des Ortes
Der Existenz
des Gedankens
Und vielleicht …..
Wie ein Fremder
So vieles in meinem Leben
würde ich gerne sehen
wie ein Fremder
Ein Fremder
der es
zum ersten Mal
sieht
Mit dem
wachen Blick
der Erkenntnis.
Ein Fremder
bin ich.
Aber nicht
in meinem Leben
nur in der Welt
In der Welt
in der ich dennoch
befremdlicherweise
zuhause bin
& in der ich
zu wenig
erkenne.
Der Mann aus der fremden Epoche
Ich stelle mir gerne vor, dass ein Mann
aus jener Epoche, als es noch aufregend &
unschicklich war, unterm Kleidersaum
den Schuh oder gar den bestrumpften
Knöchel einer Frau zu erblicken,
mit einer Zeitmaschine
in unsere Gegenwart
gesendet wird ……
Er geht durch die Straßen einer
Großstadt. Im Sommer.
Minikleider … Miniröcke … Hotpants …
offene Schuhe … transparente Tops …
Bauchfreihheit … Schenkel Füße
Dekolletés …
Er sieht Zeitschriften: Nackte Ärsche …
Titten … rasierte Fotzen …
Mit steifem, tropfendem Schwanz
spaziert er durch die Sonne.
Fluten des Lichts,
Fluten der Reize ….
Fast schmerzhaft.
Heiß.
Und pochend.
Zuckende Blitze im Gehirn.
Ein Summen im Rückenmark.
Erschlagen von der Lust.
Manchmal
bin ich
ein klein wenig
wie dieser Mann.
Der Mann aus
der fremden Epoche.
Doch meine Zeitmaschine
war zu langsam.
Der Übergang
zu fließend.
Und immer muss man kämpfen
mit
der Gewöhnung.
Vom Giganten zur Mikrobe
Als Gigant geboren
Alle Möglichkeiten offen
Das All als Perspektive
Dann langsam
schrumpfend
in der Welt
& im
Leben
zuletzt
gestorben
als
Mikrobe
Glück ….. vielleicht ….
Ich kann noch so
unglücklich
sein
Noch so
krank
Noch so
einsam
Niemals möchte ich
ein
anderer
sein
als
ich
Vielleicht
ist
DAS
Glück
In der Nähe der Flamme
Und dann wird es kalt,
weil Dir das Heizmaterial ausgegangen ist.
Und Du ziehst Dich aus
& setzt Deine Kleidung
in Brand.
Und Du wärmst Dich
nackt
an dem letzten Schutz vor der Kälte,
den Du noch hattest.
Und Du weißt,
was gleich passieren wird;
und Du zitterst
schon jetzt
vor der nächsten
Zukunft
in der Nähe
der Flamme.
Einladungen
Ich bekomme Einladungen
für Alles
was niemals stattfinden wird
Dann gehe ich nicht
dorthin
& Alles ist
im
Gleichgewicht
Auf dem Spielplatz
Als Kind spielt man mit Sand
Sand der später einmal ins Getriebe kommen könnte
Man spielt mit Formen
in die man den Sand füllt
Bildet sich ein der Sand wäre etwas anderes
Wäre essbar
wäre wohlschmeckend
& liebt die Form
in die man ihn gebracht hat
Man klettert nach oben & rutscht
in die Tiefe &
freut sich darüber
Man dreht sich im Kreis
Man wippt mit jemand anderem
Ist der andere unten ist man selber oben
Ist der andere oben ist man selber unten
Eng sind die Grenzen des Spielplatzes
Doch man sieht es nicht so
als Kind
Für den Augenblick ist
der Spielplatz die Welt
Und hin & wieder
scheißt ein Hund
in den
Sand
Es
Es
ist
gleich
gültig
ob
das
was
ich
in
jemandem
oder
etwas
sehe
wirklich
existiert
Denn
wenn
ich
es
sehe
existiert
es
in
mir
Und
so
lange
ich
existiere
ist
es
Selbstbildnis
Er starrte in den Spiegel.
Lange.
Lange.
Er wollte sich sehen, wie
ein Fremder ihn sehen würde.
Um sich zu erkennen.
Vielleicht.
Der Raum hinter ihm war
beinahe dunkel;
die Lampe über dem Spiegel
schwach.
Fremd, dachte er.
Fremd.
Er suchte, die Verbindung
zu seinem Abbild zu
durchtrennen.
Glaubte,
für einen Sekundenbruchteil,
dass es ihm gelungen sei –
nur um im nächsten Augenblick
zu glauben,
dass er sich geirrt habe.
Doch er war sich nicht sicher.
Fremd wie ein neuer
Gedanke;
fremd wie ein neues
Gefühl.
Aus dem dunklen Hintergrund
löste sich eine noch dunklere
Gestalt ….
Wie ein Scherenschnitt.
Eine schlanke Silhouette, gehüllt
in Unkenntlichkeit; das
Gesicht
verborgen hinter schwarzem Stoff,
straff gespannt.
Die Figur kam ihm bekannt vor.
Lautlos wurde sie ein immer größerer
Teil des Spiegelbildes.
In der Hand
– war es die linke, war es die rechte?, er
wusste es nicht –
trug sie etwas, das er für ein chirurgisches
Instrument hielt.
Es wirkte schwer.
Er wandte sich um, schaute
in den Raum.
Der Raum war
leer.
Er hörte ein Splittern,
wandte sich wieder dem Spiegel zu.
– –
Die Gestalt war fort.
Der Sprung im Spiegel befand sich
fast in der Mitte –
eine Narbe, die wie ein
schräger Blitz
sein Spiegelbild
gezeichnet hatte.
Er starrte in den Spiegel.
Lange.
Lange.
Da war es :
Sein Selbstbildnis!
Sein Selbstbildnis,
das ihm
irgendwie
fremd war.
Falsche Gläser
Bier trinke ich am liebsten
aus einem Weinglas.
Wein trinke ich am liebsten
aus einem Wasserglas.
Schnaps trinke ich am liebsten
aus einem Bierglas.
Wasser trinke ich am liebsten
selten.
Alles schmeckt mir besser, wenn
es dort ist, wo es nicht
hingehört.
Eigentlich.
Denn das erinnert mich …..
Vampir mit Knoblauchsucht
Wäre ich ein Vampir,
so wäre ich bestimmt süchtig nach
Knoblauch.
Viel mehr gibt es
über mich eigentlich nicht
zu sagen.
Außer vielleicht:
dass ich nur ein Mensch bin.
Und Knoblauch mag.
Und suche.
Je länger der Stiel
Je länger der Stiel
des Glases, und
je weiter unten
man ihn anfasst,
desto weniger
wird
die Temperatur
des Getränks
von der
eigenen Körpertemperatur
beeinflusst.
Aber
man denkt
nicht
immer
daran.
Und
vergreift
sich
ab
&
an.
Sie oder Du
Und dann liegst Du auf Deinem
Sterbebett,
und der letzte Mensch, den Du
siehst,
siezt Dich –
& es bleibt keine Zeit,
ihm das
Du
anzubieten.
Kontraste
Ich liebe die Kontraste.
Zum Beispiel:
Wenn eine Frau in Hotpants
ein hochgeschlossenes Oberteil
mit langen Ärmeln
trägt.
Nachahmung
Natürlich lernt man durch
Nachahmung.
Die Frage ist nur,
was?
Als Kind war ich fasziniert davon,
dass meine Großeltern beim Abendbrot,
wenn die belegten Scheiben vor ihnen
auf dem Brett lagen,
die Rinden des Brotes in kleinen Abständen
mit der Messerspitze einritzten. –
Ich hatte keine Ahnung, warum sie es taten;
aber ich tat es auch – eine Zeitlang.
Vor dem Spiegel spielte ich Fernsehserien nach,
die mit dem Leben nichts zu tun hatten.
Als Jugendlicher – wenn mich ein Buch
fasziniert hatte – setzte ich mich sofort hin &
schrieb irgend etwas & kopierte dabei
nahezu exakt den Stil des Autors.
Inhalt interessierte mich nicht.
All das war leicht
gewesen.
Schwierig wurde es erst, als ich
als Erwachsener
versuchen sollte, ein
normales Leben, einen
normalen Lebenslauf
nachzuahmen.
Es gelang mir nicht.
Es gelingt mir nicht.
Und genau genommen, bin ich
froh darüber.
Schließlich habe ich irgendwann begriffen,
dass meine Großeltern
Dritte Zähne hatten &
nur deshalb die Brotrinden
einritzten.
Ich hatte & habe keine
Zahnprothese,
also was soll der Scheiß?
Stil ist mir immer noch
das Wichtigste, aber
ich hoffe, dass es mittlerweile
mein eigener ist, in dem ich
schreibe.
Und den Tod kriege ich auch hin,
ohne ihn nachzuahmen.
Anleitung zum Selbstmord
Ich möchte
die Anleitung zum Selbstmord
in so
humorvolle Worte
fassen
dass man
vergisst
warum man sich eigentlich
umbringen
wollte.
(Tun kann man’s dann
ja immer noch.)
Wer will das schon?!
Wenn man die Rolleaus zu weit
nach oben zieht,
kann es passieren, dass
man sie nicht mehr
runter bekommt.
Sie hängen fest in ihrem
Kasten.
Und man wird
geblendet
von der Sonne
da draußen.
Und wer
will das schon?
Kettensägenmassaker
Wenn ich
Ketten säge,
die meinen Hals einschnüren &
mich zu ersticken drohen,
fallen
manchmal
Perlen auf den Boden.
Und auf denen
rutsche ich dann
Aus.
Die Treppe hinter der Sofalehne
Damals als
man als Kind noch hinter der Sofalehne
lächelnd eine
imaginierte Treppe hinunterstieg
& sich über das Lächeln der Zuschauer freute
Damals
hatte man vielleicht bereits
die Richtung im Blut
die das Leben einmal nehmen würde
Und vielleicht ahnte man schon
ohne es zu wissen
dass das Lächeln
irgendwann
zu einem Grinsen
werden würde



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