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Die meisten Fragen

Wir kauften 2 Gläser in einem
Möbelhaus. Zu Hause
hatten wir einen Schrank
voller leerer Gläser; die Anschaffung
könnte also für überflüssig gehalten werden. Und warum Gläser
nicht in einem Glashaus angeboten werden,
könnte man sich auch fragen. Aber
dort gibt es bekanntlich nur Pflanzen, und
man sollte nicht mit Steinen werfen.
Wir hatten übrigens gar keine Gläser
gesucht, sondern einen Sessel. Das kommt
erschwerend hinzu. Wir fanden keinen,
der uns gefallen hätte, aber die Gläser
waren hübsch, fanden wir. Niemand
saß auf den Sesseln, die uns
nicht gefielen, und diese Gläser
waren ebenfalls leer. Steine hatten wir keine
dabei. Wir hatten auch keinen Durst.

Die meisten Fragen stellt man sich
nicht. So funktioniert das
nun mal.


Das reicht

 

Nacht.
Der Mond scheint
durch eine rote Gardine.

Der Kühlschrank surrt
leise. Jemand blättert
in einem Buch. Und

Jemand schläft
in einem anderen Raum.
Nacht. Mond. Traum.

Jemand ist Ich. Und
Jemand ist Sie.
Und der Mond

ist kein Symbol.
Er steht für
Nichts

Anderes. Er ist einfach
er selbst. Sie
schläft & ist

wie der Mond
Sie selbst. Ich –
sitze einfach auf dem Sofa

& blättere in einem Lexikon
der Astronomie. Wie
so ein Symbolist

auf Abwegen.
Der Kühlschrank surrt
& kühlt.

Das reicht.


Ein Mann ging aus

 

Ein Mann ging

Aus

Draußen ging er
vorbei. Es sah

Aus

als werde er
von seinem Schatten gezogen.

Wäre das Licht

Aus

gegangen, wäre er
stehen geblieben. Vielleicht.
Drinnen warf ich

meinen Schatten
mithilfe des Scheins

einer kaltleuchtenden Lampe.
Ich schaute

Auf

vom Buch, ich weiß
nicht mehr, welches

es war. Die Realität
schien unwirklich

im Vergleich. Der Mann
ging vorbei. Nun

gut, jeder geht mal

Vorbei

wie jeder Augenblick.
Niemand

hält ihn auf. Und das
Alles hat

Nichts

zu bedeuten.


Donnernder Staub

Ein Schatten huschte über die Strophen
Eine Elster flog am Fenster vorbei
Ich stellte mir vor

Dass der Staub des Alltags donnernd
In der Sonne tanzte
Es war grauen

Haft

Nur der Staub
Der auf Büchern ruhte
Mochte leise

Sein

Aber sicher
Sein konnte man
Sich dessen

Nicht

Das Flattern der Elster
Jedenfalls hatte ich
Nicht

Gehört


Im Spiegel

 

Je besser man jemanden kennt,
desto seltsamer er
scheint es, ihn

im Spiegel zu sehen.

So verkehrt. Es sei
denn, es handelt
sich um einen selbst.

Da ist das Verkehrte
das Gewohnte. Und
man braucht mindestens 2

Spiegel, um sich
richtig zu sehen.
Schon seltsam,

was für Gedanken
einem durch den Kopf gehen können,
im Angesicht einer Fläche

aus rückseitig beschichtetem Glas.
Ich schaue hinein
& weiß

nicht mehr, wen
ich besser
kenne


Was

 

»Ich sehe
was, was
du nicht
siehst«, sagte der Mann.

Sein Augen
Blick spiegelte Leere. Das
war ein Widerspruch –
& kein Kinderspiel.

»Seltsam«, sagte der Andere,
»was könnte das sein?«
»Das, was sein könnte.
Das sehe ich«, sagte der Mann.

Im Blick des Anderen
spiegelte sich die Gegenwart
des Mannes. Zumindest dessen An
wesenheit. Dies war ein Moment,

in dem man einen Kaffee umgerührt hätte,
der längst umgerührt war – nur
um Zeit zu gewinnen. Vor dem nächsten Satz. Aber
da war kein Kaffee mehr – & auch

keine Zeit. Und Nichts
zu gewinnen. »Also ich«, sagte der Andere, »sehe
– was da ist. Was nicht da ist –
sehe ich nicht.«

»Klingt nach Zufriedenheit«, sagte der Mann.
»So weit würde ich nicht gehen«, sagte der Andere.
»Vielleicht nicht
so weit – aber

du bist auf dem Weg. Immer
hin.« »Immer
hin«, wieder
holte der Andere. In Gedanken

versunken. Eine Frau kam
an den Tisch. »Darf’s noch
etwas sein?« fragte sie.
›Etwas sein?‹, dachte der Mann –

›Ja! Das wäre schön.‹
»Nein«, sagte der Andere,
danke. Ich möchte
zahlen.«

Es war Zeit
zu gehen. Wohin
auch

immer.


Fremde aus fremden Fantasien

 

Der Mann B.
fand sich halb
liegend im Bett & las

in einem Buch

Die Frau B.
fand sich auf
recht im Bett & las

in einem Buch

Das Bett war ein
& dasselbe, man konnte es
ihr »gemeinsames« nennen

Die Romane in ihren Händen
hatten nichts miteinander
zu tun

Die Fremden aus den fremden
Fantasien wussten nichts
von einander

Sie handelten
nach den Gesetzen
ihrer fiktiven Welten

erdacht von ihnen
Unbekannten die geglaubt hatten
Wirklichkeiten zu erschaffen

Sie hatten nichts miteinander
gemein »Ist es
gut?« fragte die Frau

irgendwann

»Ja«, sagte der Mann,
»und deins?«
»Auch«, sagte die Frau.

Schweig
end lasen sie
weiter …. gefangen

in ihren Vorstellungen
von den Fremden
aus den fremden Fantasien

von den Wirklichkeiten
die keine waren
erdacht

von Unbekannten


Er wartete

Ich suche mich

zu erinnern was
ich als Kind

er
wartete

vom Leben
in meiner Zukunft.

Es fällt
mir

Nichts

ein. War
es das

was ich er
wartete

oder ist vergessen
in mir was

ich dachte

? Ich denke ich
weiß es

nicht. Ich denke
ich hatte niemals

eine Ahnung.

Er wartete
der kleine Junge

der sich Ich
nannte wie ich

mich Ich nenne
als wären wir

ein Ich. Wartete er
auf mich? Ich

suche mich. Versuche
& vergesse mich.

Finde mich zu
weilen in der Erinnerung

wie
der –

in den vergangenen Gedanken
an die Zukunft die

Jetzt ist.


Alktraum

»Den Titel hab ich
schon«, sagte ich. Ich
schaute nach oben.

Vor lauter
Bewölkung sah man
die Wolken nicht. Der Tag

war dunkel. »Na immer
hin«, sagte der Mann
neben mir. Er saß

auf derselben Bank wie
ich, und das war
kein Zufall. Er trug

einen seltsamen Mantel. Zuweilen
sah es aus, als habe er Flügel. Wahr
scheinlich war er aber nur

kaputt. Der Mann hatte ein Gesicht
wie ein Pferd. Ein Pferd, das
ein Gesicht wie ein Mensch hatte. (Er

gibt das einen Sinn? Ich hoffe schon. Aber
wenn nicht – ist es auch
egal. Man hat sich ja längst

daran gewöhnt, dass kaum
etwas einen Sinn ergibt.) Jeden
falls war es lang, dieses

Gesicht, und ein Gebiss dominierte
darin. »Und wie
lautet er?« fragte der Mann.

»Wie der Alkohol wieder in mein Leben trat
& sich dafür rächte, dass ich versucht hatte
ihn daraus zu verbannen.«

Er sagte: »Das ist ein verdammt
langer Titel.« »Es ist ja auch eine
verdammt lange Geschichte«, sagte

ich. »Was geschieht
darin?« wollte er wissen. Ich gab
eine verschwommene Antwort…..

Wie der Alkohol
in Gestalt einer Frau
durch meine Tür trat.

Jung & schön
& zerstörerisch. Selbst
zerstörerisch im

Besonderen. Und wie
ich mich verliebte. Und nicht
aufhören konnte

zu lieben. »Verstehe«,
sagte er. Tat er
das? Ich hatte meine

Zweifel. »Eine Allegorie«, sagte
er. »Wie der Alk … wieder Alk … ein
Alktraum … Alkegorie …« Wusst’ich’s

doch! Nichts
verstand er. Und wenn er schon
Nichts verstand, wer

konnte es dann verstehen? Er schien
die Wörter abzuschmecken, zu
probieren. Flüsternd. Zähne

bleckend. »Allehohl … Alleholgorie …« Vertieft
in Gedanken,
die ihm nicht

gehörten. Es waren meine
Gedanken. Vielleicht gehörte
ihm nicht einmal

dieser seltsame Mantel. Mit den vermeintlichen
Flügeln. Und wir beide wussten,
dass wir uns nicht mehr erinnern konnten

wann wir uns kennengelernt hatten. Und wie.
Wir sprachen nicht
darüber. Niemals. Da

saßen wir. Im Freien. (Im Freien – das klingt
wie ein bitterer Scherz.) Menschen
gingen vorüber. Alle Menschen

sind vorübergehend. Wir
schauten sie kaum an. Die Sonne
schien. Hinter den Wolken.

Daran erinnerte ich mich. Immer
wieder. Wie verführerisch
Sie aussieht, wie

Liebenswert. So jung
& traurig. Und wie
Sie durch den Rahmen

Der Tür tritt. Meiner
Tür. Und mein Haus
Zu einem anderen

Macht. Und hier ging eine Frau
vorbei, die jeder hässlich
genannt hätte, und

ihre Frisur glich einem übervölkerten
Schlangennest. »Woran denkst du?«
fragte ich

den Mann mit dem Gesicht
eines Pferdes, das aus
sah wie ein Mensch. »An meine

Mutter«, sagte er. Er betrachtete einen Stein. Er
gab das einen Sinn? Wir mochten es
hoffen. Aber sicher

waren wir nicht. Das Haus
roch nach Wein; nach Blut, das in schmalen Wunden gerann. Die Luft schmeckte nach geweinten

Tränen. Leere füllte die Flaschen. Mit Nichts. Und ich
konnte nicht aufhören
zu lieben. Der Mann

sagte: »Wollen wir etwas trinken gehen? Ich muss deine Gedanken ertränken. Damit mir etwas einfällt. Für dich.« Auf seinem Lächeln

hätte man Klavier spielen können.
»Nein«, sagte ich, »ich
trinke nicht.« Schon

Lange
Nicht
Mehr und

Noch
Immer
Nicht


Der Schatten der Tigerspinne

Niemals vor & niemals nach
diesem Tag sah ich eine wie
Sie in dieser Gegend.

Sie warf ihren Schatten
auf den roten Vorhang; der
Vorhang verfärbte das Sonnenlicht, und

der Schatten war größer als
Sie selbst. Schwarz zitterte
er, und rot

durchflutet war der Raum.
Ich war nicht mehr allein & verließ
das Sofa, um zu sehen, wer

den Schatten warf. Ich zog
den Vorhang beiseite, und
das Licht blendete uns.

»Seltsam«, sagte ich,  »solche
habe ich zuletzt in meiner Kindheit
gesehen, und damals war ich ganz

woanders.« Die junge Frau
lächelte. Ich sprach nur, um
– wie man so sagt – das Eis

zu brechen, doch da war
gar kein Eis. Nur die nachgiebige
Schüchternheit der ersten Begegnung.

Von innen betrachteten wir
das Netz & die schwarzgelbe Zeichnung
der Spinne dort draußen

im Winkel des Fensters. Wo mochte
sie herkommen, und wohin
war sie verschwunden

am nächsten Morgen, als wir
nur noch das verlassene Netz
vorfanden? Niemals

vor & niemals nach
diesem Tag sah ich eine
wie Sie in dieser Gegend. Sie war

wie ein allzu bemühtes, doch allzu
einfaches Bild in einem allzu
einfachen Gedicht.

Aber sie war einfach
da. Wie die Erinnerung
an meine Kindheit. Wie

das Netz & ihr Schatten. Sie
war da. Wie die Wirklichkeit. Und wie
die Frau, in die ich mich verliebte.

Siehe auch


Das zerbrochene Lächeln

Ein Spiegel fiel aus
seinem Rahmen. Ein Lächeln
zerbrach. In ihm. Ungezählte

Splitterbilder prasselten
zu Boden. Scherben
schnitten in die Hände

der Verzweifelten. Sie
übte glücklich
aus

zu sehen. Doch
überzeugte kaum
sich selbst.

Sie kehrte das All
es zusammen – die Splitter
das Lächeln, die wandelnden

Bilder. Und warf
sie klirrend & blut
end in den Müll.

Der Rahmen blieb
zurück an der Wand.
Und rahmte

die Schatten der
Vorübergehenden
ein. Niemand

glaubte
das einstudierte Glück.
Denn das Lächeln blieb

zerbrochen.


Dieser Platz

Niemand kannte diesen Platz.
Und auch mir war er fremd.
Wie ein Ort

Aus

Einem
Vergessenen
Traum.

Das Ziel,
Welches man nicht erreichte,
Weil das Erwachen zu früh kam –

Der Traum zu schnell verging.

Niemand kannte diesen Platz.
Seine Existenz
War zweifelhaft.

Dieser Platz in meinem Leben,
den Du jetzt ein
nimmst.


Das muss ich sein

Jemand suchte mich.
Fragte jemand anderen,
Ob er jemanden gesehen habe

Der antwortete:
»Hab nur einen gesehen,
Der in einem Buch liest.«

»Das muss er sein«, sagte Jemand.
Und es stimmte. Das musste
Ich sein. Und deshalb war ich

Es.


Über Es

(für S.)

Ich schreibe
über mein Leben

Aber mein Leben
will nicht, dass

Ich
Über Es

Schreibe

S
will im Verborgenen

Leben

So                     vergehen
Wir

Still
& unbemerkt

Bis
Wir

Sterben


Geblendet von der Dunkelheit

Das Licht der Nacht
Tischlampe fiel
Auf die Lider

der Schlafenden                        (Dies könnte ein Plural sein, doch
                                                                    Sie ist einzig & allein.)
Wie tief Sie
Schlief wie tief
Sie atmete

Der Mann im schwarzen An
Zug kam von der Nacht
Schicht

Nach Hause

Sein Blick fiel
Wie das Licht der Nacht
Tischlampe auf

das Gesicht

Der Schlafenden
Die er liebte wie das Licht
Der Nacht

Wie tief
Sie schlief wie
Tief Sie atmete                                      (Sie könnte die Lampe sein, oder
                                                               die Nacht. Doch Sie ist Sie.)
Er beugte sich hinab
Zu Ihr
& machte die Lampe

Aus

Ein leiser Laut des Erschreckens
Aus Ihrem Mund
& die Decke zog

Sie über ihre
Geschlossenen Augen
Als sei Sie

Geblendet von der Dunkelheit

So wie er
Geblendet war
Von Ihr                                                 (Nicht die Lampe, nicht
                                                               die Nacht. Nur Sie.
Geblendet                                                   Wahr.)
Von Ihr
& Ihrer

Dunkelheit


Tief unter der Oberfläche

Er wusste,
sie hatte Angst
nur eine Oberfläche
zu sein für ihn.

»Arsch, Titten, Beine«,
hatte sie gesagt.

Er dachte: ›Irgendwann
wird sie Alles begreifen.
Die Wahrheit, das Einzigartige –
die Tiefe.‹

Sie saßen auf der Terrasse.
Es war fast schon dunkel.
Sie spielte
auf der Gitarre, und sie

beide beobachteten die Fledermäuse,
die wie hektische Schatten über den Hinter
Grund der Dämmerung
flatterten. ›Hoffentlich‹,

dachte er,
›wird es nicht
zu spät
sein.‹


Eine Beschreibung in klaren Worten

So still
Wie Licht durch ein Fenster fällt
Lächelte sie
Beim Anblick des Meeres

So nackt
Wie eine Beschreibung in klaren Worten
Schritt sie
Durch die weichen Wellen des Sandes

So jung
Wie mein letzter Gedanke
Erschien sie
lm Vergleich zu mir

So hell
Wie ein gestifteter Brand in meiner Finsternis
Leuchtete ihre Haut
Im Glast der Mittagssonne

So glatt
Wie das Glas in einem Bilderrahmen
War ihre Stirn
Über den rauen Bildern ihrer Erinnerung

So heiß
Wie die Strände in meinem Gedächtnis
Brannten die Blicke der Fremden
In ihrer Phantasie

So still
Wie Licht durch ein Fenster fällt
Lächelte sie
Beim Anblick des Meeres

So wild
Wie unsere letzte Nacht
Rauschte das Meer
In dem Augenblick

Als sie sich ihm näherte


Der zerfetzte Schirm

Ein von 45 Jahren zerfetzter Sonnenschirm
steht auf meiner Terrasse. Zum ersten Mal
wieder auf
gespannt seit ich
weiß nicht wann. Ich kenne ihn aus
meiner frühen Vergangenheit. In der stand
ein anderes Haus. Unter derselben
Sonne. Unter mir
Moos & Unkraut auf
schweren Steinplatten. In einem benachbarten
Garten erklingt ein Kind
wie das verrostete Scharnier einer alten Tür. Hinter der Tür
schläft die Angst
vor dem Erwachsenwerden.
Das Kind ist nicht ein Kind
wie ich eins war. Und bin.
Neben mir liest eine junge Frau
in einem Buch, das ich nicht kenne.
Sie trägt einen Bikini, und ihr nackter Fuß ruht
auf der Lehne meines Sessels. Ich
sehe einen Hut aus Stroh. Mit
einem roten Band. Und eine Biene
auf der Blüte einer Blume, die ich genau so
wenig kenne wie das Buch. Alles
könnte ein Gemälde sein. Von einem unbekannten Meister. Oder
das Werk eines toten Dichters. Unveröffentlicht
für immer. Ich ließ es
mir träumen. Doch wagte es nicht
zu hoffen. Mehr
weiß ich nicht über das Leben.
Mehr brauche ich nicht
zu wissen. Und der Schirm
spendet kaum
noch Schatten.


Die Maserung des Schafotts

Nur die Phantasie sieht

Das Lächeln
In der Maserung des Schafotts.


Auf jenen Fotos

Ich
Ich habe
Ich habe mich
Ich habe mich noch
Ich habe mich noch nie

Ich habe mich noch nie so

So

Lächeln
Gesehen

Wie auf jenen Fotos
Auf denen Du

Du

Neben mir

Bist

In keinem Spiegel
In keinem Fenster
In keiner Wasser

Oberfläche

Die Spiegel kannten mich nicht
Die Fenster gehörten zu fremden Häusern
Das Wasser war Veränderung

Nie
Nie habe
Nie habe ich
Nie habe ich mich
Nie habe ich mich so

So gesehen

Lächelnd wie der gebogene Schatten
In einer Wolke
Eingefangen & festgehalten
Bevor der Wind sie zerreißt

Für immer

Nie


Glanz

Wenn
Meine Augen glänzen
Weiß

Jeder
Dass ich in Deine Richtung
Schaue.


Zahnpasta im Waschbecken

 

Da stand sie
also vor meinem Wasch
Becken halbnackt & fing
an sich
die Zähne zu putzen
Ein Klümpchen Zahnpasta
rutschte von der Bürste
& landete Weiß auf Weiß
im Becken Mit dem Mittelfinger
nahm sie es auf
& tat es
zurück auf die Borsten
Putzte weiter Sie
wusste dies
war das Becken
in das der Ein
Same der ich war
häufig wichste Sehnsucht
die an die Kacheln klatscht
lautete
das Geflügelte Wort zwischen uns
Wir hatten gelacht
darüber
Versunken
in ihren Anblick lauschte
ich dem Geräusch in ihrem
Mund Ihrem Mund der weiß
umrandet war & gelacht hatte
Sie mochte es selber
wie ihre Titten wippten wippten
bei jeder Bewegung
ihres Armes Ich
dachte an ihren Mund & wie
still & weiß umrandet er gewesen
war von der Sehn
Sucht Die Sonne
war auf
gegangen & machte die Lampen
nutzlos Wieder war
eine Nacht Vergangenheit & am Ende
spuckte sie
in das Becken


Tiefe

»Nicht so tief« sagte sie
leise. Was meinte

sie nur? Die Ge
fühle? Die Ge
danken? War

es eine Feststellung oder
eine Bitte? Sie war

enger geworden, hatte sich zusammen
gezogen. Die untergehende
Sonne ließ ihren Schein

durch das Hotelzimmerfenster fallen.
Er fiel auf

ihren Rücken. Rötlich. Bäuchlings
lag sie auf dem Bett. Das Zimmer
war billig. Güter

Züge fuhren in der Nähe
vorbei. Ich schaute hinab. Weiche

doch feste Backen. Jung
Mädchen
haft.

»Okay« sagte ich
leise. Was

meinte sie
nur? Die Gefühle? Die Ge
danken? Ich

zog mich ein wenig
zurück. Beziehungsweise ihn. Sie

hatte sich zusammen
gezogen nach
dem Höhepunkt. Alles

schien enger
geworden zu sein. Die Sonne

ging immer noch
unter. Bald würde sie
fort sein. Woanders

scheinen. In der Tiefe
der Nacht. Es blieb

das leise Rauschen
der Güter
Züge.


Liebesroman

Sie lächelte ihn an.
Sie schenkte ihm Etwas.
Sie küsste ihn.

Sie lächelte nicht.
Sie schenkte ihm Nichts.
Sie küsste ihn nicht

mehr.


Schwarzgrau

 

Er lag auf ihrer Seite
des Bettes. Als
hätte er es vermocht

die Leere zu füllen,
die er fühlte.
Verflogen

waren alle vertrautfremden Gerüche; nur
ein langes Schwarzes Haar lag
da. Neben

dem Grauen, das ihm gehört
hatte. Wie aus Zu
Fall lagen sie neben

einander – die
Verlorenen. Entwurzelten.
Gefallenen. Er fiel

in Schlaf. Glitt
in einen Traum, an
den er sich nie mehr würde

erinnern können.
In den Traum des Anderen,
der er gewesen war

an ihrer Seite.


Konzentration

 

»Kannst du kommen?«
Dabei waren sie
beide ganz da.

Sie konzentrierten sich
zu sehr. Sie
sich auf ihn. Er
sich auf sie. Sie

konzentrierten sich der
art auf das Vergnügen
& den Genuss des jeweils

Anderen. »Kannst du so kommen?«
fragte sie – als ihr Mund
wieder schwanzlos war (seltsames Tier).
»Ich weiß nicht«, sagte er. Es

war – als spräche er
mit ihren Schamlippen (seltsamer Mund). »Ich
jedenfalls nicht«, sagte sie

& kletterte von seinem Gesicht. Langsam
schluckte ihr Unterleib
seine Erregung. Und er
beobachtete das Auf

& Ab ihres Rückens. Während sie
sich auf die linke Arschbacke schlug. Er liebte
das Geräusch. Sie warf

einen Blick auf die verdunkelte
Terrassentür neben ihnen, in deren Glas
sie sich spiegelten. Er betrachtete
sie, wie sie

sich & ihn betrachtete – 2 Menschen zu
viert mit ihren Spiegelungen. Spiegelungen, die
sich aufeinander

konzentrierten. Man konnte sie
durchschauen. Als wären sie nicht
ganz da. Hinter der Reflexion war
die Jalousie. Hinter der Jalousie –

die Nacht. Unsichtbar.
Kannst du bleiben? dachte er. Dachte ich
als unsere Blicke sich trafen

im Glas.


Die innere Zeit

Ich vergesse oft
wie jung du bist

& oft vergesse ich
wie alt auch schon

Als wäre die Zeit nicht
messbar, die hinter dir liegt

Wie alt bist du
wirklich?

Wie ist die Zeit
in dir

vergangen? In
Jedem vergeht sie

doch
anders.

Sag mir
wie spät es ist

in deinem
Innersten

Nie vergesse ich
wie ich vergehe

Als wäre ich selber
die Zeit

auf der Flucht
& du würdest sein

der einzige Augenblick
an den ich

mich erinnere
am Ende

wenn es
zu spät ist


Der Traum von Fremdheit

Ich träumte
von ihr. Sie war ganz
anders als in Wirklichkeit.

Andere Haarfarbe. Andere
Frisur. Andere Figur. Anderes
Gesicht. Andere Augen. Andere

Stimme. An den
Geruch der Geträumten erinnere ich
mich nicht.

Nichts
an ihr fand ich
hübsch. Und

sie hätte mir fremd sein müssen.
Doch ich liebte sie
im Traum.

Ich spürte, sie
hatte Dein Wesen. Dein
Innerstes.

Ich träumte
von Deiner Fremdheit
in dieser Welt. Und

ich liebte sie.


Verschwinden

ich werde

in einen Spiegel schauen

& nicht mehr zu sehen

sein

nur dich
werde ich
sehen

du stehst
hinter mir

ich werde durch
schaubar
sein

die verzehrende Liebe

sie wird mich gefressen
haben

wenn schon
verschwinden

dann so.

mit der Spiegelung des Lächelns

auf deinen Lippen.


Verwirung

 

Du

bist
das

Wir

in
meinem

Ich


Das Zentrum des Kreises

Ich renne immer
wieder im Kreis herum
um die Schaukel, die

swingt. Darauf
die Frau, die mein
Leben zu sein

scheint. Ich
renne durch den Sand
dieses Spiel

Platzes. Sand
der wie aus unzähligen Uhren
gerieselt auf dem Unter

Grund ruht. Ich renne
um nicht zu sehen
wie sie sich entfernt

von mir. Renne um
zu sehen wie sie
auf mich zu

schwingt. Vorwärts
rückwärts. Niemals
fort. Niemals

hin. Nur her
& her. Zu
mir. Ich

renne los im Augen
Blick ihres Stillstandes.
In dem Moment

zwischen dem Vor
& dem Zurück.
Doch

der Sand macht
mich müde
und

die Schaukel ist
das Zentrum des Kreises
nur so lange

ich renne.


Zwischen den Zügen

 

Zwischen den Atem
Zügen ihres Schlafes
flüsterte er immer

wieder: bleib …
bleib … bleib … Verlass mich
nicht
… Er dachte

an Suggestion, dachte
an Hypnose, doch
er glaubte

nicht an sie. Sie
schlief unter ihrer Decke; ein
Traum bewegte ihre Füße ….

Er wachte
& dachte bewegungslos an
die Zukunft, die

nähere, die fernere. In
der Dunkelheit. Und
nach dem Erwachen

fuhr sie fort. Wie man
fortfährt nach einer Pause
im Dialog. Fort

fährt zu atmen. Fort
fährt in einem
Zug. Fort.

Und sein Traum
bewegte ihre
Füße.


herz er greif end

für Sie : Sina : ganz nah : an meiner Seite 

 

mein Gott ist sie
dünn dachte ich so
zerbrechlich dachte ich
nachdem ich meine
Tür geöffnet hatte sie
lächelte unsicher
soll ich
meine Schuhe gleich
hier aus
ziehen fragte sie wenn
du magst sagte ich
und dann bekam sie
ihre Schnürsenkel nicht gleich
auf & wurde
nervös
nur die Ruhe
sagte ich ich bin genau
so nervös wie du wir
kannten uns nur
schriftlich
bisher doch schon
seit Jahren
und dann saßen wir
auf meinem alten Sofa und kaum
war sie da da fragte
sie auch schon
darf ich
wieder
kommen
und ich sagte du darfst nicht
nur du sollst
und sie lächelte & legte
eins ihrer Beine auf eins
meiner Beine und das Wort
das mir bei ihrem Anblick immer
wieder durch den Kopf
ging war

herz
er
greif
end

und das tat sie
schließlich auch nicht
verlieben sagte sie irgend
wann doch
sie sagte es so
liebenswürdig mit diesem Blick aus
großen Mädchen
Augen die leicht
traurig schienen und über
haupt war es längst zu
spät
& geschehen