Uhren & Zeitbomben

Und plötzlich
ist es
so still
als wären
alle
tickenden
Uhren
auf einmal
gestorben

Und selbst
die Zeitbomben
verstummen
aus Trägheit

Kein Regen fällt
Nichts regt sich mehr

& man selber
möchte
sich
auch
nicht
mehr
regen
& bewegen

& auf
keinen Fall
möchte man
mehr
bewegt
werden


Das Tun

Nur wer aus
Nichts
»Etwas«
machen kann
kann überhaupt
etwas machen
denn
überall
ist
Nichts
&
Alles
ist
Nichts.

Und selbst das
»Etwas«
das aus dem
Nichts
gemacht werden kann
ist
letztlich
Nichts.

Es geht nur
um das
Machen

nur
um das
Tun.

Denn
mehr
bleibt
einem
nicht.


Peter Altenberg

Man sollte
nicht
zu viele Worte
verlieren

Niemals

Nur ein paar
treffende

& vielleicht
kann man diese
wenigen Worte
noch abkürzen

durch
einen
Namen :

Peter Altenberg

JD500018


Das Verschwiegene

Noch immer gibt es
so viel
Verschwiegenes
in Dem
was ich schreibe

Noch immer
traue ich mich wohl
nicht
Alles

zuzugeben

obwohl ich
(nur für mich)
angetreten bin
bedingungslos
offen
zu
sein.

Manches aber
verschweige
nicht
ich

Es
verschweigt
sich

Sogar
vor
mir

Letzteres
können vielleicht
nur
Fremde
lesen

An Ersterem
muss
ich
noch
arbeiten.


Die Verschüttgötter

Man ärgert sich
maßlos
wenn
man etwas
verschüttet
vom Cocktail
der einen
Geld
gekostet hat

Vom Cocktail
der einem
helfen sollte
sich
besser
zu
fühlen

Doch
vielleicht
meinten es
die
Verschüttgötter
ja nur
gut
mit einem

Sie sahen
vielleicht
den kommenden
Kopfschmerz

&
vielleicht sogar
den
vorzeitigen
Tod


Erdbeeren

Nun bin ich schon
so
alt
&
habe doch noch
niemals
jemanden
kennen
gelernt
der
Erdbeeren
hasste

Ich
hasste
sie schon als
kleines Kind

Ihren
verwässerten Geschmack
Ihre Kerne
die in meinen
Milchzähnen
knirschten
wie Sand

Später
viel viel später
als Erwachsener
dachte ich:
Vielleicht
würden sie dir heute schmecken

Denn nicht immer ist der
Geschmack der Kindheit
von
lebenslanger
Dauer

Also
probierte ich die Erdbeeren
die mir jemand
der es
gut
mit mir meinte
kredenzt hatte

Nach 1 Bissen
wusste ich:
Nichts
hatte sich
geändert

Ich hasste sie noch immer.

Wasser & Sand.

Der Geschmack
des
Mittelmaßes.

Der Geschmack
den
fast
alle
lieben.

Erdbeeren
auf Geburtstagstorten

Erdbeeren
im Pudding

Erdbeer
Eis

Nun bin ich schon
so
alt
&
habe
die Suche
fast schon
aufgegeben

Die Suche
nach den
Erdbeerhassern


Keine Selbstverständlichkeit

Es war keine
Selbstverständlichkeit
für mich.

So oft hatte ich ihre Streits miterlebt.
Und so oft war es darum gegangen,
dass er wollte, dass sie
etwas
Bestimmtes
anzog.

Etwas
das
ihm
gefiel.

Schreiereien ….
Böse Worte ….
Knallende Türen ….

Manchmal blieb sie
hart
Manchmal
nicht

Und dann
als
wir
zusammenwaren

musste ich
sie
niemals
darum
bitten
anzuziehen
was
mir
gefiel

selbst dann nicht
wenn es
Dasselbe war
was
ihm
gefallen hatte.

Sie kam
von der Arbeit
nach Hause
in ihren langen Hosen
küsste mich
verschwand im Schlafzimmer
& kam zurück
in …… – – –

Für
Sie
war es
allem Anschein nach
eine
Selbstverständlichkeit

Für
mich
nicht.


Falls ein Reifen platzt

Das ist kein Scherz –
manchmal, auf der Autobahn,
auf gerader, leerer Strecke
dirigiere ich die Musik
mit beiden Händen
& das Auto
dirigiert sich selbst

Es könnte
die Fledermaus-Ouvertüre sein
oder
etwas aus Carmen

Am liebsten
ein
Crescendo
ein
Accelerando

Sollte jemals
in so einem Moment
ein Reifen platzen,
werde ich es
vermutlich
nicht
überleben

Aber wenigstens
sterbe ich
für die Musik
mit Musik
&
in Extase


Müllermilch®

Spiele!
Ich hasse sie!
Aber ich spielte mit.
Wir spielten Karten;
Sie
ihr Sohn (7 oder 8 Jahre alt)
& ich.
Auf der Terrasse, in der Abenddämmerung.
Der Junge trug bereits seinen Schlafanzug,
sie eins meiner Lieblingskleider.
Sie hätte mir in die Karten schauen können, aber
sie tat es nicht. Ich hätte ihr in die Karten schauen können,
aber
ich schaute lieber auf ihre Beine.
Sie & ich tranken Rotwein, der Kleine trank
Müllermilch.
Falter flatterten um die Petroliumlampe auf dem Tisch,
die Mücken hielten sich zurück. Wenn wir nicht tranken,
deckten wir die Gläser ab.
»Mama hat geschummelt«, sagte er irgendwann.
»Stimmt«, sagte ich, »ich hab’s auch gesehen.«
»Ihr spinnt doch«, sagte sie, »und überhaupt – Ihr
habt Euch hier nicht gegen mich zu verbünden.«
Ein Grinsen lief
reihum.
Der Kleine leerte noch einen Becher Milch ins Glas.
Sie sagte: »Meinst du nicht, dass das ein bisschen
viel ist?«
»Schmeckt so lecker«, sagte er.
»Ok«, sagte sie, »aber das ist das Letzte für heute.«
»Ok.« Er nahm einen großen Schluck.
Selbst als es ganz dunkel war, hatte sie
noch keine
Gänsehaut
auf den Schenkeln.

Schließlich ging der Junge aufs Klo &
putzte sich anschließend die Zähne.
Wir brachten ihn ins Bett, und
als sie sich über ihn beugte, um ihm
den Gutenachtkuss zu geben,
stand ich hinter ihr. Hinter
dem verrückten Saum ihres Kleides.

Am nächsten Morgen
beugte sie sich
über mich.
»Ey, Penner, aufwachen,
aufstehen.«
Ein Kuss.
Das Licht kam von hinten. Durch die Tür.
Ins dunkle Zimmer.
Sie sagte:
»Der Kleine hat heute morgen
ins Bett gemacht. Ist ihm voll peinlich.«
»Wär’s mir, glaub ich, auch«, sagte ich. – »Obwohl….«
»Sau«, sagte sie. Ihr Lächeln konnte ich nicht sehen.
Aber ich hörte es.
»Beeil dich, Frühstück ist gleich fertig.«
Sie verließ das Zimmer. Im Licht des Türrahmens sah ich,
dass sie eins meiner Hemden trug. Sonst nichts.
Ich stand auf, zog einen Bademantel über &
ging ins Bad, um mir die Zähne zu putzen.
Der Junge duschte gerade.
»Moin!« rief ich ins Geplätscher.
»Morgen!« kam’s zurück.
Da die Tür schon vorher offengestanden hatte, war
der Spiegel nicht beschlagen.
Mein Zähneputzen & sein Duschen waren
gleichzeitig beendet.
Er öffnete den Vorhang & nahm das Handtuch vom Halter.
Trocknete sich ab.
Dann trat er aus der Dusche & warf das Handtuch in den
Wäschekorb.
»Der Boden ist kalt«, sagte er.
»Dann hast du wohl zu heiß geduscht.«
»Hmm. – Trägst du mich rüber?«
»Faule Sau«, sagte ich.
Er grinste.
Nackt wie er war, nahm ich ihn
auf den Arm.
Im Flur fragte er:
»Hat Mama es dir erzählt?«
»Du meinst….« Ich fing an zu singen:
»Müllermilch, Müllermilch, Müllermilch, die schmeckt….«
Er lachte.
Zog die Arme etwas fester an.
»Genau«, sagte er dann.
»Die weckt halt, was in dir steckt.«
Er lachte wieder.
Sein Bett war frisch bezogen. Die Klamotten für den Tag
lagen darauf bereit.
Ich ließ ihn runter. Er fing an, sich anzuziehen.
Bei der linken Socke angekommen, fragte er:
»Magst du die Mama?«
»Ja«, sagte ich. »Sehr.«
Und er sagte:
»Gut.«


Parallelen

Ich könnte
Deine
Parallele
sein

Egal
wie groß
der Abstand
ist

Parallelen
sagt man
schneiden sich
im Unendlichen

Doch
ins Unendliche
werden
wir
niemals
gelangen

Ich
oder
Du
oder
am besten
wir beide
müssen uns
krümmen
um uns
zu treffen

Doch dann
sind wir
keine
Parallelen
mehr


Die Katzen

Die Schönheit
& Gelassenheit,
das naturgegebene
‚Leck-Mich-Am-Arsch’
der
KATZEN
ist
(manchmal
fast)
schwer
zu ertragen,
wenn
man selber
nur
ein Mensch
ist.


DER Moment

Dieser Moment
schien mir
unbedeutend wie
so
viele
in meinem Leben

Er war es
wohl auch

Wahr
scheinlich

ÜBERGROSS
doch
LEER

So dass
die Zeit
in ihm
verschwinden konnte

Ich aber wollte ihn
bedeutend
&
erfüllt
so dass
Nichts
in ihm
verschwinden konnte

JEDEN MOMENT
will ich
BEDEUTEND

Das wurde mir
irgendwann
klar

Denn je mehr
Momente
einem
ETWAS
bedeuten,
desto

LÄNGER
&
ERFÜLLTER
erscheint einem
das LEBEN

am
ENDE

Zumindest
hoffe ich
DAS

Deshalb
betrachte ich das
UNBEDEUTENDE
als wäre es
BEDEUTEND.


In der Stille meiner Trägheit

Ich kann
den Fleiß
der Anderen
hören ….

Er ist
laut.
So laut.

Und
noch lauter
ist er
in der Stille
meiner
Trägheit.


Gehabt

»Jetzt muss ich aber wirklich«,
sagte sie, »bevor er
aufwacht.«
»Scheiße», sagte ich.
»Ja. Scheiße«, flüsterte sie.
Es war warm
unter der Decke.
Und feucht.
Es roch.
Es roch so
gut.
Es roch
nach
Nacht.
Aber die Nacht
ging
zu Ende.
Allmählich.
Sie gab mir
noch einen Kuss.
»Gib’s zu«, sagte sie,
»Du kannst besser schlafen,
wenn
Du
alleine bist
im Bett.«
»Stimmt«, sagte ich.
Sie faßte mir
zwischen die Beine,
drückte sanft ….
»Wie bitte?«
»Stimmt nicht, wollte ich sagen.
Stimmt nicht
»Nochmal Glück gehabt«, sagte sie.
Streichelte.
Kurz.
Die Kerzenflamme
flackerte hektisch. Es war nur noch
ein kleiner Rest
von Wachs
am Docht.
Der Kerzenhalter war
vermutlich
sehr heiß
inzwischen.
»Glück«, sagte ich. –
»Gehabt«, sagte ich. –
Ja –
da war
etwas
sehr
Wahres
daran.


Der Schlagerstar

Der Schlagerstar saß
in der Hotelbar.
Es war nach seinem Konzert.
Der Barkeeper kam zu mir
an die Rezeption.
»Der gibt sich ordentlich die Kante«,
flüsterte er. »Und die Ische da neben ihm
scheint’n Groupie zu sein; sieht geil aus,
aber redet einen unglaublichen Müll zusammen.«
„Wie interessant», sagte ich, »ich glaub,
ich muss gleich
gähnen.«
Der Barkeeper grinste.
»Na ja, ich kann ihn auch nicht leiden.«
Er ging zurück in die Bar.
Wieder klapperte Eis im Shaker.
Die anderen Gäste schauten
ab & zu
verstohlen
in Richtung der Berühmtheit.
Ich tat, was man so tun muss
als Nachtportier.
Genervt von der schrecklichen Musik, die es
in jedem Hotel gibt.
Irgendwann kam die Berühmtheit
aus der Bar; ihr Blick war
verschwommen;
leicht unsicher
durchquerte sie die Lobby
& verschwand im Aufzug.
Der Aufzug fuhr nach oben.
Ein paar Minuten später
kam die Frau aus der Bar.
Der Gang ihres Minirocks war
sicher & bestimmt.
Ich blickte ihr hinterher, während sie
klack! klack! klack!
auf denselben Aufzug zuging.
Die Türen schlossen sich.
Ich schaute in die Bar,
der Kollege grinste mich an. Ich
hievte eine Augenbraue in Richtung Stirn.
Klock … Klock … Klock … machte die
altmodische Uhr hinter mir.
Ich achtete nicht auf die Zeit; aber
es dauerte nicht allzu lange, bis
die Frau wieder aus dem Aufzug trat,
mich anlächelte &
klack! klack! klack!
zurück in die Bar ging.
Sie setzte sich an die Theke, bestellte
etwas & plauderte
mit dem Barkeeper.
Ich tat, was man so tun muss
als Nachtportier.
Als die Bar sich endlich geleert hatte,
die Lichter waren aus, kam
der Kollege zu mir. Er setzte sich.
Auch die schreckliche Musik war aus.
»Mannomann«, sagte er, »die hatte
echt einen an der Waffel. Hat erzählt,
dass der die Frauen durchnummeriert …
seine ganzen Groupies, und sie fand das
richtig toll,
die Nummer so&so gewesen zu sein.«
»Hmm.«
»Der Fick selber soll aber wohl
ein bisschen unter dem Alkoholkonsum
gelitten haben.«
»Wie in…«
»Interessant, ich weiß.«
»Genau«, sagte ich.
Dann wechselten wir das Thema.

2 Nächte später.
Gegen 4 Uhr der übliche Aufprall
der Zeitungen vor dem Eingang.
Ich holte den Stapel herein, schnitt
die Bänder auf, verteilte die Zeitungen
im Ständer.
Den meisten Dreck an die Fingerkuppen
bekam man immer von der BILD-Zeitung.
Ich musste mir jedes Mal die Hände
waschen nach dem Einsortieren.
Auf der Titelseite war das Foto
einer Schauspielerin. Sie war
die Ehefrau des Schlagerstars.
An die Überschrift erinnere ich mich
nicht mehr genau (es ist sehr lange her);
es war wohl irgend etwas in der Art:
„Die Große Liebe veränderte ihr Leben“
oder
„Wie sie ihn zähmte“.
Der übliche Müll eben.
Ich überflog den Artikel.
Nun doch leicht interessiert.
Er beschrieb das noch junge Glück …
Den früher so unsoliden Lebenswandel
des Sängers … Die Frauen … Den Alkohol …
Aber jetzt …
Jetzt war ALLES ALLES anders! …
Er war treu, endlich! … Hatte
dem Alkohol entsagt, endlich!
Friede, Freude, Omelette!
Ich faltete die Zeitung wieder so, dass sie
ungelesen aussah, tat sie zu den anderen &
ging mir die Hände waschen.
Ich glaube, ich grinste dabei.
Dichtung & Wahrheit, dachte ich.

Es dauerte ein paar Jahre, bis
von der Scheidung berichtet wurde.
Wieder musste ich
mir die Hände waschen.


Der Mann im Schaufenster

Ich sah diesen Mann
im Schaufenster.
Sein Gesicht –
in meinen Augen war es
müde
alt
gezeichnet
zerstört.
Vom Leben.
Von Jahrzehnten der
Unvernunft.
Seine Haut
war schlecht &
voller Narben.
Hinter ihm standen
die Schaufensterpuppen.
Schön
& glatt
& niemals
zum Leben erwacht.
Aufgemalte Augen
starrten mich an.
Eine der Puppen war
ein Kind
aus Kunststoff.
Es lächelte
tot.
Ich betrachtete
das Gesicht des Mannes.
Wo war
das Kind
in ihm?
Wo
der kleine Junge, der
einst
seine Freude
in einen Fotoapparat
gestrahlt hatte ….
Reitend
auf einem Schaukelpferd.
Mit einer Lebendigkeit, die
erschütternd war. –
Geblieben
war
ein Schwarzweißfoto;
das schwarzweiße Abbild
seiner bunten Welt.
Ich betrachtete
das Gesicht des Mannes.
Es war
durchsichtig.
Durch sein Gesicht hindurch
sah ich
das Gesicht
des Kindes.
Des Kindes
aus Kunststoff.
Des Kindes
mit
dem toten Lächeln.


Die leere Hülle

Ganz oben
in der Zimmerecke
hängt
an einem Faden
der fast unsichtbar ist
die abgestreifte Haut
einer Zitterspinne …..
Ein Luftzug
kommt durch ein
undichtes Fenster …..
Die leere Hülle
bewegt sich
als wäre sie
lebendig ….
Eine
fast
perfekte
Täuschung.
Es ist derselbe Luftzug
der mich
schaudern lässt ….
Derselbe Luftzug
der mich
zittern lässt ….
Zittern.
Als wäre ich
lebendig.


Die Insekten

Durch die Finsternis des Raums,
durch die Weite meines Schädels
rast die Schlaflosigkeit
mit dem Fernlicht der Gedanken.
Wie Insekten
in der sommerlichen Abenddämmerung
flattern die Ideen darin,
bevor sie
gegen die Schutzscheibe klatschen – –
Doch
sie sterben
nicht.
Nicht alle.
Irgendwann ….
Irgendwann
nach all der
Raserei
kommt er dann doch:
Der Regen des Schlafes …..
Und auch sie kommen:
Die Scheibenwischer der Träume …..
Nach dem Erwachen
haben nur die hartnäckigsten
Ideen
ihre Spuren hinterlassen
auf der Scheibe.
Ich versuche,
sie wiederzuerkennen;
versuche,
in ihnen zu lesen,
versuche,
sie abzukratzen,
bevor ich abkratze;
ganz schwach
bewegen sie sich noch;
summen sie noch ….
Ich werde sie
auf Papier legen, sie
aufpäppeln
& versuchen,
sie
am Leben
zu erhalten.
Doch
es wird
nicht
leicht
werden.


Der letzte Strich

Es ist immer wieder
das gleiche

Man zeichnet etwas

Es erscheint einem
perfekt

Man möchte es
noch
perfekter
machen

& fügt
einen
letzten
Strich
hinzu

Und mit diesem
letzten Strich
hat man
die Zeichnung
ins Mittelmaß
gerückt

Denn der eigentliche
letzte Strich
war
der Strich davor

Es gibt
keine Steigerung
der Perfektion

In keinem Bereich

Perfektion
oder ihr Anschein
kann nur stattfinden
wenn man weiß
wann
Schluß
ist.


Karamell

Meine Philosophie
ist
sofern ich sie nicht
vergesse
sehr
einfach –

Ich
karamellisiere
Zwiebeln
mit
Zucker.


Der Kern

Ich schreibe
um mich
langsam
heranzutasten
an den
peinlichen
Kern
meines
Daseins.

Den Kern
den
jeder
kennt
aus
seinem eigenen Leben;
den Kern, den
eigentlich
niemand
kennen
oder
lesen
will.


Meine Asche

Staub tanzt
Asche tanzt
im Sonnenlicht

Solange ich lebe
tanze ich
im Mondlicht

Aber
vielleicht
wenn ich tot bin

wird dereinst
auch meine Asche
im Sonnenlicht tanzen


Schirme

Wenn die Sonne scheint
wähle ich
einen Regenschirm

Wenn es regnet
wähle ich
einen Sonnenschirm

Wenn das Wetter sich nicht entscheiden kann
wähle ich
2 Schirme

& wenn ich aus dem Flugzeug
meiner Phantasie springe
wähle ich
keinen Schirm


So !

Sind wir nicht alle
So?
: Versuchen,
unsere Worte & Sätze
cool
klingen zu lassen.

Ein bisschen
Arsch
Fotze
Schwanz
Alk
& platten Witz

kippen wir
darüber

Sind wir nicht alle so?

So

wie wir
eigentlich
im
tiefsten
Innern
nicht
sind?

Aber vielleicht
habe ich ja auch nur
zuviel
gesoffen

& nur deshalb
fiel mir das
gerade
so
ein


? : .

Wer
braucht
schon
Uhren
&
Kalender
solange
es
Spiegel
gibt
?
:
.


Aus !

Wenn ich schon mal
den Fernseher einschalte!
…. werde ich
verstört.

Sie zeigten
meine Geburtsstadt,
die Stadt, in der ich
die ersten 9 Jahre meines
komischen Lebens
verbracht hatte …

&
ich erkannte
Nichts
wieder!

41 Jahre war es her, dass ich
zuletzt dortgewesen war …

Sie zeigten Gebäude, von denen
ich sicher wusste, dass ich sie
einst betreten hatte,
und doch
erkannte ich sie nicht.

Sie zeigten
den Dom. Ich hatte eine Erinnerung
an ihn. Aber die Erinnerung
war kein Bild –

die Erinnerung war
nur
Atmosphäre,
nur
ein Tasten,
nur
ein Gefühl ….

Nichts, was man hätte
filmen können.

Vielleicht, wenn sie
die Straße gezeigt hätten, in der wir
gelebt hatten? …..

Sie hätte ich doch wohl
wiedererkannt ….

Doch womöglich wäre das
eine noch größere
Verstörung
gewesen.

Ich weiß nicht sicher, warum
ich 41 Jahre lang nicht mehr
dort gewesen war.
Trotz aller Sehnsucht.

Entweder
weil ich befürchtet hatte,
nichts mehr wiederzuerkennen –
oder
aufgrund der Angst,
dass die unsichtbaren Erinnerungen
in all der
Entfremdung
auf mich lauern & mich
überwältigen könnten …..

Was schlimmer gewesen wäre –
auch das
weiß ich nicht.

Ich schaltete
den Fernseher
aus.


Das Flüstern

Manchmal, wenn ich aufwache
(& ich wache oft auf),
flüstere ich:
»hilfe«
Denn das Erste, was mir
nach all den Träumen
ins Bewußtsein dringt, ist
die Last auf meinen Schultern
& das Wissen, dass ich sie
kaum
alleine
(er)tragen kann …..
Und dann,
im nächsten Moment
muss ich –
grinsen,
denn dieses Flüstern
ist doch
gar zu albern.


Fehlbesetzung

So viele Leben
betrachtet man
von außen

Wie Filme

Und sie
sehen schön aus
von außen

Fast könnte man
neidisch werden

(Würde man zum Neid neigen)

Und doch

Wie viele der
handelnden Personen
fühlen sich

fehlbesetzt
in diesen Filmen
die so schön aussehen

fühlen sich
fehlbesetzt

in ihrem eigenen Leben


Der Kratzer

Es war eine Schwäche, die
allzumenschlich war ….

Lange hatte ich gespart
für diesen Gegenstand.

Dann
besaß ich ihn.
Endlich.

Er war
Realität,
war
neu,
war
makellos.

Es dauerte
nur wenige Tage,
da
fiel etwas
auf diesen Gegenstand

& der Gegenstand
bekam
einen Kratzer ….

Der Kratzer
schmerzte
in meinem Innern.

Es war eine Schwäche, die
allzumenschlich war ….

Ich wollte ihn
makellos –
diesen Gegenstand.

Wollte ihn
wie neu.

Wollte ihn so,
wie es ihn
millionenfach
gab.

Doch diese Schwäche
hielt nicht lange an.

Ich betrachtete
den Kratzer

lange
lange ….

& betrachtete ihn
schließlich
als

des Gegenstandes

einzigartigen

Charakter.


Der Rasen

Ich schaue aus dem Fenster ….
Ich betrachte den Rasen ….
All diese Grashalme, die
sich biegen, weil sie
zu lang sind, um
aufrecht zu sein.
Gestern waren sie noch nicht
so lang. Und schon
vor 1 Woche hatte ich den Rasen
mähen wollen. Schon
vor 1 Woche hätte ich es
tun sollen.
Doch ich schaute nur
aus dem Fenster.
Vor 1 Woche.
Betrachtete den Rasen ….
& glaubte beinahe,
ihn wachsen zu sehen
ihn wachsen zu sehen
ihn wachsen zu sehen ….
Rasen
Rasen
Rasen
Er wuchs
über meinen Kopf.
Während ich ihn
betrachtete.
Von drinnen.
Von dort, wo ich
bleiben wollte.
Ich schaue aus dem Fenster ….
Ich betrachte den Rasen &
weiß,
wie lang die Grashalme
morgen sein werden.
Länger als jetzt.
Viel länger als vor 1 Woche.
Ich weiß, was
das bedeutet ….
Morgen
werde ich
aus dem Fenster schauen.


Ich bin

Ich bin

der alte Mann
der sich erinnert …
das kleine Mädchen
das selbstvergessen tanzt …
die Fliege
die erschlagen wird …
die Spinne
die ein Netz baut …
das Staubkorn
das durch den Sonnenstrahl fliegt …
der Zigarrenrauch
im Mund einer Frau …
die leere Flasche des Säufers
die im Container zersplittert …
die volle Flasche
die er versehentlich fallen lässt …
der klemmende Typenhebel
in der Schreibmaschine …
der laute Tropfen
der nachts im Waschbecken platzt …
das schiefe Bild
an der Wand meines Lebens …
das Salz in der Wunde …
die Wunde im Salz …
das Sandkorn
an einem vergessenen Strand …
die Katze
die sich zwischen den Beinen leckt …
die Pfütze
die das Mondlicht spiegelt …
der Todestag
Deines Lieblingsschriftstellers …
die Geburtssekunde
Deiner großen Liebe …
die letzte Kerze
die an Deinem Sarg noch leuchtet …
das erste Licht
das Dich im Kreißsaal blendete …
die Saite
die reißt …
das letzte Foto
im Familienalbum …
das Zebra
auf dem Schachbrett …
der Nagel
der krummgeschlagen wird …
das fehlende Blatt
in einem alten Buch …
das Unkraut
in einem verwilderten Garten …
der erste Kuss
auf Deinem nackten Arsch …
die aus dem Verkehr gezogene
Glühbirne …
das übersehene Haar
an einer rasierten Fotze …
der tiefste Kratzer
auf einer Schellackplatte …
die Murmel
in der Hosentasche eines kleinen Jungen …
der leere Akku
der den lebenswichtigen Anruf verhindert …
die Olive
im Martini …
das 666ste Wort
in diesem Text …
das professionelle Lächeln
des Bestatters …
das zu große Mädchen
mit dem ich das erste Mal tanzte …
der Stummfilm
der verschollen ist …
der letzte Spaziergang
mit Deiner Oma …
der abbrechende Bleistift
der ein wichtiges Wort schreiben sollte …
die Sicherung
die herausspringt …
der entzündete Zahn
des Wolfes …
der Würfel
ohne Augen …
der letzte Schlag des Vaters
bevor er starb …
das vierte Staubkorn von links
im Bücherbord …
der Schnürsenkel
der reißt …
die letze Luftblase
die aus dem Mund des Ertrinkenden dringt …
das letzte Zitat
in meinem leeren Kopf …
der Sarg
den Django durch den Schlamm zieht …
die Klingel
die jemanden aufweckt …
der Schlüssel
der von innen steckt …
die Bananenschale
vorm Eingang des Krankenhauses …
die lustige Antwort
auf eine traurige Frage …
die traurige Antwort
auf eine lustige Frage …
das zweiblättrige Kleeblatt
auf Deinem Grab …
die unbrauchbaren Finger
an Django Reinhardts linker Hand …
die Frau
die Dir als Kind die Gratiswurstscheibe reichte …
der leere Benzinkanister
im Kofferraum des benzinlosen Autos …
die richtige Farbe
im falschen Gemälde …
die falsche Farbe
im richtigen Gemälde …
der erste Zungenkuss
des Lebens …
die kranke Tonleiter der Tropfen
in einem verstopften Abfluss …
das Gefühl des Spinnenfadens auf der Stirn
beim Durchqueren einer Kellertür …
das Haarknäuel
im Abfluss …
die einzige Luftblase
unter der Klebefolie …
der Sägespan
im Hobbykeller des Großvaters …
die Kotztüte
im Auto der Kindheit …
der ungeschickte Liebesbrief
der in einer vergessenen Schublade liegt …
der letzte leere Blister
in der Aspirinschachtel …
die Lieblingslampe
meiner Kindheit …
der kürzeste Faden
am Saum der kurzgeschittenen Damenjeans …
der Kragen
an Bela Lugosis Cape …
das Denkmal
an dem Ort wo niemals gedacht wurde …
das kurze Zittern
beim Druck auf den Auslöser …
der blutende Darm
des überfahrenen Igels …
das billige Klebeband
das nicht richtig klebt …
die erste Schleife
die Du als Kind gebunden hast …
der Staublappen
in der kaputten Waschmaschine …
das Salzkristall
im Meer …
die Wespe
im Auto das über die Autobahn rast …
das JoJo
mit dem verhedderten Faden …
der längst Satz
des dümmsten Gedankens …
das Taschenlampenlicht
unter der Bettdecke Deiner Kindheit …
die Bombe
die in der vollbesetzten U-Bahn detoniert …
der Eiter
im Nagelbett …
das kleinste Bläschen
in der Lavalampe …
die Luftblase
in der lebenswichtigen Spritze …
das fremde Staubkorn
in der Urne der Geliebten …

Ich bin
der gerissene Film …

Ich bin
das offene Ende
dieses Textes …

& seine Fortsetzung
die
niemals
kommen
wird.


Der Andere

Hinter den Worten
die ich schreibe
ist
ein Anderer.

Ich
glaube
ihn zu kennen

unbewußt.

Du
glaubst
mich zu kennen

weil Du
meine Worte liest

Doch hinter den Worten
ist der Andere –
mit seinen Eitelkeiten
seinen Sehnsüchten
seinen Trieben
seinen Prägungen
seinem Unterbewußtsein.

Er
schreibt meine Worte.

Er ist nicht
das Ich
das sich in den Worten spiegelt.

Du
kennst mich nicht

denn Du siehst nur
die Worte

& nicht
den Anderen.


Ich hab Fritten !

Es wurde zum
Geflügelten Wort
in unserer Familie.

Mein großer Bruder
war noch klein.
Ich: noch kleiner.

Es war
in den Ferien. Am Meer.

Mein Vater & ich saßen
im Freien. Am Tisch eines
Imbisses.

Die Sonne schien, wie sie es
nur
manchmal
in der Kindheit tut.

Salz
kitzelte in meiner Nase.

Mein großer Bruder
der noch klein war
kam aus dem Innenraum
des Imbisses

mit einem großen Teller
der voll war

Mein Bruder strahlte

Schon von weitem rief er:
»Ich hab Fritten!«

Der bevorstehende Genuss
ließ ihn schneller gehen

Schon konnte ich
die Fritten riechen

als mein Bruder
stolperte

Den Teller
behielt er in der Hand

Aber
er war leer

Alles lag auf dem Boden

Ich erinnere mich
nicht
ob mein Vater & ich lachten

Beim besten Willen
kann ich mich nicht
erinnern

Aber
ich vermute es
denn
es wäre menschlich gewesen
zu lachen

Zumindest
kurz

Es wurde zum
Geflügelten Wort
in unserer Familie

»Ich hab Fritten!«

Für alle Momente
die an
diesen
einen
Moment
erinnerten

Und im nachhinein
ist es für mich
fast
ein Lebensmotto

Denn
ich hatte
oftmals
Fritten
in meinem Leben