Archiv der Kategorie: Gedichte/Texte
„Luft“, dachte er, „sie ist Luft für mich.
Ganz einfach. Verdammt, ich werde nicht
zulassen, dass sie mein Leben zerstört.
Ich werde nicht mehr an sie denken.“
Doch in ihm dachte
Es
an sie.
Sie, die
Blut
gewesen war,
in ihm.
So lange.
Dann sagte er es laut:
„LUFT. Sie ist Luft für mich.“
Er hörte seine Worte.
Und er wollte ihnen glauben.
Ja.
Sie war Luft für ihn -:
Ein kleines Bläschen Luft
in seiner Blutbahn.
Ganz langsam
bewegte es sich auf sein
Herz zu.
Und er spürte es.
„Luft“, dachte er, „ich werde
keine Luft mehr bekommen.“
Das Bläschen –
ein winziger Ballon aus
eingeschlossenem Atem –
durchfuhr ihn.
„Luft“, sagte er.
Er sagte es laut.
Und er wollte ihr
zuvorkommen.
Und er wußte,
wie …..
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Als Kind vorm Kiosk :
Anisbonbons
Immer der Nase nach!
Glück ….
Als Jugendlicher im Irgendwo :
Ricard & Pernod
Sambuca & Ouzo
& Raki
Der Lust hinterher!
Unruhe ……
Als VErwachsener im Vergessen :
Absinth
Dem Tod voraus!
Sehnsucht ………….
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Der Berg schmutziger Wäsche wächst
neben meinem Bett; die Türme der
Bücher neben meinem Bett
schrumpfen.
Die Stapel der Zettel wachsen
auf meinem Schreibtisch; die
Vorräte schwinden in meinem
Kühlschrank.
Ich trinke Weichspüler.
So nenne ich die Cocktails, die
mich sentimental machen.
Ich sollte Stärke saufen,
um mich zu befestigen.
Ich frage mich:
Wenn Zwangsjacken gewaschen werden –
tut man Stärke oder Weichspüler in
die Maschine?
Da fällt mir ein:
Ich sollte ihn endlich waschen –
den Berg
neben meinem Bett.
Aber
Aber
Aber
Aber
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Nach seiner Entmündigung hatte
Baudelaire
noch immer mehr zu sagen als diejenigen, die
ihn entmündigt hatten – mehr als diejenigen, die
immer noch im Vollbesitz ihres geistigen
Unvermögens waren – & die vollmundig auf
ihn einredeten, um ihn zu ihrer Art von
Vernunft zu bringen.
Noch heute würde ich gerne die Leiche von
mr. allan ohrfeigen (wenn sie nicht längst
Staub wäre) – für das, was er seinem
Pflegesohn,
MR. EDGAR POE,
angetan hat …..
Es wäre mir egal, dass mr. allan
ein Kind seiner Zeit & seiner eigenen
Beschränktheit war –
ausnahmsweise würde ich auf allen
Determinismus ein gar lustig Liedlein
pfeifen – & die Leiche durchprügeln,
mit stetig wachsender Begeisterung.
Schläge in die Fresse aller
Entmündiger!
Die Zahl ist Legion –
derer, die in die Tombola-Trommel
der LebensFähigen
gegriffen & das
Große VerständnisLos
gezogen haben.
Möge die Welt des
Funktionierens in das
Chaos versinken, das die
LebensUnfähigen
in sich tragen!
Der Verlust wäre – – –
überschaubar.
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Sie schneidet ihrem Söhnchen die Haare,
während ich mir die Haare wasche. Der
Kleine redet – erzählt alles Mögliche; ich
höre zu.
Sie trägt eine pinkfarbene Morgenjacke,
sonst nichts; die reicht ihr knapp über
den Hintern. Sie benutzt Schere & Kamm.
Keine Maschine.
Das Wasser läuft heiß über meinen Kopf;
ein paar Tropfen landen auf meinen
Hosenbeinen.
„Halt still“, sagt sie.
Der Kleine quasselt weiter. Er sagt
etwas Witziges. Ich lache. Schaum
sickert in meine Augen.
„Warum lachst du?“ fragt sie mich.
Der Kleine übernimmt die Antwort:
„Weil ich was Witziges gesagt habe.“
„Genau“, sage ich.
„Siehst du“, sagt er zu ihr.
Sie scheint mit ihren Gedanken
woanders zu sein.
„Ach so?“ sagt sie.
Ich drehe das Wasser ab; ich höre
die Schere.
Später:
Der Kleine ist beschäftigt in seinem
Zimmer.
Sie & ich sitzen auf dem Sofa; in
einem Sonnenmuster.
„Warum hast du vorhin wirklich
gelacht?“ sagt sie leise.
„Ich fand witzig, was er gesagt
hat. Du nicht? – Warum hätte ich denn
sonst lachen sollen?“
„Ach so“, sagt sie, „und ich dachte,
du hättest gesehen, wie der Saft an
meinem Bein herunterlief.“
„Oh“, sage ich, streichle den
Oberschenkel, der sich an meinen
preßt, „aber ich hatte doch
die Augen geschlossen.“
Sie sagt: „So kann man sich also
irren.“
„Ja“, sage ich, „so kann man sich irren.“
Meine Hand bewegt sich etwas weiter
ins Sonnenlicht.
„Ich glaube, ich hole mal besser ein
Handtuch“, sagt sie. „`s wär schade
um das Sofa.“
Und ich sage:
„Bleib sitzen. Ich mach das schon.“
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Erotik, Kultur, Liebe, Lyrik, Sex | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Irgendwann … plötzlich …
gab es in irgendeinem Lebewesen
zum allerersten Mal: Schmerz.
Schmerz war ins Leben getreten, neu
auf der Erde & in der Existenz.
Dann, irgendwann, war der Schmerz
schon überall gewesen – in allen
Körperregionen – in allen Lebewesen –
in allen Körperregionen aller Arten von
Lebewesen.
(Keine Art starb aus, ohne den
Schmerz kennengelernt zu haben.)
Er, der schon überall gewesen war,
begann die endlose Reise der
Wiederholungen …..
Durch die Wesen; durch die
Regionen. Durch die Äonen.
Der Schmerz, der in meinem Kopf wütet,
ist ein verdammt unorigineller Bastard.
Es gab ihn schon im Kopf des
Neanderthalers – & bereits dort
hatte er sich nur wiederholt.
Ich verachte ihn -; noch lieber würde
ich ihn mißachten & mich über ihn
lustig machen; am allerliebsten aber
würde ich ihn ignorieren,
wie die Wiederholung eines
schlechten Films.
Doch ich bin zu schwach dazu,
nicht originell genug, selber nur
eine Wiederholung.
Ich bin die Wiederholung
irgendeines Schmerzempfängers
aus einer Zeit vor meiner Zeit.
Ich mache es mir einfach:
Ich schlucke ein Aspirin &
warte, bis der Bastard
verschwindet.
Ein Kommentar | Schlagwörter: Krankheit, Kultur, Lyrik, Schmerz | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Im Kegel der Scheinwerfer halte ich
– manchmal – das welke Blatt für eine
Kröte – – & weiche ihm aus.
Manchmal halte ich die Kröte
für ein Blatt – –
& überfahre sie.
Die Landstraße bei Nacht
nenne ich
mein Leben.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Tiere, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Als Kind war ich
tiefer als der alte Sack, der ich
heute bin –
In Alles konnte ich mich
verlieben – sofort – & tief –
In das kalte Auge eines Fisches,
den abschätzigen Blick eines Mädchens,
die verächtlich geschwungenen Lippen
eines Jungen –
Ich verliebte mich in den
Griff eines Schraubenziehers, sobald
er das Sonnenlicht auf eine spezielle
Art reflektierte – oder brach –
Heute –
fühle ich mich flach –.
Augen, Blicke, Lippen – sie
müßten sich
Mühe geben –
Der Griff des Schraubenziehers hat
– vielleicht – keine Chance mehr;
aber der Schraubenzieher kann
– zumindest – meine lockeren Schrauben
anziehen.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kindheit, Kultur, Liebe, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Da mein Badezimmer alt ist (obwohl,
nicht so alt wie ich), gibt es ein Bidet darin.
Aber das tut nichts zur Sache. Ich saß –
nein, nicht auf dem Bidet – ich saß
auf dem Sofa & blätterte durch diesen
merkwürdigen Kalender – einen
Kalender der Geburtstage.
Wer hatte am selben Tag Geburtstag
wie ich? – – :
Johann Peter Eckermann
Stephen King
Leonard Cohen
H. G. Wells
& diverse TV-Nasen
– – –
Was für ein seltsamer Cocktail, dachte ich
& hob mein Cocktailglas. Na dann, Jungs,
HAPPY B-DAY !
Ein Kommentar | Schlagwörter: Alkohol, Kultur, Literatur, Lyrik, Musik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Was hilft einem die ganze Philosophie, wenn
sie aus den Sprüngen, die man in der Schüssel hat,
wieder heraussickert? Da trägt man
Schopenhauers ‚Aphorismen zur Lebensweisheit’
in seiner Manteltasche mit sich herum, und dann
wird es richtig kalt & richtig finster, und man
friert & tastet blind – trotz Mantel, trotz Buch.
Man weiß, man versteht, man fühlt, dass die
Gedanken, die man liest, richtig sind – &
sie helfen einem – einen Scheißdreck!
Diese – vielleicht winzigen – Sprünge in der
Psyche sind nicht auszufüllen, nicht zu
schließen, nicht zu überbrücken.
Hin & wieder
vergißt man sie vielleicht, für
Momente, für Stunden, manchmal für
Tage ……
Vielleicht vergißt man sie einfach so,
vielleicht braucht man Hilfsmittel des
Vergessens.
Einerlei.
Diese Momente,
Stunden,
Tage
sind das Beste, was man
bekommen kann.
Mehr ist nicht
drin. In einer Schüssel mit
Sprüngen.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich hatte Untergedicht
Ich hatte Übergedicht
Ich habe mein Idealgedicht
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Dass ich nichts denken kann, was
nicht schon gedacht worden wäre –
Dass ich nichts sagen kann, was
nicht schon gesagt worden wäre –
Dass ich nichts schreiben kann, was
nicht schon geschrieben worden wäre –
Ich weiß es.
Nichts außer Variationen.
Selbst der Wahnsinnige kann nichts
Menschenunmögliches denken.
Schade, denke ich manchmal.
Und auch Das hat schon jemand
gedacht.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik, Philosophie, Wahnsinn | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Da ich meine Hanteln in die Mülltonne
geworfen habe, muss ich alles leicht nehmen.
Schweres ertrage ich nicht mehr.
Work konnte ich noch nie
ertragen. Meine Arme
sind dünn. Nur Gedanken
können sie noch tragen, vielleicht
Träume. Doch vielleicht nicht mal
die.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Haare fallen mir aus.
Sie liegen auf dem Kopfkissen.
Ich betrachte sie.
Hat mir ihre Position etwas zu sagen?
Was bedeutet das Muster?
Ich denke an die Chaostheorie.
Mir fällt etwas aus.
Und dann fällt mir etwas ein.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Chaos, Kultur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
An manchen Tagen denke ich,
es lohnt sich nicht mehr, den Staub
vom Schreibtisch zu wischen; er sieht
aus wie ich in ein paar Stunden aussehen
werde.
Ich gehe ins Bad; der Abfluss des
Waschbeckens ist verstopft von den
Nachkommen, die ich niemals haben werde.
Mir fällt das auf.
Mir fällt was ein.
Ich lache.
Und dann wische ich
Staub.
Ein Kommentar | Schlagwörter: Humor, Kultur, Lyrik, Philosophie, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Gib Dir mal ein bisschen
Mühe !
Die Mühe, die man sich geben
soll oder will, ist es,
was einem die
Gelassenheit
raubt.
Schmerzhafte Krämpfe
über
All
Deshalb
schiebt man sich die
Schrotflinte ins Maul …
Spült die SchlafTabletten mit
Gin herunter …
Springt man von der
Brücke, die nirgends mehr
hin führt
Der Krampf des Zeigefingers
am Ab
Zug
Nicht
mit mir
Nie wieder
werde ich mir
Mühe
geben
.
Ein Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik, Philosophie, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Als Du gingst, wog ich
63 kg –
Jetzt wiege ich
71 kg –
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Alkohol, Beziehung, Einsamkeit, Essen, Kultur, Liebe, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich liebe den bösen bösen Humor
des Schicksals – – -.
Malcolm Lowry, der wohl unFassBARste
Säufer der Literaturgeschichte, hatte,
als man ihn obduzierte, eine völlig
intakte Leber.
Sein Vater –
zeitlebens Abstinenzler –
starb an
Leberzirrhose.
Gott, was haben wir gelacht!

Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Alkohol, Krankheit, Kultur, Literatur, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich hatte es gesehen, das
verhasste Tier – – es
lief schnell, versteckte sich
vor mir; als ahnte es, dass
es von mir nur Unheil zu
erwarten hatte.
Es war so schnell in seiner
Flucht, dabei trug es eine schwere
Last auf seinem Rücken; die
Last all meiner irrationalen Ängste;
alles was ich nicht verstand,
beschwerte das Tier. Ein kleines
Tier, das mir zu groß war. Seine
Größe & seine Schnelligkeit
schürten meinen Hass,
mein Unverständnis, meinen
Ekel, meine Angst. Und nun
sah ich es nicht mehr. Und
weil ich es nicht mehr sah,
wuchs es. Immer bedrohlicher
wurde es. Ich spürte seine
Existenz, spürte die dünnen
Beine an mir emporklettern.
Jeder sich bewegende Schatten
konnte das Tier sein; auch
mein eigener. Ich erschreckte
vor mir selber; und mein
Blick war nur noch auf den
Boden gerichtet. Wo ist es?
Wo ist es nur? Ich weiß, es ist
da. Irgendwo wartet es. Ich
weiß nicht, worauf es wartet.
Und weil es ein Tier ist,
weiß es das selber auch nicht;
es wartet instinktiv. Ich
warte, dass es herauskommt;
das ist mein Instinkt. In diesem
Moment bin ich so klug – oder
so dumm wie dieses
Tier. Nein – das Tier ist
klüger als ich; denn es hat
Angst vor mir, und seine
Angst ist
besser begründet.
Ein Kommentar | Schlagwörter: Angst, Kultur, Lyrik, Tiere | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Mein zerstörter Schädel tauchte
auf aus Betäubung – frische
Blutflecken auf dem Kissen.
Das Gedächtnis lallte etwas von
Vodka, Bier, Tequila, Aspirin;
von Zahlen wollte es nichts wissen;
das Wieviel war Viel gewesen,
aber 1 Aspirin würde schon noch
gehen. Kein Wasser neben dem
Bett, also: trocken schlucken.
Ein geringer Preis für die Euphorie
der vergangenen Nacht.
Selbstexperiment : Selbstzerstörung :
die Unterspülung, Überflutung des
Wortzentrums : Platzregen der Ideen :
Aufbruch der Worte : Sprengung :
Fliegende Fetzen : Gedankengebäude :
Einstürzende Altbauten : Steinbruch :
AssoziaZonen : Das surrealistische
ManiFest : monomanisches Getippe
Gegen Mittag hatte der Handwerker
geklingelt. Der Wasserzähler sollte aus-
getauscht werden. Ich war so besoffen,
dass ich tatsächlich die Tür öffnete.
Ich stotterte ihm meinen Alk-Atem
entgegen. Wie kann man um diese
Uhrzeit dermaßen besoffen sein, hörte
ich ihn denken. Er arbeitete schnell.
Offenbar wollte er schnell wieder weg;
mein Keller & die Treppe dorthin sind
wie das Set eines Horrorfilms; ich bin
verstörrte Blicke gewohnt. Man hält
mich für exzentrisch oder gemein-
gefährlich (alles Quatsch natürlich).
Außerdem trug ich ein T-Shirt, auf
dem der Schriftzug >PSYCHO<
prangte; das machte es nicht besser.
Er beeilte sich so sehr, dass er seine
Taschenlampe vergaß, obwohl sie
eingeschaltet war. Ich trug ihm sein Licht
hinterher. „Tschüss“ ist ein einsilbiges
Wort; das konnte ich gerade noch
sagen. Dann fiel ich ins Bett. Im Bett
lag die Ukulele, ich spielte noch
ein bisschen, dachte an die Ukulele
von Malcolm Lowry – – &
war weg.
Ich hatte mir kein
Versprechen gegeben, kein:
Morgen trinke ich weniger, morgen
trinke ich mehr – morgen morgen
morgen …..
Ich gebe keine Versprechen.
Worte
breche ich. Auf meine
Art.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Alkohol, Kultur, Literatur, Lyrik, Musik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Sie standen an einem frischen Grab im
Regen. Allein. Das provisorische Holzkreuz
stak schief in aufgeweichter Erde. Sie waren
schirmlos; Blumen niedergedrückt.
Ihre Liebe lag tief im Sarg. Wasser lief über
Gesichter. Mit grauer Stimme sagte sie:
„Du weißt, dass nach dem Tod Haare &
Nägel weiterwachsen?!“ Sie musste es laut
sagen, denn der Regen war laut; die
Böen waren laut.
Er sagte:
„Das ist ein Mythos. Völlig unwissen-
schaftlich. Einfach falsch.“
Die Haare klebten an seinem Kopf.
Sie sagte:
„Aber manchmal wird jemand
LEBENDIG BEGRABEN!“
Sie sagte es laut. Fast schreiend.
Er sagte:
„Das war früher. Heute ist der Stand
der Wissenschaft so weit, dass das nicht
mehr geschehen kann.“
Schwere Tropfen prasselten.
Der Wind nahm ihr den Atem.
Sie sagte noch etwas. Aber
sie sagte es leise.
Das Wetter fraß
ihre Worte.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Das Radio weckte mich mit Strawinsky.
Viertelwach erkannte ich den Feuervogel.
Ich war müde; sehr müde. Auf halber
Strecke durch den Tagesschlaf hatten Worte
& Ideen mich ins Bewußtsein zurück
geprügelt. Ich hatte in der Finsternis gelegen
& mit geschlossenen Augen die Worte
nach dem Willen der Ideen geordnet. Es
dauerte. Als ich fertig war, speicherte ich
alles in meiner Sülze & schlief weiter.
Nun also: Wach. Ich mache Licht, stehe
auf. Gehe ins Wohnzimmer. Auf dem
Schlitten der Schreibmaschine – 1 leeres
Blatt Papier ist eingespannt – sitzt ein
Nachtfalter. Ich fahre Schlitten mit ihm.
Tippe das Kopfgespeicherte. Dem Falter
isses egal. Der Schlaf hat manches im
Text gestrichen, anderes hinzugefügt.
Fertig, ich gehe kacken.
Dann: Frühstück. Bereit machen für die
Arbeit; zumindest äußerlich bereit.
Ich steige ins Auto, fahre 45 Kilometer
durch die Dunkelheit in die Ödnis der
Fremdbestimmung & des Zeitraubs ….
Job Job Job Job (gut dass ich einen habe,
aber meckern über die Tatsache, einen
haben zu müssen, tue ich trotzdem)….
Alufolie [das Wort hat hier nichts zu
suchen & keinen Sinn, aber ich habe
Lust, es zu schreiben, also tu ichs –
TippTourette] …
Ich komme im Hotel an, spieße mein
Jackett mit dem Namensschild auf; bin
beschildert, gelabelt, gekennzeichnet.
Es ist Samstag. Nicht lange, und die
Lobby füllt sich mit Besoffenen, die aus
der Bar & der Stadt in Strömen fließen.
Eine Menge Vertretervisagen darunter;
Menschen, die unter der Woche kuschen,
und sich am Wochenende rächen. Es
fühlt sich gut an, neben ihnen nüchtern
zu sein. Unter der Woche bin ich ein
Säufer, aber wenn alle saufen, wenn
sowas säuft, vergeht mir die Lust. Wie laut sie
sind. Wie uninspiriert die Roten Augen tränen.
Alkohol weiß mit ihnen nichts anzufangen;
selbst dem Bier sind sie zu blöd. Blicke,
so hohl, dass sogar die Leere ein Echo hat.
Ich setze mich hin, öffne das Textprogramm
& tippe vor mich hin, die Arbeit kann
warten, in der Bar splittert ein Glas, das
Telefon klingelt, jemand reserviert für
nächste Woche, ein Schwarm Chinesen
betritt die Halle, auch sie besoffen, aber
anders, sie sind höflich, entern den Aufzug,
verschwinden, ich tippe weiter, eine
Vertretervisage tritt an die Rezeption,
beginnt mich zuzulallen, ich antworte höflich
wie ein Chinese, aber mein Gesichtsausdruck
veranlasst ihn, sich meinen Namen zu notieren, gut,
dass ich ein Namensschild trage, jetzt werde ich
vielleicht berühmt in irgendeinem Internet-
portal, fluchend schließt er sich wieder seiner
Herde an, ich tippe weiter, draußen Blaulicht
& Sirenen, es ist Samstag, Jetzt zuhause sein,
denke ich, mit dem Nachtfalter & dem Feuer-
vogel, ich tippe das Ende, schicke mir das
Ganze per Email nach Hause, klicke auf das
Kreuz oben rechts ‚Wollen Sie speichern?’,
Nein, will ich nicht. Weshalb bin ich hier?
Ach ja, Arbeiten. Also arbeite ich jetzt. Inzwischen
redet man über Fussball. Gläser klirren. Die
Kollegin aus der Bar bringt Nachschub in die Lobby;
anzügliche Bemerkungen (schon jetzt ist klar, sie
werden ihr kein Trinkgeld geben, wir kennen
unsere Pappenheimer), auf dem Rückweg
lächelt sie mir zu & schaut gen Himmel.
2 Glasaugen nähern sich mir, aus dem Biermaul
sprüht ein Wort: „Toilette?“ Ich gebe eine
Wegbeschreibung (Kotz Blut! denke ich). Und
so geht es weiter weiter weiter. Job Job Job.
Stunde um Stunde. Bis es dämmert.
Dann nehme ich das Namensschild ab, es
fließt kein Blut aus den Wunden des Jacketts,
und ich fahre 45 Kilometer durch das Morgenlicht
in die Oase meiner Selbstbestimmung.
Der Nachtfalter hat den Schlitten verlassen.
Der Text ist noch da. Die Email ist eingetroffen.
Ich werde heute nichts trinken. Und auch auf
der Festplatte habe ich den
Feuervogel.
Ein Kommentar | Schlagwörter: Alkohol, Kultur, Lyrik, Musik, Tiere | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Den langen Atem – ich
habe ihn nicht; suche
nicht nach der Zeit, die
ich verloren habe.
Vielleicht finde ich
manchmal – ohne zu suchen –
einen kleinen Moment der
Gegenwart.
Einen Augenblick, der sich
als Gewinn herausstellt,
sobald ich ihn mir bis ins
Letzte bewusst machen kann.
Den langen Atem – ich
habe ihn nicht; kurz ist
mein Atem. Aber
auch damit kann man
leben.
Die verlorene Zeit
hat nichts mehr zu
bedeuten.
Sollte sie mich
wiederfinden & sich mir
in den Weg stellen,
werde ich
die Straßenseite wechseln
& nicht
zurückblicken.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik, Philosophie, Zeit | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Der gigantische Schnabel am Himmel,
spitz scharf schwarz & gierig;
Schwingen, die den Tag verfinstern.
Der gelassene Blick des Riesenvogels,
stechende Augen, die wissen:
Ich bekomme Euch alle!
Manche Menschen blicken zu ihm auf;
viele wenden sich ab, spüren seinen Blick
niemals mehr – andere haben ihn noch nie gesehen.
Tiere ahnen ihn durch Instinkt.
Ich schaue in den Himmel.
Sehe den stechenden Augen-Blick,
der auf mich gerichtet ist, sehe
die Spitze des Schnabels. Und
– wie alle – bin ich blind für die
Geschwindigkeit des Fluges.
Rasende Zeitlupe; langsam-segelnder
Sturzflug; ein plötzlicher Sprung in
Lichtgeschwindigkeit…..
Ich begreife die Zeit nicht, erfasse
nicht die Strecke, die zwischen uns liegt,
aber ich schaue in den Himmel &
weiß, er wird
auch mich bekommen.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich laufe Koma
schaue in den Spiegel
der All S
verwandelt
& schon laufe ich
Amok
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Wahnsinn | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Eine harmlose Krankheit
klingelt Sturm. Du öffnest die
Tür. Die Krankheit sagt:
„Da bin ich wieder.“
& lächelt.
Du wirst bleich.
„Wer sind Sie? Ich kenne
Sie nicht.“
Ihr Lächeln ist
bedrohlich. Für Dich.
„Was soll das heißen?“,
sagt sie. „Wir hatten doch
schon viel Spaß miteinander.
Ich schaue nur kurz vorbei,
und dann bin ich auch schon
wieder weg.“
Aber nein.
Du hast sie vergessen, und
sie sieht aus, als wolle sie
bleiben.
Bleiben bis zum Ende;
bleiben, um Dich in den
Tod zu wiegen.
Du beginnst zu schwitzen,
eiskalt. Sie lächelt, eiskalt,
schiebt Dich sanft zur Seite
& betritt Deine Wohnung.
„Komm schon“, sagt sie,
„wir werden wieder Spaß haben;
zier Dich nicht so.“ Und
sie setzt sich aufs Sofa &
öffnet ihre Beine.
Und Du erkennst sie
noch immer nicht.
Und das Unbekannte heißt
Angst.
Die Unbekannte heißt
Angst.
In einer Gleichung, die Du
nicht lösen kannst.
Du weißt nur:
Du musst auf das Sofa,
musst zu ihr. Nichts
hilft.
Es geht
schnell vorbei.
Sie geht
schnell.
Und kaum hast Du
die Tür hinter ihr
zugeworfen,
hast Du sie wieder
vergessen.
Hast vergessen, was sie
war:
harmlos.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Krankheit, Kultur, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich habe verrückte Angewohnheiten.
Schrullen.
In manchen Nächten, seltsam-disparate
Musikmixturen donnern durchs Haus
(Heavy Metal, Swing, Klassik, Pop,
Bebop, Oper), Flaschen sitzen
locker wie die Colts eines Revolver-
helden, da tänzle ich durch die Räume,
vorbei an den Regalen, & ich ziehe einige
meiner Lieblingsbücher heraus, nur
um den jeweils Ersten Satz wieder
zu lesen – selbst wenn ich ihn auswendig
kenne; ich will ihn sehen. Ich liebe
Erste Sätze! Sie entscheiden. So wie
es manchmal der Erste Blick tut.
-Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen.
-Dem Höhepunkt des Lebens war ich nahe, da
mich ein dunkler Wald umfing und ich, verirrt,
den rechten Weg nicht wieder fand.
-Stattlich und feist erschien Buck Mulligan am Treppen-
austritt, ein Seifenbecken in Händen, auf dem gekreuzt ein
Spiegel und ein Rasiermesser lagen.
-Angefangen hat das so.
-Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf das
Nichts des Neuen.
-„Was ist das. – Was – ist das …“
-Zwei Gebirgsketten ziehen sich in etwa nordsüdlicher
Richtung durch die Republik, und dazwischen breitet sich
eine Anzahl von Tälern und Hochplateaus aus.
-Zuerst dieses hauchend lange, pfeifende Heulen, mitten in der
Luft, als käme die Lokomotive, die Sie nirgends sehen, im
Bogen unter den Wolken hervor, die unbewegt niedrig über
dem Hügelrand warten, bis man sie nicht mehr erblicken wird.
-Da ist ja die Person, die ich gesucht habe.
-Es war in jener Zeit, als ich in Kristiania umherging und
hungerte, in dieser seltsamen Stadt, die keiner verläßt, ehe
er von ihr gezeichnet wurde …
-Das Schauspiel dauerte sehr lange.
-Ende November bei Tauwetter gegen neun Uhr morgens
eilte der Eisenbahnzug Warschau-Petersburg mit Volldampf
seinem Endziel entgegen.
-Nichts Niemand Nirgends Nie !
-Ein heiterer Juniusnachmittag besonnte die Straßen der
Residenzstadt.
-Am Wahltag war es über mich gekommen.
-Hört meine letzten Worte.
-Der Captain rührte keinen Alkohol an.
-Dies hier ist ein erstes Kapitel, welches verhindern soll, daß
vorliegendes Werkchen mit einem Zweiten Kapitel beginne.
-Aus einer privaten Irrenanstalt in der Nähe von Providence,
Rhode Island, verschwand kürzlich eine höchst sonderbare
Person.
-Er stand vor dem Tor des Tegeler Gefängnisses und war frei.
-Kaufleute, Autoren, Mädchen und Quäker nennen alle Leute,
mit denen sie verkehren, Freunde; und meine Leser sind also
meine Gast- und Universitätsfreunde.
-Es regnete, als ich um 5 Uhr morgens in New Orleans eintraf.
-Wir saßen an unseren Aufgaben, als der Rektor eintrat.
-Mehr als zwei Monate vergingen, bevor Des Esseintes in die
Stille seines Hauses bei Fontenay eintauchen konnte.
-Ich wohne in der Villa Borghese.
-Unglücklich ist derjenige, dem die Erinnerungen seiner Kindheit
nur Angst und Traurigkeit bringen.
-Mein Vater war ein Kaufmann.
-Heute ist Mama gestorben.
-Dann war das schlechte Wetter da.
-Das beste wäre, die Ereignisse Tag für Tag aufzuschreiben.
-Es gab in der Stadt zwei Taubstumme, die man stets beisammen
sah.
-Das Mondlicht fällt auf das Fußende meines Bettes und liegt
dort wie ein großer, heller, flacher Stein.
-Wahrhaftig! – reizbar – sehr, fürchterlich reizbar waren meine
Nerven gewesen, und sie sind es noch; doch warum meinen Sie,
ich sei verrückt?
Ja, verrückt.
Ich habe verrückte Angewohnheiten.
Die Musik donnert durchs Haus.
Und die Flaschen sitzen locker.
Und ich werde noch lange unterwegs sein,
vor den Regalen.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Alkohol, Einsamkeit, Kultur, Literatur, Lyrik, Musik, Wahnsinn | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ein Meer
das riecht wie
meine Kindheit
Wacholder
37 % Alkohol
manchmal auch 47
Heiligabend
der erste nach dem Tod
meines Vaters
ich war 13
Mein ältester Bruder
gerade aus dem Knast entlassen
gab mir Gin mit O-Saft
Liebe auf den Ersten Ruch
Ein Duft wie der
Nagellackentferner meiner
Mutter
Wiedergefundene
Zeit
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Alkohol, Kindheit, Kultur, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Er sagte:
„Verstehe ich nicht, dass du dich
in die verliebt hast. Mir wäre sie zu,
Verzeihung, blöd. Und du hast
1000 Mal mehr Grips als ich. Ich
versteh’s einfach nicht.“
Ich sagte:
„Erstens habe ich nicht
1000 Mal mehr Grips als du.
Und zweitens interessiert es mich
einen Scheissdreck, was für einen
IQ die Mondin hat,
solange sie so schön leuchtet
am schwarzen Himmel.“
(Und vielleicht belegte meine
zweite Aussage
meine erste.)
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Moderne Möbel
öden mich an; sie sind
seelenlos & langweilig
Das dachte ich schon
als ich selbst noch nicht
ein altes Möbel war
Aber
eine Frage drängt sich auf
(es ist die Gewohnheit von Fragen
dass sie sich aufdrängen):
Hätte ich gelebt
als die alten (also die noch älteren)
Möbel
modern waren:
Hätte ich
auch sie als
seelenlos & langweilig
empfunden?
Damals
Ich bezweifle es
Aber ich kann nicht anders
(es ist meine Gewohnheit):
Immer bezweifle ich auch die
Zweifel
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„Ey, Alter“, sagte er, „was ist
eigentlich mit dir los? – Du bist
der einzige Säufer, den ich kenne,
der im Vollrausch Shakespeare-Monologe
aufsagt. Und das auch noch auf deutsch
und englisch.“
„Tatsächlich?“ sagte ich. „Ich dachte, das
tun sie alle. Aber danke für
die Frage.“
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Das grauenvoll-graueste Grau am Himmel
bedeutet Optimismus, wenn
die Gewitterwolken darin
tiefest tiefschwarz sind
& so ist ALLES
eine Frage des
Kontrastes & des
Blix
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Ich finde kein Ende
in dem was ich tue
oder lasse –
niemals.
Und das :
ist ungesund.
Aber :
das Ende wird mich finden
– egal, wie gut ich mich verstecke –
& es braucht mich nur ein
einziges Mal zu finden.
Und das :
wird tödlich sein.
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