Archiv der Kategorie: Gedichte/Texte
Irgend etwas stimmte nicht
von Anfang an, aber
man konnte darüber hinweg
gehen
sehen
liegen
küssen
ficken
lecken
kommen
& versuchen, es
zu vergessen, da
man ja niemals will,
dass etwas nicht stimmt
weder am Anfang
noch in der Mitte
oder am
(aber da war es dann auch schon: das)
Ende.
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Schreie, Schweiß, gespreizte Beine,
maskierte Menschen.
Kaltes Licht, Kalte Kacheln, ein
nasser Kopf mit schwarzem Haar
kommt aus einer Öffnung…..
Schläge
& wieder Schreie
Blut, Schmerz
Der keuchende Atem einer Frau
& ein anderer Atem, der noch übt
Ein Mann mit unsichtbarem Mund sagt:
»Ein Junge. Sieht
gesund aus. Aber
ich glaube, er träumt.
Er scheint mir
nicht
lebensfähig.«
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In der Bücherwand lebte das Bild der Mumie.
In einem der Wohnzimmer meiner Kindheit.
Irgendwo – im zufällig erscheinenden Farbmuster
tausender Rücken aus Leinen, Leder & Pappe wartete
der Tod auf mich. Der Tod als plötzliche Gewissheit.
Götter, Gräber & Gelehrte hieß das Buch
(ein Bestseller, Pfui Deibel!).
Nichts ahnend blätterte ein junges Ich darin –
Fotos goldener Schätze; Vasen, Masken, bunt & schön;
die Landschaften Ägyptens & die Gesichter von Männern, die
sich über einen Sarkophag beugten & die Ruhe eines Toten störten…..
Und diese 1 Seite, die ich umschlug, war
die Grabkammertür zu künftigen Albträumen.
Der Kopf des verstorbenen Pharaos starrte in mein Kindgesicht
aus grauen Augenhöhlen; – Jahrtausende senkten sich
auf mich herab, und der Tod griff nach mir
wie eine Wirklichkeit, von der ich immer nur
fantasiert hatte – in den dunklen Zimmern der Schlaflosigkeit.
So wirst DU aussehen …. So werden DIE ELTERN aussehen ….
So werden DIE BRÜDER aussehen …. grau, papieren,
rissig, geädert, die Lippen zurückgezogen vom brüchigen Gebiss ….
Der Tod Der Tod Der Tod! …. Sieh es dir an, dieses Bild! Das bist
Ich schlug das Buch zu. Stellte es zurück. In die Bücherwand.
Nie wieder wollte ich es öffnen.
Als wäre es notwendig gewesen – noch einmal
hineinzuschauen! Das Bild lebte. Pulsierte in mir
lebendig, nur allzu lebendig – lebendiger als jede Anschauung,
lebendiger als jeder Nachtmahr, plastisch
wie eine überfahrene Katze in der Straßenmitte.
Doch allein – dieses Buch im Hause zu wissen, zu wissen,
dass dieses Foto mir so nahe war; dass dieses Mumiengesicht
aus einer Seite heraus auf die gegenüberliegende Seite des
geschlossenen Buches starrte – aus grausiggrauen Höhlen,
die lid- & mitleidlos waren….. DAS allein, und allein zu sein
mit diesem Buch in diesem Haus in dieser Kindheit mit diesem
Wissen! …..
Natürlich – zog es mich – wieder & wieder – in die Nähe
des Buches – wie es einen immer zieht – in die diversen Nähen
all dessen, was nicht fern genug sein kann….. Es zog mich, und
es zieht mich in die Nähe des Gedankens, in die Nähe des Todes,
in die Nähe der Todesgedanken. Und der Bücher. Wieder & wieder.
Das Buch ging verloren. Irgendwann. In einem Wechsel – bei
einem Umzug. Ich vergaß es. Beinahe. Und
dann kaufte ich es mir neu. Jahrzehnte später. Es zog mich zurück. Doch
es hatte seinen Schrecken verloren. Die Erinnerung an das Grauen
war nicht das Grauen selbst. Ja,
es hatte Tote gegeben – in der Zwischenzeit; Tote, die mich tatsächlich
erinnerten…. an dieses Bild. Und Andere, die
es nicht taten. Jahrtausende senkten sich auf mich herab, und
ich lebe noch. Wie das Bild der Mumie
in der Bücherwand meiner Kindheit.
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Da war ein Strand, und
der bestand aus dem Sand, der aus
Uhren gerieselt & geronnen war.
Zerbrochen war die Sammlung des Todes. All
seine Sanduhren – & niemand
wusste warum.
Ein Kind war gerannt durch
den Sand, den Strand entlang
& hatte geschrien. Vor
Schmerz.
Die Splitter des Glases der Uhren
der Sammlung des Todes zer
schnitten die kleinen bloßen Sohlen.
Das Salz des Meeres brannte
in den Wunden. Für Stunden. Das Blut
gerann – & die Zeit war seine Vergiftung,
die nicht zum Tode führte.
Und es weinte Jemand. Still
in den Sand. Es war
der Tod. Den
Niemand
mehr fand.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Tod, Traum, Zeit | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
In Worten
lässt es sich
wohnen
wie
in einem Verließ
oder
einem Garten
& wie
es dort aussieht
geht
Niemanden etwas an
Ketten
Wuchern
Schreie
Blühen
Und selbst
in fremden Wohnungen
hängen
die eigenen Bilder
in Worten
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Es sind immer die Richtigen
Menschen, die gehen;
Menschen, die bleiben.
Deshalb bleiben
oder gehen
sie.
Deshalb sind sie
die Richtigen.
Alles
Andere
ist nur
Phantasie
oder
Erinnerung.
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Er sagte:
»Dein Ich zu verstecken
hinter der 3. Person, die
gar nicht existiert, ist
nur Grammatik.
Ist
Nichts. Für
mich.«
Dann nickte er, um
sich zuzu
stimmen.
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Ehret die Putzfrauen!
Sie säen nicht,
Sie ernten nicht –
& auch sonst
ergibt kaum etwas
einen Sinn.
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Da war diese Hollywoodschönheit, und sie
griff mir von oben in die Hose, durch den Bund, und
ihre Zwillingsschwester schaute zu, die
es in Wirklichkeit gar nicht gibt, und
plötzlich waren beide fort, ohne
dass ich mich darüber wunderte….. ich
ging in den Keller meines Hauses
& hörte ein Stöhnen; es kam
aus dem Zimmer am Ende des Ganges, aus
dem Zimmer, das einst ein Schlafzimmer gewesen
& inzwischen eine Rumpelkammer war; unvermittelt
stand ich im Türrahmen – ohne
dorthin gegangen zu sein…..
Ein Mann, älter als ich, kniete nackt auf dem Bett, das
nicht mehr existierte, und die Geliebte der Vergangenheit
hatte seinen Schwanz im Mund & lächelte mir
mit ihren Augen zu – als es ihm kam….. Das
Sperma tropfte von ihrem Kinn auf die lakenlose Matratze,
und die Erektion, mit der ich erwachte, war
angenehm traurig.
Ich schickte ihr eine Nachricht:
Weißt du, was mir heute
aufgrund eines Traumes klar wurde?
Ich wünsche dir, dass
wenigstens du
Sex hast – wenn
ich schon keinen habe. Ohne
alle Ironie & ohne
einen bösen Gedanken in meinem Hinterkopf.
Und das – nicht aus Desinteresse
oder gar Gleichgültigkeit…. Es
fühlt sich gut an.
Natürlich antwortete sie nicht.
Sie antwortete nie.
Schon als wir noch zusammen waren
kam oftmals keine Antwort.
Es war, behaupte ich, eine Charakterschwäche, die
Stärke suggerieren sollte. Vor allem
sich selbst gegenüber wollte sie stets
stark erscheinen.
Dieser Hollywoodschönheit wäre ich beinahe
mal über den Weg gelaufen. Jahre zuvor.
In London.
Ich war mit einer Freundin dort, und wir
hatten uns für einen halben Tag getrennt, um
den eigenen Interessen nachzugehen.
Ich durchstöberte Antiquariate, besuchte das
Sherlock-Holmes-Museum & saß schließlich in einem Pub,
trank Guinness & rauchte Zigarillos.
Am Abend dann erzählte sie mir
von ihrem Einkaufsbummel. In einem
Schuhgeschäft, Nähe Carnaby Street, hatte sie
diese Schauspielerin gesehen – & es bedeutete ihr
nichts. Ganz beiläufig erzählte sie davon, während sie
von ihren neuen Schuhen schwärmte. Ich schwärmte
– ein wenig – für diese Schauspielerin. Damals.
Und konnte meinen Ärger nicht verbergen. Es war
lächerlich. Und traurig. Wieder etwas verpasst.
Ab & an meldet sich diese Freundin. Meist schriftlich.
Doch nicht immer antworte ich ihr.
Sie erwähnt gerne mal den Namen der Schauspielerin,
um mich freundschaftlich zu necken…..
Aber die bedeutet mir längst nichts mehr, und
es ist mir egal – sie nie gesehen zu haben
in der Wirklichkeit. Das
ist angenehm. Vielleicht auch
traurig. Angenehm
traurig eben.
Siehe auch:
Sherlock Holmes als Arme Sau
London
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Film, Freundschaft, Kultur, Liebe, Lyrik, Sex, Traum, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Es war der bequemste Anzug, in dem
er sich am wenigsten wohl fühlte.
Dort draußen.
Der Anzug saß perfekt, war
gleichsam eingetragen, war
weich & vertraut.
Doch der Mann spürte
die Blicke der Menschen
auf den glänzenden Stellen.
Den Stellen, die von
Alter & Abnutzung kündeten;
er spürte sie auf den Flecken, die sich
nicht mehr entfernen ließen – & die
vielleicht nur er sah – in
einem bestimmten Licht; er spürte sie
auf den kaum erkennbaren Fransen
am Ende
der abgestoßenen Ärmel
& auf den ausgebeulten Taschen, in denen er
alles Notwendige mit sich herumgetragen hatte….
Es war der bequemste Anzug, und
der Mann hing an ihm,
wenn er alleine war.
Der Anzug war alt.
Der Mann nicht.
Er hatte noch viel
zu lernen.
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Ich hatte es irgendwo gelesen:
Ab 40 km/h
platzt die Kröte. Selbst
wenn man sie
zwischen die Räder nimmt.
Sie selber ist natürlich nie so schnell.
Es ist die Luft.
Arme Kröte!
Was für eine schöne Metapher du bist.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik, Tiere, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
1 Jahr ohne Alkohol.
Was für ein Satz!
Und zunächst dachte ich:
Das gab es noch nie – seit
deinem 14. Lebensjahr….
Seit jenem Weihnachtsabend
nach dem Tod meines Vaters, als
mein Bruder, der gerade aus dem Knast entlassen worden war,
mir Gin mit O-Saft gab – &
ich mich verliebte.
In den Duft des Gins
& die spätere Frau meines Bruders.
Aber – das stimmt überhaupt nicht.
Schon lange vorher hatte es niemals
1 komplettes Jahr ohne Alkohol gegeben….
Ein Gläschen Sekt zu Silvester oder zu Geburtstagen….
ein Schlückchen Sliwowitz, das ich mir ab & an
aus der Hausbar meiner Eltern stibitzte (weil ich
Geruch, Geschmack & Wirkung so mochte; ich mochte
Pflaumen schon immer gerne) ….
Ach ja, und da war auch noch der Schluck Bier, den
ich aus dem Glas meines Vaters bekam – als der
eine seiner Geliebten besuchte (sie war Inhaberin einer Bar,
hatte lange schwarze Haare, sah südländisch aus, und
wenn ich länger darüber nachdenken würde, fiele mir vielleicht
auch ihr Name wieder ein…. Astrid?); jedenfalls saß ich auf dem Schoß
meines Vaters, nippte an dem Bier – & mochte es nicht. Was
ich mochte, war die Tatsache, dass er mir etwas davon abgab. Und
ich auf seinem Schoß saß. Und die hübsche Frau mich anlächelte.
Mit ihren großen dunklen Augen & ihren vollen Lippen.
Ich muss 5 oder 6 Jahre alt gewesen sein.
Später kamen die Dichter.
Allesamt Säufer. Jedenfalls diejenigen, die mir am meisten bedeuteten.
Trinken war auch eine Haltung. Eine Lebenseinstellung. Etwas,
das eine bestimmte Art von Kunst hervorbrachte; eine, die es
– ohne Exzess – so nicht gegeben hätte. Ja, sie waren Vorbilder.
In meiner Jugend. Und lange darüber hinaus. Aber
heute habe ich keine Vorbilder mehr. In keinem Bereich meines Lebens.
Ein sehr angenehmes Gefühl. Ich möchte nicht mehr jung sein.
Also: wann hatte ich zuletzt ein Jahr ohne Alkohol gehabt?
Ich weiß es nicht. Jedenfalls: vor über 45 Jahren.
Eigentlich bin ich mir nicht einmal sicher, ob es jetzt
exakt 1 Jahr ist….
Es war keine große Sache. Kein großer Schritt. Nichts Geplantes.
Ich hatte eine Erkältung & eine Nebenhöhlenentzündung,
pausierte deshalb mit Rauchen & Trinken….. & –
blieb einfach dabei.
Den Tag des letzten Schlucks, des letzten Zuges aus der Zigarre
habe ich mir nicht gemerkt. Nicht angestrichen im Kalender.
Den ich ohnehin nicht besitze.
Es war kein besonderer Tag.
Eigentlich.
Natürlich: der Genuss fehlt mir. Ab & an. Der Genuss
war immer die Hauptsache – im Grunde. Und sicherlich: die
Bratwurst schmeckt noch besser, wenn man ein Bier dazu trinkt (Ja,
ich glaube, sie hieß wirklich Astrid)…. Und
Pizza ohne Rotwein dazu konnte ich mir früher kaum vorstellen –
obwohl ich mir Vieles vorstellen konnte…. Aber
was soll’s! Ich komme klar. Und ich komme auch
ohne Betäubung klar – wenn es mir schlecht geht. Ich weiß,
dass ich nicht Maß halten kann. Zumindest nicht für lange Zeit.
Und es gibt andere Arten zu flüchten.
Vielleicht wäre das Trinken gut fürs Schreiben? Kann sein.
Egal.
An meinem rechten großen Zeh kann man immer noch sehen,
wo ich mich verletzt habe – als ich mich im Suff
aufs Maul legte….. Und es anfing
zu bluten. Mal wieder.
Doch nach & nach
verschwindet auch diese Spur.
Verflüchtigt sich
wie Alkohol.
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Eine Frau
liegt in einem Bett
& liest:
Dies
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Eine Frau
liegt in einem Bett
& liest
in einem Traum:
Dies
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In einem Traum
liegt eine Frau
in einem Bett
& liest:
Dies
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
In einem Traum
liegt in einem Bett
eine Frau
& liest:
Eine Frau
liegt in einem Bett
& liest
in einem Traum:
Eine Frau
liegt in einem Bett
& liest:
Dies
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Ende!
in einem lichtlosen Raum
Geh ins sterbende Licht!
mit matt-gebrochenen Augen
& in der Finsternis
kann dein Schatten sich frei bewegen
im Nichts
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Philosophie, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Der Moment der Wahrheit
kann auch eine Lüge sein.
Ein falsches Lächeln
im richtigen Moment;
ein Lächeln aus Mitleid, das
die Tränen zurückhält.
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Wenn ich, gehend, eine Kurve beschreibe
oder um eine Ecke biege, denke ich manchmal
zurück an jene wenigen Sekunden
in meiner Jugend…..
Ich ging über einen Parkplatz
in der Abenddämmerung. Ging
& verlor den Gleichgewichtssinn.
Ich hatte nach rechts gehen wollen
& wusste nicht, wo das war.
Ich wusste nicht, wo rechts,
wo links, wo oben oder unten
sich befanden. Ob Richtung
überhaupt existierte.
Der Himmel schien so nah
wie der Boden. Nichts
war auseinanderzuhalten.
Ich war nüchtern, doch ich torkelte.
Ich torkelte, doch ich fiel nicht.
Driftete irgend wo hin…..
Diese Sekunden gehören
zu den erschreckendsten meines Lebens.
Es war – als hätte ich in eine andere Welt geblickt
& die eigentliche Wirklichkeit gesehen;
gelöst aus den Fesseln
der menschlich-genormten Wahrnehmung.
Verlorene Orientierung
Verlorenes Gleichgewicht
Verlorener Sinn.
Jahrzehnte sind vergangen; es war
ein einmaliges Ereignis – doch
ich denke wieder & wieder
mit Grauen daran,
wenn ich um eine Ecke biege
oder, gehend, eine Kurve
beschreibe.
Es könnte erneut passieren.
Und dann vielleicht
für immer.
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Laute Signale in der Dämmerung!
Sie hupt – wenn es dunkel wird
Hupt – wenn es Nacht &
sie alleine ist
auf jener Strecke
wo sie tötete
Und sie fährt ganz langsam
3 Rehe waren gestorben
in kurzer Zeit
in rascher Folge
Sie erzählte es mir
während meine Hand auf ihrer bloßen Brust ruhte
& das Sperma trocknete
»Mir doch egal, ob man mich
für bescheuert hält«, sagte sie.
Und unsere Füße berührten sich
Bremse & Gas
Runter vom Gas!
Ich fahre ganz langsam
über die Autobahn
dort – wo ich tötete
doch ich hupe niemals
Zu sehr liebe ich
die Ruhe
Es war nur 1
in meinem Falle
Und Alle überholen mich –
All jene, die niemals einen Unfall hatten
oder aber
vergessen konnten
All jene
die sich nie in ein Tier hinein versetzen
Die Warnschilder stehen am Rand
doch sie beachten sie nicht
Weder die Unvorsichtigen
noch die Tiere
»Mir doch egal, wofür man mich hält«,
sagte – oder dachte ich.
Solange du mich hältst, sagte ich nicht.
Blut
war auf die Straße gepumpt worden
Und war getrocknet
wie mein Sperma
inzwischen
Blut aus Herzen
die vergingen
So ist das
mit der Liebe.
Gas & Bremse
Doch Langsames Fahren hilft
ebenso wie Umsicht
auch nicht
immer.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Tiere, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Wir hatten uns
ineinander hinein
verletzt
& hätten uns doch
versetzen sollen
hinein!
natürlich
was denn sonst…..
Eins ins Andere.
Ja – was denn sonst?
Das Versetzen kam
ganz am
Ende.
Und es war verletzend –
ein letztes
Mal.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Manchmal
wenn ich draußen bin
klappert’s drinnen
in meinem Mund.
Immerhin: es sind meine eigenen Zähne
die da klappern…..
Nicht aus Furcht. Zumeist.
klapperklapperklapperklapper!
Und manchmal denke ich dann
an Chet Baker & all die Schneide- & anderen Zähne
die ihm fehlten.
My funny Valentine.
Man konnte es hören
in seinen späten Gesängen.
Vor seinem Fenstersturz.
Funny? – Bloody! – My bloody Valentine.
So sind sie: meine Assoziationen, meine Einfälle
& Erinnerungen. A thousand tumultuous recollections.
Und da ist dieser Film über Horst Janssen –
Ego heißt er (einer der besten Titel überhaupt) –
& Janssen sagt an einer Stelle: »Ich sollte
mir neue Zähne machen lassen«
oder so ähnlich; und sein lispelnder Mund, der
beinahe zahnlos grinst, erinnert mich
jedesmal an Chet Baker & Wolfgang Neuss.
Alkohol, Drogen, Schlägereien…..
Neue Zähne haben sie sich nicht machen lassen,
sofern ich mich nicht irre.
Wenn mir besonders kalt ist, nehme ich
ein Bad – & höre Chet Baker.
Und das Bad ist immer zu heiß. So heiß
dass ich Kopfschmerzen bekomme. So ist das
mit der Nostalgie.
Ich wurde schon als Kind zu heiß gebadet –
befürchte ich. Zumindest hatte ich oft Kopfschmerzen.
Das ist eigentlich ein anderes Thema – aber was soll’s.
So sind sie: meine Assoziationen.
Eingefallene Wangen…..
Niemand hat die Dichter gezeichnet
wie Janssen. Ich liebe seinen Poe.
Komm, leg dich zu mir
in die Badewanne,
Berenice! Und zeig mir deinen.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Krankheit, Kultur, Kunst, Literatur, Lyrik, Musik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich lache
wenn ich komme
sofern es gut war
Ich kann es nicht kontrollieren
Ich lachte viel
bevor sie ging
Sie lachte auch
Doch nicht wenn sie kam
Es war gut
gemeinsam zu lachen
aus anderen Gründen
Nur zu sein
Nicht zu kommen
Nicht zu gehen
So hätte es bleiben sollen
doch es wollte nicht so bleiben
Denn man hat sie nie wirklich
die Kontrolle
Das Gelächter aus andern Gründen
war das beste überhaupt
beinahe abgründig
Nun kann ich’s ja sagen
da sie mich nicht mehr hört
Und ich lache nicht
wenn ich’s mir selber mache
Und ich erinnere mich
an unser Gelächter
wenn ich
nichts zu lachen habe
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Sex, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Niemand
hätte den kleinen Jungen davon abhalten können
mit der Geisterbahn zu fahren
so schien es
Niemand
hätte ihm die Augen öffnen können
solange es dauerte
Mit fest verschlossenen Lidern
fuhr er durch die Geräusche & Gerüche
den inneren Blick aufgerissen
die Pupillen geweitet in Dunkelheit & Schrecken
Wie langsam doch die Zeit verging
im Innern!
In der Künstlichkeit
die er nicht sehen wollte
Einmal fuhr ihm ein Schleier durchs Gesicht
& er erschrak
ganz stumm
Und da lag ein Arm
auf seinen Schultern
schwer & lebendig
Weiter! Weiter! Durch die Finsternis
der geschlossenen Lider
Durch die Bilder
die aus der eigenen Tiefe kommen
Nichts
in der Rummelplatz=Welt konnte
so grausam erschreckend, anziehend & wichtig sein
wie die Geisterbahn
Weiter! Weiter! Auf dem vorbestimmten Weg
ruckelnd & krachend
Endlich
stieß das Gefährt gegen die Flügeltüren
drückte sie in die Außenwelt
Der Junge öffnete die Augen
Vorsichtig
Alles
war zu grell
als die Fahrt zu Ende ging
Und die Erwachsenen behaupteten, es sei
Alles
nur Pappmaché & Plastik
Alles
nur halb so schlimm
»Nochmal!« sagte ich.
Mein Vater lächelte. »Hattest du die Augen offen?«
»Nein.«
»Machst du sie auf, wenn wir nochmal fahren?«
»Ganz bestimmt – nicht.«
»Na schön«, sagte er. »Ein Mal noch.«
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Angst, Kindheit, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Im Traum war ich
eine Summe
Ich erwachte
als Differenz
Damit hatte ich nicht gerechnet
Immerhin:
es gibt keinen Rest
bei Addition & Subtraktion
Keine Rechnung ist simpler
Vielleicht allein
die Abrechnung
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Du & ich
Zeiger einer analogen Uhr
Wir treffen & trennen uns bei
nahe überall
Nur in der Mitte des Zifferblatts
bleiben wir stets vereint
wo die Bewegung der Zeit
kaum zu sehen ist
während sie doch vergeht
wie alles andere
Dort sind sie verbunden
unsere Enden
und bleiben es
auch wenn die Uhr zum Stillstand kommt
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Tod, Trennung, Zeit | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Er legte sich gerne in Kurven
als wäre er schnell unterwegs.
Am liebsten in die Kurven
der Geliebten
als wären sie der Weg.
Der Weg
zur Ruhe zu kommen.
Und das Ziel zugleich.
Sie kamen oft.
Kamen
zur Ruhe
zu sich
& zu
einander
ineinander
& lachten in den Lachen auf dem Laken.
Kalt waren die Lachen
& feucht.
Bevor sie trockneten.
Flecken der Erinnerung
die blieben
während sie gingen
die Geliebten
Und immer wieder
kam sie wieder.
Nur einmal nicht.
Und wer einmal nicht wiederkommt
kommt niemals wieder
denn einmal ist der Anfang
von niemals
wenn es ums Wieder geht
Er legte sich gerne in Kurven
als wäre er schnell unterwegs
Am liebsten in die Kurven
der Geliebten.
Und dann war sie
weg.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Einsamkeit, Erotik, Kultur, Liebe, Lyrik, Trennung | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
»Diese großen dunklen Augen«, sagte sie,
tief hinein schauend
scheinbar tauchend.
Beinahe klang es – als
liebte sie mich
Ich fiel….
Tatsächlich
suchte sie nur
nach ihrer
Spiegelung
auf der Oberfläche
….darauf
herein
in die Tiefe
tauch
end
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Nein!
Es ist kein Schwelgen
in Erinnerungen.
Es ist nichts
Besänftigendes.
Es ist ein Stochern
im Gedächtnis…..
In dieser Halde
am Rande des Abgrundes
wo die heißen Dämpfe der Verwesung
die Bilder flirren lassen
& Unbeachtetes plötzlich glitzert
im Müll.
Nein. Kein Schwelgen.
Nichts Gemütliches.
Nur Stochern
& Suchen
am Rand. Vielleicht sogar
am Rande
des Wahnsinns
Wer bin ich?
Wie bin ich
hierher gelangt?
Was macht mich
aus
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Erinnerung, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Mein Bruder glaubt bis heute
mich schwimmen gesehen zu haben
in unserer Kindheit.
Dabei
konnte ich nicht schwimmen.
Und kann es bis heute nicht.
Ich ließ mich bloß treiben
auf dem Meer.
In einem Rettungsring.
In Sichtweite der Erwachsenen.
Mein Bruder erinnert sich
falsch.
Er erinnert mich
an all die Anderen
die glauben zu wissen
wie
ich durchs Leben
gehe.
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Es ist gleich
gültig mit wem man
mich vergleicht –
mit
einem von mir
geliebten oder bewunderten Menschen
oder mit
Hitler
Es ist gleich
gültig womit man das
was ich tue oder erschaffe
vergleicht
Ich hasse alle Vergleiche
die sogleich das Gleiche finden
in gleichem Maße!
Der vergleichende Blick übersieht
so leicht
das Unvergleichliche
& zu selten wird unterschieden
zwischen dem Vergleich
(der nur eine Suche ist)
& der Gleichsetzung
(die das Unwesentliche gefunden hat).
Raub der Individualität.
Reduktion der Persönlichkeit.
Nivellierung & Ein
ordnung des Charakteristischen
in Tat & Werk…..
Ich hasse alle Vergleiche –
im Guten
wie im Schlechten
oder
Bösen.
Es sei denn
sie finden sogleich
den Unterschied
der
Ich
ist.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Eine mir unbekannte
Frauenstimme sagte:
»Ihr Anruf kann im Moment nicht entgegengenommen werden.«
Sie sagte es zu jemandem
im Hintergrund.
Es war das,
was sie gehört hatte
als sie mich anrief.
Das, was ich hörte
auf meinem Anrufbeantworter.
Worte, die sie weitergab, während die Aufzeichnung lief;
Worte einer automatisierten Ansage,
die von einer mir ebenfalls unbekannten Frau
gesprochen worden waren; von der Stimme
in meinem Anrufbeantworter.
Eine Rufnummer wurde nicht übertragen; die Anruferin
hatte es so eingestellt.
Alle Anrufer, die ihre Nummer unterdrücken,
erhalten jene Antwort – direkt & unvermittelt; ich
habe es so eingestellt.
3 Mal hatte sie versucht mich zu erreichen –
während ich schlief.
3 Mal hatte es nicht geklingelt –
aufgrund unserer Einstellungen.
Eine Nachricht wurde nicht hinterlassen.
Schade.
Es hätte
eine große Liebesgeschichte werden können.
Mit einem
Mord
am Ende.
Einem Mord aus Leidenschaft.
Mindestens.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Träume
in denen ich saufe
sind mir eine Hilfe
denn in ihnen bin ich maßlos
enttäuscht
von mir
& meiner Schwachheit
Geträumte Rückfälle
Doch dann: das Erwachen
Froh – & beinahe glücklich
Denn es gibt nicht viele Träume
in denen ich schwächer bin
als
in der Wirklichkeit

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