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Das Plakat

»Eigentlich seltsam«, sagte sie
(sie saß auf ihren Fersen, auf der Matratze,
nackt, den Blick gerichtet
auf das Plakat, das an der Wand hinter mir hing,
überm Kopfteil des Bettes).
»Was?« sagte ich.
»Dass du da ein Russ-Meyer-Plakat hängen hast;
du stehst doch gar nicht auf Brüste.«
Ich musste lächeln.
Das muss ich öfter
als ich denken mag.
»Erstens«, sagte ich: »ist das nicht wahr.
Die Tatsache, dass ich Beine & Hintern bevorzuge,
heisst doch nicht, dass ich nicht auf Titten stehe. Und
zweitens: sind diese Filme
unverwechselbar. Rein
formal gesehen.
Da hatte jemand Stil.
Und hat dem Alles Andere untergeordnet.
Das gefällt mir. So
muss man’s machen.«
Faster Pussycat, Kill! … Kill!
»So gesehen….«, sagte sie.
»Außerdem«, sagte ich,
»habe ich dir schon bei unserem ersten Treffen mitgeteilt,
dass mir deine gefallen.«
Jetzt lächelte sie.
Das musste sie öfter
als sie sich erinnern mag.

 

 

Plakat bw


Poesie & Erotikchat

Rilke im Licht eines Monitors
Ein geöffnetes Buch im Schein geöffneter Fenster
Virtueller Fenster
Poesie & Erotikchat – irgend Etwas sucht man ja immer
Die Einsamen suchen – aber nicht nur die
Hi, darf man stören? Was suchst du?
Ja, was eigentlich?
Ein rasches Ende.
Ende der Leere Ende der Sehnsucht Ende des Drucks Ende
der Geilheit Ende der Suche Ende der Eintönigkeit Ende des
Immergleichen Ende Ende Ende
Wo wohnst du? – Oh, Mist, zu weit, cu ….
Es hätte gepasst – vielleicht
Eine weitere Illusion, die man sich machen kann
Doch wahrscheinlich war die Frau ein Mann
der die Fantasien des Mannes am besten kennt
Überall Fakes (& Anglizismen, Fuck, Rilke hätte die nicht benutzt!)
Lügen – um sich begehrt zu fühlen
Wie alt bist du? Irgendwelche Tabus?
„Die Einsamkeit ist wie ein Regen.
Sie steigt vom Meer den Abenden entgegen….“
Wer will meine Frau ficken?
Wer will zusehen?
Wer will mich?

Überall Wille – überall Wollen – vorhanden oder gesucht
schmerzlich vermisst oder fast schon tot
– & über Allem: Fragen
Was hast du an?
Wie wär’s mit einem Rollenspiel?

Alles nur Schein – Schwein – & alleine Sein
Dominant & devot – treffen wir uns
bei einem Gläschen Natursekt
„Regnet hernieder in den Zwitterstunden
wenn sich nach Morgen wenden alle Gassen….“
Was suchst du?
Ja, was eigentlich? Und wo?
Einen romantischen Sonnenuntergang
zum Rein
wichsen
Schalt die Cam ein
Ich steh auf Dirty Talk

Rainer Maria, hilf!
Tipp Tipp Tipp Tast
aturen

Warum suchst du? Warum suchen wir? Warum immer?
mbi44 besuchbar sucht
Tina im T-shirt
(zu schön, um wahr zu sein) sucht
Paar aus Raum31 sucht

Zu wenig zu wenig zu wenig
Wer Nichts hat, sucht
Wer Etwas hat, sucht
In Büchern, in geöffneten Fenstern, die sich schließen
oder einfach verschwinden
Abkürzungen suchen Abkürzungen
„und wenn die Leiber, welche nichts gefunden,
enttäuscht und traurig voneinander lassen;
und wenn die Menschen, die einander hassen,
in einem Bett zusammen schlafen müssen :

dann geht die Einsamkeit mit den Flüssen…“

Rilke
im Licht
eines Monitors

Kurz bevor
der Strom ausfiel

 

 

Rilke


Unterm gelben Zeigefinger

Was oben scheint
ist erneut der Mond.
Der Mond scheint
gelb, getarnt als Sonne.
Als Sonne der Nacht,
gelb wie der Zeigefinger eines nikotinsüchtigen Serienkillers;
er deutet
hinunter auf den Wald……
Knisterschritte in stiller Umgebung.
Was unten scheint
ist erneut die Frau. Getarnt
als Traum.
Traum, Baum, Saum eines Nacht
hemdes…. kurz & durchschimmernd ….
in Stummfilmblau.
Bloße Schenkel in Bewegung,
Nadelgeruch & das Ende der Stille.
Das Heulen des Tieres schneidet
ein Muster in die Dunkelheit & hinterlässt
eine Tonspur.
Ein Wolf träumt in der Ferne,
und seine Sehnsucht reisst die Frau
zu Boden…… fällt
über sie her,
leckt sie ab
mit schweigender Zunge &
zitterndem Schwanz.
Speichel tropft unterm Märchenmond.
Und Licht bricht in den Schweißperlen der Frau.
Rot ist die Lust
wie eine unter
gehende
Sonne….
& ihr Blut sickert
in den Boden
der Nacht.


Eine gesunde Basis

Er stellte eine Frage. Im Sitzen.
»Und, warum hat’s denn nun nicht geklappt?«
Ich stand auf. Und gab eine Antwort:
»Moment, ich mach mal noch’n Tee.«
In der Küche erinnerte mich vieles
an sie…..
Meine Lieblingstasse, aus der sie Kaffee getrunken,
das Feuerzeug, mit dem sie Bierflaschen geöffnet hatte,
jedes Linoleumquadrat am Boden, das ihre Füße berührt….

Schließlich zog der Tee. Im Wohnzimmer. Zwischen
ihm & mir.
»Also?«
»Also – ich versteh’s eigentlich auch nicht. Es hatte Alles
eine gesunde Basis….. Wir haben nie etwas
zusammen unternommen; haben uns praktisch nur
im Bett getroffen, meistens lag ich schon drin, wenn sie
mich besuchte; ich kannte ihre Adresse nicht, wir hatten wenig
gemeinsam, und im Schlafzimmer brannte immer
eine bunte Lampe, so dass wir nie in der Dunkelheit
nebeneinander einschliefen.«
Er grinste, und die Teekanne war weiß. Wie immer.
»Ich beliebe nicht
zu scherzen«, glaubte ich hinzufügen zu müssen. »Mir
gefiel das wirklich.«
»Muss ich nicht verstehen«, sagte er.
»Nein. Natürlich nicht.«
»Und – wer hat denn nun Schluss gemacht?«
Ich bewegte die Beutel. Im Wasser.
»Niemand.«
»Wie – niemand?«
»Man macht doch nicht Schluss, wenn es
so läuft.«
»Ja, was denn nu?« Es klang, als würde er
die Geduld verlieren.
»Nichts«, sagte ich.
Und Grünen Tee lasse ich nie länger als
3 Minuten ziehen. Und das Wasser darf nicht
kochen – sonst wird er
bitter.


Ganz Ohr

Eine Zungenspitze
am Eingang zum Gehör

feucht & warm

Altbekannte Worte
in schwerem Atem

scharf & weich
zugleich

kitzelnder Flüsterhauch

Irgend
was
von Liebe & Begehren

Man muss es glauben.
Daran glauben.

Ich bin

Ganz Ohr


Der Blick über die Schulter

»Wer ist das?« fragte sie.
Sie schaute über meine Schulter.
Wir teilten uns einen Sessel
in meinem Keller. Sie
saß rittlings auf meinem Schoß.
»Poe«, sagte ich.
»Nein«, sagte sie, »das ist doch nicht Poe;
der sah doch ganz anders aus.«
»Da dies die Reproduktion einer Daguerreotypie, und die
Daguerreotypie ein Vorläufer der Photographie ist,
sah er in jenem Moment wohl genau so aus – & da
diese Reproduktion seitenverkehrt ist &
Daguerreotypien ihrerseits seitenverkehrt sind, ist er
auf diesem Bild sogar richtigherum zu sehen.«
»Nein«, sagte sie, »auf meiner Poe-Ausgabe zuhause
ist auch ein Bild. Da sieht er ganz anders aus.«
Ich sagte: »Keine Ahnung, was du da zuhause hast, aber
auf allen Daguerreotypien, die ich von ihm kenne, sieht er
ungefähr gleich aus. Also – wie er selbst.«
»Ich mail dir mal ein Foto.«
»Ja, tu das. Bin gespannt.«
Nun gut, ich weiß bis heute nicht, wie ihre Poe-Ausgabe aussieht.
Es ist ja auch egal. Rückblickend betrachtet. Es war
unser erstes Treffen. Sie kletterte
von mir herunter. Auf den Boden. Zwischen meine Beine.
Poe schaute zu. Über meine Schulter
hinweg.


Wolle. Foto machen.

»Oh, eine Strickjacke«, sagte ich.
»Na ja«, sagte sie (also: die Frau sagte es),
»`s is kalt draußen. Außerdem ist die bequem.«
Fast klang es wie eine Entschuldigung.
»Also – ich finde die geil«, sagte ich. »Genau
die richtige Länge. Und fühlt sich gut an. Und
dieser reizende Reißverschluss…..«
Zzzzziiippppp!

Dann, nackt im Bett, sagte sie:
»Ich hol mir noch’n Bier.«
»Ich komm mit«, sagte ich. »Fotos machen.
Für einsame Stunden.«
Sie grinste. »Soll ich die Strickjacke anziehen?«
»Ach – du liest in mir wie in einem Buch.«
»Ja. Wie in einem Schmuddelroman.«

Und dann stand sie da. In der Küche. Vorm Kühlschrank.
Dem Kühlschrank zugewandt. Und die Strickjacke
bedeckte ihren Arsch ungefähr zur Hälfte. Und
die Kamera machte Klick! & Klick! & KlickKlickKlick!
Ohne Blitz. Ich hasse Blitzlicht. Die kleinen bunten Lampen
zwischen den Schnapsflaschen waren eine so viel schönere
Lichtquelle. Ich verwackelte etwas. Doch dadurch wurden
die Fotos nicht unscharf. Das Wortspiel mit der Lust
erspare ich mir. Und noch ein paar andere.
Ich mag die langen Ärmel. Sie unterstreichen
die Nacktheit der Beine.

Die Erotik der Strickjacke wird unterschätzt.

Die einsamen Stunden – sie kamen.
Viele davon. Eigentlich
brauche ich die Fotos nicht.

Wofür auch immer.

Doch es ist schön
sie zu haben.

Sie zu haben
war schön.


Der zweite Sommer

Der zweite Sommer war heißer
als der erste.

Im ersten Sommer
sagte die Frau, es sei
ihre Gewohnheit, nichts drunter
zu tragen. Unter

dem Rock
dem Kleid
der Hose.

Und ich hatte keinen Grund
zu zweifeln.

Im zweiten Sommer
trug sie jedes Mal, wenn wir uns sahen,
etwas drunter.

Und ich wunderte mich.

Erklärungen fielen mir einige ein.
Sie gefielen mir alle nicht.

Der zweite Sommer war heißer
als der erste. In
vielerlei Hinsicht.

Dann wurde es kühler.

Wie immer.


Eine Fee vorm Gefrierfach

Auch eine Fee
erfüllt bloß Wünsche
& keine Erwartungen.

Und manchmal
nur Wünsche, die nicht ausgesprochen werden.

So war das –
als sie sich hinkniete
vor der Tür meines Gefrierfachs,
um meine Hose zu öffnen.


Ärsche

Erst
hielt sie ihren Arsch hin.
Dann
hielt sie mich hin.
Als
wäre da kein Unterschied.
Nun
gut – geil waren wir
beide.

Ein An
blick……

Ein Zu
stand……

Sie: ein Ziel.
Ich: eine Sehnsucht.

Erst
hielt sie sich hin.
Dann
hielt sie mich hin.

Die Muse
die tropfend auf mir gesessen hatte

als wir uns kaum kannten.

Wir lernten
uns kennen…..

Kamen
uns abhanden.

Denn
Nichts lässt sich
halten

so
lange
man will.

Nichts hält
was es ver
spricht.

Irgendwann
nach dem Ver
lust
kommt das Ver
siegen.

Und dann
fällt mir

Nichts

mehr


Trockene Luft

Die orangenen Lämpchen der Radiatoren leuchteten.
Hinter ihren heißen Rippen gab es keine Frau,
die sang: »In heaven everything is fine«.
Wie in jenem Film.
2 Räume waren beheizt.
Die anderen: kalt.
Der Flur: kalt.
Temperaturunterschiede – als sei
Drinnen: Drinnen & Draußen zugleich.
Nacht.
Wie immer.
Aus der beheizten Einsamkeit des Schlafzimmers
ging ich in die kalte Einsamkeit der Küche, um
eine weitere Flasche Wasser zu holen.
Sah: die nackten Beine, die ich
vorm Tiefkühlfach fotografiert hatte……
& die nun fehlten – sah sie
in mir.
Ich brauchte keine Fotos.
Meine Kehle war so trocken
wie der Humor eines guten Bestatters.
Ich ging zurück, legte mich wieder hin, trank.
In der künstlich erzeugten Wärme –
der verwüsteten Luft.
Erinnerungsoasen schwitzten in der Einöde……

Hochsommer
Die Frau geht meine Kellertreppe hinauf
In einem Jeanskleid
Ich hinter ihr – unter ihr
»Ich bin schon wieder ganz nass«, sagt sie, »fühl mal.«
Sie bleibt stehen
Ich fasse unter das Kleid, unter dem sie
nichts trägt….
»Ja«, sage ich
»Weiter vorne«, sagt sie
»Oh ja«, sage ich
Wir lachen
»Was machst du nur mit mir?«, sagt sie
»Nichts«, sage ich

Nichts.
Luft, Lust, Trockenheit, Nässe.
Nichts bleibt.

2 Räume waren beheizt.
Ein kalter Flur dazwischen.
Orangene Lämpchen in der Nacht.
Auf dem Nachttisch: ein Bleistift.
Für den Fall, dass mir etwas einfiele.
Und ein Radiergummi.
Für den Fall, dass…..
Ein leichtes Stechen in der Brust; ein
stetiges Schlagen….
Hinter den Rippen gab es eine Frau.

Eine Frau, die
sang…..


Der Krach

Sie saß einfach nur da
in ihrem Sommerkleid
& schaute ihn an.

Er schaute zurück.

Sonst nichts.

Es war ihr erster Krach:

Das
ohrenbetäubende
Knistern
der Erotik.


Spannung

Ich spürte
die plötzliche Anspannung

in ihren
Pobacken

Sie hielten
mir die Nase zu

Sie
hielt mir die Nase zu

& lachte

Ich lachte
gedämpft

& dachte
an Nasen-Flügel

die
nicht fliegen konnten

während
meine Zungenspitze flatterte

& anspitzte

vergraben
in feuchtweicher Wärme

An
spannung

Spannung

End Ent
spannung

Sie ließ
los

gelassen

Ich atmete
durch

mit flatternden Flügeln

& die Zeit
war vergangen

wie
im Fluge


Der Zaubertrick

Eine Abfolge
simpler Handgriffe…..

mehr
ist es
nicht

– wenn man
darüber nachdenkt.

Aber ich
will
nicht
darüber nach
denken.

Ich will
bloß fühlen,
überrascht sein –
& die Magie
nicht
zerstören.

Lieber zerstöre ich
meinen analytischen Blick

in solchen
Augen
blicken.

Wenn eine Frau
ihren BH
durch die Ärmel
eines Kleides oder Oberteils
aus
zieht
wirkt das
auf mich
noch immer
& immer wieder
wie ein
Zauber

trick.


Auf dem Fuß des Sonnenschirms

Er ruhte
auf dem Fuß des Sonnenschirms –
der nackte Arsch der Frau.

Er war geschlossen –
der Schirm.
Unaufgespannt

stand er
auf meiner Terrasse.

Der Schirm wurde
nie
benutzt,

da ich – der Mondsüchtige – ihn
nicht
brauchte –

ein ererbtes Mahnmal
der Sinnlosigkeit.

Sein Fuß
rostete.

Tabascorot schien
die Abendsonne

& schärfte
die Phantasien.

September.
Die letzten heißen Tage
des Jahres.

Die Frau rauchte
entspannt. In
ihrem Shirt, das
zu kurz war,
um darauf sitzen zu können.

Ihre nackten Füße ruhten
auf den wärmedurchtränkten
Steinplatten.

Nachdenklich
schaute sie auf das verbrannte Gras;
das Jahr
war trocken gewesen.

Ich betrachtete
ihr Profil.

Durch die Glasscheibe
der Terrassentür.
Sie bemerkte mich nicht;
wähnte mich im Bett.

Ich stand drinnen,
im Wohnzimmer.
Wäre ich hinausgegangen,
hätte ich dieses Bild zerstört.

Die Glasscheibe
war schmutzig;
der Anstrich des Türrahmens
blätterte ab.

Ich blieb nur kurz,
ging zurück ins Schlafzimmer.
Zu stark war das schlechte Gewissen –
die Frau ohne ihr Wissen
zu betrachten.

Und doch –
dieses Bild……

Sie legte sich
wieder zu mir.

»Ich habe einen Schreck bekommen«, sagte sie;
da war plötzlich ein Mann
im Nachbargarten –
& ich dachte, der wäre
in deinem. Gut,
dass ich etwas anhatte.
Wenn auch nicht viel.«

Ich sagte
nichts.

Ich malte es
mir
aus……

dieses Bild.

In meiner
geschärften Phantasie.

Was hatte der Mann gesehen?

Dasselbe wie ich?
Wohl kaum.

September.
Die letzten heißen Tage.
Schon bei ihrem nächsten Besuch
würde es zu kalt sein, um
fast nackt
im Freien
zu rauchen.

Wie traurig!

Es würde zu kalt sein
auf dem Fuß des Sonnenschirms –

des Sonnenschirms,
der
endlich
einen Sinn erhalten hatte.


Die trunkene Matratze

Selbst Küsse
mit Biergeschmack
konnten mich
nicht
zum Trinken verführen.
Das Verfallsdatum
auf den Flaschen im Kühlschrank
rückte unaufhaltsam näher.
Zu langsam
wurden sie dezimiert,
da die Frau, die
das Bier trank,
zu selten vorbei kam.

Sie klettert aus dem Bett
Feuchtfleckige Falten im zerwühlten Laken
Kuhlen zweier Körper in der Matratze
Lustgetrocknete Kehlen
»Willst du auch was trinken?«
»Nein« sage ich
zu ihrem Arsch
der das Zimmer verlässt
Das Geräusch nackter Füße auf dem Flur
Ich liege in Gerüchen
Höre die Kühlschranktür
Das Öffnen der Flasche
Die Frau kommt
zurück
ins Bett
Sitzt aufrecht
Wir bilden 2 Rechte Winkel
Sie ragt aus meiner Mitte
Trinkt
aus der Flasche
Ich betrachte ihren Rücken
Schluck
Schluck
Sie setzt die Flasche ab
irgendwo
»Wie praktisch« sagt sie »Kuck ma,
freihändig«
Leicht ausgestreckte Arme erscheinen
links & rechts
»Wo hast du die Flasche?« frage ich
& richte mich auf
um nachzusehen
Die Frau
wendet sich zur Seite
Etwas fällt
Etwas gluckert
Etwas rauscht kohlensäuerlich
»Oh Scheiße!« sagt sie
lachend
Bier sickert in die Matratze
Viel Bier
Viel Flüssigkeit
Eine Lache auf dem Laken
Ein herber Geruch
kalt & klamm
der sich vermischt
mit Lust
Lachen
und

Einige Handtücher & Zewas später
sagte ich:
»Wo war denn nun die Flasche? Ich dachte,
sicher zwischen deinen Beinen….«
»Zwischen meinen Brüsten«, sagte sie.
»Schade, dass ich das nicht gesehen habe, aber
du kriegst kein Bier mehr. Höchstens
in der Badewanne.«

Lachen.

Selbst Küsse
mit Biergeschmack
konnten mich
nicht
zum Trinken verführen.

Ein trockener Säufer
im feuchten Bett.

Doch der Eigengeschmack
der fremdvertrauten Zunge
berauschte mich.

Mehr &
mehr.


»Wie man’s macht« oder Ein Dilemma

»Setz dich auf mein Gesicht«, sagte ich.
»Nein«, sagte sie.
»Warum nicht? Ich weiß, dass du es möchtest.«
»Wenn ich es tue, wirst du darüber schreiben.«
»Wenn du es nicht tust, werde ich darüber schreiben,
dass du es nicht getan hast, weil du dachtest, dass ich
darüber schreiben würde, wenn du es tust.«
(Gelächter. Auf beiden Seiten.)
Sie sagte:
»Wie man’s macht……«


Die wilden Fingerbeeren

Du bist
überführt.
Die Beweis-
lage ist
er
drück
end.
Gib auf!
Stelle dich!
Du hast
getötet –
die Dunkelheit,
die Finsternis
in meinem Haus,
in meinem Leben.
Auf dem Lichtschalter
befindet sich,
kaum
wahr
nehm
bar,
dein Abdruck.
Die Linien
deiner
Fingerbeere
sind
einzig
art
ich.
Meine DNA
haftet
an dir.
Mein Schweiß,
mein Blut,
mein Sperma.
Haut-
partikel.
Vergossenes,
Verlorenes
auf & in
dir.
In den Linien
deiner Fingerbeeren
bin
ich
zu finden.
In dem Abdruck
auf dem Lichtschalter
bin
ich.
Du bist überführt.
Ich bin überführt.
Wir wurden
verführt.
Und ich habe einen
leisen
Verdacht,
wie das Urteil
lautet.


Der Schandfleck

Hinter Mauern
wuchernden Unkrauts
lebe ich

im Schandfleck
der gepflegten Umgebung

inmitten der Geschäftigkeit
die Alles

ordnet
stutzt
& nivelliert

ruhe ich
faul
in der Wildnis

ungezähmt
im Chaos
der freien Entfaltung

Inmitten des Zwangs
eines andressierten Ideals

betrachte ich
zwanglos
die wahre Schönheit

Samen fliegt
Schmetterlinge flattern
Tiere finden was sie suchen

& manchmal
steht eine nackte Frau
dort in der Sonne

innerhalb der Mauern
wuchernden Unkrauts

Dann verstummt
die Dummheit
dort draußen

& ich lebe
im Besonderen


Die Schlange auf der Socke

In der Einöde des Jobs
fiel mein Blick
wie zufällig
auf die schwarze Socke meiner Arbeitskleidung.
Eine feine Schlange wand sich darum:
Ein langes blondes Haar.
Und die Erinnerung an das Lachen
reichte für ein Lächeln.
»Du reisst mir noch mal alle Haare aus«,
hatte sie gesagt.
Und tatsächlich
fand ich sie
überall.
Zuhause
wo ich jetzt gern gewesen wäre.
Mit meiner Erinnerung.
Und den Schlangen.
Eng umschlungen.
Mit ihr.
Die sie zurückgelassen hatte.
Ich
ließ das Haar, wo es war.
Und die Erinnerung an das Lachen
reichte für ein Lachen
in der Einöde des Jobs.
»Übrigens«, hatte sie gesagt
(& es war ein historischer Satz),
»Du hast mir genau
aufs Zäpfchen gespritzt.«


Die Zunge

Noch heiß
von den Worten
die sie eben formte
fährt die Zunge
über fremde Haut

stumm
tastend
schmeckend

Eine Flamme
aus Fleisch

& Blut

die brennt
& tropft

kennenlernt
& verzehrt

im
Über-
fluss

Nichts
löscht das Feuer
wenn sie
auf eine Andere
trifft

in gemein-
samem
Schweigen.


Eine Art von Selbsterkenntnis

Sie schmeckte
sich

als ich
sie
küsste

Ich schmeckte
mich

als sie
mich
küsste

Eine Art
von
Selbst-
erkenntnis

Sich
selber
kennen
lernen

Geschmack
an sich
finden

Saft & Sperma
im Mund
des Anderen.

Eine
untrennbare
Mischung

Wir schmeckten
uns

als wir
einander
küssten


Das verlorene Bein

Ein lichtloses Schaufenster in einer Nacht ohne Menschen
Ein vereinzelter Laternenreflex auf spiegelndem Glas
Da-
hinter
wie eine Ahnung in der Dunkelheit:
Das Bein einer Puppenfrau
Getrennt vom Rumpf
Verloren
Einsam
Ein Netzstrumpf zeichnet schwarze Adern
auf das Abbild der Natur

Ich halte inne
in meiner Ziellosigkeit
Werfe Blicke durch die trennende Scheibe
Sehe nichts als den Schenkel
Fühle die perfekte Form
Erkenne den Oberflächenglanz der Künstlichkeit
Bin gefangen
im Netz der alten Besessenheiten

Die Dunkelheit hinter dem Glas
zeigt mir mein Gesicht darauf
Seitenverkehrt
& beschattet

Ich gehe weiter

Verloren
in Träumen & Gedanken

& werde
mich
lange

an das Bein

er-
innern


Der Andere Rausch

In den Zeiten
ohne Alkohol
berausche ich mich
an Dir
Saufe
zwischen Deinen Schenkeln
Halluziniere Deine Haut
Überlasse Dir
meinen Cocktail
Fantaste Dich mit der Zunge
Schlucke Dein Lachen
Beisse in Früchte
die lebendig sind
Stoße an
ohne Glas
& verschütte mich
in Dir

Und mit dem Entzug
kommt
das Delirium

Und in dem Delirium
kommst
Du

wie immer

immer wieder

Du


Die Verträumten

»Kaffee?« fragte der Mann mit dem Tiergesicht. (Bald erinnerte es an Ratte, bald an Katze, bald an Hund.)
»Nein«, sagte die Frau, »lieber nicht, sonst wacht ER womöglich noch auf.« Auch die Frau hatte ein Gesicht. Meistens. Aber nicht immer. Manchmal war es eine matte weiße Fläche, auf die sich alles projezieren ließ.
Der fensterlose Raum, in dem sie – & die vielen Anderen – sich befanden, war groß. Und unübersichtlich. Schummerte in warmgedämpftem Licht. Licht, das wie aus der Skala eines Röhrenradios kam. Vertikale schmale Streifen bildeten die Tapeten; rot & grau. Die Möbel waren verwirrend asymmetrisch gezimmert & schienen sich ständig von selbst zu verrücken; wer unachtsam war, stieß sich immer wieder an ihnen.
Stimmenmix & Cool Jazz.
Der Rattkatzhund sagte: »Denken Sie wirklich, ER könnte aufwachen, wenn wir zu munter werden?«
»Ich weiß nicht, was ich denke«, sagte die Frau. Ihr Gesicht war in diesem Moment eine verdrängte Erinnerung. Eine Erinnerung aus den rattigen Phasen des Mannes.
»Egal«, sagte er, »ich trinke jedenfalls einen – & ich werd mir etwas Asbach hineinkippen. Vielleicht schwindelt’s dann in seinem Kopf.«
Er grinste verkatert. Ihre Schultern zuckten.
»Wenn Sie meinen.«
Sie trug ein weinrotes Abendkleid. Auffällig viele Frauen trugen Abendkleider, auffällig viele Männer schwarze Anzüge, Smokings, Fracks. Wer etwas anderes trug, fiel besonders auf. Und am meisten fielen Diejenigen auf, die nichts trugen; doch nicht immer wurden sie beachtet.
Der Rattkatzhund blickte sich um; auf den Spiegeln seines Smokings lagen Schuppen. »Wo issn jetz die Bar schon wieder hin?«
»Na, da«, sagte die Frau. Ihr roter Zeigefingernagel wies ihm den Weg.
»Diese Möbel machen mich noch verrückt«, sagte er & ließ sie allein.
Rauch waberte zur Musik. Pfeifen, Zigarren, Zigaretten glühten. Asche fiel zu Boden. Paare tanzten. Tänze paarten sich mit der Musik.
Man sah keine Tür, doch ein Vorhang aus pantherschwarzem Samt schien einen Aus- oder Eingang zu verhüllen.
»Verdammt warm hier«, sagte jemand im Vorübergehen.
»Ich friere«, sagte ein anderer.
Ein blonde Frau in violetten Dessous lag bäuchlings auf einer Ottomane. Sie beobachtete die Tanzenden. Ein kleiner Junge im Matrosenanzug näherte sich ihr. Er lächelte.
»Du bist aber schön«, sagte er.
Sie blickte ernst. »Ach ja?«
»Ja. Wenn ich dich sehe, höre ich Cellomusik.«
»Sei nicht so altklug«, sagte sie mit scharfer Stimme.
»Ich höre Cellomusik, und ich sehe F-Löcher.«
»Verschwinde, du kleiner Perversling.«
Der Junge lachte ihr eine Gänsehaut, machte »Quak Quak« & versickerte im Parkett. Sie fing an zu weinen.
Ein dicker alter Mann blieb bei ihr stehen.
»Was ist?« fragte er.
»Nichts«, sagte sie.
»Das ist doch nichts Besonderes«, sagte er & ging weiter.
Einer aus der Masse hielt ihn an.
»Wissen Sie, wie spät es ist?«
»Das weiß Niemand nicht«, sagte der dicke alte Mann.
»Doch, ich nämlich«, sagte der Massenmensch.
»Na dann«, sagte der Alte, »lassen Sie mich doch in Ruhe.«
Und er ging weiter.
Der Massenmensch war verdutzt. Er blickte auf sein nacktes Handgelenk. Schwarze Haare tentakelten, aber er konnte sie nicht lesen.
»Was mache ich hier nur?« flüsterte er.
Am anderen Ende des Raumes stand eine Dame mit abstehenden Ohren am Buffet. Sie vernahm das Geflüster, wandte sich augenblicklich um & eilte auf den Massenmenschen zu. Einige Nudeln fielen dabei zu Boden, denn der Pastaberg auf dem Teller in ihrer Linken bebte.
Als sie den Massenmenschen erreicht hatte, deutete sie mit der Gabel auf ihn.
»Was Sie hier machen? Das kann ich Ihnen sagen.«
»Ach ja?«
»Ja«, sagte sie. »Sie machen hier dasselbe wie ich.«
»Und was machen Sie hier?«
»Nicht wissen, was ich hier mache.«
»Sie sind ja verrückt.«
»Ich bin nicht verrückt. Ich bin doch kein Möbelstück.«
»Zumindest ergibt das, was Sie sagen, keinerlei Sinn.«
»Na und?« sagte sie. »Es reicht doch, wenn ich mich ergebe.«
»Nun gut«, sagte er. »Dann können wir uns ja auch gemeinsam ergeben. In unser Schicksal.«
»Das haben Sie aber schön gesagt«, sagte sie.
Und eine weitere Nudel fiel zu Boden, während der Massenmensch eine Erektion bekam. Er mochte abstehende Ohren.
Sie stellte den Teller auf einem der Tische ab, behielt die Gabel in der Hand, und gemeinsam krabbelten sie unter einen anderen Tisch, wo bereits ein toter Igel lag.
»Hier ist es aber dunkel«, sagte sie. Doch schon spiegelte sich die Flamme eines Zippos in ihren Augen, und sie roch Benzin.
»Ist der tot?« sagte sie.
»Wahrscheinlich«, sagte er.
»Sei vorsichtig«, sagte sie, »nicht dass wir uns stechen.«
»Dann leg erstmal die Gabel weg.«
»Oh, die hatte ich ganz vergessen.«
Sie wurde rot. Sie legte die Gabel neben den Igel.
»Jetzt aber«, sagte sie.
»Wann sonst?« sagte er.
Schuhe, Hosenbeine & nackte Frauenwaden zogen an ihnen vorüber, während sie sich auszogen, um sich auszuziehen & sich später wieder anziehen zu können/dürfen/müssen.
Becken stießen aneinander. Zu schnell für Cool Jazz.
Uncool & hitzig.
Eine tiefe Stimme donnerte durch den Raum:
»Dadadas nimmst dududu sofofofort zurückkkkk, sonst stetetetech ich dich a-a-a-a-bbb!«
Nicht alle blickten sich um, aber Diejenigen, die es taten, langweilten sich schon vorher – wie in einer Endlosschleife.
Die Stimme gehörte einem schwarzen Kaninchen. Einem stotternden Kaninchen. Wutentbrannt schaute es aus einem weißen Zylinder; in seiner rechten Pfote blitzte ein Stilett.
Ein Mann, der aussah wie Bela Lugosi stand davor; er trug einen Dreiteiler. Noch hielt er seinen halbsteifen Schwanz in der Hand. Sein Sperma sickerte dem Kaninchen ins rechte Auge. Das sich rötete. Und zu tränen begann.
»Äntschuuldigunk«, sagte der Belaeske, »abärr ich kaahn das nicht zurrühcknäähmen.«
Das Kaninchen ärgerte sich. Vielleicht war es ursprünglich weiß gewesen. So wie der Saft auf seiner Stirn. Tropfende Blässe.
Der Rattkatzhund trank seinen Kaffee mit Asbach.
Wir werden alle sterben! dachte er. Wenn ER aufwacht.
Schuppen fielen von den Spiegeln seines Smokings.
Die Frau, die meistens ein Gesicht hatte, hatte gerade keins. Das einzige, was sie hatte, war Hoffnung. Die Hoffnung – zu überleben. Rote Blasen wie aus einer Lavalampe zeitlupten über die mattweiße Fläche. Heller als ihr Abendkleid.
Ein Mann mit einem Bleistift notierte sich Nichts auf eine Visitenkarte. Auf eine Visitenkarte eines Menschen, der niemals Besuch empfing & niemals jemanden besuchte. Der Bleistift war spitz & hatte einen Radiergummi, der sich nutzlos fühlte – wie der Spazierstock eines Querschnittsgelähmten; aber auch frisch & unverbraucht.
Über der Lehne eines braunen Stuhls hing: eine grüne Lederjacke. Auf der Sitzfläche lagen: ein Feldstecher …. eine schwarze Fliege, die man (mit Klebstoff) als Schnurrbart hätte missbrauchen können …. ein Monokel …. Gänsekiele, die aus (musikbedingten?) Gänsehäuten gerupft worden waren …. fallengelassene Gamaschen …. ein Kummerbund mit Ketchup-Flecken …. & eine ausgestopfte Möwe mit Rechtschreibschwäche.
Lachen ritt auf einer Kanonenkugel.
Ein einsamer Mann im Frack trank Rum. Seinem Frack fehlten die Schwänze. Die traurige Frau neben ihm trug eine Stoffschere in der Gesäßtasche ihrer löchrigen Jeans.
Trug: Schluss. In ihrem Herzen.
Er rauchte eine Zigarre.
Die Frau sagte:
»Das ist keine Pfeife.«
Er sagte:
»Ich weiß.«
Sie sagte:
»Aber du.«
Er sagte:
»Ich weiß.«
Und es graute ihm. Er war traurig. Und die Frau war einsam.
Eine Verflossene. Wie die Zeit. Schon jetzt. Eine schmelzende Uhr. Zu weich für die Gegenwart. Zu weich für die Realität. Doch – vielleicht – zu hart für einen Traum.
Ein toter Schmetterling lag auf einem Schachtisch ohne Figuren; sein Körper ruhte auf B7. Sehr langsam bewegte sich eine gelbschwarz-gestreifte Spinne auf ihn zu. Sie war etwa halb so groß gewesen wie der Schmetterling, als sie ihre Reise auf H1 begonnen hatte; nun, da sie E4 passierte, war sie bereits doppelt so groß wie er. Eine nackte Dame stand neben dem Tisch & beobachtete sie.
Was hat das nur zu bedeuten? dachte die Dame.
Was hat das nur zu bedeuten? dachte die Spinne.
Was hat das nur zu bedeuten? hätte der Schmetterling denken können, wenn er noch gelebt hätte.
»Oh ja, fick mich!«, rief die Frau mit den abstehenden Ohren. Unter dem mittlerweile verrückten Tisch.
Der Rattkatzhund trat neben die nackte Dame, tätschelte ihren Hintern & stellte seine leere Kaffeetasse mit Nachdruck auf C6. Die Spinne hielt inne.
»Warum haben Sie das getan?« fragte die Dame.
»Ihm war danach«, sagte der Rattkatzhund. Er lächelte hündisch.
»Ich verstehe«, sagte die Dame, »da kann man nichts machen.«
»So ist es.«
»Gefällt Ihnen mein Arsch?«
»Ich dachte, Sie meinten die Spinne.«
»Nein.«
»Ja. Er klingt gut. So mollig.«
»Nicht durig?«
»Nur wenn er glücklich ist. Denke ich mir.«
»Das ist traurig.«
»Finde ich nicht.«
»Dann suchen Sie.«
»Wir haben keine Zeit.«
»Ach ja ….. Das hätte ich beinah vergessen.«
»Bein … Ah!« sagte er.
Die Spinne dachte: So ein Arsch!
Sie hatte die Lust verloren. Die Lust auf den toten Schmetterling. Der Weg um die leere Tasse war ihr zu weit.
Jetzt tanzten die Paarungen zu Stan Getz.
Ein Mann in einem schwarzen Umhang saß in einem Ohrensessel. In einer düsteren Ecke des Raumes. Das Schwarz wirkte besonders schwarz – wie ein Vergessen von Farbe – wie das Schwarz des Tiefschlafs. Der Mann fiel auf. Schatten fiel auf – sein Gesicht. Viele fragten nach ihm, niemand hatte eine Antwort.
Eine Frau: »Wer ist das?«
Ein Mann: »Wer?«
Die Frau: »Der da. In der Ecke.«
Der Mann: »Keine Ahnung.«
Die Frau: »Er schweigt die ganze Zeit.«
Der Mann: »Vielleicht ist er stumm.«
Die Frau: »Wenn er stumm wäre, könnte er nicht schweigen.«
Der Mann: »Wie bitte?«
Die Frau: »Schweigen setzt die Fähigkeit zu sprechen voraus.«
Der Mann: »Moment. Darüber muss ich nachdenken.«
Die Frau: »Tun Sie das. Aber nicht zu laut, wenn ich bitten darf.«
Der Mann: »Ich denke grundsätzlich stumm.«
Die Frau: »Sie haben es noch nicht begriffen.«
Der Mann: »Mutter, bist du’s?«
Die Frau: »Ab ins Bett mit dir. Sonst sag ich’s deinem Vater, und dann setzt es was.«
Der helle Blitz im Schattengesicht war vermutlich ein Lächeln.
Der Belaeske verstaute seinen Schwanz; das Kaninchen verschwand im Zylinder; der Zylinder löste sich in Duft auf.
Auf einem roten Sofa saß eine Frau im Smoking. Schwarzer Bubikopf, grüne Augen, eine leere Zigarettenspitze im Mundwinkel. Zurückgelehnt & gelassen betrachtete sie die Tanzenden. Bewegungslos die Sichbewegenden. Und zwischen all dem Geschiebe & Gedrehe, zwischen all den lustig-lustvollen Illustrationen von Noten – erblickte sie: die Augen der Schere in der Tasche der traurigen Frau. Und dachte: Dieser Drang! Wo kommt dieser Drang her? Aus mir? Aus ihm?
Die traurige Frau spürte den Blick auf ihrer Gesäßtasche. Schaute sich um. Schaute ins Grün. Fühlte sich aus- & angezogen – und ging zu der Frau auf dem Sofa.
»Ja?« fragte sie. Obwohl Ja doch eigentlich eine Antwort ist.
»Leihst du mir deine Schere?« sagte die Frau im Smoking.
»Gerne«, sagte die traurige Frau. »Ich leihse dir. Aber nicht zu laut.«
Beide lächelten.
Die Bubiköpfige steckte Daumen & Mittelfinger durch die Augen der Schere & begann sich die Smokingbeine abzuschneiden. Weit oben. Ganz weit oben. So weit oben wie es gerade noch im Sitzen (mit angehobenen Beinen) ging.
»Ich weiß, warum du das tust«, sagte die traurige Frau.
»Ich ahne, was du weißt«, sagte die Frau mit der Schere.
»Er.«
»Ja, Er. Oder Alle.«
»Der freie Wille.«
»Der freie Wille«, wiederholte die Frau mit der Schere.
RitschRatsch.
Und sie lachten. Alle. Heftig.
Fast hysterisch.
»Wie heißt du eigentlich?« fragte die traurige Frau.
»Wenn ich das wüsste.«
»Das ist aber ein schöner Name.«
Sie konnten sich nicht vorstellen.
Die Schere wurde zurückgegeben; die appen Smokingbeine langsam von den Schenkeln gezogen. Über Herrenschuhe hinweg, in denen bare Frauenfüße steckten. Hot Smoking Pants! Sie legte den überflüssigen Stoff neben sich auf das Sofa & schlug die Beine übereinander. Und sofort wurde ihr warm. Von den Blicken, die sie spürte. Auf ihrer Schenkelhaut. Träumend, sehnsüchtig, neidisch, begehrlich.
Im Kopf eines alten Mannes: Sie sein! Einmal nur. Für einige fremde Augenblicke. Eine wie sie. Mit meinem Bewusstsein. Mich selber betrachtend. Meine Schönheit erkennend. Damit spielen. Alles fühlen. Mich bewegen, ganz leicht, jung & schön. Frei. – Frei? Nun ja.
Die traurige Frau verstaute die Schere & ging zurück zu ihrem Rumtrinker.
Ein Gemälde erschien aus dem Nichts; hing unversehens an der Wand hinter dem roten Sofa. Ein Galgen in Pastelltönen …. mehrere Erhängte in einer Reihe …. mit verwaschenen Gesichtern …. Jemand war im Begriff die Treppe hinaufzusteigen, mit einem Messer in der Hand …. Vielleicht um die Toten abzuschneiden, vielleicht um sie auszuweiden …. Nur wenige nahmen das Bild überhaupt wahr. Zu ablenkend war die Frau davor.
Und es roch nach Nagellackentferner & Brotpudding.
»Ich hätte Lust, die Loreley zu singen«, sagte Dr. Kottmann.
»Wenn Sie das tun, werde ich Sie heftig ohrfeigen«, sagte Franz & spuckte sich auf die Stulpenstiefel.
»Das ist absurd«, sagte Dr. Kottmann.
»Ist es nicht«, sagte Franz.
»Ist es doch«, sagte Dr. Kottmann.
»Ist es nicht«, sagte Franz.
»Woooohl!«
In diesem Moment bewegte sich der schwarze Vorhang – & Tina betrat den Raum. Sie trug einen knappen, hellblauen Bikini & ein automatisches Gewehr; um die Taille einen lockeren Patronengürtel. Blonde Zöpfe (Affenschaukel). Und sie begann, wahllos in die Menge zu schießen. Wahllos? Niemand schrie. Löcher wurden geboren. In Stoff & Fleisch. Blut spritzte. Hirn spritzte. Körper fielen zu Boden. Der alte Mann betrachtete ihren Popo, registrierte jede Bewegung, die dieser bei jedem Schuss, bei jedem Rückstoß machte. Dann drehte sie sich herum & schoss ihm zwischen die Augen. Er lächelte.
Der Rattkatzhund & die Gesichtslose, die tatsächlich mal wieder gesichtslos war, standen am Buffet.
Er sagte: »Und Sie hatten Angst, ein Kaffee könnte Ihn aufwecken.«
»Ja«, sagte sie mundlos, »das war einer meiner verrückten Gedanken.«
»Ach, so verrückt war der gar nicht. Eher verträumt, würde ich sagen.«
»Dann tun Sie’s doch.«
Tina lud nach. Niemand wäre auf die Idee gekommen, sie daran zu hindern. Die Musik war sanft, und die Leichen häuften sich.
Die Gesichtslose erinnerte sich an ihr Gesicht, und plötzlich war es wieder da. Niemand erkannte sie.
Tina barfüßelte zu der dunklen Ecke, wo der Ohrensessel stand. Sie zielte in den Schatten. Sie drückte ab. Dies war der einzige Schuss, der lautlos war.
Dann sagte sie: »Entschuldigung. Ich habe mich vertan. Ich dachte, dies sei eine Rechenmaschine.«
»Endlich«, sagte der Mann im schwarzen Umhang.
Und es roch nach Blut, nach Hirn, nach Schatten, als die Decke des Raumes sich öffnete.


Das Feuer des Zuhörens

Es war
als wäre ich
dabei gewesen.
Wie so oft.

Zuhören
zeichnet

bewegte Bilder.

Zuhören
riecht.

Zuhören
schmeckt.

Zuhören
klingt.

Zuhören
fühlt
sich an.

Ich lag im Bett; das Telefon am Ohr.
Sie erzählte.

Es ist ein eiskalter Abend, eine eiskalte Nacht.
Ein Osterfeuer brennt in der Dunkelheit.
Es wird getrunken. Bier. Wein. Schnaps (»Hütten-Feuer«
heißt das Zeug).
Knisternde Flammen, Rauchgeruch, Stimmen.
Es wird verdaut.
Und das Klo ist so weit weg.

Ich hörte Musik –
wusste aber gar nicht, ob es dort Musik gegeben hatte.

Sie muss pissen. Dringend.
Das Klo ist so weit weg.
Doch da ist eine Scheune.
Im Gegenlicht des Feuers.
Sie geht hinter die Scheune.

Ich hörte ihre Schritte auf der gefrorenen Erde.

Es ist finster hinter der Scheune.
Die Gürtelschnalle klimpert.
Jeans & Slip gleiten über den unsichtbaren Arsch,
die unsichtbaren Oberschenkel hinab.
Sie hockt sich hin.
Sieht in der Entfernung die Rücken dreier Männer
an einem Baum, die tun, was sie im Begriff ist
zu tun.
Und
sie lässt es laufen.

Ich hörte es plätschern,
sah es dampfen,
roch es &
spürte die Wärme, die den Boden erweichte.

Ein Schatten tritt hinter die Scheune.
Geworfen von einem Fremden.
Sie vernimmt das
Zzziippp eines Reißverschlusses ….
»Hallo?« sagt sie, »ich sitze hier bereits.«
»Oh«, sagt der Fremde, »Entschuldigung, ich habe dich nicht bemerkt.«

War es wirklich ein Fremder?
Schließlich
konnten sie sich nicht erkennen.

Der Mann verschwindet.
So schnell er vermutlich kann.

»Ich hätte warten sollen, bis er ausgepackt hat«, sagte sie.
»Du Sau!« sagte ich.
Wir lachten.
Sehr.

Sie hätte ohnehin nichts sehen können.
So wie er sie nicht hatte sehen können.

Nur ich
konnte sie

sehen

in diesem Moment

konnte sie

riechen
hören
fühlen

Mein Ohr war heiss geworden
vom Hörer.
Alle Sinne lagen wach
in meinem Bett.

Zuhören
ist
geil.

Macht
geil.

»Und wehe, Du schreibst darüber«, sagte sie.
»Natürlich nicht«, sagte ich.


Peanuts

Ich hatte wohl beiläufig erwähnt, wie sehr ich
die Peanuts liebte – & dass ich 2 Paar Socken
mit Snoopy-Aufdruck besaß
(in Grau, aus grauer Vorzeit).

Der Sommer ging allmählich zuende; es wurde kühler.
Die Frau trug einen Rock, der
meine Handbreit über den Knien aufhörte.
Sie ging ins Wohnzimmer, zog ihre Schuhe &
ihre dünne Jacke aus & stellte ihre Tasche ab.
»Ich habe heute übrigens was drunter«, sagte sie.
»Ach – das ist ja mal ganz was Neues«, sagte ich, »so
kalt isses doch noch gar nicht.«
Ein Lächelblitz aus blauen Augen. »Schau nach.«
Ich ging zu ihr, bückte mich & schob
lang-
sam
ihren Rock hoch.
Da waren sie (vereint auf violettem Stoff, vorne):
Snoopy & Woodstock!
»Süß«, sagte ich, »lässt Du mir das hier?«
»Sicher.«
»Dann ab mit uns unter die Kuscheldecke.«

Kleidungsstücke waren zufällig
auf den Boden des Schlafzimmers gefallen; nur
das Höschen
hing ordentlich über der Stuhllehne.
Der Hund lag auf dem Rücken; die Augen geschlossen.

Jetzt war sie blond wie Woodstock, doch
in der Vergangenheit
war auch sie ein
kleines rothaariges Mädchen
gewesen.
Ein Mädchen mit Sommersprossen.

Und weil
manchmal
einfach
Alles
passt,

lief
die Mondscheinsonate,
als ich ihr
in den Hintern biss

(Glenn Gould allerdings –
& nicht
Schröder).

Lachen
Lecken
Lachen (mit langem aaaaaa) auf dem Laken
The Doctor is in
The Doctor is out

Sprechblasen
Gedanken-
blasen

Als sie wieder in ihr knallblaues Auto stieg,
wusste ich, was ihr fehlte
unterm Rock.
Und ich wusste, was
mir
fehlen würde ……

In den Tagen des Alleinseins
– das Vögelchen war ausgeflogen –
schnüffelte ich
nach dem Erwachen
& vor dem Einschlafen
an dem Höschen;
ich nahm Witterung auf,
denn auch ich
bin nur
ein Hund
ein Wolf
ein Tier
eine Art von
Comicfigur.

Nach & nach
wurde der Duft schwächer;
wie auf der Flucht.

Wir telefonierten.
»Wird höchste Zeit, dass Du wiederkommst«, sagte ich,
»ich habe alles inhaliert, was es zu inhalieren gab.
Snoopy hat Sehnsucht,
und was zu Knabbern brauch ich auch.«
»Nüsse?« sagte sie.
»Arsch«, sagte ich.

Es wurde noch kühler
draußen.
Noch heißer
in uns.

Und beim nächsten Mal trug sie
Jeans, die nur so knackten;
und irgendwann, unter der Decke,
sagte sie: »Ich laufe aus.«
Und ich dachte an das Meer,
an die Hohe See,
an ein Schiff, das ausläuft;
und ich wollte in See stechen,
hinaus auf das Meer Meer Meer ……

»Ich hab da was, womit Du Dich
abtrocknen kannst«, sagte ich.
Sie grinste.
«Schon klar«, sagte sie.

Snoopys Augen waren noch immer geschlossen,
als würde er es genießen, wie sie ihn
benutzte.

Und der Duft
würde wieder
für eine gewisse Zeit des Alleinseins
reichen.

Reichen, um zu
riechen –
zu schnuppern –
zu schnüffeln –

um zu träumen

wie ein Hund …..

Ein Hund, der
auf dem Dach seiner Hütte schläft.

Snoopy


Blue Velvet

Erkältet
waren wir beide.
Wir lagen im Bett –
nackt nur an den Stellen,
auf die es ankam.
Musik lief im Shuffle-Modus.
Die Flammen der Kerzen & Teelichte flackerten
im eisigen Wind, der durchs undichte Fenster herein wehte.
Die Frau musste aufs Klo;
kletterte aus dem Bett.
Ich liebe den flüchtigen Moment – bevor
das hochgerutschte Shirt, nach dem Aufstehen,
wieder über den nackten Arsch gleitet, um
ihn dann
nur knapp
zu bedecken.
Sie ging nach nebenan.
Johnny Mathis sang „Moon River“.
Ich hörte es plätschern.
Hörte sie Papier abreissen.
Klopapier, das nach Rosen duftete –
& das ich niemals benutzte.
(Sie hatte es selber als Gag mitgebracht,
nachdem ich mich über den
Klopapierverbrauch der Frauen lustig gemacht hatte.)
Johnny gab volles Vibrato, dann
rauschte die Spülung.
Und während die Frau in die Küche ging,
um sich noch ein Bier zu holen,
übernahm Bobby Vinton die
musikalische Leitung.
„Blue Velvet“.
Sie kam zurück, stellte die Flasche auf den Nachttisch
& kroch unter die Decke;
ihre Hände waren kalt, ihre Beine waren kalt.
Sie sagte: »Die Musik läuft doch auf Shuffle, oder?«
»Ja«, sagte ich.
»Wieviele Stücke sind in der Liste?«
»Keine Ahnung, aber sie läuft knapp 37 Stunden
ohne Wiederholung. Wieso?«
»Weil ich gerade, aufm Klo, dachte:
Ich würde gerne mal wieder „Blue Velvet“ hören
»Ich wusste es«, sagte ich, »Du bist
eine Hexe.«
Sie lachte.
»Ich kann Sachen«, sagte sie.
Was stimmte.
„Blue Velvet“ war unser Lieblingsfilm.
37 Stunden, die auf Zufall gestellt waren.
37 Stunden – so lange hatten wir uns noch nie
ohne Unterbrechung gesehen –
& würden es vielleicht auch
niemals.
Ihre Hände wurden warm.
Der Wind blieb eisig.
Und die Flammen der Kerzen & Teelichte flackerten
noch stärker.
Bewegt durch
den Wind &
unsere Leidenschaft.


Spielplätze der Liebe

Hörspiel.
Sehspiel.
Riechspiel.
Tastspiel.
Zungenspiel.
Gedankenspiel.

Liebesspiel.


Eine Handbreit über dem Eis

Es war so still,
dass ein schmelzender Eiswürfel einen erschrecken konnte.
Ein ausgebuchtes Hotel des Schlafes; aber vielleicht
waren die Gäste auch nur
tot.
Die Zeit verstrich
auf stehengebliebenen Uhren.
Nichts passierte.
Niemand ging vorüber.
Das Ich: ein unterbezahlter Nachtportier.
Immer wieder
nickte ich meiner Müdigkeit zu.
Nickte ich ein.
Die Tagträume der Schlaflosigkeit verwandelten sich
in traumlosen Schlaf.
Staub war von fremder Haut
gefallen
auf die Teppiche am Boden.
Totes Gewebe
das ich einatmete.
So gleichmäßig
wie man niemals atmet, wenn man
wach ist.
Endlos
hätte ich schlafen können.
Andere hätten es meinen Tod genannt.
Und ich wäre kalt gewesen.
So kalt & still.
Doch
Alles
vergeht.
Alles endet.
Auch solche Nächte.
Und jemand betrat meine Ruhe.
Das schwarze Kleid der Putzfrau endete
eine Handbreit über ihren Knien.
Die Hand
hätte meine sein können.


Die Weinabteilung

Immer wenn er mit seinem Vater einkaufen ging,
zog es den kleinen Jungen in die Wein-
abteilung. Aufgeregt. Erregt. Neu-
gierig. Suchend.
Flirrend-funkelnde Flaschen in Regalen,
bunte Bilder auf Etiketten;
Licht-
reflexe
auf Glas ……
Und immer versuchte er, sich
abzusondern – ein paar Schritte
im Abseits, um
allein
zu
sein ……
Allein
mit seiner
Erregung.
Unbemerkt
zwischen großen fremden Menschen.
Unbemerkt
zwischen Flaschen
in Reih & Glied.
Auf der Suche nach
dem Weißwein, der
zu warm war ……
Nach einem Schriftzug, den
er lesen konnte,
bevor er lesen konnte.
Den er
spüren konnte
wie einen Schmerz –
einen Schmerz, der
trocken & lieblich
zugleich war;
herb.
Und der kleine Junge
buch-
sta-
bier-
te:
N – A – C – K – T – A – R – S – C – H

Eine Marke.

Das Etikett:
gemalt,
fast naiv – – :

Ein Junge
mit herunter-
gelassener
Hose;
ein alter Mann
mit er-
hobener
Hand,
der lächelt.
Der Blick des Jungen:
ängstlich
in
Erwartung.

Und der kleine Junge
vor dem Wein-
regal
hatte keine Worte
für die Gefühle
in seinem roten Kopf,
seinem schlagenden Herzen,
seinem Schritt.

Sein Vater –
einige Schritte entfernt –
war kein
alter Mann;
doch auch er hatte eine Hand, die
oft
erhoben war –
ohne dass er lächelte.

Während der Junge
wein-
te.

Tränen, die
nach Wein rochen.

Und manchmal hielt diese Hand
einen Stock ….
eine Peitsche ….
einen Kochlöffel ….

Einen Kochlöffel, in den
der Name des Jungen
gebrannt war
mit einem glühenden Eisen.

Der Junge liebte
die Hände seines Vaters –
betrachtete sie oft
am Lenkrad,
wenn der Vater ihn
zu einem ersehnten Ziel fuhr …..

Monde
unter
Fingernägeln.

Reflexionen.

Der Kochlöffel
liegt
heute
in einer Schublade.

Ich benutze ihn nicht.

Wo der Stock ist, weiß ich nicht.

Die Peitsche ging verloren.

Die Hand ist verwest.

Mein Herz
schlägt,
wie sie es tat –
damals.

Ein Geräusch, das
an Beifall
erinnert.

Ich liebe Wein –
Rotwein
bevor-
zugt.

Die Marke ist
fast
egal.

Und manchmal
schmeckt der Wein
nach Salz.

Ich liebe Worte
wie Buch-
staben.

Buchstaben
wie Worte.

Begreife
die Erotik des Kochens
wie nackte Ärsche …..

Lebe meine Obsessionen
aus
vor
Regalen.

Esse,
trinke.

Flaschen flirren.

Lust
Schmerz
Nahrung
Tod.

In meinem Gedächtnis
hängen
naive Bilder.

Und manchmal
hängt der Mond
wie ein Spielball
am Nachthimmel.

Mit herunter-
gelassener
Hose

& spiegelt sich
weiß
in Flüssigkeiten.

Ein Spielball
der Gefühle,
für die ich
keine Worte habe.


Gleitmittel

Sie schrieb:
Zwei Treffen zum Kennenlernen sind
Minimum. Vorher:
Kein Sex.

Ich schrieb zurück:
Ok…. Dann lass uns gleich
mit dem dritten Treffen anfangen.

Ein einziges Telefonat folgte.

Zeit
hat man
niemals
zu verlieren.

Ich hatte bereits
zu
viel
davon
verloren.

Sie war nur so dahingeschlittert.
Mir entglitten.

Trockene Jahre.
Jahre der Dürre, die ich
mit Alkohol
befeuchtet hatte.

Eine Wüste.

Suche.
Sehnsucht.
Sucht.

Sie besuchte mich.

Fand mich
in meiner Einsiedelei,
die ich mir teilte
mit stehengebliebenen Uhren,
Spiegeln,

Büchern,
Schall-
platten,
alten Lampen –

in deren Licht
wir
uns
kennen-
lernten ……

Erfühlte
erfüllte
Zeit –

Sie sagte:
»Kannst du dir vorstellen, dass es
Männer gab, die meinten,
ich sollte es mal mit Gleitcreme versuchen?«

Ich sagte:
»Prinzipiell
kann ich mir Alles vorstellen.«

Sie fühlten sich
kalt an –
all diese nassen Stellen
auf dem Laken ……

Abgekühlte Spuren
einer Leidenschaft, die
(einfach
entfacht)
brannte
brannte
weiter brannte ……

Eine Leidenschaft
wie eine Selbstentzündung.

Sie lief aus
als ob
sie nicht enden wollte.

Ein Durst, der
nicht
gelöscht werden konnte.

Heiße Schritte.

Eine Oase –
die keine Vorspiegelung war.

Vielleicht
hatte ich mir doch
nicht
Alles
vorstellen
können.


Geliebte Unvernunft

Nach 0 Uhr
Unter 0 Grad

Eine Frau
die nichts trägt
außer
T-Shirt
Schuhe
& ein Handy

sucht
auf einer dunklen Straße
nach einer Stelle
mit Empfang

Empfang
in einer abgelegenen Gegend

um
ein Bild zu senden

Hoffentlich kommt kein Auto,
denkt sie

Und sie findet eine Stelle

Und kein Auto kommt

Und niemand sieht
wie sie sich bückt
um das Handy auf die überfrorene Straße zu legen

weil dort
der Empfang am besten ist

Dies wäre der Moment
sich in sie zu verlieben

Doch es ist zu spät

denn
Das
ist längst geschehen

& weit
darüber
hinaus

Es klingt
wie eine Phantasie
wie eine Metapher
wie ein Bild

Und ist doch bloß
Wirklichkeit

Das Bild
kam nie an

Es war
unwichtig.