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Ja, Entschuldigung!

Ja, Entschuldigung, das mag jetzt kitschig
klingen – einmal mehr -, aber ich sagte:
»Ich weiß schon jetzt, dass
du mir das Herz brechen wirst.«
Und sie sagte:
»Warum sollte ich das tun? Das
wird nicht passieren.«

Und, ja, Entschuldigung, das mag jetzt lustig
klingen – ein weiteres Mal -, aber ich glaube:

Sie hatte recht.

(Und außerdem
könnte es auch schon vorher kaputt gewesen sein.)


Marina Vlady

Bist Du’s?
Ist sie’s?
Wer spielt?

Als kleiner Junge war ich so verschwärmt
in Marina Vlady – wie in so viele
Andere. Nur anders. Weil es immer
anders ist. Und, wer weiß, vielleicht war sie es
am Anfang nicht einmal selbst, die
ich sah, so jung & verschwärmt wie ich war.
Sie hatte eine Schwester, 8 Jahre älter als sie &
ebenfalls Schauspielerin. In der richtigen
Beleuchtung waren sie wie Zwillinge.
Zumindest für meine naiven Kinderaugen.
Und eine Zeitlang wusste ich nichts
von dieser älteren Schwester, die sogar
einen anderen Nachnamen trug.
Welch seltsame Unsicherheit & Verwirrung
wenn ich einen Film mit dieser Anderen sah; mit
dieser Frau, von deren Existenz ich nichts ahnte.
Ich sah sie, glaubte zu wissen, wer sie war
– & zweifelte doch. Sie war der Schwarm,
mit dem etwas nicht stimmte. Weil
das Gefühl nicht passte.
Welchen Namen hatte ich im Vorspann
nicht gelesen? Konnte ich überhaupt lesen –
damals? Hätte ich lesen können?

Ja, es war seltsam. Solange es dauerte.
Und die Auflösung war so banal. Schade.
Und heute? –
Habe ich das alles jetzt erfunden? War es vielleicht
gar nicht so? Wer kann das wissen? Außer mir. Und
weiß ich es denn? Es war verwirrend, ist
verwirrend & bleibt verwirrend; wie
das Gefühl, das ich hatte – jedes Mal
wenn ich Odile sah. Bevor ich erfuhr, wie sich
alles verhielt.
Aber eigentlich geht es ja um etwas ganz anderes.
Du siehst eine Frau….. und…..
Ach, Marina!
Du wurdest nie
zu einer dieser Ikonen, die jeder kennt,
kein Kaffeetassenmotiv, kein
Gesicht auf einer Müslischale.
Und das ist schön.
Du spieltest nie in einem Meisterwerk –
& hättest doch einen besseren Text verdient
als diesen, der alles andere ist als
das. Und ich werde jetzt nicht
nachschauen, ob Du noch lebst
& Deine Schwester tot ist –
oder umgekehrt. Oder
ob Alles ganz anders ist.

 

 

Marina bw


Unstimmigkeiten

Irgend etwas stimmte nicht
von Anfang an, aber
man konnte darüber hinweg

gehen
sehen
liegen
küssen
ficken
lecken
kommen

& versuchen, es
zu vergessen, da
man ja niemals will,
dass etwas nicht stimmt

weder am Anfang
noch in der Mitte
oder am

(aber da war es dann auch schon: das)

Ende.


Die Richtigen & Alles Andere

Es sind immer die Richtigen

Menschen, die gehen;
Menschen, die bleiben.
Deshalb bleiben
oder gehen
sie.
Deshalb sind sie
die Richtigen.

Alles
Andere
ist nur

Phantasie
oder
Erinnerung.


Angenehm traurig

Da war diese Hollywoodschönheit, und sie
griff mir von oben in die Hose, durch den Bund, und
ihre Zwillingsschwester schaute zu, die
es in Wirklichkeit gar nicht gibt, und
plötzlich waren beide fort, ohne
dass ich mich darüber wunderte….. ich
ging in den Keller meines Hauses
& hörte ein Stöhnen; es kam
aus dem Zimmer am Ende des Ganges, aus
dem Zimmer, das einst ein Schlafzimmer gewesen
& inzwischen eine Rumpelkammer war; unvermittelt
stand ich im Türrahmen – ohne
dorthin gegangen zu sein…..
Ein Mann, älter als ich, kniete nackt auf dem Bett, das
nicht mehr existierte, und die Geliebte der Vergangenheit
hatte seinen Schwanz im Mund & lächelte mir
mit ihren Augen zu – als es ihm kam….. Das
Sperma tropfte von ihrem Kinn auf die lakenlose Matratze,
und die Erektion, mit der ich erwachte, war
angenehm traurig.

Ich schickte ihr eine Nachricht:
Weißt du, was mir heute
aufgrund eines Traumes klar wurde?
Ich wünsche dir, dass
wenigstens du
Sex hast – wenn
ich schon keinen habe. Ohne
alle Ironie & ohne
einen bösen Gedanken in meinem Hinterkopf.
Und das – nicht aus Desinteresse
oder gar Gleichgültigkeit…. Es
fühlt sich gut an.

Natürlich antwortete sie nicht.
Sie antwortete nie.
Schon als wir noch zusammen waren
kam oftmals keine Antwort.
Es war, behaupte ich, eine Charakterschwäche, die
Stärke suggerieren sollte. Vor allem
sich selbst gegenüber wollte sie stets
stark erscheinen.

Dieser Hollywoodschönheit wäre ich beinahe
mal über den Weg gelaufen. Jahre zuvor.
In London.
Ich war mit einer Freundin dort, und wir
hatten uns für einen halben Tag getrennt, um
den eigenen Interessen nachzugehen.
Ich durchstöberte Antiquariate, besuchte das
Sherlock-Holmes-Museum & saß schließlich in einem Pub,
trank Guinness & rauchte Zigarillos.
Am Abend dann erzählte sie mir
von ihrem Einkaufsbummel. In einem
Schuhgeschäft, Nähe Carnaby Street, hatte sie
diese Schauspielerin gesehen – & es bedeutete ihr
nichts. Ganz beiläufig erzählte sie davon, während sie
von ihren neuen Schuhen schwärmte. Ich schwärmte
– ein wenig – für diese Schauspielerin. Damals.
Und konnte meinen Ärger nicht verbergen. Es war
lächerlich. Und traurig. Wieder etwas verpasst.

Ab & an meldet sich diese Freundin. Meist schriftlich.
Doch nicht immer antworte ich ihr.
Sie erwähnt gerne mal den Namen der Schauspielerin,
um mich freundschaftlich zu necken…..
Aber die bedeutet mir längst nichts mehr, und
es ist mir egal – sie nie gesehen zu haben
in der Wirklichkeit. Das
ist angenehm. Vielleicht auch
traurig. Angenehm
traurig eben.

 

 

 

 

 

Siehe auch:
Sherlock Holmes als Arme Sau
London


Arme Kröte!

Ich hatte es irgendwo gelesen:

Ab 40 km/h
platzt die Kröte. Selbst
wenn man sie
zwischen die Räder nimmt.

Sie selber ist natürlich nie so schnell.

Es ist die Luft.

Arme Kröte!
Was für eine schöne Metapher du bist.


Runter vom Gas!

 
Laute Signale in der Dämmerung!

Sie hupt – wenn es dunkel wird
Hupt – wenn es Nacht &
sie alleine ist
auf jener Strecke
wo sie tötete

Und sie fährt ganz langsam

3 Rehe waren gestorben
in kurzer Zeit
in rascher Folge

Sie erzählte es mir
während meine Hand auf ihrer bloßen Brust ruhte
& das Sperma trocknete

»Mir doch egal, ob man mich
für bescheuert hält«, sagte sie.

Und unsere Füße berührten sich
Bremse & Gas

Runter vom Gas!
Ich fahre ganz langsam
über die Autobahn
dort – wo ich tötete
doch ich hupe niemals

Zu sehr liebe ich
die Ruhe

Es war nur 1
in meinem Falle

Und Alle überholen mich –
All jene, die niemals einen Unfall hatten

oder aber
vergessen konnten

All jene
die sich nie in ein Tier hinein versetzen

Die Warnschilder stehen am Rand
doch sie beachten sie nicht

Weder die Unvorsichtigen
noch die Tiere

»Mir doch egal, wofür man mich hält«,
sagte – oder dachte ich.
Solange du mich hältst, sagte ich nicht.

Blut
war auf die Straße gepumpt worden
Und war getrocknet

wie mein Sperma

inzwischen

Blut aus Herzen
die vergingen

So ist das
mit der Liebe.

Gas & Bremse

Doch Langsames Fahren hilft
ebenso wie Umsicht
auch nicht

immer.


Ineinander hinein

Wir hatten uns
ineinander hinein
verletzt

& hätten uns doch
versetzen sollen

hinein!
natürlich
was denn sonst…..

Eins ins Andere.

Ja – was denn sonst?

Das Versetzen kam
ganz am
Ende.

Und es war verletzend –
ein letztes
Mal.


Gelächter

Ich lache
wenn ich komme
sofern es gut war

Ich kann es nicht kontrollieren

Ich lachte viel
bevor sie ging

Sie lachte auch
Doch nicht wenn sie kam

Es war gut
gemeinsam zu lachen

aus anderen Gründen

Nur zu sein
Nicht zu kommen
Nicht zu gehen

So hätte es bleiben sollen
doch es wollte nicht so bleiben

Denn man hat sie nie wirklich
die Kontrolle

Das Gelächter aus andern Gründen
war das beste überhaupt

beinahe abgründig

Nun kann ich’s ja sagen
da sie mich nicht mehr hört

Und ich lache nicht
wenn ich’s mir selber mache

Und ich erinnere mich
an unser Gelächter

wenn ich
nichts zu lachen habe


Abrechnung

Im Traum war ich
eine Summe
Ich erwachte
als Differenz

Damit hatte ich nicht gerechnet

Immerhin:
es gibt keinen Rest
bei Addition & Subtraktion

Keine Rechnung ist simpler

Vielleicht allein
die Abrechnung


In der Mitte des Zifferblatts

Du & ich
Zeiger einer analogen Uhr

Wir treffen & trennen uns bei
nahe überall

Nur in der Mitte des Zifferblatts
bleiben wir stets vereint

wo die Bewegung der Zeit
kaum zu sehen ist

während sie doch vergeht
wie alles andere

Dort sind sie verbunden
unsere Enden

und bleiben es
auch wenn die Uhr zum Stillstand kommt


Kurven

Er legte sich gerne in Kurven
als wäre er schnell unterwegs.

Am liebsten in die Kurven
der Geliebten
als wären sie der Weg.

Der Weg
zur Ruhe zu kommen.

Und das Ziel zugleich.

Sie kamen oft.

Kamen
zur Ruhe
zu sich
& zu
einander

ineinander

& lachten in den Lachen auf dem Laken.

Kalt waren die Lachen
& feucht.

Bevor sie trockneten.
Flecken der Erinnerung

die blieben
während sie gingen
die Geliebten

Und immer wieder
kam sie wieder.

Nur einmal nicht.
Und wer einmal nicht wiederkommt
kommt niemals wieder

denn einmal ist der Anfang
von niemals
wenn es ums Wieder geht

Er legte sich gerne in Kurven
als wäre er schnell unterwegs

Am liebsten in die Kurven
der Geliebten.

Und dann war sie
weg.


Spiegelung

»Diese großen dunklen Augen«, sagte sie,
tief hinein schauend
scheinbar tauchend.

Beinahe klang es – als
liebte sie mich

Ich fiel….

Tatsächlich
suchte sie nur
nach ihrer
Spiegelung

auf der Oberfläche

….darauf

herein

in die Tiefe

tauch
end


Eine große Liebesgeschichte

Eine mir unbekannte
Frauenstimme sagte:
»Ihr Anruf kann im Moment nicht entgegengenommen werden.«
Sie sagte es zu jemandem
im Hintergrund.
Es war das,
was sie gehört hatte
als sie mich anrief.
Das, was ich hörte
auf meinem Anrufbeantworter.
Worte, die sie weitergab, während die Aufzeichnung lief;
Worte einer automatisierten Ansage,
die von einer mir ebenfalls unbekannten Frau
gesprochen worden waren; von der Stimme
in meinem Anrufbeantworter.
Eine Rufnummer wurde nicht übertragen; die Anruferin
hatte es so eingestellt.
Alle Anrufer, die ihre Nummer unterdrücken,
erhalten jene Antwort – direkt & unvermittelt; ich
habe es so eingestellt.
3 Mal hatte sie versucht mich zu erreichen –
während ich schlief.
3 Mal hatte es nicht geklingelt –
aufgrund unserer Einstellungen.
Eine Nachricht wurde nicht hinterlassen.

Schade.
Es hätte
eine große Liebesgeschichte werden können.

Mit einem
Mord
am Ende.

Einem Mord aus Leidenschaft.

Mindestens.


Eine Frage wurde gestellt

Eine Frage wurde gestellt.
Eine Frau stellte sie mir.
Und ich gab Antwort.

»Sag – wie bist du damit fertig geworden?«

»Ich glaube einfach
nicht, dass es so bleiben wird.«

»Ich kann das nicht«, sagte sie. »Du
hast Glück.«

»Glück?« sagte ich. »Es ist nicht
wirklich Glück. Es ist bloß
Vorstellungskraft. Die Kraft der
Einbildung.«

2 Tage zuvor hatte ich ein Haar gefunden.
Ein langes blondes Haar zwischen meinen schwarzen Socken.
Auffälliger hätte es nicht sein können.
Es roch nach
Nichts.

Ich konnte es nicht
wegwerfen.

Glück – Vorstellungskraft – Kraft der Einbildung –
eigentlich war das doch Alles

das Gleiche.


Spiegelkuss & Wolke mit Ei

Elektrisches Insekt
Spiegelkuss im Aufzug
Weißwankende Wolke
Buntes Ei auf Empfang

Zusammenhanglos oder lose zusammenhängend?

Ich hasse das Geräusch des Ventilators im Aufzug.
Nachts hallt es durch die Hotelhalle
wie das Gesumme eines stromgefütterten Insekts:
stechend, störend, nervend.
Es stört mich beim – nennen wir’s ‚Arbeiten’;
aber auch bei allerlei wichtigen Untätigkeiten.
Ich kann ihn ausschalten so oft ich will –
irgendein Mensch (vermute ich) schaltet ihn wieder ein.
Essummtessummtessummtessummt – also
gehe ich zum Lift, greife
nach dem Kippschalter…..
Jemand hat den Spiegel geküsst!
Den Spiegel im Aufzug.
Mit dunkel bemalten Lippen….
Der Abdruck des Kusses wandert über mein Abbild,
wenn ich mich bewege.
Ich hasse Lippenstift. Den Geschmack des Künstlichen.
Doch ich liebe
die Abdrücke – Lippenmalerei
auf Glas, auf Zigaretten, auf meiner Haut.
Die Linien; die Lücken; die Öffnungen.
Eine Erinnerung.
Die mich bewegt.
Wer hat den kalten Spiegel geküsst?
Ich weiß es nicht – & werde es nie erfahren.
Nur ihre Größe kann ich erahnen; die Höhe ihres Mundes;
die Fülle ihrer Lippen (natürlich: ich kann mich täuschen –
wie so oft; doch solange mir Wahrheit & Wirklichkeit nicht
dazwischenfunken, habe ich recht. Und niemand sonst.).
Kipp! Es wird ruhig. Der Schalter steht wieder oben.
Und ich setze mich hinter die Rezeption. Träume dem Kuss hinterher.
Einsam – selbstverliebt – übermütig – wie war sie gewesen?
Während der Fahrt durch die Nacht bitte nicht mit dem Nachtportier reden!
Aber keine Sau hält sich an die Regeln der Träumer.
Die Drehtür fächert eine alte Frau ins Hotel.
Die Frau wankt. Ihre Frisur: eine leuchtend-weiße Schäfchenwolke;
jederzeit könnte sie anfangen zu schneien.
»Gibt’s hier noch was zu trinken?«
»Nein«, sage ich.
»Dassissblöd«, sagt sie.
»Tja. Da ist noch die Minibar.«
»Nee – alleine trinken macht kein´ Spaß.«
(Wie wenig ihre Erscheinung & ihr Alter zu ihrer Trunkenheit passen,
denke ich – & weiß, dass dieser Gedanke unsinnig ist. Immerhin:
sie trinkt nicht allein.
Fast klang es wie eine Einladung. Doch
ich trinke nicht mehr. Und als ich noch trank, tat ich es allein.)
»Ich hab meine Zimmernummer vergessen, können se ma grade gucken?«
(Ob ich grade gucken kann? -)
»Ich vergesse meine auch immer, wenn ich zurück in den Knast muss«, sage ich.
Sie lacht. Rauh, besoffen.
Ihr Lippenstift ist grell.
Sie sagt mir ihren Namen; ich sage: »Drei Null Acht. Dritter Stock, rechts.«
»Dann nehm ich mir noch ein Ei.«
Und sie greift zu.
Erwähnte ich, dass es auf Ostern zugeht?
Also: es geht auf Ostern zu. Karwoche.
Ein grünes Nest steht auf dem Empfangstresen.
Bunte Eier, hartgesotten.
Sie nimmt sich das gelbe. Symbolträchtig.
Sagt »Gute Nacht« – & wankt zum Aufzug.
Ich sehe ihren bewölkten Hinterkopf.
Ob sie den Kuss sehen wird?
Sie dreht sich nochmal um…. »Zweiter Stock?«
»Nein, dritter.«
»Zwei Acht Null?«
»Nein – Drei! Null! Acht! Dritter Stock. Rechts.«
»Ah ja.«
Und sie verschwindet in der Kabine.
Allein. Mit ihrem Ei. Und dem geküssten Spiegel.
Es zieht sie hinan. Mit Ruckelgeräusch. Auch der Aufzug
ist nicht mehr der jüngste.
Sie könnte die Größe der Küssenden haben, und wenn sie
in den Spiegel schaut….

Nächtliche Gedanken. – Vielleicht war es
ein Transvestit, der seinen Abdruck hinterlassen hat?

Die nettesten Gespräche habe ich oftmals mit Transvestiten
mitten in der Nacht.
Ach ja – die Romantik!
Am frühen Morgen
wird die Putzfrau
kommen. Und manchmal
summt sie
beim Wischen.
Ich schwärme ein bisschen für sie –
& mag ihr Summen.
Doch mit dem Kuss
im Aufzug
wird es dann vorbei sein.
Und vermutlich hat die alte Frau
gerade jetzt – auf dem Weg nach oben –
den Ventilator eingeschaltet; und vielleicht
schneit es nun
auf ihre Schultern.


Sehnsuche

 

Was sie gesucht hatten
im Unbestimmten
fanden sie an
einander

Doch das Gefundene
war nicht dazu bestimmt
die Suche zu
ersetzen

Die Sehnsuche
die erfindet was
nicht
gefunden werden kann

Nicht
wenn man sich
nicht (einander)
zufrieden

giebt


Eine Beziehung wie Audrey Hepburn

Die Beziehung begann
wie die junge Audrey Hepburn.

Und endete
wie sie.

Als sie nicht mehr jung war.

Dazwischen:
ein zu kurzes Leben.

Was blieb
zurück?

Pfannkuchen aus dem Supermarkt,
die ich mir kaufe
seitdem Sie, die nicht
Audrey Hepburn war,
sie mir zum ersten Mal mitgebracht hatte;

fertig,
eingeschweisst.

Eine Fernsehserie,
die ich auswendig kenne –
weil Sie sie mir empfohlen hatte.

(Obwohl ich Serien hasse,
da sie Zwang bedeuten.)

Staub
auf ungeöffneten Schnapsflaschen.

Immerhin.

Und Das
was verschwiegen werden muss,
damit es bleibt.

Man darf sich nicht wundern.
Über das Ende.

Schließlich:

Dies ist die Welt,
in der Audrey Hepburn
an Krebs starb.

Aber etwas bleibt
unsterblich.


Menschliche Beziehungen

Ich erinnere mich
an den fehlenden Arm des Zeitungslieferanten;
an sein Gesicht,
das nicht fehlte, erinnere ich mich
nicht.

Das erinnert mich
an uns
& Dein Gesicht
in meinem Arm.

An das Merkwürdige
Menschlicher Beziehungen.

Ich erinnere mich
an Deinen Arm, der fehlt.
Weil er da
gewesen
war.

Nicht so oft
erinnere ich mich
an das Fehl
ende

in der Vergangenheit.

Schon seltsam,
was die Erinnerung tut
& die Wahrnehmung unterlässt.

Seltsam,
was die Erinnerung unterlässt
& die Wahrnehmung tut.

Und der Zeitungslieferant
ist kein Zeitungslieferant mehr.
Und den Arm hatte er
sich selber abgehackt. Aber das
gehört nicht hierher –

obwohl
es merkwürdig ist.


Quoted by heart

Ich zitiere
aus dem Vergessen

in deinem Kopf.

Erinnerungen
die du zum Schweigen bringst

hole ich
von dort zurück.

Sie sind nicht verloren

gegangen.

Was ich auswendig kenne
ist unser Innerstes.

Ich bin
unser Gedächtnis.

Und die Vergangenheit
ist nicht in unseren Köpfen

allein.


Die gereichte Hand

Sie reichte ihm die Hand
um ihn empor zu ziehen
aus einem Grund

der ein Abgrund war

Er war so tief
ihr Arm so lang

& doch
war er nicht
tief genug

für sie

Sie lachten viel
& täuschten sich

hinweg

Dann stieß sie ihn
in einen anderen
der grundlos schien

Die Hand
verschwand

& der Fall mochte
endlos sein

Er blickte auf
& Aufblicken war Zurück
blicken

Er wartete

auf


Der schwere Weg ins Nirgendwo


»Ich habe dich geliebt
aber jetzt – hasse ich dich
beinahe.«

Die getrennten Wege
führen in eine seltsame Welt,
wo das Licht der Gegenwart
auf die Vergangenheit fällt.

Beinahe ist es
als wäre die Vergangenheit
keine Realität gewesen.

Eine Realität
im eigenen Licht.

Man wird verletzt,
und der Selbstschutz setzt ein…..

Man konzentriert sich auf Alles,
über das man hinweggesehen hatte:
Die Kleinigkeiten, die einen schon trennten,
als man noch zusammen war.
Die kurzen eisigen Momente, die
in der Hitze des Gefechts so schnell
dahinschmolzen….

Sie kehren zurück
von dort wo
hin man nicht mehr zurück
kehren kann

auf diesem Wege.

Dem einfachsten

Aller
Getrennten

Wege.

Der Weg, der einem verspricht
am leichtesten über
Alles hin
weg
zu
führen

(…. zu kommen
…. zu gehen).

 

Ich
mache es mir
lieber schwer

& liebe

einfach

weiter.

Versuche es zumindest. Ver
Suche es

auf meinem Weg, der
nirgendwo
hin
führt.

Denn
dort gehöre ich
hin.


Schwarzes Konfetti

Wie Ruß fliegt es durch die Luft
Ein Gruß vergangener Lust
Schwarze Punkte, die am Ende stehen –
Konfetti!

Die Party ist vorbei
Es gab Wenig zu bejubeln
Es beginnt
die Totenfeier

Die Punkte sind von Pappe
Kleine Neumonde, die in Löcher passen
Exakt – & ohne Zwischenraum –
Konfetti!

Und irgendwo am Boden liegt
was übrig blieb
vom Scherenschnitt

Von dem Scherenschnitt
der unser Schatten war


Wie ein Scharfschütze

Wenn Du
Dich sicher fühlst &
am wenigsten damit rechnest –

liebe ich Dich

aus dem Hinterhalt

wie ein Scharf-
schütze.


Eine gesunde Basis

Er stellte eine Frage. Im Sitzen.
»Und, warum hat’s denn nun nicht geklappt?«
Ich stand auf. Und gab eine Antwort:
»Moment, ich mach mal noch’n Tee.«
In der Küche erinnerte mich vieles
an sie…..
Meine Lieblingstasse, aus der sie Kaffee getrunken,
das Feuerzeug, mit dem sie Bierflaschen geöffnet hatte,
jedes Linoleumquadrat am Boden, das ihre Füße berührt….

Schließlich zog der Tee. Im Wohnzimmer. Zwischen
ihm & mir.
»Also?«
»Also – ich versteh’s eigentlich auch nicht. Es hatte Alles
eine gesunde Basis….. Wir haben nie etwas
zusammen unternommen; haben uns praktisch nur
im Bett getroffen, meistens lag ich schon drin, wenn sie
mich besuchte; ich kannte ihre Adresse nicht, wir hatten wenig
gemeinsam, und im Schlafzimmer brannte immer
eine bunte Lampe, so dass wir nie in der Dunkelheit
nebeneinander einschliefen.«
Er grinste, und die Teekanne war weiß. Wie immer.
»Ich beliebe nicht
zu scherzen«, glaubte ich hinzufügen zu müssen. »Mir
gefiel das wirklich.«
»Muss ich nicht verstehen«, sagte er.
»Nein. Natürlich nicht.«
»Und – wer hat denn nun Schluss gemacht?«
Ich bewegte die Beutel. Im Wasser.
»Niemand.«
»Wie – niemand?«
»Man macht doch nicht Schluss, wenn es
so läuft.«
»Ja, was denn nu?« Es klang, als würde er
die Geduld verlieren.
»Nichts«, sagte ich.
Und Grünen Tee lasse ich nie länger als
3 Minuten ziehen. Und das Wasser darf nicht
kochen – sonst wird er
bitter.


Nicht strafbar, denke ich

Was sie mir raubte, gehörte ihr
in gewisser Weise.

Es war nicht
strafbar.

Denke ich.

Sie beraubte mich
der Illusionen –

die ich mir
ohne sie

niemals
hätte machen können.


Ganz Ohr

Eine Zungenspitze
am Eingang zum Gehör

feucht & warm

Altbekannte Worte
in schwerem Atem

scharf & weich
zugleich

kitzelnder Flüsterhauch

Irgend
was
von Liebe & Begehren

Man muss es glauben.
Daran glauben.

Ich bin

Ganz Ohr


Eine Illusion von vielen

Nie wieder
wirst du jemanden kennenlernen
wie mich.

Nimmermehr
werde ich jemanden kennenlernen
wie dich.

Denn die Vorstellung
jemand Anderes könnte

Uns
ähnlich
sein

im Innersten

ist nur eine Illusion

von vielen.

Eine Illusion
wie die Liebe –

falls Die eine ist.


Der Blick über die Schulter

»Wer ist das?« fragte sie.
Sie schaute über meine Schulter.
Wir teilten uns einen Sessel
in meinem Keller. Sie
saß rittlings auf meinem Schoß.
»Poe«, sagte ich.
»Nein«, sagte sie, »das ist doch nicht Poe;
der sah doch ganz anders aus.«
»Da dies die Reproduktion einer Daguerreotypie, und die
Daguerreotypie ein Vorläufer der Photographie ist,
sah er in jenem Moment wohl genau so aus – & da
diese Reproduktion seitenverkehrt ist &
Daguerreotypien ihrerseits seitenverkehrt sind, ist er
auf diesem Bild sogar richtigherum zu sehen.«
»Nein«, sagte sie, »auf meiner Poe-Ausgabe zuhause
ist auch ein Bild. Da sieht er ganz anders aus.«
Ich sagte: »Keine Ahnung, was du da zuhause hast, aber
auf allen Daguerreotypien, die ich von ihm kenne, sieht er
ungefähr gleich aus. Also – wie er selbst.«
»Ich mail dir mal ein Foto.«
»Ja, tu das. Bin gespannt.«
Nun gut, ich weiß bis heute nicht, wie ihre Poe-Ausgabe aussieht.
Es ist ja auch egal. Rückblickend betrachtet. Es war
unser erstes Treffen. Sie kletterte
von mir herunter. Auf den Boden. Zwischen meine Beine.
Poe schaute zu. Über meine Schulter
hinweg.


Ohne Musik-Begleitung

Bei der Beerdigung
deiner Träume
gibt es nicht einmal mehr

Musik

Keine Begleitung
von Harmonien
frisst die

Stille

Lebendig begraben
in derselben Mördergrube
schweigen die

Hoffnungen.


Das falsche Licht

Wir trafen uns in der Schönheit
des falschen Lichtes

dem künstlichen Licht
vergangener Enttäuschungen
gegenwärtiger Hoffnungen
zukünftiger Möglichkeiten

Wir sahen uns in dem Licht
aus unserem Innern

das nichts
mit Realität zu tun hat

Das richtige Licht
war lange erloschen

Es war die Dunkelheit
um uns herum

in der wir uns niemals
gesehen hätten

So war das Falsche

in
unserem
Fall

das Richtige

& das Dunkel in uns
die Schönheit
die uns anzog


Cushings Treppe

Eine weitere Nacht alt
bekannter Gedanken

Ich denke an
Peter Cushing
kurz nach dem Tod seiner Frau

Verzweiflung
Raserei
Schmerz

Selbstmord
kam nicht in Betracht

Und so rannte er
wie vom Wahnsinn getrieben
eine Treppe auf & ab

in seinem Haus
das größer & enger geworden war

immer wieder
auf & ab

auf & ab

auf
der Suche nach dem Herzschlag…..

dem verlorenen Herzschlag der Geliebten
dem eigenen Herzschlag des Todes

Ich kann sie hören
seine verzweifelten Schritte
auf den Stufen

Und die Stille
um ihn herum

Helen & Peter Cushing –
eine der großen Liebesgeschichten.

Ich kann sie sehen
meine alte düstere Kellertreppe

Sehen
wie die abwesende Geliebte
die Stufen auf & ab geht

lautlos & barfuß
auf dem Teppich
der Falten wirft

Sehen
wie sie aufwärts stolperte
bei ihrem ersten Besuch

Fühlen
wie warm & feucht es unter ihrem Rock war
als ich unter ihr auf der Treppe stand
& meine Hand verschwand

Und einsam stolperte ich
abwärts
im Suff
auf dieser Treppe

Verzweiflung
Raserei
Schmerz

Blutergüsse & Prellungen

Auf & Ab

Er überlebte sie lange
Lebte weiter
mit seinem Prostatakrebs

& alterte
schneller als je zuvor

als hätte er es eilig –

Er glaubte
an ein Wiedersehen.

Ich glaube
an Nichts.

 

 

Helen & Peter bw


Eine lange Geschichte

»Und?«

»Nichts und.
Es hielt nur kurz.
Aber das ist eine lange Geschichte.
Wie immer.
Sie beginnt in der Kindheit.«

»Und?«

»Endet mit dem Tod.
Jedes Mal.«