NebengeRäusche

So oft wird
meine Lieblingsmusik
scheinbar
übertönt
von
NebengeRäuschen

Von
dem Lärm
des Alltags

So oft
bin ich
so weit weg von ihr

Sie erklingt
in einem
anderen
fernen
Raum

& nur
ihr Rhythmus
dringt noch durch
bis zu mir

wie ein
dumpfer
Herzschlag .. .. .. .. ..

Doch mehr
brauche ich nicht.

Denn
meine Lieblingsmusik
ist
in mir.

Und ich höre sie
hinweg
über
Alle
NebengeRäusche.


Die Zweitstimme

Es sind
immer wieder
die
selben
Lieder
zu denen ich
unwillkürlich
wie ein Automat

die
Zweitstimme
singe

Es sind
immer wieder
die Lieder
die
nur
für

1 Stimme

geschrieben wurden.


Die Tasche

Ich sehe
Deine Tasche

Zumindest
einen Teil davon

Du hast
Deine Hose so
kurz
geschnitten

dass
die Tasche
hervorschaut

unter
dem fransigen Rand

Die Tasche
ist leer

& flach.

Ersteres
bin ich
nicht.

Letzteres
könnte ich
sein.


Bilder

Meist
denken die Menschen
nicht darüber nach,
dass Worte

Bilder produzieren.

Nur manchmal
sind Hintergedanken dabei.

Ich
mag
beides.

Manchmal.

Sie
erzählte mir
von ihrer Begegnung mit
einer Spinne.

»Also, ich sitze
aufm Klo,
und plötzlich ….«

Ich
sah
auf
merk
sam
zu,

was
sie
sagte.


Irgendwo

Die Zeit, die nicht
linear ist
wie die Linien in einem Gesicht,
versuche ich
wiederzufinden.

Das Kind
in einem fremden, faltigen Körper ….
Den Grundstein
in einem verfallenden Gebäude ….
Den Samen
in einem hohen Baum ….
Den ursprünglichen Gedanken
in einer Erfindung ….

Es ist
Alles
noch da.

Irgendwo.

Die Anstrengung
es zu finden
es zu sehen
mag groß sein

Unterschiedlich
groß
wahrscheinlich

Aber
sie wird
belohnt.


Geschäftstüchtig

Schon immer war ich
auf meinen Erfolg aus;
vor allem auf
Geld.
Schon immer war ich
geschäftstüchtig.
Bereits in frühester Jugend. –
Damals wollte ich
eine Gitarre verkaufen.
Ein billiges Stück.
Es gab 2 Interessenten;
2 meiner Freunde
wollten diese Gitarre kaufen.
Der Eine war Sohn aus
einem reichen Haus.
Der Andere stammte
aus einer italienischen
Gastarbeiterfamilie.
Ich mochte beide.
Sehr.
Der Sohn aus reichem Hause
bot
nicht ganz
das Doppelte
von dem, was
der Andere geben konnte.
Es war also klar, wem ich sie
verkaufen
musste.
Er spielte mir dann oft
auf dieser Gitarre vor.
Brachte mir Akkorde bei, die
ich noch nicht kannte.
Während ich
bei ihm zu Hause war.
Oft war es laut dort, denn
die Familie war
riesig. Und alle
redeten durcheinander. Und
seine Mutter, die kaum
Deutsch konnte, machte
herrliche
Lasagne.


Der schwarze Slip

Sie sortierte die schmutzige Wäsche,
die neben der Waschmaschine
auf dem Boden lag.
Sie stand vorgebeugt
mit ihrer Rückseite zur Tür.
Trug einen schwarzen Slip,
sonst nichts.
Leise & langsam
schlich ich mich an …..
Zog ihr
mit einem Ruck
den Slip herunter.
Blitzschnell
richtete sie sich auf.
Ihre Stimme war eine
Rasierklinge.
»Spinnst du!?!
Hör auf mit dem Scheiß!«

Ein schneidender Klang.
Sie zog den Slip
wieder hoch.
Sah mich nicht an.
Bückte sich
&
sortierte weiter.
Da wusste ich:
Es war
mal wieder
vorbei.
Nicht
mal wieder
vorbei
mit
irgendeiner
Frau,
sondern:
Mal wieder
vorbei
mit
ihr.
Zum wievielten Male?
Egal.
Noch 1 Woche zuvor
hätte sie mir
ihren nackten Arsch
gegen den Hosenschlitz gedrückt,
hätte ihren Arsch hin & her bewegt;
und aus ihrer Kehle wäre
ein aufreizender Laut
gekommen.
»Okay«, sagte ich &
ging nach nebenan, um
eine zu rauchen.
Mal wieder.
Es ging mir schlecht.
Mal wieder.
Und doch –
ich konnte
dieses
Ende
nicht
völlig
ernst
nehmen.
Es war eine
merkwürdige Beziehung.
Eine
seltsame Beziehung.
Eine
seltene Beziehung.
Es war die
Große Liebe.
Dann hörte ich
die Waschmaschine.
Ich packte meine Sachen &
zog
woanders hin.
400 oder 500 Kilometer
weiter nördlich.
Ich blieb allein.
So allein man sein kann
unter Büchern.
Außerdem gab es
1 Schreibmaschine &
1 Gitarre.
Ich wusch meine Wäsche
allein.
Und nach ein paar Wochen
dingdongte es an der Tür.
Die Pause zwischen dem
Ding
& dem
Dong
war lang.
So lang, dass
die beiden
nicht
ineinander übergingen.
Da war
ein sauberer Schnitt.
Wie
von einer
Rasierklinge.
(Ein langer Druck
auf den Knopf. – –
Hätte es sich
um eine richtige Klingel gehandelt,
wäre das DingDong ein
Sturmklingeln
gewesen).

Vor der Tür stand
ein unsicheres Lächeln.

Ein unsicheres Lächeln
mit einer Reisetasche.

In der Reisetasche war
saubere Wäsche.

Zwischen der sauberen Wäsche
ein
schwarzer
Slip.


Vielleicht in der Zukunft

Da mein Gedächtnis
so gut ist,
sollte es doch auch
in der Lage sein,
sich an
Ungeschehenes
zu erinnern.
An alle
Möglichkeiten &
Unmöglichkeiten
meines Lebens,
an Alles, was ich
nicht
bemerkte,
an Alles, was
niemals
existierte.

In meinem Gedächtnis sollte
ein Reichtum herrschen
wie nirgendwo sonst;
die vergangene Wirklichkeit
sollte ein müder Abklatsch sein
meiner gegenwärtigen Erinnerung.

Vielleicht
wird es
eines Tages
so sein.

Eines Tages
in der
Zukunft.

So
oder
so
ähnlich.

Vielleicht.

Es
wäre
der

Wahnsinn.


Fingernägel

Sie hatte sich einen Fingernagel
abgebrochen. Feilte daran.
»Ich hasse dieses Gefühl«, sagte sie,
»wenn ein Nagel derart kurz ist.«
Wir saßen auf dem Sofa, ich
schaute ihr zu.
Ihre Nägel waren mittellang,
rot lackiert.
Ich sagte:
»Ich liebe es, wenn Frauen
ganz kurze Fingernägel haben;
ohne Nagellack.«
»Soso.« Sie feilte weiter.
Ich beugte mich vor zum Tisch,
um mir noch einen Tee einzuschenken.
Da ließ sie
eine ihrer Hände
hinten
unter meinem T-Shirt
verschwinden …..
»Na -«, sagte sie,
»wie fühlt sich das an?«
»Hmmmm – vielleicht ….«,
sagte ich,
»ist das Aussehen mal wieder
weniger wichtig
als
das Gefühl.«
Etwas Tee war
übergeschwappt.
Sie betrachtete
meine Hände.
Sie sagte:
»Ich könnte niemals
so kurze Fingernägel haben
wie du. Ich hätte
gar kein Gefühl damit,
könnte
gar nichts
greifen.«
»Soso«, sagte ich,
»soll ich dir mal zeigen,
wo sich so kurze Fingernägel
gut
anfühlen?«
Sie legte die Nagelfeile
auf den Tisch..


Pommes im Tiefkühlfach

Ich hatte noch
ein paar Pommes
im Tiefkühlfach.

Sie waren
gerade
mal
ausreichend
für
einen Abzählreim.

Es liebt mich
Es liebt mich nicht
Es liebt mich
Es liebt mich nicht.

Davon
konnte ich
nicht
satt werden.

Das Leben.

Was
sonst noch
hätte ich
dazu
essen
oder
abzählen
können?

Nichts.

Es war
Nichts
da.

Aber
davon
reichlich.


Ich ergebe mich – vielleicht

Wenn man
all diese
Atome
die ich
schreibe
zusammenfügt
ergibt
sich
vielleicht
etwas
das
mir
& meinem Leben
von Ferne
ähnlich sieht


Das Läuten

In der tiefsten Stille
meiner Einsamkeit
höre ich
manchmal
ein Klingeln
ein Läuten
ein Schellen

& ich weiß nicht –
ist es
Das Klingeln an der Haustür
Das Klingeln von Leuten
Das Läuten der Kirchenglocken
Das Klingeln des Telefons
Das Läuten des Lumpensammlers –

Oder

ist es

vielleicht

Das Schellen
der klingenden Glöckchen

an den Zipfeln

meiner Narrenkappe ….

wenn ich
den Kopf
schüttle


Eine Morgendämmerung ohne Röte

Wir waren
so
verschieden.

Und wussten doch
beide,
was kommen
musste.

Ich war in dem Alter, in dem man
so oft rot wird wie ein
wolkenloser Sommerhimmel
in der Dämmerung.
Ein Klassenkamerad & ich
saßen im Wohnzimmer meiner Eltern;
die Freundin meines großen Bruders
war ebenfalls dort.
Wir 3 plauderten.
Irgendwann,
völlig zusammenhanglos,
sagte mein Kumpel, der
viel älter wirkte als ich:
»Es ist übrigens schön, dass ich
dich heute mal kennenlerne.«
(er sagte es zu ihr)
»Er….«
(er schaute in meine Richtung)
»….. schwärmt immer so
von dir.«
Sie
war
älter.
Fast
erwachsen.
1 Jahr vor
der Geburt ihres Sohnes.
Sie sah mich an.
Lächelnd.
Tief.
Fragend.
Durchdringend.
Ergründend.
Und ich
wurde

NICHT
ROT.

Ich wurde nicht rot …..

Denn andernfalls
hätte ich
auch
rot werden müssen,
sobald ich

meinem Spiegelbild
in die Augen
schaute.

Auch ich
lächelte.


Ein Guter

Ich träumte von
zu hohem Gras
in meinem Garten
Von wucherndem Unkraut
& den vergangenen Katzen
die darunter ruhten
Von dem toten Hund
der den Katzen
liebevoll die Köpfe leckte

& nirgends
war ein Mensch in Sicht

Das war
ein
Guter
Traum.


Wie ein schwarzes Insekt

Wie ein schwarzes Insekt
auf einem
dunkelgemusterten Teppich
möchte ich
durchs Leben huschen
in einem Innenraum
auf warmem Untergrund
klein & unbemerkt
– – –
Nur für eine Weile
Solange
bis jemand
der mir fremd ist
unabsichtlich
auf mich tritt


Das Lachen des Kindes

Mein Neffe lachte.
Immer wieder.
So herzerfrischend.
Und er sagte
mit sich überschlagender Stimme:
»Oma hat gepupst.«
Er sagte es oft, denn
er bekam oft
Gelegenheit
dazu.
Denn
seine Oma
hatte einen
künstlichen
Darmausgang.


Der Abschiedsbrief

»Hast du seinen Abschiedsbrief gelesen?
Ich erinnere mich nicht mehr an die
Gründe, die er nannte – aber
er schrieb:
‚Ich gehe in’s Wasser, weil….’ – –
Und er schrieb
‚Ins’ mit Apostroph!!!
Kannst du dir DAS
vorstellen?
Na ja …
mit Regeln
kannte er sich
nie
gut
aus.«


Die letzte Scheibe Toast

Jeden Tag
hat man 1 oder 2 Scheiben Toast
aus der Packung genommen
& mit Genuss gegessen

Am letzten Tag
nimmt man die vorletzte heraus
& sieht
dass die letzte Scheibe
auf einer Seite
verschimmelt ist

Man wirft die beiden weg
(Vermutlich)
Aber die letzte Scheibe
könnte
schon lange schimmlig gewesen sein

Schon als die Packung
noch halbvoll war –

& prompt
hat man wieder
etwas
zu denken


Der dünne Katalog

Der alte Mann hörte wie
die Klappe vom Briefschlitz
in seiner Haustür
zuschlug

Post!
Nachricht von draußen!

Langsam
erhob er sich vom Sofa &
langweilte sich
durch den kurzen Flur

Die Post
lag auf dem Boden
auf der Fußmatte

Der alte Mann
bückte sich

langsam

beschwerlich

hob die Post auf

Nur eine
als Brief verkleidete Werbung
&
ein dünner Katalog

Als der alte Mann sich
aufrichtete
schmerzte
sein Rücken

Den Brief
der keiner war
warf er sofort
in den Müll

Den Katalog
nahm der mit auf
das Sofa

Denn auf der Titelseite
war
eine junge Frau

Eine junge Frau
in einem kurzen Sommerkleid

Die Frau
lächelte
wie
eine Erinnerung
an schöne Zeiten

Sie war
perfekt
die junge Frau

Denn
ihr Abbild war
retuschiert
wie
die Erinnerung
an schöne Zeiten

Ihr Lächeln
Ihre Schultern
Ihr Dekolleté
Ihre Beine
Ihre Füße

Der alte Mann
betrachtete sie
lange

Dann schlug er
den Katalog
auf

&
blätterte
darin

Seite
für
Seite

Viele Bilder waren
darin
doch er
verfolgte nur

die junge Frau
von der Titelseite

Das Geräusch
des Blätterns
hatte er ausgeblendet
(oder war er schon zu alt
es zu hören?)

Er fror

Auf den ersten Seiten
trug sie
Kleider
Röcke
Hosen
(lange Hosen
Shorts
Hotpants)

Der alte Mann
blätterte
langsam

sehr langsam

Befeuchte
ab & an
seine Finger
mit der Zunge

Einige Seiten weiter
trug sie
Bademode

Der alte Mann
roch
das Meer
fühlte
den Sand
schmeckte
Salz
&
Haut

Bunt waren
die Seiten
Bunt wie
seine Jugend

Das Licht war
künstlich
in der Wohnung
des alten Mannes
denn draußen
war es
düster & grau

Dann kam
die
Unterwäsche

Der alte Mann
suchte

suchte
nach der jungen Frau

Er sah nur
fremde Gesichter
fremde Körper
war
verstört
war
enttäuscht

blätterte um

& –
da war sie

Der alte Mann war
beruhigt

So schön war sie
in
Dessous

So
perfekt
wie seine
Einsamkeit

Die Zeit
verging
seitenlangsam

Die Seiten
färbten ab
& er
schmeckte sie
die Seiten
die Farben
das Künstliche

Ist diese Sehnsucht
dieselbe
wie
früher
dieselbe
wie
damals? –
Das
kann
nicht
sein
Das
kann
nicht
sein

Schließlich
kam
die
Nachtwäsche

Die junge Frau
in
Schlafanzüglichkeiten

Wovon würde sie
träumen
in diesen
Pyjamas
diesen
Shorties?

Nicht
von dem alten Mann
auf dem Sofa
der in diesen Seiten
blätterte

Nicht
von seiner
Sehnsucht

Nicht
von der
Vergänglichkeit

Vielleicht
von
ihrer
Perfektion

Von der Perfektion
die sie nur
in diesem
Katalog
haben konnte

retuschiert
&
gebannt

für
die Zukunft

Eine Zukunft
die
begrenzt war
wie
die Hoffnung
des alten Mannes

Der alte Mann
schlug den Katalog
zu
& legte ihn
mit der Rückseite nach oben
neben sich

Auf der Rückseite
war
eine Waschmaschine
abgebildet

Der alte Mann
legte
die Hände
in den Schoß

In den Schoß

der

tot

war


Kein Papier

Die Nacht war
wie ein fremdes Klo
ohne Papier
wenn bereits
der Dünnschiss
in den eigenen Eingeweiden
brodelt

Zu viele Worte
hatte ich gehört
Zu viele Worte
hatte ich gelesen

Worte
die über den Boden krochen
Worte
die winselten
Worte
die witzig
die beliebt
sein wollten
Worte
die
völlig
leer
waren

Die Worte
der
Anderen

Mir war schlecht

Ich ging zum Kühlschrank
Der Kühlschrank war leer
bis auf 1 Zwiebel
& 1 Flasche Bier

Ich nahm die Flasche
öffnete sie
& ging mit ihr
ins Bett

Und
nach ein paar Schlucken
dachte ich:

Nein,
nicht die Worte
der Anderen
regen dich so auf

Es sind
deine eigenen Worte
die dich aufregen

Denn auch sie
kriechen nur über den Boden
winseln
wollen witzig & beliebt sein
& sind dabei
doch auch nur
leer

Dünnschiss
nichts als
Dünnschiss

Gut
wenn
kein
Papier
da ist


Der Gutschein

Und wieder betrat jemand
mit einem Gutschein in der Hand
das Hotel.
Kam an die Rezeption; fragte
mich nach einem Zimmer.
Es war ein Gutschein der
Deutschen Bahn,
ein Gutschein für
Übernachtung + Frühstück.
Er, der Inhaber des Gutscheins,
hatte seinen Anschluss
verpasst.
Unverschuldet.
Nach dem Grund brauchte ich
nicht zu fragen.
Nach dem Grund brauche ich
niemals zu fragen …..
Er wird mir
immer
einfach so
mitgeteilt.
Und oft,
sehr sehr oft,
ist es
ein & derselbe Grund :
Jemand
hat sich
vor den Zug
geworfen.
Irgend
Jemand.

So auch diesmal.
Der Mann mit dem Gutschein
war verärgert; er hatte
einen wichtigen Termin
versäumt.
Vielleicht
ein Rendezvous,
ein GeschäftsEssen,
einen Fick,
irgend etwas, das ihm
wichtig war.
Irgend etwas
Banales.
Warum nur war er verärgert?
Er hatte doch
einen Gutschein
gewonnen.
Jemand hatte ihm,
ohne darüber nachzudenken,
zu einem Gutschein
verholfen.
Jemand
der vielleicht auch
irgend etwas
verpasst
hatte.
Irgend etwas, das
ihm
wichtig war.
Irgend etwas
Banales.


Uhren & Zeitbomben

Und plötzlich
ist es
so still
als wären
alle
tickenden
Uhren
auf einmal
gestorben

Und selbst
die Zeitbomben
verstummen
aus Trägheit

Kein Regen fällt
Nichts regt sich mehr

& man selber
möchte
sich
auch
nicht
mehr
regen
& bewegen

& auf
keinen Fall
möchte man
mehr
bewegt
werden


Das Tun

Nur wer aus
Nichts
»Etwas«
machen kann
kann überhaupt
etwas machen
denn
überall
ist
Nichts
&
Alles
ist
Nichts.

Und selbst das
»Etwas«
das aus dem
Nichts
gemacht werden kann
ist
letztlich
Nichts.

Es geht nur
um das
Machen

nur
um das
Tun.

Denn
mehr
bleibt
einem
nicht.


Peter Altenberg

Man sollte
nicht
zu viele Worte
verlieren

Niemals

Nur ein paar
treffende

& vielleicht
kann man diese
wenigen Worte
noch abkürzen

durch
einen
Namen :

Peter Altenberg

JD500018


Das Verschwiegene

Noch immer gibt es
so viel
Verschwiegenes
in Dem
was ich schreibe

Noch immer
traue ich mich wohl
nicht
Alles

zuzugeben

obwohl ich
(nur für mich)
angetreten bin
bedingungslos
offen
zu
sein.

Manches aber
verschweige
nicht
ich

Es
verschweigt
sich

Sogar
vor
mir

Letzteres
können vielleicht
nur
Fremde
lesen

An Ersterem
muss
ich
noch
arbeiten.


Die Verschüttgötter

Man ärgert sich
maßlos
wenn
man etwas
verschüttet
vom Cocktail
der einen
Geld
gekostet hat

Vom Cocktail
der einem
helfen sollte
sich
besser
zu
fühlen

Doch
vielleicht
meinten es
die
Verschüttgötter
ja nur
gut
mit einem

Sie sahen
vielleicht
den kommenden
Kopfschmerz

&
vielleicht sogar
den
vorzeitigen
Tod


Erdbeeren

Nun bin ich schon
so
alt
&
habe doch noch
niemals
jemanden
kennen
gelernt
der
Erdbeeren
hasste

Ich
hasste
sie schon als
kleines Kind

Ihren
verwässerten Geschmack
Ihre Kerne
die in meinen
Milchzähnen
knirschten
wie Sand

Später
viel viel später
als Erwachsener
dachte ich:
Vielleicht
würden sie dir heute schmecken

Denn nicht immer ist der
Geschmack der Kindheit
von
lebenslanger
Dauer

Also
probierte ich die Erdbeeren
die mir jemand
der es
gut
mit mir meinte
kredenzt hatte

Nach 1 Bissen
wusste ich:
Nichts
hatte sich
geändert

Ich hasste sie noch immer.

Wasser & Sand.

Der Geschmack
des
Mittelmaßes.

Der Geschmack
den
fast
alle
lieben.

Erdbeeren
auf Geburtstagstorten

Erdbeeren
im Pudding

Erdbeer
Eis

Nun bin ich schon
so
alt
&
habe
die Suche
fast schon
aufgegeben

Die Suche
nach den
Erdbeerhassern


Keine Selbstverständlichkeit

Es war keine
Selbstverständlichkeit
für mich.

So oft hatte ich ihre Streits miterlebt.
Und so oft war es darum gegangen,
dass er wollte, dass sie
etwas
Bestimmtes
anzog.

Etwas
das
ihm
gefiel.

Schreiereien ….
Böse Worte ….
Knallende Türen ….

Manchmal blieb sie
hart
Manchmal
nicht

Und dann
als
wir
zusammenwaren

musste ich
sie
niemals
darum
bitten
anzuziehen
was
mir
gefiel

selbst dann nicht
wenn es
Dasselbe war
was
ihm
gefallen hatte.

Sie kam
von der Arbeit
nach Hause
in ihren langen Hosen
küsste mich
verschwand im Schlafzimmer
& kam zurück
in …… – – –

Für
Sie
war es
allem Anschein nach
eine
Selbstverständlichkeit

Für
mich
nicht.


Falls ein Reifen platzt

Das ist kein Scherz –
manchmal, auf der Autobahn,
auf gerader, leerer Strecke
dirigiere ich die Musik
mit beiden Händen
& das Auto
dirigiert sich selbst

Es könnte
die Fledermaus-Ouvertüre sein
oder
etwas aus Carmen

Am liebsten
ein
Crescendo
ein
Accelerando

Sollte jemals
in so einem Moment
ein Reifen platzen,
werde ich es
vermutlich
nicht
überleben

Aber wenigstens
sterbe ich
für die Musik
mit Musik
&
in Extase


Müllermilch®

Spiele!
Ich hasse sie!
Aber ich spielte mit.
Wir spielten Karten;
Sie
ihr Sohn (7 oder 8 Jahre alt)
& ich.
Auf der Terrasse, in der Abenddämmerung.
Der Junge trug bereits seinen Schlafanzug,
sie eins meiner Lieblingskleider.
Sie hätte mir in die Karten schauen können, aber
sie tat es nicht. Ich hätte ihr in die Karten schauen können,
aber
ich schaute lieber auf ihre Beine.
Sie & ich tranken Rotwein, der Kleine trank
Müllermilch.
Falter flatterten um die Petroliumlampe auf dem Tisch,
die Mücken hielten sich zurück. Wenn wir nicht tranken,
deckten wir die Gläser ab.
»Mama hat geschummelt«, sagte er irgendwann.
»Stimmt«, sagte ich, »ich hab’s auch gesehen.«
»Ihr spinnt doch«, sagte sie, »und überhaupt – Ihr
habt Euch hier nicht gegen mich zu verbünden.«
Ein Grinsen lief
reihum.
Der Kleine leerte noch einen Becher Milch ins Glas.
Sie sagte: »Meinst du nicht, dass das ein bisschen
viel ist?«
»Schmeckt so lecker«, sagte er.
»Ok«, sagte sie, »aber das ist das Letzte für heute.«
»Ok.« Er nahm einen großen Schluck.
Selbst als es ganz dunkel war, hatte sie
noch keine
Gänsehaut
auf den Schenkeln.

Schließlich ging der Junge aufs Klo &
putzte sich anschließend die Zähne.
Wir brachten ihn ins Bett, und
als sie sich über ihn beugte, um ihm
den Gutenachtkuss zu geben,
stand ich hinter ihr. Hinter
dem verrückten Saum ihres Kleides.

Am nächsten Morgen
beugte sie sich
über mich.
»Ey, Penner, aufwachen,
aufstehen.«
Ein Kuss.
Das Licht kam von hinten. Durch die Tür.
Ins dunkle Zimmer.
Sie sagte:
»Der Kleine hat heute morgen
ins Bett gemacht. Ist ihm voll peinlich.«
»Wär’s mir, glaub ich, auch«, sagte ich. – »Obwohl….«
»Sau«, sagte sie. Ihr Lächeln konnte ich nicht sehen.
Aber ich hörte es.
»Beeil dich, Frühstück ist gleich fertig.«
Sie verließ das Zimmer. Im Licht des Türrahmens sah ich,
dass sie eins meiner Hemden trug. Sonst nichts.
Ich stand auf, zog einen Bademantel über &
ging ins Bad, um mir die Zähne zu putzen.
Der Junge duschte gerade.
»Moin!« rief ich ins Geplätscher.
»Morgen!« kam’s zurück.
Da die Tür schon vorher offengestanden hatte, war
der Spiegel nicht beschlagen.
Mein Zähneputzen & sein Duschen waren
gleichzeitig beendet.
Er öffnete den Vorhang & nahm das Handtuch vom Halter.
Trocknete sich ab.
Dann trat er aus der Dusche & warf das Handtuch in den
Wäschekorb.
»Der Boden ist kalt«, sagte er.
»Dann hast du wohl zu heiß geduscht.«
»Hmm. – Trägst du mich rüber?«
»Faule Sau«, sagte ich.
Er grinste.
Nackt wie er war, nahm ich ihn
auf den Arm.
Im Flur fragte er:
»Hat Mama es dir erzählt?«
»Du meinst….« Ich fing an zu singen:
»Müllermilch, Müllermilch, Müllermilch, die schmeckt….«
Er lachte.
Zog die Arme etwas fester an.
»Genau«, sagte er dann.
»Die weckt halt, was in dir steckt.«
Er lachte wieder.
Sein Bett war frisch bezogen. Die Klamotten für den Tag
lagen darauf bereit.
Ich ließ ihn runter. Er fing an, sich anzuziehen.
Bei der linken Socke angekommen, fragte er:
»Magst du die Mama?«
»Ja«, sagte ich. »Sehr.«
Und er sagte:
»Gut.«


Parallelen

Ich könnte
Deine
Parallele
sein

Egal
wie groß
der Abstand
ist

Parallelen
sagt man
schneiden sich
im Unendlichen

Doch
ins Unendliche
werden
wir
niemals
gelangen

Ich
oder
Du
oder
am besten
wir beide
müssen uns
krümmen
um uns
zu treffen

Doch dann
sind wir
keine
Parallelen
mehr


Die Katzen

Die Schönheit
& Gelassenheit,
das naturgegebene
‚Leck-Mich-Am-Arsch’
der
KATZEN
ist
(manchmal
fast)
schwer
zu ertragen,
wenn
man selber
nur
ein Mensch
ist.


DER Moment

Dieser Moment
schien mir
unbedeutend wie
so
viele
in meinem Leben

Er war es
wohl auch

Wahr
scheinlich

ÜBERGROSS
doch
LEER

So dass
die Zeit
in ihm
verschwinden konnte

Ich aber wollte ihn
bedeutend
&
erfüllt
so dass
Nichts
in ihm
verschwinden konnte

JEDEN MOMENT
will ich
BEDEUTEND

Das wurde mir
irgendwann
klar

Denn je mehr
Momente
einem
ETWAS
bedeuten,
desto

LÄNGER
&
ERFÜLLTER
erscheint einem
das LEBEN

am
ENDE

Zumindest
hoffe ich
DAS

Deshalb
betrachte ich das
UNBEDEUTENDE
als wäre es
BEDEUTEND.