Ich verletze mich so selten,
dass es sich nicht lohnen würde,
ein Mittel zur Wunddesinfektion zu kaufen.
Niemals könnte ich es
vor Ablauf des Verfallsdatums aufbrauchen.
Und Schnaps ist mir zu kostbar.
Also
benutze ich
zum Desinfizieren von Wunden
Sagrotan-Spray.
Was für Gegenstände gut ist,
kann doch
für mich
nicht schlecht sein.
Ich bin doch auch nur
ein altes Möbel
in meinem Haus.
Allerdings
brennt es
wie
die Hölle.
Vor allem wenn man sich
mit verkatert-zittriger Hand
beim Rasieren
in den Sack geschnitten hat.
Vielleicht sollte ich mich öfter
verletzen.
Damit es sich lohnt …..
Sagrotan©-Spray
Die Ähnlichkeit nach dem Ende
Nach dem Ende
der Beziehung
mit dem Leben
ähneln sich
nach einiger Zeit
alle
so
sehr –
Skelette
oder
Asche …..
Vielleicht
üben wir das nur
im Leben
Diese Ähnlichkeit
nach dem Ende
von
Beziehungen
Kerzenhalter
Die neue Kerze wackelt
im Kerzenhalter.
Sie findet
keinen
Halt.
Sie könnte
herausfallen &
einen Brand verursachen.
Dass man aber auch
immer erst
die Reste
alter Kerzen
aus den Kerzenhaltern
kratzen
muss …..
Alkohol auf dem Schirm
Wenn das Leben
auf Dich hernieder
regnet
& Du Deinen Schirm
aufgespannt hast
überlege Dir gut
ob Du
Alkohol
trinken möchtest
Nicht nur Du
würdest
Dich
auch
Dein Schirm
könnte
sich
entspannen
& Du
würdest
nass
werden
& Dich
erkälten
& vielleicht
an
einer
Entzündung
sterben
Die Geste (In Erinnerung an die erste Mondlandung)
Es ist nur
eine kleine Geste
für die Menschheit
wenn
der Tod
die
Sense
schwingt
Aber ein
gewaltiger Hieb
für
den Menschen
Körper
Durch meinen Körper fließt
das Antidot für
Dein Gift
Die Leere für
Deinen Inhalt
Das Alleinsein für
Dein Sein
Der Alkohol für
Deinen Durst
Der Traum für
Deinen Schlaf
Der Schatten für
Dein Licht
Durch Deinen Körper
fließe
ich
Tippfehler
In einer dummen, schwachen Nacht
las ich in alten Texten
von mir, um
zu suchen, was andere
offenbar
daran fanden.
Ich fand es nicht.
Was ich aber fand,
waren
Tippfehler.
Wenige,
aber
zu viele.
Manchmal kann ich
schon beim Tippen
meine eigenen Worte
nicht mehr sehen.
Und dann
bemerke ich
diese Fehler
nicht.
Aber
die Tippfehler
sind
wohl
die geringsten Fehler
in meinen
Texten.
Geträumter Asphalt
Ich lag rücklings auf geträumtem Asphalt
& starrte in den Himmel
Der Himmel war dunkelgrau
& an Stelle der Wolken
zog kreisender Schaum über ihn hinweg
In dem Schaum glänzten unzählige
Luftblasen
Mein einziger Freund stand neben mir
& schaute zu wie das Moos an
meinen Häuserwänden emporwuchs
»Ich werde wahnsinnig!« schrie ich
Der Anblick des Himmels war
unerträglich
doch ich
konnte meinen Blick
nicht von ihm wenden
Ich hörte die gluckernde Bewegung
des Schaums
Mein Freund sagte nichts
Ich befürchtete in den Himmel
gesogen zu werden
Das Haus wächst zu dachte ich
Nie mehr werde ich
hineinkommen
Und eine
fremde Frau
beugte sich
sinnlos
über
mich
Das schmutzige Fenster
Das Fenster war so sauber
& langweilig
Bis Du Dich
nackt
darin spiegeltest
Dann wurde es
schmutzig
& aufregend
Beschäftigt
Ich bin beschäftigt
rund um die Uhr
seit meiner Geburt
damit
mir bewusst zu sein
was
da
ist
& nicht
zu vergessen
was ich
habe
Mir nicht zu wünschen
was ich nicht
kriegen
kann
& zu träumen
von
Allem
anderen
Zwillinge
In den glücklichsten Momenten
sind
Phantasie & Realität
Zwillinge.
Und selbst
ihre Mutter
könnte sie
nicht
auseinanderhalten.
Stell Dir vor
»Ich wusste es«, sagte sie
»immer schon.«
Ich grinste.
»Und Du?« sagte ich. »Du
wolltest es doch immer mal
mit einer Frau ausprobieren.«
»Nein. Hat sich nicht
ergeben.«
»Stell Dir vor, Du stirbst,
und da ist auch nur eine
winzige Phantasie, die
in diesem Moment
an Dir nagt,
weil sie keine Zeit hatte,
Realität zu werden.«
»Und?«
Pause.
»Vielleicht«, sagte ich,
»hast Du recht. So toll
ist die Realität nun auch wieder
nicht.«
Sie steckte sich eine Zigarette an.
»Ja«, sagte sie. »Aber vielleicht
hast Du recht. Um zu wissen,
dass man nichts versäumt hätte,
muss man es
vielleicht
mal
gehabt
haben.«
Ich hatte ihre Antworten
immer schon
geliebt.
Die Spinne über der Klingel
Ein kunstvolles Netz umgibt
die Klingel über meiner Haustür
Seit langem
Eine Zitterspinne wohnt darin
Groß
Feingliedrig
Ruhig
Geduldig
Wer sie erschreckt
Dem öffne ich nicht
Wem meine Tür offensteht
Der braucht sie nicht zu erschrecken
& sollte sich
auch nicht erschrecken lassen
von ihr
die über der Klingel wohnt
Kurzschlusshandlungen
Eine Nacht & ein Tag
voller Kurzschlusshandlungen
waren vergangen.
Langsam
Stück für Stück
kam ich wieder
zu mir.
Mein Herz schlug noch.
Mein Schwanz war bereits wach.
Aber mein Hirn war eine einzige
blutrote Dämmerung.
Allmählich erinnerte ich mich
an die Kurzschlusshandlungen.
Man konnte sie alle
aneinanderreihen
wie die Sätze einer Story.
Aber die Kurzschlüsse ergaben
keine zusammenhängende Handlung.
Und vor allem ergaben sie
keinen Sinn.
So
wie
die Story
meines Lebens.
Greenbox
Das Leben
: eine schlechte TV-Sendung
Die Realität
: eine Greenbox
Darin.
Es könnte aber auch
umgekehrt
sein.
Das Stofftier
Ich räumte das Fundbüro auf
in einem der Hotels, in denen ich arbeite.
Zwischen all den
Regenschirmen,
dreckigen Unterhosen,
Ladegeräten,
Sonnenbrillen,
BHs,
Badekappen,
Reiseweckern,
Schmuckstücken,
Büchern ….
fand ich
ein Stofftier.
Abgegriffen & schmuddelig.
Zwischen all den
Nichtigkeiten
(die zum Teil
mehr Geld gekostet haben mochten)
war dies
das Einzige
von Wert.
Es war
vielleicht
die Traurigkeit eines Kindes ….
die Schlaflosigkeit eines Kindes ….
die Einsamkeit eines Kindes ….
Weil das Stofftier
hier war,
wo es nichts zu suchen hatte –
& nicht
dort war,
wo es
hingehörte &
vermisst wurde.
Abgegriffen
Schmuddelig
Vergessen
Verloren
Meine Grabinschrift
Die Welt & er
interessierten sich oft
für sehr unterschiedliche Dinge.
Trotzdem kamen sie
irgendwie
miteinander
Aus.
Der weite Weg
Der umgekippte Tisch war
die Front meines Busses
Der große Leitz-Locher
mein Gaspedal
Der kleinere Locher
die Bremse
& der Tacker
die Kupplung
Die Antenne des Kofferradios
war der Schaltknüppel
& ein Teller
mein Lenkrad
Ich hatte einen
weiten
weiten
Weg
vor mir
& glaubte
zu wissen
wo es langgeht
Das Zungenbändchen
Was gab es in jenem Moment
Besseres
zu hören als
das Rauschen des Blutes
in meinen Ohren
Was
Besseres
zu fühlen als
den weichen Druck ihrer Oberschenkel
auf meinen Ohren
meinen Wangen
Was gab es
Besseres
zu sehen als
ihre geschlossenen Augen
ihren geöffneten Mund
& wie sie sich
auf den Knöchel des gekrümmten
Zeigefingers
biss
Was gab es
Besseres
zu riechen als
sie
Dann
nachdem sie die Schenkel wieder
geöffnet hatte
wollte sie meinen Kopf von sich
wegzudrücken
Aber ich ließ es nicht zu
Ich machte weiter
Es ging ein bisschen schneller
beim zweiten Mal
Blut
Druck
Augen
Mund
Duft
Wieder wollte sie mich wegdrücken
Wieder ließ ich es nicht zu
Schließlich
begannen meine Kiefergelenke
leicht zu schmerzen
Blut
Druck
Augen
Mund
Geruch
Sie ließ mich weitermachen
Beim vierten Mal
dauerte es wieder etwas länger
Beim fünften Mal
noch länger
Dann war es
als wollte sie mir den Schädel
zerdrücken
& mir die Zähne einschlagen
mit ihrer Fotze
Ich wollte
weitermachen
weitermachen
weitermachen
Wie in einem zeitlosen Rausch
Aber sie sagte:
»Nicht.
Ich kann nicht mehr.«
Meine Finger waren aufgeweicht
»Das trifft sich gut«, flüsterte ich,
»ich kann nämlich auch nicht mehr.
Aua, mein Kiefer.«
Sie grinste
Ich rutsche hoch
Neben sie
Gab ihr einen Kuss, obwohl
sie es nicht mochte
sich zu schmecken
»Du bist verrückt«, sagte sie.
Sie zog die Decke über uns
Wir rückten etwas weiter auf die
andere Seite
weil das Laken so nass & kalt war
»Aua, meine Pfunge«, sagte ich.
Sie kicherte
Tatsächlich
fühlte sich das Zungenbändchen
am nächsten Tag
seltsam stumpf & dick & gereizt an
Ab & zu fragte sie:
»Was macht das Bändchen?«
»Es hält«, sagte ich.
»Es hält.«
Wir grinsten
Was gab es
Besseres
in jenem Moment
Die Operation
Leben
Sie lag auf dem Tisch
bedeckt von grünem Tuch
Das Tuch hatte ein Fenster
In dem Fenster:
Ihr geöffneter Brustkorb
Der Chirurg
maskiert
operierte
ihr bloßgelegtes Herz
Der Anästhesist
war ein
Sadist
& ließ sie
erwachen
Die Möwe
Sie liebte Möwen.
Also nahm ich ein Blatt Schreibmaschinenpapier,
zeichnete eine Möwe darauf,
spannte anschließend das Blatt in die alte
Triumph meines Vaters & tippte
rings um die Möwe herum
das Wort »Besessenheit« –
so oft, bis
das Blatt voll war.
Dann schickte ich es ihr
per Post.
Als ich sie
das nächste Mal sah,
drang ihr Blick so tief
in mich,
dass ich es
nicht
ertragen konnte.
Und
nichts
geschah.
Witze
Manchmal
in meinen Träumen
reiße ich Witze
die ich
noch nicht kannte
als ich einschlief
Dann muss ich lachen
& erwache
von meinem Gelächter
Und das Gelächter
vergeht
Mein jahrelanges Schweigen
Ich bekam
Alles
was ich wollte
durch
meine Worte
Dann
bekam ich
Angst davor
das zu bekommen
was ich wollte
Es war
der Beginn
meines
jahrelangen
Schweigens
Zu viele Namen
Fast leer war die Autobahn
in der Abenddämmerung.
Ich steuerte in Richtung Job.
Wie üblich schaute ich mehr
in die Wolken & die Umgebung
als auf die Fahrbahn …..
Betrachtete die Baumreihen.
Die Bäume waren fast alle
gleich hoch,
lebendig,
wuchernd,
grün;
bewegten sich im Wind.
Hinter einer Biegung sah ich
die
eine
Ausnahme.
Hinter all diesen lebendigen,
grünwuchernden, bewegten Bäumen
befand sich
ein
einzelner
Baum –
Er war kahl
Er war dürr
Er war unbewegt
Er war tot.
Und –
Er überragte alle anderen
bei weitem – –
mit seinen dürren, braunen
Ärmchen.
Ich wollte ihm
einen Namen geben.
Aber
es fielen mir
zu viele
ein.
Und ich konnte mich
für keinen
bestimmten Namen
entscheiden.
Nur eine Kleinigkeit
Es braucht
nur eine Kleinigkeit.
Zum Beispiel:
Eine Erkältung.
Ein bisschen Rotz ….
Ein bisschen Halsweh ….
Schweiß & Krankheitsgefühl ….
& schon
wird einem das
Alleinsein
noch bewußter –
& so planetenschwer
dass man es kaum noch
ertragen kann.
Da ist
Niemand
der nach einem sieht.
Niemand
der einem etwas ans Bett bringt.
Niemand
der wärmende Worte hat.
Niemand
der sich ansteckt. –
Es ist
nur eine Kleinigkeit.
Eine Kleinigkeit
die kaum
zu ertragen ist.
Altes Taxi, junge Kniee
Es ist
immer wieder
nur
1 einzelner Moment
der einem
das Leben
& die Erinnerung daran
wertvoll
erscheinen lässt
Wir saßen
auf einer kleinen Mauer
in einer Allee
in London
In der Abenddämmerung
Sie trug
schwarze Shorts
Ein Taxi
fuhr vorbei
Ein
schwarzes
altmodisches
Taxi
»Das ist schön«,
sagte sie.
»Ja«, sagte ich,
nachdem ich
auf das
alte
Taxi
&
auf
ihre
jungen
Kniee
geblickt hatte.
Die Leere in meinen Brillengläsern
In den Gläsern meiner Brille
spiegeln sich
von außen betrachtet
die Leere
die Einsamkeit
die Abwesenheit vertrauter Augen
Es spiegelt sich
die Gewohnheit
Die Gläser sind
entspiegelt
x-fach ….
Damit die Reflektionen
(beinahe hätte ich geschrieben:
Reflexe)
von Licht &
die Reflektionen
meiner eigenen Augen
von innen betrachtet
mich nicht
stören
Mich nicht stören
während ich
die Leere
starrend
&
erstarrt
betrachte
Dieses Brennen
Dieses Brennen in der Kehle
war ungeheuerlich.
Die Nacht davor hatte aus
Martinis bestanden,
Gin, Vodka, Kräuterliköre,
Rotwein & Absinth. Zigarren.
Nichts konnte das Brennen
löschen.
Kein Tee, kein Wasser.
Ich dachte an Bogart &
an Lauren Bacalls
Schilderung seines Sterbens.
Andere Gedanken
wollten nicht kommen.
Jämmerliches Verrecken & Tod.
Ich schaute einen Porno &
holte mir einen runter.
Einsamkeit.
Sonst nichts.
Das Brennen.
Irgend etwas brennt immer.
Wie das Verlangen.
Etwas Eisiges wollte ich
in meine Kehle schütten.
Eine Betäubung.
Ein Vergessen.
Da war noch Vodka
im Tiefkühlfach.
Der reichte für
einige weitere Martinis.
»The whole world is about
three drinks behind.«
Schmerz mit Gegenschmerz bekämpfen.
Feuer mit Gegenfeuer.
Doch nichts
kann es löschen.
Es bleibt.
Bis zum jämmerlichen Verrecken.
Dieses Brennen.
Ehrlich
….. ich dramatisiere
manchmal
meine Vergangenheit
etwas
um sie
interessanter
zu machen
als sie mir vorkommt.
Ich tue das
in erster Linie
für
mich.
So wie ich
Alles
in erster Linie
für mich
tue.
So
wie
alle anderen
in erster Linie
Alles
für sich
tun.
Die Waage
Sie halten sich
die Waage:
Die Menschen, die
sich zu wichtig nehmen
& diejenigen, die
sich für unwichtig halten.
Wenn ich
Unwicht
meine Sympathie
in die Waagschale werfe
werden
die ersteren
sich
wie
Fliegengewichte
fühlen.



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