Langeweile ?

Wie leichtfertig
die meisten Menschen
mit dem Wort »Langeweile«
umgehen

Ich langweile mich nicht
wenn ich die Augen schließe
Ich langweile mich nicht
wenn ich an die Decke starre
Ich langweile mich nicht
wenn ich die Tapete betrachte
Ich langweile mich nicht
wenn nichts geschieht

In mir ist
keine Langeweile

Und wäre sie da
würde ich sie begrüßen
Denn mein Leben
käme mir länger vor
durch sie

Langweilen sich die
meisten Menschen
wirklich
so leicht?

Ich will es lieber
nicht wissen

Denn es könnte
tatsächlich
so
sein


Die Pfeifensammlung meines Vaters

Ich besitze sie noch
Niemand kann sie mir nehmen
Die Pfeifensammlung meines Vaters

Doch der Tabak
ist nun alle

Seinen letzten Tabak habe ich
aufgeraucht
fast 40 Jahre
nach seinem Tod

Er war trocken
Verglühte immer wieder

Ich stopfe frischen Tabak
in die alten Pfeifen

Er brennt

Ich rauche

& schaue
dem Rauch hinterher


Anschlussfehler

Meine Lieblingsepisode
meines Lieblingsepisodenfilms
dauert nur
20 Minuten

La Goccia D’Aqua
von
Mario Bava

Doch selbst in
dieser Kürze
gibt es
mindestens
1 Anschlussfehler

Eine Flasche
mit billigem Fusel
steht auf einem Tisch

Da ist
kein Korken
in der Flasche

als die Szene beginnt

Doch plötzlich
ist er da
der Korken

wie aus dem Nichts
eines verwirrten Schicksals

Und wahrscheinlich
hatte ich diese Szene
51 Mal gesehen

ohne dass
es mir
aufgefallen war

Egal
wie kurz eine Episode ist

Egal
wie oft man sie gesehen hat

Irgendwo
ist immer
mindestens
1 Anschlussfehler

& es ist einem

Egal


Mein Schlafzimmer

Mein Schlafzimmer ist
erfüllt
von
fremden Gedanken
fremden Gefühlen

Bücher
in Regalen
Bücherstapel
auf dem Nachttisch
Büchertürme
auf dem Boden

Träume &
Phantasien

die in meiner Vorstellung
zu etwas
Neuem
werden

Phantasien &
Träume

die
meinen Schlaf
bewohnen

Mein Schlafzimmer ist
erfüllt
von
eigenen Gedanken
eigenen Gefühlen
eigenen Träumen
eigenen Phantasien
eigenen Sehnsüchten
eigener Schlaflosigkeit

die in Deiner Vorstellung
zu etwas
Neuem
werden

könnten


Die Gemeinsamkeit

Die eine Lebensgeschichte wird
mit einem Bleistift geschrieben

Die andere mit
einer Feder

Eine weitere wird
mit einem Kugelschreiber geschrieben

Eine andere wird
getippt auf einer
mechanischen Schreibmaschine

Auch auf elektrischen Schreibmaschinen
werden Lebensgeschichten getippt

Getippt wird
mit Computerprogrammen

Lebensgeschichten
Lebens
Geschichten

Lebendige
Geschichten

Sie alle haben
Etwas
gemeinsam

Stifte
brechen ab

Federn
vertrocknen

Minen
werden leer

Farbbänder
reissen

Programme
stürzen ab


Todtraurig

Es sollte nicht so sein
& doch
ist es so

Manche Menschen sind
besonders
schön
wenn sie
todtraurig
sind


Die gestohlene Katze

Es war nur
eine Zeichnung, die ich
für den Kunstunterricht anfertigte – eine
Katze.
DIN A 3.
Jedes Haar ihres Fells
zeichnete ich
einzeln.
Im Unterricht &
zu Hause.
Ich verbrachte so viel Zeit
mit ihr.
Besessen.
Absolut besessen.
So besessen, dass ich mir wünschte,
niemals
fertig zu werden.
Doch
ich wurde fertig.
Jedes weitere Haar
hätte den Tod der Zeichnung
& der Katze
bedeutet.
Ich sprühte
Fixierspray darüber.
Und als die Zeichnung fertig war,
wollte die Kunstlehrerin
sie mir abkaufen.
Ich sagte:
»Nein. Ich habe so viele Stunden
daran gesessen – ein angemessener
Stundenlohn würde einen Preis ergeben,
den Sie niemals zahlen würden.«
Sie lächelte.
»Okay«, sagte sie, »verstehe. Aber
wir machen hier demnächst eine Ausstellung –
wie sieht’s damit aus?«
»Okay«, sagte ich.
Meine Eitelkeit kicherte. Gekitzelt.
Doch
bevor es zu der Ausstellung kam,
war die Zeichnung
gestohlen worden.
Ich verdächtigte die Lehrerin.
Aber ich mochte sie.
Egal.
Es war doch nur
Papier
&
Bleistift
&
Mühe
&
Fixierspray.
Die Idee einer Katze.
In der Bewegung
meiner Hand.
Doch manchmal
frage ich mich
noch heute,
ob diese Katze irgendwo
auf diesem Planeten
vielleicht
an einer fremden Wand hängt.
Vielleicht sogar
gerahmt.
Es wäre mir zu peinlich gewesen,
die Zeichnung mit meinem vollen Namen
zu unterzeichnen.
Ich setzte nur meine Initialen darunter
in Blockschrift.
Dahinter
die Jahreszahl.
Ich mag den Gedanken, dass
mein Name
unbekannt
oder
vergessen
ist.

Nie wieder
habe ich mir
solche
Mühe
gegeben.


Tragikomödie in 2 Aufzügen

Ich fand es lustig & traurig zugleich;
die Kollegin erzählte es mir, als ich
meine Nachtschicht antrat. Es war
tagsüber passiert.

Da wohnte dieser Alice-Cooper-Fan
im Hotel. Er nervte die Kollegin mit seinem
Enthusiasmus; quatschte viel &
fragte schließlich, ob sie wisse, wo
Cooper abgestiegen sei, der
am Abend ein Konzert in unserer Stadt
geben würde.
Die Antwort lautete, wie sie immer lautet:
»Nein.«
»Zu schade«, sagte er. »Wenn ich den
doch nur 1 Mal treffen würde ….«
Er machte kehrt. Betrat den
linken Aufzug.
In dem Moment, als die Tür sich schloss,
öffnete sich die Tür des
rechten Aufzugs.
Alice Cooper trat heraus.

Lustig & traurig zugleich.

Ich ahne,
aus wievielen ähnlichen Momenten
mein Leben besteht.


Maultiere mit Papierflügeln

Die Epigonen erheben ihre Häupter ….
Gorgonenhäupter, hässlich & erschreckend ….
Es ist alles schon dagewesen.
Und es ist alles schon besser dagewesen.
Ihr Haar ist nicht aus Schlangen –
es ist aus Würmern gemacht,
die von den Toten leben.
Wo bleibt das Eigene?
Wo das Originelle?
Schlägt man den Epigonen die Köpfe ab,
entspringt kein Pegasus aus ihnen.
Nur Maultiere mit angeklebten Papierflügeln.
Sie können nicht fliegen.
Sie bewegen sich nicht von der Stelle.
Sie bewegen nichts &
niemanden.
Sie sind
grau.

Ich fühle mich wie
einer von ihnen.

Was für eine Papierverschwendung!


Zippoleben

Da ist so viel
Benzin
in der Watte des
Zippos

Aber
der Feuerstein
ist am
Ende

Kein Funke springt über
wenn ich am Rad drehe

Keine Flamme entsteht

Aber das alles
ist ja
nichts Besonderes

wenn man
das Leben kennt


Wiederholung

In der Schule versuchten sie
mir beizubringen
dass
Wiederholung
schlechter Stil sei

Im Leben sah ich
dass alles sich
wiederholte

Das Leben hat also
einen schlechten Stil

Das Leben hat also
einen schlechten Stil

Das Leben hat also
einen schlechten Stil

Das Leben hat also
einen schlechten Stil

Das Leben hat also
einen schlechten Stil.


Krankes Licht

Manchmal glaube ich
ich bin das kranke Licht
das kranke Mücken anzieht
die mein krankes Blut wollen

Vielleicht
glauben sie

Krank
mal
Krank
ergibt
gesund

Doch das wäre
zu nahe
an der Mathematik

die mein Leben
nicht
erklären
kann


Wurzeln & Scheisse

Kleine Punkte von Scheiße
spritzten auf die Kellerwände,
als die Handwerker die
große Spirale
in die Kanalisation trieben.
Kleine braune Punkte auf
Kinoplakaten &
Stapeln alter Zeitschriften.
Der Gestank vergangener Verdauung.
Vergangener Genüsse.
Das große Abflussrohr im Garten
war zerstört worden
durch die Wurzeln alter Bäume.
Splitter im Untergrund.
Natur, die stärker gewesen war.
Doch die Bäume waren
gefällt worden.
Die Wurzeln
herausgerissen.
Ein neues Abflussrohr in die Erde
gesenkt.
Und als die große Spirale sich
ihren Weg bahnte,
laut & aufrührerisch,
begann die Scheiße
abzufließen.
Die Bäume waren fort.
Ihre Schatten waren fort.
Ihre Wurzeln waren fort.
Und der Gestank verflog.
Der Garten blieb zurück –
leer & ungewohnt
unbewohnt.


Hoch oben ein toter Vogel

Es herrschte
eine außer-
gewöhnliche Atmosphäre
als ich
von der Arbeit nach Hause fuhr
in der grautrüben Morgendämmerung.
Ich sah einen toten Vogel
quer über 2 Stromleitungen liegend.
Ein weiterer Vogel
krachte gegen meine Windschutzscheibe,
als ich über die Autobahn jagte; ich
duckte mich, als könnte er mir ins Gesicht fliegen.
Im Rückspiegel war er nicht mehr zu sehen ….
Zurück blieb
ein schleimiger Fleck auf dem Glas, der
im Fahrtwind trocknete.
Andere Vögel
wichen mir aus –
& ich wich ihnen aus
in diversen letzten Momenten.
Kröten klebten auf der Landstraße, als ich
eine huschende Maus
zwischen die Räder nahm;
sie überlebte.
Im Radio lief irgend etwas von Vivaldi.
In dem Dorf, wo ich immer am
Friedhof vorüber fahre,
sprang ein Eichhörnchen über die Straße.
Ich bremste, ich lenkte, das
Eichhörnchen beschleunigte ….
Es verschwand gegenüber vom Friedhof.
Nur einen einzigen Menschen sah ich
an diesem Morgen –
eine alte dicke Frau, die sich auf einen
roten Stock stützte; vor einem
Tante-Emma-Laden, der geschlossen war.
All dies ….
wirkte wie arrangiert.
Unecht.
Zu viel.
Künstlich.
Damit
irgend jemand
es wahrnimmt.
Filmt.
Beschreibt.
Das Alles hatte
Nichts
zu bedeuten.
Aber das Nichts
bedeutet mir oft
Alles.
Das Alles hatte
Nichts
zu sagen.
Und doch
konnte ich es
hören.
Alles
oder
Nichts.


Seitenverkehrt

Mein Spiegelbild
betrachtete mich

Schweigend
Lange
Eingehend

Dann
sagte es
ohne die Lippen
zubewegen

»In Wirklichkeit
bist Du
seitenverkehrt.«


Verschieden

Weil
die Zeit
vergeht
betrachten Wir
Alles
eingehend.
Und doch
totsicher
zu oberflächlich.
So lange
bis Wir
verschieden sind.


Traumhäuser

Die fremden Häuser, die ich
in meinen Träumen bewohne ….

Sie mögen noch so finster sein –
noch so erfüllt von Unsichtbarem ….

Niemals stolpere ich in ihnen,
während ich mich schwitzend &
mit Herzklopfen durch ihre Flure taste –

voller Furcht vor dem, was aus
meiner Wirklichkeit
seinen Weg gefunden haben könnte
in die Zimmer, deren Türen

sich plötzlich in die Flure
öffnen könnten ….

Nein,
ich stolpere nicht
in diesen Häusern ….

Stolpern tue ich
nach dem Erwachen
in der Vertrautheit meines
künstlich beleuchteten Lebens,

wo ich
so oft
der Fremde
bin ….

Die fremden Häuser, die ich
in meinen Träumen bewohne –

sie könnten
mein
wirkliches
Heim
sein ….


Andernach

Vielleicht wird es mir
Niemand
glauben

So wenig glauben
wie ich manchmal
dem Schicksal
glaube

Aber:

Meine
Große zerstörerische Liebe
wurde in
Andernach
geboren

Und ich war
oft
oft
oftmals
dort

in den 70ern

& besuchte mit ihr
ihre Eltern

Die die
Schwiegereltern
meines großen Bruders
waren

Seltsamerweise
mochten sie mich mehr
als ihn

Vielleicht weil
sie
mich
mehr liebte
als ihn

& sie
es spürten

Vielleicht.

Einige Jahre nach
meinem ersten Besuch in
Andernach
stieß ich im Kellergeschoss
eines Kaufhauses
auf dieses Taschenbuch:
Aufzeichnungen eines Außenseiters

Las die ersten Zeilen
Fand mich
wieder darin
in Teilen &

war gefangen
im Ganzen.

Ich kaufte das Buch.

Und dann
las ich
wo Er

geboren worden war.

Unter den Zufällen
meines Lebens
ist dieser
mir
der liebste.

 

 

Buk Aufzeichnungen


Die Kotze im Waschbecken

Da war diese Party ….
Wir pubertierten wild vor uns hin.
Es wurde gefressen, gesoffen, geraucht
im Keller eines Freundes. Viele
viele Menschen.
Schon damals
eigentlich
zu viele
für mich.

Es wurde mit Essen geworfen,
Nudeln klebten an den Tapeten.
Schallplatten zerbrachen.

Die Eltern des Freundes waren
abwesend.

Die Gäste der Party tanzten.
Ohne mich.

Ich hörte nur auf –
die
Musik.

Irgendwann hieß es:
»Da hat jemand ins Waschbecken
gekotzt. Derjenige, der’s war,
soll’s gefälligst wieder wegmachen.«

Niemand meldete sich.

Das schönste Mädchen der Party
hatte kein Problem damit.
Da es sonst keiner tun wollte,
ging sie ins Bad, um sauber zu machen.

Anschließend berichtete sie ….
Das Waschbecken war halb voll gewesen;
der Stöpsel hatte gesteckt.
Sie beschrieb alle Details in allen
Farben ….. Der tiefe Griff hinein, um
den Stöpsel zu ziehen …. Ohne
Handschuh …. Die
Brocken, die nicht durch den Abfluss
gepasst hatten …..

Sie machte sich einen Spaß daraus,
es auszumalen.
Dann ging sie reihum.
Streichelte beinahe jedem
in diesem Keller
die Wangen.

Fragte:
»Na, hast Du in das Waschbecken
gekotzt?«

Manche wichen zurück.
Niemand gab es zu.

Ich wartete.
Wartete auf ihre
Berührung.

Sie war
so schön.
Mit ihren langen langen
Haaren.

Fast konnte ich ihre Hand
schon auf mir spüren ……
Malte mir ihre Berührung aus.

Aber
sie kam nicht
zu mir.
Mich
streichelte sie nicht.

Irgend etwas
hielt sie zurück.
Im letzten Moment.

Vielleicht spürte sie
meinen Wunsch
zu stark.

Vielleicht wollte sie mich
verschonen.

Wie auch immer –
ich war es nicht gewesen,
der ins Waschbecken gekotzt hatte.

Damals.

Ich hatte auch nichts
gegen die Wände geworfen.

Ich hatte nur der Musik zugehört.
Und von diesem Mädchen geträumt.

So schön
mit ihren
langen langen Haaren.

Aber sie berührte mich nicht.

Nicht
einmal

mit ihrer zarten Hand, die
in die Kotze
gegriffen hatte.

Ich war enttäuscht.
Und lauschte weiterhin

der Musik.


Fettaugen

Ich liebe sie.

Die kleinen Ölpfützen, die
an der Oberfläche des
Martinis
treiben …..

Nachdem man
die Oliven
eingetaucht hat.

Fettaugen,
die mich freundlich anschauen –
& mir manchmal
(da bin ich mir sicher)
zuzwinkern.


Im allerletzten Moment

»Ist das wirklich schon so lange her?«

»Jetzt ist das Jahr auch schon wieder halb rum.«

»Damals.«

»Warum dauert das so lange.«

»Es war viel zu schnell vorbei.«

»Kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen.«

Ob wir
die Zeit
wenigstens
im allerletzten Moment
unseres Lebens
begreifen?

Dann
wenn es
zu spät ist?


Die Grammophonkurbel

Jedes Mal bevor der Nachbar sich
auf die Lauer legte, um mich
abzufangen, steckte seine Frau ihm
die alte Grammophonkurbel in
den Arsch, um ihn aufzuziehen.
Dann erklang die alte
Schellackplatte aus dem
Trichtermaul des Anständigen Bürgers.
»Die Leute fragen mich immer:
‚Wohnt da keiner? Das sieht alles so
verfallen aus, so zugewuchert – &
immer die Rolläden unten.’

»Kommt mir bekannt vor. Erwähnten
Sie das schon mal?«
In der Tat hatte er es mir schon so oft
gesagt, dass ich mich fragte, wieviele
Leute es in diesem Kaff überhaupt
geben konnte, die ihn noch nicht darauf
angesprochen hatten. Vermutlich dachte er,
dass mich seine oder die Meinung
der anderen hätte beeinflussen können.
Eigentlich war er ein netter Kerl; meistens
mochte ich ihn. Er war alt, hatte
2 Schlaganfälle hinter sich, war Oberhaupt
eines 3-Generationen-Haushalts;
die hässlichste Familie des Ortes,
hatte ich mal gehört. Passend, dass die
neben mir wohnte.
Ich glaube, er fing an, an meinem
Gesunden Menschenverstand zu zweifeln, als
ihm klar wurde, dass nicht
Zeitmangel
oder
Schichtarbeit
oder
Faulheit
Ursache für den Zustand des Hauses war.
Sondern:
eine bestimmte Ästhetik.
»Mir gefällt’s«, sagte ich.
Sein Blick war unbezahlbar.
Selbst seine Gartenzwerge schienen
plötzlich in meine Richtung zu schauen.
Da fiel ihm
die Kurbel aus dem Arsch,
und das metallische Geräusche beim Aufprall
war das Letzte,
was ich von ihm hörte.


Scannen

Der Staub der Gegenwart liegt auf
der Glasscheibe des Scanners.

Man legt ein altes Foto darauf
& die Maschine tut, was sie
tun muss, sobald man
einen bestimmten Knopf drückt.

Etwas Virtuelles entsteht.

Und alle Fehler mischen sich.

Die verblassten Farben des Originals ….
Die Einflüsse fehlerhafter Einstellungen ….
Der alte Staub auf dem Foto ….
Der neue Staub auf dem Glas ….

Weiße Punkte –

& am Ende
weiß man nicht mehr
Was
Woher

stammt –

& wie die
Wirklichkeit
einmal
ausgesehen hat.


Es gibt sie nicht

Ich wünschte
ich hätte sie

die Sehnsucht nach allem
was ich habe

Aber es gibt sie
nicht

diese
Sehnsucht

Deshalb
sehne ich mich ja
nach ihr

wie nach so

Manchem

dass es

vielleicht
nur für mich

nicht gibt


Dies- & jenseits der Kulissen

Vor den Kulissen
weiß man immer
was man zu sagen hat

sofern
man sicher ist
im fremden Text

Ich stehe meist
hinter den Kulissen
& weiß nicht
was ich sagen soll

Vor den Kulissen
muss man etwas sagen
sobald das Stichwort gefallen ist

Hinter den Kulissen
darf man
schweigen


Weder Frosch, noch Prinz

Im Bett mit einem besonders
grimmigen Kater
in meinem Magen,
meinem Herzen,
meinem Kopf.
Als ich zufällig
auf eine bestimmte Weise
zu liegen kam,
begann mein linker Arm
unwillkürlich
zu zucken.
Heftig.
Hochschnellend.
Immer wieder.
Wie der Schenkel eines
toten Frosches,
durch den man Strom jagt.
Ich fand das lustig.
Beinahe hätte ich gelacht.
Aber beim Lachen hätte ich
vielleicht
kotzen müssen; deshalb
lächelte ich nur
innerlich.
Nein, ich bin
kein Frosch.
Und ein Prinz
bin ich auch
nicht.
Obwohl
ich mich oftmals
ver-
wünsche.


In Farbe

Ich starre auf Dein Foto

Ein Foto aus Deiner Vergangenheit
die ich verpasst habe

Deine Augen sind so traurig
in schwarzweiß

Damals schautest Du
verloren
in eine Kamera

& ich weiß nicht
wer sie hielt

Damals

Egal wie weit weg
dein Blick auch war

Er trifft mich in
unserer Gegenwart

& ich halte
Dich

in Farbe


Das Whiskeyglas

Das Whiskeyglas war kaputt gegangen,
beim Abwasch, als ich nüchtern war.

Es war
nicht schade um das Glas.

Es war
schade um die verpasste Gelegenheit.

Ich hätte es
im Rausch hinter mich werfen sollen,

als es noch
intakt gewesen war.


Das Vorspiel

Der Tod
braucht
ein Vorspiel
damit
er
kommen
kann

Und DAS
nennt sich

LEBEN!


Dein Hund

Eigentlich bin ich ein
Wolf

Aber
sobald Du
weinst

bin ich
Dein Hund

der sanft
seine Pfote
auf dein
Knie
legt


Dunkelheit

Du hast Angst
in der Dunkelheit?

Ich erinnere mich
an dieses Gefühl.

Kindheit.

Aber
in meiner Dunkelheit

brauchst

Du

keine

Angst

zu haben.


Django

Ich blickte in die Karrierevisage des
Hoteldirektors.
»Also«, sagte er, »ich bitte darauf zu achten,
dass wir Zigeunern keine Zimmer verkaufen.«
»Das heißt heute anders«, sagte ich.
»Ich weiß.«
»Und warum?«
»Warum was?«
»Warum verkaufen wir ihnen keine Zimmer?«
»Die bringen zu viel Unruhe ins Haus.«
»Unruhe«, sagte ich. »Verstehe. – – –
Haben Sie mal was von
Django Reinhardt
gehört?«
Er sah mich an, als hätte ich
nicht mehr alle Tassen im Schrank.
»Nein«, sagte er, »wieso? Wer ist das?«
»Nicht wichtig. Sollte nur ein Scherz sein.«
»Verstehe.«
Er ging.
Mit irgend etwas muss man ja
sein Geld verdienen.
Auch ich.
Normalerweise habe ich gerne
meine Ruhe.
Aber ein bisschen
Unruhe
ist manchmal
gar nicht
so
schlecht.


Das Ziel

Sie hatte sich verlaufen.
Blickte verloren
mit traurigen Augen
um sich.
Ich konnte nicht
an ihr
vorbeigehen.
Doch
ansprechen
konnte ich sie auch
nicht.
Sie
tat es.
»Entschuldigung«, sagte sie,
ich weiß nicht mehr,
wo’s langgeht.«
»Ich auch nicht«, sagte ich,
»wo wollen Sie denn hin?«
»Ich habe das Ziel
vergessen.«
»Das macht nichts. Ich kann
Sie trotzdem
dorthin
bringen.«
Ihr trauriger Blick
zweifelte.
»Wohin?« fragte sie.
Ich sagte:
»Zum Lachen.«