Ich – wäre ein Anderer

Da ich längst älter bin als
es mein Vater wurde
versuche ich manchmal
ihn mir heute vorzustellen

als den
Jüngeren
von
uns
beiden –

&
mit der Weisheit meines
Überlebens
die nur in Anführungszeichen existieren kann

versuche ich
ihm
klar
zu
machen
was er
falsch
gemacht hat

Und auch das
Falsch
kann nur in Anführungszeichen existieren

Denn

hätte er
nichts
falsch gemacht
wäre
ich
heute
ein Anderer –

Ein Anderer
der
auf diesen Gedanken
niemals
gekommen wäre

Ich

würde
nicht
existieren

Und das
möchte ich mir
nicht
vorstellen.


Der Bruch des LieblingsTellers

Die leeren Bierflaschen in der Küche
hatte nicht
ich
leergetrunken.
Sondern die Frau, von der
ich
besoffen war –
Die Frau, die ich
leergetrunken hätte,
wäre es nur möglich gewesen.

Nachdem sie gegangen war,
räumte ich die Flaschen weg …..
Eine von ihnen kippte um dabei,
traf den kleinen, zerbrechlich-dünnen Teller,
der mein LieblingsTeller war,
der mich durch meine Einsamkeit begleitet hatte …..
Die fallende Flasche
brach 2 Stücke heraus, die
zusammen
einen Halbkreis ergaben …..

Für einen Augenblick
dachte ich,
ich sei
untröstlich …..

Dann
wurde mir klar:
Der Teller hatte an Wert gewonnen.

Das nun fehlende Stück
wurde zum
Denkmal
Fühlmal

einer Erinnerung, die
kostbarer war als
der intakte Kreis des Tellers …..
kostbarer
als
alles
Ungebrochene …..

Der fehlende Halbkreis
aus 2 Splittern
waren
wir.

Wir
waren
intakt.

Sind
im
Takt
mit
einander.

Musik.

Das Ende
der Einsamkeit
war
ein Bruch.

Der Teller wurde
zum Begleiter
unserer
Zweisamkeit.

Mein Lieblings
Teller.


Bei Nähe

Bei
nahe
schon
selbst
verständlich

Ich kann & darf
Dich
berühren
wo ich will

Ich kann & darf
Dich
küssen
wo ich will

Ich soll & muss &
kann
Dich
lieben
wie wir wollen

Bei
nahe
schon
selbst
verständlich

bei
Nähe
wie unserer

doch
in den schönsten Momenten
vergesse ich
alle
Selbst
verständlichkeit

so
wie
bei
nahe
mich
selbst

verständlich


In uns

In uns träumen
die Möglichkeiten
davon
Tatsachen zu werden

In uns träumen
die Sehnsüchte
davon
Erfüllung zu werden

In uns träumt
der Schlaf
davon
Leben zu werden

In uns träumt
die Einsamkeit
davon
Liebe zu werden

In uns träumen
die Ängste
davon
Schrecken zu werden

In uns träumt
der Hass
davon
Tod zu werden

Wunsch
Träume
Alb
Träume

Und
Irgend etwas
erwacht
als
Verwirklichung

Irgend etwas
schläft
für immer
traumlos

Irgend etwas
träumt
für immer
schlaflos

Irgend etwas
erwacht
wie immer

Und
Irgend etwas
stirbt
im Schlaf

in
Uns


Scherenschnitte

Wenn Dein Licht & Deine Schatten
auf die Mauern in mir
fallen …..
Mauern, die
meine Vergangenheit
errichtet hat,
flackert
ein Film
auf ihren Oberflächen …..
Ein Film aus
animierten
Scherenschnitten …..
Vielleicht nur
ein verschollener Märchenfilm
von Lotte Reiniger …..
Vielleicht
die Dokumentation
einer neuen Gegenwart …..
Wie auch immer –
ich könnte dem Spiel
aus Schwarz & Weiß,
aus Schatten & Licht
dem Scherenschnitt in meinem Leben
zuschauen
für den Rest
meines
Lebens.
Mag er
kurz
oder
lang
sein.


Nur ein Detail

Wäre ich Regisseur,
würde ich es nicht zulassen, dass
eine Filmfigur, die in einem Buch gelesen hat,
dieses schließt, ohne vorher ein
Lesezeichen hineingetan zu haben
(es sei denn, es gäbe eine plausible Erklärung dafür).
Wäre ich ein Schauspieler,
bräuchte ich keinen Regisseur, der
mir die entsprechende Anweisung gibt.
Natürlich:
Es ist nur ein Detail.
Aber ein Detail, das mich
rasend macht,
jedes
Mal –
& je besser der Film, desto schlimmer ist es.
Ein Makel, der
Alles
in einem anderen Licht erscheinen lässt.
Ein Moment, der
Kunst
in Künstlichkeit
verwandelt.
Gewiss:
Nur ein Detail,
aber
keine
Bagatelle.


Dialoge

»Aber der Dialog hat doch so
gar nicht stattgefunden.«
»Natürlich nicht«, sagte ich.
»Was soll das heißen – natürlich
nicht
? Andere
haben doch aber genau so stattgefunden,
wie du sie aufgeschrieben hast.«
»Ja«, sagte ich, »mal so, mal so. Ich bin
doch kein
Berichterstatter. –
Den Dialog, der dir so besonders gut gefällt,
hat es übrigens auch niemals gegeben.«
»Was? Aber….«
»Es hätte ihn geben können. Die Aussage
entspricht der Wahrheit, entspricht der Wirklichkeit.
Aber es hat ihn halt
nicht
gegeben.«
Es stimmt:
Ich bin
kein
Berichterstatter.
Aber diesen Dialog
hat es gegeben.
Und zwar
ziemlich
genau
so.
Mehr
oder
weniger.


Ein Kind, das schrie

Ich hätte immer eine Schweigeminute
übrig
für Kinder
die
von ihren Eltern
geschlagen werden

Aber
lieber
schreie ich
für diese Kinder
so lange ich
kann

Denn ihre Phantasie
stirbt
mit
jedem
Schlag

Und Phantasie
ist
das Wichtigste

was
Wir
haben

da sie
Alles
beinhaltet
was
real
ist

Ich schreie
für mich
denn auch ich war
ein Kind
mit
Phantasie

das schrie


Kahl & hohl

Und wenn man zu
alt wird,
gehen sie einem
aus –
die Themen
die Erinnerungen
die Gedanken
. –
Sie gehen einem
aus
wie Haare –
& kahlköpfig,
hohlköpfig
starrt man in
die
innere
Leere …..
Alles,
was einem noch einfällt,
sind die Wangen.
Ein Totenschädel, der
wartet.
Leere
ist
überall.
Wenn
man
zu
alt
wird.


Nur ein Versuch

Ich versuche doch nur
festzuhalten
was
Niemand
festhalten
kann

Mich
fest
zu
halten

Alles
geht
so
schnell

Alles
vergeht
so
schnell

Ich
gehe
so
schnell

Ich
vergehe
so
schnell

Deshalb
kommt mein
geschriebenes Wort
so
langsam

Es hinkt
hinter mir her

Doch
wenn
ich
vergangen bin
könnte
es
mich
überholen

& Alles
ent
halten

was

mir

wichtig

war


Der Abspann

Mein Leben:
Ein Film, der
in einem uralten, riesigen Kino lief.
Niemand weiß, wer
das Kino
wann & warum
erbaut hat.
Wenige Zuschauer
saßen darin.
Viele leere Sessel.
Wände, die
reflektierten.
Kein Platzanweiser, aber
eine Kasse, an der ein
verwirrter,
gesichtsloser
Mann
saß.
Irgendwo
im Verborgenen
ein Vorführer.
Seltsame Gerüche,
seltsame Lichter,
seltsame Geräusche.
Flackernde Bilder.
Filmrisse.
Musik.
Dunkelheit.

Dann:
Der Abspann.
Wenige Namen laufen
über die Leinwand.

Unter Special Thanks:
Noch weniger Namen.

Und schließlich –

Written and Directed by:

NOBODY.


Die Achterbahn

Steige nicht zu,
wenn Dir
Steigungen nicht zusagen,
wenn Dir
Gefälle nicht gefallen,
wenn Dir
Abgründe zu abgründig sind
& starke Neigungen Dir
Angst bereiten.
Steige nicht zu,
wenn Du
Sicherheit suchst
& Geschwindigkeit
Dich schwindeln lässt.
Steige nicht zu,
wenn Du
die Fliehkraft nicht ertragen kannst
& ihr Druck
Dich schwach macht.
Steige nicht zu,
wenn Du
ein Ziel hast,
nicht zu,
wenn Du
einen Sinn suchst.
Ich führe
zu
nichts.
Ich habe
keinen
Sinn.
Es geht
auf & ab
mit mir –
& manchmal
entgleise ich.
Nimm lieber einen Zug,
der Dich
ruhig & sicher
von A nach B bringt;
dorthin, wo Du
hin
willst.
Vielleicht.
Ich
bewege mich
bloß
in seltsamen Kreisen,
auf verschlungenen Gleisen –
& ich übernehme
keine Verantwortung
für das, was
mit mir,
mit Dir,
mit uns
passiert.


Wer es nicht begreift

Wer nicht begreift
was Zeitverschwendung ist
Wer nicht begreift
dass ich
so wie wir alle
keine Zeit
zu verlieren habe
ohne
Alles
zu verlieren
sollte besser gar nicht erst
anfangen
mich
aus der Ferne
zu
lieben.


Die Stimme der Entfremdung

Die Türglocke
dingte
Die Türglocke
dongte

Der Mann
zögerte
Der Mann
öffnete

Öffnete die Tür
die aufgequollen war
in ihrem Rahmen
& kaum noch
aufgehen
wollte

Es war
spät

Fast schon
zu spät
für Besuch

Die Frau
dort draußen
lächelte

Der Mann sagte:
»Ja bitte?«

»Ich bin’s«, sagte die Frau

»Wer ‚ich’

Die Frau nahm ihr Telefon
aus der Handtasche
Wählte eine Nummer

Im Wohnzimmer des Mannes
klingelte das Telefon

»Moment«, sagte der Mann
zu der Frau, »ich bin gleich wieder
da.«

Er ließ
sie
stehen
dort draußen

Er ging ins Haus
ging ins Wohnzimmer
ging ans Telefon

»Ja bitte?«

Eine Frauenstimme sagte:
»Ich bin’s.«

Der Mann sagte:
»Oh Schatz, wie schön, dass Du
anrufst. – Wann kommst Du
endlich
mal wieder
vorbei?«

Die Frauenstimme sagte:
»Ich stehe vor Deiner Tür.«

»Das kann nicht sein.«

»Schau nach.«

»Moment«, sagte der Mann

Er ging zurück
zu der Haustür
mit dem Telefon am Ohr

Betrachtete die Frau
die draußen stand
mit dem Telefon am Ohr

Rauschen
ohne
Meer

in beider Ohren

Er fragte:
»Wer sind Sie nochmal?«

Sie sagte:
»Ich bin’s.«

Stimmen mischten sich
Überlagerten sich
Schluckten sich

Unterschiedliche
Klangfarben

Die Farbe der Sehnsucht
Die Farbe der Gegenwart
Die Farbe der Träume
Die Farbe der Wirklichkeit

Die Frau
stand
im Rahmen

Es war
spät

Sehr spät

Der Mann
sah
aufgequollen

Aus


Der plötzliche Ernst

Nach all den Stunden
des gemeinsamen
Lachens

kommt

manchmal

dieser Moment
des plötzlichen
Ernstes

wo
Alles
innehält

wo
Eine oder Einer
von Zweien
als erstes
sagt:

»Ich liebe Dich«

Dann herrscht Ruhe &
das Lachen
wird zu einem
Lächeln

das
inne- &
an-
hält.


Seifenblasen aus Panzerglas

Wir
Menschen
sind
komisch

Wir wünschen uns
dass

Träume
Gefühle
Gedanken

fliegen
& regenbogenartig
reflektieren
mögen

so
wie

Seifenblasen

die aufsteigen

in die Luft

Und wir wünschen uns
dass

Träume
Gefühle
Gedanken

nahezu unzerstörbar
sein mögen

so
wie
Panzerglas

Doch
Panzerglas
reflektiert anders
als Seifenblasen

& Panzerglas
kann
nicht

fliegen

da es schwerer ist als
Träume
Gefühle
Gedanken

Es ist schwerer als

die Seifenblasen
die

zerplatzen

in der Luft

Wir Menschen sind
komisch

Wir wünschen uns Seifenblasen
aus Panzerglas

Und sind doch selbst nur
Seifenblasen
die zerplatzen
in der Luft

so
wie
unsere

Gedanken
Gefühle
Träume


Die Sonnenuhr bei Nacht

Es scheint
immer
Nacht
zu sein
wenn
wir
uns
treffen

Nacht
in
mir

Denn
in mir
gibt es nur
eine Sonnenuhr

Die Einsamkeit
war allzu
grell &
schmerzhaft blendend

Die Sonnenuhr deutete an
es könnte zu spät sein
immer wieder

Doch wenn wir uns
treffen
im Jetzt
wirfst Du
Deinen warmen Schatten
in mein Inneres

Dann träumt
die Dunkelheit
in mir

& die Sonnenuhr
hat
nichts mehr
anzuzeigen

Sie weiß nicht mehr
wie spät es ist

Wie spät
in mir

Wie spät
in Dir

Wie spät
in uns

Sie weiß nicht mehr
wie spät es ist

in

unseren

gemeinsamen
Nächten

wenn unsere Dunkelheiten
miteinander
träumen


Der flache Stein

Vielleicht bin ich nur
der flache Stein
den
ein kleiner Junge
im richtigen Winkel
über die Oberfläche
eines kleinen Sees wirft

Ich springe ein paar Mal
in die Luft
abgewiesen von der Oberfläche
bevor ich
untergehe

Vielleicht
ist der kleine See
mein Leben

Vielleicht
ist
der kleine See

das Meer


Brennende Eiswürfel

Die Eiswürfel in meinem Drink
standen in Flammen, als
die Frau auf meinem Sofa
fragte: »Und wo ist das Zimmer
für den Schnellen Sex, das Zimmer
mit den Schaufensterpuppen, über das
Du geschrieben hast?«
Musik flackerte in der Luft.
In der Luft, die Lust war.
»Ich zeig’s dir«, sagte ich. »Es ist
gleich gegenüber dem Zimmer, in dem
ich schreibe.«
Wir gingen durch den düsteren Flur;
sie ging vor …. ich
ging
hinter
ihr
her ….
ging nach
wie eine alte Uhr, kurz bevor sie
aufgezogen werden muss.
Die Puppen warteten im Dunkeln;
die Matratze lag
am Boden –
die Frau betrat den Raum,
ich machte buntes Licht ….
»Schön«, sagte sie.
Ich stand hinter ihr,
las die Gedanken
in ihrem Hinterkopf,
hockte mich hin,
schob ihren Rock hoch,
unter dem nur
sie
war …. &
sie lachte leise, als ich
in ihren Arsch biss ….
»Wir können gerne hier bleiben«, sagte sie.
»Nein«, sagte ich, »können wir
nicht.
Wir müssen in das Zimmer, in dem
nichts
Schnell
geht.
Wir müssen in das Zimmer, in dem
ich
träume


Die fortgeworfenen Bücher

Immer wieder
finde ich
ein fortgeworfenes
Buch ….

unterwegs ….
in Papierkörben neben Parkbänken ….
neben Altpapiercontainern ….
auf Gewegen ….
im Wald ….

irgendwo ….

Fortgeworfen –

nach dem Lesen?
ungelesen?
angelesen?

Ich weiß es nicht.

Ich nehme es mit
nach Hause.
Schaue hinein.
Und
fast immer
überfällt mich

die Langeweile.

Und doch –
ich empfinde
Mitleid …..
denn es wurde

fortgeworfen ….

Es ist langweilig,
es ist dumm

doch
es kann nichts dafür.

Dann nehme ich eines meiner
Lieblingsbücher
& reiße ihm
1 Blatt
( = 2 Seiten)
aus ….

Trage das Blatt &
das dumme, langweilige, fortgeworfene Buch
zu einem alten Buchbinder, der
kaum noch
Arbeit hat ….

Wähle einen
neuen,
neutralen
Einband
aus …..

Ohne Angabe
des Titels ….
Ohne Angabe
des Autors ….

In einer Farbe, die
mir gefällt.

Und der alte Buchbinder bindet
das dumme, langweilige, fortgeworfene Buch
neu ….
& in die Mitte fügt er das Blatt ein, das ich
einem meiner Lieblingsbücher
ausgerissen habe ….

Und ich trage das
Neue Buch
verkleidet
nach Hause ….

In sein
neues Zuhause ….

Meine Bibliothek wächst
& wird zum

Bücherheim ….

Mag sein, dass
der Buchbinder
mich für verrückt hält ….
Mag sein, dass
er mich versteht ….

Ich weiß,
was ich tue,
wenn ich
etwas tue,
das
nachweißlich
irrational ist ….

Und ich habe
meine Ansichten

zu

Büchern

wie

zum

Leben ….


Mein Leben

Ein Netz
aus Gedankensträngen
& verknoteten Gefühlen
in dem
ich
manchmal
die zitternde Fliege
manchmal
die Spinne
bin

Manchmal auch
die Spinne
die von der Fliege
träumt

oder

Die Fliege
die sich
für die Spinne hält

Ein Netz
das
verborgen ist
in
irgend einem
Winkel
der Welt

Ein Netz
das
zittert
vom Lufthauch
der Vorübergehenden

Ein Netz
das
glitzert
von allem
was
feucht
sein
kann

Ein Netz
das
leicht
entzündlich
ist

Ein Netz
gewoben
nach den Gesetzen des
unfreien Willens

der sich
hinter unzähligen
Pseudonymen
verbirgt

Fäden
die
zu dünn sind
um
Saiten
zu sein

& wohl doch
einen Klang haben

Einen Klang
den

vielleicht

nur

ich

nicht

hören

kann


Bleib doch – weg !

Soll sie doch fort bleiben,
die Sonne!
Egal, ob Tag oder Nacht.
Mir reicht der kalte,
bleiche Beweis, den
der Mond erbringt
für ihre Existenz.
Und wenn selbst der
fehlt –
scheint eben
wie üblich
die Finsternis
in das einzige Fenster
meines Hauses, das
nicht
verhangen ist.
Ich scheiße auf
die Wärme & das Licht,
auf Alles,
was mich verbrennt!
Nein,
ich sehne mich nicht
ich sehne mich nicht
ich sehne mich nicht
nach
der Sonne!


Der kleine schüchterne Junge

Eigentlich
ist er mir ganz sympathisch –
der kleine schüchterne Junge, der
damals
da
mals
stumm & rot
von den Großmäulern
die später zu
funktionierenden Erwachsenen
werden sollten
vor die Schulbank des
kleinen braunhaarigen Mädchens
geführt wurde.
Geführt,
um ihn
vorzuführen.
Seine Liebe
vor
zu
führen.
Sie lachten & waren
laut.
Laut sind sie immer.
»Er liebt Dich!
ER LIEBT DICH!
HA HA HA!«
Der kleine schüchterne Junge
stumm & rot.
Das braunhaarige Mädchen
wusste nicht, was es sagen sollte;
es sagte
nichts –
lächelte unsicher.
Da war zu viel
Laut-
stärke
um sie herum –
Laut
stärke, die
im Grunde
Schwäche
war.
So wie es eine Schwäche ist,
Alles
aussprechen zu wollen.
Eigentlich
ist er mir ganz sympathisch –
der kleine schüchterne Junge, der
nicht
sprach.

Und manchmal denke ich, dass
ich
das kleine braunhaarige Mädchen
noch heute
liebe …..

Oder
uns,
so wie wir waren –
damals.


Die Kippe

Zwischen Deinem Zeigefinger &
Deinem Mittelfinger
ruht
& glüht
& raucht
die Kippe.
Ich
wäre gerne
die Kippe
auf der alles
steht.
Die Kippe
zwischen Deinem Zeigefinger &
Deinem Mittelfinger –
ruhend
glühend
rauchend.
Ich
wäre gerne
die Kippe
auf die Du
stehst.
Ich
bin
die Kippe
in Deinem
Aschenbecher.
Ruhend.
Glühend.
Rauchend.
Und
irgendwann – –
verlöschend.
Ich bin
die Kippe
die
immer kürzer wird –
kürzer
zwischen
Deinen Lippen.
Zwischen
Deinem Zeigefinger &
Deinem Mittelfinger.
Ich bin.
Bin
die Asche –
die Asche
Deiner
Atemzüge.
Ich bin
Deine
Kippe.
Ich bin.
Bin.
Bin.
Asche.


Der Weg

Sie ging
durch den Gehörgang
irrte & wandt sich
durch Gehirnwindungen
bahnte sich
schwimmend & tauchend
ihren Weg
durch die Blutbahn
lungerte kurz
in der Lunge herum
atmete
atmete
atmete
meinen Sauerstoff –
betrat
die Herzkammer
richtete
sich ein
wo so lange nichts
auszurichten gewesen war
machte es
sich
bequem
wo es so lange
unbequem gewesen war –
pochte & klopfte
im Rhythmus — — —
fand Ruhe
in der Unruhe &
wollte
nicht
wieder
gehen.


Im Traum eines Fremden

Ein Raum, ein Bett. Eine Laterne
mit verschiedenfarbigen Glasfenstern, die
bunte Flecken auf die beiden Gesichter malte.
»Ich bin mir sicher, dass wir uns schon mal
begegnet sind«, sagte die Frau. »Ich komm
nur nicht drauf, wo.«
Der Mann sagte: »Ich habe auch das Gefühl.«
»Nein«, sagte sie, »kein Gefühl. Gewissheit.«
»Hmm, vielleicht. Aber es muss lange her sein.«
»Ja«, sagte die Frau, »lange.«
Dann schwiegen sie.
Grübelten im bunten Licht.
Vergebens.
Sie waren Fremde.
Ich kannte sie nicht.
Aber nur ich wusste, wo
sie zuerst einander begegnet waren. –
Sie hatten sich getroffen
in einem meiner wirren Träume.
Vor nicht gar so langer Zeit.
Sie hatten den Traum vergessen.
Ich nicht.


Der letzte Termin

Und dann war es zu spät – einmal mehr.
Einmal mehr hatte ein Mensch von zweien
nicht wahrhaben wollen, dass
Gemeinsame Zeit
noch rarer
ist,
noch kostbarer
sein kann
als die eigene Lebenszeit, als die
Zeit der Einsamkeit.
….. Termine Termine Termine …..
Bösartige Krankheiten, die
alles Leben, alle Zeiten
unbarmherzig verschlangen.
Die wenigsten unabdingbar.
Der Tod, den man selber
herbeiruft …..
& die Einsicht kam – einmal mehr –
nicht vor der Reue …..
Zu spät. Wie so oft.
Und dann gab es keine Gemeinsame Zeit mehr, die
man sich hätte nehmen können …..
Die Wahl, die man einmal gehabt hatte,
war dahin.
Was blieb, war eine weitere
Zeit der Einsamkeit &
ein letzter gemeinsamer Termin
auf dem Friedhof.


Keine Pointe

»Ich liebe Dich, Du Arsch!«
»Ich liebe Dich auch, Du blöde Fotze!«

Wir lachten.
Mein linkes Ohr war heiß, denn
ich mochte das Telefon nicht an mein rechtes halten.
Eine alte Gewohnheit.
Ich hörte sie schlucken.
Bier.
Sie hörte mich schlucken.
Gin.
Die Endlosschleife unserer Musik
fesselte uns
aneinander.
Gemeinsames Betrunken
Sein.
Ein Schnurren in der Leitung –
der kleine blinde Kater mit dem großen Wasserkopf.
Zu Hause bei ihr.
Der andere Kater,
der mit der hitlerbärtigen Zeichnung über dem Mund
(oder war er doch Charlie Chaplin ähnlicher?),
spielte mit Nüssen, die
laut über den Holzfußboden klackerten.
Zu Hause bei ihr.
Ich erinnerte mich an die Kratzer
an ihren Schenkeln.
Bei mir zu Hause spielten die Spinnen
lautlos
in ihren Netzen
mit Fliegen, die
nie wieder
fliegen würden. Aber
versponnen waren.
Sie kratzten mich nicht.
Diese Frau & ich –
wir waren so weit entfernt von einander, dass
wir uns so nahe gingen
wie nur möglich.
Eigentlich
passten wir nicht zueinander, und das
passte perfekt.
Der kleine blinde Kater furzte.
Ich konnte es nicht hören, aber
als sie es erwähnte, konnte ich es riechen.
Gefühle flogen hin & her
in einem unsichtbaren Netz.
Wir lachten.
Irgendwann weinten wir
zur Musik.
Gemeinsames Betrunken
Sein von Gemeinsamkeit.
Mein rechtes Ohr blieb kühl.
Nichts sonst.
Manchmal schreibe ich
von der Gegenwart
in der Vergangenheit.
Ich bin ein Arsch.
Ich liebe Dich, Du blöde Fotze!
Eine Endlosschleife.
Keine Pointe.


Die Tarnkappe der Vielfalt

Ähnlichkeit ist
die Tarnkappe der Vielfalt.

»Weißt Du, woran mich das erinnert?«
»Die sieht aus wie …..«
»Beinahe hätte ich den verwechselt mit …..«
»Das kommt mir bekannt vor.«

Erinnerung macht blind
für Unterschiede.

Die Wahrnehmung:
Ein Messer, das Alles
in verdauliche Häppchen schneidet.

Ich möchte der Vielfalt
die Kappe vom schädeligen Globus reißen;

die Erinnerung ertränken, um
keinen Unterschied zu verpassen;

der Wahrnehmung die Klinge abstumpfen, um
Alles unzerteilt in mich hinein zu schlingen.

Keine Ähnlichkeiten mehr!
Keine Verwechslungen!
Keine Bekanntschaft!
Keine Blindheit!

Nur noch Unterschiede!

Nur noch Kahlheit!

Nur noch Vielfalt!

Auch auf die Gefahr hin,
an erbrochener Realität zu ersticken.


Verläufe

Das Leben
verläuft
so
oder
so

ob
in geregelten Bahnen
oder
auf überwachsenen Pfaden
in Unordnung
oder
Ordnungszwang
in Unterordnung
oder
Auflehnung
ob
in Gesellschaft
oder
Einsamkeit

Es verläuft
im Unbewußten
in Erkenntnis
im Gefühl
im Kalkül
im Nichtstun
in Betriebsamkeit

Es verläuft
vergeht
verschwindet
kehrt wieder woanders

Das Leben
verläuft

Sich

Dich

Mich

Ich irrte umher
im Verlaufe meines Lebens

breite Straßen
verwinkelte Seitenwege
Trampelpfade
unwegsames Gelände
offene Plätze
geschlossene Räume

Sackgassen

Ich suchte
nichts

Ziellosigkeit
war mein
Ziel

Zeit verging
wie sie es
immer
tut –
unbarmherzig
gleichförmig
uninteressiert

in Falten & Verfall

Und weil ich nichts suchte
verlief ich mich

Verlief ich mich
in Dich

Du lagst auf
dem Weg
der
der meine war.

Und

ES
nahm seinen Lauf.


Es ist so einfach

Wenn man sich
die Ohren zuhält
klingt
der Regen
wie
Sonnen-
schein.


AlleinGelassenheit

Allein
Gelassenheit
hilft

manchmal

Die Gelassenheit
– mühsam erarbeitet –
– mühsam errichtet –
– mühsam erhalten –
in Einsamkeit & Alleinsein

Ein instabiles Konstrukt aus
Routine
Verdrängung
Betäubung
& Verzicht

Doch sie
bricht
in sich
zusammen

wenn die Einsamkeit
sich maskiert als
Gemeinsamkeit

& das Alleinsein
zur AlleinGelassenheit wird.


Heimlich unheimlich

Durch die Brüche
meiner
Logik
beobachte ich
heimlich
ganz heimlich
meine Gefühle

& manchmal
sind sie
mir
unheimlich