Wenn
der Tod
ein Leben
kauft
dann
immer
to go
&
er bezahlt mit
Ruhe
Schlagwort-Archive: Kultur
Steine
Ich stelle sie mir vor
als kleines Mädchen
Vielleicht vor
35 Jahren
& während alle
anderen Kinder
um sie herum
glattgespülte
glänzende
Steine
sammelten
fand sie die
scharfkantigen
matten
besonders schön.
Ansonsten
könnte ich mir
das Alles
nicht
erklären.
Für die Fremden & die Unsichtbaren
Wenn in der fernen Nebelkulisse der
fremden
unsichtbaren
Leser
plötzlich
vertraute Gesichter
erscheinen
bleibt mir
vielleicht
nur noch das
Schweigen
Denn was in mir ist
soll
den Vertrauten
fremd
Soll
für sie
in Ferne
&
Nebel
bleiben
So wie
für mich
ihr Inneres
in Ferne
&
Nebel
liegt
& nur die
Fremden
& die
Unsichtbaren
sollten es
sehen
können.
Denn manchmal ist
Nähe
unerträglich.
Die Folgen
Das also waren die Folgen:
Verblödung
Verlust der Kreativität
Eintrübung der klaren Gedanken
Monomanie
Einschränkung der Sicht
Themenverlust
Eintönigkeit
Verstummen
Sie war eingeschlafen
»End-entspannt« hatte sie es genannt
Ihr rechtes Bein lag angewinkelt auf
meinen Oberschenkeln
Gleichmäßiges Atmen in meinem Ohr
Ein Duft der immer noch neu &
doch schon vertraut war
Kein Schlaf in meinem Kopf
Kein Schlaf in meinen Händen
Ich war nüchtern
& wusste
was kommen würde
Das Alleinsein
das ich meist so schön gefunden hatte
würde hässlich werden
& ich würde noch mehr
Alkohol brauchen
es mir schön zu trinken
Aber der Alkohol
spülte kaum noch Worte an die Oberfläche
Oder ich konnte die Worte nicht mehr hören
Weil alles andere in mir
zu laut geworden war
Verstummen
Eintönigkeit
Themenverlust
Einschränkung der Sicht
Monomanie
Eintrübung der klaren Gedanken
Verlust der Kreativität
Verblödung
Eigentlich
fand ich die Folgen
gar nicht
so
schlimm.
Zu dick aufgetragen
Sie lachte.
»Das mit der stehen gebliebenen Uhr
in deinem Gedicht wird jeder für ausgedacht halten.«
»Ich weiß«, sagte ich. »Genau das
gefällt mir daran. – Die
plakative, vordergründige Symbolik
der Wirklichkeit.«
»Und was hättest Du geschrieben, wenn
sie nicht stehen geblieben wäre?«
»Keine Ahnung«, sagte ich. »Vielleicht
hätte ich sie gar nicht erwähnt. – Jedenfalls
hoffe ich, dass ich nicht dasselbe geschrieben hätte.«
Sie war skeptisch.
Ich auch.
»Na dann«, sagte sie, »ein Hoch auf die
Wirklichkeit.«
Der Ausdruck der Verzweiflung
Die Verzweiflung
mag mit feinem Pinselstrich aufgetragen sein …..
Mit hartem
oder
weichem
Bleistift …..
Mit einer Feder, die gespalten ist …..
oder
einem Kugelschreiber …..
Sie mag gestempelt sein …..
oder
getippt …..
Vielleicht ist sie dick aufgetragen …..
Ein Foto
oder
ein schwarzes Bild …..
Hinausgeschrien
oder
stumm …..
Wie auch immer –
man sollte sie
in sich
wiedererkennen
& handeln.
….. ob ich will oder nicht
Ich schreibe
was ich muss.
Ob ich will
oder nicht
spielt keine Rolle
Ob es jemandem gefällt
oder nicht
ist egal
Ob es jemanden verletzt
oder auch nicht
darf ich mich nicht fragen
Ich schreibe
was ich muss.
Es mag langweilig sein
oder nicht
Verständlich
oder auch nicht
Sinnlos
oder nicht
Es mag gelesen werden
oder auch nicht
Was ich schreiben muss
das schreibe ich.
Was ich will
spielt keine Rolle.
So
wie
ich.
Der gekrümmte Zeigefinger
Als Kleinkind
schob ich mir niemals den Daumen
in den Mund, um
schlafen zu können.
Ich nahm
den gekrümmten Zeigefinger.
Als hätte ich es
schon damals
nicht so machen wollen wie
Alle Anderen.
Für die Zahnstellung
war das eher ungünstig; aber
die Symbolik meiner Fingerwahl
gefällt mir
noch heute.
Nur eine weitere Aufnahme von Momenten
Ein roter Lampenschirm,
erleuchtet in einem düsteren Kellerzimmer.
Zigarettenrauch, der durch die Luft schleiert.
Kondensperlen auf einer halbleeren Bierflasche.
Ich sitze auf dem einzigen Sessel, nackt;
sie sitzt, nackt, auf dem Teppich, zwischen
meinen Beinen, angelehnt, ihren Rücken
mir zugewandt.
Wir reden über:
Krankheit
Sterben
Tod.
Meine Füße ruhen auf ihren Beinen,
ihre Hände auf meinen Füßen,
meine Hände – bald auf ihren Schultern,
bald, wenn ich mich vorbeuge, auf ihren Brüsten.
Regengeprassel. Entfernter Donner.
Im für uns unsichtbaren Tageslicht steht
ihr Auto. Auf meinem Parkplatz. Das
Seitenfenster einen Spalt breit geöffnet.
Als sie ankam, schien noch die Sonne.
Jetzt befürchtet sie, es könnte hinein regnen.
Ich sage, der Regen könnte eine andere Richtung haben.
Wir reden über:
Krankeit
Sterben
Tod
Leben.
Die Musik, die im Schlafzimmer läuft, dringt nicht
bis hierher.
Plötzlich ein Geräusch aus einer dunklen Ecke –
als würde dort jemand pissen.
»Was ist das?« sagt sie.
»Das Regenwasser, das aus dem Schornstein
in eine Vase abläuft.«
»So viel? – Ich werde einen nassen Arsch
im Auto kriegen.«
»Vielleicht«, sage ich.
»Jetzt isses eh zu spät«, sagt sie.
Sie zündet sich noch eine Zigarette an;
ein Feuerzeug mit integrierter Uhr.
Die Uhr ist
stehen geblieben.
In der Weite
Wenn ich mich
beengt
fühle
& eingeschlossen
sehne ich mich
nach der
Weite
Deiner Gedanken.
Dort
möchte ich
frei
leben
& atmen.
Die eifersüchtige Einsamkeit
Sobald die Frau zum ersten Mal
die Zuflucht des Mannes betrat
(es könnte auch umgekehrt gewesen sein),
eilte die Einsamkeit hinaus &
warf die Tür hinter sich zu wie eine
eifersüchtige Geliebte.
Zu zweit lachten sie
sie aus,
umarmten sich, redeten, tranken &
legten sich hin.
Die Einsamkeit schlich um das Haus,
lauschte an den geschlossenen Rolläden,
bewegte sich durchs Unkraut
der vergangenen Zeit,
fühlte sich verlassen
& wurde böse.
Böse
nur für kurze Zeit.
Sie hörte
in ihrer Ausgeschlossenheit
das Atmen, das Küssen, das Stöhnen,
die Musik
im Inneren des Hauses –
& wusste
beinahe
augenblicklich,
dass sie
eine neue Verbündete
bekommen würde.
Fast hätte sie
boshaft gelacht
in dem Moment dieser Erkenntnis.
Doch sie befürchtete,
gehört zu werden.
Niemand
hätte sie gehört.
Nicht einmal der Mann, der
in der Zuflucht lebte.
Zu laut
war seine Zufriedenheit,
zu verschlossen
seine Ohren von den Schenkeln der
Leidenschaft;
zu verschlossen
von der Musik.
Als die Frau das Haus verließ,
schlüpften sie
zu zweit
hinein:
Die Einsamkeit
&
Die Sehnsucht.
Die Sehnsucht
hatte den Geist,
das Gesicht
& den Körper
der Frau,
die gegangen war.
Die Einsamkeit
flüsterte ihr ins Ohr.
Dann
lachten sie
gemeinsam
zu zweit.
Hinter verschlossenen Türen.
Sinn genug
Sie saß auf dem Boden & rauchte.
Gelehnt an meine Beine.
Ich saß in dem einzigen Sessel, den es
in diesem Raum gab.
»Irgendwann werde ich dich
hassen«, sagte sie. »Für das, was
du mit mir machst. Dafür, dass ich
die Kontrolle verliere.«
»Ich weiß«, sagte ich.
Rauch kam aus ihrem Mund.
»Nein«, sagte sie, »ich werde dich
niemals hassen.«
»Warum auch?« sagte ich, »ich
bin doch ein nettes Kerlchen.«
Meine Antworten passten nicht
zusammen.
Noch weniger als
ihre Aussagen.
Vielleicht wir?
Meine
zweite Antwort ergab
für mich
keinerlei Sinn.
Aber die Frau richtete sich auf,
um mir
einen rauchigen Kuss zu geben.
Das war
für den Moment
Sinn genug.
Ganz dicht neben mir oder noch dichter
Ich höre
Deine Träume
Ich sehe
Dein Vergessen
Ich fühle
Deine Erinnerungen
Ich schmecke
Deine Phantasie
Ich taste
nach der Musik
die wie das Kopfkissen riecht
auf dem
Deine Gedanken
gelegen haben
ganz dicht
neben mir
oder noch
Dichter
Die Vertrautheit & die Selbstverständlichkeit
Die Vertrautheit &
Selbstverständlichkeit
mit der
ein
eigentl
ich
fremder
Mensch
nackt
durch mein Haus geht
erinnert mich
an das
Verhältnis
zum
Leben
das
ich
gerne
hätte.
Der Film auf der Brille
Zu spät
hatte ich die Brille abgesetzt.
Die Nähe kam so
schnell.
Die Küsse kamen so
schnell.
Ein Film entstand
durch Berührung
auf den Gläsern meiner Brille;
an der Außenseite.
Eine Art von
Weichzeichner.
Durch den ich
klarer
sehen konnte.
Es begann
ein neuer Film.
Und erst dann
setzte ich die Brille ab.
Höchstens 5 Minuten
Höchstens 5 Minuten
dauerte das Gespräch
vor über 10 Jahren.
Ein kleines Mädchen aus Amerika,
das im Rollstuhl saß.
Ich weiß nicht mehr, wie
es aussah,
weiß nicht mehr, wie
seine Stimme klang …..
Der Dialog war banal,
es ging nur um meinen Job.
Und doch
erinnere ich mich in
regelmäßigen Abständen
an das Leuchten
in dem Gesicht, an das ich
mich nicht erinnern kann;
an das Lachen
der Stimme, an die ich
mich nicht erinnern kann.
An die Lebensfreude,
deren Wärme
ich noch heute
spüren kann.
Wahrscheinlich
waren es
noch nicht einmal
3 Minuten.
Die Steckdose & das Nachtlämpchen
Sie
hockte sich hin
neben dem Bücherstapel
Der Saum ihres Kleides
glitt an ihren Oberschenkeln
hinauf
Sie zog
das Nachtlämpchen aus
der Steckdose
Steckte
den Stecker
ihres Ladekabels
in die Dose
um das Telefon aufzuladen
über das wir
gesprochen hatten
Als sie wieder fort war
tat ich das Nachtlämpchen
zurück an seinen
angestammten Platz
Dann kam sie wieder
hockte sich hin
neben dem Bücherstapel
Der Saum ihres Kleides
glitt an ihren Oberschenkeln
hinauf
Sie zog
das Nachtlämpchen aus
der Steckdose
Steckte
den Stecker
ihres Ladekabels ….
Als sie wieder fort war
nahm ich das Nachtlämpchen &
warf es in eine Schublade
die ich
normalerweise
niemals
öffne.
Das Klingeln an der Haustür
Es klingelte
um kurz vor 8
an meiner Haustür.
Wie immer
erschreckte es mich,
wie immer
wollte ich nicht öffnen.
Doch dann stellte ich mir vor:
Es könnte
SIE
sein …..
SIE
könnte mich
überraschen
wollen …..
So viel
Sehnsucht.
So viel
Hoffnung.
So viele
Wünsche.
So viel
Liebe.
Mein Verstand wusste,
SIE
konnte es nicht sein.
Und doch –
ich schaute aus
dem Küchenfenster ….
Beinahe erwartete ich
SIE
zu sehen.
Ich sah:
den alten Nachbarn.
Ich wusste, was er wollte –
er wollte
sich beschweren
über den Zustand meines Gartens,
über die Samen, die
hinüberflogen
in seinen Garten.
Über mein Unkraut, das
zu seinem wurde.
Der alte Mann
liebt seinen Garten,
seine Ordnung.
Ich
hasse meinen Garten.
Liebe
meine Unordnung &
liebe
SIE
deren Ankunft ich erhofft hatte
beim Klingeln an meiner Haustür.
Ich öffnete nicht.
Es gab keinen Grund dafür.
Wie meistens
in meinem Leben.
Katzenkratzer auf Frauenbeinen
Ich liebe es, wenn meine
Lieblingstiere
ihre Spuren
auf meinen
Lieblingsgliedern
hinter-
lassen
Rote
feine
Striemen
auf glatter Haut
Muster unter
kurzen Röcken
langen Röcken
kurzen Kleidern
langen Kleidern
kurzen Hosen
langen Hosen
Das Spiel der Katzen
Die Leidenschaft der Katzen
ungeschliffene Berührungen
schnurrend
fauchend
Zarte Verletzungen
der Schönheit
Ich liebe es, wenn meine
Lieblingsglieder
von meinen Lieblingstieren
verletzt werden.
Kakerlaken
All diese Gedanken & Ideen
All diese Erinnerungen
die
in Dunkelheit
in Finsternis
durch die Schädelräume huschen
wie Kakerlaken …..
faszinierende Tiere
schnelle Tiere
ekelerregende Tiere
gepanzerte Tiere
schillernde Tiere
wimmelnde Tiere
schwarze Tiere
feige Tiere
dreiste Tiere
kopulierende Tiere
stinkende Tiere
changierende Tiere
fühlende Tiere
gehasste Tiere
fressende Tiere
geliebte Tiere
kitzelnde Tiere
scheißende Tiere
widerstandsfähige Tiere
unausrottbare Tiere
Tiere der Nacht
die in dunklen Schädelräumen
Schädel
träumen
husch
hush
hush
Doch
sobald
das Licht an-
geht
suchen sie
ihre Verstecke
auf
verschwinden
scheinbar
in Ritzen & Winkeln
in Löchern &
Hinter-
gründen
wo
das Licht
….. des Tages
das Licht
….. der Lampen
das Licht
….. der Glücksgefühle
niemals
hin
kommen
kann
…..
Dort
warten sie
Dort
lauern sie
immer wieder
auf Blicke
die sie nicht treffen
können
auf die Dunkelheit
des Vergessens
auf den nächsten Moment der
Finsternis
der
mir
willkommen
ist.
So geht das nicht weiter
»So geht das nicht weiter«, sagte sie. »Ich
werde dich unglücklich machen müssen, damit
du wieder schreiben kannst.«
»Ja«, sagte ich, »ich find’s auch scheiße. Mir
fällt nichts mehr ein. – Aber keine Sorge,
das wirst du. Da bin ich mir sicher.«
Sie blies Zigarettenrauch in die
warme Nachtluft. Und sie sagte:
»Ja. Ich auch.«
Die Armbanduhr
Beinahe hätte ich geschrieben:
»Ich wusste nicht, warum sie mich
irritierte….«
Die Armbanduhr an ihrem Handgelenk,
während sie
meinen Schwanz lutschte.
Doch die Wahrheit ist:
Ich wusste es.
Jägermeister & Fleischwurst
Ich bestrich die Fleischwurstscheiben
großzügig mit Mayonnaisse, rollte sie,
aß sie.
Eine nach der anderen.
Dazu trank ich Jägermeister.
Ich war 14.
Saß in meinem Zimmer auf der Matratze,
die auf dem Boden lag.
Es war die Zeit, als ich noch
unordentlich war.
Bücher & Zeitschriften lagen überall
in wildem Durcheinander.
Wie viele Scheiben Wurst mit Mayo
brauchte es? Wie viele Gläser
Jägermeister?
Ich weiß es nicht mehr.
Ich kotzte.
Kotzte wie selten.
Auf die Bücher, auf die Zeitschriften.
Man konnte die Wurst noch erkennen,
dazu die Farbe des Getränks.
Irgendwie schaffte ich es ins Bad, um dort
weiterzumachen.
Mein Bruder & seine Frau saßen im Wohnzimmer.
»Oh, mein Gott«, hörte ich sie sagen.
Denn ich war sehr laut.
Mein Bruder sagte nichts.
Er war es, der
in mein Zimmer ging, um dort
sauberzumachen.
Es machte ihm nichts aus.
Ich hätte das nicht
gekonnt.
Wie so vieles.
Ich bewunderte ihn dafür.
Wie für so vieles.
Liebte ihn.
Liebte bereits
SIE
die »Oh, mein Gott« gesagt hatte.
Alles ändert sich
irgendwann.
Natürlich.
Natürlich wie der Vorgang des
Kotzens.
Ich besitze noch einige der
Bücher von damals.
Man sieht die Spuren.
Zum Teil habe ich vergessen, was
ihn ihnen stand. Es war
weniger wichtig.
Weniger wichtig als ihre
bekotzten Einbände.
Es dauerte lange
bis ich wieder
Fleischwurst essen,
lange
bis ich wieder
Jägermeister trinken konnte.
Ich kotze nicht mehr.
Obwohl ich weiterhin
esse & trinke.
Da wäre auch niemand mehr, der es
wegmachen würde.
Und da ist auch
Niemand mehr, der
»Oh, mein Gott« sagt.
Die Temperatur der Leere
Irgendwann hatte ich dieses Thermometer
in meinen Kühlschrank gelegt, um
die Temperatur zu überprüfen.
Und dann war die Temperatur
perfekt,
als der Kühlschrank
leer war
& ich Durst & Hunger hatte.
Schließlich
kaufte ich ein &
füllte den Kühlschrank.
Es wurde warm
in ihm –
warm
in mir.
Die Leere
hatte die perfekte Temperatur
gehabt.
Die Fülle
war zu warm.
Die Leere konnte nicht
verderben.
Die Fülle
konnte es.
Und es dauerte
bis sie die Temperatur der
Leere
angenommen hatte.
Und plötzlich war da
diese Frau
öffnete den Kühlschrank &
nahm sich ein Bier.
Die Flasche war
beschlagen.
Meine Trägheit
»Normalerweise
liebe ich meine Trägheit.
Genieße sie.
Ein Gesetz.
Mein Trägheitsgesetz.
Müßiggang –
was für ein schönes
widersprüchliches Wort!
Doch dann:
Du kletters-
test
aus dem Bett
(so schön)
um Dir ein Bier zu holen
aus meinem Kühlschrank
Nackt
& ich
träge Sau
blieb liegen!
Ich hätte Dir
hinterhergehen
müssen.
Um Dich
zu beobachten
zu betrachten.
Deinen Anblick
& jede Schwingung
zu genießen.
Im Licht der Lampen.
Im Gegenlicht des
Kühlschranks.
Nun sehe ich dieses Bild
nur in meiner Phantasie.
Aber was ist schon
meine Phantasie!
Ja, manchmal
hasse ich meine Trägheit!«
– – –
»Aber«, sagte sie, »im Keller
war ich doch auch allein …. & nackt.
Und habe auf deinem Sessel gesessen,
entspannt.«
Es stimmte. Sie war
zum Rauchen in den Keller gegangen,
in den Raum mit den
vom Zigarrenrauch gebräunten Tapeten.
Und auch das stellte ich mir vor.
Sie
nackt &
allein
in diesem Raum
auf meinem Sessel.
Und die Spinnen unter dem Heizkörper
beobachteten sie.
Während ich
träge
im Bett lag.
Zigarettenkippen in Zigarrenasche
Dann kam der Zeitpunkt, als ich
in den Aschenbecher blickte ….
um in der Asche & zwischen den
Stummeln meiner Zigarren
ihre Zigarettenkippen zu betrachten.
Aus all dem Grau meiner Asche
stachen sie hell hervor &
erinnerten an
Leben.
Die aufmerksame Leserin
Es war offensichtlich:
Sie war eine
aufmerksame Leserin
meiner Texte.
Denn als sie
an meiner Tür klingelte,
trug sie einen dünnen Rock, der
oberhalb der Kniee endete.
Sie zog ihre Schuhe aus.
Sie schnupperte an meinem
Cocktail.
Ich fragte sie, was sie
trinken wolle.
Sie sagte:
»Ein Bier.«
Ich hielt ihr
(Test) die Flasche &
ein Glas hin.
Sie nahm
nur
die Flasche;
öffnete sie
mit einem Feuerzeug.
Sie kannte meine Unsicherheiten &
setzte sich rittlings auf
meinen Schoß.
Und unter dem dünnen Rock
trug sie
nichts als ihre
feuchtfröhliche Sehnsucht, die
auf meine Hose tropfte.
Wozu dazu
Nur um sich dazu-
ge-
hörig
zu fühlen
machen so
Viele
so Vieles
mit
was Viele tun
um sich
dazuge-
hörig
zu fühlen.
Wozu?
Zur Herde?
Wozu will man
das?
Ich kann’s mir denken.
Wozu sollte man das
wollen?
Ich
habe keine Ahnung.
Mehr fällt
mir
dazu
nicht ein.
Die langen blonden Haare
Die Einsamkeit war lang gewesen
So lang
So viel länger als
die blonden Haare, die plötzlich überall
in meinem Haus zu finden waren
ohne dass ich sie suchen musste
Die Einsamkeit war lang gewesen
Zu lang
& ich bekam
einen Krampf im rechten Fuß:
im 2. Zeh von rechts –
als gewisse Punkte meines Körpers
ungewohnt berührt wurden
Ich sprang nackt aus dem Bett
um den Krampf zu lösen
Es war zum Lachen
Also lachten wir
Vieles
löste sich
Ich schmeckte mein Bier
auf fremder Zunge
& die langen blonden Haare
fielen überall
auf meine ramponierte Haut
bevor
der Besuch zu Ende war.
Und irgendwann werde ich anfangen
die langen blonden Haare
zu suchen.
Sie
zu suchen
um sie zu betrachten &
SIE
zu riechen.
Selbstverteidigung
»Du hast gestern zu schnell & zu viel
getrunken«, sagte er.
»Da lief plötzlich eine große flinke
Spinne über den Fußboden«, sagte ich.
»Ich brauchte das Glas, um sie zu fangen.
Und dann waren da plötzlich
ganz viele
Spinnen.«
»Ich verstehe«, sagte er.
Die Romantische Ader
Immer wieder diese verdammte
Romantische Ader in mir!
Wenn ich durch mein
menschenleeres Haus gehe,
kann ich sie spüren.
Und ich spüre die
Fußsohlen der Frau, die
nackt durch die Flure & Zimmer ging;
ich fühle, wo sie den Boden berührten,
sehe die Erinnerung an ihre Nacktheit
auf der Kellertreppe &
rieche, was längst
verflogen ist.
Und diese verdammte
Romantische Ader in mir –
platzt wie ein Ballon – &
überall ist
Blut
Blut
Blut.
Und überall ist
Leben
& Rote Dämmerung
& Sehnsucht
in mir.
Ich & nachdenklich?
»Du nachdenklicher Mann, Du«, sagte sie &
knabberte an meinem Ohr.
Ich denke, sie hatte den Schrott gelesen, den ich
schreibe – manchmal.
Als sie das sagte & knabberte &
ihr Atem so nah war,
vergingen mir
Hören & Sehen &
Nachdenken.
Spannweite
Der Hammer liegt manchmal
3 Meter weit entfernt
während ich die Spitze des Nagels
bereits angesetzt habe
an einer unmarkierten Stelle.
Ich hatte ihn näher vermutet.
Wenn ich den Hammer hole
muss ich die Stelle für den Nagel
erst erneut suchen
denn auf der Oberfläche dieser Wand wäre
eine Markierung mit der Nagelspitze
nicht sichtbar.
Manchmal habe ich die Befürchtung
die optimale Stelle nicht mehr
wiederzufinden.
Und da ist niemand
der mir den Hammer reichen könnte.
3 Meter.
Das ist einfach
nicht
meine
Spannweite.




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