Ich will leben
& sterben
gleich
zeit
ich
Oh, Moment –
das tue ich
ja
wie
Alles
Andere
auch
Nichts
hat eine
Wahl
Ich will leben
& sterben
gleich
zeit
ich
Oh, Moment –
das tue ich
ja
wie
Alles
Andere
auch
Nichts
hat eine
Wahl
Das abgegriffene Bild
des Herzens –
ich würde es gerne
ersetzen
durch etwas Neues –
Anderes.
Andererseits:
was wäre abgegriffener
als der Gegenstand selber
für den das Herz steht?
Das Gefühl.
Immer wieder:
ergriffen
angegriffen
& oftmals:
unbegreiflich.
Also
(in platten, abgegriffenen Worten):
Ich legte Dir
mein Herz
zu Füßen.
Du hieltest es
für einen Fußabtreter.
Immerhin:
ein anderes Bild –
zur Abwechslung.
Wenn auch
kein Neues.
Egal.
Etwas liegt
am Boden.
Ein Gefühl.
Und das Herz
mag
stehen
bleiben.
Wer die Kontrolle über sich
für immer behalten will,
sollte nicht lieben.
Wer die Kontrolle über sich
immer behält,
kann nicht lieben.
Wer die Kontrolle über alles
liebt –
sollte an mir vorübergehen.
Denn ich verliere
die Kontrolle
über mich
gar zu gern
& gar zu leicht.
Da wartete ich nun also auf ein Taxi
an einem Herbstmorgen vor Sonnenaufgang.
Mit meinem Kuchen in der Hand –
Puddingstücke mit zentimeterdickem Schokoladenguss,
Käsequader mit Mandarinen; ein großes,
schweres Päckchen.
(Gleich neben dem Hotel, in dem ich aushilfsweise arbeitete,
gab es eine Bäckerei.)
Das Taxi kam, ich stieg ein.
»Na, Feierabend?« sagte der Fahrer.
»Endlich«, sagte ich.
»Und Sie haben mir Kuchen mitgebracht; das ist aber
nett.«
Kurzes pflichtgemäßes Lachen meinerseits.
»Das ist mein Ritual nach der Nachtschicht«, sagte ich –
»ins Bett, einen Film gucken & dabei Kuchen essen.«
»Ja«, sagte er, »solche Rituale braucht man. Ich trinke
2, 3 Bier nach der Arbeit.«
Ich sagte nichts. Dachte an mein kaputtes Auto. An die
Fleischbatzen, die ich aus dem Motorraum geklaubt hatte.
An den Gestank des Blutes. An den
erschrockenen Blick aus schwarzen, geweiteten Augen.
An das späte Rendevouz auf der Autobahn – ohne Fernlicht,
bei 140 km/h. Es würde nie erwachsen werden – dieses
Reh.
»Trinken Sie gar nicht?« fragte der Fahrer.
»Nein«, sagte ich, »nicht mehr.«
»Also – 2, 3 Bier nach der Arbeit finde ich ok«, sagte er, »oder
ein Glas Wein zum Essen.«
»Klar«, sagte ich.
»Ich hab nen Kumpel – bei dem geht unter 3 Flaschen Wodka am Tag
gar nix. Oder 2 Flaschen Bacardi.«
Ich fragte mich, warum er ausgerechnet mit mir über dieses Thema sprach.
Wie isser nochmal darauf gekommen? Ach ja, der Kuchen.
»Na, so viel hab ich nicht geschafft«, sagte ich, »aber zuviel war’s auf
jeden Fall; nach einem Glas Wein zum Essen kann ich nicht aufhören.«
»Ach, das kenne ich. Ihnen fehlt diese Grenze im Gehirn, die sagt: Genug!«
Diesmal verkniff ich mir das Lachen.
»Ja, so ungefähr.«
»Bei mir ist das so mit dem Essen. Deshalb bin ich so dick.«
Ich fand ihn nicht besonders dick; aber allzu genau hatte ich ihn mir auch
nicht angeschaut.
»Immerhin«, sagte er, »ich zwinge mich dazu, am Tag nicht mehr als
1 Stück Schokolade zu essen. Aber dieses 1 Stück
muss sein.«
»Und ich zwinge mich dazu, nicht mehr als 1 Tafel am Tag zu Essen, neben
all den anderen Süßigkeiten.«
Er lachte. »Sieht man Ihnen nicht an.«
Über das Rauchen sprachen wir auch noch. Er rechnete mir vor, wieviel
ihn das im Monat kostete.
»Mit dem Rauchen habe ich zur selben Zeit aufgehört wie
mit dem Trinken«, sagte ich.
»Sie werden mir langsam unheimlich«, sagte er.
»Ja«, sagte ich, »unheimlich langweilig.«
Endlich waren wir angekommen.
Ich zahlte den ausgemachten Preis. (Personalfahrt
nennt sich das, ein Abkommen zwischen dem Hotel &
dem Taxiunternehmen. Trotz des Nachlasses
lohnte es sich für mich kaum, überhaupt
zu arbeiten. Busse aber fahren um diese Uhrzeit nicht
in das Kaff, in dem ich wohne.)
»Heute Abend wieder?« fragte der Fahrer.
»Ja«, sagte ich. –
Eigentlich war ich
nach dem ersten mächtigen Puddingstück
bereits satt.
Doch ich aß all die anderen Stücke auch noch.
Genüßlich im gemütlichen Bett.
Ja – im Grunde hatte ich den Alkohol
durch Süßigkeiten ersetzt. (Und dabei
10 Kilo abgenommen.)
Als der Film zuende war,
dauerte es noch lange
bis ich einschlafen konnte.
Schwerer Magen, schwerer Kopf.
Schließlich
fand ich mich wieder
in einem geträumten Supermarkt.
Draußen war es kalt gewesen – doch hier
war es warm. Ich stand vorm Ausgang,
schaute hinaus durch das Glas
der Tür – auf einem Schild der Schriftzug:
Real –
neben mir ein Einkaufswagen
voller Flaschen.
Ich hielt eine Flasche Wermut in der Hand.
Trank daraus. Erst vorsichtig. Dann
in großen Schlucken.
Bittersüß.
Irgendwann wandte ich mich um –
der Supermarkt war beinahe menschenleer; wie
kurz vor Schluss…..
Nur eine einzige Kasse war besetzt.
Die Kassiererin sah mich an – als
hätte sie mich schon die ganze Zeit über
beobachtet.
Ich fühlte mich
mit ihr allein.
Fühlte mich
allein
unter ihrem intensiven Blick.
Aus schwarzen, geweiteten Augen.
Bittersüß.
Hatte ich nicht bezahlt?`
Doch. Das hatte ich. Ob
gleich ich es nicht geträumt hatte.
Und sie sagte
über die Distanz hinweg:
»Sie wissen, warum
ich traurig bin.«
Augen
blicklich
erwachte
ich.
Verwirrt.
Mit Herzklopfen
& dem Geschmack von Wer
mut im Mund.
Ein Traum.
Ein Traum!
Nur ein Traum.
Un
fass
bare
Er
leicht
er
ung …..
Beinahe
war ich glücklich
in diesem Augenblick.
Denn – ja,
ich hatte gewusst, warum
sie
traurig gewesen
war.
Dieser seltsame Raum
den er Tag für Tag betrat
in seinen Tag
träumen
Ein fensterloser Raum
voller Regale
denen die Rückwände fehlten
Regale
die seine innere Leere zer
teilten
kreuz & quer
in regel
lose Ab
schnitte
In den Regalen
Nichts
als Vasen aus farbigem Glas
Bunte Gefäße
ohne In
halt
Überall
Reflexion & Brechung
des Kunstlichtes
Er unterlag nicht
der Illusion
seine Träume zu beherrschen
nur weil es Tagträume waren
Gedanken
Spiele
Frauen
traumwandelten durch den Raum
spielerisch
als hätten sie
etwas ver
standen
das er nicht be
greifen konnte
Er war er
griffen
von ihrem Anblick
Tag für Tag
Maskierte Gesichter
nackte Körper
Verhüllte Körper
entblößte Gesichter
Wesen
die niemals
Etwas
sagten
Wesen
die un
auf
hör
lich
Nichts
sagten
Dieser seltsame Traum
den er Tag für Tag betrat
in seinen Räumen
Räume
deren Fenster
verhangen waren
Eines Traumtages
so glaubte er
würde eine Vase aus farblosem Glas
in einem der Regale stehen
& sein Blick
würde fallen
durch das Glas
durch die Leere
durch das Nichts
auf eine Frau
ohne Maske
unverkleidet & nackt
Ihr Anblick
leicht verzerrt
durch das gekrümmte Glas
in dem er selber
sich spiegelte
Gebrochene Augen
blicke
in künstlichem Licht
& Sie
würde Etwas sagen
von dem er nicht ahnte
dass er es
sich
erträumt hatte
Ich
war nicht
ausgeschlossen.
Sonst
hätte es mich
nie gegeben.
Ich
war eine
Möglichkeit.
Deshalb
gab es
mich.
Als es mich gab
war ich
irgendwo
da draußen.
Aus
geschlossen.
Erst
hielt sie ihren Arsch hin.
Dann
hielt sie mich hin.
Als
wäre da kein Unterschied.
Nun
gut – geil waren wir
beide.
Ein An
blick……
Ein Zu
stand……
Sie: ein Ziel.
Ich: eine Sehnsucht.
Erst
hielt sie sich hin.
Dann
hielt sie mich hin.
Die Muse
die tropfend auf mir gesessen hatte
als wir uns kaum kannten.
Wir lernten
uns kennen…..
Kamen
uns abhanden.
Denn
Nichts lässt sich
halten
so
lange
man will.
Nichts hält
was es ver
spricht.
Irgendwann
nach dem Ver
lust
kommt das Ver
siegen.
Und dann
fällt mir
Nichts
mehr
Gedächtnislos
möchte ich sein
in Nächten wie diesen
da nur die schönen Erinnerungen
zu existieren scheinen
Ein schmerzvoller Kontrast
Bilder
die nicht
in den hässlichen Rahmen der Gegenwart passen
Bilder
die aus dem Zeitrahmen gefallen sind
Gedächtnis
Los
Aber nein
Nichts ist verloren
in mir
Nichts ist verloren
außer mir
Das Hundehalsband hatte Stacheln.
(Falls man etwas, das abgerundet ist,
Stachel nennen darf.)
Außerdem war es konstruiert wie
eine Schlinge – zog das Tier, oder
zog der Mensch, zog es sich zusammen.
Der Unterschied – ein Unterschied
zwischen unserem Vater & uns Kindern war:
Er
legte dem Hund das Halsband an,
wie es sich gehörte.
Wir
drehten es herum – Stacheln nach außen;
und durch einen kleinen Trick
setzten wir die Würgevorrichtung außer Kraft.
Der Vater war stark.
Er hätte den Hund ohnehin halten können.
Wir Kinder waren schwach.
Wir hätten den Hund niemals halten können.
Ich spüre noch heute
den Schmerz in den Knien;
das Brennen der dreckigen Wunden….
nachdem der Hund mich mal wieder
hinter sich her geschleift hatte.
Wäre am Anfang so wenig wie
am Ende – wäre
Alles in Ordnung.
In welcher Ordnung auch immer.
Doch am Anfang ist
mehr.
Mehr
von
Allem
was gut ist –
& nichts von dem
was weh tut.
Vergessen wäre gut
am Ende.
Doch statt des Vergessens kommt das
Vergleichen.
Was war….
Was ist….
Was bleibt….
Ich weiß,
das ist alles
furchtbar
banal.
So
wie irgendeine x-beliebige
Liebesgeschichte.
Aber – genau
deshalb kam ich ja
darauf.
Jemand rammte ihr einen Spaten in den Zeh.
An dem Abend, bevor sie zu mir kommen wollte.
Das war auch so eine Art
Anfang.
Von
irgendeinem
Ende.
Und außerdem
eine ganz andere
x-beliebige
Geschichte.
Etwas
tropfte auf den Boden
in der Finsternis
,,,,,,,,,,
In welcher Entfernung
konnte man nur schätzen
,,,,,,,,,
Die Richtung
glaubte man zu erkennen
durch konzentriertes Lauschen
,,,,,,,,
Was
war es?
,,,,,,,
Ein Sekret
vielleicht
Eine Flüssigkeit
auf jeden
Fall
Blut
Schweiß
Pisse
Sperma
Eiter?
,,,,,,
Zu viele
Gerüche vermischten sich
in der Finsternis
,,,,,
Verletzungen
Lust
Tod
,,,,
Eine nicht sichtbare Lache
Vielleicht nur Wasser
,,,
»Koste doch«, flüsterte eine un
vertraute Stimme – im Takt
der Tropfen
Die tickenden Tropfen
der verfließenden Zeit
,,
Die Orientierung ging
verloren
im Raum
,
Ein weiterer Ver
lust
ohne
Be
deutung
.
Niemand
sah ihr ähnlich
Überall
erkannte ich
nur Unterschiede
Nichts
hatte etwas mit ihr zu tun
Nirgends
hörte ich
eine Stimme wie ihre
Nie
war sie irgendwo
irgendwie nirgendwo
Und doch
Alles & Jedes
erinnerte mich
immer
an
SIE
Die orangenen Lämpchen der Radiatoren leuchteten.
Hinter ihren heißen Rippen gab es keine Frau,
die sang: »In heaven everything is fine«.
Wie in jenem Film.
2 Räume waren beheizt.
Die anderen: kalt.
Der Flur: kalt.
Temperaturunterschiede – als sei
Drinnen: Drinnen & Draußen zugleich.
Nacht.
Wie immer.
Aus der beheizten Einsamkeit des Schlafzimmers
ging ich in die kalte Einsamkeit der Küche, um
eine weitere Flasche Wasser zu holen.
Sah: die nackten Beine, die ich
vorm Tiefkühlfach fotografiert hatte……
& die nun fehlten – sah sie
in mir.
Ich brauchte keine Fotos.
Meine Kehle war so trocken
wie der Humor eines guten Bestatters.
Ich ging zurück, legte mich wieder hin, trank.
In der künstlich erzeugten Wärme –
der verwüsteten Luft.
Erinnerungsoasen schwitzten in der Einöde……
Hochsommer
Die Frau geht meine Kellertreppe hinauf
In einem Jeanskleid
Ich hinter ihr – unter ihr
»Ich bin schon wieder ganz nass«, sagt sie, »fühl mal.«
Sie bleibt stehen
Ich fasse unter das Kleid, unter dem sie
nichts trägt….
»Ja«, sage ich
»Weiter vorne«, sagt sie
»Oh ja«, sage ich
Wir lachen
»Was machst du nur mit mir?«, sagt sie
»Nichts«, sage ich
Nichts.
Luft, Lust, Trockenheit, Nässe.
Nichts bleibt.
2 Räume waren beheizt.
Ein kalter Flur dazwischen.
Orangene Lämpchen in der Nacht.
Auf dem Nachttisch: ein Bleistift.
Für den Fall, dass mir etwas einfiele.
Und ein Radiergummi.
Für den Fall, dass…..
Ein leichtes Stechen in der Brust; ein
stetiges Schlagen….
Hinter den Rippen gab es eine Frau.
Eine Frau, die
sang…..
Die Nacht lag
auf dem Kopfsteinpflaster
& glänzte schwarz
in den Spuren des vergangenen Regens.
Ein Wagen fuhr durch die Gasse, wo
nur ich passierte.
Als ich an einer Laterne vorüberging,
wurde er langsamer.
Ein Seitenfenster glitt abwärts –
ein roter Regenschirm
wurde aus der dunklen Öffnung geworfen & fiel
auf den Gehsteig.
Unaufgespannt lag er da.
Der unsichtbare Fahrer gab Gas,
und ich blieb
allein
zurück.
Mit dem Schirm.
Ich hob ihn auf & drückte
seinen Knopf.
Er öffnete
sich –
weil er es musste.
Der Stoff war voller Löcher.
Löcher unterschiedlicher Form
& Größe.
Ich schloss ihn wieder.
Nahm ihn mit
nach Hause.
Dort
fragte ich mich, was
das Alles
zu bedeuten habe.
Und kam
zu keinem
Schluss.
Und jede Nacht versuchte ich
mir Wut & Traurigkeit aus dem Leib
zu wichsen.
Was die Wut betraf,
gelang es mir –
für einige Zeit.
Die Traurigkeit
blieb
& wuchs,
da sie
wo
anders war.
Die Nähe
der Muse
war in die Ferne gezogen.
Nur ein paar Worte
blieben
zurück.
Und die Einsamkeit sang
das alte Lied:
Von der Mühe, die man sich gibt, um
etwas zu bekommen –
bleibt nichts übrig, um
es zu halten.
Dabei möchte man doch
gehalten werden.
Nur nicht
für dumm.
Und schon gar nicht
für selbst
verständlich.
Da war sie wieder –
die Resonanz.
Ein Lob
für etwas
Altes,
Vergangenes.
»Das ist einer deiner besten Texte.«
Ich erinnerte mich
nur dunkel.
Vermutlich
hatte ich ihn im Vollrausch geschrieben.
Wie so viele
damals.
Das Lob war
wie die Bestätigung
meiner Befürchtungen…..
Die Nüchternheit
ist nicht gut für dich & deine Schreiberei…..
Du solltest wieder anfangen
zu saufen…..
Egal
ob dir das bekommt
oder nicht….
Lob
bekommt mir nicht.
Oh, Moment –
Lob bekommt mir nicht?
Warum
sollte ich also wieder anfangen zu saufen,
nur um welches zu bekommen?
Von mir
oder
von Anderen….
Ich mag diese
absurden Widersprüche.
Und im Moment habe ich
so
wieso
keinen Durst.
Unterwegs.
Irgendwo.
Egal wo.
Ich höre
Musik.
Es läuft
eine Wiedergabeliste
im Shufflemodus…..
Die Liste
ist immer länger geworden,
angewachsen
über viele Jahre hinweg.
Und sie wächst weiter.
Stetig.
Mit halbem Gehirn höre ich
die Musik…..
Mit der anderen Hälfte versuche ich
das Muster des Zufalls zu erkennen.
Es muss eines geben.
Ich weiß, das es eins gibt –
denn als die Liste kürzer war,
fand ich es heraus….
immer wieder.
(Oder war es Zufall –
ein anderer Zufall, der mich glauben ließ,
es herausgefunden zu haben?)
Unterwegs.
Irgendwo.
Egal wo.
Im Leben.
Ich versuche,
das Muster zu erkennen.
Sollte ich es finden
– durch Denken oder durch Zufall -,
werde ich wissen,
was als Nächstes kommt.
Was
am Ende
kommt,
weiß ich
ohne
hin.
Solange
ich brenne
hast Du
Licht –
im Dunkel
Wärme –
in der Kälte
Knistern –
in der Stille.
Solange
ich brenne
nähre ich die Flammen
die Du
entfacht hast.
Was übrig bleibt
von mir
von Dir
von uns
ist –
immer
dasselbe.
Liebe & Tod…..
Asche zu Asche.
»Das wollte ich nicht«, sagte die Frau
im Traum des Mannes.
Der Mann erwachte
& fragte sich:
Was hat sie gemeint?
Etwas
das er sich erträumt hatte?
Etwas
das geschehen war
in der ungeträumten Wirklichkeit?
In der Wirklichkeit
konnte er sie nicht fragen.
Sie hätte ihn für verrückt gehalten –
sofern sie existierte.
Vielleicht hätte sie sogar geleugnet,
je in seinen Träumen gewesen zu sein.
Lange Zeit
lag er wach & grübelte;
wünschte sich –
wieder einzuschlafen.
Als es ihm endlich gelang,
musste er sie lange suchen.
Als er sie endlich fand,
hatte er die Frage vergessen
in der Wirklichkeit.
In jeder Kindheit
gibt es ein verlassenes Haus,
in dessen Nähe man wohnte.
Versteckt
in einem verwilderten Garten;
umrankt von
Phantasien
Ängsten
& Faszination.
Meines lag am Ende der Straße,
das eigentlich kein Ende war – nur
eine Biegung, wo die Straße einen anderen Namen bekam.
Kaum sichtbar war es,
hinter Hecken, die hinter einem verfaulten Zaun wucherten,
hinter Bäumen, die so gigantisch waren, wie sie es nur
in der Kindheit sein können.
Wir Kinder wussten
nicht, wessen Adresse dies gewesen war.
Unsere Vorstellungen lebten darin.
In kahlen kalten Räumen voller Staub
& huschendem Getier; in der Geräuschkulisse
der raschelnden Blätter, die der Wind durch die zerbrochenen Fenster
des oberen Stockwerks ins Innere geweht hatte.
Nur ein einziges Mal
betraten wir das Grund-
stück.
Das Gartentor knarrte & quietschte wie ein antikes Klischee.
Wege waren Vergangenheit; Alles war
überwachsen.
Ein umgekippter Teich trübsalte stinkend unterm Algenteppich;
ich erzählte eine Geschichte von ruhelosen Toten, die
unter dem Garten wohnten, man müsse nur
in den Teich springen, um sie zu besuchen.
Die Anderen lachten
mit Gänsehäuten.
Einer Frau aus Stein fehlte das halbe Gesicht.
Alles wirkte wie erfunden.
Und war doch greifbar.
»Gehen wir rein?« fragte einer.
Er meinte das Haus.
Groß & grau & verwittert
schien es lebendiger
als die Natur ringsum.
Die unteren Fenster waren mit Brettern vernagelt.
»Es könnte einstürzen«, sagte ein anderer.
Eine ausladende Treppe führte einige Stufen aufwärts
zum Eingang. Niemand wollte ein Feigling sein. Das
Geländer war zerbrochen. Ein Trauerflor
aus schwarzem Schimmel hatte sich über die Ränder der Tür
gebreitet. Ein großes Netz reichte vom Türknauf aus Schmiedeeisen
bis zur Ecke des Rahmens links oben; gelb & schwarz gestreift
hing die Spinne in ihrer Vorratskammer.
»Das ist eklig«, sagte ichweißnichtwer. »Ich geh da nicht rein.«
Niemand wollte ein Feigling sein.
Und doch sagte niemand etwas
dagegen.
Und selbst wenn wir es gewollt hätten,
wären wir nicht hineingekommen –
redeten wir uns ein.
Nur ein einziges Mal
betraten wir das Grund-
stück
in der Wirklichkeit.
Wie oft
ich in meinen Träumen dort war,
kann ich nicht sagen.
Nachts blickte ich in die Innenräume,
denn nachts steckte immer ein Schlüssel im Schloss;
oder die Tür war angelehnt &
das Netz zerrissen.
Ich fühlte, die Spinne war da –
aber ich sah sie nicht.
Das Herz schlug
wie eine wahnsinnig gewordene Uhr,
und manchmal ahnte ich,
dass Bela Lugosi im Nebenzimmer auf mich wartete.
In jeder Kindheit
gibt es ein verlassenes Haus,
in dessen Nähe man wohnte.
Doch
nicht jeder weiß davon.
Nicht jeder träumt davon.
Niemals
wird das Haus, in dem ich heute lebe, so sein
wie dieses Haus meiner Kindheit.
So schön,
so verborgen,
so geheimnisvoll.
Aber es wohnen Menschen in meiner Nähe,
die es für verlassen halten.
Für unbewohnt.
Und das ist schön.
Vielleicht
träumt irgendwo
ein Kind
von meinem Haus;
träumt sich hinein
in meine Räume.
Vielleicht
ist es gerade
hier
irgendwo.
Und ich
bin die Gestalt
im Nebenzimmer.
Wenn ich wüsste, wo
der Mittelpunkt
sich befindet,
in dem
so Viele
gerne stehen,
würde ich
bewusst
mich von ihm
entfernen.
Doch
ich muss es gar nicht wissen –
denn
unbewusst
habe ich mich
schon immer
zurückgezogen
an den Rand.
Der Mittelpunkt
ist eng
ist klein,
der Rand
ist weit
& groß.
Der Mittelpunkt,
um den sich alles dreht,
ist wie das Loch einer Schallplatte….
ein stillstehendes Nichts.
Der Rand
ist in Bewegung.
„Er lebte sehr zurückgezogen“,
lautet mein Lieblingssatz in Biographien.
Und am liebsten
würde ich so zurückgezogen leben,
dass nicht einmal jemand ahnt,
wie zurückgezogen ich lebe.
Du hast mich
versetzt.
In Dich hinein.
Ich versetze Dich.
In mich.
So sind wir
Wir.
Immer
in
uns.
Zusammen.
Sei still.
Bewege
dich
nicht
von
der Stelle.
Dann
finden dich
vielleicht
die Worte
die bewegen.
Hoffnung
muss man aus
wendig
lernen.
Wie
ein Gedicht,
das einen durchs
Leben
begleitet.
Für die
dunkelsten Momente –
in denen man
sie & sich
längst aufgegeben hat
& nur noch auf
das Erinnerungs
Vermögen
Verlass ist.
Niemals
sah sie ihn
in Schuhen
Niemals
traf sie ihn
im Freien
Niemals
schien die Sonne
zur selben Zeit
auf sie beide
Sie
trafen sich
in Innenräumen
Träumen
unter Decken
zwischen Wänden
Mauern
im künstlichen Licht
Ungeschützte Schritte
im Schutz des Innern
Und
wenn sie sein Haus betrat
zog sie
als erstes
ihre Schuhe
aus
Und
er betrachtete sie
Und
barfuß gingen sie
gemeinsam
in
einen anderen
Raum
im Inneren
frei
Vergiss nicht:
Wir haben noch eine Verabredung
unter der Brücke jener Stadt
die mir fremd ist
& die Du
schon kennst.
Wie wir darauf kamen?
Wir betrachteten ein Foto –
diese Brücke
bei Nacht
im Schein des Laternenlichts
romantisch & schön….
Und Du sagtest:
Da war ich schon mal….
Es gibt unheimlich viele Ratten
unter dieser Brücke.
Und ich sagte:
Ich habe nichts
gegen Ratten.
Und so
machten wir es
aus –
wir
würden dorthin
reisen
gemein
sam
uns trennen um
uns
zu treffen
unter der Brücke
uns halten
uns küssen
uns lieben
den Geräuschen der Ratten lauschen
& das Glitzern der Nacht in ihren Augen betrachten
Vergiss nicht:
Die Ratten warten
auf uns.
Der Abgrund
neben dem Bett
war tiefer als erwartet.
Und doch
konnte ich dort stehen
& herabsehen
auf das Bett
das wie eine Insel war.
Die Geliebte
lag darauf ….
& im zittrig-orangenen Licht der Kerzen
streckte sie ihre Arme aus
wie ein Kind
das aufgehoben werden möchte.
Hätte die Wirklichkeit einen Sinn
für Symbole & Poesie
wäre in jenem Moment
eine Sirene zu hören gewesen –
die Sirene eines Rettungswagens.
Allein –
es war
ganz still.
Ganz
still.
Und alles schien
verkehrt –
denn
ich war es
der aufgehoben werden wollte.
Aus dem Abgrund
ließ ich mich fallen
in die Arme….
& Alles
war
richtig.
Im tiefsten Schnee
den man sich denken muss:
eine schwarz verhüllte Gestalt
die man nicht sehen kann
weil sie nicht da ist.
Und man weiß nicht:
Ist er nie gefallen
oder nur
dahingeschmolzen;
hat sie nie existiert
oder ist sie nur
verschwunden.
»Sieh mal, da
hast Du etwas
kaputt gemacht.«
»Was? Wo?
Ich sehe nichts.«
»Eben.«
–
Etwas Unsichtbares
ging
zu Bruch.
Splitterte
in eisiges
Schweigen
mitten
in der Nacht.
Und
da es unsichtbar war
blieb nur
die Hoffnung
alle Bruchstücke
wiederzufinden
durch
vorsichtiges
Tasten
& Fühlen.
Gewissheit
Alles
wiedergefunden zu haben
würde es
niemals
geben.
Ledig
lich
die nagende Angst
ein
(vielleicht nur winziger)
Splitter
könnte
für immer
verloren
sein.
So viele
verpasste Gelegenheiten.
Ich habe es sogar verpasst,
jung zu sterben.
Das bedeutete:
Noch mehr
verpasste Gelegenheiten.
Ein Dichter
sollte sterben
als Metapher.
Im besten Fall.
Er brach ein
auf zu dünnem Eis
als er den Freund
retten wollte.
Erfolglos.
Es ist
manchmal
als änderte die Zeit
die Wellenlänge
des Lichtes
Das Licht der Lieblingslampen
anheimelnd
warm
& vertraut
wird zu
Schwarzlicht
Fremd
erscheint einem
Alles
& kalt
was man in
anderem Licht
kannte
Man sieht
die Flecken
die unsichtbar gewesen waren
Sieht
den Dreck
dessen Existenz man
in manchen Augenblicken
nur befürchtet hatte
Er leuchtet
hell
Doch
nichts
Wesentliches
hat sich verändert.
Nur
eine Wellenlänge
Man könnte
einfach
die Augen
schließen
wenn
es
einfach
wäre
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