Manchmal
setzte ich mich mit einem Reclam-Heft oder
einem Donald-Duck-Comic
in irgendeine Ecke
des menschenleeren Schulhofs;
manchmal
ging ich in den nahegelegenen Plattenladen, um
in den Singles zu stöbern.
Meistens aber
lehnte ich mich gegen das Geländer meiner liebsten
Eisenbahnbrücke & schaute hinab
auf die Schienen.
Ich war der einzige Schüler der Grundschule, der
(was damals ungewöhnlich war) regelmäßig
1 oder 2 Freistunden hatte.
Und jeder Atemzug dieser Stunden hatte
einen besonderen Geschmack.
Frei.
Frei.
Frei!
Ich schaute hinab,
kannte jede Maserung, jeden Riss in den alten Holzschwellen;
und der Schotter im Gleisbett bedeutete mir mehr als
die Kiesel am Meeresstrand.
Ich wartete.
Wartete auf mein Verschwinden.
Wartete auf das Verschwinden der Welt um mich herum.
Manchmal
erblickte man den Dampf – bevor man die Lokomotive sah oder hörte;
manchmal
hörte man die Lok – bevor man sie oder den Dampf sah;
und manchmal kam alles gleichzeitig.
Das Rollen, das Donnern, das Rattern, das Scheppern, das Zischen …..
Der Klang der Ferne, die sich näherte.
Die Vorfreude.
Gewölk aus einem fahrenden Schornstein kam auf mich zu;
eine künstliche Nebelbank zum Ausruhen & Vergessen.
Und dann sah ich nichts mehr.
Alles weiß
um mich herum.
Ich selber:
unsichtbar für alle Anderen.
Der einzigartige Geschmack des Dampfes.
Die Wonne der verlorenen Orientierung.
Frei.
Frei.
Frei!
Ich
allein.
Im Nebel, der
begreifbar war.
Ich atmete ihn ein.
Atmete tief.
Wie im Rausch.
Während den Anderen
in einem stickigen Schulzimmer,
das ich nur zu gut kannte
& gar zu sehr hasste,
irgendeine Religion
eingetrichtert wurde.
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Nichts als Dampf
Das Foto im Schnee
Schnee fiel auf das Foto, auf dem Schnee fiel.
Viel Schnee fiel
in der Gegenwart –
war gefallen
in der Vergangenheit.
Viel Schnee fiel
in Gegenwart der Vergangenheit.
In der Gegenwart, die vergehen würde …..
Wie der Schnee, der gefallen war,
wie der Schnee, der fiel.
Ich hatte das Foto verloren.
Das Foto, das mir so gefallen hatte.
Ein gefrorener Augenblick kalter Kindheit.
In Schwarzweiß, das beinahe niemals schwarzweiß ist.
Weiß war der Schnee, doch grau
der Anorak, der eigentlich rot gewesen war.
Ein Rot, das ich seither an seinem Grauton erkenne.
Ich lachte aus der Kapuze,
winkte mit dem Fausthandschuh
in die Spiegelreflexkamera.
Glücklich frierend.
Glücklich, weil es so schnell
bergab gegangen war
mit mir –
& dem Schlitten.
Glücklich, weil ich in diesem kurzen Moment
nicht an den Aufstieg dachte, nicht an
die Anstrengung.
Nicht an mich,
wie ich Jahrzehnte später
das Foto betrachten,
nicht daran, wie mein zukünftiges Ich
in das Foto & diesen Augenblick
hineinschauen, hineinfallen würde.
Das Foto, auf dem Schnee fiel,
war in den Schnee gefallen, auf den
immer mehr
Schnee fiel.
Schauer folgte auf Schauer.
Ich wußte nicht, wo ich
es, das mir so gefiel, verloren hatte.
Konnte mich nicht erinnern, wo
die Erinnerung mir aus der Hand geglitten war;
weich fallend in die Kälte.
Doch ich hatte Zeit. Vermutlich.
Ich würde warten. Wahrscheinlich.
Einfach warten
bis der Schnee, der fiel,
Vergangenheit war.
Der alte Witz
Der Tag begann
wie ein alter Witz,
den man schon tausendmal gehört hat.
Niemand
lachte.
Alle
erinnerten sich – – –
Damals.
Als er einem
zum ersten Mal
erzählt wurde …..
So neu
So frisch
Man hatte gelacht.
Herz-
er-
frisch-
end.
Jetzt
konnte man nicht einmal mehr
müde lächeln.
Die Wiederholung war
ein Ärgernis;
der Erzähler
ein Idiot.
Doch vielleicht war für ihn,
der ihn erneut vortrug,
der Witz so neu
so frisch
wie er es
einst
für die Zuhörer gewesen war.
Ihr Damals
war
sein Jetzt.
Der Tag würde kommen,
an dem auch er,
der Erzähler,
nicht mehr darüber würde lachen können.
Auch sein Jetzt
war dazu verdammt
Damals zu werden.
In der Zwischen-
zeit
ging der Tag,
der so begonnen hatte,
weiter.
Memoiren
Eine grobe Skizze
Einige willkürliche Striche
gezeichnet
mit einem stumpfen Bleistift
auf Millimeterpapier
Das Blatt
herausgerissen
aus einem Block
der verloren ging
Die Mine bricht ab
& das Blatt
vergilbt.
Zerfällt
mit der Zeit.
Zu ähnlich
Mein Leben
sieht mir ähnlich
Mit-
unter
all-
zu
ähnlich
Nicht immer
gefällt mir
was
ich
darin
sehe
& wieder-
erkenne.
Trübe Spiegelungen
In den Spiegeln
In den Glasscheiben vor den Bildern
In den Fenstern
die verdunkelt sind
kann ich
Mich
kaum noch
erkennen
Denn der Rauch der Jahre
liegt wie ein Film
auf ihnen
Ein Film
in grauen Tönen –
Ausgeatmetes Gift
das auf meiner Reflexion ruht
Der Atem meiner Vergangenheit
Der Rauch
der Nervosität
Der Rauch
des Genusses
Der Rauch
der Gewohnheit
Der Rauch
der Sucht
Bilder
hinter vergangenem Rauch –
vielleicht
ein Ich
hinter
dem Film
meines Lebens.
Ein Teppich aus Holz
Manchmal ist das Leben
ja
so ….
Man
legt
einen Teppich
aus Holz
aufs
Parkett –
Tanzt
oder
fliegt
& weiß nicht
worauf.
Weil man nichts mehr
unterscheiden kann.
Fort
Eben war es noch da.
Nun ist es fort.
Gerade als ich
angefangen hatte
es für selbstverständlich zu halten.
Nichts & Niemand
mag es
für selbstverständlich gehalten zu werden.
Auch ich nicht.
Deshalb
bin auch ich
jetzt
Rechtzeitig verschwinden
Ich habe keinen Regenschirm,
aufgespannt überm Bett,
trage keine Zipfelmütze auf dem Kopf;
zerdrücke kein Ungeziefer
zwischen meinen Fingerspitzen.
Die Vorstellung ist so poetisch;
das Bild so poetisch – &
(wie immer)
die Realität: ein
wahrer
Dreck
dagegen.
Ich friere.
Habe mir
zum ersten Mal in meinem Leben
Geld geliehen,
um heizen zu können.
Friere weiter.
Es kann nur
schlimmer
werden.
Viel mehr Alter
werde ich mir
nicht leisten können.
Rechtzeitig verrecken!
ist die Devise.
Ich arbeite daran.
Mein ganzes Leben lang.
Die einzige Arbeit, die
mir Spaß macht.
Erst glaubten sie,
ich würde meine Kindheit
nicht überleben.
Dann sagten sie mir,
ich würde keine 30 werden.
Und jetzt
hänge ich mit 52 immer noch
hier herum.
Kein Grund
zu lamentieren.
Denn
hätte der Mensch eine Wahl,
hätte ich diesen Weg gewählt.
Und es wird wieder
wärmer werden,
bevor es wieder kälter wird.
Und es bleibt
die Hoffnung –
rechtzeitig
zu verschwinden.
Vielleicht
in einem Bild.
Mit einem aufgespannten Regenschirm
über dem Bett;
einer Zipfelmütze auf dem Kopf –
während das Ungeziefer
mich auffrisst.
Aufmerksamkeit & Wahrnehmung
Was mir entgeht
ist auf der Flucht
aus meinem Leben
Was mir entgeht
könnte
das Wichtigste sein
Nichts
soll mir entgehen.
Ich will
Gefangene machen!
Mein Leben
Meine Sinne
Mein Gedächtnis:
Ein Gefängnis
für jede Kleinigkeit –
Alles
wahr
nehmen
Nichts
übersehen
Nichts
überhören
Nichts
überriechen
Nichts
überschmecken
Nichts
überfühlen
Alles
überdenken.
Spinne im Glas
Noch nie
habe ich gesehen, dass
eine Spinne,
gefangen in einem Glas,
anfing
zu spinnen.
Aus Angst?
Aus Verzweiflung?
Aus Unfähigkeit?
Weil Fäden im Glas
nicht halten? …..
Oder doch
vielleicht
aus Hoffnung
auf Befreiung?
Noch nie
habe ich gesehen, dass
eine Spinne,
gefangen in einem Glas,
anfing
zu spinnen.
Wir haben
so wenig
gemeinsam.
Kaputte Uhren
Traditionen
Gewohnheiten
Zerstreuungen
hängen an den Wänden
an den Mauern
des Lebens
wie kaputte Uhren
die
zu langsam
gehen
Wer sie nicht herunter
reißt
wird
die Zeit
nicht begreifen
& nie verstehen
warum das Leben
so
schnell
vergangen
ist
Unterlassungsgründe
»Sie trinken?«
»Ja.«
»Viel?«
»Ja.«
»Um zu vergessen?«
»Ich glaube schon.«
»Was wollen Sie vergessen?«
»Was ich nicht getan habe.«
»Nicht das, was Sie getan haben?«
»Nein.«
»Warum?«
»Das war nicht viel.«
»Vielleicht hatten Sie gute Gründe.«
»Vielleicht.«
»Abgründe?«
»Schon möglich.«
»Was haben Sie nicht getan?«
»Alles mögliche.«
»Und? Funktioniert es?«
»Was?«
»Das Vergessen.«
»Ich glaube schon.«
»Sie glauben? Warum?«
»Ich weiß nicht, warum ich es nicht getan habe.«
»Wußten Sie es je?«
»Ich weiß es nicht.«
Ein Gleichnis für Irgendwas
Schwarze Wolken in einer Neumondnacht –
man weiß, dass sie da sind,
doch man kann sie nicht sehen.
Sie müssen da sein, denn
man sieht die Sterne nicht, die
über ihnen leuchten.
Man spürt den Wind & weiß,
dass die Wolken in Bewegung sind.
Erfahrungen. Nichts als Erfahrungen.
Schwarze Wolken in einer Neumondnacht.
Das ist nicht komisch
Der meiste Alkohol
wird durch
Diejenigen
verschüttet
die ihn
am nötigsten brauchen
Das ist nicht
komisch
aber
wenigstens
ist es
symbolträchtig
& dadurch
fast
so wertvoll
wie
der
verschüttete
Alkohol
Die Stärke der Einsamkeit
Die Gelassenheit hört auf
wenn man sich
alleingelassen
fühlt
& die Einsamkeit
macht
einen
schwach
Doch wenn man
allein
gelassen
bleibt
beginnt
die Stärke
der
Einsamkeit
Zerstückelt
Der Arsch war noch ganz.
Kopf & Hände intakt.
Aber nur 1 Titte war heil geblieben.
Ich weiß nicht mehr, wo ich sie her,
weiß nicht mehr, wie lange sie
dort gestanden hatte ….
Auf der Heizung
im Bad,
der Kloschüssel gegenüber.
Sie fiel
meinem berauschten Gang
zum Opfer,
fiel
auf die Fliesen;
brach
meinetwegen
in unzählige Stücke,
groß & klein.
Flüche
Ärger
Trauer
Sie war hohl
innen. Das hatte ich
nicht sehen wollen.
Was noch kenntlich war,
hob ich auf; der Rest
kam in den Eimer.
Ich fiel nicht.
Ich brach nicht.
Doch ich fühlte mich
im Eimer ….
hohl ….
& kaputt ….
noch einsamer
vielleicht,
was unsinnig war.
Ihre Überreste
tat ich zurück
auf die Heizung;
ordnete
sie
neu.
Eine
zerstückelte
Erinnerung.
Mir
fiel
ein:
Aus allem, was zerbricht,
kann man
sich etwas Neues zusammensetzen.
Ein wirklicher Trost
war das
keineswegs.
Aber
besser als
gar nichts.
Haltegriffe
Regeln sind wie
Haltegriffe
in öffentlichen Verkehrsmitteln
Man hält sich daran fest
um nicht
in der Masse
auf die Fresse zu fallen.
Denn sie könnte
einen
tot-
trampeln.
Neue & alte Eindrücke
Neue Eindrücke zu sammeln
ist so einfach; irgendwo
da draußen …..
& man schüttet sie
in die Innere Leere, die
immer hungrig ist,
niemals satt.
Manchmal
ist es einfach
erfüllender –
alte Eindrücke
mit neuen Augen zu sehen.
Und die neuen Augen
lauern überall –
in einem selber.
Man muss nur bereit sein,
die alten Augen zu öffnen &
zu suchen –
ohne Ablenkung ….
ohne Zerstreuung ….
in Ruhe
irgendwo
da drinnen.
Nähe & Zeit
Nähe wird
nicht nur
durch den Raum
bestimmt –
sondern auch
durch die Zeit.
Wer sich nicht
genug Zeit nimmt
um sie
Anderen
zu geben
wird
niemals
die Nähe finden
die
er
sucht.
Der Glaube
Ich glaube
wer glaubt
der Tod sei
nicht
das Ende
neigt noch mehr als
alle Anderen
zur
Vergeudung von Zeit
Nein –
ich glaube es nicht –
ich denke es
Denn
Eines weiß ich:
Ich glaube
an
Nichts.
Wertschätzung
Manches
muss man einfach
wegschmeissen
verkaufen
verschenken
verlieren
um es
angemessen
zu vermissen.
Besitz
der nicht endet
macht
unendlich
blind.
Die Lebenslüge
Leben:
Man tut einfach so
als wäre man
nicht
da
Dann
stirbt man –
& schon
ist
die Lebenslüge
wahr
Schmetterlingssammler
Ich möchte nicht enden
als Schmetterlingssammler
Ein einsames Haus
voller Schaukästen
Darin
aufgespießt auf Nadeln
die bunten Leichen
der Schmetterlinge
Leben
das
in Netzen gefangen wurde
Flattern
Flug
Farbe
wurden zu
Stillstand
Fixierung
Präparation
Das schönste Gefühl ist
das Kitzeln der Flügel
eines verirrten Schmetterlings
in den Handflächen
kurz bevor
man ihn
in die Freiheit
entlässt
Manchmal
ist sogar
der Bauchschmerz
ein schönes Gefühl
Das alte Radio
In meiner Kindheit war ich
klug. –
In meiner Jugend
dumm. –
Nun –
ist es
zu spät.
Ich liebte das Radio, das
auf dem Nachttisch meines Vaters stand.
Das warme Licht
der Röhren;
die Zahlen
der Skalen;
die Knöpfe,
die Tasten,
die Regler.
Den Klang.
Irgendwann kaufte er sich
ein neues Radio.
Transistoren.
Kalte Farben.
Kein Licht.
Ein flacher Klang.
Ich bekam
das alte Radio.
In meinen schönsten Kindheitsnächten
war es meine einzige Lichtquelle,
mein schönstes Geräusch,
wenn alle schliefen.
Ein Rausch.
Eine Wärmequelle.
Ein Lagerfeuer.
Stimmen & Noten.
»Kann das weg
oder willst Du’s behalten?«
fragte meine Mutter.
Sie mistete den Keller aus.
Lange
nach dem Tod meines Vaters.
Ich war kein Kind mehr.
War
voller Hass
auf
Vieles.
Voller
Gleichgültigkeit.
Voll
scheinbarer
Kälte.
Und doch
voll
Feuer.
Ich war –
keine Ahnung.
»Weg«, sagte ich. »Das
brauche ich
nicht
mehr.«
Es gibt noch
alte Schwarzweiß-Photos,
auf denen das Radio
zu sehen ist.
Mein Vater liegt daneben.
Photographierte
Musik.
Ich bin
kein Kind mehr.
Nicht mehr jung.
Klugheit
Dummheit
Hass
Gleichgültigkeit
Was gäbe ich
heute
für das warme Licht der Röhren;
die Zahlen der Skalen;
die Tasten;
die Regler;
den Klang …..
Dieses Geräusch.
Diesen Rausch
der Kindheit.
Dieses Feuer.
Vielleicht
ist auch das
nur
Dummheit …..
Wie auch immer –
es
ist
zu
spät.
Die Blase in der Folie
Es geht
niemals
glatt
wenn man
eine Folie
auf etwas
klebt
das sich
bewegt
wie
das Leben.
Selbst wenn es
stillzustehen
scheint. –
Irgendwo ist
immer
mindestens
1 Blase.
Gefangene Luft.
Eingeschlossene Luft.
Atem
vielleicht.
Ein
Atem –
Aus
Atem –
Eine hässliche Beule
die sich
nicht
glattstreichen lässt …..
Man kann
hinein
stechen
(es bliebe
ein Loch).
Man kann
die Folie
herunterreissen,
von vorne
beginnen.
Doch
am besten
lässt man
die Folie
von vornherein
weg.
Denn
schöner
wird’s nicht.
Niemals.
Wassertropfen
Der Wasserhahn leckt ….
Die Dichtung
ist zu alt ….
Tropfen fallen
in einen halbvollen Topf ….
Die meisten von ihnen
verursachen
ein Geräusch
das sich von den Geräuschen der
anderen
nicht unterscheiden lässt ….
Dabei sind sie
alle
unterschiedlich –
& jeder einzelne Tropfen
verändert
den Inhalt
des Topfes ….
Schon deshalb
muss der nächste Tropfen
wiederum
anders
klingen
als
sein Vorgänger ….
Und doch
reicht oft nicht einmal
ein Absolutes Gehör
um
die Unterschiede festzustellen ….
Eine traurige Melodie
die nicht gehört wird –
nur weil
die Töne
sich
zu
ähnlich sind.
Was ich verdiene
Natürlich habe ich meinen Untergang verdient.
Ich habe noch nie um eine Gehaltserhöhung gebeten.
Ich kann locker irgendwo über 20 Jahre lang arbeiten –
& dann immer noch dasselbe Gehalt bekommen wie
am Anfang.
Für das praktische,
pragmatische
Leben
bin ich
einfach
nicht
geschaffen.
Ich würde mir schäbig vorkommen,
wenn ich um irgend etwas bettelte.
Handelte.
Lieber schränke ich mich ein.
Stolz. Stolz. Stolz.
Das, was andere Dummheit nennen.
Ja, streicht mir doch ruhig noch etwas von meinem Gehalt!
Ich werde nicht winseln.
Nicht bitten.
Nicht betteln.
Ich werde schweigen.
Und auf alle anderen
herabsehen.
»Wie viel verdienst Du?« mag man mich fragen. –
Ich werde antworten:
»Mindestens
meinen Untergang.
Plus Zulage.«
Rauchzeichen
Nichts
war geplant.
So
war
es
nicht geplant.
Sie
hatten
keinen
Plan.
Waren planlos
wie immer.
Der Zufall agierte
als wüsste er
was er tat.
Die Frau
glaubte nicht an
Zufälle.
Der Mann
glaubte an
gar nichts
auch nicht an
das Gegenteil.
Sie begegneten sich
in
virtuellen Räumen
realen Träumen
irgendwo
zwischen
Sehnsucht
Angst
Gewohnheit
& Einsamkeit.
Stille Worte
wurden geschrieben
wurden gelesen.
Der Mann erkannte ein Zitat
von Seneca
in der Biographie der Frau.
Seneca war der Lieblingsphilosoph
seines Vaters
gewesen.
Des Vater, dem der
Stoizismus
nicht geholfen hatte ….
Nicht geholfen hatte
im Leben
nicht geholfen hatte
beim Verrecken –
dem Verrecken
das so langsam
so quälend gewesen war
wie das Verrecken
ihres Vaters …..
Und der Zufall setzt die Maske auf,
die Maske der Vorsehung –
er hüllt sich in ein fremdes Gewand –
das nach Schicksal riechen soll …..
2 Väter, die
dieselbe Zigarettenmarke geraucht hatten;
eine Marke der Vergangenheit –
die es längst
nicht
mehr
gab.
Rauchzeichen,
in denen die Frau las.
Rauchzeichen,
die für den Mann
bloß Rauch waren, den
der Zufall
zeichnete.
Und sie las,
was er schrieb.
Der Zufall.
Der Mann.
Geträumte Räume ….
Geräumte Träume ….
Und die Frau besuchte
den Mann
in dem Haus, das
seine
Realität
war.
Sie besuchte ihn
am Geburtstag
seiner
Großen Liebe.
Der vergangenen Liebe –
die ihn beinahe
das Leben gekostet
hätte –
tatsächlich aber
die meisten Teile
seines Lebens
gekostet
hatte …..
….. wenige Minuten nachdem
der Brief einer anderen Frau
(durch den Briefschlitz geworfen)
auf seiner Fußmatte gelandet war.
Und der Zufall setzt die Maske auf,
die Maske der Vorsehung –
er hüllt sich in ein fremdes Gewand –
das nach Schicksal riechen soll …..
»Ich brauche niemanden«, sagte sie, »ich kann
gut
alleine
leben.«
»Ich brauche niemanden«, sagte er, »ich kann
gut
alleine
leben.«
Er liebte Beine.
Zufällig hatte sie welche.
Zufällig waren sie schön.
Er liebte Ärsche.
Zufällig hatte sie einen.
Zufällig war er schön.
Er liebte Gedanken.
Zufällig hatte sie welche.
Zufällig waren sie schön.
Er liebte Gefühle.
Zufällig hatte sie welche.
Zufällig waren sie schön.
Im Keller seines Hauses
war der einzige Raum
in dem
geraucht werden durfte.
Die Frau wollte rauchen.
Eine Marke, die es
noch
gab.
Eine Marke
der Gegenwart.
Sie gingen hinunter.
Gebräunte Tapeten;
gebräunt
vom Rauch der vergangenen Jahrzehnte.
Gebräunt
vom Tabak der Vergangenheit.
Und auf einer der Tapeten –
ein Poster …..
Auf dem Poster –
ein Schriftzug …..
»Little ole Wine Drinker me«
Ein Foto von
Dean Martin.
Die Frau schwieg.
Wenn ihr Vater, der Spieler,
betrunken gewesen war,
sang er
immer wieder
diesen
Song.
»…. with a broken heart
and a woman on my mind ….«
Nichts
war geplant.
So
war
es
nicht geplant.
Sie
hatten
keinen
Plan.
Waren planlos
wie immer.
Der Zufall agierte
als wüsste er
was er tat.
Die Frau
glaubte nicht an
Zufälle.
Der Mann
glaubte an
gar nichts
auch nicht an
das Gegenteil.
Auch sein Vater hatte
gespielt.
Hatte
verloren.
»Ich brauche Dich«,
sage ich.
»Ich brauche Dich«,
sagt sie.
Musik läuft
im Hintergrund.
Und ich
beginne
im Rauch
zu lesen
Tagebücher eines Toten
Du liest die Tagebücher eines Toten
Tausende & Abertausende von Seiten
Details eines erloschenen Lebens
Vergangener Alltag
Vergangene Banalitäten
Das erloschene Leben
entzündet Deine Phantasie
& ersteht auf
Vergangene Jahre vergehen
erneut
in Dir
Doch jedes Wort
jeder Buchstabe
bringt Dich dem Tode näher
Du bewegst Dich
auf das Ende zu
Auf das Ende der Aufzeichnungen
Auf das Ende des fremden Daseins
Auf das Ende Deiner eigenen
Existenz.
Und Du
hast
kein
Tagebuch
geführt.
Sondern nur
ein Leben
vielleicht.
Es erlischt.
Du erlischt.
Du entzündest nichts mehr.
Du bist
Nichts.
Und warst
vielleicht
Nie.
Das als Optische Täuschung getarnte Gleichnis
Dass ein vorwärts laufendes Rad
ab einer bestimmten Geschwindigkeit
aussieht, als
laufe es
rückwärts,
ist
in Wahrheit
keine Optische Täuschung,
sondern
ein
Gleichnis.
Bis später
»Bis später«, sagte
das Leben.
Doch
sein »später«
war
der Tod.
Der wahre Treffpunkt
für das Leben
wurde
zur Vergangenheit.
Die Gegenwart
war blind gewesen
für
die Zukunft.
Die Zukunft
war
später.
Das Leben
vorüber.




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