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Die Kotze im Waschbecken

Da war diese Party ….
Wir pubertierten wild vor uns hin.
Es wurde gefressen, gesoffen, geraucht
im Keller eines Freundes. Viele
viele Menschen.
Schon damals
eigentlich
zu viele
für mich.

Es wurde mit Essen geworfen,
Nudeln klebten an den Tapeten.
Schallplatten zerbrachen.

Die Eltern des Freundes waren
abwesend.

Die Gäste der Party tanzten.
Ohne mich.

Ich hörte nur auf –
die
Musik.

Irgendwann hieß es:
»Da hat jemand ins Waschbecken
gekotzt. Derjenige, der’s war,
soll’s gefälligst wieder wegmachen.«

Niemand meldete sich.

Das schönste Mädchen der Party
hatte kein Problem damit.
Da es sonst keiner tun wollte,
ging sie ins Bad, um sauber zu machen.

Anschließend berichtete sie ….
Das Waschbecken war halb voll gewesen;
der Stöpsel hatte gesteckt.
Sie beschrieb alle Details in allen
Farben ….. Der tiefe Griff hinein, um
den Stöpsel zu ziehen …. Ohne
Handschuh …. Die
Brocken, die nicht durch den Abfluss
gepasst hatten …..

Sie machte sich einen Spaß daraus,
es auszumalen.
Dann ging sie reihum.
Streichelte beinahe jedem
in diesem Keller
die Wangen.

Fragte:
»Na, hast Du in das Waschbecken
gekotzt?«

Manche wichen zurück.
Niemand gab es zu.

Ich wartete.
Wartete auf ihre
Berührung.

Sie war
so schön.
Mit ihren langen langen
Haaren.

Fast konnte ich ihre Hand
schon auf mir spüren ……
Malte mir ihre Berührung aus.

Aber
sie kam nicht
zu mir.
Mich
streichelte sie nicht.

Irgend etwas
hielt sie zurück.
Im letzten Moment.

Vielleicht spürte sie
meinen Wunsch
zu stark.

Vielleicht wollte sie mich
verschonen.

Wie auch immer –
ich war es nicht gewesen,
der ins Waschbecken gekotzt hatte.

Damals.

Ich hatte auch nichts
gegen die Wände geworfen.

Ich hatte nur der Musik zugehört.
Und von diesem Mädchen geträumt.

So schön
mit ihren
langen langen Haaren.

Aber sie berührte mich nicht.

Nicht
einmal

mit ihrer zarten Hand, die
in die Kotze
gegriffen hatte.

Ich war enttäuscht.
Und lauschte weiterhin

der Musik.


In Farbe

Ich starre auf Dein Foto

Ein Foto aus Deiner Vergangenheit
die ich verpasst habe

Deine Augen sind so traurig
in schwarzweiß

Damals schautest Du
verloren
in eine Kamera

& ich weiß nicht
wer sie hielt

Damals

Egal wie weit weg
dein Blick auch war

Er trifft mich in
unserer Gegenwart

& ich halte
Dich

in Farbe


Dein Hund

Eigentlich bin ich ein
Wolf

Aber
sobald Du
weinst

bin ich
Dein Hund

der sanft
seine Pfote
auf dein
Knie
legt


Dunkelheit

Du hast Angst
in der Dunkelheit?

Ich erinnere mich
an dieses Gefühl.

Kindheit.

Aber
in meiner Dunkelheit

brauchst

Du

keine

Angst

zu haben.


Das Ziel

Sie hatte sich verlaufen.
Blickte verloren
mit traurigen Augen
um sich.
Ich konnte nicht
an ihr
vorbeigehen.
Doch
ansprechen
konnte ich sie auch
nicht.
Sie
tat es.
»Entschuldigung«, sagte sie,
ich weiß nicht mehr,
wo’s langgeht.«
»Ich auch nicht«, sagte ich,
»wo wollen Sie denn hin?«
»Ich habe das Ziel
vergessen.«
»Das macht nichts. Ich kann
Sie trotzdem
dorthin
bringen.«
Ihr trauriger Blick
zweifelte.
»Wohin?« fragte sie.
Ich sagte:
»Zum Lachen.«


Rechenkünste

Beinahe hätte ich ausgerechnet

Dir

1 Gedicht
geschrieben

Doch Du
bist
unberechenbar

& soweit
reichen

meine RechenKünste

nicht.


Brüche

Als wir unsere Herzen
brachen
hätte ich so gerne

ihre Stirn
gehalten

Wir hatten sie
einfach

zu schnell
verschlungen

& uns war
schlecht geworden

Worte wurden
gebrochen

Versprechungen
gebrochen

& dann
war

Alles

im
Eimer


Das hellgrüne Minikleid

Ein hellgrünes Minikleid kam
aus dem Aufzug

Eine junge Frau
lebte
darin

Mit nackten Schenkeln
die
in High-Heels
endeten

Sie verließ das Hotel

Blieb stehen
draußen vor der
Fensterfront

Früher Morgen
Dämmerung
Der Hintergrund schraffiert vom Regen
Lautes Geprassel

Sie hockte sich hin
unter dem Vordach
Der Saum rutschte höher

& sie wühlte
in ihrer Handtasche

Waden
Knie
Oberschenkel

so nackt
so nackt

& in
einem so schönen
Winkel !

Sie fand
was sie suchte

& bestrich
ihre Lippen
damit

Dann erhob sie sich
wieder

& sie schaute durch das Fenster
herein

zu
mir

Der nur seinen Job tat

Und sie
öffnete
meinen Blick

den ich ihr
zurück
warf

So dass sie wusste
was wir

miteinander

hätten
tun können

Sie las ihn
& lächelte

Dann
fuhr ein Auto vor

Sie ging zu ihm
& wurde nass

So nass

Sie
stieg ein

So schön
wie nur Frauen einsteigen können

& ich dachte
mal wieder
an

Baudelaire


Korrosion

All die Tränen & der Schweiß
die im Laufe der Zeit
auf das Metall
gefallen
sind

Sie haben sich
hineingefressen

tiefer & tiefer

Und das Metall
fing an
zu rosten

Und der Nagel
fing an
hässlich & brüchig
zu werden

& fast hätte er
seinen Kopf verloren

Es ist die Frage
ob ES noch
halten
wird

Wenn man
sein Herz

an diesen halbzerstörten Nagel
hängt –

Nachdem man ihn

vorsichtig
so vorsichtig

in seinen Traum

geschlagen hat


Hellwach

Nichts sonst
ist so leicht
wie

der Schlaf der
falschen Vorstellungen.

Du brauchst nicht
zu pfeifen

Du brauchst nichts
zu sagen

Du musst nicht
berühren.

Es genügt
dass jemand
Deine Gedanken

liest.

Und schon
sind sie

hellwach


Das Leberwurstglas

Da steht dieses Leberwurstglas
im Kühlschrank.
Angebrochen
vor längerer Zeit.
Als man
Appetit hatte.
Einmal nur
hatte man diesen Appetit;
das Glas wurde angebrochen,
und der Appetit kam & kam
nicht wieder.
Man ahnt
wie es in dem Glas aussehen könnte,
mittlerweile.
Man traut sich nicht,
nachzuschauen.
Aber man hofft,
dass noch alles in Ordnung ist,
sollte der Appetit
jemals
zurückkommen.


Die Sirene

Und vielleicht ist sie
die Sirene
die Dich
aus dem Schlaf reißt

Aus dem viel zu langen Schlaf
der wirren Träume

Und sie reißt Dich aus dem Schlaf
Um Dich zu warnen
vor dem Feuer

Vor dem Feuer

das
sie
selber

in
Dein
Haus

trägt


Das Knie der Einsamkeit

Die Einsamkeit
küsst
ihr eigenes
Knie

ganz
sanft

&
so selbstvergessen

dass sie
beinahe

bei
nahe

selber
glaubt

die Lippen

eines
Fremden

zu

spüren


Durchsichtig

Sie trug einen Rock, der mir
eigentlich
zu lang gewesen wäre.
Aber
zum Ausgleich
war er
dünn.
So dünn.
Er war durchsichtig.
So durchsichtig
wie meine
Motive.
Man sah,
wenn das Licht
günstig
stand,
ihre Beine.
Ihren Slip.
Ich war wütend.
Warum hatte sie ihn angezogen
jetzt
unmittelbar
bevor sie
zu
ihm
zurück
fuhr?
Warum nicht
früher?
»Toll«, sagte ich, »was
Anderes
hattest Du wohl nicht?«
Ihr kleiner Sohn
antwortete schneller als sie:
»Aber sie hat doch
einen Schlüpfer an.«
Humorlos
sagte ich:
»Das wäre ja auch noch schöner!
Ohne!«
Heute muss ich
darüber
lächeln.
Der Kleine
verstand
so
viel.
Und ich
hatte
so einen kleinen
Verstand.


Begehren

Ich werde

Dich

rauchen

bis
die Tapete

vergißt

welche
Farbe

sie

mal

hatte


Wie spät es ist

Nachtwege.

Ich:
unterwegs.

Auf der Suche nach
Dunkelheit.

Einsamkeit.

Und doch –
dort stand ein Wesen
am Rand
des Weges.

Weiblich.

Das Gegenteil
von

Dunkelheit & Einsamkeit.

Fast
wäre ich abgekommen
von diesem Weg.

Ich fragte es:
»Wie spät ist es?«

Und das Wesen sagte:
»Kurz vor zu.«


Der richtige Weg

Der richtige Weg
führte sie
nicht
zu
mir.

Er führte sie
zu
jemand anderem.

Dass das richtig war,
begriff ich,
als ich
nach der langen Zeit
des gedankenlosen Fühlens
wieder denken
konnte.

Wir wären
wahrscheinlich
unser gegenseitiger Untergang
gewesen.

Ich schrieb
es
ihr.

Doch sie
reagierte nicht.

Sie
schweigt
schweigt
schweigt
seit
damals.

Vielleicht
kenne ich den Grund
für ihr Schweigen.

Vielleicht
auch
nicht.

Sie ist
den richtigen Weg gegangen.

Und ihr
schmerzhaftes Schweigen
ist
vielleicht
ein Teil
dieses Weges.


Die Ähnlichkeit nach dem Ende

Nach dem Ende
der Beziehung

mit dem Leben
ähneln sich
nach einiger Zeit
alle
so
sehr –

Skelette
oder
Asche …..

Vielleicht
üben wir das nur
im Leben

Diese Ähnlichkeit
nach dem Ende
von

Beziehungen


Kerzenhalter

Die neue Kerze wackelt
im Kerzenhalter.
Sie findet
keinen
Halt.

Sie könnte
herausfallen &
einen Brand verursachen.

Dass man aber auch
immer erst
die Reste
alter Kerzen
aus den Kerzenhaltern
kratzen
muss …..


Körper

Durch meinen Körper fließt
das Antidot für
Dein Gift
Die Leere für
Deinen Inhalt
Das Alleinsein für
Dein Sein
Der Alkohol für
Deinen Durst
Der Traum für
Deinen Schlaf
Der Schatten für
Dein Licht

Durch Deinen Körper
fließe
ich


Verlorene Blicke

Es sind
oftmals
die
Verlorenen Blicke
die
mich
finden.


Das schmutzige Fenster

Das Fenster war so sauber
& langweilig

Bis Du Dich
nackt
darin spiegeltest

Dann wurde es
schmutzig

& aufregend


Stell Dir vor

»Ich wusste es«, sagte sie
»immer schon.«
Ich grinste.
»Und Du?« sagte ich. »Du
wolltest es doch immer mal
mit einer Frau ausprobieren.«
»Nein. Hat sich nicht
ergeben.«
»Stell Dir vor, Du stirbst,
und da ist auch nur eine
winzige Phantasie, die
in diesem Moment
an Dir nagt,
weil sie keine Zeit hatte,
Realität zu werden.«
»Und?«
Pause.
»Vielleicht«, sagte ich,
»hast Du recht. So toll
ist die Realität nun auch wieder
nicht.«
Sie steckte sich eine Zigarette an.
»Ja«, sagte sie. »Aber vielleicht
hast Du recht. Um zu wissen,
dass man nichts versäumt hätte,
muss man es
vielleicht
mal
gehabt
haben.«
Ich hatte ihre Antworten
immer schon
geliebt.


Die Spinne über der Klingel

Ein kunstvolles Netz umgibt
die Klingel über meiner Haustür

Seit langem

Eine Zitterspinne wohnt darin

Groß
Feingliedrig
Ruhig
Geduldig

Wer sie erschreckt
Dem öffne ich nicht

Wem meine Tür offensteht
Der braucht sie nicht zu erschrecken

& sollte sich
auch nicht erschrecken lassen

von ihr
die über der Klingel wohnt


Das Zungenbändchen

Was gab es in jenem Moment
Besseres
zu hören als
das Rauschen des Blutes
in meinen Ohren

Was
Besseres
zu fühlen als
den weichen Druck ihrer Oberschenkel
auf meinen Ohren
meinen Wangen

Was gab es
Besseres
zu sehen als
ihre geschlossenen Augen
ihren geöffneten Mund
& wie sie sich
auf den Knöchel des gekrümmten
Zeigefingers
biss

Was gab es
Besseres
zu riechen als
sie

Dann
nachdem sie die Schenkel wieder
geöffnet hatte
wollte sie meinen Kopf von sich
wegzudrücken
Aber ich ließ es nicht zu

Ich machte weiter

Es ging ein bisschen schneller
beim zweiten Mal

Blut
Druck
Augen
Mund
Duft

Wieder wollte sie mich wegdrücken
Wieder ließ ich es nicht zu

Schließlich
begannen meine Kiefergelenke
leicht zu schmerzen

Blut
Druck
Augen
Mund
Geruch

Sie ließ mich weitermachen

Beim vierten Mal
dauerte es wieder etwas länger

Beim fünften Mal
noch länger

Dann war es
als wollte sie mir den Schädel
zerdrücken
& mir die Zähne einschlagen
mit ihrer Fotze

Ich wollte
weitermachen
weitermachen
weitermachen

Wie in einem zeitlosen Rausch

Aber sie sagte:
»Nicht.
Ich kann nicht mehr.«

Meine Finger waren aufgeweicht

»Das trifft sich gut«, flüsterte ich,
»ich kann nämlich auch nicht mehr.
Aua, mein Kiefer.«

Sie grinste

Ich rutsche hoch
Neben sie
Gab ihr einen Kuss, obwohl
sie es nicht mochte
sich zu schmecken

»Du bist verrückt«, sagte sie.
Sie zog die Decke über uns
Wir rückten etwas weiter auf die
andere Seite
weil das Laken so nass & kalt war

»Aua, meine Pfunge«, sagte ich.

Sie kicherte

Tatsächlich
fühlte sich das Zungenbändchen
am nächsten Tag
seltsam stumpf & dick & gereizt an

Ab & zu fragte sie:
»Was macht das Bändchen?«

»Es hält«, sagte ich.
»Es hält.«

Wir grinsten

Was gab es
Besseres
in jenem Moment


Die Operation

Leben

Sie lag auf dem Tisch
bedeckt von grünem Tuch
Das Tuch hatte ein Fenster
In dem Fenster:
Ihr geöffneter Brustkorb

Der Chirurg
maskiert
operierte
ihr bloßgelegtes Herz

Der Anästhesist
war ein
Sadist

& ließ sie

erwachen


Die Möwe

Sie liebte Möwen.

Also nahm ich ein Blatt Schreibmaschinenpapier,
zeichnete eine Möwe darauf,
spannte anschließend das Blatt in die alte
Triumph meines Vaters & tippte
rings um die Möwe herum
das Wort »Besessenheit«
so oft, bis
das Blatt voll war.

Dann schickte ich es ihr
per Post.

Als ich sie
das nächste Mal sah,
drang ihr Blick so tief
in mich,
dass ich es
nicht
ertragen konnte.

Und
nichts
geschah.


Vorbehaltlos

Kindheit
die Phase meines Lebens,
in der ich mich
in
Alles
&
Jeden

vorbehaltlos

verlieben
konnte.

Weibliche Menschen
Männliche Menschen
Männliche Tiere
Weibliche Tiere
Gegenstände

Oftmals
wünsche ich mir
diese Vorbe
haltlosigkeit
zurück.

Eine Vorstellung
in die ich
mich
noch heute
verlieben
könnte.

Beinahe

vor
be

halt!
los
!


Kochshow

»Ich kann nicht kochen …«, sagte sie.
»Also, mir hat’s bisher immer geschmeckt«,
sagte ich.
Sie grinste. »Doofsack. Ich meinte:
Ich kann nicht kochen, wenn du mir dabei
nicht
zusiehst.«
»Aber ich sehe dir doch zu.
Immer.«
So war es.
Ich sah ihr zu.
Beim Kochen.
Immer.
Saß hinter ihr.
Immer.
Meine
private
Kochshow.
Genüsse & Vorfreuden
die
aufeinander
trafen.
Der Geschmack des Cocktails ….
Der Geruch des Essens ….
Der Dampf ….
Die Wärme ….
Ihre Geschicklichkeit ….
Ihre Schönheit ….
Ihre Zaubertricks …..
Ihre Beine ……

Sie kochte nur, wenn sie
gut gelaunt war.
Wenn sie gut gelaunt war,
zog sie an,
was ich mochte.
Hin & wieder
beugte ich mich vor
& hob ihren kurzen Rock
oder mein Hemd,
das sie trug,
ein wenig an.
Sie ließ sich
nicht
stören
& rührte.
Das Essen
& –
mich.


Sie hat keine Ahnung

Sie
hat keine Ahnung.

Keine Ahnung
dass ich
irgendwann
nach langer Zeit
wieder
mit dem Schreiben anfing.

Sie – die
häufiger
in meinem
Ge
schreibsel
auftaucht
als irgend jemand sonst ….

Sie – die
sogar dort
präsent
ist
wo sie nicht
auftaucht ….

Vielleicht sogar
dort
wo es
um Andere geht
…..

Dabei mochte sie
meine Worte

in graubunter Vorzeit.

Damals
als sie
neben mir lag & ich ihr
wenige Seiten
zeigte.

Doch die Worte
die ich ihr zuletzt schrieb
vor Jahren
mochte sie
nicht.

– – – – –

Sie lebt noch
das weiß ich.

Aber das ist auch alles
was ich noch weiß.

Einmal
im Suff
wollte ich ihr
den Link zu meinen Texten
schicken

Ihre Email-Adresse
existierte nicht mehr

als ich wieder nüchtern war
war ich froh darüber.

Zu wissen
dass sie mitliest
könnte mich
beeinflussen –

Zu wissen
dass sie mitliest
könnte mich
verstummen lassen …..

Und doch –

Was – wenn
sie sterben würde
ohne gelesen zu haben?

Was – wenn
sie erst
nach meinem Tode lesen würde?

Wir sind dem Tod
beide
so viel näher
als damals.

Sie war dem Tod schon
zwei Mal so nahe gewesen

so nahe – – –

näher als ich
jemals

(fast so nah
wie wir uns gewesen waren)

ohne
dass ich es wusste …..

Ich
hatte keine Ahnung.

Und sie rief meinen Namen
auf der Intensivstation
ohne dass ich es wusste …..

Sie rief ihn
ohne Bewußtsein

innerlich blutend
betäubt
kämpfend

& Der
der bei ihr war
hörte es.

Er sagte es ihr –
später

Sie sagte es mir –
noch später …..

– – – – –

Und

irgendwann
könnte
Alles
zu spät
sein


Die Zweitstimme

Es sind
immer wieder
die
selben
Lieder
zu denen ich
unwillkürlich
wie ein Automat

die
Zweitstimme
singe

Es sind
immer wieder
die Lieder
die
nur
für

1 Stimme

geschrieben wurden.


Die Tasche

Ich sehe
Deine Tasche

Zumindest
einen Teil davon

Du hast
Deine Hose so
kurz
geschnitten

dass
die Tasche
hervorschaut

unter
dem fransigen Rand

Die Tasche
ist leer

& flach.

Ersteres
bin ich
nicht.

Letzteres
könnte ich
sein.


Der schwarze Slip

Sie sortierte die schmutzige Wäsche,
die neben der Waschmaschine
auf dem Boden lag.
Sie stand vorgebeugt
mit ihrer Rückseite zur Tür.
Trug einen schwarzen Slip,
sonst nichts.
Leise & langsam
schlich ich mich an …..
Zog ihr
mit einem Ruck
den Slip herunter.
Blitzschnell
richtete sie sich auf.
Ihre Stimme war eine
Rasierklinge.
»Spinnst du!?!
Hör auf mit dem Scheiß!«

Ein schneidender Klang.
Sie zog den Slip
wieder hoch.
Sah mich nicht an.
Bückte sich
&
sortierte weiter.
Da wusste ich:
Es war
mal wieder
vorbei.
Nicht
mal wieder
vorbei
mit
irgendeiner
Frau,
sondern:
Mal wieder
vorbei
mit
ihr.
Zum wievielten Male?
Egal.
Noch 1 Woche zuvor
hätte sie mir
ihren nackten Arsch
gegen den Hosenschlitz gedrückt,
hätte ihren Arsch hin & her bewegt;
und aus ihrer Kehle wäre
ein aufreizender Laut
gekommen.
»Okay«, sagte ich &
ging nach nebenan, um
eine zu rauchen.
Mal wieder.
Es ging mir schlecht.
Mal wieder.
Und doch –
ich konnte
dieses
Ende
nicht
völlig
ernst
nehmen.
Es war eine
merkwürdige Beziehung.
Eine
seltsame Beziehung.
Eine
seltene Beziehung.
Es war die
Große Liebe.
Dann hörte ich
die Waschmaschine.
Ich packte meine Sachen &
zog
woanders hin.
400 oder 500 Kilometer
weiter nördlich.
Ich blieb allein.
So allein man sein kann
unter Büchern.
Außerdem gab es
1 Schreibmaschine &
1 Gitarre.
Ich wusch meine Wäsche
allein.
Und nach ein paar Wochen
dingdongte es an der Tür.
Die Pause zwischen dem
Ding
& dem
Dong
war lang.
So lang, dass
die beiden
nicht
ineinander übergingen.
Da war
ein sauberer Schnitt.
Wie
von einer
Rasierklinge.
(Ein langer Druck
auf den Knopf. – –
Hätte es sich
um eine richtige Klingel gehandelt,
wäre das DingDong ein
Sturmklingeln
gewesen).

Vor der Tür stand
ein unsicheres Lächeln.

Ein unsicheres Lächeln
mit einer Reisetasche.

In der Reisetasche war
saubere Wäsche.

Zwischen der sauberen Wäsche
ein
schwarzer
Slip.