Gedanken
Gänge die zu nichts führen
Führen ins Nichts.
Wenige Menschen denken
Zu Ende. Sie brechen
Ab. Aus
Welchen Gründen auch
Immer. Und halten
Für tief
Was noch nicht
Einmal in Sicht
Weite des Grundes
Ist. Dicht
Unter der Oberfläche.
So werden nichtige Bücher erfolg
Reich, und Philosophenclowns
Mit schönen Frisuren
Bekommen eigene TV-Sendungen.
Mir drehte sich im Kopf
Der Magen
Um
Wenn ich
Daran denken
Würde
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Es gibt maxi
Mal so viele Enttäuschungen
Wie es Täuschungen gibt
Da kann keine
Einzige mehr sein.
Wenn das
Nicht ein Trost ist
Dann weiß ich es
Auch nicht
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Sie sagte »Wenn
du stirbst, lasse ich dich
einfach da liegen –
& lege mich
zu dir.«
»Das ist«,
sagte ich, »schön. So
romantisch. Aber irgendwann werde ich
anfangen zu stinken.«
»Das macht nichts«,
sagte sie.
Daran bin ich gewöhnt.«
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Fast konnte ich
ihn riechen
den Bleistift in meiner Hand.
»Ist es nicht furcht
bar«, sagte der Mann mir
gegenüber, »was
der armen Frau geschehen ist?«
Wie spitz er war,
der Bleistift; fast schon
überspitzt. Ich bildete
ein »Pff« mit Schneide
zähnen & Unterlippe.
»Mir scheißegal«, sagte ich. »Wie«,
sagte er, »kann man nur
so kalt
sein?
So mitleid
los.« »Es ist Kunst«, er
widerte ich. »Reine
Fiktion. Mir wurscht,
was der passiert ist.«
Auch der Kaffee war kalt. »Ich
leide immer so
mit«, sagte der Mann. Ich
hatte auch gerade so’n hexa
gonales Gefühl zwischen meinen Finger
spitzen. Fast konnte ich
ihn riechen. »Am Schrecklichen«,
sagte ich, »interessiert mich nur
der Stil.« Ganz entgeistert
schaute er mich an. Was
mich nicht wunderte. Schön
& gefühlvoll waren seine Augen.
Er stand mir
nahe. Wie ein Blitz
musste es geschehen.
Ich hob die Bleistiftfaust
& stach zweimal
stich!stich! zu.
In die schönen, in die gefühlvollen
Augen. Tränen aus Gelee
quatschten aus den Höhlen,
sickerten über die Wangen. Er schrie
nicht. Er
lächelte. »Ja«, sagte
er (fast begeistert) »jetzt
sehe ich es
auch.«
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Kunst, Literatur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Furchtbar
Laut war das Verschweigen
Und ein Versprechen wurde leise
Gebrochen
Die Lüge ist ein Versagen
Der Wirklichkeit
Am Ende
Geht jeder
Noch ein bisschen einsamer
Getrennt
Durch ein Gespinst
Von Unwahrheiten
Wer hatte verschwiegen?
Wer hatte versprochen?
Ein Mensch
Wie ich & Du wie
Alle Furchtbar Gebrochen
& am Ende ge
trennt
Durch ein Versagen
Der Wirklichkeit
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Er wurde immer etwas
traurig, wenn
sie eine lange
Hose anzog; aber
als ihm dies bewusst wurde
musste er
lächeln.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Erotik, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich erinnere mich
Vor Jahrzehnten
Ein Mal gehört
zu haben
Wie Wolfgang Hildesheimer sagte
Er halte es für wichtig
Erfahren
zu haben
Dass Immanuel Kant
Täglich masturbierte
Um den Kopf
Frei
zu bekommen
Hildesheimer hat recht
& Kant natürlich auch.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Philosophie, Sexualität | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Tube ist leer
Vielleicht
Ein kleiner Rest noch
Darin
An den man nicht heran
Kommt ohne
Sie aufzuschneiden
Aber warum
Sollte man das tun?
Es gibt nichts mehr
Auszudrücken
Man wird sich eine neue
Besorgen müssen
Unter Menschen
Muss man gehen
Damit das Schweigen gut riecht
Damit die Flüche duften
Duften
Wie das Geschwafel
All
Über
All das Geschwafel
Das man nicht mehr ertragen kann
Am wenigsten
Das eigene Man wird
So mundfaul
Mit der Zeit so
Faul
Dass es fast schon
Stinkt
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Eine frühlingsbunte Wiese
Verkehrslärm fernab
Flatterflügel & Gesumm
Mir fiel ein: Hätte Rubens eine Biene gemalt
wäre sie eine Hummel
Pollen schneiten durch den Sonnenglast
Alles wucherte & roch
nach sich
selbst Die Geliebte
im heißen Höschen
neben mir Die Luft
fieberte & schwitzte
als wäre es Hoch
sommer Vögel stellten sich vor
aber wir verstanden sie
nicht Mag
sein dass Menschen da waren
aber ich
sah sie
nicht Selbst
der Horizont war horizontal
sonst nichts
Es
war die Zeit der rechtwinkligen Phantasien
Alles schien
jung Sogar
mein Inneres Eine Hose
so kurz wie das Leben
so knapp wie ein Sieg
»Übrigens« sagte die Frau (wie ich
ihre Stimme liebe) »Sex
sucht ist heilbar«
»Ich weiß« sagte ich Ich
schaute hinab
auf ihre Sandalen
(Riemen & Zehen
in Bewegung) »Ich
weiß« wieder
holte ich »aber
wer will das schon« Lachen
Gelächter
Gelächter
im Licht

Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Erotik, Kultur, Liebe, Lyrik, Natur, Sex | Veröffentlicht inAlles, Erotik/Sex (eine Auswahl), Gedichte/Texte
Die Vergangenheit war
zusammengebrochen. Unter mir.
Wie ein alter
Gaul, der verendet
war. Zu Tode
geritten von meiner Erinnerung.
Es war Zeit
zu gehen. Selber zu gehen.
Allein zu gehen.
Aufzustehen. Sich
umzusehen im Nicht
Vergangenen.
Ein altes Vieh war ich
selbst inzwischen. Ich
durfte vergessen –
vergessen & mich
nicht erinnern, was
Zukunft ist.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Noch schlimmer
als selbst
zu reden ist
es anderen
beim Reden zuzuhören,
denkt ein Mann im Inneren
seines Hauses. Alle
seine Bücher sind geschlossen
wie eine Gesellschaft. Leise federt
das Sofa, und die Einsamkeit ist
eine kluge Gefährtin.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
– – und dann hatte sie meinen Schlaf
nicht stören wollen
& hatte die Spülung
nicht betätigt, weil sich das Klo gleich
nebenan befand, und später, als sie
wusste, dass ich erwacht war, vergaß sie
zu spülen, weil sie in meinen Armen
lag, und als ich
aufstand, um zu pissen, sah ich:
Kacke, 2 nette kleine
Würstchen im Flachspüler, mit
aufgeweichtem Papier drumherum. Fast
wie ein Geschenk. Ein Brauch
aus der Vorgeschichte.
Wie rücksichtsvoll sie war!
Das ist Liebe, dachte ich.
Und ich betätigte die Spülung für sie
bevor ich mich setzte.
Ich wusste, es
würde ihr furchtbar peinlich sein,
und ich atmete
flach – –
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Aus einem Kellerfenster klatschte der Klang
einer Peitsche. Wie die Sonne
brandete & blendete, sengte & brannte…. Ich musste
an Buñuel denken, denn wir waren in einem fremden Garten.
In dem Garten stand ein Pavillon, offen
& einsehbar, in dem Pavillon
ein Bett, auf dem Bett waren
wir, nackt & verschlungen, ineinander
gesteckt, zusammengesteckt, in Bewegung,
die Bewegung, die man Sex nennt…. In einiger Entfernung
saßen fremde Menschen, manche nackt, manche
in Wäsche, die reizen sollte. Tische & Bänke
aus Holz. Die Fremden
aßen Grillgut. Einige schauten
uns zu dabei. »Hast du
ne Tablette genommen?« fragte die Geliebte
als ihr Mund wieder leer war.
»Ja«, sagte ich, »eine halbe.« (Also ein
Dreieck. So viele Eindrücke
& Ablenkungen, und man ist ja nicht mehr
der Jüngste….) Auch die Musik war
in die Jahre gekommen. Nevergreens.
Und wieder die Peitsche! Niemand
schwamm im Pool. Ich dachte: Komischer
Film – diese Realität. Die Menschen schauten
zu viele Pornos. Auch ich
hatte schon zu viele gesehen – Menschen
sowohl wie Pornos. Ein dicker Mann
biss in eine Bratwurst, als wäre sie
ein Symbol. Dabei schaute er
herüber. Charmelos. Indiskret. War dies die Bourgeoisie? Und was
hatten wir hier zu suchen? Hier,
wo es Nichts zu finden gab. »Ganz schön
surreal«, sagte sie. Das Begehren & der Neid
der Anderen streichelte meine Psyche; die geschundene,
verquere. »Ja«, sagte ich – & konnte mich nicht erinnern,
jemals etwas Ähnliches geträumt zu haben. Der
Gynäkologenstuhl im Keller war belegt gewesen. Was
schade war. Wie hässlich mir die Menschen erschienen,
aber die Blumen waren schön, und die Bienen trugen
ihre flauschigen Sträflingsanzüge. Die Gespräche
der Besonnten waren auch nur ein Summen
im Grund, der Vorder- & Hinter- zugleich
sein konnte. Alles eine Frage
der Position. (Apropos: wer den schönsten
Po besaß, war hier keine Frage!) Das Märchen
von Amor & Psyche – den Goldenen Esel
könnte ich auch mal wieder lesen. Wie kam ich
jetzt da drauf? »Wollen wir
reingehen?« fragte sie. Niemand hier war
so jung wie sie, und ich
erst recht nicht. »Ja«, sagte ich, und dann ging es vorwärts
durchs modisch rasierte Fleisch – hin
zur Treppe, die von außen in den Keller führte.
Eine ehemalige Raupe schmetterte mit bunten Flügeln
vor uns her. Drehte dann ab. Überall Symbole.
Blicke folgten uns. Und mit den Blicken einige Körper.
Abwärts. Die Peitsche war verstummt. Die Menschen haben
keine Dreiecke mehr zwischen den Beinen. Ich
streichelte das Haar der Geliebten. Man konnte fühlen,
dass es schön war – & täuschte sich nicht. Wie dunkel
es hier war! Nach all
der Sonne. Doch sie konnten sehen,
was wir taten.
(Man muss nicht
Alles mal erlebt haben. Aber auch nicht
Nichts. Wir haben
dies erlebt, und es war
nicht Alles, aber auch nicht
alles Nichts. Und nun
musste es nicht mehr
geträumt werden.)
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Erotik, Kultur, Lyrik, Sex, Surrealismus | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Kälte, Nebel, buntes Laub.
Blaue Plastiktonnen stehen am Straßenrand, als warteten sie auf
die innere Leere. Ein Mann,
der vermutlich alt ist, bückt sich
nach einem Zettel, den der Zufall fallengelassen hat.
Vielleicht stört das den Ordnungs
Sinn des Mannes; vielleicht
hat es aber auch einfach
Nichts
zu sagen, dass er ihn aufhebt. Mag
Sein, dass in die blaue Tonne gehört,
was der Mann dann in der Hand hällt. Genau
so gut aber könnte der Zufall exakt
gezielt haben. Die Hand am Deckel
der Tonne, will der vermutlich Alte den Zettel wahr
scheinlich entsorgen (wie man so sagt, als gäbe es so etwas
wie Entsorgung); da fällt
sein Blick auf
spitzig winzige Bleistiftschrift:
Du hast Angst vor der Zukunft,
dabei läuft sie vor dir davon.
Alles, was du zu fassen bekommst,
ist Gegenwart.
Du glaubst, die kommende Gegenwart
nicht bewältigen zu können.
Dabei gehst du
davon
aus, ihr so zu begegnen, wie du jetzt bist.
Du übersiehst deine eigene Entwicklung,
dein inneres Wachstum.
Was du zur Zeit tust, hättest du dir noch vor einem Jahr
nicht zugetraut. Und selbst ich, der ich dir mehr zutraue
als du dir selber zutraust, würde meine leisen Zweifel gehabt haben,
hättest du damals tun müssen, was dir jetzt beinahe leicht fällt.
Der Mann betrachtet das Haus
hinter der Tonne, nachdem er zu
Ende gelesen hat. Er erinnert sich
an das Haus. Das Haus, das aussieht, als sei es
vergessen worden von allen anderen.
Und die Schrift ist wie seine eigene
vor Jahrzehnten. Blau sind
die Tonnen fürs Altpapier. Und rot
2 Worte
auf der Rückseite des Zettels (doch
wer kann wissen, welche
die Rückseite ist):
zu kitschig
steht da. Der Mann
sagt »Nein« zu sich selbst.
Dann verwahrt er den Zettel
in der Innentasche seines Mantels,
der vermutlich alt ist. Heute
werden die Tonnen geleert, denkt er, so
ein Glück. Noch vor wenigen
Stunden blutete sein Zahnfleisch; da
schaute er in einen Spiegel & hatte rosa Schaum
vorm Mund. Er überprüfte, ob sich
ein Zahn gelockert habe, dann
lächelte er über eine unsinnige Frage,
die ihm in den Sinn gekommen war:
Warum
wurde noch kein Schmetterling
nach mir benannt? Die Antwort
ist einfach. Die Schrift
in Rot scheint dieselbe
zu sein wie die in Bleigrau.
Doch wer kann da schon
sicher
sein
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Angst, Kultur, Lyrik, Philosophie, Zukunft | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Im Fernsehen sprach ein Toter.
Er sprach über ein Buch.
Das Buch eines anderen.
Ich wusste, er, der da redete,
war tot
als ich ihn sah, doch
er redete sehr lebendig
als er redete. Ja,
er ist tot, und das Buch lebt.
Er war begeistert davon.
Und voller Leben. Da
wurde mir klar: etwas von dem
Buch war mit ihm
gestorben.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik, Philosophie, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
ich ging vorbei
wie mein Leben
eine unscharfe Reflexion
in Bewegung
auf dem Glas eines Schaufensters
in dem nichts war
als Leere
irgendeine Handlung
war pleite
gegangen & die Räume standen verlassen
ich ging so schnell
vorüber, dass ich die Leere leicht
hätte übersehen können
doch ich nahm sie
wahr
wahr – wie die Gesichter der Passanten
die im Hintergrund sich spiegelten
während ich vorbeiging
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Nacht verbrachte
ich in einer Badewanne
unter einem grünen Becher
der durchsichtig war
Schönes Licht
Zeit um
nachzudenken Was
hatte den Becher bewegt
Hatte es
ein Innenleben
wie ich
Ein großer Schatten
Keine Antwort
Enge
Am Tage
schob man mir eine Karte unter Es
war eine Glückwunschkarte
zum Geburtstag Dabei
weiß nicht einmal ich
wann ich geboren wurde
Und warum
wusste ich was
für eine Karte
das war Ich
verstehe sie nicht
die Zeit Am Ende
schüttelte man mich
aus dem Becher Auf
einen Haufen
verfaulten Grases Und
ich rannte so schnell
ich konnte durch das Licht
der Sonne Weg
von der Fäulnis
Hinein ins Grün
das lebte
wie ich
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Nichts geht
vorbei. Dabei
hält es
kurz inne, blickt
in meine Richtung,
lächelt gelangweilt
& verschwindet,
indem es
bleibt.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
»Bilden Sie einen Satz
in dem indem zusammen
geschrieben wird.« Der Lehrer
rief mich auf, obwohl ich
mich nicht gemeldet hatte.
Ich meldete mich nie.
Ich sagte: »Ich langweile mich,
indem ich hier sitze.«
Die meisten Mitschüler lachten.
Der Lehrer grinste
bloß. »Niemand«, sagte er,
»zwingt Sie hier
zu sein.«
Das stimmte
nur bedingt.
Wo war man schon
frei? Oder auch nur frei
willig? Vielleicht
in Gedanken. Aber auch
dort nur bedingt. Eigentlich
hatte ich gelogen. Ich
langweilte mich gar nicht.
Weil ich mich nicht langweilen kann.
Ich war einfach
ganz woanders gewesen
in Gedanken. Dort
wurde es niemals langweilig.
Der Lehrer mochte mich,
und inzwischen ist er
tot. Ich lebe noch
& mochte ihn auch.
Wie die Grammatik.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Erinnerung, Grammatik, Jugend, Kultur, Lyrik, Philosophie, Schule, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Mit meinen eigenen Augen
(mit welchen auch sonst) beob
achtete ich den lautlosen Fall eines
Schattens. Der Schatten fiel auf
den Boden, knickte ein
an der Wand & versch
wand durch die Tür. Nacht
schwarz & nackt war er ge
wesen. Dieser Nacht
ähnelte Nichts. Und doch
war Nichts ganz
anders. Als ich
das Licht aus
machte, war Schatten über
all im Schlaf
Zimmer. Ganz tief
sinnig hätte man werden können,
aber zum Glück gab es das Rauschen
der Klospülung nebenan. Dort
wo die Schattenwerferin
der Natur gehorchte – so
wie jeder Schatten,
der fällt, wohin
er fallen muss.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
»Was hast du«
fragte sie »geträumt?«
»Wann?« fragte er
»Letzte Nacht« sagte sie
»Ich weiß nicht
Was – ich weiß
nur Wovon« »Wovon
hast du geträumt?«
Sie standen auf
einer Brücke Die Frau
am Geländer Der Mann
etwas abseits Er
hatte Angst vor der
Tiefe Sie
schaute hinab in den Ab
Grund Wind
bewegte Wipfel
Er betrachtete sie wie sie
beobachte wie die Bäume
bewegt wurden von dem
der ihre Haare bewegte
»Vom Alkohol« sagte er
»und vom Verlassen & Verlassenwerden
vom Rauchen – von dem
was ich aufgegeben habe & von dem
was ich bekommen habe
stattdessen« »Klingt«
sagte sie »traurig«
»Gar nicht – ich
habe viel gelacht
im Traum« »Habe ich
nicht gehört«
»Seltsam« sagte er
obwohl es nicht seltsam war
sondern selbstverständlich
Dann sagten sie
wieder nichts
wie zuvor
verloren
in ihren Gedanken
die so oft dem Anderen
galten
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Tiefe, Traum | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Nein!
Das ist kein
Tinnitus – Das ist
Das Denken
an einen Ton –
Der Gedanke
einer Schwingung –
eintönig wie der Gesang
eines kaputten Vogels –
Wo kommt er her?
Der Ton – ist er Teil
einer Melodie
die Niemand kennt?
Eine vereinsamte Note
verstoßen aus der Harmonie?
Nein! Das ist
kein Tinnitus – Das ist
Die Vorstellung einer Erinnerung –
Vergangener Schall
in einer bestimmten Höhe –
von der Niemand weiß
Was sie bestimmt hat –
Ich träume mich
durch die Schlaflosigkeit – wach
gehalten durch Etwas
das nicht existiert – nur vielleicht
in mir
»Ich kann nicht schlafen«
sagte sie – neben mir
in der Dunkelheit – Doch
mein »Ich
auch nicht« hörte sie
schon nicht
mehr
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Leben, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ich war allein
in meinem Traum
Nichts & Niemand
umgaben mich
Kein Wort kann es
beschreiben, denn jedes
Wort ist zu viel für Nichts
Und Niemand setzt Jemanden voraus
Einsamkeit ohne Worte
war in meinem Traum
Keine Begriffe
an denen man sich festhalten konnte
Doch es erschreckte mich
nicht, denn ich schien
es gewohnt zu sein von Alters her
Ich träumte eine Wirklichkeit
in der Träume nicht existierten
Und das All war ein kahles Zimmer
in dem ich allein war
Isoliert von Allem
Von Allem, was ohnehin nicht existierte
Plötzlich aber –
hörte ich jemanden
atmen…..
ruhig & regelmäßig
in meiner Nähe
Dabei hatte ich gedacht
meine Nähe gäbe es gar nicht
Ich bekam Angst
so wie Andere ein Geschenk bekommen
Und Bewußtsein bekam ich
Das der Angst ähnelte
Als ich erwachte
war auch dort der Atem
als hätte ich ihn mitgenommen
aus meinem Traum
Ruhig & regelmäßig
atmete es in meiner Nähe
Denn meine Nähe existierte
Und Jemand lag darin
Lag darin wie selbstverständlich
& so als ob
Selbstverständlichkeit in meinem Leben
vorgesehen wäre
Auch sie erwachte
Sie berührte mich in der Finsternis mit ihrer Hand
Nur kurz, um sich meiner Nähe (vielleicht
sogar meiner Existenz) zu vergewissern
Ein leises Kichern der Zufriedenheit –
Dann schlief sie wieder ein
Ich blieb noch eine Weile wach
weil ich das Bewußtsein nicht verlieren wollte
Und weil ich es hören wollte:
Das Atmen
in meiner Nähe
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Einsamkeit, Kultur, Liebe, Lyrik, Nähe, Traum | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
»Ich dachte immer,
ich«, sagte sie, »rede
wenig. Aber du«, sagte
sie, »redest so wenig,
dass ich«, sagte sie, »mich
erst wieder ans Zuhören gewöhnen muss,
wenn ich mit anderen zusammen
bin.« Ich sagte
nichts & grinste. Geschmeichelt. Mir
gefiel, was sie sagte; die Geliebte. Wir
saßen in einem Garten, und
solches Wetter wurde gemeinhin
»schön« genannt. Hummeln summten.
Weil sie sich bewegten. Ich
konnte nicht fliegen. Was
wahrscheinlich niemanden überraschte –
mit Ausnahme der Schmetterlinge,
die auch nicht viel reden. Mir fiel
nichts ein. Außer Leerzeichen. Ich
hörte Stimmen in der Nachbarschaft
& stellte mir die Wörter vor, wie sie
in geschwungenen Blasen über den Köpfen
schwebten. Ein wenig
Wind bewegte die Wiese, und
auf einer alten Tonbandaufnahme behauptete
meine tote Mutter von mir: »Er redet nicht,
wenn Fremde dabei sind.« – sie sagte das
mit ihrer Stimme von 1966, aber es hatte
schon damals nicht gestimmt. Ich sah die Blasen
platzen, und die Menschen wurden besudelt
von ihren eigenen Worten. Die Sonne
verbrannte das Gras, und die Geliebte
beobachtete einen Falter, der
wie eine zitternde Blüte auf einem Ast saß.
Auch Insekten sind mir fremd. Ich sagte:
»Das ist schön«. Wusste sie,
was ich meinte? Wahrscheinlich schon.
Aber dass dieser Anblick schön war,
wusste sie selber. Ich
hätte es nicht sagen müssen.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Der Mond hing tief
Dicht über der Straße
Unfassbar
In der einbrechenden Nacht
Obwohl ich so lange Arme habe
Die Hände am Steuer
Swingte es im Radio
Dann war das Stück
Zu Ende. Jemand sprach.
Nannte den Interpreten
Den Titel & das Erscheinungsjahr.
1989. Ich dachte an jenes Jahr
& die einzige Frau
In meinem Kopf. Damals
Hatte mich dieser Job
Ereilt. Der erste
Lohn. Mit 29! Unfassbar
Wie man durchs Leben kommt.
Anders als man denkt
Wenn man denkt
Und wenn man nicht denkt
Kommt es auch
Anders. Ich
Stellte sie mir vor. Wie sie hätte
Getanzt haben können
1989. Zu dieser Musik, die jetzt
zu Ende
gegangen war. Swing! (Auch heute noch
Schaukelt sie für ihr Leben
Gern.) Es tanzt
Mit unsicheren Schritten. Über die
Es nicht nachdenkt. Leicht
Könnte es fallen; gerade
Erst hat es Gehen gelernt –
Das tanzende Mädchen
Wild in meinem Kopf. Das tanzende Mädchen
Das ich nicht gekannt hatte. Das
Tanzende Mädchen, das ich
Kennenlernen würde, verborgen
In einer Frau, die schaukelt. In der einzigen
Frau in meinem Kopf. Ich musste
Lächeln bei diesem Gedanken
Spiel. Und schaltete
Das Radio aus. Die Nachrichten
Von 2016, ich wollte sie
Nicht hören. Unterwegs. Noch immer
Derselbe Job wie damals. Und
Die Tänzerin wartete zu Hause
Auf mich! Es war wirklich
Unfassbar. Unfassbar
Wie man durchs Leben kommt.
Und der Mond hing so tief. Dichter
überm Horizont. Und meine Arme
Hatten exakt die richtige Länge
Für Umarmungen. Und die Krater könnten
ein Lächeln
Bilden
Wie in einem alten Gesicht.
Es ist Alles eine Frage
Der Interpretation.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Alter, Beziehung, Kultur, Liebe, Lyrik, Musik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Dieses seltsame Zeitalter,
in dem man Gedichte
auf einem Telefon
schreiben kann. Es
überrascht mich
nicht
mehr.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik, Technik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Wir kauften 2 Gläser in einem
Möbelhaus. Zu Hause
hatten wir einen Schrank
voller leerer Gläser; die Anschaffung
könnte also für überflüssig gehalten werden. Und warum Gläser
nicht in einem Glashaus angeboten werden,
könnte man sich auch fragen. Aber
dort gibt es bekanntlich nur Pflanzen, und
man sollte nicht mit Steinen werfen.
Wir hatten übrigens gar keine Gläser
gesucht, sondern einen Sessel. Das kommt
erschwerend hinzu. Wir fanden keinen,
der uns gefallen hätte, aber die Gläser
waren hübsch, fanden wir. Niemand
saß auf den Sesseln, die uns
nicht gefielen, und diese Gläser
waren ebenfalls leer. Steine hatten wir keine
dabei. Wir hatten auch keinen Durst.
Die meisten Fragen stellt man sich
nicht. So funktioniert das
nun mal.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Nacht.
Der Mond scheint
durch eine rote Gardine.
Der Kühlschrank surrt
leise. Jemand blättert
in einem Buch. Und
Jemand schläft
in einem anderen Raum.
Nacht. Mond. Traum.
Jemand ist Ich. Und
Jemand ist Sie.
Und der Mond
ist kein Symbol.
Er steht für
Nichts
Anderes. Er ist einfach
er selbst. Sie
schläft & ist
wie der Mond
Sie selbst. Ich –
sitze einfach auf dem Sofa
& blättere in einem Lexikon
der Astronomie. Wie
so ein Symbolist
auf Abwegen.
Der Kühlschrank surrt
& kühlt.
Das reicht.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Literatur, Lyrik, Symbolismus | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ein Mann ging
Aus
Draußen ging er
vorbei. Es sah
Aus
als werde er
von seinem Schatten gezogen.
Wäre das Licht
Aus
gegangen, wäre er
stehen geblieben. Vielleicht.
Drinnen warf ich
meinen Schatten
mithilfe des Scheins
einer kaltleuchtenden Lampe.
Ich schaute
Auf
vom Buch, ich weiß
nicht mehr, welches
es war. Die Realität
schien unwirklich
im Vergleich. Der Mann
ging vorbei. Nun
gut, jeder geht mal
Vorbei
wie jeder Augenblick.
Niemand
hält ihn auf. Und das
Alles hat
Nichts
zu bedeuten.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ein Schatten huschte über die Strophen
Eine Elster flog am Fenster vorbei
Ich stellte mir vor
Dass der Staub des Alltags donnernd
In der Sonne tanzte
Es war grauen
Haft
Nur der Staub
Der auf Büchern ruhte
Mochte leise
Sein
Aber sicher
Sein konnte man
Sich dessen
Nicht
Das Flattern der Elster
Jedenfalls hatte ich
Nicht
Gehört
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Bücher, Kultur, Literatur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Je besser man jemanden kennt,
desto seltsamer er
scheint es, ihn
im Spiegel zu sehen.
So verkehrt. Es sei
denn, es handelt
sich um einen selbst.
Da ist das Verkehrte
das Gewohnte. Und
man braucht mindestens 2
Spiegel, um sich
richtig zu sehen.
Schon seltsam,
was für Gedanken
einem durch den Kopf gehen können,
im Angesicht einer Fläche
aus rückseitig beschichtetem Glas.
Ich schaue hinein
& weiß
nicht mehr, wen
ich besser
kenne
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik, Philosophie, Wahrheit | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
»Ich sehe
was, was
du nicht
siehst«, sagte der Mann.
Sein Augen
Blick spiegelte Leere. Das
war ein Widerspruch –
& kein Kinderspiel.
»Seltsam«, sagte der Andere,
»was könnte das sein?«
»Das, was sein könnte.
Das sehe ich«, sagte der Mann.
Im Blick des Anderen
spiegelte sich die Gegenwart
des Mannes. Zumindest dessen An
wesenheit. Dies war ein Moment,
in dem man einen Kaffee umgerührt hätte,
der längst umgerührt war – nur
um Zeit zu gewinnen. Vor dem nächsten Satz. Aber
da war kein Kaffee mehr – & auch
keine Zeit. Und Nichts
zu gewinnen. »Also ich«, sagte der Andere, »sehe
– was da ist. Was nicht da ist –
sehe ich nicht.«
»Klingt nach Zufriedenheit«, sagte der Mann.
»So weit würde ich nicht gehen«, sagte der Andere.
»Vielleicht nicht
so weit – aber
du bist auf dem Weg. Immer
hin.« »Immer
hin«, wieder
holte der Andere. In Gedanken
versunken. Eine Frau kam
an den Tisch. »Darf’s noch
etwas sein?« fragte sie.
›Etwas sein?‹, dachte der Mann –
›Ja! Das wäre schön.‹
»Nein«, sagte der Andere,
danke. Ich möchte
zahlen.«
Es war Zeit
zu gehen. Wohin
auch
immer.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Der Mann B.
fand sich halb
liegend im Bett & las
in einem Buch
Die Frau B.
fand sich auf
recht im Bett & las
in einem Buch
Das Bett war ein
& dasselbe, man konnte es
ihr »gemeinsames« nennen
Die Romane in ihren Händen
hatten nichts miteinander
zu tun
Die Fremden aus den fremden
Fantasien wussten nichts
von einander
Sie handelten
nach den Gesetzen
ihrer fiktiven Welten
erdacht von ihnen
Unbekannten die geglaubt hatten
Wirklichkeiten zu erschaffen
Sie hatten nichts miteinander
gemein »Ist es
gut?« fragte die Frau
irgendwann
»Ja«, sagte der Mann,
»und deins?«
»Auch«, sagte die Frau.
Schweig
end lasen sie
weiter …. gefangen
in ihren Vorstellungen
von den Fremden
aus den fremden Fantasien
von den Wirklichkeiten
die keine waren
erdacht
von Unbekannten
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik, Phantasie, Philosophie | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.