Die Sonne scheint auf das Waschbecken
Der Abfluss ist verstopft
Wasser steht im Waschbecken
Die Sonne scheint darauf
Ein Stück Seife schwimmt im Wasser
Das Wasser wird getrübt
Die Seife löst sich auf
kaum merklich schwindet sie
Sie schwindet in das Wasser
Die Sonne scheint darauf
Der Mann steht vor dem Waschbecken
Die Frau im Sonnenlicht
Sie schreien
Sie brüllen
Sie kreischen sich an
Die Sonne scheint auf Schläge
Die Sonne sinkt herab
kaum merklich schwindet sie
Sie schwindet in die Nacht
Die Seife löst sich auf
Sie ändert ihre Form
Weich wird das Stück Seife
zwecklos
unbrauchbar
Die Seife trübt das Wasser
in der Dämmerung
Das Waschbecken ist
ohne Sonne
Der Grund –
nicht mehr zu sehen
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Mein Herz : ein Kühlschrank
Die Vergangenheit : der Strom
Dein erster Blick –
die Sicherung springt raus.
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Ich übernehme keine Verantwortung
für nichts & niemanden
schon gar nicht für mich
Vernunft ist ein schlechter Witz von
einem miesen Clown & –
ich hasse Clowns
Mein Verstand reicht von hier
bis zu der durchgebrannten
Glühbirne auf dem Tisch neben mir
Haß langweilt mich
Liebe ist eine Erinnerung
Selbstzerstörung ist meine Berufung
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Was für eine merkwürdige Zeit die Vergangenheit doch ist.
Bis zu meinem 12. Lebensjahr glaubte ich, dass auch Mädchen einen Penis haben. In unserer Familie: nur Jungs. An Zeitungskiosken gab es keine Titelblätter mit nackten Frauen. Die Mädchen-sind-doof-Phase hatte ich nie. Immer schon fand ich Mädchen spannender & interessanter als Jungs. Ich spielte gerne mit ihnen & war auch nicht irritiert, wenn sie sich zwischendurch mal zum Pinkeln hinhockten. Für mich war das einfach ein Brauch: Mädchen hocken sich hin, Jungs stehen. Und mehr als einen nackten Hintern bekam ich dabei nicht zu sehen.
Unter uns Jungs waren damals Striptease-Treffen der große Renner. Man verabredete sich, meist war es eine größere Gruppe, und dann zog sich entweder einer aus, und die anderen schauten zu, oder alle zogen sich aus. Und jeder war froh, dass er nicht der einzige war, der einen Ständer bekam. Gewichst wurde nicht, aber viel gelacht.
»Achtung, der dicke Hellmann reisst sich wieder den Arsch auf!«
Eines Tages sagte ein Kumpel zu mir: »Meine kleine Schwester macht das übrigens auch. Haste Lust?«
»Dumme Frage. Wann?«
»Jetzt«, sagte er.
Wir gingen zu ihm nach Hause. Die Eltern waren nicht da. Die Schwester war in ihrem Zimmer. Sie war ein paar Jahre jünger als wir. Mein Kumpel deutete auf mich & sagte zu ihr:
»Er will auch mal was sehen. Komm, mach mal ne Show.«
Sie lachte & sprang ohne zu zögern aufs Bett. Sie fing an herumzutänzeln, wackelnd auf der weichen Matratze, sie kicherte & zog sich aus dabei. Allzu spannend fand ich das nicht. Aber es war mal etwas anderes. Schließlich drehte sie uns den Rücken zu & zog Hose & Schlüpfer runter. Soweit war noch alles gut. Ihr kleiner Hintern gefiel mir.
Dann: eine weitere Drehung……
Ein paar Jahre zuvor hatte ich einen neuen Beruf für mich entdeckt: Elektriker. Ich schraubte einen Elektrostecker auseinander, nahm den einen Metallstift in die linke, den anderen in die rechte Hand & steckte dann beide gleichzeitig in die Steckdose. Ich wurde ca. 2 Meter zurückgeschleudert & knallte gegen den Kleiderschrank an der gegenüberliegenden Wand. Es hatte eine Weile gedauert, bis mein Herz wieder zur Ruhe gekommen war.
So ungefähr erging es mir auch jetzt. Ich konnte kaum hinschauen. Ich flüsterte meinem Kumpel ins Ohr:
»War das…. immer schon so… oder war das ein Unfall?«
Er prustete los. Sagte laut:
»Weißt du etwa auch nicht, dass Frauen Brüste haben?«
»Selbstverständlich weiß ich das«, sagte ich. Empört. Das wußte ja wohl jeder.
Die Schwester lachte. Jetzt fing sie auch noch an, mit ihren Fingern die Schamlippen ein bißchen zu spreizen.
Das war’s für mich. Nichts wie weg hier, dachte ich. Ich ließ mir eine Ausrede einfallen … ich hatte etwas vergessen … ich musste schnellstens nach Hause.
Tja. Davon musste ich mich erstmal erholen.
Ich kam drüber weg. Ein Weltbild war eingestürzt. Ein anderes war entstanden. Und so schlecht war das zweite ja auch nicht.
Aber trotzdem. Manchmal fänd ich’s auch heute noch interessant, wenn Frauen Schwänze hätten. – Und sei es auch nur aus nostalgischen Gründen.
Was für eine merkwürdige Zeit die Vergangenheit doch ist.
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Die Pendeluhr tickt Romane
in der Nacht
eine Mücke besäuft sich an mir
Die Lampe meiner Kindheit beflackert
den RomanTisch
an dem ich sitze
In meinem Kopf ein kaputtes Puzzle
Teile fehlen
Wände in schwarzem Schattensamt
Eingestürzte Büchertürme
Zerbrochene Bleistifte
Tickende Stille während die Mücke trinkt
ihre Beine in kaltem Schweiß
Das Zittern stört sie nicht
Ich sehe ihr zu
unbeteiligt
Am Boden die Mondpfütze
Das Herz flattert im Rippenkäfig
Wenigstens der Mücke geht es gut
Ich lasse sie leben
Sie soll davon fliegen
in die Nacht hinaus
mit meinem Blut
2 Kommentare | Schlagwörter: Alkohol, Einsamkeit, Kultur, Lyrik, Tiere | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Einsamkeit steht neben meinem Bett &
singt, während ich schlafen will; sie
schwingt die Hüften in ihrem kurzen Rock &
sie legt mir den Schraubstock an. Kalt
ist das Metall an meinen Schläfen; sie
dreht das Gewinde, sie dreht &
singt & schwingt ihre Hüften, ich
drehe mich, drehe mich hin, drehe mich her,
sie dreht das Gewinde, es schwingt der
Rock, es singt in mir, die Einsamkeit singt,
sie steht an meinem Bett, der
Schraubstock ist kalt, er schmerzt &
singt, das Gewinde singt, die Einsamkeit
lächelt, ich drehe mich, der
Schraubstock ist schwer, er
drückt meinen Kopf in das Kissen, die
Einsamkeit tanzt & lächelt & singt &
sie beugt sich vor & sie gibt mir
einen Kuss & –
ich bleibe wach
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Gestern
war ich so besoffen, dass
weiße Mäuse ChaCha tanzten
Heute
werden schwarze Ratten Tango tanzen
(per Aspirin ad astra)
89 %iger Absinth, ich
swinge durch den Flur zur
Fledermaus-Overtüre, ich weiß,
morgen wird in meinem Schädel ein
Kater leben, der schwindeln kann.
Ich werde ihn streicheln, mein
kleines Kartäuser-Baby, und
er wird schnurren
wie ein kleiner Motor, der
mich durchs Leben bewegt.
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Ich habe einen falschen Ton gespielt
Sofort wiederhole ich ihn
Und ich denke: alle werden denken:
Was für eine coole Sau, diese
Dissonanz ist
großartig!
Ein Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik, Musik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Katze legt mir Liebesbeweise
auf den Teppich. Die
Eingeweide einer Maus.
Wäre ich so einfallsreich gewesen,
wärst Du dann noch hier?
Ein Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik, Tiere | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Der große Bruder fuhr mit seinem neuen Moped davon.
Ich schaute ihm nach. Mein Vater sah mich an. Ich
war 11. „Beneidest du ihn?“ fragte er.
„Ja“, sagte ich, „schon, irgendwie.“
„Das musst du nicht. In seinem Alter hat man
viel mehr Sorgen. Du bist in einem
tollen Alter. Freu dich darüber.“ Er lächelte.
Ich verstand so ungefähr, was er mir sagen wollte;
aber das Moped war trotzdem sehr schön.
Ein Jahr später war mein Vater tot.
Als ich dann in dem Alter war,
in dem ich ein Moped hätte fahren dürfen,
landete ich in der Klapsmühle,
verzweifelt, selbstmordgefährdet, tobsüchtig.
Ich weiß nicht mehr, wann die Erinnerung
an diesen Moment mit meinem Vater wieder
auftauchte. Jetzt bin ich älter
als Er geworden ist. Mein Gedächtnis ist
manchmal ungerecht. Aber dieser Moment
ist noch da.
Und das ist gerecht.
Ein Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kindheit, Kultur, Lyrik, Wahnsinn | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Ständig widerspreche ich mir.
Und jedesmal habe ich recht.
Das ist beängstigend.
Oder auch nicht.
Ein Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Wenn mir die Cocktailstunde schlägt,
wird mein Magen geistreich. Mit
Feuerwasser lösche ich die
Nüchternheit. Rufe Geister.
Mit meinem Gin ziehe ich in
die Wunderlampe. Wo
Oliven leben & Kirschen
zuckrig feixen. Lachend
fechten wir mit Cocktailspießen.
Lösen uns in Rauch auf. Wir werden
Wolken & regnen auf die Wüsten,
mein Gin & ich.
Die Leber eine Oase.
Hochprozentige Freudentränen.
Gegenwart schwimmt,
Vergangenheit lebt. Uhren
kriegen Schluckauf. 1000 &
1 Nacht … im Suff verbracht …
Spinnen werden zu Freunden,
Ratten shakern Märchenmix,
ein Pasch aus Eiswürfeln heißt
Glück. Weiße Mäuse streicheln
Schlangen. Der Gin,
ein zaubernder Riese, der mich
auf Händen trägt, fliegend unterm
Mond, fliegend unter Kandissternen.
Unendlichkeit, ich sehe sie in der
Flasche. Ein Kosmos – die ewige
Cocktailstunde.
2 Kommentare | Schlagwörter: Alkohol, Geister, Kultur, Lyrik, Tiere, Wahnsinn | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
München unter schwarzem Himmel. Neonreflexe auf meinen Brillengläsern. Seit Stunden hörte ich den Takt meiner Absätze. Einfach laufen, nicht schlafen. Ich hatte 5 Euro in der Tasche. Das Hotel hatte ich vorab bezahlt, das Ticket für die Rückfahrt lag im Koffer, alles andere war egal. Keine Ahnung, was mit meinem Gesicht los ist, aber wenn ich so unterwegs bin, werde ich ständig angesprochen. Aus einer Menschenmasse werde ich herausgepickt. Ich werde nach Wegen gefragt, ausgerechnet. Ich kenne keinen Weg. Nirgends. Namen interessieren mich nicht, schon gar nicht Straßennamen. Ein Schwarzer, der kein Deutsch sprach, wollte einen Brief verschicken; er fragte mich, wieviel Porto er darauf kleben müsse & bat mich, ihm am Marken-Automaten behilflich zu sein. Er bedankte sich herzlich. Ausgerechnet ich half also einem Menschen, mit einem anderen Menschen in Kontakt zu treten; ich fand das komisch & grinste zurück.
In fremden Städten schlafe ich nie mehr als 3 Stunden. Ich laufe Tag & Nacht herum & esse fast nichts. Wenig Schlaf, wenig Geld, viele Eindrücke.
In einer der dunkleren Straßen wurde plötzlich mein Takt von einem anderen, schnelleren Takt übertönt. Das Geräusch war sexy, also drehte ich mich um. Die Absätze waren hoch & überquerten die Straße in Richtung eines Clubs, den ich gerade passiert hatte. Kurzes schwarzes Kleid, lange blonde Haare, leuchtende Schultern & Beine. Bevor sie im Eingang verschwand, warf sie mir ein Lächeln zu, das so knapp war wie ihr Kleid.
Ich ging weiter. Das fremde Lächeln, es kochte in meiner Einsamkeit. Ich ging weiter. Verdrängte den Gedanken, es könnte ein Profi-Lächeln gewesen sein. Weiter. Die Schritte langsamer, der Puls schneller. Dann blieb ich stehen. Ich kehrte um.
Mit Tunnelblick ging ich hinein. 5 Euro in der Tasche. Gleich rechts hinter dem Eingang war eine Theke, an der 5 oder 6 Frauen saßen. Alle schauten mich an, sie war nicht dabei. Ein paar muskelbepackte Aufpasser waren strategisch verteilt; Gäste sah ich 2 oder 3 an den Tischen. Hinten links gab es eine weitere Theke, wo niemand saß. Dort nahm ich Platz. Dahinter eine lächelnde Dunkelhaarige. Vor bunten Flüssigkeiten, die ich mir nicht leisten konnte.
„Was darfs sein?“
„Eine kleine Cola“, sagte ich.
Sie nahm ein Glas & holte eine Flasche, die mir winzig erschien. Schenkte ein & stellte das Glas vor mich hin.
„Das macht 5 Euro bitte.“
Ich reichte ihr den Schein.
Sie sagte: „Nicht böse sein, dass ich vorab kassiere, aber das müssen wir hier.“
„Kein Problem“, sagte ich.
Eine von den Frauen, die ich vorne gesehen hatte, setzte sich neben mich. Blond, in weißen Hotpants.
„Hallo.“ Schon das Hallo klang osteuropäisch. In dieser Nacht störte mich das aus irgendeinem Grunde.
Ein bißchen Gespräch plätscherte hin & her. Sie berührte mein Knie mit der Hand.
Sie sagte: „Wir können etwas trinken, und dann gehen wir nach hinten.“
Ich sah die Tür hinter ihr. War das schwarze Kleid dorthin verschwunden? Wenn doch sie jetzt hier wäre, dieses Lächeln jetzt hier wäre. (Und dann? Es würde dir kein Geld in der Hose wachsen.)
„Ich warte noch auf einen Kumpel“, sagte ich. „Wir haben uns hier verabredet.“
Nippte an meiner Cola. Es arbeitete hinter dem Gesicht über den weißen Hotpants. Sie taxierte mich. Zweifelte.
„Ok, solange geh ich dann mal.“ Und weg war sie.
Nach einer halben Minute saß eine Dunkelhaarige neben mir. Sie war der Konversations-Profi. Schwächerer Akzent. Touristengeplauder. Fragte mich, was ich denn schon gesehen hätte, sagte mir, was ich unbedingt noch sehen müsse, erzählte mir, was sie in den letzten Tagen in ihrer Freizeit unternommen hatte.
Und schließlich tischte ich auch ihr die Story von dem Kumpel auf.
„Ok“, sagte sie, „dann hol ich noch eine Kollegin dazu, und wir gehen zu viert nach hinten.“
Hinten hinten hinten, kreiste es durch meinen Schädel. Ich stellte mir das schwarze Kleid vor, wie es am Boden lag.
„Darf ich was trinken?“ fragte sie.
Verdammt, da hatten wir’s. Und meine Cola war auch schon alle.
„Sekunde“, sagte ich, „ich check grade mal, wo der bleibt.“
Ich holte das Handy aus der Tasche. Hielt es so, dass sie nicht darauf schauen konnte. Tastete darauf herum.
„Mist“, sagte ich. „Kein Empfang.“
Du blöder Loser, fuhr es mir durch den Kopf.
„Komisch“, sagte sie.
Ja. Komisch, um nicht zu sagen lächerlich, peinlich, armselig.
Sie wußte, was los war.
„Ich probier’s grad mal vor der Tür“, sagte ich & stand auf.
Ich wollte ihren Blick nicht sehen, aber ich sah ihren Blick. Und sie war wirklich sehr liebenswürdig gewesen.
Ich fühlte, Köpfe wandten sich mir zu, als ich mich auf den Ausgang zubewegte. Loser.
Irgend jemand sagte: „Moment.“ Eine Frau sagte es. Aber diesen Moment hatte ich nicht mehr. Ich ging hinaus.
Draußen fragte ich mich, ob mir jemand folgen würde. Blödsinn. Sowas erlebten die sicher ständig. Es gibt so viele Loser auf der Welt. Entweder ist es Angst, oder es ist kein Geld, oder es ist beides. Oder es ist irgend etwas anderes.
Null Euro in der Tasche. Der Himmel war nicht schwärzer als vorher. Der Absatztakt beruhigte sich. Das Lächeln würde mir bleiben; der Blick über die leuchtende Schulter hinweg. Baudelaire … ich dachte an mein Lieblingsgedicht … A une passante ….. Ich ging weiter. Ging vorüber. Vielleicht würde mich wieder jemand nach einem Weg fragen. Nach irgend einem Weg, den ich nicht kannte.
Irgend etwas war mit meinem Gesicht.
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Eiter spritzte auf den Spiegel,
eine kleine Sonne.
Das ist mein wahres Talent,
dachte ich:
Kranke kleine Sonnen
in die verkehrte Welt schießen.
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Heißes schreibe ich auf Backpapier
Glänzendes auf Stanniolpapier
Düsteres schreibe ich auf Kohlepapier
Beschissenes auf Klopapier
Zeitliches schreibe ich auf Zeitungspapier
Wertvolles aufs Wertpapier
Schmieriges schreibe ich auf Butterbrotpapier
Wechselvolles auf Lackmuspapier
Kleines schreibe ich auf Millimeterpapier
Bildliches auf Fotopapier
Gestohlenes schreibe ich auf Kopierpapier
Vielfältiges auf Krepppapier
Faßbares schreibe ich auf Büttenpapier
Schlagkräftiges auf Durchschlagpapier
Atemloses schreibe ich auf Zigarettenpapier
Erinnerungen auf Elefantenhautpapier
Ich schreibe ich auf Altpapier
Gedichte schreibe ich
Dir
auf Geschenkpapier.
2 Kommentare | Schlagwörter: Beziehung, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Die Zahl.
21.
Jagte ihm Angst ein.
21 Jahre
ohne Kuss.
Ohne Zärtlichkeit.
21 Jahre
Einsamkeit.
21 Jahre
Tod
& Sehnsucht.
Die Angst,
21 Jahre
lang.
21 Jahre
Ende & Zusammenbruch.
21 Jahre
Traum & Erinnerung.
21 Jahre
Leben ohne Leben.
21 Jahre
Dunkelheit.
21 Jahre.
Wie war
SIE
die EINZIGE
doch
schön
gewesen,
mit
21 Jahren.
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Der See blendete. Die Sonne: weißgoldenes Stanniol auf seiner Oberfläche. Frische Luft hatte ich schon lange nicht mehr geatmet. Die Bank war hart, fast hätte ich mir einen fetten Arsch gewünscht. Sitzen, Atmen, Schauen, Riechen, Hören … das sollte eigentlich reichen; Geschäftigkeit ist mir ein Gräuel. Es waren nicht allzu viele Menschen unterwegs. Sie hatten zu tun. Ich hatte zu leben. Unter Bäumen. Beobachtete die Ameisen, die zwischen den Lichtsplittern über den Gehweg krabbelten. Blätter überquerten. Entfernt sah ich eine spazierende Frau. Das erste Signal: ein sehr kurzer Rock. Das zweite Signal: lange dunkle Haare. (Nicht starren jetzt … auch mal in die andere Richtung gucken) Jemand ruderte über den See, lautlos. Ein Käfer landete auf meinem Hosenbein. (So, jetzt mal wieder, wie zufällig….) Sie näherte sich langsam. Ziellos, in Gedanken. Ziellosigkeit finde ich attraktiv, Gedanken finde ich attraktiv. Und je näher sie kam, desto jünger schien sie zu werden; normalerweise war das umgekehrt. (Den Käfer beobachten, wie er auf meinem Bein spazieren geht) Allmählich waren ihre Schritte zu hören. Flache Schuhe. Auf der andern Seite steuerte ein Mann mit Rollator eine Bank an. (Flache Schuhe zu kurzen Röcken, jawohl, Krieg dem HighHeels-Wahn!) Ich näherte meinen Zeigefinger dem Käfer. Zeit verging.
„Entschuldigung, können Sie mir sagen, wie spät es ist?“
Weg war der Käfer, ich schaute zu ihr auf.
„Ich hab selber keine Uhr“, sagte ich. (Wie? Kein Handy? Keine Uhr? in dem Alter? Gibt’s doch gar… na, vielleicht ist der Akku leer)
„Ist ja auch egal“, sagte sie & lächelte. „Ist der Platz noch frei?“
Ich nickte, sie setzte sich; ihre Handtasche zwischen uns.
(Nicht starren …. nackte glatte Beine … Sonnenlicht, leichte Bräune … flache Schuhe, geschlossen … Duft: frisch gewaschene Haare…. hoffentlich stinke ich nicht … nach Schnaps & kaltem Rauch)
Wie alt & hässlich mußte ich ihr erscheinen. Selbst meinem Badezimmerspiegel erschien ich so.
Sie sagte: „Hab den Vormittag frei, da dachte ich mir, bei dem schönen Wetter, lauf ich doch mal’n bißchen rum. Wird bestimmt heiß heute.“
Ich durchwühlte die verstaubte Gedächtnistruhe nach Small-Talk; irgendwo ganz unten mußte es noch etwas geben.
Wir schauten auf den See. Wenn ich sicher war, dass sie auf den See schaute, schaute ich auf ihre Beine. Der Ruderer näherte sich dem Ufer auf der andern Seite. Für meine Verhältnisse lief das Geplauder ganz gut.
Dann sagte sie unvermittelt: „Ich weiß, dass Ihr Vorname Wolf ist.“
Ich schaute sie an. „Woher?“
Sie wandte mir ihr Gesicht zu. „Wir kennen uns. Sie wissen auch, wie ich heiße.“
Ihre Augen: bekannt. Ihre Nase: bekannt. Ihr Mund: bekannt. – Und doch … das Gesicht: ich erkannte es nicht.
„Sagen Sie mir, wie ich heiße.“
Ich starrte sie an, jetzt durfte ich wohl starren, und ich überlegte krampfhaft.
„Äh…. im Moment …. also ehrlich gesagt…“
„Sagen Sie’s einfach. Sie wissen es.“ Es lächelte aus ihr.
Ich sagte, was mir als erstes in den Sinn kam. „Jenny?“
„Sehen Sie, ich hab doch gesagt, Sie wissen es.“
Ich bekam eine Gänsehaut. Ich wünschte mir den Käfer zurück. (Sonne in ihrem Haar … Lächelaugen … weiße Zähne … duftender Atem)
– – Jenny läuft durch den Sand … der bunteste Bikini in der Einsamkeit … Das Meer spielt Meer, die Haare wehen … Swing in allem … Salz & Rausch … ich stehle ihr den Sand von den Füßen bis sie giggelt … Sie krault den Hund zwischen den Ohren – –
„Wollen wir zu Ihnen nach Hause gehen“, fragte sie.
„Und dann?“ (Was für eine blöde Frage, du Idiot)
„Dann machen wir’s uns gemütlich. Legen uns ins Bett. Lecken uns stundenlang. Und dann quatschen wir die ganze Nacht. Wir lachen, wir riechen uns, wir trinken Sekt, Wein & Natur, und vielleicht hört die Nacht gar nicht mehr auf. Im Dunkeln kichern wir unter der Decke wie Kinder.“
Ich stand auf. Wahrscheinlich zertrat ich Ameisen dabei.
„Dann lass uns gehen“, sagte ich.
Wir gingen. Der Mann mit dem Rollator saß drei Bänke weiter & sah uns. Er schien auf ihre Beine zu starren. Es war nicht weit bis zu meiner Wohnung.
Wir betraten den Hausflur.
„Ist im ersten Stock“, sagte ich, „kein Aufzug.“
Sie lächelte. „Soll ich vorgehen?“
„Bitte.“
Als sie auf der 4. Stufe war, folgte ich ihr. Ich wußte, dass sie nichts unter dem Rock trug. Jetzt durfte ich wohl starren.
Ich schloß die Wohnungstür auf. Ließ Jenny vorgehen.
Als ich die Tür zumachte, war alles wie immer. Hier gab es keine Sonne. Ich ging rüber zum Schreibtisch. Verstreute Blätter. Beschrieben & unbeschrieben. Ich überflog ein paar Zeilen.
Wahrscheinlich würde ich wieder alles zerreißen. In den Zeilen stand – immer wieder – Jenny.
Die Wohnung war menschenleer.
Und ich wußte, ich würde mich betäuben müssen.
Ein Kommentar | Schlagwörter: Erotik, Kultur, Stories | Veröffentlicht inAlles, Stories
Ich rannte durch die Straßen
schrie:
RETTET MICH!
Fensterläden knallten
Fragende Gesichter fragten uninteressiert
Tote Augen, grinsende Zähne
Ich bettelte um das Betäubungsgewehr
Niemand schoss, niemand gab es mir
Ich rannte durch die Straßen
sah: ein Lächeln
es galt nicht mir
Sah: Langeweile
Gähnen
Ich rannte.
Ich schrie.
Die Straßen waren
gestorben.
Warum
lebte ich?
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Einsamkeit, Kultur, Lyrik, Waffen, Wahnsinn | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Erst hatte ich mir die Nacht um die Ohren gehauen, dann stand der Bluterguß am Himmel. Ich mag Sonnenaufgänge nicht besonders. Sie kündigen an, dass es in Kürze laut werden wird. Gequatsche, Rasengemähe, Autos, Hunde, Geklingel, Gehupe, Hämmern, Bohren, Sägen, „GUTEN MORGEN!!“, „GUUUTEN MOOORGÄÄN!“. Den Anfang machen immer die Amseln, die sich gegenseitig vor den Katzen warnen. Ich hasse Amseln, aber irgendwie sind sie mir ähnlich; nur mit der Kommunikation hapert’s bei mir.
Ich war einfach durch die Nacht gelaufen. Halbmond in Pfützen. Wie schmeckt die Mündung einer Schrotflinte? Das hatte ich mich gefragt. Oh ja, ich bin ein gutgelaunter Mitmensch. Beobachte all diese fluffig=lockeren Leben um mich herum. Aber nach ner halben Flasche Gin wird’s auch bei mir fluffig. Dann gehe ich auf wie die Sonne & der Mond zusammen.
Ich mußte mich setzen. Bänke gab’s genug. Schön hart & unbequem. Ich döste bis die Welt sich verdoppelte. Vorgärten. Rolleaus wurden hochgezogen. Lange saß ich dort & fror ein wenig. Augen gingen zu. Augen gingen auf.
Irgendwann schaukelte ein kleines Mädchen in einem der Gärten. Leise. So leise. Vertieft in den Morgen, in das Licht. Vertieft ins Glücklichsein. Ein kleines Pendel in der Gegenwart. Und doch außerhalb der Zeit. Mir fielen Träume ein, die ich nicht allein geträumt hatte. (Sie stand auf der Terrasse & warf die Pille ins Gras … die Sonne schien … als ich die Sonne noch mochte … ich mochte die Sonne, weil sie auf ihre Beine schien … als sie auf der Terrasse stand … & die Pille ins Gras warf) Das Mädchen schaukelte lange. Ich schaute ihm zu & fror ein wenig. Ich hörte keine Amseln. Dann sprang das kleine Pendel von der Schaukel & lief ins Haus.
Ich wartete bis die Schaukel … still … stand. Dann stand ich auf & ging nach Hause. Das Haus wurde von vielen für unbewohnt gehalten, ich hatte es durch Zufall erfahren. Der Garten war verwildert, die Rolleaus permanent unten, die Haustür verrottet, die Klingel abgestellt.
Ich ging ins Bett & wartete auf den Sonnenuntergang. Das Kopfkissen war fluffig.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Stories | Veröffentlicht inAlles, Autobiographische Prosa
Er öffnete die Luke in der Decke & ließ die Leiter herab.
Er kletterte auf den Speicher & machte Licht.
Er setzte sich in den Sessel & betrachtete den Dichter,
der sich dort erhängt hatte.
Dann nahm er Die 120 Tage von Sodom zur Hand, blätterte darin.
Nach 1 Stunde stieg er wieder hinab, ging
in den Raum mit den Schaufensterpuppen.
Eine Zitterspinne wohnte in einer der Perücken; er
begrüßte sie. Buntes Lampenlicht. Stille.
Er legte sich auf den Teppich. Dorthin,
wo die Puppen ihn beobachten konnten.
Frieden.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Dichter, Kultur, Lyrik, Wahnsinn | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Statt Aspirin +C trinke ich
Cointreau, in dem sich der Vollmond spiegelt
Sitze auf den Stufen vor der Haustür
Selbst der fremde Hund, der mich tagsüber immer wieder
weckt, ist still & schläft
Dann : Absätze.
Es ist nicht der Igel, der vor mir durch das Gras raschelt &
mir so ähnlich sieht.
Eine junge Frau durchquert den Laternenschein.
Ich schaue ihr hinterher. Sie ist
in dem Alter, das ich nicht vergessen kann.
In dem Alter, das mich vergessen hat.
Ich trinke stumm. Brennendsüßes Licht.
Sie entfernt sich. Sie ist ein Metronom.
Musik, die nur noch in meinem Kopf klingt.
So alt. Tick.
Älter als ich. Tack.
Eine Melodie, die ich
…Tick…
nicht vergessen kann.
Sie ist Damals. Tack. Sie ist –
Du.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Alkohol, Beziehung, Kultur, Lyrik, Tiere | Veröffentlicht inAlles, Erotik/Sex (eine Auswahl), Gedichte/Texte
Er fand seinen Vater auf einem Sofa aus Blut. Das Gesicht eine rote Pfütze. Der letzte Husten. Lungenkrebs. Tod. Ich war 3.
Und dann lag er selber im Bett, und ich war 12. Er rief nach mir, mit zerbrechender Stimme. Ich blieb in der Tür stehen.
„Meine Füße sind kalt … wickelst du mal die Decke drum …. aber vorsichtig.“
Es gruselte mich, ich ging zu ihm. Ganz vorsichtig, ganz behutsam bewegte ich die Bettdecke. Die Reste seines Gesichts waren nur noch Schmerz. Abgemagerter Schmerz der ganze Mann. Er stöhnte auf. Ich war so vorsichtig. Dem Krebs war das egal.
Dies war der Mann mit der Hundepeitsche. Dies war der Mann, der sich zuhause kaum im Griff hatte.
Mit der Peitsche….. nein, damals war es die Leine…. mit der dicken ledernen Leine schlug er auf meinen Bruder ein. Der blieb fast stoisch. Ich kleiner Bruder schrie & weinte. Der Anblick … ich sprang ins Bett & vergrub mein Gesicht in der Decke. Schrie in die Decke „Bitte nicht!“ Es war schlimmer als selber der Geschlagene zu sein. Die Mutter war machtlos. Sie schlug er nicht, aber sie konnte nichts ausrichten. Machte man die zarteste Geste, einen Schlag abwehren zu wollen, ging es erst richtig los. „WAS? DU WEHRST DICH?! NA WARTE!“
Einmal, bei einem friedlichen Mittagessen, kippte ich einfach vom Stuhl & kam erst auf dem Boden wieder zu mir. Und das Unfassbare geschah. Nach diesem Ereignis bekam zumindest ich keine Ohrfeigen oder Schläge an den Kopf mehr. Ich rechne es ihm hoch an, dass er das schaffte & sich nur noch meinen Arsch vornahm. Und auch der Stock kam seltener zum Einsatz.
„Danke“, stöhnte er. Er versuchte zu lächeln. Es wurde zur Fratze. Ich ging zurück in mein Zimmer. Das war der Mann, der die Bücher liebte. Der angesehene Wissenschaftler. Der Mann mit den vielen Freundinnen. Der Mann, den ich für unbesiegbar gehalten hatte. In dessen Gegenwart ich mich vor der Außenwelt beschützt fühlte. Vor dem ich Angst hatte. Der das Kinderprogramm mit mir zusammen schaute & sich königlich amüsierte dabei. Der Mann mit den zarten, schönen Händen.
Als er starb, überwog die Erleichterung den Schmerz; das Freiheitsgefühl die Trauer. Und das war das Traurigste daran.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Gewalt, Kindheit, Krankheit, Kultur, Stories, Tod | Veröffentlicht inAlles, Autobiographische Prosa
Ich werfe mein Leben auf den Boden.
Es splittert. Ich hole ein Blatt Papier,
fege einige Splitter darauf; undurchsichtige,
klare, scharfe, glatte. Auf anderen kaue ich herum,
bis mir die Fresse blutet. Ich
sabbere das Blut aufs Papier.
Dann lege ich das Blatt neben die
Schreibmaschine.
Ich brauche es nur noch abzutippen.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Liest die Kassiererin in meinen Einkäufen?
Ich kaufe nur 1 Zahnbürste.
1 Brot, 3 Tomaten.
4 Flaschen Schnaps, 5 Flaschen Rotwein.
Zigarren.
Was liest sie?
Wenn die Flaschen auf dem Laufband
aneinanderstoßen, ist mir das peinlich.
Immer wenn wir uns sehen, kommt
ihr diese Hausbar entgegen.
Liest sie?
Ach Quatsch! ich nehme mich zu
wichtig.
Sie hat anderes zu tun; Tausende
wie ich begegnen ihr. –
Und doch …..
manchmal, einen kurzen Blick ihrer
Augen lang, denke ich,
sie weiß.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Alkohol, Kultur, Lyrik | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Alles was schiefgeht, taufe ich Absicht.
Alles Unglück habe ich schon irgendwo gelesen – –
Der Albtraum schönt das Erwachen.
Der Tod hat schon die meisten geholt.
Der Schlaf der Vernunft gebiert Liebe.
Krankheit weckt Kräfte.
Die schönsten Tiere bevölkern die Dunkelheit.
Schläge fördern die Durchblutung.
Hass ist ein Gefühl.
Schmerz weckt auf.
Scheisse bedeutet Erleichterung.
Alleinsamkeit denkt.
Fieber malt Träume.
Hinterlasse einen Kommentar | Schlagwörter: Krankheit, Kultur, Lyrik, Tod | Veröffentlicht inAlles, Gedichte/Texte
Und wieder verliebe ich mich in die
Unbekannte –
nie gesehen, nie gehört – nur
gelesen – – –
hoffe, dass sie Kinskis Bücher auf dem
Nachttisch hat – & den Faust im Herzen trägt
komponiere Lieder für sie,
werfe Reime auf den Müll, weil
Kunst ihr nicht gerecht wird –
zeichne sie dennoch –
mit Blut
& sage mir :
das ist die Einsamkeit –
das ist nicht die
Realität – – –
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Meine 1033ste Wiedergabeliste erstellt –
für jede Gelegenheit eine :
Musik für die Badewanne
Musik zur Entspannung
Musik zum Verrücktwerden
Musik für den Vertreterbesuch
Musik zum Kochen
Musik zum Saufen
Musik zum Weinen
Musik zum Schweigen
Musik zum Bügeln
Musik zum Erwachen
Musik zum Einschlafen
Musik zum Müllrausbringen
Musik für den Selbstmord
Musik zum Lachen
Musik zum Lesen (nein, Quatsch, stört nur)
Musik zum Essen
Musik zum Staubwischen
Musik zum tonlosen Fernsehen
Musik zum Nägeleinschlagen
Musik für den Blowjob (nein, Quatsch, stört nur)
Musik zum Musikhören
Musik zur Kontoauszuglektüre
Musik zum Mixen
Musik zum Wichsen
Musik zur Pediküre
Musik zum Kloputzen
Musik zum Haareschneiden
Musik zum Träumen
……………………………
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Gestern abend: es klingelte
an der Haustür. Ich öffnete.
Ein alter Kerl mit stumpfen
Pupillen & abgebrochenen
Zähnen, krummbucklig &
fleckenhäutig, stand dort.
Er trug einen zerfledderten
Strohhut.
„Guten Morgen“, sagte er.
„Es ist Abend“, sagte ich.
„Ach ja?“
„Was wollen Sie?“
„Ich? Nichts.“ Er berührte
die Hutkrempe mit Zeigefinger &
Daumen der linken Hand.
„Originalität“, sagte er.
Ich gab ihm einen Schubs, und
er fiel rückwärts die 4 Stufen
hinunter.
Er blieb liegen.
Stöhnte.
Schmale Blutrinsale sickerten
ihm aus Ohren & Nase. Er
war ein hilfloser
alter Mann.
Ich ging ins Haus zurück,
verschloss die Tür &
setzte mich vor den Fernseher.
Ich fürchte, er
liegt immer noch dort.
* * * *
(Geschrieben 1985)
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Ich bin so alt, dass ich mich erinnern kann, wo mein Vater bei der ersten Mondlandung war. Er war bei einer seiner Freundinnen, während meine Mutter außer sich war. Damals wohnten wir noch in einer Gegend, wo es keine Brücke in der Nähe gab. Später lief meine Mutter bei solchen Gelegenheiten immer zur nahegelegenen Autobahnbrücke (natürlich erst, wenn mein Vater wieder zurück war), und einer meiner großen Brüder mußte ihr nachlaufen, um sie zurückzuholen. Er fand das irgendwann langweilig.
Später auch brachte mein Vater seine Liebste mit nach Hause. Sie schlief dann – nach angemessenem Theater – mit meinen Eltern im Ehebett. Ich mochte sie. Sie war jung & hübsch (& wußte es – hin & wieder saß ich neben ihr in ihrem Käfer, und hin & wieder schaute sie in den Innenspiegel & sang „Was bin ich doch hübsch“ oder so ähnlich – darüber machten wir Brüder uns hin & wieder lustig). Manchmal, wenn ich in meinen Kinderbüchern blätterte, legte sie sich zu mir aufs Bett & las mit. Sie roch gut. So nah. Meine Brüder waren in einem Alter, wo sie sie als Mutterersatz geil gefunden hätten – ich war noch nicht so weit. (Meine Mutter erzählte mir irgendwann, mein Vater habe Schloss Gripsholm von Tucholsky besonders wegen der entsprechenden Stelle so geliebt.)
Nach dem Tod meines Vaters (ausgerechnet Prostatakrebs, mit 48), besuchte seine liebste Freundin meine Mutter. Von der Küche aus belauschte ich ihr Gespräch im Wohnzimmer. Sie sprachen wie Verbündete. Auszug:
F: „…und dabei hat er doch immer gesagt, dass er noch mit 70 so potent sein würde.“
M: „…ja.“
(Er hatte die Operation verweigert. „Die wollen mich hier kastrieren“, sagte er zu einem Kollegen, der ihn im Krankenhaus besuchte. Ich saß im Stuhl neben Papas Bett.)
Um zu der Mondlandung zurückzukommen: die Nacht war wunderbar. Ich durfte aufbleiben. Heinrich Schiemann erklärte. Zwischendurch gab es Unterhaltung. ZB Eisenbahndetektiv Matt Clark mit Jim Davis, der später den Jock Ewing in Dallas spielte. – An was man sich doch alles erinnert.
[Dass die Frau des erwähnten Bruders die Große (zerstörende) Liebe meines Lebens wurde, ist ein Roman, der wohl nie geschrieben werden wird.]
Ein Kommentar | Schlagwörter: Beziehung, Kindheit, Kultur, Stories | Veröffentlicht inAlles, Autobiographische Prosa
…zensiert………………………….
………………….zensiert…..
zensiert……….., zensiert……….;
………….zensiert……..:
zensiert !
……zensiert – ……zensiert?
……….zensiert.
Ich musste das einfach mal loswerden.
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Alkohol auf die Einsamkeit geschüttet
Musik in die Stille gegossen
3 Mal gewichst, um die Sehnsucht zu killen – vergebens
die Flecken aus dem kalten Waschbecken gewischt
Zigarrennebel in die Leere geblasen
Erinnerungen
Schlaf – so lange es geht – mit Dröhnen im Schädel, Schweiß in der Matratze
Träume voller Leben, voller Zärtlichkeit
So läuft mir das Leben von der Spule…..
Bandsalat auf dem Boden
nicht mehr zu entwirren
das Gespeicherte verloren
Müll
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Alles gerät mir zur Sucht
Fressen Saufen Ficken Lesen
Sucht ist alles
weil ich suche
immer suche
suche
ohne zu finden
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Kaleidoskopierende Gedanken aus Schlaflosigkeit,
Ideendonner in der Finsternis. Ich
möchte schlafen, möchte träumen, möchte –
wachbleiben. Möchte den Schlaf hinter mich bringen,
möchte aufstehen & liegenbleiben, aufschreiben ohne
mich zu bewegen. Hirngewitter. Ich drehe mich, Filme drehe ich,
fantastische Neuronenblitze, Begeisterungen,
große Opern, Bilderflüge, fliegende Teppiche aus
Daunen, Stromschnellen & Kurzschlüsse,
sprühende Metaphern in Endlosschleifen;
die Kissenfüllung aus Flügeln gemacht, Pegasus,
blutig von den Sporen dieser verdammten, dieser
geliebten Schlaflosigkeit.
Doch irgendwann wirft mir der Schlaf dann doch noch
ein paar Brocken Bewußtlosigkeit in den Bettelhut –
„Da, nimm!“
Ich schlafe.
Schlafe.
Ideen
vergehen.
Ich wache auf –
müde & blöde & leer
wie immer.
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