Schlagwort-Archive: Geister

In diesem großen leeren Haus

In diesem großen leeren Haus, in
dem ich wohne, tanze ich manchmal
nachts durch die Gänge, besoffen
von Geistern; ich schnüffele deinen
Nagellackentferner, die Straßenlaternen
leuchten durch Fenster in meine Finsternis,
spiegeln sich in Flaschen; die
Musik swingt in Erinnerungen; in
eisernen Papierkörben brannten deine Briefe,
ihre Flammen wärmten mich, nun
zittere ich; mit ihrer
Asche färbe ich mir die Haare –
vergebens


Cocktailstunde

Wenn mir die Cocktailstunde schlägt,
wird mein Magen geistreich. Mit
Feuerwasser lösche ich die
Nüchternheit. Rufe Geister.
Mit meinem Gin ziehe ich in
die Wunderlampe. Wo
Oliven leben & Kirschen
zuckrig feixen. Lachend
fechten wir mit Cocktailspießen.
Lösen uns in Rauch auf. Wir werden
Wolken & regnen auf die Wüsten,
mein Gin & ich.
Die Leber eine Oase.
Hochprozentige Freudentränen.
Gegenwart schwimmt,
Vergangenheit lebt. Uhren
kriegen Schluckauf. 1000 &
1 Nacht … im Suff verbracht …
Spinnen werden zu Freunden,
Ratten shakern Märchenmix,
ein Pasch aus Eiswürfeln heißt
Glück. Weiße Mäuse streicheln
Schlangen. Der Gin,
ein zaubernder Riese, der mich
auf Händen trägt, fliegend unterm
Mond, fliegend unter Kandissternen.
Unendlichkeit, ich sehe sie in der
Flasche. Ein Kosmos – die ewige
Cocktailstunde.