Der beste Moment

Der große Bruder fuhr mit seinem neuen Moped davon.
Ich schaute ihm nach. Mein Vater sah mich an. Ich
war 11. „Beneidest du ihn?“ fragte er.
„Ja“, sagte ich, „schon, irgendwie.“
„Das musst du nicht. In seinem Alter hat man
viel mehr Sorgen. Du bist in einem
tollen Alter. Freu dich darüber.“ Er lächelte.
Ich verstand so ungefähr, was er mir sagen wollte;
aber das Moped war trotzdem sehr schön.
Ein Jahr später war mein Vater tot.
Als ich dann in dem Alter war,
in dem ich ein Moped hätte fahren dürfen,
landete ich in der Klapsmühle,
verzweifelt, selbstmordgefährdet, tobsüchtig.
Ich weiß nicht mehr, wann die Erinnerung
an diesen Moment mit meinem Vater wieder
auftauchte. Jetzt bin ich älter
als Er geworden ist. Mein Gedächtnis ist
manchmal ungerecht. Aber dieser Moment
ist noch da.
Und das ist gerecht.


One response to “Der beste Moment

Du musst eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

%d Bloggern gefällt das: