Schlagwort-Archive: Liebe

Fingerkuppen

Ich sah ihre Fingerkuppen
Vibrato auf dem Hals des Cellos
Sah das Licht der Scheinwerfer
auf ihrem Haar

Hörte Bach

Wie schön ihre Finger waren
Wie schön ihre Fingernägel
Kurz gefeilt & glänzend

Noten
die zitterten

HarmoNie
HarmoImmer
HarmoEwig

Ich sah ihre Oberarme
im Rhythmus
der Noten

Sah ihre geschlossenen Augen

Konzentriert aufs Wesentliche

Hörte

Hörte

Ewigkeit


Mein kostbarster Besitz

Mein Hirn: eine matschigfaule Frucht
Ein Kater schnurrte darin &
spielte mit seiner Schwanzspitze
Die Sonne tat was ich wollte: Sie ging unter

Was war passiert
letzte Nacht oder
am Morgen bevor ich
schlafenging?

Ich erinnerte mich
dunkel

Ein Gefühl war gekippt
wie billiger Wein der
zulange offen steht

Essig

Ich konnte wieder klar
sehen

Nicht dass mir an der Klarheit
viel gelegen wäre
Aber ich gehörte wieder
mir selbst

Mein kostbarster Besitz

Ich machte mir mein
abendliches Frühstück:
Eier mit Schinken auf Toast
Ketchup
1 Liter Grüner Tee &
ging damit zurück ins Bett

Schaltete das Radio ein
atmete unfrische Luft &

fühlte mich gut

Gedanken kehrten zurück
in meinen Schädel
Sie waren mein Eigentum
Gedanken wie reife
Eiterbeulen

Und diejenigen
die nicht von alleine platzten
konnte ich
ausdrücken

Die nächste Nacht
stand bevor

Mehr brauchte ich nicht

Mehr brauche ich
nie


Das Leben als Sein & Vorstellung

Ich erwachte in dem Gehirn
eines anderen Menschen
Erwacht aus dem Schlaf
der meine Realität gewesen war

Plötzlich lebte ich als
Vorstellung
als Fantasie
als Traum
eines Anderen

Mein Leben war nur noch
der Reflex des fremden
Geistes

Ich wurde wahrgenommen
aber diese Wahrnehmung war
nicht wahr
War
nicht ich

Dennoch
es war aufregend
eine neue Form der
Existenz

Ein Leben im
Woanders

Ungewiss
für eine gewisse Zeit

Dann:

Wurde ich wieder gelöscht
von dem fremden Bewußtsein
aus dem fremden Bewußtsein

Vorstellung Fantasie & Traum
waren mir verschlossen
blieben mir verschlossen

Für einen Moment
schien ich nicht mehr zu existieren
Der fremde Geist ließ mich nicht mehr zu
Meine Realität hatte ich irgendwo
vergessen
Ich musste mich erst erinnern
wo
Ich musste sie wiederfinden

Musste sie wiederfinden
obwohl ich das Interesse an ihr
verloren hatte

Aber irgendwo
muss man ja

sein


Abwasch

Ich liebe es
Berge von schmutzigem Geschirr spülen
Das eingetrocknete Olivenöl aus der Pfanne schrubben
Teebeläge aus der Kanne bürsten
Besteck & Gläser zum Glänzen bringen
Die Reste der Martinis aus dem Shaker wischen
Fettpfützen aus tiefen Tellern entfernen
Zwiebel- & Knoblauchreste von Brettern kratzen

Ich liebe es
die Schublade des Toasters ausschütten
Die Kaffeemaschine zum Glänzen bringen
Den Herd blinken lassen
Die Spüle polieren

Töpfe waschen
Backbleche reinigen

Ich liebe es
das schmutzige Wasser
das in den Ausguss fließt

Sinn
Eine einfache Tätigkeit
die ein einfaches Resultat zur Folge hat
Sauberkeit

Ein Ergebnis
das
nicht auf sich warten lässt

Ein Anblick
der einen belohnt
für das was man getan hat

Licht
das reflektiert wird

Ich liebe es

Weil es so einfach ist


Rollos

Die Rollos
(schreibt man das heutzutage so?)
runtergelassen
gegen alles
das eindringen könnte

Normalität
Worte
Liebe (falsch)
Blicke
Sonne
Stimmen
Nüchternheit

Der Schmerz
bleibt draußen

Gedanken
bleiben dunkel

Gefühle
düster

Wie schön
Das Geräusch

Wenn man
die Rollos

herunterlässt


Der Schnellzug

Und wiedermal bist Du drüber hinweggekommen
Wie der Schnellzug über den Kopf des Selbstmörders
Ein bisschen was von Dir ist auf der Strecke geblieben
Aber das ist nicht wichtig

Wichtig ist
dass Du etwas hattest, worüber Du
hinwegkommen musstest
Und dass Du es geschafft hast

Die Veränderung, die es bewirkt hat, ist gut
Der Schmerz ist gut
Die Traurigkeit ist gut
Denn das ist die Lebendigkeit in Dir

Du kannst großzügig sein
mit Dir
& mit Anderen
Keine Rechtfertigungen
Keine Vorwürfe
Es ist keine Zeit dafür

Zu schnell wird der Zug sein Ziel erreichen
Den Kopfbahnhof, wo Du aussteigen musst
Schau aus dem Fenster
solange er unterwegs ist

Sieh was auf der Strecke liegt
Es ist nicht so wichtig
Wie Du manchmal denkst


Die Schlangenfarm

Ich lebe auf einer Schlangenfarm
Die Schlangen haben Beine
lang & schön
Die Schlangen haben Haare
lang & schön

Die Schlangen hängen sich
an meinen Hals
Sie zischeln mir ins Ohr
bis ich grinse

Ihre Bewegungen sind geschmeidig
wie ihre Worte

Ich liebe ihre Haut
Ihre Zungen & ihre Zähne

Ich liebe ihren Biss

Ihr Gift ist
ein künstliches Paradies
Ein schmerzendes Vergessen
Ein schmerzendes Erinnern
Fantasie vielleicht
Sonst nichts

Ich lebe auf einer Schlangenfarm
Wo sonst könnte ich leben ?


Glückliche Momente

Manchmal möchte ich sie auslöschen
Die glücklichen Momente der Vergangenheit
Sie haben eine Farbe, die sich
beisst mit der Grundfarbe meines Lebens
Sie sind getaucht in eine Helligkeit
die einen zu starken Kontrast bildet
Farbe & Helligkeit & Kontrast schmerzen
Sie brennen in den Augen
Sie trüben den Blick
Sie verändern die Sicht auf das Leben

Die glücklichen Momente der Gegenwart
Auch ich bin schwach
Auch ich möchte sie bewahren
Die Augen schließen &
ihre Helligkeit dennoch sehen
durch Lider, die zu dünn &
voller Blut sind

Aber Gegenwart ist nicht greifbar
Nur die Vergangenheit bleibt einem
Nur die Vergangenheit ist immer präsent
Eine stetig wachsende Fläche
mit einer bestimmten Grundfarbe

Die glücklichen Momente der Vergangenheit
Ich möchte sie auslöschen

Manchmal
Manchmal

oft


10

Ich bin die Null
Du bist die Eins

zusammen sind wir

Zehn


Die Schmeißfliege

Ich würde sie küssen
die Schmeißfliege, die
auf Deinem Scheisshaufen saß

Sie ist blau
schimmernd

Blau wie ich
der ich nicht schimmern kann

Sie kann fliegen
Sie kann summen

Fliegen kann ich nicht
Vielleicht in Träumen

Summen kann ich
Wenn wir miteinander sprechen

Aber wir sprechen nicht mehr
miteinander

Die Klatsche

Ich habe einen an der Klatsche

Die Schmeißfliege
Ich träume von ihr

Ich werde sie nicht verletzen
Ich kann ihr nicht weh tun

Sie soll fliegen

fliegen

summend

blau

schillernd

dorthin

wo Dein Duft wohnt

Vielleicht
kommt sie von meiner
Leiche
an der sie saugte

Vielleicht
lächelte sie dabei

Ihre Flügel
zittern

Ich zittere
mit ihr

Und ich
küsse sie


Gefühl?

Gefühl?
Nein, nicht ich, nicht ich, nicht ich
Ich bin cool
so cool
fast schon tot

Ich erinnere mich an
irgend etwas
das an Gefühl erinnert
aber kein Gefühl mehr ist

Gefühl?
Nein, nicht ich
Ich bin cool
Ich bin kalt

Kalt wie der Gin
aus dem Gefrierfach

Kalt wie die Toten
die ich kannte

Gefühl?
Nein, nicht ich, nicht ich, nicht ich
Ich bin cool
so cool
fast schon tot

Ich lache
wenn andere weinen

oder ist es umgekehrt?
In der Nacht….

In welcher Nacht?

Ich kenne Nächte
inzwischen
die ich glaubte
vergessen zu haben

Aber nein!
Ich bin cool
so cool
fast schon tot

Da ist etwas
kalt wie Gin

Gin aus dem Gefrierfach

Gefühl?


Papier & Vodka

Alles was auf Lüge beruhen könnte
sollte man auf Papier schreiben
Gedichte – von der Lüge gezeugt
& von der Gutgläubigkeit empfangen
Stories – die aus dem Verstand kommen
den die Lüge gefickt hat

Fehlgeburten, nichts als Fehlgeburten

Papier Papier Papier

Papier ist real

Virtuell war der Ursprung
der Gefühle
Virtuell wie das Computerprogramm
in dem die Worte nicht greifbar sind

Papier
Ich schütte Vodka darauf
die Lieblingsmarke der Lüge
ABSOLUT
Ich zünde es an
Sehe wie Zeichen sich kräuseln
Sehe den Tod meiner Worte
die niemals das Recht hatten
geboren zu werden

Papier
die Sterbeurkunde der Hoffnung

Flammen
die sich in Rasiermessern spiegeln

Wörter sollen nicht gelöscht werden
Sie sollen verbrennen

Sie sollen schreien vor Hitze
Sie sollen verglühen

Tod Tod Tod
Tod der Worte
Kein Erbarmen

Papier & Vodka
Vodka der kein Vergessen bringt
Papier

das zu Asche wird


Tagesfragen

Erwachen
& die üblichen Tagesfragen:
Lustspiel? Trauerspiel? Endspiel?
Wer hat sich zurückgezogen?
Wer kommt auf Dich zu?
Wer tritt Dir in die Kniekehle?
Wer nimmt Dich in den Arm?
Kannst Du überhaupt aufstehen?
Musst Du liegenbleiben?
Kannst Du etwas essen?
Brauchst Du einen Drink?
Wirst Du heute Geschwätz ertragen können?
Wirst Du heute den Job überstehen?
Wird der Wagen anspringen?
Willst Du sterben?
Willst Du leben?

Erwachen
& irgendwelche Antworten
meist die ewiggleichen
Manchmal Variationen
die nicht viel bedeuten

Erwachen
immerhin Erwachen

Vielleicht
Weiterträumen


Diese verdammten Gedichte

Diese verdammten Gedichte
die man wegen jemandem schreibt
für jemanden schreibt
Schreibt um nicht zu ersticken
Schreibt um zu überleben
Schreibt um das Überleben zu feiern

Diese verdammten Gedichte
Die Euphorie des Vortages ist vorbei
Die Verzweiflung von heute
ist morgen vielleicht schon wieder
Hoffnung

Diese verdammten Gedichte
Man möchte sie alle zerreissen
Man möchte sie auslöschen
Man möchte sie ungeschehen machen
weil einem plötzlich alles falsch erscheint
wertlos & dumm & peinlich & überholt

Und doch
Es gab den einen Augenblick in dem sie
nichts als reine Wahrheit waren
Den einen Augenblick in dem sie
zum Käfig dieser Wahrheit wurden
Die Wahrheit bleibt darin gefangen
Sie kann nicht mehr fliehen

Die Wahrheit die jeder wiedererkennt

Die Zeit kann der Wahrheit nichts anhaben
Gleichgültig was man am nächsten Morgen
darüber denken mag

Diese verdammten Gedichte
die man wegen jemandem schreibt
für jemanden schreibt

Sie haben einen Sinn
der nicht vergeht

wenn
Alles Andere
vergangen ist


Die Methode

Mein Leben ist ein Kugelhagel aus
verpassten Gelegenheiten
ausgeschlagenen Angeboten
zurückgewiesenen Händen

Erfahrungen & Ängste
sind meine Munitionsfabrik

Um mit dem Bedauern klarzukommen
habe ich eine Methode :
Ich rede mir ein
dass, hätte ich alles Realität
werden lassen, irgendwann die
Gewöhnung, die Abstumpfung, die
Abkühlung unweigerlich eingesetzt hätte
Etwas, das noch im nachhinein einen
schmutzigen Schatten auf das vorausgegangene
Schöne geworfen haben würde
Nur dadurch, dass ich es in der Fantasie
belassen habe, ist es
ewig schön

Nun ja,
die Methode überzeugt mich nicht wirklich
Nicht bis in den letzten Winkel des
Gedankenganges

Aber sie ist Alles
was ich habe


Der Ärmel

Mein Leben war ein alter vergilbter Ärmel
Sie kam & krempelte ihn um
Sie besprengte ihn mit Pisse, Blut & Tränen
Plättete ihn mit ihrer Zunge
die so gewandt war in Worten & Taten
Die Schatten unter ihren Augen
warfen ein Licht
auf den Ärmel
das den Gilb
verschwinden ließ


Fremde

An jenem Tag hatte sie Frühdienst
Sie war im 2. Ausbildungsjahr zur Hotelfachfrau
Mein Nachtdienst neigte sich dem Ende zu
Sie begrüßte mich wie immer, lächelnd, plaudernd
Sie nahm die Schlüssel für den Frühstücksraum
die Zeitungen, die Listen & ging in Richtung Umkleide

Nichts schien anders als sonst
Alle sagten das –
im Nachhinein

Am frühen Abend fand man ihr Auto
in einem abgelegenen Waldstück
Zusammen mit ihrem Freud saß sie darin
Ein Schlauch führte vom Auspuff ins Wageninnere
Der Motor lief noch
Er musste seit Stunden gelaufen sein

Es war diese verfluchte alte Shakespeare-Story
2 Elternpaare die sich nicht ausstehen konnten
die gegen die Beziehung ihrer Kinder waren
gegen die Liebe
Egoismus Dummheit Borniertheit
das volle Programm

Und nichts schien anders
an jenem Tag
Man ist sich fremd
Man sieht nichts
Man plaudert
Man lächelt

Kein Hilferuf
stattdessen funktioniert man

Man funktioniert
solange es geht

Man ist umgeben von

Fremden


Mein Herd

Jedes Mal, wenn ich vor meinem Herd stehe,
höre ich in meinem Schädel Charles Bronson
Mundharmonika spielen. Ich werde vors
Fertiggericht geladen, und das Urteil lautet:
Weiterleben! Charles hat mich noch nie
abgeknallt.
Mein Herd war Mitte der 70er Jahre schon
alt. Von BBC. Mir gefällt der Schriftzug,
weil er Assoziationen weckt, die nichts mit
Essen zu tun haben. Musik! Ungefähr 20 Jahre lang
funktionierten nur noch 2 Platten; erst neulich
habe ich eine 3. wieder zum Laufen gebracht.
Ich hätte Elektriker werden sollen. Was für ein
Luxus!
Warum zur Hölle wollen alle immer das Neueste
haben? Das Raffinierteste? Das Modernste?
Mein verdammter alter Herd hat Stil &
Seele; er hat eine Menge erlebt; musste einen
Haufen Dreck über sich ergehen lassen.
Ab & zu schwächelt er ein wenig, aber wer
tut das nicht? Er säuft Strom wie ich meinen
Gin saufe. Er sieht etwas ramponiert aus; wie
ich. Manchmal kommt er nicht richtig
auf Touren, wird nicht richtig heiss & hält
mich hin wie eine abgekühlte Geliebte. Dann
dauert das Vorspiel eben etwas länger. Was
soll’s!
Ich finde wir sind ein schönes Paar.


DU

Wärst Du ein Mann, würde ich Dir den Schwanz lutschen
Wärst Du ein Hund, würde ich mit Dir Gassi gehen
Wärst Du eine Katze, würde ich Dich ins Schnurren kraulen
Wärst Du ein Baum, würde ich Dich düngen mit meiner Kacke
Wärst Du eine Spinne, würde ich Dir ein Netz basteln &
Dich schaukeln, bis Du grinst

Aber

Du bist ein kleines verängstigtes Mädchen

Also
muss ich Dich in den Arm nehmen &
Dich streicheln
bis Du

vergisst


Reagenzien

Sie überschüttete mich mit ihrer Pisse
die ich trinken wollte
Dann überschüttete sie mich mit ihrer Liebe
Sie überschüttete mich mit Eiswasser
das mich schaudern machte
Dann überschüttete sie mich mit Salzsäure
Meine blöde Visage zerfloss

Ich mixte mir einen Cocktail
spießte einen meiner Augäpfel auf
rührte damit in den Reagenzien

Dieses Auge war nicht so traurig
wie ihre Augen es waren

Die Augen
in die ich mich verliebt hatte

Ich glaubte
ein Zwinkern zu sehen

Dieses Zwinkern bedeutete

TOD !


Cut up

Du hast mich zum Cut-Up-Text gemacht
hast mich zerschnitten mit der Schere Deines Herzens &
mich neu zusammengesetzt
aus Schnipseln
die ohne Dich keinen Sinn ergeben würden
Alles scheint so wirr
& doch
es fügt sich zusammen
NEU
so NEU !

Worte
Sätze
Absätze
Seiten
Bücher

Die vielleicht nur WIR
verstehen

Hackbraten
flackerndes LynchLicht
Pullover am Herd
Bananensafthose
Lesbenpornos
Tabak in der Kotze
Schwarze Perle
Klospülung
Gehirnsäure in Handgranaten
So finster die Nacht
Metallbett
pulsierende Steine
Auslaufmodell
Gespräche mit Katzen
Spinnenplage
Pornoschnulze
Matratzensaft
Kellertreppe
Züge & Winde & Sonnenbrillen
Nuttenstiefel in der Wand
Handgelenkshubbelkuss
16. Juni
oooohhhh gooottt oooohhh gooottt
1853 DM
Schaufensterpuppen
17stündige Sonntage
LachenLachenLachen
sterbende Trommelfelle
3 Meter lange Fußnägel
Der Koch der nach dem Kommen kam
Hey
Ziegenkäse
Plätschern & Spülen
die Kühltruhe im Keller
Absolut
MUT
geheime Fenster
Au Rebours
Regen
& Schnee mit weißen Katzen

Fick das Verständnis der Anderen !
Was nur wir verstehen, ist ein Stück
Allgemeingültigkeit !

Ich lese mich
NEU

VERDAMMT !

Ein unbekanntes Buch……..

Die Autorin

bist

DU !


Fäulnis


Anhand meiner Zähne müssten sie mich identifizieren
Ich wäre unkenntlich, ein verrottetes Schlammgebilde
………………..ohne Geschlecht……………………
Den Gestank der Fäulnis würden sie kaum ertragen
Für Fliegen & Maden hätte ich einen Sinn
Fast schon wäre ich ein Teil der Erde
Endlich … endlich … endlich !

Nicht vermisst & doch gefunden

So wäre es schon vor langer Zeit gekommen

Wenn da nicht die Worte wären …
Die Wörter die man auskotzen kann
Zeichen … die hässlich & schön zugleich sein können
Waffen mit denen man ziellos & blindwütig auf Alles
………………..schießen kann…………………..

Dieses Geratter der Tasten ….. in hilfloser Wut
….. in unerträglichem Schmerz ….
….. in Verzweiflung………..

Sollen die Worte doch stinken
nach Fäulnis …. nach Tod …. nach Auswurf ….
Sollen sich doch alle abwenden von ihnen
…….. voller Ekel & Verstörung …..
…………. Es ist gleichgültig !

Vielleicht setzt sich eine Schmeissfliege auf eines meiner Worte
……….Es wäre mir eine Ehre ……….

Ich würde ihr zuprosten ……. mit dem von mir erfundenen Cocktail

…………….. Denn der hilft auch ………


Nacht

Und wieder fängt eine an
…………eine Nacht……….
Wie ein unüberschaubares Grauen
das nicht enden wird

Die Leere
die übrig bleibt
wenn die Hoffnung zerstört wurde
Der Schmerz

Sinnlos
sich einen runterzuholen
Sinnlos
zu träumen

Nur die Betäubung hilft
vorübergehend
solange bis der Dreck
der Wirklichkeit einen wieder
aufweckt

Ich möchte nicht mehr
aufwachen
Nicht in dieser Welt der
Distanz
dieser Welt der
Sehnsucht
nicht in dieser stimmlosen Welt der
Einsamkeit

Und wenn Hunderte
auf mich einreden würden
wenn sie mich nicht alleine ließen –
die Welt bliebe stimmlos

Weil nur eine Stimme
wirklich zu mir durchdringt

Die Stimme
die nicht da ist

Die Nacht
geht weiter
Die Betäubung
setzt ein

Aber
das Grauen
wird nicht
enden


Die Landkarte

Das 3. Aspirin war wie Glenn Miller
in meinem Schädel
heruntergespült mit Bacardi
Vor mir lag die Landkarte
Mit dem Finger tippte ich auf
den Ort wo mein Leben
vielleicht
wohnte
Ich sah den Meilenstein
mit 3 Buchstaben
Ich drehte die Musik lauter
der Alkohol machte sie leiser
Der Qualm der Zigarillos brannte
in meinen Augen
Sie tränten
Die Karte erinnerte mich an
meine alte Visage
Baustellen überall
Flickwerk
Aber ich tippte weiter
auf diesen Ort
im Takt der Musik
die niemals
laut genug sein konnte


Das Gedicht

Sie hatte mir ein Gedicht geschrieben
Sie schrieb es auf Papier
In einer dieser Nächte

Sie nahm das Blatt
& streichelte damit
ihren nackten Hintern

Sie steckte es in einen Umschlag
& schickte es mir

Ich zitterte
mit dem Brieföffner in der Hand


Einzig Art

Sie flüsterte: ohgottohgott ohgottohgott
Sie flüsterte: fuck
Sie flüsterte: verrückt

Diese Worte……
Nie zuvor hatte ich sie so
gehört

Sie waren mir völlig
neu

Ich musste lächeln
bekam das Grinsen kaum noch
aus meiner Fresse

Nuancen der Aussprache
Nuancen der Betonung
zu denen sonst niemand
fähig war

Einzigartigkeit

Man braucht mehr als
Ohren
um sie zu wahrzunehmen

Ihr verrückt
liebte ich am meisten

Aber das ist ja auch kein
Wunder !


Der Staubsauger

Ich hatte seit 24 Stunden nichts gegessen
hatte noch immer keinen Hunger
saß da, kippte Gin in mich rein
starrte vor mich hin
starrte auf den Staubsauger, der
mitten im Zimmer lag

Staub war überall
Mein ganzes verficktes Leben war
Staub

Ich hatte es nur
lange nicht mehr gespürt

Eine Fremde hatte kommen müssen
um es mich spüren zu lassen
Eine Fremde, die keine war
weil ich mich in ihr wiedererkannte

Sie zeigte es mir
& verschwand wieder

Noch mehr Staub
als hätte man die Urne mit
meiner Asche
ausgeschüttet

Ich starrte auf den Staubsauger
Starrte auf den Schlauch, den man
abmontieren kann, um ihn
an einen Auspuff anzuschließen

Es wäre so einfach
Ein bisschen Husten
& dann
Ohnmacht

War ich nicht längst ohnmächtig?

Ich kippte Gin in mich rein
& starrte auf den Staubsauger

Alles wiederholte sich
Ein Tod nach dem andern
Wieviele Tode noch?
Wann hat man es endgültig
überstanden?

Irgendwann stirbt die Hoffnung
nicht mehr zuletzt
Sie stirbt zuerst

Der ganze Dreck
Der ganze Staub
Die ganze Asche

Einfach alles vernichten
Ein sauberer Schnitt

Ein letzter
glänzender
Tod

Der Gin ist alle
Ich sitze da &
starre auf den Staubsauger

Alles dreht sich
ich kann nicht aufstehen

Wann werde ich wieder
aufstehen können, um
dem Staub
ein Ende zu bereiten?


Spiegel

All diese Spiegel in dem düsteren Haus
in dem ich existiere
Was sie zeigen
interessiert mich nicht
Es fehlt das richtige Bild in ihnen
Was sie zeigen ist
Leere

Sie hatte mir ein Bild geschickt
aufgenommen in einem Moment
als sie sich schön fühlte
nach all dem Selbsthass
all der Verzweiflung
all der Verstörung

Sie war umgeben von Krankheit
die sie für ihre eigene hielt

Ein Irrtum

Den Anblick ihrer Augen
konnte ich kaum ertragen
Sie blendeten mich
Ich sah meine Worte in ihnen
Ich sah dass sie mir glaubte
dass sie mir vertraute

Ihre Augen sind die Spiegel
die mir fehlen
Spiegel die mir etwas anderes zeigen als
Leere

Sie fragte: „Sehe ich immer noch traurig aus?“
„Ja“
, sagte ich, „irgendwo, ganz weit im Hintergrund.
Und das wird immer da sein, ich weiß es, denn
ich kenne es.“

Sie kann die Spiegel zertrümmern
Sie kann mir mit den Splittern die
Pulsadern aufschneiden
Mein Puls ist nutzlos
da mein Herz woanders ist

In ihren Augen soll sich die Farbe
meines Blutes spiegeln
Ich brauche es nicht mehr
Ich hatte immer zuviel davon

Ihr Vertrauen in mich
warf sie aus der Bahn
Sie war erschrocken
Sie war verstört
wieder verstört

Sie weiß nicht
wozu sie fähig ist
Sie ahnt es nicht einmal
Ich weiß es &
vielleicht hört sie mir irgendwann
wieder zu

Ihr Schweigen wiegt mehr
als meine Worte

Vielleicht
vertraut sie mir wieder
irgendwann

& wenn sie mir wieder glaubt
wer weiß

Vielleicht
glaubt sie dann auch
an SICH


Griffe

Ich habe Dich begriffen
Ich begreife Dich
Ich werde Dich begreifen

& Du sollst stöhnen
unter meinen
Griffen


Das Herz

„Ich reiss Dir das Herz raus &
stecke es in Deine Fotze!“

„Ja“, stöhnte sie, „bitte,
BITTE.“

Die Nacht
nur noch die Nacht
Nichts ist wie es war
Nichts bleibt wie es war
Kein Stein bleibt auf dem anderen
Nichts sonst zählt mehr

nur noch

dieses Herz


Zukunft vs. Gegenwart

Dieses große dunkle Monster Zukunft
es existiert nicht
& doch wirft es seinen
mächtigen Schatten
auf Alles

Die Gegenwart verfinstert sich
Wir vergessen zu leben
zu erleben

Zukunftsängste
Verlustängste
Existenzängste

Dieses große dunkle Monster
Wir sehen
was gar nicht da ist

Tiere kennen dieses Monster nicht
Sie leben
leben leben leben leben
in der Gegenwart

MACH MICH ZUM TIER !


Schweigen

Gedichte für Dich
für Dich
für Dich

Jetzt:
SCHWEIGEN

Denn:
ich muss Dich
ATMEN hören


Die Zeitmaschine

Sie packten mich & zerrten mich
zu der Zeitmaschine
die in einem dunklen Wald stand
………………..Nachts
Die Maschine leuchtete & blinkte
& verängstigte die Tiere
die flüchteten

Sie stießen mich hinein &
banden mich fest &
grinsten

Es gab einen Rückspiegel
in den ich blicken konnte
Aber nur mich konnte ich darin sehen

Sie setzten die Maschine in Gang &
traten zurück
Die Richtung hieß
Vergangenheit

Der Lärm war ohrenbetäubend
Die Farben blendend
Es roch als würde die Zeit verbrannt

Erinnerungen an die Gegenwart
wurden ausgelöscht
die Zukunft wurde weiter –
beängstigend

Als die Maschine stoppte
zitterte ich

Der Wald hatte sich
kaum verändert

Ich schaute in den Rückspiegel –
Ich war nicht mehr Ich

Ich war Sie

& ich verliebte mich in
Mich

Aber ich blieb
gefesselt

& es kam niemand
der mich
befreite