Die Todesspinne setzte sich auf mein Gehirn
& begann zu weben
Gedanken verwoben sich in ihren Fäden
wurden unbeweglich & ausgesaugt
wie blauschimmernde Fliegen
Die Beine der Spinne waren 8 & schnell
Benetzt & gefangen war mein Geist
Schwarz zuckend saß sie auf grauem Grund
Ihre Gründe ergründete ich nicht
Sie grinste wie die Spinne von Redon
die über dem LeseSessel von Huysmans hing
Tief unten & Gegen den Strich
war sie mir
sympathisch wie
der kühne Schwung der
Sense
über dem gelben Feld der
Eintönigkeit
wo unter dem kalten Blick der
Raben
der Maler sich
erschoss
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Die Todesspinne
Das Mehr
Jeder Tag ist mehr als der vorherige …
Ein Meer aus Alkohol …
Ein Mehr an Betäubung …
Ein Meer der Zerstörung …
Ein Meer aus Worten …
Das Mehr des Meeres …
Ein Meer aus Scheisse &
vielleicht
Liebe
Jeder Tag ist mehr als der vorherige …
Ein Meer aus Schmerz &
vielleicht
Das Tote Meer
Die Brücke
Du gehst vorüber an der Brücke, die
ich Dir gebaut hatte. Du wirst niemals
wieder jemanden kennen lernen wie
mich.
Wenn ich tot bin,
wirst Du Dich vielleicht erinnern.
Unter der Brücke stehen &
Rotwein trinken.
Zukunft.
Vielleicht auch nicht.
Die Brücke,
war sie brüchig?
Vielleicht.
Der Abgrund, über den sie führte:
zu tief?
Vielleicht.
Gründe:
hattest Du.
Waren sie gut?
Wahrscheinlich.
Geh vorüber an der Brücke,
wenn ich tot bin. Sie
ist kein Ort für
Dich.
Los
Der Druckknopf im Kopf
führt zum Knoten
an der Zwangsjacke
Löse mir
die Endlosschleifen
damit ich endlich
begreife
was
zu lösen ist
Der Druck
Der Zwang
Der Knoten
Das Ende
Herzstillstand
Still stand das Herz
am Rande der Straße
die ins Nirgendwo führte
Der Anhaltende hatte einen Namen,
der an Odysseus erinnerte :
Niemand
Der Mantel
Selbst im Sommer trage ich meinen Mantel;
schwer-geschultert ruht er schwarz.
Schutz gegen Kälte in der Hitze.
Die Taschen vollgestopft mit optischem Gerät:
Lupe, Mikroskop, Visier & Zielfernrohr.
Entferntes nagele ich ans Fadenkreuz.
Nahegehendes trinke ich aus dem Vergrößerungsglas.
Das Staubkorn will erlebt werden.
Das Zwinkern der Insekten kann wichtig sein.
Die Kontaktlinse hilft nicht aus der Einsamkeit,
aber das Kaleidoskop splittert bunt.
Ich exe den Klaren aus Glasaugen &
fische im Trübsinn.
Es surrt das Reale hinter meiner Waschbrettstirn,
muskulös vom Gedenken.
Träume platzen wie reife Blasen.
Im kugelsicheren Westen geht die Sonne unter
wie Seife in der besoffenen Badewanne.
Wie tief bin ich betrunken!
Eier presse ich aus wie die Früchte des Zorns.
Der Korn wächst auf leuchtenden Zusammenhängen,
besonnt vom Mond, glühend wie ein brennender Galgen.
Ich ziehe Asse aus dem Ärmel wie Zitate &
pokere mit Höchsteinsatz.
Die Lust behandelt mich unfair.
Ich weiß, ich weiß, ich weiß, ich schwarz.
Schwarz wie der Mantel
auf meinen schweren Schultern
im Sommer, wenn der Regen
splittert wie
Glas.
Du vom Himmel…..
Sie nannte mich:
Du vom Himmel gefallenes Stück
schwermütig glitzernde Scheisse!
Ich fand das sehr poetisch.
Poetischer als alles, was andere
zu mir gesagt hatten, selbst wenn
auch das poetisch gewesen war.
Aber die Poesie vergeht,
immer; fast immer.
Die Uhr der Poetik tickt.
Tickt. Tickt.
Worte der Poesie werden zu
Worten der:
manchmal Freundschaft
manchmal Feindschaft
manchmal Gleichgültigkeit
manchmal Langeweile
Dieses Mal wurden sie
– & das ist die grausamste Variante –
zu
Schweigen.
Murmeln
Die Freitagsschlange im Supermarkt.
Alte Menschen bei zähklimpernder Kleingeldsuche.
Ich schob meinen Flaschenwagen ans Laufband;
Alkoholvorrat für die nächsten Wochen.
Es gab mal wieder irgendeine lächerliche
Kundenlock-Aktion: für so&soviel Umsatz
bekam man etwas. Kleine Tütchen mit irgend
etwas Dickem, Rundem darin. Da ich
eine Menge Sprit kaufte, bekam ich 7 oder
9 von diesen Dingern & warf sie 8los in
den Wagen. Ich zahlte. Dann schob ich mich & den
Wagen in Richtung Ausgang; folgte den
kahlen Stellen auf den Köpfen der Rentner.
Flaschenklirren.
Ein kleiner bebrillter Junge auf dem Parkplatz.
Sein Roller lehnte an einem Geländer, am
Lenker eine Plastiktüte. Der Junge sprach
mich an. „Sammeln Sie Murmeln?“
„Nein.“ Ich war müde & verkatert, ging
weiter. Er mir nach.
„Haben Sie welche bekommen?“
Ich hielt an. „Was meinst du?“
Ein winziger Zeigefinger deutete auf die Tütchen
zwischen meinen Flaschen. „Die da.“ Ich war
müde & verkatert & begriffsstutzig – aber
dann machte es doch noch Klick!
„Ach so“, sagte ich. „Die brauch ich nicht,
kannst du haben.“
Ich klaubte die Tütchen zusammen, er
machte eine kleine Schale aus seinen Händen.
Als ich die Tütchen hineinfallen lies – es waren
fast zu viele für sein Fassungsvermögen -, kicherte
er glücklich. Er war 5 oder 6 Jahre alt &
grinste mich durch seine Brille an.
„Dankeschön.“
Da wusste ich: Mein Trinken hat
eine helle Seite, die leuchten kann.
Ich fuhr nach Hause. Und
grinste dabei.
Das Sofa
Sie saßen auf dem Sofa.
„Hör zu“, sagte er, „ich habe
bestimmte Bilder im Kopf. Und
wenn die Realität nicht zu diesen
Bildern passt, hat die Realität
schlechte Karten.“
„Du meinst, ich bin hässlich?“ sagte sie.
„Du bist nicht hässlich“, sagte er.
„Du meinst, ich bin zu alt?“ sagte sie.
„Du bist nicht alt“, sagte er.
„Nein“, sagte sie. „Nicht alt. Aber
zu alt.“
Er sagte nichts.
Sie sagte: „Hast du mal in den Spiegel
geguckt?“
„An Spiegeln gehe ich seitlich vorbei“,
sagte er. „Aber du hast recht.“
Die Realität saß auf dem Sofa.
2 Köpfe saßen auf dem Sofa.
In den Köpfen wohnten 2 Fantasien.
Die Fantasien konnten einander nicht begegnen.
Die Realität hatte schlechte Karten.
Die Nacht ist Rum
Die Nacht ist Rum
Der Tag ist Wasser
Manchmal weiß ich nicht
was ich im Glas habe
Vielleicht kalten Grog
ohne Zucker
Und ich weiß nicht
wie spät
Und ich weiß nicht
ob es hell oder dunkel ist
dort draußen
Falls es das Draußen
wirklich gibt
Es ist gleich
Es ist gültig
Es ist gleichgültig
Es ist jetzt &
Es soll mir niemand sagen
wie spät es ist
Nichts los
Mit dieser Nacht war nichts los,
oder mit mir war nichts mehr los.
Ich hasse solche Nächte, die
nach der Euphorie kommen;
hasse den tiefen Absturz nach
den Höhenflügen.
Ich fand alles scheisse, was ich
jemals geschrieben hatte, ich wollte
alles klammheimlich verschwinden
lassen, auslöschen. Ich
dachte daran, dass ich am nächsten
Morgen auf den verdammten
Handwerker warten musste, der
den Stromzähler austauschen wollte;
ich dachte daran, dass ich
einkaufen musste, dass ich
tanken musste, dass der Wagen
vielleicht nicht anspringen würde;
ich dachte daran, dass ich abends
wieder zur Arbeit fahren musste.
Haare waschen, rasieren, Männchen
machen. Alles widerte mich an.
Dazu kam all das, wozu ich mich
wieder nicht hatte aufraffen können:
Wäsche waschen, Staubsaugen,
Haare schneiden. Es war
lächerlich. Ich war lächerlich.
Diese Nacht war lächerlich.
Aber am lächerlichsten war es,
sich hinzusetzen & darüber zu
schreiben.
Würfel
Die Würfel sind
gefallene Engel
aus den Wolken
in die Hölle
gefallen
Sie gefallen mir
Sie tun mir viele
Gefallen
Ich zähle ihre Augen
Dunkle Augen des
Schicksals
Die Summe
immer gleich
Geworfen sind sie
wie wir
geworfen sind
in das Leben
oder in die Wolken
oder in die Hölle
Engel
die fallen
Ihre Jugend
Sie kannte sich nicht aus
mit dem Leben
Sie war so jung
so jung
Sie wusste nicht
dass es
nach dem Schweigen
noch Worte geben
kann
Worte ohne
Vergangenheit
Worte der veränderten
Gegenwart
Worte
der Ermutigung
Worte
ohne Angst
Sie schwieg
Sie musste schweigen
denn sie war so jung
&
sie kannte sich nicht aus
Das Gewohnte
Wohnen im Gewohnten :
Eine Beruhigung, die der letzten Ruhe ähnelt.
Eine Wohnung,
in die man gesperrt wird. Immer wieder.
Jede Flucht endet in dieser Wohnung,
die eigentlich eine Zelle ist. Eine Zelle,
in der man sein Leben verbringt;
in der das Leben verbracht wird,
bis es verbraucht ist.
Eine Zelle voll von fressenden Zerrspiegeln,
Wahrnehmung ohne Wahrheit.
Es geht einem dreckig, und
man gewöhnt sich daran.
Die Hässlichkeit, die Verzweiflung,
der Schmerz sehen erträglich aus
in der verzerrten Spiegelung. Und
man kann weitermachen, mit dem
Bisschen Existenz, das man noch hat.
Aber wehe, wenn es einem nicht
dreckig geht. Den Spiegeln ist es völlig
gleichgültig, was man ihnen vorhält.
Sie fressen alles.Sie verwandeln alles.
Bis einem das Fremde bekannt vorkommt
& uninteressant wird.
Wo ist sie hin, die Schönheit, die ich
gerade noch erkannt habe?
Nur ihr ZerrBild ist übrig geblieben,
und was ich darin erkenne, ist
etwas anderes. Es ist nicht
Erkenntnis.
Ein Anblick, so falsch wie die Gefühle,
die er hervorruft.
Sie sind unzerstörbar, diese Spiegel.
Kaum einen Kratzer kann man ihnen zufügen;
nur manchmal – vielleicht – für einen
flüchtigen Moment. Mit der Kraft der
Gedanken.
Man sieht einen winzigen Haarriss
& darin
das UnGewohnte
wie es verschwindet
(Inwendig vorgetragen:)
Der alte Teppich
Der alte Teppich kannte
die Zahl meiner Schritte
Der alte Teppich zählte
die Schlucke, die ich verschüttet hatte
Der alte Teppich schluckte
unsere Orgasmen
Der alte Teppich kannte
die Einsamkeit
Der alte Teppich wußte
wohin
Der alte Teppich wies
mir den Weg
Der alte Teppich war
alt
Er war wie
ich
Fingerkuppen
Ich sah ihre Fingerkuppen
Vibrato auf dem Hals des Cellos
Sah das Licht der Scheinwerfer
auf ihrem Haar
Hörte Bach
Wie schön ihre Finger waren
Wie schön ihre Fingernägel
Kurz gefeilt & glänzend
Noten
die zitterten
HarmoNie
HarmoImmer
HarmoEwig
Ich sah ihre Oberarme
im Rhythmus
der Noten
Sah ihre geschlossenen Augen
Konzentriert aufs Wesentliche
Hörte
Hörte
Ewigkeit
Schwarzes Papier
Die schwärzeste unter den Nächten
verschluckte die Mondscheibe &
fraß Laternenlicht. Schwarze
Perlenketten wurden aufgeschnitten.
Die Nacht schrieb ein Gedicht
mit schwarzer Tinte auf schwarzes
Papier; & nannte es Tod der
Erinnerung.
Ich wankte durch Dunkelheiten &
spuckte in den Rinnstein: Schwarzes
Blut. Schwarze Tiere mit schwarzen
Zungen leckten es auf.
Das Etikett der Flasche war schwarz.
Ich trank die Nacht. In meinem Kopf war
schwarzes Papier. Ich schrieb ein Gedicht
darauf; & nannte es Egal.
Die schwärzeste unter den Nächten
konnte es entziffern; sie hatte den
schwarzen Schlüssel zur Geheimschrift
meiner Gedanken.
Ich schluckte, was sie schluckte;
ich schrieb, was sie schrieb;
Pulsadern wurden aufgeschnitten &
aus schwarzem Blut formten sich Worte.
Die schwärzeste unter den Nächten
war stumm wie eine Perle, & sie
erkannte mich; denn
sie hatte mich geboren.
Mein kostbarster Besitz
Mein Hirn: eine matschigfaule Frucht
Ein Kater schnurrte darin &
spielte mit seiner Schwanzspitze
Die Sonne tat was ich wollte: Sie ging unter
Was war passiert
letzte Nacht oder
am Morgen bevor ich
schlafenging?
Ich erinnerte mich
dunkel
Ein Gefühl war gekippt
wie billiger Wein der
zulange offen steht
Essig
Ich konnte wieder klar
sehen
Nicht dass mir an der Klarheit
viel gelegen wäre
Aber ich gehörte wieder
mir selbst
Mein kostbarster Besitz
Ich machte mir mein
abendliches Frühstück:
Eier mit Schinken auf Toast
Ketchup
1 Liter Grüner Tee &
ging damit zurück ins Bett
Schaltete das Radio ein
atmete unfrische Luft &
fühlte mich gut
Gedanken kehrten zurück
in meinen Schädel
Sie waren mein Eigentum
Gedanken wie reife
Eiterbeulen
Und diejenigen
die nicht von alleine platzten
konnte ich
ausdrücken
Die nächste Nacht
stand bevor
Mehr brauchte ich nicht
Mehr brauche ich
nie
Fechten
Ich fechte
mit der Zeit
Nicht immer
weiß ich
ist es
Florett
Degen
Säbel
Schwert ?
Ich sehe
die Schmisse
in meiner
Fresse
Die Maske
habe ich abgesetzt
vor langer
Zeit
Schutz
brauche ich nicht mehr
Wer auch immer
gewinnt
ist
der Sieger
& hat
recht
mit kleinem
r
Nichts Besonderes
Ich betrachtete die Fleckenfratzen auf der Theke,
versuchte etwas in ihnen wiederzuerkennen;
gute alte UnBekannte. Die sich aus dem Staub
gemacht hatten. Staub, in den man zeichnen
konnte, mit Fingern der Langeweile.
„Du hättest etwas aus deinem Leben machen können“,
sagte er.
„Das Leben hat etwas aus mir gemacht“, sagte ich. „Und
das ist mir wichtiger.“
Das Bier schmeckte nicht besonders. Ich grinste.
„Ansonsten hat sich niemand etwas aus mir gemacht.“
„Das ist ja wohl nicht wahr“, sagte er.
„So wahr wie meine Wahrheit sein kann.“
„Also nicht besonders wahr.“
„Stimmt“, sagte ich. „Nicht besonders. Aber
es klang schön. Und das ist die Hauptsache.“
Gegenüber saß eine junge Frau neben einem
sehr viel älteren Mann. Sie unterhielten sich
angeregt. Der Mann war etwa
in meinem Alter. Hin & wieder sah die Frau
zu mir herüber; blickte mir tief in die Augen.
Ich las in ihnen: Du bist nichts Besonderes.
Ich bestellte noch 2 Bier.
Worauf wollte ich hinaus?
Keine Ahnung. Auf Nichts wahrscheinlich.
Ich will meistens auf Nichts hinaus.
Ich kenne mich aus im Nichts & mag es.
Wir schwiegen. Wir tranken.
Ich blickte auf die Flecken, betrachtete die Augen.
Hörte auf Nichts.
Dann
machten wir uns aus dem Staub.
Glück & Talent
Ich habe es so oft erlebt
& trauerte so oft
deshalb
Menschen
die unglücklich waren
verzweifelt
verwirrt
verstört
& so reich an Talent
Ihre Worte faszinierten
Ihre Sätze waren einzigartig
Ihre Texte grandios
Und dann
nahm ihr Leben
eine
glückliche
Wendung
Ihre Worte
wurden hohl
Ihre Sätze gemein
Ihre Texte fad
Lange Weile
plätscherte
In Bahnen
die schon Milliarden von Menschen vor ihnen
ins Nichts
geleitet hatten
Es war so traurig
Und doch
Diese Trauer ist reiner
Egoismus
Man sollte es ihnen wünschen
Dieses Glück
Das in die Nichtigkeit führt
Denn für sie
bedeutet es
vielleicht
Alles
Ansonsten
bedeutet es
aber
Nichts
Nichts
Nichts
Der 8eckige Papierkorb
Ich
sehe den 8eckigen Papierkorb
auf dem Foto des Dichters
Ich
habe einen runden Papierkorb
Ich
drehe meine Runden
Er
– so hoffe ich –
eckt
an
Habt
8 !
Der Puppenkopf
Warmer Wind schob Wolken durch das Abendrot
Der Mann hinkte
Die Gassen waren eng
Kopfsteinpflasterschritte prallten an Fachwerkfassaden
Passanten schauten hin schauten weg
Zu & von dem Mann der hinkte
In der einen Hand die Weinflasche
In der anderen den blonden Kopf einer Schaufensterpuppe
Der Kopf war stumm aber der Mann spielte
mit Wortmurmeln die er splitternd fallen ließ
& die niemand fangen konnte
Sein Verstand war ein anderer als andere
Von anderen nicht verstanden
Von ihm nicht begriffen
Ein Labyrinth in welches das Leben ihn
gestoßen hatte
Ohne Roten Faden
Aber mit einem Ungeheuer im Mittelpunkt
das keine Erklärungen für ihn hatte
Er setzte sich auf den Rand eines Blumenkübels
Dort wo 2 Gassen aufeinander stießen
Er trank vom Wein &
schaute in die aufgemalten Augen des Puppenkopfes
Er sagte etwas
Er schwieg etwas
Er legte den Kopf zwischen die Blumen
Dann stand er auf & hinkte fort
Weiter & weiter im Abendrot
Von einer Gasse in die nächste
Plötzlich blieb er stehen
hob die Hand mit der Weinflasche
schüttelte sie leicht
sah wieviel noch darin war & lächelte
Hob die andere Hand
sah dass sie leer war
& weinte
Der Zahnärzteball
So wahr mir Satan helfe,
oder sonst irgendeine dieser Lichtgestalten!
Genau so ist es geschehen,
so & nicht anders :
Der Zahnärzteball war vorüber.
4 Uhr nachts, der letzte Zahnarzt, die letzte
Zahnärztin samt Anhang waren fort, die
Musik aus, die Kerzen erloschen. Der
Saal wurde aufgeräumt. Ich saß am
Empfang & las Tschechow, während die
anderen arbeiteten; Gerechtigkeit muss sein.
Schließlich kamen die Kellnerinnen & Kellner
nach & nach zu mir, um abzurechnen.
Münztürme wurden aufgebaut, Scheinstapel geschichtet.
Kredit- & EC-Karten-Belege aufaddiert.
Ein Mann betrat die Halle, hustete, rülpste,
sah sich um, kam zu uns, lehnte sich auf den
Rezeptionstresen.
„Was issn das hier?“ sagte er. Laut. Sehr laut.
Und riechend.
Ich antwortete. „Hab mir sagen lassen, man nennt
sowas Hotel.“
„Sehr witzig, Alter. Sehr witzig.“
Ich freue mich jedesmal über Menschen, die nur
zum Stänkern hereinkommen, sofern sie mir
unsympathisch sind (es gibt auch Stänkerer, die
sofort meine Sympathie haben); die Unsympathischen
aber bieten mir die Gelegenheit, alle aufgesetzte
Höflichkeit auf den Müll zu schmeissen.
„Ich bin Komiker“, sagte ich, „das hier ist mein
Nebenjob.“
Er starrte auf das Geld. „Und was kostet ein
Zimmer in diesem Saftladen?“
„Hängt von der Nase des Gastes ab.“
„Und wenn ich ein Zimmer will?“
„Ich hab da noch eins in Besenkammergröße.
Für Sie mach ich nen Sonderpreis. 750 Euro.“
Er langte über den Tresen. Wischte alles von
der Arbeitsfläche; Münzen, Scheine, Belege
flogen & flatterten.
„Is doch alles Scheisse hier“, rief er. „Alles
Scheisse!“
„Die Drehtür wartet schon auf Sie“, sagte ich.
Er warf mir einen Blick zu; ich warf zurück.
Er machte kehrt. Richtung Ausgang.
„Drecksladen“, rief er. „Verfickter Drecksladen!“
Die Tür schaufelte ihn nach draußen. Er überquerte
die Straße, verschwand im gegenüberliegenden
Hauptbahnhof. Türmchen wurden neu gebaut.
Abrechnung, die Zweite.
Später. Das Personal saß in der abgedunkelten
Bar beim Feierabend-Bier. Ich stand hinter der
Theke & trank mit, obwohl ich keinen Feierabend
hatte. Und dann sah ich ihn. Im Geschwindschritt
überquerte er die Straße. Bei Rot. Bewegte sich
wieder aufs Hotel zu. Ich beeilte mich, schloss
Drehtür & Seiteneingang ab. Blieb dort stehen &
wartete. Unsere Blicke trafen sich durch Glas.
Erst rüttelte er an der einen Tür; dann an der andern.
„Ey!“ rief er, „Was solln das?! Mach auf, Alter!“
„Nichts da. Verpiss dich.“
„Ich muss kacken, Mann. Da drüben im Bahnhof
sind die Klos geschlossen.“
„Dumm gelaufen“, sagte ich. „Solche Eventualitäten
sollte man immer vorab in Erwägung ziehen.“
„Arschloch!“ rief er.
Die Hotelbar leerte sich, wir bekamen Publikum.
Ich grinste ihn an.
„Ey, wenn du bei 3 nicht aufmachst, scheiss ich euch
in die Drehtür!“
„Viel Spaß dabei, aber pass auf, dass die Bullen dir
dann nicht die Nase in den eigenen Haufen drücken.“
„Eins!“
Ich grinste.
„Zwei!“
Ich grinste.
„Drei!“
Ich grinste, und er machte den Gürtel auf.
Das Publikum kam näher. Bildete einen Halbkreis.
Knopf, Reißverschluss …. Er ließ die Hose runter.
Hockte sich ins Drehtürviertel. Alle lachten &
kommentierten seine Erscheinung.
Ich habe viele Schwächen; Koprophilie gehört nicht
dazu. Also ersparte ich mir den Anblick & ging zum
Telefon. Wählte die Nummer, die ich längst auswendig
wusste; die zuständige Dienststelle. Wahrscheinlich
erkannten die mich schon an der Stimme.
„Also, Sie werdens vielleicht nicht glauben, aber uns
kackt hier gerade einer in den Eingang; und ich rede
nicht von einem Tier.“
„Ich schick gleich mal jemanden vorbei.“ (Ich hörte
das Grinsen in der Stimme.)
Es gab Applaus. Azubinen kicherten. Amüsierter Ekel.
„Ich könnt das nicht“, hörte ich. (Richtig, irgendwie
war der Kerl beneidenswert.)
Papier hatte er keins. Er erhob sich wieder & zog sich
an. Dann ging er auf & ab. Konnte sich offenbar
nicht trennen von seinem Publikum. Oder von seinem
Haufen. Die Polizei fuhr vor. Ein Mann & eine Frau.
Der Produzent & sein Produkt wurden in Augenschein
genommen. Ich schloss den Seiteneingang auf.
Diskussionen folgten. Personalien wurden aufgenommen.
Ich fing an, mich zu langweilen. Ein Azubi, der die
meiste Zeit über bekifft war, mischte sich ein; richtete
sich an die Polizei. „Ihr macht solche Leute doch erst
möglich“, sagte er. – „Schnauze“, sagte der
Restaurantleiter. – „Man kann einem Mann doch nicht
den Stuhlgang verwehren“, sagte der Scheisser.
Es endete damit, dass die Polizei verärgert war, den
Mann laufen ließ, und der bekiffte Azubi den Haufen
wegmachen musste. Er tat dies mit einer
Kehrschaufel aus Plastik. Dann ging er in die
Küche & legte die Schaufel in die Geschirrspülmaschine.
Zu Tellern, Gläsern & Besteck.
Niemand hielt ihn davon ab.
Es dauerte Wochen, bis ich mich dazu durchringen
konnte, dort wieder etwas zu essen. Immer musste
ich an die Gesellschaft denken, in der das Geschirr sich
befunden hatte. (Wäre es wenigstens der Scheisshaufen
einer hübschen jungen Frau gewesen!)
Die Gäste ahnten nicht, von welchen Tellern sie aßen,
aus welchen Gläsern sie tranken, welches Besteck
sie sich in den Mund schoben.
Und jedes Mal, wenn ich beim Zahnarzt auf dem
Stuhl sitze, muss ich an jene Nacht denken ….
So wahr Satan mir helfe!
Das Leben als Sein & Vorstellung
Ich erwachte in dem Gehirn
eines anderen Menschen
Erwacht aus dem Schlaf
der meine Realität gewesen war
Plötzlich lebte ich als
Vorstellung
als Fantasie
als Traum
eines Anderen
Mein Leben war nur noch
der Reflex des fremden
Geistes
Ich wurde wahrgenommen
aber diese Wahrnehmung war
nicht wahr
War
nicht ich
Dennoch
es war aufregend
eine neue Form der
Existenz
Ein Leben im
Woanders
Ungewiss
für eine gewisse Zeit
Dann:
Wurde ich wieder gelöscht
von dem fremden Bewußtsein
aus dem fremden Bewußtsein
Vorstellung Fantasie & Traum
waren mir verschlossen
blieben mir verschlossen
Für einen Moment
schien ich nicht mehr zu existieren
Der fremde Geist ließ mich nicht mehr zu
Meine Realität hatte ich irgendwo
vergessen
Ich musste mich erst erinnern
wo
Ich musste sie wiederfinden
Musste sie wiederfinden
obwohl ich das Interesse an ihr
verloren hatte
Aber irgendwo
muss man ja
sein
Abwasch
Ich liebe es
Berge von schmutzigem Geschirr spülen
Das eingetrocknete Olivenöl aus der Pfanne schrubben
Teebeläge aus der Kanne bürsten
Besteck & Gläser zum Glänzen bringen
Die Reste der Martinis aus dem Shaker wischen
Fettpfützen aus tiefen Tellern entfernen
Zwiebel- & Knoblauchreste von Brettern kratzen
Ich liebe es
die Schublade des Toasters ausschütten
Die Kaffeemaschine zum Glänzen bringen
Den Herd blinken lassen
Die Spüle polieren
Töpfe waschen
Backbleche reinigen
Ich liebe es
das schmutzige Wasser
das in den Ausguss fließt
Sinn
Eine einfache Tätigkeit
die ein einfaches Resultat zur Folge hat
Sauberkeit
Ein Ergebnis
das
nicht auf sich warten lässt
Ein Anblick
der einen belohnt
für das was man getan hat
Licht
das reflektiert wird
Ich liebe es
Weil es so einfach ist
Die Beschaffenheit des Wahnsinns
Der Helle Wahnsinn!
Der Reine Wahnsinn!
Nein danke
kein Bedarf
Ich brauche den
Dunklen Wahnsinn
Den Wahnsinn
der nachts auf Friedhöfen swingt
& die Fuselflaschen auf
Grabsteinen zerschmettert
Ich brauche den
Unreinen Wahnsinn
Den Wahnsinn
der voll von schmutzigen Gedanken
aus dem Sumpf des Lebens
kriecht
Gelächter
in Dunkelheit & Dreck
Versiffte Schatten
die mit mir tanzen
zur Musik eines Komponisten
der in geistiger Umnachtung
endete
Danse Macabre!
Bilder von
abgeschnittenen Ohren
Fantasien
die hinter syphilitischen Stirnen
geboren wurden
Schwarzes Feuer
das ewig brennt
Helligkeit
Reinheit
Ich brauche Euch nicht !
Ich kenne die Gosse
in die der Dichter fiel
schwarz gekleidet
in einer Nacht
die niemals endete
Rollos
Die Rollos
(schreibt man das heutzutage so?)
runtergelassen
gegen alles
das eindringen könnte
Normalität
Worte
Liebe (falsch)
Blicke
Sonne
Stimmen
Nüchternheit
Der Schmerz
bleibt draußen
Gedanken
bleiben dunkel
Gefühle
düster
Wie schön
Das Geräusch
Wenn man
die Rollos
herunterlässt
Der Schnellzug
Und wiedermal bist Du drüber hinweggekommen
Wie der Schnellzug über den Kopf des Selbstmörders
Ein bisschen was von Dir ist auf der Strecke geblieben
Aber das ist nicht wichtig
Wichtig ist
dass Du etwas hattest, worüber Du
hinwegkommen musstest
Und dass Du es geschafft hast
Die Veränderung, die es bewirkt hat, ist gut
Der Schmerz ist gut
Die Traurigkeit ist gut
Denn das ist die Lebendigkeit in Dir
Du kannst großzügig sein
mit Dir
& mit Anderen
Keine Rechtfertigungen
Keine Vorwürfe
Es ist keine Zeit dafür
Zu schnell wird der Zug sein Ziel erreichen
Den Kopfbahnhof, wo Du aussteigen musst
Schau aus dem Fenster
solange er unterwegs ist
Sieh was auf der Strecke liegt
Es ist nicht so wichtig
Wie Du manchmal denkst
Die Schlangenfarm
Ich lebe auf einer Schlangenfarm
Die Schlangen haben Beine
lang & schön
Die Schlangen haben Haare
lang & schön
Die Schlangen hängen sich
an meinen Hals
Sie zischeln mir ins Ohr
bis ich grinse
Ihre Bewegungen sind geschmeidig
wie ihre Worte
Ich liebe ihre Haut
Ihre Zungen & ihre Zähne
Ich liebe ihren Biss
Ihr Gift ist
ein künstliches Paradies
Ein schmerzendes Vergessen
Ein schmerzendes Erinnern
Fantasie vielleicht
Sonst nichts
Ich lebe auf einer Schlangenfarm
Wo sonst könnte ich leben ?



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